Kapitel 4: Teil 1

„Mister Potter, könnte ich Sie einen Augenblick sprechen?", erklang Professor Aphobens Stimme am Ende des Unterrichts.

„Natürlich, Professor", meinte dieser, während er seine Tasche schulterte und dann wartete, bis die anderen Schüler das Klassenzimmer verlassen hatten.

„Wenn es wegen gestern ist...", begann Harry, wurde aber durch den Wink seiner Hand von seinem Lehrer unterbrochen.

„Nein. Darum geht es nicht. Nicht primär, zumindest. Sie werden die Aufgabe natürlich nachholen, allerdings in den gestern geforderten Maß. Es geht eher darum, dass ich Sie etwas fragen wollte. In den Aufzeichnungen meiner Vorgänger war vermerkt, dass Sie ein großes Talent in Verteidigung gegen die dunklen Künste besitzen. Sie treten nun Ihr siebtes Schuljahr an und ich ich würde gerne wissen, welchen Berufswunsch sie verfolgen?", erklärte der Lehrer ruhig, während er Harry andeutete, sich wieder zu setzten.

Professor Aphoben selbst nahm ebenfalls Platz, auch wenn er den Tisch, der vor Harry stand, als Stuhl missbrauchte.

„Nun ja, bis vor einigen Wochen wollte ich Auror werden aber...inzwischen nicht mehr. Und sonst...ich weiß ehrlich gesagt nicht", seufzte Harry.

„Bei Ihrem Talent würde ich Ihnen anbieten, Sie als Lehrling zu nehmen. Ich bin ein anerkannter Meister in Verteidigung und könnte Ihnen helfen, ebenfalls einen Meister in diesem Gebiet zu machen. Natürlich nur, wenn Sie es wünschen", meinte der Mann ruhig.

„Ein Meister in Verteidigung gegen die dunklen Künste", murmelte Harry gedankenversunken.

„Wenn man von Ihren Noten ausgeht, dürften Sie inzwischen das benötigte Vorwissen dazu besitzen. Das Studium des Faches würde vor allem abends stattfinden und während der Unterrichtsstunden würden Sie mir assistieren. Allerdings sollten Sie wissen, dass ein Meister in Verteidigung gegen die dunklen Künste gleichermaßen ein Meister der dunklen Künste ist. Das eine kann nur mit dem Anderen daher gehen. Sie können sich nicht verteidigen, wenn Sie nicht genau wissen, wogegen", fügte der Professor dann noch hinzu.

„Ich...überlege es mir", meinte Harry nach kurzem Überlegen.

„Natürlich. Lassen Sie sich Zeit. So eine Entscheidung will wohl überlegt sein.", mit diesen Worten stand der Professor auf. „Das wäre dann alles. Einen Moment noch, ich schreibe Ihnen eine Entschuldigung für Ihren Lehrer", meinte Professor Aphoben, während er leicht lächelnd zu seinem Pult ging und mit geschwungener Schrift eine Entschuldigung für Harrys zu Spät kommen schrieb.

Harrys restlicher Tag war interessant. Nach Verteidigung hatten sie Zaubertränke. Snape hatte nur einen kurzen Blick auf die Entschuldigung geworfen, genickt und Harry zu Malfoy geschickt, der den Trank dieser Stunde schon aufgesetzt hatte.

Sehr zum Missfallen der Gryffindors, die offensichtlich gedacht hatten, dass Snape Harry auch weiterhin schlecht behandeln würde.

Dementsprechend fiel auch die Reaktion der Löwen aus, als sie nach der Stunde in Richtung Halle zum Mittagessen gingen.

„Hey Potter, schon genug gekratzbuckelt, dass die Schlangen dich akzeptieren?", höhnte Dean hinter ihnen.

Harry seinerseits warf einen undeutbaren Blick auf seinen ehemaligen Freunden, ehe ein Grinsen sich auf seinem Gesicht ausbreitete, dass mehr als nur gruselig aussah. Seine Augen leuchteten hell im Schein der Fackeln, die im Kerker als einzige Lichtquelle dienten.

„Nun, Thomas, im Gegensatz zu den Gryffindors gehen die Slytherins nicht nach der allgemeinen Meinung, sondern besitzen genug Verstand sich selbst eine zu bilden.", schnurrte Harry dann. „Und soweit ich weiß, sind 'Schlangen' im Gegensatz zu 'Katzen' anatomisch gesehen gar nicht in der Lage zu kratzbuckeln. Da solltest du dich also lieber an die eigene Nase fassen."

„Im Gegensatz zu dir ist Dean kein Verräter an der gerechten Sache. Du bist wie die Ratte!", zischte Hermine erbost zurück.

„Ah, die 'gerechte Sache'. Ich wusste nicht, dass es eine 'gerechte Sache' ist, Unwissende um ihr Geld betrügen zu wollen. Und was 'die Ratte' angeht, so denke ich, verstehe ich langsam, weshalb sie so gehandelt hat. Wo man im 'Haus der Löwen' doch so sehr auf die Meinung eines alternden, debilen Kauzes setzt", höhnte Harry. In gewisser Weise stimmte es. Er hatte am vorigen Abend auch an Wurmschwanz gedacht. Vielleicht war es keine Feigheit gewesen, dass er die Seiten gewechselt hatte. Vielleicht hatte er einfach nur etwas erkannt, dass die Anderen nicht gesehen hatten. Und nach dem, was Harry im Denkarium gesehen hatte, hätten die Rumtreiber kaum auf Pettigrew gehört.

„Wenn ihr mich jetzt entschuldigt, ich gedenke zum Essen zu gehen", grinste Harry dann noch, legte einen Arm um Malfoys Schulter und zog diesen, sehr zum offensichtlichen Missfallen von Ron und Hermine, neben sich in Richtung Große Halle.

Amüsiert beobachtete Harry, wie Draco sein Spiegelbild in einem Löffel betrachtete. Der Blonde hatte ihm, begleitend mit der Drohung, dass er den Schwarzhaarigen umbringen würde, sollten seine Haare in Unordnung sein, vor kurzem schließlich das Du angeboten,

„Ich hab selten eine Hetero gesehen, der so perfektionistisch veranlagt ist, was sein Aussehen betrifft", kommentierte Freya das Verhalten stirnrunzelnd.

„Wer sagt denn, das unser Prinzchen hetero ist", grinste Pansy von der anderen Seite des Tisches. Sie saß mit dem Rücken zu den anderen drei Haustischen und konnte sich so ein amüsiertes Grinsen erlauben.

Draco knurrte auf diese Aussage hin böse.

„Ist er nicht?", wollte Freya interessiert von der Schwarzhaarigen wissen.

„Pansy versucht, ihn davon zu überzeugen, es nicht zu sein. Sie wünscht sich einen schwulen besten Freund, seit ihre große Schwester einen hat", antwortete Blaise grinsend, der neben der Schwarzhaarigen saß.

„Nimm ihn", meinte Freya leicht grinsend, während sie auf Harry deutete. Dieser zwinkerte der Schwarzhaarigen frech zu, als sie ihn aus großen Augen anstarrte.

„Ist nicht dein ernst?", murmelte Theodore Nott ungläubig.

„Ich bin mir selbst noch nicht hundertprozentig sicher, aber es ist wahrscheinlich. Ich meine, das einzige, was ich über meinen ersten Kuss mit einem Mädchen sagen konnte, ist, dass er nass war. Ich finde Mädchen zwar hübsch, aber werde nicht scharf auf sie. Nur bis jetzt habe ich leider noch keinen Jungen gefunden, mit dem ich es...austesten könnte", erklärte Harry abwägend.

Lilien, die sich neben ihn gesetzt hatte, schnaubte leise.

Harrys Blick fiel auf das Mädchen.

„Etwas beizutragen?", wollte er von ihr wissen.

„Oh. Ich misch mich da sicherlich nicht ein", grinste Lilien ihn an. „Da musst du schon selbst drauf kommen."

„Gemein", grummelte Harry.

Unverständliche Blicke trafen die beiden Grünäugigen, was sie dazu brachte, sich verschmitzt anzuzwinkern.

Den Nachmittag verbrachten die Siebtklässler Slytherins mit Hausaufgaben in der Bücherei. Sie hatten nur selten Unterricht nach dem Mittag, da jeder von ihnen nicht mehr als sieben Fächer hatten. Allerdings zeigte sich an dem Pensum der Hausaufgabe dennoch, dass sie sich im Abschlussjahr befanden. Der Unterricht, wie auch die Hausaufgaben, waren anspruchsvoller geworden und somit gingen die unterrichtsfreien Nachmittage mit Lernen und Aufgaben verloren.

Etwas, wovon die Gryffindors und Hufflepuffs offensichtlich nicht viel hielten, bedachte man, dass nur vereinzelte Schüler dieser beiden Häuser in der Bibliothek waren.

Nun, es würde sich spätestens am Ende des Jahres rächen, wenn sie den Unterrichtsstoff für die Prüfungen nachlernen mussten. Etwas, dass Harry aus eigener Erfahrung kannte.

Die Aufgaben mit den anderen Klassenkameraden zu machen war äußerst hilfreich, wie Harry an diesem Tag feststellte. Jeder von ihnen hatte unterschiedliche Talente und war in anderen Fächern besser als die Übrigen. Sodass stets einer von ihnen helfen konnte, sollten Probleme bei den Aufgaben auftauchen.

Kapitel 4: Teil 2

„Was wollt ihr nach der Schule machen?", fragte Harry unvermittelt in die Runde. Sie saßen gerade über den Aufgaben für Verteidigung und Harry waren die Worte Professor Aphobens wieder eingefallen.

„Ich werde ab nächstes Jahr Lehrling bei Professor Snape", antwortete Draco sofort.

„Weiß noch nicht genau", meinte Blaise derweil schulterzuckend. „Ich denke, ich werde erst mal eine allgemeine Lehre anfangen und dann mal schauen, was mir am meisten zu sagt."

„Allgemeine Lehre?", fragte Harry verwirrt nach. Mit diesem Begriff konnte er gar nichts anfangen.

„Ja, das ist eine alte Tradition bei den Unentschlossenen. Jemand der nicht weiß, was er möchte, kann ein bis drei Jahre damit zubringen die sogenannte allgemeine Lehre zu absolvieren. Dabei arbeitet er für ein halbes Jahr in der Firma oder den Geschäften eines anderen und sieht sich so das Arbeitsleben in den verschiedenen Bereichen an. Muggelgeborene oder Halbblüter können gesetzmäßig das auch tun, nur machen sie es nicht, weil man in dieser Zeit kein Geld verdient. Die wenigsten Halbblüter besitzen genug in ihrem Familienerbe, dass sie so eine allgemeine Lehre machen können", antwortete Draco dem Schwarzhaarigen.

„Sie sind eher darauf bedacht schnell Geld zu machen, als einen wirklich passenden Beruf für sich zu finden. Die allgemeine Lehre ist eine Tradition unter den Reinblütern. Immerhin sollen die Kinder ihre Zukunft richtig absichern, so dass sie die Tradition weiterhin aufrecht erhalten können. Ob du es glaubst oder nicht, unsere Eltern wollen einfach, dass wir glücklich werden mit dem, was wir tun und wie wir leben", mischte sich jetzt auch Pansy mit ein. „Ich hab in den letzten Sommerferien bei meiner Tante im Laden geholfen und werd nach der Schule dort in Lehre gehen. Sie führt eine Schneiderei für die gehobene Gesellschaft in der Nokturngasse."

„Ich werd Medizin studieren und fang deshalb im St. Mungo an", gab Theodore kund.

„Ich fang im magischen Tierschutzgebiet an und mach eine Ausbildung zum Pfleger für magische Tiere", brummte Vincent Crabbe in seinen nicht vorhandenen Bart. Harry hatte in den letzten Stunden erstaunt herausgefunden, dass Crabbe und Goyle gar nicht so dumm waren, wie sie schienen. Sie waren einfach nur ruhig und gingen nicht mit ihrem Wissen hausieren, so wie andere Leute es zu gerne taten.

„Ich werde versuchen, dich dazu zu bringen mir einen Exklusivvertrag für deine Lebensgeschichte zu unterschreiben und stell mich mit dem Vertrag in der Tasche beim Tagespropheten vor", grinste Millicent ihn an.

Diese Aussage brachte die anderen Slytherins dazu, verhalten zu kichern, während Harry das Mädchen ziemlich perplex anstarrte.

„Ich werd mich in der magischen Nationalbibliothek als Übersetzter bewerben", meinte Gregory Goyle, nachdem sie sich wieder beruhigt hatten.

„Warum fragst du?", wollte Draco wissen. „Ich dachte, du wolltest Auror werden."

„Wollte ich auch. Aber da ich mir jetzt nicht mehr sicher bin, ob das was das Ministerium tut auch richtig ist, kann ich es nicht mehr mit meinem Gewissen vereinbaren dort anzufangen", seufzte Harry. „Professor Aphoben hat mich vorhin gefragt, ob ich bei ihm in Lehre gehen möchte."

„Wow. Na ja, gut genug dafür bist du schließlich. Und ehrlich gesagt, wäre es auch verschwendetes Talent, wenn du es nicht tun würdest", meinte Pansy abwägend.

„Was...was genau bedeutet es eigentlich, ein Meister in einem Fach zu sein? Ich meine, ich weiß, dass Snape Meister in Zaubertränke ist, aber schlussendlich arbeitet er ja doch nur hier als Lehrer", fragte Harry in die Runde.

„Nun ja, zum Einen bekommst du mit deinem Meistertitel automatisch eine Lehrgenehmigung. Sonst dürftest du gar keine Lehrlinge annehmen. Und zum Anderen ist das Gehalt, welches du dann später bezahlt bekommst, um einiges höher. Gehen wir mal davon aus, du machst deinen Meister: Während deiner Lehre wird die Regierung gestürzt und du kannst dich mit den neuen Idealen des Ministeriums identifizieren. Dann kannst du dort ohne Lehrzeit als Auror anfangen. Wahrscheinlich sogar ziemlich hoch im Rang. Dein Gehalt ist dementsprechend gut und du hast bessere Aufstiegschancen. Vor allem können nur Meister die wirklich hohen Positionen im Justiz- und Militärbereich des Ministeriums bekommen. Moody war zum Beispiel auch ein Meister in Verteidigung. Und dann wird der Meistertitel natürlich noch deinem Namen angeführt. Bei offiziellen Anlässen müsste Snape also mit Professor Severus Snape, Meister der Zaubertränke, vorgestellt werden", erklärte Blaise.

„Und dein Ansehen innerhalb der magischen Gemeinschaft steigt natürlich", fügte Draco noch an.

„Oh, toll. Genau das, was ich brauche", brummte Harry.

„Ich würde es tun, wenn ich die Chance hätte", überlegte Theodore laut. „Ich meine, wenn ich einen Meister Heiler kennen würde, der mir anbieten würde, bei ihm in Lehre zu gehen. Leider gibt es in England keine mehr. Durch den Krieg mussten sie Unterschiede machen zwischen denen, die das Ministerium unterstützen und denen, die es nicht tun. Und das vereinbart sich nicht mit ihren Grundsätzen."

„Warum gehst du dann nicht ins Ausland, um dort in die Lehre zu gehen?", wollte Harry stirnrunzelnd wissen.

„Ich liebe England und meine Freunde und wenn hier Krieg herrscht und sie damit in Gefahr sind, kann ich nicht ruhigen Gewissens irgendwo im Ausland in die Lehre gehen. Ich könnte mich nicht wirklich auf meine Lehre konzentrieren", seufzte Theodore.

„Vielleicht, wenn der Krieg vorbei ist?", schlug Millicent leicht lächelnd vor.

„Ja, dann vielleicht", antwortete Theodore. Sehnsucht lag in seiner Stimme.

„Freya, was willst du nach der Schule machen?", wollte Harry am Abend auch von seiner selbsternannten Schwester wissen. Sie hatten es sich in Harrys Zimmer gemütlich gemacht. Schließlich hatte er als Siebtklässler ein Einzelzimmer.

„Hm? Ich weiß noch nicht genau. Weißt du, Mum hat immer erzählt, wie glücklich sie war, als sie Dad nach der Schule geheiratet hat und sie kurz darauf schon schwanger war. Sie wollte immer nur Mutter sein und hat keine Ausbildung gemacht. Und na ja, sie war das einzige Vorbild, das ich hatte", seufzte Freya.

„Hast du daran gedacht, eine allgemeine Lehre zu machen?", wollte Harry stirnrunzelnd wissen.

„Ja klar und Gold wächst an Bäumen.", war Freyas bittere Erwiderung.

„Ähm Freya, Schwesterchen, du wirst dann eine Potter sein und wenn du eine allgemeine Lehre machen willst, kannst du das gerne tun", meinte Harry ruhig.

„Was? Aber...ich werd doch nicht deine Schwester, um dir auf der Tasche liegen zu können!", empörte sich die Rothaarige.

„Das hab ich auch nicht gesagt und dessen bin ich mir bewusst. Aber wenn du nicht weißt, welcher Beruf zu dir passt, ist eine allgemeine Lehre eigentlich das Beste, was du machen kannst. Ich will doch, dass du im Leben glücklich wirst. Mit allem drum und dran. Einem Job, der dir Spaß macht, einen Mann, der dich zum Strahlen bringt und ein paar Kindern, die ich dann verhätscheln kann", grinste Harry zum Schluss hin.

„Pass bloß auf, dass ich deine Kinder nicht auch verhätscheln werde", brummte Freya sichtlich gerührt.

„Wie kommt es eigentlich, dass in der magischen Welt gleichgeschlechtliche Partner Kinder bekommen können?", wollte Harry neugierig wissen.

„Das liegt an der Magie. Sagen wir mal, du triffst einen Mann, den du aus tiefstem Herzen liebst und ihr verbringt eine gemeinsame Nacht. Wenn er deine Gefühle ebenso erwidert, wird euer beider Magie sich verbinden und wenn ihr seelisch dazu bereit seit dem unterlegenen die Fähigkeit geben, ein gemeinsames Kind zu tragen.", erklärte Freya nachdenklich. „Na ja, so genau kann ich das auch nicht erklären. Meine Eltern sind in dem Punkt ziemlich..."

„Muggelhaft?", versuchte Harry der Rothaarigen zu helfen, die nach dem richtigen Wort zu ringen schien.

„Ja. So könnte man sagen.", seufzte Freya. „Ist es bei den Muggeln wirklich so schlimm? Mit der Homosexualität meine ich."

„Bei den meisten. Es wird besser. Zwar ziemlich langsam, aber trotzdem. Es gibt immer noch viele Eltern, die ihre Kinder ächten, wenn diese sich outen. Ich denke, deshalb wollte ich es mir auch so lange nicht eingestehen. Die meisten Muggelgeborenen würden wahrscheinlich einen Anfall kriegen, wenn ich mich outen würde", entgegnete Harry überlegend.

„Könnte man ja mal ausprobieren.", grinste Freya breit.

„Oh ja, genau. Such mir einen Kerl, den ich vor der ganzen Schule abknutschen kann. Wo ich mir noch nicht mal wirklich sicher bin, ob ich überhaupt schwul bin", kam die sarkastische Antwort von Harry. Allerdings konnte er ein amüsiertes Funkeln in den Augen nicht verhindern. Das wäre sicher sehr interessant, herauszufinden.

Kapitel 4: Teil 3

„Das ist nicht dein ernst, oder?" Mit ungläubigen Augen sah Harry in die Gesichter seiner Klassenkameraden. Es war Samstagmorgen und er würde in etwa einer Stunde zusammen mit Lilien, Jamie, Freya und Professor Aphoben in die Winkelgasse apparieren. Immerhin mussten die beiden Kleinen noch ihre Schulsachen nachkaufen.

Da sie Harry unbedingt dabei haben wollten und auch den Lehrern der liebevolle Umgang zwischen den dreien aufgefallen war, hatte man dem zugestimmt. Professor Aphoben würde sie begleiten, um für die Sicherheit der Kinder zu sorgen. Und weil er, nach eigenen Angaben ebenfalls noch etwas in London zu erledigen hatte.

Freya ihrerseits musste ins Ministerium, um die Emanzipationspapiere zu unterzeichnen und den Antrag auf Adoption in die Familie Potter einzureichen. Das Ganze war erstaunlicherweise durch Dracos zutun beschleunigt worden. Der Blonde hatte seinem Vater mit Harrys Erlaubnis darüber geschrieben und dieser hatte etwas Druck auf die entsprechenden Stellen ausgeübt.

Momentan ging es allerdings um ein anderes Thema.

Quidditch.

Draco hatte, in seiner Funktion als Kapitän der Slytherinmannschaft Harry gefragt, ob dieser nicht als Sucher in das Team wollte.

„Doch. Ich bin ein genauso guter Jäger wie Sucher und ohne dich als ernstzunehmenden Gegner würden die Spiele ziemlich langweilig werden. Außerdem liebst du das Fliegen und bist ein begnadeter Sucher.", meinte der Blonde ernst.

„Ich...weiß nicht genau, was ich sagen soll. Ja, ich liebe das Fliegen über alles, aber ich will dir nicht deinen Posten wegnehmen", entgegnete Harry nachdenklich.

„Würdest du nicht. Nun ja, nicht wirklich. Wir brauchen dieses Jahr im Team nur einen Jäger. Das Junior-Team ist eingespielt und sollte lieber nicht auseinander gerissen werden. Und da Draco in den Ferien immer mit den Jäger spielt, wenn er bei uns ist, sind wir auch schon ziemlich eingespielt. Und wenn du dann den Posten des Suchers übernimmst, können wir das restliche Team so belassen", erklärte Blaise, der Jäger im Team war.

„Junior-Team?", fragte Harry verwirrt.

„Ja. Wir Slytherins haben die Tradition des Junior-Teams. Die Auswahlspiele jedes Jahr benutzen wir, um Neuzugänge ins Junior-Team zu bringen. Die Juniors von dort kommen dann in das reguläre Team. Sie haben Übung und sind schon eingespielt. Dass Draco damals sofort ins reguläre Team kam, lag daran, dass wir im Junior-Team keinen Sucher hatten, da sich die letzten Jahre dafür keiner beworben hatte", meinte Pansy erklärend.

„Ihr stellt jetzt schon das Team zusammen, welches nächstes Jahr spielen wird und lasst sie trainieren?", wollte Harry sicher gehen, ob er auch richtig verstanden hatte.

„Ja", stimmte Draco zu.

„Dann ist es kein Wunder, dass Slytherin die letzten Jahrzehnte immer den Hauspokal gewonnen haben", gab Harry seine Meinung kund.

„Ja, nicht", grinste Pansy. „Und Freya wollten wir fragen, ob sie ins Junior-Team als Sucher geht. Nicht böse sein, Süße, aber Harry ist einfach besser als du."

„Bin ich nicht. Ich weiß ja, dass er erfahrener ist", lachte Freya. „Und so hab ich nächstes Jahr zumindest sicher einen Platz im Team."

„Na von mir aus", seufzte Harry schlussendlich geschlagen.

„Super. Training ist Dienstag und Donnerstag. Und in der Woche vor Saisonanfang haben wir ein Trainingsspiel gegen die Juniors. Ich freu mich schon auf unser erstes Spiel gegen Gryffindor", grinste Draco unheilvoll.

Harry fragte sich derweil im Stillen, worauf er sich da nur eingelassen hatte.

„Kommt überhaupt nicht in Frage! Ich übernehme die Kosten für euer Schulmaterial. Ich habe gesehen was für Zubehör die Schüler haben, die auf schulische Unterstützung angewiesen sind. Und so lasse ich euch garantiert nicht rumlaufen", meinte Harry bestimmt zu den beiden Kleinen.

Sie waren gerade bei Madame Malkins um die Umhänge zu besorgen. Professor Aphoben hatte vom Rektor das Gold bekommen, das für Lilien und Jamies Umhänge, Bücher und Trankzutaten gedacht war. Allerdings war das so wenig, dass Schüler, die dieses Gold in Anspruch nahmen, immer nur minderwertige Materialien kaufen konnten.

Harry wusste es zwar nicht genau, aber er hatte das Gefühl, dass Dumbledore ihnen sogar weniger mitgegeben hatte als normal. Vielleicht, weil sie Slytherins waren.

„Sind sie sicher, Mister Potter?", fragte die Schneiderin, die schon in den Standarts des letzten Jahres zu suchen begonnen hatte.

„Ja. Und von euch zwei dulde ich keine Wiederworte", wandte Harry sich zum Schluss noch an Lilien und Jamie. „Und Freya könnte auch neue Umhänge gebrauchen", fügte Harry dann noch mit einem Blick auf die Rothaarige hinzu.

„Aber...", begann diese, verstummte aber, als sie den unnachgiebigen Blick des Schwarzhaarigen sah.

„Nun Miss Weasley, ich nehme an, sie sollten sich für das Angebot bedanken", lachte Professor Aphoben leise.

„Unter einer Bedingung", grinste diese.

„Und die wäre?", wollte Harry stirnrunzelnd wissen.

„Du kaufst dir neue Klamotten", kam es von Lilien, Jamie und Freya nach einem kurzen Blicktausch im Chor.

„Wenn es sein muss", brummte dieser nur und sah auffordernd zur Schneiderin, deren Gesicht sich im Laufe des Gesprächs immer mehr erhellt hatte. Das bedeutete offensichtlich einen ziemlich guten Umsatz für den heutigen Tag.

Kapitel 4 – Teil 4

Gut zwei Stunden später verließen zwei äußerst mürrische Jungen, zwei vergnügt schnatternde Mädchen und ein amüsiert grinsender Lehrer den Laden von Madame Malkins.

Die vier Jüngeren besaßen nun jeder eine vollkommen neue Garderobe. Harry, weil Freya die Kleidung, die er von seinen Verwandten bekommen hatte nicht mehr ertragen konnte. Freya, weil Harry der Ansicht war, eine Potter müsse eine angemessene Garderobe haben. Wobei die drei anderen eher vermuteten, dass es eine Racheaktion Harrys war, die nach hinten losgegangen war. Und die beiden Jüngste, weil sie außer der Kleidung die sie trugen, nichts besessen hatten.

„Hunger", jammerte Lilien plötzlich mit Leidensmiene zu Harry.

Es war ja auch kein Wunder. Sie waren um elf Uhr von Hogwarts losgefahren. Inzwischen war es halb zwei und sie hatten noch immer nicht zu Mittag gegessen.

„Da hinten ist ein Restaurant, wo wir essen können. Ganz in der Nähe ist auch die Apotheke, da können wir dann die Trankzutaten kaufen", entschied Harry, mit einem Seitenblick zu Professor Aphoben.

„Das hört sich nach einer guten Idee an", lächelte dieser.

Harry fiel auf, dass ihr Lehrer oft lächelte. Und das ihm das Lächeln des Mannes gefiel.

Leicht rötlich um die Nase, bei diesem Gedanken wandte der Schwarzhaarige seinen Blick wieder nach vorne. Den erstaunten Blick Freyas bemerkte er dabei nicht.

„Was haben sie eigentlich in der Winkelgasse zu erledigen, Professor?", wollte Freya wissen, als sie mit dem Essen fertig waren. Lilien und Jamie löffelten glücklich in einem Riesenbecher voll Eis, welchen sie Harry mit einem bettelnden Blick abgeluchst hatten.

„Nichts. Ich dachte nur, es wäre interessant, Sie zu begleiten", grinste der Mann die Rothaarige an.

„Aha", war alles, was Freya dazu zu sagen hatte.

„Wieso das denn?", brachte Harry verwirrt heraus.

„Nun ja, es ist schon höchste interessant, dass zwei Schüler während ihrer Ausbildung in Hogwarts das Haus wechseln. Dazu kommt, dass ein so festes Band zwischen Ihnen beiden besteht und das mysteriöse Auftauchen der zwei Erstklässler. Ein Rätsel. Und ich liebe es, Rätsel zu lösen", entgegnete Professor Aphoben mit einem verschmitzten Grinsen im Gesicht.

„Dann ist es wohl auch Teil Ihrer Vorgehensweise mich zu fragen, ob ich Ihr Lehrling werde", schnaubte Harry missbilligend. Er hasste so etwas.

„Keinesfalls. Das war, weil Sie wirklich ein erstaunliches Talent in Verteidigung gegen die dunklen Künste haben und es eine Schande wäre, das zu verschwenden.", widersprach der Blonde plötzlich ernst.

„Natürlich", war Harrys sarkastische Antwort.

„Mach das bitte", mischte Lilien sich mit großen Augen ein.

„Hm? Was machen?", fragte der Schwarzhaarige verwirrt.

„Na, Lehrling werden", war die bestimmte Antwort.

„Du willst, dass ich Lehrling bei Professor Aphoben werde?", wollte Harry sichergehen.

Interessiert betrachteten sich der Blonde und Freya das Gespräch zwischen den beiden. Von der Gereiztheit, die der Schwarzhaarige eben noch ausgestrahlt hatte, war nichts mehr vorhanden. Sobald er mit Lilien redete, egal wie schlecht seine Laune davor auch gewesen war, war Harry wieder die Ruhe in Person.

„Ja", bestätigte Lilien ernst.

Und somit hatte Lilien für Harry beschlossen, dass dieser Lehrling in Verteidigung gegen die dunklen Künste werden würde. Wer war er schon, seiner Tochter diese Bitte abzuschlagen, noch dazu da sie aus der Zukunft kam?

Fröhlich lachend betraten Lilien und Jamie am Abend nach ihrer Einkaufstour das Schloss, bepackt mit jeweils einer Tüte, in denen ihre klein gezauberten Errungenschaften des Tages lagerten.

Die beiden hatten so sehnsuchtsvoll in die Auslagen eines Spielzeuggeschäftes geschaut, dass Harry sie kurzerhand hinein gescheucht hatte, damit sich jeder ein paar Sachen aussuchen konnte.

Das hatte Freya zwar noch mehr verwirrt, als es ohnehin schon der Fall war, aber es kümmerte den Potter reichlich wenig. Das Strahlen Liliens war alles, was in diesem Moment gezählt hatte.

Freya ihrerseits war nun emanzipiert. Der Antrag auf Adoption war, zum Unverständnis der beiden Jugendlichen, schon längst im Ministerium eingegangen. Harry hatte Lilien und Jamie daraufhin einen nachdenklichen Blick zugeworfen, die nur unschuldig zurückgelächelt hatten.

So hatten sie auch gleich die Adoptionspapiere unterschreiben können, da Freya nach der Emanzipation das Recht hatte, dies selbst zu tun.

Ein Brief mit dieser Nachricht war bereits auf den Weg zu den Weasleys. Professor Aphoben hatte das Schreiben für den Schulleiter mitbekommen und morgen würde das Ganze wahrscheinlich, in der Zeitung stehen.

„Nun, Mister Potter, Miss Potter, Mister Sal, Miss Salane. Ich wünsche Ihnen noch einen angenehmen Abend und eine geruhsame Nacht", verabschiedete Professor Aphoben sich gerade von den vier Schülern.

„Könntet ihr vorgehen? Ichwürde gerne mit Professor Aphoben noch etwas besprechen", hielt Harrys Stimme den Blonden jedoch zurück.

„Klar", grinste Lilien, schnappte sich die freie Hand von Freya, die skeptisch zwischen den beiden Zauberern hin und her blickte und zog die Rothaarige mit etwas Hilfe von Jamie in Richtung Gemeinschaftsraum.

„Worum geht es?", wollte der Blonde stirnrunzelnd wissen.

„Nun ja...ich...", versuchte Harry sein Anliegen vorzutragen.

„Wie wäre es, wenn wir das in meinem Büro besprechen?", schlug dieser vor.

Harry nickte nur kurz. Er wusste nicht genau warum, aber seit die anderen drei gegangen waren, war er seltsam nervös.

Interessiert betrachtete Harry sich das Büro seines Professors. Es war verglichen mit den Büros einer Vorgänger spärlich eingerichtet.

Ein großes Bücherregal nahm die gesamte linke Seite des Raumes ein. Die Reihen waren von A-Z beschriftet. Desweiteren gab es zwei Oberkategorien, welche vor den Beschriftungen standen. Dunkle Künste und Verteidigung. Das System erinnerte Harry stark an die Bibliothek von Hogwarts, auch wenn die Bücher nur nach den Anfangsbuchstaben sortiert waren und sonst recht durcheinander im Regal standen.

Außer diesem stand nur noch der Schreibtisch des Lehrers im Raum auf der rechten Seite.

Gegenüber der Tür hingen zwei Portraits.

Einen der beiden Portraitbewohner kannte er. Es war Godric Gryffindor und er begrüßte Harry mit einem breiten Lächeln. Der andere Mann, welcher das zweite Portrait bewohnte, kam Harry seltsam bekannt vor. Er hatte langes, schwarzes Haar, welches streng zurückgebunden war und braune Augen. Er grüßte Harry mit einem knappen Nicken.

„Setzen sie sich doch", lächelte Professor Aphoben den Schwarzhaarigen an.

Der Blonde saß auf einem gemütlichen Sessel. Harry blinzelte verwirrt. Er war sich sicher, dass die kleine Sitzecke, welche jetzt neben dem Regal standen, eben noch nicht da gewesen war. Sie bestehend aus zwei waldgrünen Sesseln und einem Beistelltisch aus dunklem Holz. Zögerlich kam Harry der Aufforderung nach und setzte sich dem Lehrer gegenüber.

Wieder bildete sich eine nachdenkliche Falte auf Harrys Stirn. Sein Blick flog zwischen den beiden Portraits und dem Professor hin und her.

Aphoben hatte eindeutig dieselben blonden Haare wie Gryffindor und die Augenfarbe und -form war die gleiche, wie bei dem anderen Mann. Die Gesichtszüge hingegen schienen ein Mix aus beiden Portraitbewohnern zu sein.

„Was...", entfuhr es dem Grünäugigen verwirrt.

„Meine Vorfahren", lächelte der Blonde geheimnisvoll.

Ein skeptischer Blick traf ihn daraufhin.

„Ja klar, und deshalb sehen sie auch nach Generationen noch so aus, als wären es Ihre Eltern", kam die misstrauische Erwiderung.

„Du bist gar nicht so dumm, wie du immer tust", lächelte der Blonde weiter.

„Ich hab Ihnen nicht erlaubt, mich zu duzen.", entgegnete Harry, während er aufsprang. Vorsichtig wich er Richtung Tür zurück. Die Augen nicht von seinem Professor nehmend.

Diese hatten inzwischen einen gefährlichen Glanz angenommen, welches sein Lächeln gruselig erscheinen ließ.