Kapitel 03
Das Gegenwärtige
Henry lief schnellen Schrittes durch die vertrauten Straßen. Ihm war, als ob er seit Ewigkeiten diese Straßen nicht gesehen hätte und gleichzeitig fühlte es sich an, als ob er nie wirklich weg gewesen wäre.
Er war seinen biologischen Eltern zu dem Apartment der Charmings gefolgt, doch dort hatten sie keine Antworten gefunden. Emma wirkte blass und niedergeschmettert und konnte die neuen Informationen nur schwer verdauen. Gerne hätte er ihr beigestanden, hätte ihr gesagt, dass alles gut werden und es einen Weg geben würde, um die Lücken in ihren Erinnerungen zu füllen, doch alles woran der Junge denken konnte, war seine Mom.
Schmerzlich wurde ihm bewusst, wie lange er sie nicht gesehen hatte, seit er das letzte Mal wirklich Zeit mit ihr verbrachte. Seit Neverland ging alles viel zu schnell. So viele Sachen, die in seiner Seele und auf seiner Zunge brannten und die dringend hinaus mussten.
Henry hatte sich von den anderen verabschiedet und auf den Weg zu dem Ort gemacht, der all die Jahre sein zu Hause gewesen war. Emma und Neal hatten protestiert, hatten darauf bestanden ihn zu begleiten, doch der Dunkelhaarige wollte alleine der Frau gegenüber treten, die er anscheinend so lange vergessen hatte. Die Erinnerungen an ihre gemeinsame Zeit in diesem Städtchen schienen von Minute zu Minute lebendiger zu werden und so legte Henry einen Schritt zu. Die letzten Meter bis zum Ziel legte er rennend zurück. Außer Atem betrat er den kleinen Weg, der zum Eingang der Mansion führte, bestieg die wenigen Stufen und hielt vor der Tür inne. Seine Hand legte sich auf die weiße Tür, während sich sein Brustkorb schnell hob und senkte. Er nahm sich einen Moment Zeit, um wieder zur Atem zu kommen. Einen Moment, um sich zu sammeln.
Mom...
Als er sich soweit unter Kontrolle hatte, dass er aufrecht stehen und sich nicht mehr abstützen musste, verzogen sich seine Mundwinkel zu einem Lächeln. Mit voller Kraft klopfte er gegen die Tür.
Regina saß in ihrem Wohnzimmer auf der Couch und blickte auf eine Fotografie Henrys. Ihr Magen fühlte sich an, als wäre er die Heimat einer ganzen Ladung Steine, während sie ein Ziehen in der Brust verspürte, welches sie mit dem Vermissen ihres Sohne erklärte. Ihr war, als würde ein Teil ihrer selbst fehlen. Krampfhaft versuchte sie sich zu erinnern, versuchte sich einen Reim aus dem ganzen zu machen, doch es misslang ihr. Sie wusste nicht, warum sie zurück in Storybrooke war, wusste nicht, was geschehen war, doch was am meisten schmerzte für den Moment, war die Tatsache, dass sie ihren Sohn vermisste. Bereits im Märchenwald war dieser Schmerz unerträglich, doch hier nagte er weitaus kräftiger an ihrem Herzen, als sie es je vorzustellen konnte.
Ob er auch hier ist...oder noch in New York?...Ob ich zu ihm kann...und was dann? Er wird mich nicht kennen, ich gab ihm und ihr neue Erinnerungen...
Verweilte sie angestrengt in ihren Gedanken, als ein Klopfen an der Tür, sie aus diesen riss . Regina versuchte es zu ignorieren. Ihr war nicht nach Besuch. In ihrem Innern wusste sie, dass es kein normaler Besuch war, dass es nur wieder jemand wäre, der versuchen würde ihr die Schuld für diese neue Misere zu geben und dafür verspürte sie keinerlei Kraft. Die Schwarzhaarige atmete einmal tief durch und hielt dann ihren Atem an, als könnte sie für diesen Moment aufhören zu existieren. Als würde der Besuch verschwinden, wenn er kein Leben hinter diesen Wänden wahrnehmen konnte, doch der Zwang zu atmen, ließ ihre Luft stoßweise aus ihren Lungen fluten, als das Klopfen anhielt. Die Bürgermeisterin lehnte sich auf der Couch zurück, legte ihren Kopf in den Nacken und verhielt sich weiterhin still. Vielleicht würde der Unbekannte an ihrer Tür wieder gehen, doch ihre Hoffnung wurde zerschlagen. Penetrant drang das Klopfen durch den Eingang direkt ins Wohnzimmer. Als sie glaubte sich an das dumpfe Geräusch gewöhnt zu haben, erklang schrill die Klingel. Regina verdrehte ihre Augen, begradigte ihre Haltung und erhob sich entschlossen von dem großen Sofa. Die Schwarzhaarige strich ihren Rock glatt und verwünschte den Störenfried in ihren Gedanken.
Wahrscheinlich ist es Snow...aber die kann ich jetzt nicht ertragen..sie soll verschwinden
Glaubte sie zu ahnen, wer hinter dem Lärm steckte, der sie nun in Zugzwang brachte. Das Geräusch hoher Absätze die auf Marmorboden trafen, hallte durch den Eingangsbereich. Reginas Gesicht verfinsterte sich, nahm einen kalten, gleichgültigen Ausdruck an. Mit Wut in der Bewegung, glitt ihre Hand an den Türknopf und riss die Türe auf. Doch als ihre Augen den Störenfried erblickten, hörte ihre Welt auf sich zu drehen.
Henry
Der Junge mit den braunen Haaren starrte auf die Frau, die im Türrahmen stand. Das Lächeln auf seinem Gesicht intensivierte sich. In seinem Kopf formulierten sich tausend Worte, doch über seine Lippen bekam er nicht ein einziges. Regina tat es ihrem Sohn gleich. Unglaube zeichnete sich in dem freudigen Glanz ihrer Augen ab, als sie ihn erblickte. Das Bedürfnis ihn einfach in die Arme zu schließen und nie wieder loszulassen stieg ins Unermessliche, doch etwas hielt sie zurück, hinderte sie daran, ihre Sehnsucht zu stillen. Die Ungewissheit, ob er sich überhaupt an sie erinnern konnte, währte nur ein Blinzeln. Henry fand seine Sprache wieder und strahlte.
„Mom!"
Das war genug für die Dunkelhaarige. Genug um zu wissen, dass er sie kannte, dass er sich an sie erinnerte. Das Strahlen auf seinem Gesicht vertrieb die letzten Ängste, wie ein frischer Wind die Wolken am Firmament.
„Henry"
Kam es mit einem freudigen Schluchzer aus ihrem Mund. Im nächsten Moment schloss sie ihn einfach in ihre Arme und hielt ihn fest. Der Junge tat es ihr gleich, drückte sie fest an sich und schaffte noch immer nicht etwas zu sagen. Doch dies war nicht nötig. Henry brauchte ihr nicht sagen, wie Leid es ihm tat, sie all die Jahre beiseite geschoben zu haben, in denen sie seine einzige Mutter gewesen war. Brauchte ihr nicht sagen, wie glücklich er über ihre Wandlung war, über ihr Opfer, um ihn zu befreien und ihm ein gutes Leben zu ermöglichen. All das, legte er in seine Umarmung, während er die zarten Küsse auf seinem Schopf und seiner Stirn genoss.
Zu Hause...
Das Gefühl angekommen zu sein, nahm seinen Verstand ein und so blieb er einfach in ihren Armen bis seine Mutter sich soweit von ihm löste, um ihm ins Gesicht zu schauen.
„Du erinnerst dich!", stellte sie fest und bekam ein heftiges Nicken von Henry. Der Junge legte seinen Arm um ihre Taille, ließ sie ihren um seine schlingen und gemeinsam betraten sie das Haus, während er ihr antwortete.
„Ja und es ist seltsam. Ich erinnere mich an New York und diese falsche Zeit mit Emma, aber ich erinnere mich auch an Storybrooke und dich"
Regina lauschte der Erklärung ihres Sohnes und notierte sich, trotz der alles ergreifende Freude, mental diesen Zustand. Es war der erste Anhaltspunkt, den sie seit dem Erwachen in diesem Reich ausmachen konnte.
Ohne sich voneinander zu lösen begaben sie sich in die große Küche. Noch während sie liefen sprach die Schwarzhaarige
„Komm, ich mach uns einen heißen Kakao und dann kannst du mir erzählen, woran du dich noch alles erinnerst"
Henry nickte lächelnd und löste sich von seiner Mutter, damit sie die Utensilien aus den Schränken holen und die Milch erhitzen konnte. Dabei unterhielten sie sich und hatten seit langer Zeit das Gefühl, als wäre alles wie früher. Der Schmerz, der vor wenigen Augenblicken noch durch Reginas Seele gewallt und ihren Geist vereinnahmt hatte, war für den Moment verstummt.
Noch während sie über die Vergangenheit und Gegenwart zugleich sprachen, nippten Mutter und Sohn immer wieder an der heißen Köstlichkeit. Die Zeiger der Uhr wanderten stetig vorwärts. Draußen kündigte das rasch schwindende Abendrot die neue Nacht an. Regina saß auf einem Hocker neben ihrem Sohn und richtete das Wort an ihn.
„Du hast wirklich beide Erinnerungen?! Weißt du was das bedeutet?"
Henry schaute in die braunen Augen seiner Mutter und zuckte als Antwort mit den Schultern.
„Das bedeutete, dass du in der verlorenen Zeit schon deine Erinnerungen zurückbekommen hast."
Die rechte Augenbraue des Jungen schnellte in die Höhe, als sein Verstand das Gesagte seiner Mutter überdachte und verknüpfte.
„Das heißt, dass wir uns vielleicht schon vorher wieder begegnet sind"
„Das oder jemand, der für diesen neuen Fluch verantwortlich ist, hat dir und Emma vorher alle Erinnerungen gegeben, bevor es zurück nach Storybrooke ging"
Das Gespann sann über die Worte nach. Für einen Augenblick herrschte Schweigen, welches von einem Piepen unterbrochen wurde. Die beiden schauten sich an, bis Henry realisierte, dass es sein Handy war. Er zog es aus seiner Hosentasche und blickte auf das Display
Dad?
Verwirrt über den Namen, der auf dem Display erschien, brauchte er die Länge einiger Herzschläge um sich daran zu besinnen, dass Neal in sein Leben getreten war. Der Junge hob ab.
„Ja?"
„Bei Mom...ja noch immer. Wie nach Hause? Ich bin zu Hause! Aber...Aber...Ja..." , seufzend legte er auf und wandte sich an Regina.
„Sie wollen, dass ich zu ihnen komme. Neal und Emma. Emma glaubt, dass du etwas mit dem Fluch zu tun hast"
Die Enttäuschung des Jungen war greifbar im Raum. Hatte er den ganzen Tag daran festgehalten, dass seine Mutter sich geändert hatte, so waren Emmas Bedenken ein Schlag in die Magengrube. Wo ihn einst das Glücksgefühl fest beherrschte, kam nun Bitterkeit auf. Er ließ seine Schulter gleichwie seine Mundwinkel hängen.
Regina erkannte die Enttäuschung in seinem Gesicht. Der Anblick brach ihr Herz und manifestierte sich in in einem traurigen Glanz in ihren Augen.
„Henry, ich habe diesen Fluch nicht gesprochen. Bitte glaube mir", rechtfertigte sie sich.
„Um diesen Fluch zu sprechen muss man opfern, was man am meisten liebt...und mit opfern meine ich töten", versuchte sie es mit Ehrlichkeit, da sie nur zu gut wusste, wohin sie die Lügen und sei es nur zum Schutz gesprochen, gebracht hatten.
Der Dunkelhaarige blickte in das Gesicht seiner Mutter und suchte nach dem Anzeichen einer Lüge. Suchte nach etwas, woran er sich klammern konnte.
„Dafür hätte ich dich opfern müssen, mein kleiner Liebling, aber wie es aussieht, bist du quicklebendig", fuhr sie ehrlich fort. Henry erkannte die Wahrheit ihrer Worte in der Liebe ihres Blickes. Unverzüglich fühlte er die Last der Schuld, dass er so schnell über sie richten ließ. Um sie und sich aufzumuntern, versuchte er sich in einem Lächeln und sagte.
„Ich glaube dir, Mom"
Regina fiel ein ganzes Felsmassiv vom Herzen.
„Aber...", der Junge mit den dunklen Haaren wich ihrem Blick aus, schaute auf die Tischplatte und seufzte frustriert. Seine Mutter schlug die Augen nieder und bezwang das schäbige Gefühl, welches nach ihren Eigenweiden griff, als sie bereits im Vorfeld wusste, was dieses Aber zu bedeuten hatte.
„...ich gehe lieber."
Natürlich gehst du...was habe ich denn auch erwartet
Die Worte, nur ein kleiner Satz, rissen die gerade heilende Wunde in ihrem Herzen von neuem auf, doch sie versuchte es sich nicht anmerken zu lassen. Versuchte den Impuls, ihre Tasse gegen die Wand zu donnern, um dem Schmerz in ihrem Herzen Ausdruck zu verleihen, zu bezwingen. Sie tätigte einen tiefen Atemzug und öffnete die Augen. Als sie in das Gesicht des Jungen schaute, konnte sie den Widerwillen erkennen, den seine eigenen Worte in ihm beschworen.
Er sollte hier bleiben...es ist sein zu Hause...
„Ich will nicht, dass sie dir die Schuld geben. Ich werde es ihnen erklären, dass du es nicht warst, die den Fluch gesprochen hat. Okay?!
Ich lass das nicht mehr zu
„Und dann..."
Seine Miene erhellte sich und spiegelte die freudige Erwartung wieder, die in seiner Stimme mitklang.
„...frühstücken wir morgen gemeinsam, ja? Bei Granny. Sollen sie dann noch sagen was sie wollen."
Abermals verflüchtigte sich der Schmerz und machte Platz für die Freude, die er in ihr auslöste.
„Versprochen", antwortete sie und schaffte ein Lächeln, welches sogar ihre Augen erreichte.
Der nächste Morgen brach für Robin Hood nach einer viel zu kurzen Nacht an. Das Geschrei des Babys weckte nicht nur ihn immer wieder, sondern auch Roland, der nach dem dritten Mal mehr als grantig reagierte. Gegen Morgengrauen hatte der König der Diebe zwei weinende Kinder, die seine Nerven strapazierten.
Erst als es Zeit fürs Aufstehen war, beruhigte sich die Lage. Das Neugeborene genoss sein Frühstück in den Armen seines Vaters und wirkte zufrieden. Selbst sein ältester Sohn war nach einigen wenigen Stunden Schlaf besser gelaunt. Die Aussicht auf dieses fantastische, süße Frühstück vom Vortag, stimmte ihn freudig, so dass er sich ohne zu murren wusch, anzog und dann hinunter in den Schankraum eilte.
Nun stand Robin hinter dem Tresen. Seine Hand bewegt ein kleines Spielzeug, welches an der Wippe seines Sohnes befestigt war und entlockte dem Spielgerät raschelnde Geräusche. Das Baby, an dessen Namen er sich immer noch nicht erinnern konnte, betrachtete das bunte Spielzeug mit großen, dunklen Augen. Seine winzigen Fingerchen versuchte danach zu greifen und ohne sich helfen zu können, verlor der aschblonde Mann sich für einige Momente in diesem Anblick. Seine Mundwinkel verzogen sich nach oben, als sein Sohn plötzlich zu strampeln begann. Seine Händchen berührten die Rassel immer wieder, während er mit seinen dünnen Beinchen fast schon aufgeregt zu treten begann. Gurgelnde Laute drangen aus seinem Mund, was Robins Brust mit einer Wärme füllte, die ihn nicht mehr im Geringsten daran zweifeln ließen, dass dies sein Kind war. Dass jemand am Tresen stand und eine Bestellung aufgab bekam der Mann nicht mit. Ein leises Glucksen entfleuchte seiner Kehle, als der Junge in der Wippe abermals sein Gestrampel intensivierte, was ihn fast schon verliebt auf ihn blicken ließ, bis er endlich die Stimme vernahm, die ihn zurück aus diesen warmen Emotionen katapultierte.
„Ich sagte, wir würden heute gerne noch bestellen oder haben wir uns in eine Kindertagesstätte verlaufen, dann verzeihen Sie die Störung"
Robin atmete tief durch, straffte seine Schultern und legte ein übertrieben falsches Lächeln zur Schau, als er sich dem Kunden zuwandte und in Reginas blasierte Gesicht schaute.
„Willkommen bei Granny's Diner was...", bevor er weitersprechen konnte, ertönte Grannys Stimme aus der Tür hinterm Tresen, die zur Küche führte.
„Wenn dich die Arbeitsmoral meiner Mitarbeiter stört, dann such dir einen anderen Platz"
Die einstige böse Königin atmete tief durch, unterdrückte das Verlangen einen Fluch auf Robin und die alte Frau zu jagen und zwang sich zu einem ebenso falschen Lächeln, wie das Robins, als sie antwortete.
„Zwei Mal Apfelpfannkuchen, eine heiße Schokolade mit Sahne und Zimt und einen Kaffee"
Ohne einen weiteren Blick an die beiden anderen zu verschwenden, machte sie auf ihren hohen Absätzen kehrt und ging zurück zu dem Tisch, an dem Henry bereits auf sie wartete.
Robins blaue Augen hafteten sich an die Gestalt der Schwarzhaarigen und folgten ihr, bis sie wieder Platz nahm. Für einige Augenblicke starrte er auf die Beiden, verzog seine Miene zu einer Maske der Missbilligung und gab ihr innerlich noch immer die Schuld an dieser Misere. Selbst, wenn sie nicht mehr die böse Königin sein sollte, wie man ihm versucht hatte zu erklären, so verkörperte sie noch immer all das, was er verabscheute. Sie genoss, trotz der Angst und der Wut der Leute, die Privilegien des Adels, stolzierte in seinen Augen durch diese Stadt, als würde sie ihr gehören und alleine das, trieb den Ärger in ihm in ungeahnte Höhen. Ohne zu merken, dass er noch immer auf Regina und den ihm unbekannten Jungen starrte, hörte er seine Chefin sagen.
„Hier, die Bestellung geht an ihre Hoheit!", dabei betonte sie das letzte Wort auf besonders abwertende Art und Weise. Robin nahm das Tablett mit den Speisen und ging geradewegs auf Regina und Henry zu. Ohne in ihre Gesichter zu schauen und mit verbissenem Ausdruck auf dem eigenen, stellte er die Teller geräuschvoll auf die Tischplatte und wandte sich wieder ab. Regina entließ eine genervtes Seufzen und rief ihn zurück.
„Das ist nicht alles. Wo sind die Getränke?"
„Kommen sofort", machte er übertrieben freundlich und deutete einen spöttischen Knicks an. Die Schwarzhaarige rollte mit ihren Augen und schüttelte nur ihren Kopf.
Wir hätten zu Hause essen sollen. Wenn der so weitermacht, werd ich ihn umbringen...und es wird mir nicht einmal Leid tun
Dachte sie und versuchte sich in einem Lächeln für Henry, damit er ihre Gedanken nicht erraten konnte. Der braunhaarige Junge jedoch las in ihr, wie in einem offenem Buch. Ein verschmitztes Grinsen, erhellte sein Gesicht, als er das Wort an sie richtete.
„Er ist neu hier, oder? An ihn hätten wir uns erinnert"
„Oder verdrängt", erwiderte sie prompt und schob ihrem Sohn den Teller mit dem Pfannkuchen hin. Regina entfaltete ihre Servierte und legte sie auf ihren Schoß. Noch während ihre Finger dieser Tätigkeit nachkamen, kehrte Robin zurück an den Tisch. Vorsichtig stellte er den Kakao vor Henry ab und nickte ihm freundlich zu. Danach wandte er sich an Regina und stellte die Tasse Kaffee fester als nötig auf den Tisch, so dass ein Teil heraus schwappte und auf der Dunkelhaarigen landete. Sofort rutschte diese zurück und sprang schimpfend auf.
„DU RINDVIEH!", keifte sie, was Granny einen warnenden Blick in ihre Richtung schicken ließ. Mit der Servierte versuchte sie die Kaffeeflecken auf ihrem Rock zu trocknen und meckerte weiter.
„Mach dich nützlich und hol mir noch Servierten und den Zucker hast du auch vergessen"
Der aschblonde Mann stand wie die Unschuld persönlich da, beobachte den emsigen Versuch Reginas ihre Kleidung zu trocken und atmete tief durch, um nicht die Beherrschung zu verlieren, als sie ihn anfuhr.
„Bin ich Euer Lakai?!", erwiderte er trocken, was etwas in ihrem Verstand zum zünden brachte. Sie pfefferte die benutzten, voll Kaffee triefenden Servierten auf sein Tablett und machte einen Schritt auf ihn zu, um sich vor ihm aufzubauen. Mit ihrem Zeigefinger pikste sie immer wieder gegen seinen Brust, um ihre Worte zu unterstreichen, welche sie ihm verachtend entgegen schmetterte.
„Ehrlich gesagt, ja! So lange du das hier trägst", sie zog an der Schürze, die um seine Hüften gebunden war „bist du nichts weiter, als mein Lakai, der für die paar Kröten die er hier verdient, dafür sorgt, dass ich zufrieden bin. Also beweg' deinen Hintern wieder hinter die Theke und bring mir Servierten und Zucker, Verstanden...Lakai!"
Robins Hände verformten sich zu Fäusten und übten so viel Druck aus, dass seine Knöchel weiß hervortraten. Er presste Lippen und Zähne zusammen, verwünschte die böse Königin in Gedanken und rief sich in Erinnerung, dass er diesen Job brauchte. Regina weidete sich an dem Anblick Robins, der sichtlich mit seiner Beherrschung kämpfte. Sie schenkte ihm ein falsches Lächeln, entblößte ihre schneeweißen Zähne und sagte mit falscher Süße in der Stimme.
„Am besten noch, bevor der Kaffee kalt ist"
Ich werde sie töten...ja, das werde ich. Und ich werde der Menschheit noch einen Gefallen damit tun
Schoss es ihm durch den Kopf, als er den Weg zurück zum Tresen schritt, um die Bestellung zu vervollständigen.
Henry entließ ein geräuschvolles Seufzen nachdem er der Szenerie als stiller Beobachter beigewohnt und seine Mutter sich wieder hingesetzt hatte.
„Er glaubt, dass ich Schuld an diesem neuen Fluch habe und ist ziemlich wütend deswegen", versuchte sie sich zu erklären, was Henry dazu veranlasste seine Hand über die Tischplatte zu schieben und nach der ihren zu greifen, um sie zu drücken.
„Das bist du aber nicht. Er und die Anderen werden das auch schon noch merken. Sollen wir lieber woanders essen gehen?", fragte er voller Verständnis, was Regina zum nachdenken brachte, wann er so erwachsen geworden war. Sie schüttelte ihren Kopf, begradigte ihre Haltung und atmete tief durch.
„Nein. Ich lass mich doch nicht von einem Dieb vertreiben"
„Ein Dieb? Weißt du wer er ist?"
Abermals nickte die einstige Königin und antwortete ihrem Sohn
„Robin. Robin Hood...oder Locksley"
Henrys Augen weiteten sich, als im bewusst wurde, dass er vom Held seiner Kindheit bedient wurde. Für die Länge weniger Herzschläge stritten zwei Stimmen in seinem Kopf. Eine, die voller Begeisterung bereits daran dachte, ihn näher kennen zu lernen und eine andere, die ihn ermahnte, dass dieser Mann anscheinend etwas gegen seine Mutter hatte.
Der Geächtete kehrte mit einem ganzen Stapel Servierten und einem Zuckerstreuer zurück. Er platzierte die Servierten vor Regina, suchte dieses Mal den Blick in ihr Gesicht und bedachte sie mit einem ernsten Ausdruck aus den tiefblauen Augen, während er den Zucker demonstrativ in ihren Kaffeebecher schüttete, bis sie ihm ein stummes Zeichen gab, dass es genug war.
Für einen Augenblick blieb er noch an dem Tisch stehen und konnte anhand der Türklingel heraushören, dass weitere Gäste das Lokal betraten. Er schickte ein Stoßgebet zum Himmeln, weil er nun andere Leute bedienen und sich von dem Tisch der Bürgermeisterin abwenden durfte, als ein Laut des Ekels in sein Ohr drang. Noch ehe Robin wusste, wie ihm geschah, prustete Regina den Kaffee aus ihrem Mund direkt auf den Räuber.
„Das war Salz, du Hornochse", keifte sie und schnappte sich Henrys Getränk, um den Geschmack aus ihrem Mund zu schwemmen. Der Kaffee lief über Robins Gesicht und tropfte auf sein Hemd. Angewidert wischte er sich mit der flachen Hand über das Kinn und wandte sich kopfschüttelnd von ihr ab.
„Und das am frühen Morgen. Das nächste Mal packe ich Rattengift in ihren Kaffee", nuschelte er und schritt zurück hinter den Tresen, wo Granny mit in den Hüften gestemmten Fäusten wartete und nur mit ihrem Kopf schüttelte.
Roland indes, der an der Theke saß und sich Pfannkuchen in den Mund stopfte, während er seinen Vater beobachtete, begann herzhaft zu lachen, als die fremde Frau seinen Vater mit Kaffee bespuckte. Immer noch lachend sprang er von dem Hocker hinunter und rannte zu seinem Vater.
„Hahahaha...die Lady ist lustig", machte er voller Begeisterung und laut genug, dass alle Anwesenden ihn hören konnten.
Henry unterdrückte ein Kichern, als er die Worte des kleinen Jungen vernahm und rief sich sogleich zur Ordnung, als er den missbilligen Blick seiner Mutter sah, den sie hinter Robin her schickte.
Das Verlorene
Angesichts der Hochzeitsfestlichkeiten war der Palast hoffnungslos überfüllt, so dass Emma dafür gesorgt hatte, dass Reginas altes Zimmer mit zwei zusätzlichen Betten ausgestattet wurde, damit auch die Jungs einen Platz zum Schlafen fanden. Nun waren sie schon fünf Tage im Palast und Regina konnte immer mehr mit dem Bräutigam mitfühlen, den es so sehr nach Hause zog. Dieser Welt hatte sie den Rücken gekehrt, war anerkannt und respektiert im Sherwood Forest. In diesen alten Gemäuern war sie unliebsamen Erinnerungen ausgesetzt, die jeder Winkel dieses Palast aufs neue heraufbeschwor. Die Tatsache, dass es noch immer genügend Menschen gab, die ihr nicht verzeihen konnten, beschworen ein schäbiges Gefühl herauf, welches sie so gut es ging zu überspielen versuchte. Sie wollte sich nicht wieder verlieren, wollte sich nicht der Wut hingeben, die manche Gäste in ihr entfachten und so hielt sie sich so gut es ging im Hintergrund auf, wie an diesem Abend. Snow White hatte zu Ehren ihrer Tochter zu einem traditionellen Fest geladen. Die eingeladenen Frauen kamen bei Wein und Essen zusammen, um die zukünftige Braut zu beschenken. In alten Zeiten und in ärmlicheren Verhältnissen, brachten die Frauen Hausrat und Aussteuer mit, bei dem Fest einer Prinzessin zeigten sich die Adelsdamen mehr als spendabel und überreichten ihre Gaben in Form von teurem Schmuck und edlen Kleinoden.
Auch Regina hatte für Emma eine Kette mit passendem Ring und Armband anfertigen lassen. Diese Schmuckstücke waren nicht annähernd so pompös, wie die der Anderen und die Herrin von Sherwood Forest war sich sicher, dass man sich das Maul darüber zerreißen würde, doch sie hatte in den vergangenen Monaten Emma mehr und mehr kennen gelernt und glaubte zu wissen, was der Retterin gefiel. Die Einfachheit dieses Geschenkes war es, das Emma zusagte. Sie ließ sich diese Kollektion sofort anlegen und bedankte sich herzlich bei der einstigen Königin.
„Danke, das wäre nicht nötig gewesen, ihr habt uns schon beschenkt", erinnerte die Blonde grinsend, dass sie ihren Gatten schon vor einigen Wochen geehelicht hatte.
„Mag sein, aber Tradition ist Tradition", erwiderte die Schwarzhaarige und setzte sich auf eines der Sofas, die im Salon verteilt standen. In ihrer Hand hielt sie einen Weinbecher und bedeckte diesen, als ein Diener nachschütten wollte. Neben ihr saß Tinker Bell und bedachte sie mit einem fragenden Blick.
„Was?", machte Regina und setzte sogleich zu einer Erklärung an.
„Ich hab nicht vor mich hier zu betrinken"
Die blonde Fee hob eine Augenbraue und suchte in dem Gesicht der Anderen nach einem Zeichen der Lüge. Sie studierte sie für einen Moment und gab sich dann seufzend geschlagen
„Ich hab auf dich gehofft, damit hier endlich Stimmung in den Laden kommt und mit Stimmung mein ich, dass sich jemand mit mir am Wein gütlich tut"
„Da bin ich die Falsche und das weißt du, Tink", grinste die einstige Königin und schüttelte nur schmunzelnd ihren Kopf, als die Blonde sich erhob und zu dem aufgebauten Buffet marschierte.
Dort angekommen, ließ Tinker Bell ihren Blick über das üppige Mahl schweifen und angelte mit ihren Fingern nach einem Spieß, an dem Käse und Erdbeeren abwechselnd steckten. Sie begann diese zu verzehren, während sie zu Regina schaute und stumm gestikulierend nachfragte, ob sie ihr etwas mitbringen sollte. Die Angesprochene nickte nur und brachte die einstige Fee zum seufzen. „Futtern kann sie, aber mit mir einen Trinken, das geht nicht!", nuschelte sie frustriert zu sich selbst und bemerkte nicht, dass jemand neben ihr stand. Granny Lucas wandte ihren Rücken dem Buffet zu und erwiderte in einem trockenem Tonfall.
„Kein Wunder, die hat ja auch einen Braten in der Röhre!"
Tinker Bells Augen weiteten sich im gleichen Maße, wie ihre Lippen sich öffneten. Sie ließ den Käsespieß fallen und drehte sich zu der alten Frau
„Was?", hakte sie fassungslos nach.
Die Ältere machte einen Kopfdeut in Richtung Regina und erklärte
„Na, vom Glück begünstigt, guter Hoffnung, trächtig...angebumst...schwanger, Kindchen, was ist daran so schwer zu verstehen?"
Die Blonde schüttelte nur ihren Kopf und gab ihrer Verwirrung weiter Ausdruck
„Wie kommst du darauf. Ich glaub, ich wüsste das!"
Granny fischte nach einem Käsespieß, zog das Stück Käse mit den Zähnen ab und gestikulierte mit dem Stück Holz weiter in Richtung der einstigen Königin.
„Nun, wie du schon sagtest, man sieht sie essen, sie verweigert seit ihrer Ankunft den Wein und seien wir mal ehrlich, kannst du dich jemals daran entsinnen, wann sie sich in etwas gehüllt hat, dass nicht hauteng war? Nein, Missy! Die ist in anderen Umständen und sehr darauf bedacht, es nicht zu verraten", grinste die alte Frau und drehte sich wieder zu den Speisen, um sich einen weiteren Käsespieß zu gönnen.
Tink starrte weiterhin fassungslos auf Regina und spürte eine Woge der Wut durch ihren Körper wallen.
Wieso hat sie es mir nicht gesagt? Mir hat sie diesen Braten zu verdanken
Dachte sie fast schon beleidigt und war fest entschlossen, sie darauf anzusprechen. Gewappnet mit einem Teller voller Speisen für ihre Freundin, ging sie zurück zu dem Sofa und wurde enttäuscht. Snow hatte den Weg zu der Dunkelhaarigen gefunden und wenn Tink irgendetwas gelernt hatte, dann dass man nicht zu Wort kam, wenn die Königin die Möglichkeit ergriff über die Hochzeit und deren Vorbereitung zu schwärmen.
Das geschieht dir recht, Regina. Soll Snow dich nerven und morgen bist du fällig
Grinste sie in sich hinein und reichte ihr den Teller. Regina bedankte sich und hoffte inständig, dass die Fee Snow zum Schweigen bringen könnte, doch Tink setzte ein breites Grinsen auf und entschuldigte sich.
„Ich hab da vorne eine alte Bekannte gesehen...ihr entschuldigt mich!", sagte sie und mischte sich unter die anderen Damen im Salon.
Reginas Lächeln glich immer mehr einer Maske, als die Erzählung der Königin sie zu langweilen begannen. Höflich, wie sie sich vorgenommen hatte zu bleiben, nickte sie immer mal wieder, gab einen zustimmenden Laut von sich und widmete ihre Aufmerksamkeit ganz dem Essen, welches die Fee ihr zukommen ließ.
Snow...ich war bei all diesen Sachen dabei...du musst es mir nicht nochmal erzählen...egal...was haben wir hier...mhh Tomaten...
Während Snow White weiterhin über das Blumenarrangement schwärmte, welches Regina hatte anliefern lassen, um die Kapelle zu schmücken, spürte Regina einen stechenden Blick auf sich. Sie wandte sich von dem Essen ab und blickte sich im Raum um, bis sie eine ältere Dame mit hellroten Haaren entdeckte. Sie hatte keine Ahnung wer diese Frau war, doch ein einziger Blick verriet ihr die Geringschätzung, die sie ihr entgegenbrachte. Ein kalter Schauer lief über ihre Wirbelsäule und entlockte ihrem Körper ein kurzes frösteln, als die blass grünen Augen ihr kalte Verachtung entgegen schmetterten.
„Wer ist diese Frau, Snow?", unterbrach sie die Königin in ihrer Schwärmerei. Die Jüngere verstummte für einen Moment und wirkte konfus, doch als sie Reginas Kopfdeut folgte und die Frau erblickte, erhellte sich ihr Gesicht und sie antwortete mit einem Lächeln.
„Das ist Imogen Locksley!"
Locksley?
Kaum drang der Name in ihr Gehör, da fühlte sie sich, als habe man ihr einen Eimer kaltes Wasser über den Kopf geschüttet.
„Locksley?", wiederholte sie mit Vorwurf in der Stimme.
„Ja, Locksley. Sie ist die älteste Schwiegertochter von Walter und Kathleen Locksley. Die solltest du kennen, das sind immerhin Robins Eltern. Imogen kam heute schon an, der Rest erscheint erst zur Hochzeit."
Regina schüttelte nur ihren Kopf Angesichts der Naivität, mit der Snow ihr den Verwandtschaftsgrad erläuterte und sich keinerlei Schuld bewusst war.
„Wie konntest du sie einladen?", fragte sie nun unverblümt und hoffte auf Verständnis Seitens Snows, doch die Jüngere schien nicht zu begreifen.
„Wie ich konnte? Sie gehören zu den gehobenen Familien dieses Landes. Sie nicht einzuladen, wäre ein Affront"
Regina war der Appetit vergangen. Genervt legte sie das Stück Brot in ihren Fingern auf den Teller. Noch immer spürte sie den stechenden Blick Imogens auf ihren Körper. Am liebsten würde sie aufstehen, zu dieser ihr fremden Frau hinstürzen und sie mit Hilfe ihrer Magie weit fort hexen, doch anstatt diesem Impuls nachzugeben, sprach sie klagend.
„Dann hättest du uns wenigstens vorwarnen können..."
Diese Frau raubt mir alle Nerven...
Es ging ihr nicht um die eisigen Blicke und die Boshaftigkeit, welche Imogen ihr mit einem kalten Lächeln offenbarte, sondern um die Tatsache, dass der Vater ihres ungeborenen Kindes ins kalte Wasser geworfen wurde. Das war etwas, dass er in ihren Augen nicht verdient hatte. Verärgert über die ganze Situation erhob sie sich, stellte den Teller auf einen der Tische und sprach.
„Du verzeihst, aber mir ist jetzt nicht nach weiterer Konversation"
Sie schritt durch den Raum in Richtung der großen Fensterfront, die zum Balkon führte. Ein wenig frische Luft würde ihr gut tun und ihr erhitztes Gemüt wieder abkühlen lassen. Nur noch wenige Schritte trennten sie von ihrem Ziel, als sie ein Zischen in ihrem Ohr vernahm.
„Verräterin"
Die einstige Königin hielt abrupt inne und drehte ihren Kopf in Richtung der Stimme. Ihre Augen schauten direkt in die harten Gesichtszüge Imogens, die ihre Nase rümpfte.
„Bitte was?", hakte sie nach, während ihr eigenes Gesicht einen verhärteten Ausdruck annahm.
„Ich glaube, ihr habt mich sehr wohl verstanden, meine Liebe!", kam es blasiert über ihre dünne Lippen, was Reginas ihre Schultern straffen und einen Schritt auf die andere Frau zugehen ließ.
„Wenn Ihr mir was zu sagen habt, dann raus damit, ansonsten begrüße ich es nicht, wenn man mir mit dummen Kommentaren die Zeit stiehlt"
Das Lächeln, welches sie ihr schenkte war falsch und übertrieben.
„Es gibt im Grunde nichts zu sagen. Ich wollte eigentlich nur die Närrin von Frau sehen, die unser lieber Robin dazu bringen konnte, ihre Krone aufzugeben und ihrem Stand zu entsagen."
Reginas Hände ballten sich zu Fäusten. Das Bedürfnis einen Feuerball auf die Frau zu werfen wuchs mit jedem Atemzug.
„Dann solltet Ihr nach nebenan ins Badezimmer gehen. Dort hängt ein großer Spiegel. Schaut dort hinein, denn das ist die einzige Närrin, der Ihr hier begegnet. Ich wünsche noch eine gute Nacht", antwortete sie mit falscher Freundlichkeit und ließ Imogen stehen. Mit erhobenem Haupt legte sie die kurze Distanz zum Balkon zurück und kramte bereits in eine der Seitentaschen ihres Umhangs. Sie betastete die zarte Kühle im Verborgenem und griff beherzt zu. Mit einer schnellen Bewegung zog sie den dünnen Armreif heraus und legte ihn gekonnt an ihr Handgelenk.
Besser ist das, sonst jage ich hier noch etwas in die Luft
Motivierte sie sich selbst, die richtige Entscheidung getroffen zu haben, indem sie ihre Magie unterband, bevor sie etwas tat was sie bereuen konnte.
Die Luft war kühl, als sie den ersehnten Balkon betrat. Ein leichter Wind wehte und spielte mit einer losen Strähne, die ihr Gesicht einrahmte. Das Stimmengewirr, welches im Salon herrschte, drang kaum hinaus. Die einstige Königin schloss ihre Augen, zog die Luft tief in ihre Lungen, behielt sie einen Moment und entließ sie dann wieder in die Freiheit. Ihre Finger legten sich auf die Balustrade, klammerten sich an das Stück Metall.
„Alles in Ordnung?", schwang Emmas Stimme durch die Abendluft. Die Sonne setzte zu ihrem Niedergang an und tauchte das Panorama in die herrlichsten Rottöne. Regina blickte auf den Schlosshof, der im Licht der untergehenden Sonne leuchtete.
„Ja, geh ruhig wieder rein", log die Schwarzhaarige ohne sich viel Mühe zu machen. Emma durchschaute die Lüge, ging aber nicht weiter darauf ein, sondern sagte.
„Wenn mir noch eine dieser hochgeborenen Damen von ihrem anstrengenden Leben vor jammert, dann werde ich wohl dein Armband brauchen. Wie konnte Mary Margaret diese Frauen alle einladen. Ich wollte eine kleine gemütliche Hochzeit und jetzt muss ich seit Wochen darauf achten, dass meinem Mann nicht der Kragen platzt und er frühzeitig abreist", sprudelte es aus der Retterin, was Regina zum Schmunzeln brachte.
„Ich glaub eher, dass du es bist, die Gefahr läuft frühzeitig abzureisen", erwiderte sie mit einem wohlwissenden Grinsen.
„Ja, aber verrate mich nicht!"
Die Schwarzhaarige schüttelte den Kopf
„Nein, keine Angst. Ich zähle selbst die Tage bis...", sie hielt in ihrem Satz inne und starrte auf den Hof, der sich mit Leben füllte. Stimmen, die lachten und riefen, drangen hinauf zu den beiden Frauen.
Was ist da los
Das Gegenwärtige
Emma und Neal betraten den Diner in dem Moment, als die Bürgermeisterin den Kellner mit einer mündlichen Dusche taufte. Ihre Mundwinkel hingen gen Boden, während sie ihren Mund öffnete.
Was ist hier los?
Fragte sie sich und wusste instinktiv, dass sie keine Antwort von Regina zu erwarten hatte. Die beiden schritten zu dem Tisch, an dem Henry mit seiner Mutter saß und noch ehe sie sich einfach dazusetzten, hechtete Emma in Richtung der Toiletten.
„Bin gleich wieder da!"
Ihr Magen krampfte und der Geruch der Speisen beschworen eine neue Woge der Übelkeit.
Neal blickte besorgt hinter seiner Frau her, vermied es aber ihr zu folgen. Sie hatte ihm seit ihrem Erwachen in Storybrooke mehr als unmissverständlich klar gemacht, dass die neuen Informationen zu viel für sie waren. So blieb er zurück und richtete das Wort an seinen Sohn.
„Ich hab dich heute Morgen gesucht, Kumpel.", erklärte er mit vorwurfsvoller Stimme, was Henry seufzen ließ
„Ich habe Emma gestern noch Bescheid gegeben, dass ich mit Mom zum Frühstück verabredet bin", erwiderte er fast schon genervt, weil er sich unwohl fühlte, wenn er sich erklären musste.
„Du solltest besser nicht hier alleine herum rennen, solange wir nicht wissen, wer den Fluch gesprochen hat und vor allem, warum.", sprach Neal weiter. Regina wusste nicht, wie sie sich fühlen sollte. Einerseits spiegelte sich Erleichterung in ihren dunklen Augen wieder, weil Neal und Emma ihr anscheinend glaubten unschuldig zu sein, doch anderseits griff eine kalte Klaue nach ihren Eingeweiden und drückte erbärmlich zu, als Neal sie überging, als wäre sie ein Niemand im Leben ihres Sohnes.
Alleine?...Ich bin wohl auch noch da
Schnappte sie in Gedanken, doch brachte sie nicht über ihre Lippen.
„Du glaubst mir, dass ich diesen Fluch nicht gesprochen habe?", hakte sie mit provokantem Tonfall nach. Der Dunkelhaarige schaute ihr direkt ins Gesicht und antwortete.
„Nein, aber ich glaube meinem Sohn, wenn er sagt, dass du es nicht warst"
Ein innerliches Zittern erfasste das Gemüt der Schwarzhaarigen, welches sie mit aller Kraft zu unterdrücken versuchte. Bevor sie darauf etwas erwidern konnte, kehrte Emma zurück in den Schankraum. Mit blassen Lippen und einem Gesichtsausdruck, der davon zeugte, wie elendig sie sich fühlte, setzte sie sich einfach zu Henry und Regina und sprach.
„Sobald es mir besser geht, haben du und ich eine Unterhaltung!"
Ihre grünen Augen bohrten sich in die Braunen Reginas, während sie weiter sprach
„Ich fühle mich elendig und kann keinen klaren Gedanken fassen"
Die Bürgermeisterin nickte nur und war im Geheimen froh, dass Emma ihr auch nicht die Schuld zuschrieb.
Die Blonde wandte sich an Neal und bat mit Jammer in der Stimme.
„Bring mich bitte nach Hause!"
Der Ehemann der Retterin nickte nur und half ihr vom Stuhl auf, dabei wandte er sich an Henry:
„Komm, Kumpel. Der Schulbus wartet nicht auf dich!"
Regina blickte verständnislos zu Neal und sagte:
„Er hat noch Zeit, der Bus fährt erst in 15 Minuten"
„Mag sein, aber ich will nicht, dass er den Weg alleine zurücklegt, solange wir nichts wissen"
„Ich bin wohl auch noch da, oder traust du mir nicht zu, dass ich meinen Sohn am Schulbus absetzen kann"
Der dunkelhaarige Mann zeigte sich unverständig.
„Ich weiß ja nicht, aber ich erwache in dieser Stadt ohne Erinnerungen und neben mir liegt Emma, die den selben Ring trägt wie ich und unser Sohn erwacht bei uns... in unserem Apartment...das spricht wohl oder übel Bände und bedeutet für mich, dass ich wohl besser weiß, was das Beste für meinen Sohn ist!", gab er zurück.
Das innerliche Zittern brach erneut über die einstige böse Königin ein und ließ sich nicht so einfach bekämpfen.
Die sind verheiratet?...bei ihnen...
Ihre Augen verengten sich zu zwei gefährlichen Schlitzen, als das Gesagte den Weg in ihren Verstand fand und die Angst nährte, die schon so lange in ihrer Brust festsaß - Henry zu verlieren. Ihr Gesicht verhärtete sich zu einer Maske der Arroganz, um ihrem Kontrahenten nicht zu zeigen, wie es in ihr aussah. Um die Schwäche, die er in ihr entfachte, nicht zu offenbaren.
„Wunderbar, dass du nach einem Tag weißt, was das Beste für Henry ist. Das wiegt so viel mehr als 11 Jahre", kam es sarkastisch über ihre vollen Lippen.
„Hört auf!", erklang Emmas Stimme in einem gequälten Tonfall.
„Streitet euch von mir aus, wenn ich nicht das Gefühl habe sterben zu müssen", jammerte sie, was in Henrys Blick Sorge aufblitzen ließ
„Sie hat recht, hört auf damit", sagte der braunhaarige Junge und konnte nicht verhehlen, dass er sich unwohl fühlte, das Thema dieses Streits zu sein.
„Und anstatt hier den Vater des Jahres zu mimen, solltest du deine Frau besser nach Hause bringen, oder wenigstens dafür sorgen, dass sie ein Glas Wasser bekommt", noch ehe Regina zu Ende gesprochen hat, wandte sie den Blick zu Robin, der das ganze Schauspiel mit Interesse beobachtete und orderte:
„Statt zu starren, bring lieber ein Glas Wasser!"
Der aschblonde Mann zog die Luft scharf ein, als er den Befehlston wahrnahm und erwiderte höhnisch:
„An einem Bitte, ist noch nie jemand erstickt, euer Majestät!"
Regina jedoch sendete nur einen eisgetränkten Blick in seine Richtung und fragte sich nicht zum ersten Mal an diesem Tag, womit sie einen solchen Morgen verdient hatte.
„Ich hol es schon", meldete Henry sich zu Wort, um für einen winzigen Augenblick aus dieser Szenerie ausbrechen zu können. Er schritt an den Tresen, wartete bis Robin das Glas Wasser vorbereitete und nahm dieses an. Mit dem Glas in der Hand machte er kehrt und ging bereits einige Schritte, als er innehielt und sich nochmal zur Theke hinbewegte. Er stützte sich an dieser ab und beugte sich so weit vor, dass er dem Mann dort hinter näher kommen konnte.
„Ich kann sehen, dass Sie wütend sind, aber glauben Sie mir...", begann der braunhaarige Junge und schenkte ihm einen eindringlichen Blick
„...sie war es nicht"
Ohne Robin die Chance zum Antworten zu lassen, bewegte er sich zurück zu den Anderen, reichte seiner biologischen Mutter das Glas Wasser und wartete einen Moment ab, bis sie davon getrunken hatte. Danach versuchte er ihr aufzuhelfen und bekam Hilfe von Regina, die neben der Retterin saß. Vorsichtig halfen beide ihr auf die Füße und reichten sie zu Neal, damit er sie weiter abstützen konnte.
Henry war mit der Situation überfordert. Das Bedürfnis allen Parteien gerecht zu werden, bestimmte sein Denken und sorgte nur für die ernüchternde Erkenntnis, dass er jemanden enttäuschen musste. In dieser Erkenntnis gefangen, blickte er auf die Uhr und war froh, dass sein Schulbus bald kommen würde. Er zog sich seine Jacke über und wandte sich Regina zu.
„Ich helfe ihm bis zur Bushaltestelle, okay? Mein Bus kommt ohnehin gleich"
Die Schwarzhaarige schluckte hart, versuchte aber die Enttäuschung zu überspielen, indem sie ihm ein verständnisvolles Lächeln schenkte.
„Kein Problem"
Henry war dankbar dafür, dass sie ihm nicht das Gefühl gab, sie zu enttäuschen und so erwiderte er das Lächeln und schritt mit Emma im Arm und Neal hinaus aus dem Diner. Regina stand neben dem Tisch und blickte den Dreien hinterher. Ihr Herz krampfte bei dem Anblick, während ein Schmerz sich ihrer Seele bemächtigte, den sie schon beim Aufwachen in diesem Land verspürt hatte. Über das Weiß ihrer Augen legte sich ein roter Schatten, als die Einsamkeit in ihr Dasein drang und sie von neuem erfüllte.
Henry...ich muss wissen, was geschehen ist in dieser verlorenen Zeit
Ganz in ihren Gedanken und dem Anblick der schwindenden Personen gefangen, bemerkte sie nicht, dass Robin den Weg zu ihr gefunden hatte. Er stand neben ihr, hielt sein Tablett in der Hand und folgte ihrem Blick zur Tür. Für einen winzigen Augenblick glaubte er ihren Schmerz fühlen zu können, glaubte die Einsamkeit, welche sie ausstrahlte berühren zu können, doch er ließ diese Emotion in ihm keine Wurzeln schlagen.
Stattdessen sprach er.
„Sieht so aus, als wenn der Fluch wohl nicht den gewünschten Erfolg bringen würde...entweder hast du dich verrechnet, oder ich kann dem kleinen Kerl da draußen guten Gewissens glauben, dass du es wirklich nicht warst"
Die Schwarzhaarige erwachte aus ihrer Starre und fand den Weg zurück ins Hier und Jetzt. Sie rollte mit ihren Augen, begradigte ihre Schultern mit einem Ruck und ließ einige zerknüllte Geldscheine auf den Tisch fallen, während sie verärgert antwortete.
„Ach halt doch die Klappe!"
und erhobenen Hauptes aus dem Diner heraus stakste
Das Verlorene
Little John führte einen Trupp Männer an, unter denen Charming, Robin, einige der engsten Vertrauten und Begleiter aus früheren Tagen der beiden einstigen Geächteten, so wie Neal und Hook und die beiden Jungen gehörten. Robin hatte sich die Freiheit erlaubt seinen besten und ältesten Kumpel für einen Tag von den Pflichten bei Hofe zu entführen und eine Jagdpartie organisiert, welcher John und die Männer mit Freuden nachgingen. Nun kehrten sie mit einem Teil ihrer Beute heim.
Regina und Emma konnten von ihren Posten erkennen, dass Robin Henry auf seinen Schultern trug. Im ersten Moment starrten die beiden Frauen sich entgeistert an, glaubten an einen Unfall, doch das Lachen und die Fröhlichkeit in den Stimmen der Gruppe, ließ diesen Gedanken so schnell verschwinden, wie er aufkam.
„Die sind aber gut drauf. Und wir hängen hier mit den ganzen Ladies ab", jammerte Emma und seufzte tief. Reginas Mundwinkel erhoben sich gleichermaßen, wie ihre Laune, als sie ihre Familie dort unten erblickte. Das Protokoll wurde ihr schlagartig einerlei und zeichnete sich in einer bestimmten Drehung ab, mit der sie sich von der Balustrade abwandte und Emma ansprach.
„Ich hab meine Pflicht für heute erfüllt", grinste sie und schritt zurück in Richtung des Salons. Die Blonde blickte ihr einen Moment mit einem fragenden Ausdruck im Gesicht nach, bis sie verstand.
„Oh, ich auch", kam es grinsend über ihre Lippen, ehe sie der einstigen Königin nachsetzte.
Zusammen durchmaßen sie den Salon und ignorierten die Damen und Fräuleins, die sie ansprachen und in eine langweilige Konversation verwickeln wollten. Snow schaute ihnen nach und starrte perplex auf die Tür, durch die Emma und Regina verschwanden.
Emma das ist deine Feier, du kannst doch nicht
Echauffierte sie sich in Gedanken und folgte den Frauen hinaus. Schon auf dem Gang konnte sie die wiederkehrenden Männer hören. Eilig huschte sie durch den großen Korridor bis sie zu den anderen aufgeschlossen hatte.
„Emma du kannst doch nicht deine Feier einfach so verlassen",
„Korrigiere mich, wenn ich falsch liege, aber ich glaube das mache ich gerade"
Emma rollte mit ihren Augen und bereute es sofort, als sie den getroffenen Blick ihrer Mutter erkannte.
Schlagartig nagte das Gefühl der Schuld in ihrer Brust und brachte sie dazu einen Entschuldigung zu stammeln.
„Snow, es...ich wollte nur schauen was da los ist. Die Männer sind zurück und wirken ziemlich ausgelassen, ich komme gleich zurück, okay"
Alle drei liefen weiter, stiegen eine Treppe hinab und erreichten den Eingangsbereich in dem John und die Männer eingekehrt waren. Noch immer saß Henry auf Robins Schultern und schwang seine Arme über den Kopf wie ein Sieger. Kaum bemerkte er die Anwesenheit der drei Frauen, da strahlte er aus seinem verschmutzen Gesicht und rief lachend.
„Ich hab's geschafft. Mom, Emma, ich hab meinen ersten Hasen erlegt...ganz alleine ohne Hilfe...nur mit Pfeil und Bogen"
„Das ist wunderbar, mein kleiner Liebling", lobte Regina ihn und auch Emma kam nicht drum herum, ihrem Stolz Ausdruck zu verleihen. Sie strahlte ihn an und erwiderte.
„Dann brauchen wir uns nicht mehr sorgen, wenn du dich mal im Wald verirrst...verhungern wirst du nun nicht mehr", witzelte sie.
David und John zeigten sich sichtlich erfreut über diesen Erfolg, tätschelten immer wieder an Henry herum und auch Robin konnte nicht verhehlen, wie stolz er auf den Jungen war. Über seine blauen Augen legte sich ein freudiger Glanz, welcher sich intensivierte, als er sich den Frauen voller Begeisterung zuwandte
„Das hättet ihr sehen müssen. Einen Hirschen oder ein Reh zu erlegen ist einfach, alleine schon wegen der großen Fläche, aber einen Hasen. Er ist einfach drauflos...hat gezielt und zisch und getroffen", berichtete er mit feuriger Leidenschaft, die nur davon zeugte, wie Stolz er auf seinen Stiefsohn war.
„Wie ich sehe, tragen deine Lehrstunden endlich Früchte", neckte Regina den aschblonden Mann, wovon er sich aber nicht die Freude rauben ließ. Sie hatte sich damit arrangieren müssen, dass die Männer in ihrem Leben es bevorzugen im Wald herum zu streunen und zu jagen, hatte sich oft genug ermahnen müssen, Henry einfach mitziehen zu lassen, obwohl die Angst, er könnte sich mit den Waffen verletzten stets in ihrer Brust schwang. Doch sie musste loslassen, musste akzeptieren, dass diese Welt anders war, als die in der Henry geboren und viele Jahre aufgewachsen war und das diese Beschäftigungen nun zu ihrer beider Leben gehörten.
John half Henry von den Schultern seines Stiefvaters hinunter, damit er sich weiter von den Männern feiern lassen konnte, während Robin die Unterhaltung mit Regina fortsetzte.
„Ärgere du mich nur, aber das ändert nichts daran, dass ich stolz auf den Jungen bin!"
Der Blick der Schwarzhaarigen wurde warm, genauso wie ihr Lächeln, als sie die Liebe sehen konnte, die er dem Jungen entgegenbrachte. Bevor sie zu einer Antwort ansetzte mischte sich Schalk in die Wärme ihrer Augen.
„Das sehe ich. Ich glaub dein Hemd platzt gleich, wenn deine Brust weiter so anschwillt", ärgerte sie ihn gespielt und klaute sich einen Kuss, bevor er überhaupt antworten konnte. Als sie ihre Lippen von den seinen löste schüttelte er nun seinen Kopf im Amüsement.
„Madame mussten sich heute wohl schon zu lange zusammenreißen", bemerkte er an.
Bei den ganzen edlen Weibern hier, ein Wunder dass sie nicht...oh...oh oh
er schaute ihr in die Augen und wurde für den Bruchteil einer Sekunde ernst, als er sich sicher war, dass niemand sie beobachtete. Seine Hand legte sich in ihren Rücken und streichelte sie, während er leise nachfragte.
„Alles in Ordnung bei dir?"
Regina lächele sanft und nickte bejahend.
„Ja, warum sollte nicht alles in Ordnung sein?", wich sie ihm aus. Robins Hand löste sich aus ihrem Rücken und griff nach ihrer Hand. Demonstrativ hob er sie hoch und antwortete.
„Wegen dem hier", seine Augen machten eine schnelle Bewegung in Richtung des Armbands, welches ihr Handgelenk zierte.
„Du trägst es nur, wenn du drohst die Nerven zu verlieren, also was ist los?", hakte er nach, was die Schwarzhaarige dazu brachte ihm ein liebevolles Lächeln zu schenken. Ihre Hand löste sich aus der seinen und legte sich auf seine Wange. Sanft streichelte sie mit dem Daumen über die Haut und sprach.
„Nichts, Liebling. Ich trage es nur zur Vorsorge. Du hast keine Ahnung was da oben alles für Schabracken sitzen und bevor ich einige davon aus Versehen röste, trage ich es lieber", umschrieb sie den wahren Grund, fest entschlossen ihm diesen Moment der Freude nicht zu trüben.
„Also genieße euren Triumph", strahlte sie ihn an und blickte zu Henry der vor Aufregung rote Wangen und Ohrenspitzen aufwies
Mein kleiner Prinz
Roland sprang lachend durch die Menge und teilte echte Freude für seinen Stiefbruder, der einen Meilenstein in seinen Augen erreicht hatte. Er kämpfte sich mit verschmutzen Klamotten und dreckigem Gesicht und Händen zu seiner Stiefmutter und redete aufgeregt auf sie ein.
„Gin, Gin, Gin...hast du gehört. Henry hat einen Hasen erlegt...ganz allein", er spannte einen imaginären Bogen und feuerte den unsichtbaren Pfeil ab.
„Und ich durfte Stanley beim Kochen helfen, das hat sogar geschmeckt", strahlte er freudig erregt und schlang seine dünnen Ärmchen um die Beine seiner Stiefmutter. Regina legte ihre Hände auf den dunklen Schopf des kleinen Jungen und durch wuschelte ihn, was Roland zum lachen brachte.
„Ich habe keinen Moment daran gezweifelt, dass es nicht schmecken könnte, wenn du deine Finger im Spiel hast", äußerte sie sich anerkennend, woraufhin der Dunkelhaarige zufrieden seufzte.
„Aber du gehörst eindeutig in die Wanne, mein kleiner Schatz"
Dem Himmel sei es gedankt, jetzt hab ich sogar eine Ausrede um mich von dem Fest zu verabschieden...tz...als wenn ich eine bräuchte...
„Also auf den Hasenbraten heute, gebe ich noch eine Runde Wein aus", ertönte Johns tiefe Stimme, während er mit einer winkenden Bewegung die Männer dazu animierte in einen der Salons umzuziehen. Henry legte seinen Arm um die Hüfte des Hünen und ging mit ihm voraus durch die edel verzierte Tür. Bevor sie den Rahmen ganz durchschritten rief Emma ihnen hinter her.
„Und ich warne dich Little, dass Henry seinen ersten Hasen geschossen hat, ist kein Grund ihm seinen ersten Wein zu geben" und Regina fügte hinzu
„Wage es dich und nicht mal das hier...", sie hielt ihren Arm hoch, damit er das Armband sehen konnte, „wird dich beschützen können", drohte sie.
Little John lachte auf, wusste aber nur zu gut, dass beide Frauen nicht scherzten.
Die anderen Männer folgten ihnen. Nur Roland blieb zurück. Für einen Augenblick wartete Regina ab und ermunterte ihn dann.
„Na geh schon, dein Bad kann warten"
Der kleine Junge biss auf seine Unterlippe und blickte sie mit großen Augen an.
„Darf ich nicht jetzt schon baden? Ich trink doch gar keinen Wein", erklärte er seine kindliche Logik, welche die Frauen zum lachen brachte.
„Natürlich darfst du", lächelte sie und ergriff seine kleine Hand, ehe sie sich zu Snow und Emma drehte.
„Ich würde furchtbar gern noch bleiben, aber die Pflicht ruft", machte sie übertrieben traurig was Snow ihren Kopf schütteln ließ und Emmas Augen ein Funkeln entlocken.
Warum hat John kein Kind, um das ich mich jetzt kümmern muss, das ist unfair
„Dann gute Nacht", wünschte die einstige Königin den anderen und auch der kleine Junge verabschiedete sich höflich. Hand in Hand liefen sie den langen Korridor entlang und als sich Roland sicher war, dass Emma und Snow ihn nicht mehr hören konnte, richtete er das Wort an seine Stiefmutter.
„Du schuldest mir jetzt schon drei Apfelkuchen"
Reginas Mundwinkel verzogen sich zu einem Schmunzeln, als sie ihn spielerisch neckte.
„Wie? Hast du mich jetzt schon drei Mal gerettet?", hakte sie übertrieben ungläubig nach.
„Ja," begann er den Inhalt ihres Deals aufzuzählen.
„Als unsere Klamotten nicht da waren und ich den halben Abend auf deinem Schoß saß, damit niemand unseren Bruder sehen konnte", er hob den Daumen und gleich drauf den Indexfinger, als er weiter aufzählte.
„Dann, als Snow White uns gezwungen hat dieses ekelhafte Essen zu probieren, einen ganzen Abend lang. Ich war da gar nicht müde, aber das haben wir einfach gesagt, damit wie abhauen konnten", kicherte er ausgelassen und kam zum Schluss.
„Und jetzt...das sind drei Rettungen und das bedeutet drei Mal Apfelkuchen für mich!"
Das Schmunzeln blieb auf Reginas Gesicht, als sie auf den kleinen Jungen an ihrer Hand hinunter blickte.
„Die bekommst du alle, mein edler Retter"
Roland entblößte eine Reihe weißer Milchzähne, als er den Worten seiner Stiefmutter lauschte und ließ sich auf ihr gemeinsames Zimmer führen.
Emma war wie versprochen mit ihrer Mutter zurück in den Salon gegangen, um sich als zukünftige Braut weiter feiern zu lassen. Die Langeweile war nun, da sie wusste, dass die Männer eine Etage tiefer feierten, noch ausgeprägter, als vor diesem Wissen. In ihren Gedanken versuchte sie sich einen Fluchtplan auszudenken, doch jedes Mal wenn sie in Snows Gesicht blickte, war ihr nur zu bewusst, dass sie es nicht über ihr Herz bringen würde.
Der Abend schwand und machte Platz für die Nacht und mit der Nacht zog sich ein Schatten durch den Raum, der im Schein der Kerzen zu tanzen begann und eine innerliche Kälte mit sich führte. Emma konnte diese Veränderung spüren, auch wenn sie diese nicht benennen konnte und so schob sie es einfach auf de Umstand ihres Nichtwollens.
Ein Teil der Anwesenden begannen sich zu verabschieden. Die Gäste lichteten sich und wurden in dem Raum immer überschaubarer. Imogen trat zu der Retterin und wünschte ihr eine angenehme Nachtruhe. Emma hatte keine Ahnung wer diese Frau war. Ihre Mutter hatte die Einladungen verteilt und die Blonde hatte sich nicht im geringsten die Mühe gemacht, überhaupt herauszufinden, wer diese vielen Menschen waren. Alles woran sie denken konnte, war dass bald endlich alles vorbei wäre und sie mit ihrem Mann zurück nach Sherwood Forest reisen konnte.
„Ich wünsche eine geruhsame Nacht, eure Hoheit!", die Frau mit dem hellroten Haar machte einen formvollendeten Knicks, welcher in der Retterin Unbehagen heraufbeschwor. Die Rolle der Prinzessin war ihr verhasst wie eh und je.
„Das wünsche ich euch auch, Lady...", sie kramte fieberhaft in ihrer Erinnerung nach dem Namen und konnte die Stimme ihrer Mutter vernehmen, die ihr zur Hilfe eilte.
„Lady Locksley", die Augen der Blonden weiteten sich, während ihr Mund sie öffnete. Sie zwang sich zu einem Lächeln und wandte sich dann an Snow, nachdem Imogen gegangen war.
„Locksley?" fragte sie ungläubig nach. Snow White atmete tief durch und erklärte mit einem genervten Unterton.
„Mach du jetzt nicht auch noch einen solches Theater", erwiderte die Schwarzhaarige mit einem dunklen Schatten über ihren Augen.
„Wieso auch noch? Wer hat..oh", ihre Mundwinkel verformten sich zu einem Ausdruck des Verstehens, bevor die Fassungslosigkeit wieder von ihr Besitz ergriff
Regina...aber...das heißt die wussten das nicht und...oh...deswegen das Armband
„Ich glaub, sie hat jedes Recht für ein solches Theater. Wie konntest du sie einladen?"
Abermals seufzte Snow geräuschvoll und packte ihre Tochter am Oberarm, um sie in eine etwas ruhigere Ecke zu ziehen. Noch während sie liefen, erklärte sie.
„Jetzt reg dich nicht auf, Emma. Es ist unsere Pflicht alle hohen Familien einzuladen, wenn die Prinzessin sich vermählt. Regina kennt das Prozedere"
„Ja, aber das heißt nicht, dass du Robin ins kalte Wasser schmeißen musst", ergriff sie Partei für den einstigen Geächteten und zeigte unmissverständlich das Band der Freundschaft, welches sie über die Monate geknüpft hatten.
„Ein Wort hätte genügt und er hätte sich mental darauf vorbereitet. Jetzt ruinierst du ihm Henrys Erfolg!", erinnerte sie an die ausgelassene Stimmung, die unten herrschte und die in dieser Nacht wohl noch eine Wendung erfahren würde.
„Ich weiß gar nicht, was es da zu ruinieren gibt. Neal sollte sich über Henry Erfolg freuen und nicht Robin"
Emmas Lippen öffneten sich und verformten sich zu einem Ausdruck des Unglaubens, als sie das Argument ihrer Mutter wahrnahm. Sie konnte nicht fassen, was für Worte über die Lippen ihrer sonst verständnisvollen Mutter kamen.
Für einen flüchtigen Moment überlegte die Blonde, die andere Frau einfach stehen zu lassen und zu ihrem Mann zu gehen, doch Snows weitere Worte, änderten ihren Plan.
„Man könnte meinen Robin wäre Henrys Vater"
Die Augen der Retterin weiteten sich, während sie prompt erwiderte
„Aber das ist er doch...er ist sein Stiefvater. Er verbringt Tag und Nacht mit dem Jungen, natürlich ist er in seine Erziehung involviert und manchmal sogar der Einzige, der den armen Jungen vor zwei über protektiven Müttern beschützt, die ihn am liebsten in Watte packen würden"
Sie hatte sichtlich Schwierigkeiten ihrer Stimme einen ruhigen Ton zu verleihen. Die langsam aufkeimende Wut manifestierte sich in einer leichten Röte, die sich über ihre blassen Wangen legte.
Was soll das jetzt?
Erst Recht, als ihre Mutter weiterhin naiv argumentierte.
„Aber Neal ist sein Vater! Du und Neal, ihr seid seine Eltern und du hast die Chance gehabt, Henry eine richtige Familie bieten zu können"
Emma konnte nicht glauben, was sie zu hören bekam. Konnte nicht glauben, dass Snow sie in die Richtung eines Mannes forcierte, der sie vor langer Zeit sitzen und ins Gefängnis sperren ließ, nur um ihr eigenes Weltbild zu verteidigen. Der Zorn , der ihre Worte heraufbeschwor, kroch durch Emmas Verstand und dehnte sich in ihrem Innern aus. Nun war sie es, die nach dem Arm der Anderen packte und sie hinaus auf den Balkon zog, um sich vor unliebsamen Zuschauern zu schützen.
„Henry hat eine richtige Familie. Ich habe ihn abgegeben und ich habe die Chance bekommen, trotzdem ein Teil im Leben meines Sohnes zu sein und weißt du was?! Es gefällt mir so wie es ist", brachte die Blonde zwischen zusammengepressten Zähnen hervor, um ihre Stimme nicht zu erheben.
„Ich leben mit Henry unter einem Dach, mein Mann und seine Eltern lieben den Jungen, was sollte ich mir mehr wünschen? Wir haben es gut!"
Der Funken der Wut Emmas sprang auf Snow White über, als ihre Tochter sich kein bisschen einsichtig zeigte. Tief in ihrem Innern versteckte Gedanken, trieben unaufhaltsam an die Oberfläche. Gedanken, die so tief in ihrem Unterbewusstsein versunken waren, dass die Königin sich für einen Augenblick fragte, wie sie an die Oberfläche kamen. Doch es war gesagt, die Worte waren im Fluss und sie konnte sie nicht mehr aufhalten. In ihren Augen begann Emma einen riesigen Fehler und sie verhehlte ihre Meinung auch nicht.
„So gut, dass du dich betrinkst und plötzlich verheiratet bist! Emma, ich will nur nicht, dass du etwas bereust. Du warst betrunken und John ist nicht unbedingt bekannt dafür, dass er lange nachdenkt, bevor er handelt. Jeder Rat würde eine Annullierung erlauben."
Gab sie ihre Gedanken über diese Ehe preis, was die andere Frau verletzt aufseufzen ließ und Wuttränchen in ihre Augen schossen
„Darum geht es dir, also?! Du glaubst, dass John nicht gut genug für mich ist. Dass er mich abgefüllt hat, aber weißt du was? Dieser Mann hasst alles was dieser Palast verkörpert, wird von fast allen Gästen verabscheut und stand wahrscheinlich auf jedem Gut in diesem Land, auf einer Fahndungsliste. Und er kommt trotzdem hier hin und spielt die ganze Farce mit, obwohl er es verabscheut. Obwohl er es hasst, in diese Klamotten gesteckt zu werden, obwohl er es hasst diese langweiligen Dinner über sich ergehen zu lassen und warum? Weil er mich liebt und ich liebe ihn. Und wenn es nicht um dich und David gehen würde, mir würde unsere spontane Hochzeit im Stall der Taverne vollkommen reichen. Aber wir reißen uns am Riemen und ich kann das Selbe von dir erwarten. John, Robin und Roland gehören nun mal zur Familie und ich lass nicht zu, dass du sie degradierst, nur weil du glaubst, Neal wäre die bessere Wahl."
Die Worte sprudelten aus ihrem Mund. Ihr Gesicht zeigte den Schmerz, welchen die Worte ihrer Mutter in ihr entfachte.
Snow tätigten einen weiteren versuch, offenbarte ihre Gedanken ein weiteres Mal und spürte zeitgleich die Kälte, welche sie seit geraumer Zeit heimsuchte.
„Du kommst oft ohne Henry zu Besuch, wie soll er sich da an seinen richtigen Vater gewöhnen"
Emma verdrehte die Augen und atmete tief durch. Für den Augenblick weniger Herzschläge, versuchte sie sich zu beruhigen, versuchte diese Hochzeit nicht gänzlich zu ruinieren und so erklärte sie.
„Ja, weil ich arbeite und wenn ich manchmal nur am Morgen Zeit habe, dann komme ich morgens, wenn Henry in der Schule ist. Und überhaupt, sein Leben findet im Sherwood Forest statt. Er hat Freunde und Verpflichtungen und ich kann ihn nicht immer aus diesen herausreißen, wenn es euch passt."
Sie hatte dem Blick ihrer Mutter stand gehalten, doch als sie weitersprach, legte sich ein trauriger Glanz über das Grün ihrer Augen, während sie mit eben dieser Traurigkeit in der Stimme hinzufügte.
„Außerdem hat niemand von uns Neal von unserem Haus ferngehalten, also sag mir nicht, dass es meine oder Robins oder sonst Jemandes Schuld ist, dass Neal keine richtige Vater Beziehung mit ihm hat."
Wenn er es schlecht hätte, würde ich dich verstehen, aber das hat er nicht
„Und das ist okay. Ich kann mir keinen besseren Vaterersatz vorstellen, als John und Robin, denn Henry ist glücklich zu Hause. Du hast es selbst gesehen, wie er sich gefreut hat, wie die Männer sich mit ihm gefreut haben. Du kannst es seit Tagen beobachten, dass er es gut hat, dass er mit seinem Stiefbruder zurechtkommt und sich wohlfühlt, so wie es ist. Ich würde mir nur wünschen, dass du dich für uns freust!"
Emma schluckte schwer, als sie geendet hatte. Ihr war, als wäre ihre Kehle taub, angesichts der Worte, die sie zur Verteidigung sprechen musste.
Snow Whites Augen füllen sich mit Tränen, als sie den verletzten Ausdruck im Gesicht ihrer Tochter wahrnahm. Als wäre ein Schatten gewichen, begriff sie den Inhalt ihrer Worte und schloss für einen Moment die Augen. Die Kälte, die einen Moment zuvor nicht nur in ihrem Verstand herrschte, sondern auch ihren Körper ergriffen hatte, schwand.
Es...es...ich...es tut mir Leid
während sie ehrlich antwortete:
„Es...es tut mir Leid, Emma" Ihre Augenlider öffnete sich wieder, während sie sich in einem Lächeln versuchte.
„Ich will einfach nur, dass du glücklich bist und ich dachte immer, dass...",
bevor sie den Satz beenden konnte, fiel ihr Emma ins Wort:
„Ich bin glücklich. Wirklich glücklich...jedenfalls wenn ich heute aus diesem Kleid rauskomme, wir übermorgen vor dem Traualtar treten und ich diesen ganzen Prinzessinnen Zirkus endlich hinter mir habe"
Die Schwarzhaarige lachte einmal auf und schüttelte nur ihren Kopf. Zärtlich legte sie ihre Hand in den Rücken ihrer Tochter und sprach
„Dann komm, ich denke es wird Zeit die restlichen Gäste zu verabschieden"
