Kapitel 3 - Eine Reise mit ungewissen Ziel

Mehrere Lichtjahre entfernt saß ein junges Mädchen gerade in der Schule und wusste nichts von den Vorgängen auf Mysteria. So konnte sie auch noch nicht ahnen, welche Rolle sie in diesem Szenario spielen wird müssen. Zu diesem Zeitpunkt war ihr schlicht und ergreifend tödlich langweilig.

Es war ihre letzte Stunde für diesen Tag und bald würde sie zusammen mit ihren Freundinnen Leila und Mia in das langersehnte Wochenende aufbrechen und nicht so schnell mehr an die Schule denken, denn dieses Wochenende hatte sie etwas vor. Sie wollten dieses Wochenende verreisen. Es war nicht für lange, aber sie wollten sich vor dem anstrengenden Lernen für die Matura noch eine kurze Auszeit nehmen.

„Samantha, wann fährt noch mal der Zug?"

Es war Mia ihre Sitznachbarin, welche sie nun schon zum hundertsten Mal fragte, wann ihr Zug denn nach Wien aufbrechen würde. Samantha schüttelte entnervt den Kopf und musterte ihre blonde Freundin, deren Harre fast bis zum Po hinunter reichten und welche noch nie daran gedacht hatte ihre blonde Mähne abzuschneiden. Obwohl sie auch blaue Augen hatte und manchmal ziemlich nervig sein konnte, passte sie dennoch nicht in das Klischee von blond, blau, blöd.

„Um halb 2, direkt nach der Schule!" erwiderte Sam dennoch geduldig und lächelte in sich hinein. Immer das gleiche mit ihr. „Wusst ichs doch!" meinte Mia und wandte sich zu Leila um, welche auf der andren Seite von ihr saß und meinte „Hab ich dir doch gesagt…!"

Laila war mit ihren kurzen, schwarzen Haaren und den grüngrauen Augen, die Sportliche der drei Freundinnen und besuchte nun schon seit zwei Jahren einen Kickboxkurs. Also mit ihr möchte sich niemand wirklich anlegen, denn auch, wenn man es ihr nicht ansah, sie konnte ziemlich aggressiv sein und manchmal konnte man sagen, dass sie leicht überregiert.

„Ja, ja! Du hast ja auch schon tausendmal danach gefragt!" sagte sie scharf und begann dann, damit Mia zu erzählen, was sie denn unbedingt in Wien machen mussten. Während sie zusammen über die verschiedenen Club in Wien diskutierten, die sie unbedingt besuchen mussten, wendete sich Samantha wieder ihrer Geographieprofessorin Hilldon, aber das ohne ihre richtig zuzuhören.

Die junge Frau war mit ihren Gedanken ganz woanders, aber nicht bei ihrer Wien Reise. Sie dachte an den Tag als sich die drei kennengelernt hatten. Es war der zweite Schultag an dieser Schule gewesen. Samantha war viel zu früh in der Schule gewesen und hatte sich in die erste Reihe gesetzt, da sie sehr schüchtern ist und so nicht in Gefahr kommt angesprochen zu werden. Nach ein paar Minuten ist Mia gekommen und hat sie gefragt, ob sie neben ihr sitzen kann. Da Sam so oder so nicht nein sagen kann und sie es auch nicht wollte, hatte sie sofort genickt und war aber sonst sehr schweigsam gewesen. Ein wenig später ist Leila gekommen und hat sich zu ihnen in die erste Reihe gesetzt, ebenso wie Mary, aber sie war nie wirklich in das Dreiergespann aufgenommen worden. Damals waren ihre Unterschiede schon hervorstechend gewesen. Leila mit ihren schwarzen Harren und den grüngrauen Augen, Mia mit den blonden Harren und den blauen Augen und zum Schluss Samantha mit den braunen Harren und den dunkelbraunen Augen zeigten den unterschied noch deutlicher als ihr unterschiedlicher Charakter. Leicht redegewandt, selbstsicher trifft auf kommunikativ, offen und schüchtern, verschlossen. Entweder es ist die perfekte Mischung oder eher das totale Chaos, wer weiß schon was wirklich zu trifft. Mit der Zeit wird sich alles zeigen.

Vage bekam sie mit, wie ihre Professorin etwas über die Wirtschaft von China erzählte und dabei irgendwelche Wörter auf die Tafel schrieb, aber für Sam war das alles nebensächlich, denn bald würden sie das Schulhaus verlassen und das ganze Wochenende nicht mehr daran denken.

Wie zu Bestätigung ihrer Worte läutete in diesem Augenblick die Schulglocke und in der Klasse brach, wie jeden Tag, ein kleines Chaos los.

Alle standen gleichzeitig auf, packten ihre Taschen zusammen, stellten den Stuhl auf den Tisch und wollten den Raum verlassen. Aber Samantha blieb sitzen, obwohl sie sich eigentlich beeilen müsste, denn ihr Zug würde in knapp einer halben Stunde fahren. Nur hasste Samantha dieses Chaos, wenn sich alle so benahmen als würden sie etwas verpassen, wenn sie nicht sofort aus dem Raum draußen sind.

Als die Klasse schon ziemlich leer war, bequemte sich auch Sam dazu endlich auf zustehen und ihre Sachen zu nehmen. Leila meinte schon „Kannst du dich nicht etwas beeilen, wir möchten auch raus!"

Das hatte schon seine Richtigkeit. Für die neunundzwanzig Schüler in dieser Klasse, war der Raum eindeutig zu klein und wenn Sam, die den äußersten Platz ihrer Reihe hatte, nicht aufstand, dann kamen weder Mary noch Leila oder Mia an ihr vorbei. „Ja, ja!" murmelte Sam und stellte ihren Stuhl auf den Tisch.

Als die drei Freundinnen auf den Gang traten, war dieser für Sam viel zu voll. Überall standen und gingen irgendwelche Schüler oder Lehrer herum und blockierten den Weg. Zum Glück brauchten sie sich nicht lange dort aufhalten, denn schon bald bogen sie nach links ab und stiegen die Treppe in den Keller hinunter, wo sich ihre Spinte befanden. „Ich weiß nicht warum sie die immer so aufführen!" sagte Sam, während sie sich zusammen mit Mary, Mia und Leila zu den Spinten durch kämpften, denn hier war es nicht besser als oben. „Manche Dinge ändern sich eben nie!" bemerkte Mary, als Leila sich absetzte, weil sie bei ihrem Spint angekommen ist. Sam seufzte und steckte ihren Schlüssel wenig später in das Schloss ihres Spintes.

Als sie zu viert zehn Minuten später vor dem Schulgebäude standen, war Sam etwas aufgeregt, weil sie bald in den Zug steigen würden. Sie verabschiedeten sich von Mary und machten sich auf den Weg zum Bahnhof. Sam blickte sich noch mal zur Schule um und dachte, dass das große, graue, aber neue Gebäude irgendwie nicht so zu einer Schule passte. Samantha wäre lieber in einem alten Gebäude, aber schließlich war sie es, die sich für die HBLA in Klagenfurt entschieden hatte und jetzt musste sie damit leben, auch wenn das zum Teil nicht zum Klischee einer Schule passt.

„Ich hoffe der Zug kommt pünktlich, ich hab nämlich keine Lust ewig zu warten!" meinte Leila und Mia nickte zustimmend. „Wird schon pünktlich kommen!" schloss Samantha, die ewige Optimistin, diese Diskussion.

Es war nicht einfach ihre ewig pessimistischen Freundinnen von etwas Optimismus zu überzeugen, aber sie versuchte ihr Bestes. Samantha ging vor ran zu Bahnhof und dachte darüber nach, wie schwer es ihr zu Hause gefallen ist ihre Eltern davon zu überzeugen, dass sie heute mit Leila und Mia fürs Wochenende wegfahren durfte. Na ja eigentlich war es ihre ja ganz gleich, denn sie wäre auch gefahren, wenn ihre Eltern nein gesagt hätten, denn schließlich war sie beinahe achtzehn und wusste selbst sehr genau was sie wollte und konnte. Schließlich hatte sie ihre Eltern nicht um Geld für die Reise gefragt und wenn man es sich genau überlegte, dann hatte Sam nicht mal um Erlaubnis gefragt. Nein sie hatte bloß gesagt, dass sie das Wochenende wegfahren würde und ob sie wer Sonntagabend in Völkermarkt abholen könnte, weil blöderweise am Wochenende kein Bus in das kleine Dorf fuhr wo Samantha mit ihrer Familie wohnte.

Es wäre nicht so schlimm gewesen, wenn sich niemand bereiterklärt hätte sie zu holen, denn sie wäre die paar Kilometer auch zu Fuß gegangen, selbst wenn sie eine Stunde dafür gebraucht hätte. Aber dann hatte sich ihre Schwester Sira dazu bereit erklärt sie zu holen. Sam fährt gerne mit Sira mit, denn sie nörgelt nicht so viel, wie Daddy beim Autofahren, aber sie hat ihren Führerschein erst seit wenigen Wochen.

Mia hatte auch Probleme mit ihrer Mutter gehabt, aber durfte schlussendlich doch mitkommen. Na ja so gesehen, war es nur bei Leila von Anfang an fix gewesen, dass sie auf diese Reise gehen durfte.

Samantha wandte sich zu ihren Freundinnen um und meinte „Ist es nicht toll, dass wir alle fahren dürfen!" Mia nickte nur und Leila zeigte keine Reaktion, was wohl daran liegen dürfte, dass Sam es in der letzten Woche mehrere hundertmal gesagt hatte.

Zusammen betraten sie den Bahnhof. Er war gerade erst umgebaut worden. Vor ihnen führte eine Rolltreppe nach oben zur Brücke um zu den Bahngleisen 2 bis 5 zu gelangen. Links von ihnen waren mehrere Geschäfte, wo sie sich mit Reiseproviant eindecken konnten. Rechts von ihnen befanden sich die Fahrkartenautomaten und der Eingang zur Halle mit den Fahrkartenschaltern. Um Zeit zu sparen und sich noch Proviant kaufen zu können, holten sie ihre Karten bei den Automaten und gingen dann in den Supermarkt hinüber. Während Samantha und Mia ziemlich bald wussten, was sie wollten, brauchte Leila etwa länger um sich zu entscheiden. Erst als sie sagten, dass Leila sich beeilen soll, weil sie ansonsten den Zug versäumen würden, entschied sie sich endlich für den Kornspitz mit Schinken und Gurken und einer Packung Chips und Wasser dazu.

Nun mussten sich die drei Freundinnen doch etwas beeilen um noch rechtzeitig den Zug zu erwischen und so war der Zug auch schon am Bahnsteig angekommen, als sie endlich einstiegen.

Viele der Abteile waren schon besetzt oder reserviert so mussten Mia, Leila und Samantha viele Wagons nach hinter gehen bis sie endlich ein freies Abteil fanden in dem sie sich niederließen.

Samantha und Leila setzen sich ans Fenster und Mia lies sich neben Leila fallen. „Na endlich…!" murmelte Mia und warf ihre Tasche auf den Platz neben sich. Samantha lächelt gespielt mitleidig und meinte „Was musst du auch so viel mitnehmen… Wir fahren nur ein Wochenende weg…"

„Na und… man kann nie wissen!" erwiderte Mia und streckte sich genüsslich.

Von ihnen drei war es wirklich Mia, welche am meisten Gebäck dabei hatte. Aber in diesem Augenblick konnten sie ja noch nicht wisse, dass sie es mal brauchen wären. Samantha beließ es dabei und schüttelte nur kurz lächelnd den Kopf. Dann nahm sie ihren iPod aus der Tasche und lies sich von leisen Liebeslieder berieseln. Dabei schloss Sam die Augen und versuchte etwas zu schlafen, denn sie wusste, dass sie in dieser Nacht wohl nicht zum Schlafen kommen würde, denn Leila würde Mia und sie durch alle noch so unbekannten Clubs von Wien schleifen und sie würden wohl erst mit der ersten U-Bahn ins Hotel kommen und dann voraussichtlich das Frühstück verschlafen.

Während sie so im Zug dahin glitten dachte Samantha an ihre Lieblingsserie im Fernsehen, nämlich Charmed und frage sich, wie es wohl wäre, wenn sie eine der mächtigen Drei wäre. Langsam stiegen Bilder vor ihren Augen auf und sie konnte Anfangs nicht sagen ob ihre Gedankengänge zu ausgewachsenen Träumen geworden sind, aber plötzlich veränderten sich die Bilder vor ihren Augen. Das rote Haus der Halliwell-Hexen verschwand in einem hellen Licht und kurz kam es ihr so vor als würde sie ihr Abteil von oben sehen. Aber schon kurz darauf verschwamm auch dieses Bild und an seine Stelle trat das Bild eines unförmigen, höhlenartigen Raumes mit nur sehr wenigen

Möbel und einer kleinen Gruppe von Menschen. Jedoch war auch dieses Bild nur von kurzer Dauer, denn plötzlich wurde aus dem Schlaf gerissen. An ihrem Ohr hörte sie die letzen Takte von „Open your eyes!" von „Shesays" und hinter ihrer Stirn pochte es schmerzhaft. Ihr fiel kein Grund ein, warum sie so plötzlich aufgewacht war.

Leila und Mia hatten es ihr gleichgetan und schliefen auf ihren Plätzen. Nichts deutete darauf hin, dass etwas geschehen ist, aber dennoch hatte Sam ein Gefühl, dass es nicht mehr lange so bleiben wird.

Das junge Mädchen versuchte dieses Gefühl abzuschütteln, aber es haftete an ihr, wie ein hartnäckiger Fleck auf einer Hose. Darum packte Samantha ihren MP3-Player weg und trat auf den engen Gang hinaus um sich etwas die Beine zu vertreten.

Schnell ging sie den Gang hinunter in der Hoffnung das Gefühl abzuschütteln, aber leider lies sie es nicht los. Mehrere Male lief sie den Gang hinauf und hinunter und beobachtet dabei die anderen Fahrgäste durch die Glastür der Abteile.

Aber Schlussendlich begab sie sich in ihr Abteil zurück. Mia empfing sie mit den Worten „Wo warst du?"

„Nur etwas spazieren!" gab sie zurück. Diese Antwort brachte ihr den verwunderten Blick ihrer Freundin ein. „Ich hab da so ein eigenartiges Gefühl…" fügte sie deswegen hinzu und starrte aus dem Fenster,

„Du brauchst keine Angst zu haben, dass du etwas vergessen hast… Ich hab genug da." bemerkte Mia und schmunzelte. Auch Sam lächelte zurück. Nur sie musste ihre Freundin leider enttäuschen.

„Das ist es nicht… Es ist eher so ein Gefühl, dass noch etwas Unerwartetes passieren wird!" versuchte sie ihrer Freundin zu erklären, aber da Sam die Einzige, von denen drei ist, welche sich für Magie, Vorahnungen und allen anderen Dinge, welche mit übernatürlichen zutun hatte, war es für sie nicht verwunderlich, dass Mia nur meinte „Wenn es etwas Gutes Unerwartetes ist, dann kann es nicht so schlimm sein!" Sam schüttelte den Kopf. Das war es nicht… es war eher etwas, dass ihr ganzes Leben verändern wird.

Sie versuchte es ihrer Freundin mitzuteilen, aber leider konnte sie ihr Gefühl nur schwer in Worte fassen. „Na hoffentlich bringt es etwas Spannung in unser Leben!" meinte Leila, welche durch ihr Gespräch wach geworden war. „Ich glaube es wird bald mehr Spannung geben, als uns lieb ist!" prophezeite Samantha und starrte dann wieder aus dem Fenster. Vor dem Fenster zog eine grüne Frühlingslandschaft dahin und hin und wieder konnte sie sogar ein kleines Dorf erkenne.

Noch ehe jemand von ihnen auch nur ein weiters Wort sagen konnte, tauchte dieses Licht auf. Zuerst ganz langsam und dann immer schneller. Es breitete sich im ganzen Abteil aus und schien aus dem Nichts zu kommen „Was zum…!" weiter kam Leila nicht, denn plötzlich war es als würden sie schweben. Sehen konnten sie außerdem Licht so oder so nichts mehr. Samantha fuhr mit der Hand durch das Licht, aber nichts änderte sich. Dann begannen sie sich zu drehen. Immer schneller. Samantha war schon ganz schwindlig, aber dann endete es genau so plötzlich, wie es gekommen war.

Das Licht begann langsam zu verblassen und sie stürzten sie völlig unerwartet auf harten Steinboden.

Als der helle Schein schließlich verschwunden war, fanden sie sich in einen unförmigen, höhlenartigen Raum. „Wo sind wir?" flüsterte Leila neben ihr. In diesem Augenblick fiel es Sam wie Schuppen von den Augen es war der Raum aus ihren Traum. Sam blickte zu den zwei Frauen und den jungen Mann auf und wusste im selben Augenblick, dass es diese selben Personen, wie aus ihren Traum sind. Langsam stand sie aus und meinte leise zu Mia und Leila „Wir sind in meinen Traum!