24. Dezember 2013

Leon S. Kennedy saß allein in seiner Wohnung in Washington D.C. und war dabei, eine Falsche Wein zu leeren. Es war dunkel, nur von draußen flutete das grüne und rote Licht der Weihnachtsdekoration, die die Straßen um diese Jahreszeit schmückte, durch das Fenster herein.

Über Weihnachten hatte er sich beurlauben lassen, nachdem die Probleme weltweit, die der C-Virus verursacht hatte, endlich beseitigt worden waren und der Friede wieder eingekehrt war. Er brauchte Zeit für sich und mied selbst den Kontakt zu seiner Partnerin Helena Harper.

Seit er aus China zurückgekehrt war, hatte er pausenlos nur an eine Person gedacht: Ada Wong.

Helena hatte das ausgesprochen, was er sich all die Jahre nicht hatte eingestehen wollen. Ada war nicht einfach ein Teil seines Lebens, der ihn immerzu begleitete und nicht losließ, er hatte Gefühle für sie. Und er hatte endgültig genug. Er konnte es nicht mehr ertragen, dass sie ihn immer im Dunkeln über alles ließ und weglief.

Er wollte sie. Er wollte mit ihr zusammen sein. Doch vermutlich würde das niemals möglich sein.

Chris' Worte klangen noch in seinen Ohren, als er Leon am Telefon eröffnet hatte, dass Ada Wong tot sei. Leon hatte sich nichts anmerken lassen und hatte sich weiterhin auf die Mission konzentriert, doch innerlich hatte es ihn schwer erschüttert und getroffen.

Sie später lebend und wohlauf zu sehen und zu erkennen, dass sich Chris' Nachricht als falsch herausgestellt hatte, war seit langem der glücklichste Moment für ihn gewesen.

Doch die Freude war schnell in Ernüchterung umgeschlagen, als sie ihn wieder allein stehen gelassen hatte und verschwunden war.

Er wusste nicht, wie lange er ihr Spielchen noch ertragen konnte. Nach der Geschichte mit Simmons wollte er endlich Antworten. Er wollte endlich wissen, wer Ada wirklich war.

Während er auf dem Sofa saß, hatte er die Ellbogen auf seinen Oberschenkeln abgestützt und blickte gedankenverloren auf den Tisch, wo ein kleiner, runder Taschenspiegel lag. Es war das einzige, das ihn an Ada erinnerte und mit ihr verband. Er hoffte darauf, sie wiederzusehen und ihn ihr zurückzugeben.

Er nahm sein Glas und leerte es in einem Zug, während er sich aufrichtete und zurücklehnte. Der Wein ging allmählich zur Neige und entfaltete bereits seine berauschende Wirkung. Leon fühlte sich müde und schwindelig, aber das sollte ihm bloß recht sein. Der Alkohol vermochte ihm wenigstens die gewünschte Entspannung zu geben, die ihm seit Monaten fehlte.

Er starrte lange Zeit tief in Gedanken versunken an die dunkle Zimmerdecke, dann plötzlich wurde er durch ein Geräusch aus einem anderen Raum aufgeschreckt.

Alarmiert setzte er sich auf und horchte. Zuerst dachte er, er hätte es sich nur eingebildet, doch nach einem kurzen Moment der Stille hörte er eindeutig vorsichtige Schritte in seinem Schlafzimmer. So weit er sich erinnern konnte, hatte er dort das Fenster offen gelassen.

Er erhob sich von der Couch und schlich in den Flur, wo er seine Dienstwaffe ergriff und entsicherte. Er war von seinem Trinkgelage wacklig auf den Beinen und hatte Schwierigkeiten, die Pistole gerade zu halten. Sein Herz pochte etwas zu schnell und er musste sich mit einer Hand an der Wand abstützen.

Vorsichtig und so leise es ging näherte er sich seinem Schlafzimmer. Die Tür war nur angelehnt. Er drückte sie mit Schwung auf und zielte in die Dunkelheit. Kalte Luft strömte durch das Fenster herein und bewegte die Vorhänge sanft auf und ab. In der Nähe des Fensters konnte er die Umrisse einer Person ausmachen.

„Wer sind Sie und was tun Sie hier?", fragte Leon mit so viel Festigkeit in der Stimme, wie er aufbringen konnte.

„Aber, aber, ich hätte mir eine herzlichere Begrüßung erwartet", sagte eine allzu vertraute Stimme.

„Ada?" Er ließ augenblicklich seine Waffe sinken.

„Hey", sagte sie leise. Ihre Stimme war heiser. „Du siehst ja aus, als hättest du einen Geist gesehen."

„Was machst du hier?", fragte Leon.

„Darf ich einem alten Freund nicht zu Weihnachten einen Besuch abstatten?"

Sie trat aus der Ecke nach vorne. Das Licht der Straße beleuchtete schwach ihre Gesichtszüge.

Sie trug eine schwarze lederne Hose und eine rote Bluse. In einer Hand hielt sie ihren Enterhaken, mit dem sie sich wohl Zutritt zu seiner Wohnung verschafft hatte.

„Und ich schulde dir ein paar Antworten", fügte sie hinzu.

Sie wirkte erschöpft, als sie sprach. Trotzdem stand sie lässig mit verschränkten Armen da und hatte ihre kühle Fassade aufgesetzt.

„Was ...?", fragte Leon verwirrt. Die Situation schien so surreal und der Alkohol vernebelte seine Sinne, das er einige Zeit brauchte, um zu begreifen, was gerade geschah.

„Ich glaube, du hast viele Fragen", meinte Ada und schritt auf ihn zu.

Leon antwortete nicht. Er war zu perplex, um die richtigen Worte finden zu können. Ada jetzt so plötzlich vor sich stehen zu sehen, überforderte ihn. Außerdem spürte er Ärger in sich aufwallen.

„Du hast vielleicht Nerven", sagte er, als er sich wieder gefangen hatte und seine Waffe weglegte, allerdings durch den Alkohol ruppiger, als er beabsichtigt hatte.

„Du meinst wohl, du kannst nach allem, was passiert ist, hier einfach so auftauchen, als wäre gar nichts? Viele Fragen, ja?"

Er wandte sich von ihr ab. Sie musste seinen Unmut bemerkt haben, denn in ihrem nächsten Satz klang Beschwichtigung mit.

„Leon, ich verstehe, wenn du wütend bist."

„Du verstehst überhaupt nichts", entgegnete er. „Ich dachte, du wärst tot. Dann heißt es im nächsten Moment, es gäbe zwei Adas und du bist noch am Leben. Dann diese seltsame Geschichte mit Simmons. Und du natürlich bist einfach wortlos gegangen und hast mich wieder stehen lassen."

„Genau deswegen bin ich jetzt hier", sagte Ada ernst. „Diesmal will ich dir ein paar Antworten geben."

„Auf die Antworten bin ich gespannt", spöttelte Leon und ließ sich auf der Kante seines Bettes nieder. Sein Kopf begann zu dröhnen.

Ada setzte sich neben ihn.

„Es tut mir Leid, Leon", sagte sie dann ehrlich.

Er sah sie von der Seite an.

„Ich weiß es sehr zu schätzen, wie du um mich bemüht warst. Du hast mir das Leben gerettet. Und ihr habt Simmons vernichtet. Du sollst jetzt die Antworten bekommen, die du willst."

„Alle?"

„Ja."

Leon schwieg für einen Moment. Tausend Gedanken schossen ihm gleichzeitig durch den Kopf, aber eigentlich hatte er nur eine Frage, die ihn wirklich bewegte und die ihn ebenfalls seit Jahren begleitete.

„Wer bist du, Ada? Du verfolgst mich seit 15 Jahren, bist ein Teil meines Lebens geworden. Und ich kenne dich überhaupt nicht."

Es war eine ernüchternde Feststellung. Nach den Ereignissen in China und der Verbindung zwischen Ada und Simmons hatte sich Leon einmal mehr eingestehen müssen, wie wenig er über die Spionin in Rot wusste.

„Meine Geschichte ist auch nicht gerade rühmlich", sagte Ada.

„Ja, wenn man bedenkt, dass du für das Chaos da draußen mit verantwortlich bist. China, Kijuju, Las Plagas, Wesker ..."

„Ich leugne es nicht."

„Ich will alles von Anfang an wissen. Alles. Das bist du mir verdammt noch mal schuldig."

Sie nickte. Sie musterte ihn kurz von der Seite. Ihr war offenbar nicht entgangen, dass er getrunken hatte.

„Also gut. Ich habe für Simmons gearbeitet, aber das ist sehr lange her. Er wurde ... ziemlich besessen von mir, wie du sicher festgestellt hast."

„Ich hab es noch lebhaft vor Augen", bemerkte Leon trocken.

„Simmons wurde sehr aufdringlich, weil er eine Beziehung mit mir wollte. Ich habe sein Werben immer abgewiesen und ihn schließlich verlassen. Ich habe Ende der 90er-Jahre angefangen, für die Organisation zu arbeiten. Ich sollte Umbrella ausspionieren. Du erinnerst dich vielleicht, dass ich damals mit dem Forscher John Clemens zusammen war, dem neuen Leiter der Anlage in den Arklay-Mountains-Laboratorien. Nichts ernstes freilich, auch wenn John das anders gesehen hat. Ich war nicht in Raccoon, als der Virus in der Anlage ausbrach. Ich wurde erst später in die infizierte Stadt geschickt, um Birkins G-Virus zu beschaffen. Ich habe die Ausrede benutzt, ich sei auf der Suche nach John."

„Für wen war der Virus bestimmt?"

„Für die Organisation. Und für Wesker."

„Wesker", murmelte Leon voller Ärger und ballte seine Hände unbewusst zu Fäusten.

„Warum hast du für ihn gearbeitet?"

Ada zögerte einen Moment.

„Wesker hat mich durchschaut", sagte sie schließlich langsam. „Er hat herausgefunden, dass ich eine Agentin war und mich erpresst. Er bewahrte mein Geheimnis, wenn ich ihm Kontakt zur Organisation aufbaue. Er hatte schon länger seine Flucht aus Raccoon geplant und dass er Umbrella den Rücken zukehren wollte. Ich ging auf den Deal ein. Wesker allerdings betrog die Organisation und fing an, auf eigene Faust zu handeln. Ich blieb der Organisation treu."

„Du warst aber für ihn in Spanien?"

„Das stimmt. Er wollte, dass ich den Las-Plagas-Parasit für ihn beschaffe, allerdings merkte er natürlich, dass er mir nicht vollends vertrauen konnte. Also schickte er Krauser, um mich zu beobachten. Krauser allerdings verfiel der Macht, die ihm der Parasit gegeben hatte, und auch er war nicht mehr daran interessiert, dass Wesker die Probe bekam. Wesker wollte, dass ich dich töte. Nachdem ich es nicht getan habe und dir geholfen habe, überließ er es Krauser. Ich habe Krauser ausgeschaltet."

„Du hast Krauser getötet?", fragte Leon ungläubig. Ada nickte.

„Ich habe die richtige Probe der Organisation übergeben und Wesker eine minderwertige, mit der nichts anfangen konnte. Unglücklicherweise hatte er doch einen Triumph im Ärmel. Er schickte HUNK, einen ehemaligen Umbrella-Agenten, nach Spanien und der beschaffte ihm eine Probe aus Krausers Leiche."

„Warum hast du so lange mit Wesker zusammengearbeitet? Ich verstehe das nicht", sagte Leon.

„Er wusste von der Familie, Leon, und das Simmons hinter mir herwar. Er half mir damals, meine Spuren zu verwischen, deshalb stand ich in seiner Schuld. Und ..." Sie brach ab und seufzte. Leon merkte, dass ihr etwas unangenehm war.

„Was ist los?"

Er verspürte zwar den Drang in sich, wagte es aber nicht, sie zu berühren.

„Verurteile mich bitte nicht dafür, aber ... Wesker und ich, wir ... haben nicht nur über die Organisation eine gemeinsame Vergangenheit."

„Wie darf ich das denn verstehen?", fragte Leon verwirrt. Eine böse Ahnung beschlich ihn.

„Wir hatten nach dem Raccoon City-Vorfall und ein paar Jahre danach mal ein kleines Techtelmechtel miteinander."

Der Schock war Leon in die Glieder gefahren und er starrte Ada fassungslos an.

„Wie bitte?! Du und Wesker, ihr hattet etwas miteinander?!"

„Das ist über 10 Jahre her, Leon, und es war nichts Besonders. Und außerdem ist Wesker tot. Das ist Vergangenheit. Hasst du mich jetzt?"

„Nein, natürlich nicht. Ich bin nur ... Das ..." Er holte tief Luft. Wenn er daran dachte, dass Wesker und Ada ... Er mochte sich etwas derartiges überhaupt nicht vorstellen. Er schob die Bilder beiseite und unterdrückte die Wut, die erneut in ihm aufwallte. Er wechselte das Thema.

„Was genau hat Simmons mit China zu tun? Und stimmt es, dass du Chris' Team umgebracht hast?"

„Ich habe Redfields Team nicht umgebracht. Das war meine Doppelgängerin. Ihr Name war Carla Radames. Sie war ein armes, kleines Ding."

„Was ist passiert?"

„Simmons war besessen von mir. Er wollte mich besitzen. Und es hat ihn wahnsinnig gemacht, dass er mich nicht bekommen konnte und dass ich ihn verlassen habe. Nach der Zerstörung von Raccoon City begann er, sich für die Entwicklung biologischer Waffen zu interessieren und an Viren zu arbeiten. Er holte eine sehr junge, aber sehr talentierte Forscherin in sein Team, Carla."

„Sie war deine Doppelgängerin?"

Ada nickte. „Ja. Simmons benutzte den G-Virus von Sherry Birkin, um daraus den C-Virus herzustellen. Er wurde über die Jahre so versessen darauf, mich zurückzubekommen, dass er schließlich begann, mich zu klonen. Aber alle Experimente scheiterten. Carla wollte das Selbe von Simmons, das er von mir wollte, deshalb hat sie sich für das Experiment freiwillig zur Verfügung gestellt. Als sie aber merkte, um was es wirklich ging, was Simmons wahre Absichten waren, wandte sie sich aus verletzter Liebe und Hass gegen ihn. Das war die vermeintliche Ada, die Jake und Sherry gefangen nehmen ließ, den C-irus mit dem Antikörper des Jungen verstärkte, ihn überall unter dem Deckmantel von Neo-Umbrella verbreitete und Chris' Team in Edonien tötete. Nicht ich."

„Das ist eine ziemlich abenteuerliche Geschichte", sagte Leon, der nicht wusste, was er fühlen sollte. Und vor allem wusste er nicht, ob er Ada Glauben schenken sollte.

„Das bedeutet, dass sie Simmons infiziert hat. Ja, das würde passen. Aus Rache nehme ich an."

„Ja. Nichts ist schlimmer als der Zorn einer verschmähten Frau", sagte Ada.

„Wie kam die Familie auf Jake? Wie hat man ihn in Edonien gefunden?"

„Ich fürchte, dafür bin ich verantwortlich. Ich bekam vor zwei Jahren einen Auftrag. Es hieß, dass ich herausfinden soll, ob das Gerücht stimmt, dass Albert Wesker einen Sohn hat. In Edonien wurde ich fündig. Obwohl ich zugeben muss, dass ich sehr überrascht war. Man schien bereits vorher von ihm zu wissen. Aber gut, die Dinge sind in Ordnung gekommen, dank ihm."

„Was ist mit Carla passiert? Wenn ich das richtig sehe, dann hat Chris Carla erschossen und nicht dich. Er hat mir damals am Telefon gesagt, du seiest tot."

„Ja. Sie hat sich aber mit dem C-Virus infiziert und mutierte in ein Monster. Ich habe sie getötet. Sie stellt keine Bedrohung mehr dar."

„Bist du froh, dass Simmons tot ist?"

„Ja", antwortete Ada schlicht. „Simmons ist Vergangenheit, mit der ich abgeschlossen habe."

„Was hat es mit der Familie auf sich?"

„Die Familie ist eine Organisation, eine Art Bruderschaft, die seit Jahrhunderten die Geschicke der westlichen Welt lenkt", erklärte sie. „Alles, was sie wollten, ist die Welt nach ihren Vorstellungen zu Gestalten, den Status Quo, der ihnen am Besten passt, zu wahren. Simmons war das letzte Oberhaupt, so weit ich unterrichtet bin. Er hatte Angst, dass die Verbindungen zwischen Umbrella und der US-Regierung ans Tageslicht gelangen könnten, deshalb ermordete er Präsident Benford. So weit ich es herausgefunden habe, wurde der C-Virus in Edonien getestet, nachdem er vervollständigt wurde. Carla allerdings hatte andere Dinge geplant, als die Welt in einer neuen Ordnung zu stabilisieren. Sie wollte Zerstörung, Chaos, das genaue Gegenteil von Simmons."

„Was hast du nach China gemacht? Warum bist du wieder gegangen?"

„Ich hatte noch etwas zu erledigen. Ich habe Carlas Labor und ihre Forschung zerstört. Die letzten Monate hatte ich einen Auftrag."

Leon ließ Adas Worte auf sich Wirken. Er war durcheinander und innerlich aufgewühlt. Er wusste nicht, was er tun sollte.

Ihre Worte ergaben Sinn, aber sie hatte in der Vergangenheit schon öfter Lügen erzählt und Geheimniskrämerei betrieben, deshalb war er verunsichert. Warum sollte sie jetzt die Wahrheit erzählen? War das alles nur wieder ein Trick? Ein Spiel? Um ihm vermeintlich Informationen zu geben, aber ihn dennoch im Dunkeln zu lassen?

Leon erhob sich und schritt durch den Raum. Ihm war heiß trotz der Kälte, die durch das Fenster hereinströmte.

„Warum sollte ich dir vertrauen, Ada? Woher weiß ich, dass du mir die Wahrheit erzählst?"

Ada stand ebenfalls auf. „Weißt du, diese Geschichte mit deiner Doppelgängerin klingt sehr phantastisch."

„Du musst mir nicht glauben, Leon. Ich verstehe, wenn du mir nicht vertraust. Du hast allen Grund dazu. Glaube mir aber so viel, dass ich nichts mit den letzten Anschlägen zu tun hatte. Und ich bin hier. Ich bin zu dir gekommen, um dir die Wahrheit zu erzählen. Ich wollte die Schuld einem alten Freund gegenüber endlich begleichen. Mehr kann ich nicht tun."

Er hörte ihre Schritte. Sie ging Richtung Fenster.

„Ich ...", begann Leon, doch er wusste nicht mehr, was er sagen sollte.

Sie wandte sich zum Fenster und nahm ihren Enterhaken. Sie war im Begriff, auf das Fensterbrett zu steigen und sich hinauszuschwingen. Leon wusste, was er zu tun hatte. Er musste seine Chance ergreifen, denn er wusste, dass er keine zweite Gelegenheit haben würde.

„Ada."

Leon ergriff Adas Hand, um sie zurückzuhalten, und zog sie an sich.

„Leon ..." Ada versuchte, sich aus seinem Griff zu wenden, doch er ließ es nicht zu.

„Nein, Ada, diesmal nicht", sagte er mit Bestimmtheit, nahm ihr die Pistole aus der Hand und warf sie achtlos auf den Boden.

„Diesmal lasse ich dich nicht so einfach gehen."

Sie stand jetzt dicht bei ihm und sah ihn mitleidsvoll an.

„Leon das geht nicht."

„Ada. Ich kann das nicht mehr. Ich lasse dich nicht wieder weglaufen. Ich ..."

Er zögerte einen Moment, dann sprach er das aus, das seit Jahren in seinem Inneren verborgen lag: „Ich liebe dich, Ada."

„Leon ...", seufzte Ada leise und wich seinem Blick aus. Er spürte, dass sie angespannt war und der Situation entfliehen wollte.

Leon nahm ihr Gesicht in seine Hand und zwang sie, ihn anzusehen. Für einen kurzen Moment sahen sie sich in die Augen, dann beugte er sich zu ihr und küsste sie.

Zuerst schrak sie ob seiner plötzlichen Zuneigung zurück, doch dann erwiderte sie vorsichtig seinen Kuss.

Wie lange hatte er auf diesen Moment gewartet? All die Monate voller Sorgen waren wie vergessen.

Leon zog sie näher an sich und nahm sie in seine Arme.

Ihr Kuss wurde bald intensiver und schließlich ließen sie sich auf dem Bett nieder.


Am nächsten Morgen als Leon erwachte, fand er den Taschenspiegel auf seinem Nachttisch liegend. Darin befand sich ein Zettel mit den Worten:

Mein Geschenk für dich.

Darunter hatte sie ihm ihre Telefonnummer hinterlassen.