IV
Schon mit einem faulen Gefühl im Magen öffnete Thorin die Tür.
Sobald die Tür offen war, strebte ein wirklich dicker Mann mit hängendem Doppelkinn in die Wohnung. Seine Pistole war auf Thorin gerichtet.
"Ibindikhel, ich soll dich zu Mr. Greenleaf bringen.", bellte dieser und Thorin hielt sich instinktiv die Ohren zu.
"Hände runter!"
Folgsam ließ Thorin seine Hände sinken.
"Gut, dann können wir jetzt gehen. Nach dir."
Thorin stieg artig in den Wagen. Mit einer Waffe, die stets auf ihn gerichtet war, wollte er keine Szene machen. Er hing an seinem Leben.
"Wie komme ich zu der Ehre, Mr. Greenleaf zusehen?", fragte Thorin schließlich im Auto sarkastisch.
Er wollte den Grasfresser nicht treffen. Eigentlich wollte er auch nicht Azog Gundabad treffen. Aber was sein musste, musste wohl sein.
"Greenleaf will dich sehen", antwortete sein Kidnapper und betrachtete Thorin mit Abscheu, "Ich an deiner Stelle würde mehr Respekt haben. Er ist einer der mächtigsten Männer im Imperium. Und was bist du?" Er schnaubte lachend. "Ein Niemand, Ibindikhel. Ein Nichts."
Wäre da nicht die Pistole, die stets auf Thorin gerichtet war, würde das Doppelkinn den Wagen nicht unversehrt verlassen. Davon war Thorin fest überzeugt.
Gegenüber von Gundabads Gebäude, war Greenleafs.
Zuerst dachte Thorin, dass der Fahrer ihn bei dem Defiler versehentlich abliefern wollte.
Thranduil Greenleafs Gebäude war grün.
Tatsächlich konnte Thorin an nichts Anderes denken, als Übergebenes.
Es sorgte für einen Würgreiz bei ihm.
Greenleaf war ihm jetzt schon so sympathisch wie Gundabad.
Also so gar nicht.
Bards Schulden schlugen wohl jedermann auf den Magen.
Ihm, weil er es ausbaden durfte.
Gundabad, weil ihm 30.000 Pound fehlten.
Und Greenleaf... nun, da fehlte wohl auch eine Menge, wenn er zu ihm bestellt wurde.
Also Bard Ibindikhel.
Thorin wurde von seinem Kidnapper in den Fahrstuhl geleitet. Die oberste Zahl wurde gedrückt und dann ging es nach oben.
Überall in dem Gang standen Bonsais und etliche weitere kleine Büsche.
Scheinbar nahm Greenleaf seinen Namen ernst, dachte sich Thorin schnaubend und nahm das Büro in Augenschein.
Thranduil Greenleaf thronte auf seinem Bürostuhl und blickte von dort aus
verächtlich auf Thorin nieder.
Es brauchte all seine Willensstärke, nicht die Augen zu verdrehen. Da war seine Schwester einschüchternder als Silberlocke.
"Bard Ibindikhel, du hast etwas in deinem Besitz, was mir gehört.", begann Greenleaf und seine Augen verengten sich. "Etwas, was ich sehr schätze und wiederhaben möchte."
Thorin sah sein Gegenüber ernst an. "Ich bin nicht Bard Ibindikhel."
Silberlocke sah ihn lange überlegend an. Und da spürte Thorin, dass es egal war, was er sagte. Dieser Mann wollte nur sein Geld zurück. Ob er da einen Unschuldigen anlangte, juckte diesen nicht.
"Behauptest du, lediglich zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen zu sein?", fragte Thranduil, beide buschigen Augenbrauen hoben sich.
"In der Tat", antwortete Thorin.
"Du schuldest mir knapp 50.000 Pound, Ibindikhel. Ich rate dir, nicht zu lügen und deine Lage noch schlimmer zu machen.", empfahl Thranduil kalt.
"Sie glauben mir nicht."
"Nein. Denn es ist mir scheiß egal, ob du Ibindikhel bist, oder nicht. Du bist jetzt hier und ich will mein Geld. Deal?"
"Ich hab keine fucking 50.000 Pound!", knurrte Thorin durch zusammengebissene Zähne.
"Ich geb dir 48 Stunden, um mir meinen Zaster zu beschaffen, Ibindikhel. Keine Sekunde länger."
"Wie soll ich in zwei Tagen 50 Riesen besorgen?", fragte Thorin.
"Nicht mein Problem.", konterte Greenleaf und nickte seinen Wachen zu, die Thorin am Ellbogen aus dem Büro eskortierten.
"48 Stunden. Nicht mehr!", rief Thranduil ihm noch nach.
Zu Bards Wohnung musste Thorin laufen. Scheinbar wollte Greenleaf nicht noch mehr Geld mit ihm verschwenden.
Benzin kostete ja auch was.
Er lief bis zum Dale-Viertel. Das Ganze dauerte knapp eine Stunde. London war riesig. War es da ein Wunder, sich zweimal zu verlaufen?
Normalerweise wäre Thorin mit der Bahn oder so gefahren, aber ohne Geldbeutel? - Keine Chance.
Das waren so die Momente, wo er die Großstadt wirklich hasste.
Er und seine Familie waren auf dem Land aufgewachsen. Selbst nach dem "Unfall" hatte Thorin den größten Teil im Grünen verbracht.
Die Stadt schien ihn zuweilen zu erdrücken, weswegen er immer wieder versuchte, aufs Land zu flüchten. Durchzuatmen.
Funktionierte leider nie so oft, wie er wollte.
Mittlerweile wurde es schon dunkel. Was hatte er eigentlich den ganzen Tag langgemacht, außer zwei völlig abgefuckte Mafioso zu besuchen?
Er hatte Bilbo kennengelernt. Und Thorin war sich völlig darüber im Klaren, wie hoffnungslos er klang.
Aber Bilbo war so einzigartig.
Diese blonden Locken, in denen er seine Hände vergraben wollte.
Die bleiche, aber so weich aussehende Haut. Thorin wollte sie küssen, beißen, als Seins markieren.
Bilbos knuffige Knopfnase küssen. Die Nase, immer wieder, bis er sich schließlich Bilbo´s Mund zuwandte. Die Unterlippe anknabbern, bevor er mit seiner Zunge die Mundhöhle von seinem akhûnith erkundete, ihn schmeck -
Er musste damit aufhören, bevor ihm seine Hose noch zu eng wurde.
Nach viel herum irren stieg er schließlich die Treppe zu Bards Wohnung hoch.
Bilbo wartete bereits in Bards Wohnung auf ihn.
"Die Tür war offen, ich bin einfach rein. Ich hoffe, das war okay?", fragend sah Bilbo zu ihm hoch.
"Sicher", antwortete Thorin, "ist ja nicht so, als ob ich hier wohnen würde."
Er goss sich ein Glas Wasser ein, ehe Thorin sich an seine Manieren erinnerte.
"Entschuldige, wenn du was willst, nimm einfach was. Bard wird wohl kaum was dagegen sagen."
Bilbo grinste ihn schwach an. "Was, wenn ich dir sage, ich hab das schon gemacht?"
"Dann ist es eh egal", antwortete Thorin.
Erst dann fielen ihm die zwei leeren Tassen auf dem Tisch auf. Fragend sah er zu Bilbo.
"Besuch. Für Bard, denke ich."
"Besuch für Bard?", wiederholte Thorin mit gerunzelter Stirn. Bilbo nickte.
"Ich bin aus der Arbeit heimgekommen und dann hierhin, hatte eigentlich gedacht, du wärst schon da. Na ja, die Tür war offen, also bin ich rein.
Du schienst nicht dazu sein, also wollte ich wieder gehen. Dann hat es geklopft."
Thorin stöhnte auf. "Heute scheint wohl der Klopftag zu sein."
Bilbo nickte. "Scheint so. Jedenfalls hab ich geöffnet, draußen stand ein älterer Herr. So ganz in grau und mit langem Bart."
Bilbo nahm einen Schluck von seinem Tee, ehe er weitererzählte: "Er schien verwirrt, mich zu sehen. Wie er mir erklärte, wollte er Bard sehen, etwas wegen seiner Arbeit? Ich bin mir nicht so ganz sicher, naja, dann saßen wir hier und tranken Tee. Allerdings hat er sich mit keiner Silbe nach Bard erkundigt, dafür, dass er ihn dringend treffen musste."
"Er hat sich nicht nach Bard erkundigt?"
"Nein. Er erklärte nur, er müsste Bard sehen und das war Alles. Ich hab ein Foto von ihm gemacht", gestand Bilbo dann leise und holte sein Handy raus, um Thorin ein Bild von dem Mann in grau zu zeigen, "ich fand das Ganze ein bisschen unheimlich... also hab ich ein Foto geschossen. Kennst du den Mann?"
Thorin betrachtete das leicht unscharfe Foto intensiv. Der Mann hatte blaue Augen, und langes graues Haar, mit weißen Strähnen.
"Und?", fragte Bilbo neugierig. Thorin schüttelte den Kopf. "Nein, sorry. Worüber habt ihr euch so unterhalten?"
"Über Abenteuer. Scheinbar war Mr. Grey der Meinung, ich bräuchte ganz dringend eines, meinem Charakter würde das guttun." Bilbo schnaufte empört. "Sowas rüdes!"
"Ist er lange geblieben?"
Bilbo überlegte kurz. "Ich glaube nicht, nein. Als Grey angefangen hat, zu viele Fragen über mein Privatleben zu stellen, hab ich ihn höflich gebeten, zu gehen."
Thorin atmete erleichtert aus. "Gut. Das ist gut."
"Tja, das war mein aufregender Tag. Wie sieht´s bei dir so aus?", meinte Bilbo, während er sich mit einer Hand durch die goldenen Locken fuhr.
Thorin folgte mit seinen Augen der Bewegung. Mahal, sahen die weich aus. Er wollte seine eigenen Hände in diesen Locken vergraben, mit ihnen spielen, sie -
"Huhu, Thorin? Erde an Thorin, bist du noch da?"
Thorin blinzelte. Einmal, zweimal.
"Sorry, was?", fragte er dann und riss seine Augen von Bilbos Haaren weg.
"Ich hab dich gefragt, was bei dir passiert ist.", wiederholte Bilbo amüsiert und strich sich schon wieder durch die Haare.
Angestrengt versuchte Thorin, nicht zu starren. Zu mindestens nicht allzu offensichtlich.
"Gundabad will als Ausgleich dafür, dass ich ihm sein Geld nicht geben kann, dass ich Legolas Greenleaf umbringe. Ansonsten... weiß ich nicht, was sonst, aber wohl nichts Angenehmes." Erzählte Thorin und schloss seine Augen.
Das Gesicht von Azog Gundabad hatte sich in seine Netzhaut gebrannt, er sah wie ekstatisch der Defiler war im Angesicht von Rache. Wie seine bleichen blauen Augen strahlten und sein Lippen sich zu einem hässlichen Lächeln verzogen.
Wie sehr er Gundabad doch hasste.
"W-was?", stotterte Bilbo fassungslos.
"Und jetzt war ich gerade bei Thranduil Greenleaf, bei dem Bard auch Schulden hat. Oh, und er der hat mir auch nicht glauben wollen, dass ich nicht Bard Ibindikhel bin. Jetzt hab ich 48 Stunden um für den Grasfresser 50 Riesen zu besorgen, am besten noch mal 30 Riesen extra für Gundabad", erzählte Thorin locker, so als ob er gerade nur über das Wetter reden würde.
"Du sollst einen Menschen umbringen?", rief Bilbo und sah leicht blass aus.
Thorin nickte. "Entweder das oder zahlen."
"Einen Menschen umbringen. Einfach so. Puff." Bilbo wurde immer blasser.
"Bilbo? Geht´s dir gut?", erkundigte Thorin sich besorgt. Bilbo sah so aus, als ob er gleich umfallen würde.
"Jaja, nur ein wenig... schummrig, glaube ich", er lachte nervös, "und, was wirst du machen?"
"Irgendwie 50 Riesen für Greenleaf besorgen und seinen Sohn umlegen", antwortete Thorin und beobachtete Bilbo weiterhin besorgt.
"Oh, okay.", sagte Bilbo nur noch, ehe er von dem Stuhl kippte.
Zu seiner Schande musste Thorin gestehen, dass er Bilbo nicht rechtzeitig hatte fangen können. Zwar hatte er damit die ganze Zeit gerechnet, nur war Bilbo so schnell umgekippt. Als Thorin nach vorne gesprungen war, knallte der Blonde schon auf den Boden.
Thorin kniete sich zu Bilbo auf den Boden. Mahal sei Dank war Bilbo seitwärts gekippt und nicht vorwärts. Vorsichtig hob Thorin Bilbos Kopf in seinen Schoss und tastete dann leicht - nur mit seinen Fingerspitzen - seinen Kopf nach Wunden ab.
Er fand keine und Bilbo war immer noch nicht wieder zurück.
Sanft begann Thorin damit, Bilbos Locken zu streichen. Sie waren tatsächlich so weich, wie er es sich vorgestellt hatte.
Langsam begann Bilbo, sich zu regen. Er blinzelte verwirrt zu Thorin hoch, der ihn erleichtert anlächelte.
"W-was ist passiert?", nuschelte Bilbo.
"Du bist umgekippt", erklärte Thorin leise und strich Bilbo weiter durchs Haar. "Du bist immer blasser und blasser geworden. Ich wollte dich auffangen, aber du bist zu schnell gefallen!"
Bilbo lachte leise. "Ich bin also zu schnell für dich gefallen, ja?"
"Tut mir leid.", murmelte Thorin leise und zog seine Hände zurück.
Bilbo wimmerte.
"Tut dir was weh?", erkundigte Thorin sich sofort, besorgt um Bilbos Wohlergehen.
Bilbo schüttelte den Kopf. "Nein, nur... deine Hände sind unglaublich."
Thorin grinste schwach.
"Wenn ich jetzt so tue, als ob ich weiterhin ohnmächtig bin, machst du dann weiter?", fragte Bilbo und sah ihn mit großen Augen an.
"Wenn du mit mir morgen essen gehst, musst du dich nicht einmal ohnmächtig stellen."
Thorin erstarrte. Was hatte ihn denn jetzt geritten? Er konnte doch Bilbo nicht einfach nach einem Date fragen!
Doch, schrie alles in ihm. Fuck, wie sehr er wollte, dass Bilbo zusagte!
Er wollte ein Date mit Bilbo.
Er wollte Bilbo haben für sich.
"Ist das ein Date?", fragte Bilbo ihn langsam und sah ihn verwundert an.
Thorin schüttelte den Kopf. "Ja."
Bilbo schnaubte belustigt. "Wenn es ein Date ist, sag ich zu, Thorin."
Thorin glaubte sein Herz für einen Moment stillstehen zu hören.
Hatte Bilbo gerade ...?
"Es ist ein Date", versicherte er Bilbo langsam, ein kleines Lächeln breitete sich über sein Gesicht aus.
"Gut.", murmelte Bilbo und lächelte sanft zurück.
Thorins Hände kehrten in Bilbos Haare zurück. Strichen sanft durch die Locken, zogen leicht an der ein oder anderen Strähne und massierten mit den Fingerspitzen die Kopfhaut.
Er hatte ein Date mit Bilbo!
