Also gut hier ist das nächste Kapitel. Hat dieses Mal etwas länger gedauert, aber ich hatte am Wochenende keine Zeit zu schreiben. Ich hoffe wie immer das es gefällt.
Als ich wieder aufwachte, war es noch nicht wirklich hell draußen, aber bereits verflucht laut. Ich machte das Lämpchen neben dem Bett an und warf einen Blick auf meine Armbanduhr. Es war kurz vor halb sieben. Ich ließ das Licht an, ließ mich wieder auf das Kissen sinken und seufzte leise. Ich wollte eigentlich noch nicht aufstehen, doch ich musste bis spätestens zehn Uhr beim Autohändler sein und davor wollte ich mir noch einmal Gedanken machen, ob ich wirklich weiter für die arbeiten wollte. Wer auch immer die waren.
Nach dem Duschen machte ich mich auf die Suche nach meinem Frühstück. Ich würde schnell fündig und daher dauerte es nicht lange, bis ich wieder im Motel war. Ich setzte mich auf das Bett und ließ mich nach hinten fallen. Eigentlich hatte ich mich schon entschieden, mir das Angebot von diesem `Boss` anzuhören, aber immer wieder tauchten in meinem Kopf Bilder aus Krimiserien auf, die nur dazu dienten meine Ängste zu schüren.
Um kurz nach neun rang ich mich endlich dazu durch los zu gehen. Da der Weg nicht weit war, kam ich gegen kurz vor halb zehn am Autohaus an. Ich atmete einmal tief durch, bevor ich hinein ging. Die Verkaufshalle war nicht besonders groß. Nur zwei Autos wurden hier präsentiert. Die Rückseite des niedrigen Gebäudes war ebenfalls verglast und ich konnte dort drei oder vier kurze Reihen von Autos mit aufgemalten Preisen erkennen. Auf der rechten Seite lagen zwei Türen. Die vordere führte vermutlich in die Garage, in der ich gestern das Auto abgeliefert hatte und vor der hinteren standen mehrere Schreibtische, wahrscheinlich für die Verkäufer. Von dort kam auch sofort ein Mann auf mich zu.
„Guten Tag. Nach was für einem Auto suchen sie?", begrüßte er mich höflich.
„Nach gar keinem. Ich sollte mich hier bei Lukas, wegen eines Jobs melden", antwortete ich ihm.
„Ah ja. Folge mir bitte", erwiderte er und drehte sich um.
Wir gingen an den Schreibtischen vorbei und durch die dahinter liegende Tür. Wir gelangten auf einen kurzen Gang mit zwei Türen an jeder Seite. Der Verkäufer klopfte an die zweite Tür rechts und wartete einen Moment, bevor er eintrat. Er bedeutete mir mit der Hand zu warten und die Tür schloss sich vor meiner Nase. Keine Minute später kam der Mann zurück und erklärte: „Lukas erwartet dich."
Ich bedankte mich und betrat das Büro. Es war nicht sonderlich groß und voll gepackt mit Aktenschränken, einem Schreibtisch vor dem zwei Stühle standen einem großen Gummibaum. Ich setzte mich nervös auf einen der Stühle und blickte diesen Lukas vorsichtig an.
„Du bist also gestern für uns gefahren?", fing er an.
„Äh, ja", erwiderte ich verunsichert.
„Du hast Phil gesagt, dass du keinen Führerschein hast?", fragte er nach.
„Richtig", antwortete ich, „Ich war in Deutschland kurz vor der Prüfung."
„Hm. Dann sollte das kein Problem sein."
„Also wäre das Angebot wieder als Fahrer?", wollte ich unsicher wissen.
„Nicht so ganz. Wir brauchen einen neuen Kurier, der Nachrichten an Geschäftspartner ausliefert. Ein Auto würden wir dir stellen und du bräuchtest auch noch einen neuen Führerschein", erklärte er.
„Das ist allerdings kein Problem. Wir machen ein Foto, du holst deine Sachen und kommst auf die Rückseite zum Parkplatz. Dann bekommst du die Papiere, den Schlüssel für das Auto und deinen ersten Auftrag. Verstanden?", fuhr er fort.
„In Ordnung. Wie sieht es mit der Bezahlung aus? Und wollen sie nicht meinen Namen wissen?", erkundigte ich mich verwirrt.
„Die Bezahlung richtet sich nach der Strecke, die du fahren musst, daher kann ich darüber keine genaue Auskunft geben. Anders als gestern wirst du allerdings immer erst nach dem Job bezahlt. Dein Name ist unwichtig. Du bekommst einen von uns", antwortete er.
„Äh, ok? Denke ich?"
„Gut. Dann wäre ja alles geklärt. Klopf an der Tür gegenüber und sag Carmela, du bist der neue Kurier. Sie kümmert sich dann um alles weitere."
Ich stand auf, bedankte mich für die Arbeit und ging wieder nach draußen auf den Gang. Ich atmete einmal tief durch und ließ mir kurz durch den Kopf gehen, wie viele Gesetze ich wahrscheinlich brach, bevor ich versuchte die Gedanken abzuschütteln. Es würde jetzt auch nichts mehr bringen. Ich steckte da voll drin.
Ich klopfte an der Tür auf der anderen Seite des Gangs und wartete darauf hereingebeten zu werden, bevor ich eintrat. Auch dieses Büro war nicht sonderlich groß, allerdings nicht so vollgestopft, wie das von Lukas. An der linken Wand hing eine blaue Leinwand und in einer der Ecken lehnte eine auf einem Stativ befestigte Kamera. Auf der rechten Seite standen ein paar Aktenschränke und in der Mitte war ein kleiner Schreibtisch mit einem Stuhl davor.
Carmela hatte hellblondes Haar und schien Anfang bis Mitte 30 zu sein. Sie hatte helle Augen und ein freundliches Lächeln.
„Was kann ich für dich tun, Junge?", fragte sie.
„Lukas schickt mich. Ich bin der neue Kurier", antwortete ich leise.
„Ach, nicht so schüchtern. Komm rein, setz dich. Dann können wir in Ruhe alles durchgehen", meinte sie und zeigte auf den Stuhl vor sich.
Ich ließ mich vorsichtig nieder und lächelte sie vorsichtig an. Sie ließ ihren Blick einmal schweifen und fing dann an mich mit Fragen zu löchern.
„Größe?"
„1,80m"
„Du weißt nicht zufällig wie viel das in Fuß ist, oder?", hakte sie nach.
„Uh, nein", gab ich zu.
„Kein Problem. Werd ich schon rausfinden. Gewicht?"
„Ich glaub etwa 75kg."
„Passt schon. Haarfarbe ist blond. Augenfarbe,... blau?"
„Ja. Blau oder grau."
„Ich schreib blau. Alles klar. Das Einzige, was noch fehlt, ist das Foto", meinte sie und stand auf. „Nimm den Stuhl und stell ihn vor die Leinwand."
Ich folgte ihren Anweisungen und kurze Zeit später schoss sie mehrere Bilder mit der Kamera. Sie warf einen kurzen Blick auf das Display und schaute mich dann an.
„Alles klar. Das war's dann hier. Du kannst gehen."
Ich nickte und verabschiedete mich und machte mich wieder auf den Weg zurück zum Motel. Das Zusammenpacken meiner Sachen war schnell erledigt. Ich hatte nicht viel mit und von dem Wenigen auch kaum etwas aus der Tasche genommen. Ich ließ mir daher Zeit und trödelte auch auf dem Weg zurück.
Der Parkplatz war noch einmal durch einen niedrigen Metallzaun vom Verkaufsgelände getrennt. Als ich dort ankam, saß Carmela auf einer Bank an der Gebäudewand und trank Kaffee. Ich ging auf sie zu und blieb nervös vor ihr stehen.
„Sind das alle deine Sachen?", fragte sie mich.
Ich nickte.
„Komm setz dich und werd mal etwas locker."
Ich stellte meinen Koffer neben die Bank und setzte mich.
„Bist ziemlich nervös was?"
Ich nickte wieder.
„Ganz ruhig. Ist ein ganz leichter Job. Hier ist übrigens dein Führerschein und der Schlüssel", meinte sie und reichte mir beides. Ich warf einen Blick darauf und verstaute ihn in meinem Portemonnaie.
„Der blaue Nissan Sentra da vorne ist für dich. Fahrzeugschein und Versicherungspapiere liegen mit dem Brief im Handschuhfach", erklärte sie und zeigte auf ein blaues Auto, welches am rechten Rand des Parkplatzes stand.
„Wo soll ich den hinbringen?"
„Weiß ich nicht. Die Adresse ist auch im Handschuhfach. Zusammen mit genauen Anweisungen. Wenn du den Job erledigt hast, kommst du so wieder zurück nach New York. Du musst dann allerdings zu einem Restaurant und nicht hierhin."
„Welches Restaurant?"
„Manna's. Liegt nicht weit von hier. Wenn man vorne raus geht einfach nach rechts, unter den Gleisen durch und dann an der ersten Kreuzung dahinter auf der Ecke. Frag die Kellnerin einfach nach einem Tisch für Green."
Ich nickte erneut. „Noch irgendetwas das ich beachten muss?"
„Halt dich an die Verkehrsregeln. Wenn du nen Strafzettel kriegst, zahlst du den selber. Ansonsten war das alles. Vielleicht sieht man sich nochmal wieder."
Ich stand auf, nahm Koffer und Rucksack und ging zu `meinem` Auto. Ich verstaute mein Gepäck vorerst im Kofferraum. Ich setzte mich auf den Fahrersitz und holte erneut meinen Führerschein hervor. Es war mein Bild. Und die meisten anderen Daten stimmten auch. Mein Name war jetzt Paul Michael Green und ich bin am 25.03.1991 geboren. Ich war anscheinend älter als meine Schwester.
Ich atmete tief durch und öffnete das Handschuhfach. Darin waren wie versprochen Fahrzeugschein, Versicherungspapiere, ein brauner Umschlag ohne irgendeine Beschriftung und ein Zettel mit einer Adresse in Philadelphia. Philadelphia,... wie zum Teufel komme ich nach Philadelphia?
Ich packte die Sachen zurück ins Handschuhfach und überlegte. Beim McDonalds gestern hätte ich kostenlos das WLAN nutzen können. Der erste Schritt war also zu irgendeinem McDonalds fahren und mir ne Route anzeigen lassen. Ich stellte den Fahrersitz und die Spiegel ein, wie ich es in der Fahrschule gelernt hatte und fuhr vom Parkplatz.
