Na ja, wenn es darum geht, Kapitelüberschriften zu finden, bin ich nicht besonders kreativ, habt ihr sicher schon bemerkt. Weil auf Unwetter Sonnenschein folgt, gibt es bei mir nach Regen eben Feuer, öhm, ja


Kapitel 4: Feuer!

~ Julie ~

Das Schuljahr wurde älter und die Belastung der Siebtklässler nahm kontinuierlich zu.

Hausaufgaben flogen ihnen geradezu um die Ohren und auch spät abends sah man noch Lerneifrige im Gemeinschaftsraum sitzen.

Julie hatte das Gefühl, von Arbeit geradezu erschlagen zu werden.

Unterricht, üben, Hausaufgaben, recherchieren, wiederholen, Daren zuwinken, Unterricht, schlafen, Unterricht, Hausaufgaben, üben, Hausaufgaben.

Sie war keine gute Schülerin und auch das Stillsitzen bereitete ihr nach einiger Zeit Probleme. Besonders wenn sie bei einer Aufgabe nicht weiter kam - was unglücklicherweise viel zu oft der Fall war - stand sie auf und tigerte umher. Das hatte zur Folge, dass sie für manche Aufsätze Ewigkeiten brauchte.

Doch das Schlimmste war, dass sie und Daren fast keine Zeit mehr füreinander fanden. Selbst wenn sie sich einmal ein paar Minuten freischaufelte, Daren hatte dasselbe Pensum an Arbeit wie sie.

Zudem musste er als Quidditchkapitän die Trainingspläne und Spieltaktiken ausarbeiten, ganz zu schweigen von den vielen Stunden, welche er mit seiner Mannschaft draußen auf dem Feld verbrachte.

An manchen Tagen wechselten sie keine fünf Worte miteinander, so eingespannt waren sie von ihren Pflichten.

Julie verstand ja, warum er keine Zeit hatte, aber sie litt trotzdem darunter.

Während Daren mit seinen Mitspielern durch die Luft wirbelte und sie zu neuen Höchstleistungen anspornte, saß sie allein in der Bibliothek und musste sich mit ihrem Verwandlungsaufsatz herumschlagen. Wenigstens hatte sie, indem sie gleich nach dem Unterricht hierher geeilt war, einen Fensterplatz bekommen.

Betrübt sah sie nach draußen in die Dämmerung. Mit Absicht hatte sie sich so gesetzt, dass sie in die Richtung des Quidditchfeldes blicken konnte. Dort waren unscharf ein paar kleine Punkte zu erkennen, die in dem diffusen Licht umher tanzten. Welcher davon wohl Daren war?

Langsam sollten sie aufhören, es war gefährlich im Dunklen zu fliegen!

Besorgt nahm sie sich vor, ihm das zu sagen sobald sie ihn sah.

Ach ja, der Aufsatz…

Dummerweise hatte sie die Feder nicht beiseite gelegt als sie ihre Aufmerksamkeit nach draußen richtete.

Die Tinte war ausgelaufen und in dicken Tropfen auf das Pergament gefallen, um dort zu zerfließen und ein verzweigtes Muster zu malen.

Gequält verzog sie das Gesicht. Na super! Der Aufsatz war total versaut.

Vielleicht sollte sie das Muster einfach ausschneiden, dann konnte sie es vielleicht noch für Verteidigung gegen die dunklen Künste gebrauchen. Professor Jones würde sicher irgendetwas hinein interpretieren…

Pech nur, dass sie für morgen einen verdammten Verwandlungsaufsatz brauchte!

Also blieb nur eine, in diesen Räumen nicht ganz ungefährliche, Möglichkeit.

Ehe sie ihren Zauberstab leise aus ihrer Tasche hervor holte, sah sie sich aufmerksam um.

Madame Pinces Nase spitzte hinter keinem Regal hervor, scheinbar schnüffelte sie gerade hinter anderen Schülern her. Die Chance!

Ein sachter Stups an das Pergament und ein ungesagter Zauber - ha! üben tat sie auch gleich - sollten die Misere beheben.

Zischend sprang ihr eine Stichflamme entgegen.

Instinktiv wich sie zurück und fiel mit einem Aufschrei vom Hocker.

Einen Moment war sie vor Überraschung bewegungslos, dann rappelte sie sich hoch und starrte das Pergament an, welches fauchend zusammenschrumpelte und in Staub aufging.

Im selben Maße wie das Papier schwand auch das bläuliche Feuer. Ein paar kleine Flammen leckten über den Tisch und hinterließen dunkle Flecken darauf, dann war der Spuk vorbei.

Verdattert blickte sie auf das kleine Aschehäufchen, das gerade noch ihr halb fertiger Aufsatz gewesen war.

Die hohe, vor Wut überschnappende Stimme von Madame Pince ließ sie diese Gedanken auf der Stelle vergessen.

„Feuer! In der Bibliothek!"

Verängstigt wich Julie zurück, als die Bibliothekarin auf sie zu kam. Ihre Haare lösten sich aus der strengen Frisur, da sich ihre wild fuchtelnden Hände immer wieder darin verfingen. Groß quollen die Augen hervor und ließen sie tollwütig aussehen.

Es hätte wohl niemanden gewundert, hätte der alten Frau Schaum vor dem Mund gestanden.

„Feuer! Bei! Den! Büchern!"

Julie stieß mit dem Rücken gegen die Wand. Panisch tasteten ihre Hände über das Hindernis hinter ihr, doch sie saß in der Falle. Es gab kein Entkommen.

Gift und Galle spuckend kam die Medusa auf sie zu und hob die Hände.

Schüler beobachteten stumm die Szene und fragten sich, ob irgendjemand kommen und das Mädchen vor dem sicheren Tod bewahren würde.

Alle Anzeichen deuteten darauf hin, dass die alte Furie drauf und dran war, einen Mord zu begehen.

Schwer atmend stand Madame Pince da, bereit diesem Schädling den Gar auszumachen.

„Ver-schwin-de", presste sie angestrengt hervor und verharrte, fixierte ihr Opfer mit einem wutentbrannten Blick.

Julie ließ sich das nicht zwei Mal sagen, haschte nach ihrer Tasche und hetzte aus der Bibliothek.

Erleichterte, aber auch enttäuschte Blicken folgten ihr. Schade, wäre ein hübscher Skandal geworden, wenn die Pince sie wirklich erwürgt hätte. Flüsternd wandte man sich wieder den Arbeiten zu.

oOoOoOo

Die glücklich Entkommene blieb erst stehen, als sie außer Atem in ihrem Gemeinschaftsraum angekommen war.

Der Schreck saß ihr noch in allen Knochen und zitternd ließ sie sich in einen Sessel fallen.

Gütiger Merlin, sie würde die Bibliothek nie wieder betreten können, ohne sich in Lebensgefahr zu begeben. Wie zum Teufel sollte sie so ihren Abschluss bestehen?

Und zu allem Überfluss durfte sie den Aufsatz für McGonagall auch noch mal neu beginnen.

Unstet schweifte ihr Blick durch den Raum, auf der Suche nach Daren.

Jetzt brauchte sie ihn, um sich anzulehnen, um getröstet zu werden. Seine beruhigenden Worte und seinen warmen Körper.

Er war nicht da. Natürlich nicht. Quidditch.

Weinerlich rieb sie mit dem Handrücken über ihre Augen, sie wollte jetzt nicht los heulen wie ein kleines Kind.

Stattdessen zog sie harsch ihre Tasche zu sich her, riss Pergament und Feder heraus und machte sich grimmig daran, diese verflixte Hausaufgabe - die überhaupt an allem Schuld war - zu erstellen.

Beim Schreiben hörte sie mit einem Ohr, wie jemand ihren Namen erwähnte und sah auf.

Gleich darauf ließ sie sich tiefer in den Sessel sinken und zog den Kopf ein.

Nach den Worten ‚Feuer' und ‚Pince', konnte sie sich zusammen reimen, welche Geschichte dort gerade erzählt wurde.

Ein Hoch auf die hogwart'schen Nachrichtenleitungen - zu jeder vollen Stunde die neusten Nachrichten aus dem Schloss.

Sie war geliefert.

Ihr einziges Glück war, dass gerade die hauseigene Quidditchmanschaft – samt Kapitän - durch die Tür herein gepoltert kam und sofort von einer, nicht gerade kleinen, Fangemeinde umschwärmt war.

Beschämt raffte sie ihr Zeug zusammen und schlich unbemerkt die Treppe zu ihrem Schlafsaal hoch.

Achtlos polterte die Tasche vor dem Bett zu Boden und Julie ließ sich schwer auf die Matratze fallen. Ein Ruck, noch Einer, und die blickdichten Vorhänge schirmten sie vor der Außenwelt ab.

Es war ja nicht das erste Mal, dass sie etwas kaputt gemacht hatte. Von welchem Elternteil sie diese Schusseligkeit geerbt hatte wusste sie nicht, denn wenn Zuhause etwas krachte konnte man mit Sicherheit darauf wetten, dass sie die Schuldige war.

Aber heute hatte sie einen neuen Rekord gebrochen. Oh ja, Glückwunsch.

Traurig tastete sie in der Dunkelheit umher - Licht hatte sie keines gemacht - und suchte ihr Kissen.

Es war nicht so warm wie Daren, dafür aber flauschig und weich und besser als Garnichts.

Als sie es umarmte war sie wieder nahe daran, in Tränen auszubrechen.

Na gut, den Schulverweis bedeutete das wohl nicht, aber mit einer läppischen Strafarbeit war es vermutlich auch nicht getan.

Immerhin hatte sie ein Feuer in der Bibliothek verursacht – wenn auch unabsichtlich.

oOoOoOo

Wie lange sie dort eingekuschelt gelegen hatte wusste sie nicht, doch es musste einige Zeit vergangen sein.

Gedämpft drangen Schritte durch den schweren Vorhangstoff und sie hörte, wie die anderen Mädchen sich bettfertig machten.

Ihr Bauch beschwerte sich grummelnd, das Abendessen hatte sie jedenfalls verpasst. Egal, sie hätte es sowieso nicht ertragen, in der Großen Halle von allen angestarrt zu werden.

Nicht lange und es wurde wieder ruhig, zuvor entzündete Lichter verloschen und raschelnd verschoben sich die Stoffbahnen, um einen ruhigen Schlaf zu gewährleisten.

Niemand kam um zu fragen, ob alles in Ordnung sei, niemand nahm sie einfach in den Arm und hielt sie fest, niemand war da, mit dem sie sprechen konnte.

Trocken schluchzte sie und presste das Kissen sofort gegen ihren Mund, um den Laut zu ersticken.

Das fehlte gerade noch, dass die Anderen sie weinen hörten.

Hatte sie den gar keine Freunde? Niemanden, den es interessierte, was sie fühlte?

Doch, Daren.

Aber er konnte nicht hierher kommen.

Vermutlich lag er auch schon im Bett, erschöpft vom Training. Oder er war enttäuscht von ihr, dass sie sich so einen dämlichen Fehler erlaubt hatte. Bitte nur das nicht! Wenn Daren sie auch noch verlassen würde…

Eigentlich hatte sie nie eine ‚beste Freundin' gehabt.

Als in der ersten Klasse die Cliquen gebildet wurden, hatte sie nicht dazu gepasst.

Zu still, zu tollpatschig, weder auffallend hübsch noch besonders schlau.

Uninteressant.

Mit Hannah hatte sie sich eine Zeit lang gut verstanden und auch Brit und Tonny waren nett zu ihr gewesen, aber irgendwie hatte sich das mit der Zeit verloren. Vielleicht hatte sie sich auch einfach nicht genug um die anderen gekümmert, sie wusste es nicht.

Dann, in der vierten Klasse, kam Daren und seither war er alles was sie brauchte.

Manchmal hörte sie ungläubig die Geschichten der anderen Mädchen mit an, die sich beschwerten, ihre Freunde ‚wollen immer nur das Eine'.

Daren war freundlich, hilfsbereit, gut aussehend, männlich, klug und ein umschwärmter Quidditchspieler.

Warum er sie als Freundin haben wollte war allen ein Rätsel, auch ihr. Aber sie war mehr als glücklich darüber.

Er war nicht wie die andern Jungs. Stundenlang konnte sie nur nebeneinander da sitzen, kuscheln, Hausaufgaben machen, reden oder einfach gar nichts tun.

Zuweilen war er mehr das, was sie sich unter einer besten Freundin vorstellte, als einGeliebter.

Seit sie ihn hatte machte es ihr nichts mehr aus, dass sie nicht zu den anderen Mädchen gehörte, die scheinbar eine eingeschworene Gemeinschaft bildeten.

Nur jetzt, jetzt kam sie sich unglaublich verlassen vor.

Alles war ruhig, ihre Mitschülerinnen schliefen.

Sich selbst zur Ordnung rufend schluckte sie und zog den Stoff leise beiseite. Noch auf dem Bett sitzend streifte sie ihre Schuhe ab und stellte sie neben das Nachtkästchen, dann tapste sie barfuß und möglichst leise ins Bad. Dort unterzog sie sich einer schnellen Katzenwäsche und trank ein paar Schlucke aus dem Wasserhahn, um ihren brummenden Magen zu beruhigen.

Wiederum darauf bedacht, niemanden zu wecken, schlich sie sich zurück.

Fast hatte sie ihr Bett erreicht, da klopfte etwas gegen das Fenster und zwei riesige Augen funkelten sie an.

Julie bekam ihren zweiten so-gut-wie Herzinfarkt an diesem Tag.

Den Aufschrei, der sich schon den Weg durch ihre Kehle bahnte, konnte sie nur noch mit zwei Händen vor dem Mund ersticken.

Basilisk, Chimäre und Runesporn, wer war schon mitten in der Nacht darauf gefasst an der Außenseite eines hundert Meter hohen Turms zwei stechende Augen zu entdecken?

Klar gehörten sie einer Eule, aber zuerst kam der Schrecken, dann die Erkenntnis.

Das Tier am Fenster verstand überhaupt nicht, warum sich der komische Mensch da drinnen nicht bewegte. Er hatte sie gesehen, also sollte er ihr gefälligst auch das Fenster öffnen! Sie war ja auch nicht zum Spaß hier.

Wieder klackerte sie gegen die Scheibe und Julie, die fürchtete, dass der Lärm jemanden wecken könnte, beeilte sich sie einzulassen.

Doch die Eule dachte nicht daran in das Zimmer zu flattern.

Weg mit dem Zettel und dann ab die Post, sie hatte Hunger!

Verdattert nahm Julie den Brief von dem dargebotenen Bein ab und schon war der Vogel, mit einem leisen „Schuhu" verschwunden.

War das nicht Darens Eule gewesen? Im schwachen Mondlicht hatte sie es nicht so genau erkennen können.

Unschlüssig drehte sie das Pergament in den Händen und krabbelte damit in ihr Bett zurück.

Nachdem die Vorhänge wieder geschlossen waren, zückte sie den Zauberstab und flüsterte: „Lumos."

Die kleine Leuchtquelle wurde auf die Decke verfrachtet und nun konnte sie sich die Botschaft genauer besehen.

‚Juliette' stand in einer Ecke und sie erkannte Darens vertraute Schrift.

Beklommen faltete sie das Papier auseinander und beugte sich damit näher an die leuchtende Zauberstabspitze, um zu lesen.

Wir bekommen das schon wieder hin.

Ich liebe dich,

Daren.

Drei Zeilen, zwei Sätze, zehn Worte.

Mehr hatte sie nicht gebraucht.

Gerührt und seltsam erleichtert löschte sie den Zauberstab, nachdem sie die kurze Nachricht verinnerlicht hatte.

Als sich nun ihre Anspannung löste, nahm Müdigkeit ihren Platz ein. Auf einmal war sie so schläfrig, dass sie sich nicht mal mehr umziehen wollte.

Mit einer Hand hielt sie das Pergament fest, mit der Anderen zog sie die Decke über sich und stopfte das Kissen zu Recht. Müde schloss sie die Augen und war bald darauf eingeschlafen.