Kapitel 4 – Zum Nachsitzen erscheinen
Obwohl sie sich selbst dafür verabscheute, dass sie es nicht fertiggebracht hatte, nicht hinzugehen, klopfte sie um Punkt acht Uhr an die dunkle Holztür zu Snapes Büro und fragte sich gleichzeitig, warum er immer noch sein altes Büro hatte, obwohl er nicht mehr Zaubertränke unterrichtete, sondern Verteidigung gegen die dunklen Künste – und das nicht einmal mehr im Kerker.
"Herein!", bellte er wie immer...
Snapes Büro hatte sich kein bisschen verändert; es sah immer noch so aus, als würde er Zaubertränke unterrichten, mit all den Gläsern in den Regalen, in die Hermine lieber nicht so genau hineinschaute, um nicht etwas Furchterregendes oder Widerwärtiges zu entdecken...
"Guten Abend, Professor Snape", sagte sie betont höflich, auch wenn sie sich beherrschen musste, ruhig zu sprechen, da sie es immer noch als ungerecht empfand, dass sie hier aufkreuzen musste...
"Dort drüben", begann Snape ohne jegliche Begrüßung und zeigte auf einen kleinen Tisch in einer Ecke, an dem ein Stuhl stand und auf dem mehrere sehr alte Bücher, sowie ein neues Buch, ein Tintenfass und eine Feder waren. Er stand auf und ging zu dem Tisch herüber; Hermine folgte ihm. Sein Duft strömte in ihre Nase, so intensiv, dass sie unbemerkt kurz genießend die Augen schloss, bevor sie sich wieder in die Realität zurückzwang.
"Diese Bücher hier", er zeigte auf die alten, zerfledderten Lederbände, "geben langsam aber sicher ihren Geist auf. Getier hat sich eingeschlichen und der Zauber, der sie vor Schaden bewahren sollte, läuft bald ab. Daher sollen Sie beginnen, das Buch abzuschreiben. In dieses hier." Er zeigte ihr das neue, in dem die Blätter noch alle weiß und unbeschrieben waren. "Alles muss exakt so abgeschrieben werden, wie es in dem alten ist, jeder Absatz, jedes Komma muss richtig sein, sonst kann es später zu Komplikationen kommen. Noch Fragen?"
"Es wäre so viel einfacher, das abzutippen", seufzte Hermine nur.
Snape schüttelte verärgert mit dem Kopf. "Aber dann wäre die Magie der Bücher verloren", meinte er. "Ich dachte, gerade Sie würden das wissen."
"Tue ich auch", erwiderte Hermine. "Aber es wäre trotzdem einfacher."
"Fangen Sie jetzt an", sagte er nur und begab sich zurück an seinen Schreibtisch, um Aufsätze zu korrigieren.
Hermine setzte sich, schlug sowohl bei dem alten als auch bei dem neuen Buch die erste Seite auf, tauchte die Feder ins Tintenfass und begann, abzuschreiben. Eigentlich war es recht einfach, nur an ein paar Stellen, war die Schrift fast gänzlich verblasst, oder ein Wurm hatte sich hindurchgefressen. Doch sie konnte schnell durch den Textzusammenhang erraten, was dort gestanden hatte.
Stundenlang blieb es still, man hörte nur das Kratzen der Federn auf Pergament.
Nach einer Weile überlegte Hermine, ob sie ein Gespräch beginnen sollte, aber sie war sich nicht sicher, ob Professor Snape darauf eingehen würde...
Wenn Hermine es wagen soll, ein mehr oder minder persönliches Gespräch zu beginnen, dann lies in Kapitel 8 weiter; wenn sie lieber den Rest ihres Nachsitzens still sein soll, dann in Kapitel 9.
