Eure Reviews haben mich wieder total glücklich gemacht, freue mich über jedes Feedback und jede Fehlerkorrektur - ich kann ja dadurch nur besser werden ;-) Reviewantworten kamen wieder extra bei jedem zu Hause an; hier trotzdem nochmals eine kurze Honorierung für diejenigen, die mir die Freude gemacht haben ihr Feedback hier zu hinterlassen:
sundayshine: deine Fragen zeigen mir, dass du dich mit meiner Geschichte beschäftigst und das ist ein großes Lob für mich und dafür danke ich dir sehr herzlichst
Mystic Girl1: 'hannon le' für dein wunderbares Lob (rotwerd) und dass du hier nochmals vorbeigeschaut hast. Fehler bitte wieder per Review melden ;-)
Elanor8: danke, dass du meine Beschreibungen und diese Geschichte so magst und wieder bei mir warst! Dein Feedback hat gaaanz toll 'geschmeckt' :-)
Nyella: es tut unheimlich gut, wenn die eigene Beta so viele lobende Worte übrig hat und Fehler sind da um daraus zu lernen, ich hoffe, es nützt etwas bei mir :-)
Erklärung: Langsam nimmt Legolas die Hilfe von Aragorn an und dieser versucht ihn nun zu einer Aussprache zu bewegen...
Und hier muss ich jetzt ganz, ganz toll meine Beta Nyella knuddeln, denn sie hatte diesmal mächtig viel Arbeit mit mir und dafür hier noch ein extra Danke!
... habe ich diesmal schon erwähnt, dass ich mich wieder wahnsinnig über euer Feedback freue :-)
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STILLE SCHREIE
von
Elbendrache
4. Hilfeschrei
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Legolas versuchte sich aufzurichten, doch Aragorn hielt ihn zurück.
"Warte, bleib' noch liegen, deine Schulter ist verletzt."
Seine gutgemeinten Worte blieben ungehört und der Elb kam nur soweit sich leicht aufzurichten, stöhnte dabei gequält und sackte kurz wieder zurück, um es gleich nochmals zu probieren. Während der junge Mensch ihn dabei kopfschüttelnd beobachtete, drang sich ihm der Gedanke an einen alten Spruch auf, wer nicht hören will muss fühlen, doch er vermied es, ihm dies in seiner Situation vorzuwerfen. Dafür bot er ihm seine Hand dar und suchte in dessen Augen nach einer Reaktion. Der Blick, der ihn kurz traf, war neben Schmerz noch immer mit Misstrauen behaftet, doch nahm der Elb sie diesmal an und Aragorn half ihm, sich aufzusetzen. Schneller atmend und mit noch etwas weniger Farbe im Gesicht, lehnte Legolas danach am Felsen und schloss kurz die Augen.
"Du wirst es mit jeder Bewegung verschlimmern. Bleib' ruhig sitzen", redete er hilfreich weiter auf ihn ein.
Er machte sich Sorgen um das, was nun folgen würde, hatte er doch gestern seine Reaktionen erlebt. Legolas presste die Lippen aufeinander und seine Augen wirkten klein, voll Zeichen des Schmerzes.
"Was ist genau passiert?", fragte Aragorn, der sich neben ihm niederkniete und versuchte, ihn mit einem Gespräch abzulenken. Verwirrt blickte ihn der Elb von der Seite entgegen, schüttelte langsam den Kopf und hielt jedoch schnell inne, denn auch diese Bewegung war nicht ohne peinigende Folgen. Aragorn deutete seine Geste, dass er sich an nichts mehr erinnerte.
"Du hast hier gegen Orks gekämpft, bist über den Felsrand gerutscht und hast dir wahrscheinlich beim Aufschlag die Schulter ausgerenkt", erklärte er ihm, während er mit aller Vorsicht Legolas' rechte Hand ergriff. Dieser zuckte bei der leichten Bewegung zusammen und stöhnte leise.
Aragorn hatte bei anderen Männern bereits miterlebt, wie schmerzhaft die kommende Prozedur werden würde. Still dankte er jetzt seinen daraus gemachten Erfahrungen, denn er wusste dadurch, was nun zu tun war.
"Hast du das zweite auch gefunden?", fragte Legolas gepresst, dabei auf sein weißes Messer im Köcher deutend den Aragorn noch immer umgeschnallt am Rücken trug.
Ohne aufzublicken, erklärte er ihm: "Ja, habe ich. Es liegt dort vorne beim Abgrund."
„Und meinen Bogen?"
Diesmal musste Aragorn enttäuschend den Kopf schütteln. Seinen Bogen hatte er nirgends gesehen. Er konzentrierte sich auf das nun Folgende und fasste vorsichtig mit beiden Händen den Unterarm des Elben. Er musste den Ellenbogen abwinkeln und danach durch Ziehen und Drehen des Armes das Schultergelenk wieder richtig reponieren. Legolas sog hart die Luft ein und der heftige Schmerz trieb ihm die ersten Tränen in die Augen.
„Versuche so weit wie möglich die Muskeln zu entspannen, sonst gelingt es nicht sofort und ich brauche dir wohl nicht zu erklären, wie schmerzhaft ein misslungener Versuch sein würde", erklärte Aragorn mit leiser Stimme.
Mit einem gequälten Ausdruck im Gesicht keuchte Legolas nur ein kurzes „Nein".
"Halte dich mit der anderen Hand an mir fest. Du wirst es brauchen", forderte ihn Aragorn gutgemeint auf.
Der Elb reagierte nicht darauf. Aragorn wusste, er müsse jetzt schnell sein, sonst würde dies noch mehr Qualen bedeuten. Mit einem gezielten Ruck war es geschehen und Legolas schrie auf, unfähig diesen Schmerz zu verdrängen und presste sich unwillkürlich an Aragorns Schulter, einen weiteren Schrei darin erstickend. Schwer keuchend und am ganzen Körper zitternd hielt er sich krampfhaft weiter an ihm fest. Die Schmerzen mussten horrend sein und Aragorn fühlte sich elend, ihm so hilflos dabei zusehen zu müssen.
Langsam entspannte sich Legolas etwas und lehnte deutlich schwerer an der Schulter des Dúnadans. Er atmete immer noch schneller, hielt die Augen geschlossen und Aragorn merkte, dass es mehr war, als nur der körperliche Schmerz, der den Elben noch bei ihm verharren ließ. Er hatte das Gefühl, als würde er sich zum ersten Mal an ihn wenden und seine Hilfe annehmen, seine Hilfe dringend brauchen. Diese Sicherheit wollte er ihm geben und legte vorsichtig seinen Arm um ihn, fühlte dabei das immer noch währende Zittern seines Körpers. Für einen kurzen Moment spürte er, wie sich Legolas fallen ließ, scheinbar nicht nur körperlich, aber mit der unausgesprochenen Gewissheit, dass Aragorn ihn auffangen würde.
Dieser zarte Hauch des Vertrauens bewegte den Menschen und als Legolas den Kopf hob und von ihm abließ, schien es ihm, als blickte ihn dieser zum ersten Mal bewusst entgegen. Die darin gefundene Klarheit in seinen blauen, noch immer tränenglänzenden Augen überraschte ihn. Es war, als hätte ihn dieser starke Schmerz aus einem tiefen Alptraum erweckt und würde eben daraus zurückgekehrt sein. Der Moment währte nur kurz und Aragorn nahm sich vor, ihn später mit seiner gesamten Situation zu konfrontieren. Zuerst musste er ihm jedoch noch anderweitig helfen.
"Dein Arm muss unbedingt ruhig gestellt werden. Dazu brauche ich die Sachen auf meinem Pferd und am Weg hier her habe ich galmae entdeckt, das deine Schmerzen etwas lindern wird. Es wirkt sehr gut bei dieser Art von Verletzung."
Aragorn ging zum Steinabhang, hob das Messer auf und übergab dieses mitsamt dem Köcher an Legolas. Er würde sich im Notfall auch mit der linken Hand verteidigen können.
"Ich bin gleich wieder zurück. Ich hole nur schnell mein Pferd."
"Danke", kam es ehrlich von dem Elben, der inzwischen wieder an der Felswand lehnte.
Aragorn blickte noch einmal zu ihm zurück, bevor er zum Weg durchstieß und zu laufen begann. Ihm war bewusst, nun einen Zugang zu Legolas gefunden zu haben und würde ihn nun weiter wachrütteln und zu allem genauer befragen. Er hoffte, wenn er ihn mit seinem Tun konfrontierte, würde er wieder in sein altes Leben zurückkehren wollen.
Rasch waren ein paar galmae-Wurzeln mit dem Messer ausgegraben und sein Pferd stand auch noch immer geduldig an der zurückgelassenen Stelle. Dessen Nüstern bebten, als Aragorn liebevoll darüber strich.
"Du bist ein gutes Pferd. Es wird Zeit dir einen Namen zu geben und ‚Boron' klingt mir sehr passend für dich, denn ‚treu' bist du wahrlich", sprach er leise zu ihm, stieg auf und lenkte ihn den kurzen Weg weiter hinauf, wo die späte Nachmittagssonne spielerisch zwischen den hohen Baumstämmen hindurch schien und die hier umgebenden Pflanzen in ein warmes Licht tauchte.
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Aragorn bog die letzen Schritte zur Lichtung ein und bemerkte Legolas' Schimmel neben seinem Reiter grasen. Dieser musste abermals auf ein Zeichen seines Herren wartend irgendwo in der Nähe gestanden haben. Er bewunderte die Pferde elbischen Zuchtblutes, die eine sehr tiefe und innige Beziehung zu ihren Reitern entwickelten. Früher hatte er selbst so ein prächtiges Tier sein Eigen nennen können. Legolas stand hinter diesem und hatte den Köcher mit den Waffen über seiner linken Schulter hängen. Je näher er ihm kam, desto skeptischer wurde Aragorn. Er stieg ab und stellte sich mit einem ungläubigen Ausdruck auf dem Gesicht vor ihn hin, während sich die beiden Pferde freundlich begrüßten.
"Willst du wieder weiter?", fragte er mit einem gehörigen Erstaunen in der Stimme.
"Ja", sagte der Elb nur knapp, wenn auch sehr müde wirkend.
"Wohin?"
Legolas strich über den Hals seines Pferdes, ohne zu ihm aufzublicken. "Weiter", entgegnete er emotionslos.
Aragorn trat an seine Seite. "Du meinst weiter nach Süden, nach Hause", betonte er hoffnungsvoll.
Danach wandte sich Legolas direkt an Aragorn und es lagen so viele Fragen in seinem Blick, dass dieser die Gelegenheit packten musste, um ihn weiter zu konfrontieren. Er konnte ihn nicht schon wieder gehen lassen und irgendwie war er auch etwas enttäuscht, dass er abermals weg wollte, nach allem was geschehen war.
Auf die im Gras liegenden Orks deutend fragte er ihn: "Du willst somit weiter im Alleingang alle Orks ausrotten? Wie lange willst du so weitermachen?"
Keine Reaktion folgte.
Aragorn brachte dies nur noch mehr auf.
"Und ich habe das Gefühl, es ist dir egal, wenn du dabei dein Leben verlierst." Vielleicht konnte er ihn mit diesen Worten hervorlocken. Er musste jetzt alles versuchen.
"Menschen sterben auch, warum erscheint dir dieser Gedanke bei einem Elben so unmöglich?"
Aragorn akzeptierte diese Erwiderung nicht, wusste er doch, man könne in diesem Punkt Menschen und Elben nicht vergleichen.
"Aber Elben ist ein anderer Weg in ihrem Leben vorgezeichnet."
"Darf ich deshalb nicht frei über mich entscheiden?"
Eine Spur von Zorn wurde in Legolas' Zügen sichtbar und Aragorn war gewarnt, jetzt nicht weiter näher darauf einzugehen, denn das Gespräch wäre sonst schneller beendet, als er es vorhatte. Er musste eine andere Taktik anwenden.
"Nicht, dass dein Ableben einen großen Verlust bedeuten würde. Ich hatte dich in Imladris ja auch kaum beachtet", heuchelte er ihm diesbezüglich Desinteresse vor. Das war natürlich total gelogen, denn er hatte sehr wohl vernommen, dass der Sohn König Thranduils ein begnadeter Kämpfer war. Auch seine Frau, eine wunderschöne Waldelbenfrau, hatte er einmal in Imladris angetroffen und sie noch gut in Erinnerung behalten. Sie war voller Anmut und ihr dunkel schimmerndes Haar umkränzte schmeichelnd ihr feinzügiges Gesicht. Unwillkürlich tauchte das Antlitz Arwens vor seinem geistigen Auge auf. Arwen... nach der sich sein Herz so sehr sehnte und die er niemals wieder treffen würde... niemals wieder treffen durfte.
"Sie haben mir alles genommen..."
Diese unerwarteten Worte rissen Aragorn aus seinen eigenen, quälenden Gedanken und er hörte Legolas leise weitersprechen.
"Und ich... trage die Schuld daran."
Aragorn hatte damals keine Details über den Hergang des tragischen Unglücks gehört, aber jetzt wurde ihm einiges klarer. Er blickte in das Gesicht des Elben ihm gegenüber, der sich danach wieder seinem Pferd zuwandte. Er, der in Imladris unter ihnen aufwuchs, konnte darin mehr lesen, als sonst ein Mensch und jeder andere würde es unüberlegt als ausdruckslos bezeichnen. Legolas machte sich neben dem Verlust auch große Selbstvorwürfe an allem die Schuld zu tragen.
Voller Mitgefühl legte Aragorn ihm seine Hand auf den Arm und sprach verständnisvoll auf ihn ein. "Davon habe ich gehört, Legolas und es muss entsetzlich für dich sein. Man erzählte mir jedoch auch, dass du ebenso nicht mehr leben würdest, weil du schon so lange verschwunden warst."
Der Elb blickte nicht auf, antwortete nur leise: "Das stimmt. Ich lebe seither auch nicht mehr."
Er hatte noch nie einen Elben mit solch einer Verzweiflung und Resignation angetroffen. Immer schon hatten sie ihr Schicksal angenommen und weitergemacht. Furchtbare Dinge mussten diesem Geschehen vorausgegangen sein, dass er so derart seinem Lebenswillen abgeschworen hatte.
„Auf Dauer werden die Orks zu zahlreich sein, selbst für einen guten Kämpfer wie dich." Er deutet mit dem Kopf auf die im Gras verstreut liegenden Orks, ihn dabei nicht aus den Augen lassend. „Aber ich denke, du versuchst ihr zu folgen, indem du auch sterben willst", fügte er mit Bedacht hinzu.
Legolas ging nach diesen Worten etwas auf Distanz, doch wandte er sich ihm jetzt direkt zu, wenn auch immer noch weiter wortlos. Aragorn erkannte in dem zugeworfenen Blick, dass er mit seiner Feststellung nicht einverstanden war konnte jedoch jetzt nicht mehr anders und wollte ihn zu einem gewissen Punkt führen, um ihm die Augen zu öffnen.
"Und hast du auch nur einmal darüber nachgedacht, was du deinen Leuten damit antust, die dich lieben? Sie sind voller Trauer und vermissen dich genauso und du gehst einfach fort, ohne ihnen etwas von deinem Verbleib zu sagen? Warum kehrst du nicht wieder zurück?"
Unbewusst ließ er sich von seinen eigenen, verdrängten Gefühlen hinreißen. Sein schlechtes Gewissen seiner Familie gegenüber kam schmerzlich hoch und hielt ihn ab, über seine Worte nachzudenken.
Zu spät sah er den Schmerz in Legolas Augen, den jene ausgelöst hatten. Ruckartig entzog ihm dieser seinen Arm, drehte sich zum Pferd und versuchte aufzusteigen, was ihm mit der verletzten Schulter jedoch misslang.
Aragorn hielt ihn auf.
"Du kannst nicht immer davonlaufen, du musst dich dem allen stellen. Nur so kannst du wieder deinen Frieden finden."
Der Elb hielt inne, blickte langsam von Aragorns Hand direkt in seine Augen. Diesmal war darin die gleiche Kälte wie am vergangenen Tag zu finden. Diese eindeutige Warnung ignorierend zog Aragorn ihn vom Pferd weg.
"Du kannst es nicht verstehen. Lass mich los!", warnte ihn der Elb leise.
Er zog ihn trotzdem weiter und Legolas ließ es sich scheinbar gefallen.
„Estel, lass mich los!" Mit einem für ihn sicher schmerzhaften Ruck riss er sich frei und versuchte abermals auf das Pferd zu gelangen.
„Nein, ich werde dich jetzt nicht mehr alleine lassen." Verzweifelt wollte er ihn nochmals packen, doch der Elb war schneller. Drohend richtete sich eines seiner Messer auf ihn. Aragorn verharrte ruhig und in dem Moment wurde ihm bewusst, dass langsameres Vorgehen seinerseits wohl besser gewesen wäre.
„Legolas, bleib bitte hier, ich werde dir helfen!", versuchte er nochmals auf ihn einzureden.
Noch immer sein Messer auf ihn gerichtet, zischte dieser bedrohlich: „Bleib wo du bist, Mensch, und mische dich nicht in mein Leben ein. Du könntest deines dabei verlieren!"
Nach diesen harten Worten, drehte er sich um, versuchte kein weiteres Mal den Aufstieg auf sein Pferd und ging neben diesem langsam in Richtung fortlaufenden Weg davon.
Zurück blieb Aragorn, in dem, mit einer Mischung aus Schrecken und Verdruss über das Geschehene, die Gedanken rasten. Er verstand Legolas' Argumente, doch konnte dieser nicht immer vor allem davonlaufen und im Schutze seiner Familie würde er doch Trost finden? Widerstrebend stellte er bei diesen Gedanken fest, dass er genau das Gleiche getan hatte. Im letzten Winter hatte er aus seinen verletzten inneren Gefühlen heraus alle verlassen die ihn liebten, die ihn noch immer gebraucht hätten. Doch konnte er damals nicht anders und sah derzeit keinen Weg, der dies jemals ändern könnte.
Er stieg auf sein Pferd, lenkte es zum ausgetretenen Weg und ihm wurde abermals klar, was er zu tun hatte. Er konnte ihn nicht mehr alleine lassen. Er fühlte sich ihm bereits zu sehr verbunden, sein Schicksal ging ihm jetzt nahe, denn er hatte das Leid in seinen Augen gesehen, ein Leid, welches er nur zu gut verstand.
Aragorn stieg wieder ab und folgte mit dem Pferd im Rücken den Spuren Legolas'. Bald verließen diese den Weg und führten zu einem weitern, kleinen baumlosen Platz. Hier ließ er Boron zurück und schlich vorsichtig alleine durch die dichten Baumreihen. Nach einer Weile sah er den Elb im Gras zwischen den hohen Bäumen liegen und sein Pferd stand neben ihm. Er vermied es, sich ihm zu nähern, denn er wäre nur wieder vor ihm geflohen oder hätte ihn angegriffen. Anstatt dessen wollte er diesmal anders vorgehen. Den Weg zurückschleichend schnappte er sich seinen Bogen und ein paar Pfeile. Zum ersten Mal an diesem bereits weit fortgeschrittenen Tag bekam er ein großes Hungergefühl und war sich sicher, auch Legolas würde dieses bereits verspüren.
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Diesmal hatte eines der Wildkaninchen keine Chance zu entkommen und Aragorn schürte das Feuer für den bevorstehenden Braten. Die von ihm gewählte Stelle bot eine gute Sicht durch die hier eher lose stehenden Bäume verschiedenster Arten und gewährte den Schutz einer höhlenartigen Felswand im Rücken. Dichte Farne wuchsen am Rande des offenen Platzes, der sich unter der oben weit nach vorne geneigten Wand sehr trocken hielt und deshalb als Nachtlager bestens geeignet war. Boron stand abgezäumt und vom Sattel befreit in seiner Nähe und schnaubte genüsslich in den umgebundenen Futtersack.
Langsam entschwand das Tageslicht zwischen den Bäumen, wich dem dunklen Drängen der Nacht, mit all ihren geheimnisvollen Begebenheiten, derer sich Aragorn jedoch schon längst gewöhnt hatte. Durch die Baumkronen konnte man noch das abendliche Türkisblau des Himmels erkennen und im Westen sammelten sich bereits ein paar rötlich schimmernde Wolken, damit die letzen Farben der Abendsonne reflektierend.
Er war sich seiner Sache so sicher gewesen, doch mit Einbrechen der Dämmerung verblasste die Genialität seiner Idee in ihm. Lustlos schnitt er sich ein Stück des fertigen Bratens ab und stellte etwas aufmunternd fest, dass er dank der hier gefundenen Kräuter köstlich schmeckte.
Immer dichter drängte sich die Dunkelheit rund um die kleine Feuerstelle und das rhythmische Zirpen der Waldgrillen verstärkte seine aufgekommene Müdigkeit. An einem dicken Baumstamm neben der Felswand lehnend streiften seine Gedanken ungewollt wieder zu Arwen. Die Begegnung mit Legolas und seinem widerfahrenen Schicksal hatte abermals alles in ihm wachgerüttelt. Was sie jetzt wohl machte? Der Spätfrühling in Imladris war zauberhaft, die Sträucher und Bäume verwandelten die schmale Schlucht in ein duftendes Blütenmeer und neben ihrem Lieblingsplatz donnerte dröhnend der von der Schneeschmelze reichlich Wasser führende Bruinen herunter. Zahlreiche, schmale Regenbögen umrahmten die einzelnen Wasserfälle und verstärkten damit im strahlenden Sonnenlicht diesen magischen Ort, verblassten jedoch beim Antlitz der Tochter Elronds, für die sein Herz noch immer voller Sehnsucht schlug. Wie könnte er sie jemals vergessen, wie würde er jemals damit leben lernen?
Verzweifelt blickte er in den Nachthimmel hinauf und fühlte abermals die kalte Hoffnungslosigkeit, die sich seit dem Abschied von ihr über sein Herz gelegt hatte. Nun ritt er wirklich einsam durch die Wildnis und seine Tage waren von Bitterkeit gezeichnet, wie er es damals vorausgesagt hatte. Bevor er sich weiter solch düsteren Gedanken hingeben konnte, hörte er ein kaum vernehmbares Rascheln und sah sich um. Legolas stand vor ihm und sein Blick sprach mehr als Worte es je vermochten. In seinen Augen lag ein stummer Hilfeschrei, direkt aus den Tiefen seiner Seele kommend.
Erklärung:
galmae: das Heilkraut Beinwell (Eigenübersetzung)
Bruinen: elbischer Name des Flusses „Lautwasser", der durch Bruchtal fließt
... noch jemand da? (riskiert einen wagen Blick)
... habe ich diesmal schon um "Futter" gebettelt? Please, feed the Dragon ...
bitte, bitte, bitte, bitte, bitte, bitte, bitte, bitte, bitte, bitte...
... dann freut's mich nach meinem Urlaub doppelt, schnell weiterzuschreiben :-)
D A N K E, H A N N O N L E :-D
