Autor: Noir13 / SeKaYa

Disclaimer: Alle bekannten Personen, Namen, Orte und Begriffe sind Eigentum von J. K. Rowling. Die Charakterisierung ist jedoch größtenteils auf meinem Mist gewachsen.

Hauptcharakter: Dorcas Meadowes

Nebencharaktere: Alastor Moody, die Prewetts, Kingsley Shacklebolt, Dawlish, Scrimgeour, Fenwick, Dearborn, Gawain Robards, Janet Carter, ...

Rating: PG12

Anmerkung: siehe Kapitel 1

Kapitel: 4 / 13


Januar 1973


"Wer die Dummköpfe gegen sich hat, verdient Vertrauen."

(Jean-Paul Sartre)


Das Müsli begann damit, ein Eigenleben zu entwickeln. Es bewegte sich. Vielleicht ein Versuch des Feindes, die Basis zu infiltrieren. Oder es war ein Anzeichen für Gift. Oder noch schlimmer... es war intelligent und reagierte auf eine drohende Gefahr.

Nun, weniger eine Gefahr und noch weniger drohend... es war die absolute Verblödung.

Sie kniff ein wenig die Augen zusammen, als die ihr wohl unliebsamste Person die Cafeteria betrat. "Sagt mal, hat hier wer 'ne Pflaume bestellt?", rief sie, so dass jeder sie hören konnte.

"Wieso?" Einer der Prewetts sah sie verwirrt an – oder besser ihr Müsli, da es noch immer in Bewegung war.

"Na, ist grad eine gekommen", sagte sie über die Köpfe hinweg und nickte in Dawlish' Richtung.

Dawlish schien wenig angetan, aber das lag auch in Dorcas' Absicht. Sie grinste ihn boshaft an, bevor sie sich wieder ihrem (intelligenten) Müsli zuwandte. Es währte nicht lange. Kurz darauf war es kein intelligentes Müsli mehr, es war explodiertes. Und es hing förmlich an ihr.

Nun, das bedeutete definitiv Krieg.

"Dawlish...", zischte Dorcas bedrohlich, während sie sich erhob. Die Prewetts brachten sich vorsorglich in Sicherheit. "Das wirst du mir büßen..."

Sie trauerte nicht ihrem Müsli nach – es war sowieso Bestandteil einer Verschwörung – und sie machte sich auch keine Gedanken darüber, dass ihre Robe eingesaut war – es passierte ihr ständig im Training. Nein, der Grund für den nahenden Vulkanausbruch war die simple Existenz von Dawlish und dem kausalen Zusammenhang zwischen ihm und der spontanen Explosion. Aber nun würden Köpfe rollen: Dawlish' und der all jener, die ihr in den Weg geraten würden.

"Ab jetzt bist du Freiwild!", fauchte Dorcas und stürzte sich auf Dawlish.

An diesem Punkt eskalierte die Situation. Was genau geschehen war, war später nicht mehr festzustellen. Der Anblick des Schlachtfeldes genügte. Tische waren umgekippt, Stühle zur Seite geschleudert. Hier und da waren die Reste von dem, was einst zum Mobiliar gehörte, zu sehen. Das Frühstück von mehreren Auroren zierte die Wände – wobei der Haferbrei definitiv ein Appetitvernichter war, wie er von der Wand tropfte. Tassen, Teller und Schüsseln gingen zu Bruch, der Boden war übersäht mit Scherben und Splittern.

Die meisten Auroren hatten sich taktisch zurückgezogen und warteten auf Moodys Ankunft. Er war die einzige Möglichkeit, um Dorcas und Dawlish zu trennen, und selbst dann würde er vielleicht auf operative Methoden zurückgreifen müssen. Die beiden rollten durch das Trümmerfeld, sich schlagend, kratzend, beißend. Nicht einmal an den Haaren ziehen war ein Tabu.

Der Erste am Tatort war jedoch nicht Moody – er war in einer Besprechung mit Bones, wie schnell die Runde machte – es war Scrimgeour. Scrimgeour war hilflos, sich aber absolut sicher, dass Dorcas Grund und Mittelpunkt von Chaos war, egal, welches und wo es stattfand. Dorcas hatte so eine Aura um sich, die sofort die Vermutung brachte, dass sie schuldig war.

Das war Scrimgeours Meinung.

"Sofort AUFHÖREN!", brüllte er, aber als ein Schreibtischarbeiter waren seine Stimmbänder nicht so trainiert wie die von jemandem wie Moody. "AUSEINANDER!"

Die Akustik des Raumes war denkbar schlecht und so hörten zwar die umstehenden Auroren, was Scrimgeour sagte, aber diejenigen, die es betraf, waren vollkommen unwissend ob ihres neuen Zuschauers.

Und dann tat Scrimgeour das Dümmste, was man in einer solchen Situation tun konnte: Er versuchte den Streit eigenhändig zu schlichten.

"Was ist hier los?" Auftritt Moody. "Was zur...? Scrimgeour, sind das Cornflakes?"

Moodys Stimme musste etwas Magisches haben, denn kaum hatte er den Raum betreten und sich an die Allgemeinheit gewandt, als das Schlachtgetümmel sich löste. Dorcas war bei weitem am besten weggekommen – ein blaues Auge, eine aufgeplatzte Lippe, einige blaue Flecke und Frühstück über ihre gesamte Erscheinung verteilt, so dass es eine unappetitliche Masse bildete. Dawlish sah aus wie ein gerupftes Huhn, dass sich für einen begossenen Pudel hielt. Und er hatte eine blutige Nase. Scrimgeour sah nicht besser aus.

Moodys Mundwinkel zuckten bei dem Anblick – das Lachen sparte er sich für den Trainingsraum später.

Das war der einzige Grund dafür, dass Moody Dorcas nicht durch die neunte Hölle jagte, wenngleich er nicht ganz auf die Hölle verzichtete. Aber trotz der Trainingstortur fühlte Dorcas sich ausgesprochen siegreich in ihrem Kampf gegen Dawlish.


Dorcas trommelte gelangweilt mit ihren Fingern auf den Tisch, dabei die eine oder andere Variation ausprobierend. Tap-tap-tap. Tap-tap-tap. Tap-tap-tap-tap.

"Kannst du mal damit aufhören?", grollte Dawlish, offensichtlich gestört durch Dorcas' unmusikalische Urwaldtrommelei. "Es reicht!"

Sie sah ihn aus den Augenwinkeln an und fuhr mit neuer Energie in ihrer Tätigkeit fort. TAP-TAP-TAP. TAP-TAP-TAP. Dawlish' Miene verfinsterte sich zunehmend, und Dorcas' hellte sich indessen leicht auf. Natürlich war sie nicht glücklich - ein Briefing in Gegenwart von Dawlish schloss das von vorneherein aus - aber immerhin konnte sie sich amüsieren. Und Amüsement auf Kosten von Dawlish waren das Beste, was sie hier erwarten konnte, zumindest bis Moody endlich auf der Bildfläche erschien und ein neuerliches Streitgespräch mit Scrimgeour anfing. Vielleicht hatte sie Glück und es eskalierte, so wie neulich.

Und vielleicht würde Moody sich sogar dieses Mal aktiv beteiligen. Nach Scrimgeours Bemerkungen über fehlende Disziplin bei Dorcas, und dass es natürlich am Mentor lag, war Moody äußerst gereizt. Dorcas wusch ihre Hände in Unschuld, auch wenn ihr das in diesem Fall nun wirklich niemand abnahm. Aber selbst Moody war der Überzeugung, dass Dorcas eigentlich ein prächtiger Auror war. Und solche Worte waren durchaus ein großes Lob aus seinem Mund, selbst wenn er ständig "Kerl" zu Dorcas sagte.

"Was ist das wieder für ein Chaos?", grollte Moody, als er den Raum betrat – Scrimgeour im Schlepptau. "Das soll ein Briefing sein, kein Kaffeekränzchen!"

Dorcas hob eine Augenbraue. "Ach, gibt es wieder Kaffee? Eben, als ich welchen gesucht habe, stand da ein Schild 'Shacklebolt war hier'..."

Moodys Mundwinkel zuckten für den Bruchteil einer Sekunde, aber das genügte. Er befand ihre Bemerkung als lustig, also hatte sie nicht mehr als eine Standpauke über den 'Ernst der Lage' – und Shacklebolts Kaffeediebstahl war eine ernste Lage – zu befürchten. Nachdem sie wieder zu Hause waren, natürlich. Momentan hatte Scrimgeour beschlossen, sich einzumischen.

Er wandte sich an Moody, was ein Fehler war. "Deine Rekrutin lässt es eindeutig an Respekt mangeln, Alastor. Du solltest wirklich etwas dagegen tun – ich sage es dir schon seit Wochen, dass du sie an eine kürzere Leine nehmen solltest!"

Dorcas unterdrückte ein Knurren. Kürzere Leine? Hielt er sie für einen Hund? Und überhaupt, was fiel ihm ein, so über sie zu sprechen, als wäre sie nicht anwesend? Moody schien entlang derselben Linien zu denken, nur kam bei ihm noch generelle Abneigung gegenüber Scrimgeour hinzu und die Tatsache, dass er es hasste, öffentlich kritisiert zu werden – und das auch noch grundlos!

"Rufus", grollte Moody mit einer nicht sonderlich versteckten Drohung, "ich warne dich: Sie ist meine Rekrutin. Ich entscheide, ob sie respektlos ist oder nicht. Ich entscheide, wie viel Freiraum sie bekommt. Ich bin ihr Mentor."

Still für sich füllte Dorcas die Pausen hinter jedem Satz mit einigen Flüchen ihrer Wahl. Wenn Moody schon aufhörte, Flüche hinzuzufügen, war es ihm wirklich ernst, das hatte sie in den letzten Monaten gelernt. Wenn er sich nicht einmal mehr zu einem 'verdammt noch mal' hinreißen ließ, dann war er wirklich erbost. Natürlich ignorierte Scrimgeour die Warnungen wieder einmal. Manchmal könnte man den Eindruck bekommen, dass er es absichtlich tat, aber so viel Intelligenz traute Dorcas ihm nicht zu. Es musste ein tief verwurzelter Todeswunsch sein.

"Dennoch solltest du auf meine Ratschläge hören", bemerkte Scrimgeour. "Ich sage dir das als Freund."

Die Alarmsirenen in Dorcas' Kopf gingen los. 'Ich sage dir das als Freund.' Scrimgeour hatte auch keine schlimmere Formulierung finden können! Moody war bereits auf dem Weg zur Phase 'Evakuierung dringend empfohlen'. Ohne es wirklich zu merken, sprang Dorcas auf, packte Dawlish am Arm und raste in Aurorengeschwindigkeit aus dem Briefingraum.

Im Ernstfall siegte eben die Solidarität über die Sympathie.


"Ich soll wohin?" Dorcas starrte ihren Mentor entgeistert an. "Ein Kurs in Erste Hilfe? Moody! Das ist –"

"Pflicht", brummte Moody, während er Dorcas zu den Apparierplätzen zerrte. "Ohne das Zertifikat, dass du daran teilgenommen hast, kannst du nicht Auror werden."

"Aber es ist im St. Mungo's!" Dorcas hasste Krankenhäuser, Ärzte und alles, was damit zusammenhing – man könnte von einer Phobie sprechen, wenn es nicht implizieren würde, dass sie Angst hatte.

Moody warf ihr einen Blick zu. "Auf die Gefahr hin, wie ein wandelndes Klischee zu klingen... es gibt einen Ausspruch, der da lautet: Weiche dem Unheil nicht, sondern mutiger geh ihm entgegen."

Dorcas brummte mürrisch, während sie sich von Moody per Seit-an-Seit-apparieren ins St. Mungo's transportieren ließ. Er musste natürlich darauf herumreiten, dass sie sich feige benahm, wenn sie sich drückte. Und dass sie ohne diesen Kurs nicht Aurorin werden konnte. Und überhaupt – Moody hasste Krankenhäuser genauso sehr wie sie! Wieso zeigte er nicht ein bisschen mehr Verständnis? Oder war das etwa Schadenfreude?

"Ich hab' dich für einen Kurs mit Zivilisten angemeldet", sagte Moody, als er sie zum Seminarraum schleifte. "Ich dachte mir, wenn schon so ein Kurs, dann einer ohne Dawlish. Vor allem, wenn du ihn retten sollst..."

Er schob Dorcas durch die Tür und war ohne ein weiteres Wort verschwunden. Wenn sie es nicht besser gewusst hätte, hätte sie behauptet, er wäre aus St. Mungo's geflohen. Aber Moody floh natürlich nicht, er machte nur einen taktischen Rückzug – in einer Geschwindigkeit, die einen Sprinter neidisch gemacht hätte. Von Flucht konnte keine Rede sein.

Dorcas sah sich mit finsterem Blick im Raum um. Es war eine mittlere Gruppe – nicht zu viele, nicht zu wenige – und eine gerade Anzahl. Das bedeutete, sie konnte sich nicht einmal aus Mangel an einem Partner aus der Affäre ziehen. Die Anwesenden waren so eindeutig Zivilisten, dass Dorcas bereits Abneigung empfand. Es war eine Tatsache, dass Zivilisten einem Auroren immer im Weg herumstanden, wenn es zur Sache ging. Oder sie stellten dumme Fragen. Oder sie gingen durch bloße Existenz auf die Nerven.

Oder Dorcas suchte einfach nach einem Grund, ihre 'Mitschüler' nicht ausstehen zu können.

"Ah, Miss Meadowes", begrüßte ein älterer Heiler die Aurorin.

Definitiv zu freundlich. "Nur Meadowes, herzlichen Dank", grollte sie und ließ sich auf einen freuen Stuhl fallen, aber so, wie es nur Auroren konnten: Sie schien zusammengesunken, war aber zeitgleich sprungbereit wie eine auf der Lauer liegende Katze.

Die anderen Kursteilnehmer sahen sie ein wenig verwirrt und verunsichert an, aber der Heiler ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Offenbar hatte man ihn bereits über Dorcas' Gefühle, diesen Kurs betreffend, informiert. Dorcas beschloss, Moody dafür in den Hintern zu treten. Andererseits war das vermutlich die langgeplante Rache für Weihnachten.

"Nun, ich werde Sie nicht länger aufhalten", sagte der Heiler mit einem breiten Lächeln. "Heilerin Marlene McKinnon wird Ihre Kursleiterin sein und Sie in das Thema der ersten Hilfe einweisen. Dies ist ein zweiteiliger Kurs. Die eine Hälfte – die erste – wird sich mit den Muggelmethoden beschäftigen. Die zweite mit den magischen."

Dorcas grollte noch mehr. Ihren magischen Erste Hilfe-Kurs hatte sie bereits in ihrem ersten Jahr der Ausbildung absolviert – wie alle anderen auch. Jetzt kam die Muggelseite des Geschehens. Nur für den Fall, wie es hieß. Im Endeffekt würde sich eh niemand mehr darum kümmern, was die Muggel tun würden. Reine Zeitverschwendung, aber Moody wusste es natürlich besser. Wenigstens war es ohne Dawlish.

Anfangs war es auch ganz in Ordnung. Bis die Erklärungen zu Ende waren und sie zu den praktischen Übungen übergingen, jedenfalls.

Herz-Lungen-Wiederbelebung. Dorcas' Blick verfinsterte sich. Wenigstens war es eine Puppe – auch wenn sie es amüsant gefunden hätte, Dawlish einige Rippen zu brechen, so war sie nicht erpicht darauf, ihn praktisch küssen zu müssen. Dorcas beobachtete, wie einer nach dem anderen die Puppe versuchte wiederzubeleben. Und dann kam sie an die Reihe.

"Nun Sie, Miss Meadowes", sagte Heilerin McKinnon und lächelte.

Dorcas funkelte sie erbost an, bevor sie sich schließlich aufraffte. Dieses gesamte Herumgealber ging ihr auf den Keks, aber gut, sie brauchte das Zertifikat oder sie war raus. Sie stampfte zu der Puppe hinüber, stieß sie mit dem Fuß an – wenn es ein Mensch gewesen wäre, hätte sie entweder eine Reaktion bekommen oder nicht – und beschloss, dass die Puppe Hilfe brauchte, wenn auch nicht von ihr. Dieses Herumgedusel von wegen Hilfe holen und Heiler benachrichtigen, sparte sie sich. Sie würde diese Sachen, wenn überhaupt, in einem Kampf brauchen, da war es sowieso nutzlos.

Heilerin McKinnon beobachtete alles mit wachsender Unruhe. Dorcas kniete sich neben die Puppe, begann die hoffentlich lebensrettenden Maßnahmen und kam sich sehr dumm vor. Herzdruckmassage – dreißig Mal pro Minute? (Die Puppe gab bedrohliches Knacken von sich). Beatmung – zwei Atemspenden. (Die Puppe wölbte sich besorgniserregend). Wieder von vorne.

Inzwischen knackte es bei jeder Druckausübung. Dorcas hielt es für ein gutes Zeichen, Heilerin McKinnon und der Rest der Anwesenden für schlichte Brutalität. Schließlich sollte Dorcas aufhören. Der Kurs ging weiter.

Als Moody Dorcas schließlich wieder abholte, hatte sie ihr Zertifikat erhalten. Aber mit einem dringenden Nachsatz:

"Dieses Zertifikat ist nur solange gültig, wie Dorcas Meadowes nicht versucht, Erste Hilfe zu leisten. Ein Danke im Voraus von allen möglichen Opfern in ihrer unmittelbaren Umgebung."