Und das nächste Kapitel!
Leider hat es etwas länger gedauert, aber es wird auch weiterhin so bleiben, jetzt geht es auf die Kursarbeiten zu und wenn man von morgens bis abends in der Schule ist bleibt einem einfach nicht mehr viel Zeit ^^"
Ein riesiges Dankeschon auch an all die lieben Kommischreiber, ihr seid der Wahnsinn, ehrlich. Ich freu mich total über all die liebe Rückmeldung!
Und natürlich ein Dankeschön an meine wundervolle Beta, die hier auch noch ein Wörtchen einbringen möchte^^
B/N: Ich liebe meinen Job!
Make me Listen
Der Anruf kam als John sich eine Tasse Tee machte. Sein Verstand war noch immer nicht von dem mächtigen Subspace, vom Abend zuvor, vollkommen erwacht.
Er war erst seit wenigen Stunden auf, obwohl es bereits Mittag war und Johns alte Militärgewohnheiten ihn dazu getrieben hatten mit der Sonne aufzustehen. Als er aufgewacht war hatte er Sherlock neben sich sitzend gefunden, Johns Laptop auf dem Schoß und die Hände flogen über die Tastatur. Ab und an hielt er inne um mit einer Hand über Johns Haare zu streichen und seine Finger über seinen Nacken tanzen zu lassen.
John hatte sein Gesicht in Sherlocks Taille vergraben, die Arme um die Hüften des Alphas geschlungen.
„John Watson.", meldete sich der Omega, als er das Gespräch annahm.
"Hier ist Lestrade. Hallo John."
John lächelte leicht als er die Stimme des Inspektors hörte. Er mochte Greg, er war einer der wenigen Freunde, die er hatte und der Sherlock so fair wie möglich behandelte, trotz dessen oftmals unangemessenen Verhaltens.
„Greg, was kann ich für dich tun?"
„Ich hatte gehofft mit dir über gestern reden zu können.", begann Lestrade zögerlich und John runzelte die Stirn. „Wenn es um den Fall geht, dann solltest du wohl besser mit Sherlock reden. Oder… Oh Gott, bitte sag es geht nicht um Sherlocks Ausraster? Es tut mir leid, aber ich konnte nichts dagegen tun-"
„John, es geht nicht um den Fall oder Sherlocks Ausraster. Ich habe mitbekommen was geschehen ist und Anderson und Donovan haben bekommen was sie verdient haben, aber bitte sag das nicht Sherlock. Er muss nicht denken, dass seine Handlung in Ordnung war. Aber über was ich eigentlich reden möchte hat nichts damit zu tun. Es geht mehr um gestern Mittag, als ich zu euch kam um Sherlock zu holen."
„Ja, Sherlock sagte das du da warst." John spürte wie ihm das Blut erneut in die Wangen stieg. Es war ihm noch immer unangenehm, dass Lestrade in einer solchen Position vorgefunden hatte.
„Genau das ist der Punkt, John. Sherlock musste dir sagen, dass ich da war."
„Ich verstehe nicht."
Lestrade seufzte müde. „John, im Subspace bekommt man normalerweise immer noch mit was um einen herum vor sich geht. Omegas können sich sogar selbst aus dem Subspace herausholen, wenn sie es für nötig halten. Aber du… du hast nichts mitbekommen, was nicht direkt Sherlock betraf. Es war, als würde für dich nichts anderes existieren."
Unsicher verlagerte John sein Gewicht von einem Fuß auf den anderen.
„Greg, du bist ein Beta, woher willst du etwas über den Subspace wissen?"
„Nicht nur habe ich Freunde die Omegas sind, es ist auch nicht allgemein bekannt – aber um Inspektor zu werden muss man mehr Lehrgänge über Omega Psychologie besuchen als ich zählen kann. Bei keinem dieser Lehrgänge wurde ein Fall besprochen wie deiner, John. Solche Fälle sind nicht bekannt. Als Inspektor und vor allem als dein Freund muss ich dich fragen ob Sherlock dich ordentlich behandelt."
John stockte der Atem vor Wut und zugleich Schock. Sein Verhalten war nicht normal?
„Ich…Greg, Sherlock behandelt mich besser als ich je behandelt wurde. Ich verstehe nicht was du meinst. Ich hatte nie einen anderen Subspace, auch vor Sherlock nicht. Ich bin immer vollkommen weggetreten."
Stille, dann fragte Lestrade mit zitternder Stimme: „John, wie waren diese anderen Erfahrungen?"
Wie eingefroren stand John da, dann riss er sich das Telefon vom Ohr, drückte den Auflegknopf und warf es auf den Tisch.
Erinnerungen an Kälte und viel Schmerz, so viel Schmerz und das erfreute Lachen und Angst, keine Möglichkeit zur Flucht…
„John? John! Ich habe gerade eine SMS von Lestrade bekommen. Er meinte du hättest einfach aufgelegt. Ist alles in Ordnung?" Sherlock stürmte in die Küche und stand im nächsten Moment vor John.
„Was hat dir Lestrade erzählt?", hakte der Alpha nach, fast schon besorgt.
„Du hattest schon andere Omegas, oder Sherlock?", fragte John leise.
„Ich verstehe nicht worauf du hinaus willst. Ich war, wie alle ungebundenen Alphas, in den Einrichtungen in welchen Betas und Omegas ihre Dienste anbieten."
„Wenn du jemanden in den Subspace versetzt hast, wie haben sie sich verhalten?" John schaute Sherlock bei der Frage nicht an und seine Hände verkrampften sich unruhig ineinander.
Der Alpha wurde Still. Erkenntnis.
„Ich habe mich gefragt wann dir auffallen würde, dass dein Subspace anders ist." Sherlock seufzte. „Es liegt nicht an mir, John. Ich habe nicht oft andere in den Subspace versetzt, doch wenn ich es tat war alles wie es sein sollte. Ein Wegtreten, eine Abgabe von Kontrolle und die Unterwerfung, bei manchen mehr bei manchen weniger, doch immer noch genug Bewusstsein um alles stoppen zu können, wenn es zu viel wurde."
„Ich bin nicht vollkommen abwesend, ich weiß immer was du tust, ich spüre wenn du mich berührst und ich höre deine Befehle und deine Stimme.", lehnte John ab.
„Genau da liegt das Problem. Du bist vollkommen auf mich fixiert, es gibt nichts anderes außer mich für dich. Übrigens eine interessante Wortwahl du `hörst meine Befehle und meine Stimme´.", wiederholte Sherlock. „Die Befehle befolgst du, doch wenn ich ganz normal mit dir rede, vernimmst du zwar meine Stimmen, doch du verstehst den Inhalt meiner Worte nicht. Versuch es nicht zu bestreiten, ich weiß dass es so ist, ich habe es getestet."
Mittlerweile ging Sherlock hin und her und John lehnte an der Arbeitsfläche der Küche, die Hände um eine heiße Tasse Tee geklammert.
„Weißt du überhaupt, dass ich dir den Befehl gab zu essen und zu trinken? Hast du das mitbekommen, obwohl es nicht direkt mit mir zu tun hatte? Nein, hast du nicht."
John hatte wirklich nichts davon mitbekommen.
„Also sicher geht es auch anderen Omegas so, oder vielleicht liegt es auch an dem plötzlichen Absetzten der Medikamente?"
„Wenn das Absetzten der Medikamente diese Wirkung hervorrufen würde wüsste man davon. John, es gibt niemanden wie dich und ich habe auch eine Vermutung weshalb. Lange hab ich es für unmöglich gehalten, doch wenn man alles Mögliche ausschließen kann, dann ist das was übrig bleibt, so unmöglich es auch erscheint, das Mögliche. Du hattest einen vorherigen Alpha der es schaffte seine Instinkte zu ignorieren und einen Omega tatsächlich zu verletzten. Ein Alpha, der sich nicht um das Wohl seines Omegas kümmerte und du fandest keinen anderen Ausweg mehr, als dich so weit im Subspace zu vergraben, dass es für dich nichts anderes mehr gab. DU bekommst noch Befehle und Berührungen mit, weil es wichtig für deinen Körper war, denn die Bestrafungen die ansonsten folgten waren tatsächliche Folter. Der Subspace war für dich keine angenehme Erfahrung mehr, es war dein letzter Fluchtweg."
Sprachlos starrte John Sherlock an und seine Seele schrie, als in die alten Wunden Salz durch Sherlocks Worte gestreut wurde.
Sherlock wirbelte zu John herum. „Ist es wahr John? Habe ich Recht?"
„Seit wann zweifelst du an deinen Fähigkeiten?", hörte John sich selbst fragen, doch es fühlte sich an als ob jemand anderes für ihn sprach. Er selbst war weit weg, balancierte zwischen der Realität und der Erinnerung.
„Das war nicht meine Frage John." Sherlock trat vor und seine Hände umklammerten die Oberarme des Omegas. „Ist es wahr?"
„Ja.", kam die geflüsterte Antwort.
„Wer?", grollte Sherlock unkontrolliert und zum ersten Mal sah John Sherlock vollkommen außer sich vor Wut. Es war nicht die selbe Art der Wut, die er am Tag zuvor am Tatort gezeigt hatte, kein Verlangen zu beschützen, verteidigen und seine Dominanz zu demonstrieren.
Diese Art der Wut, der John sich nun gegenüber sah, war kalt und kalkulierend und das gefährlichste was er je erlebt hatte – und John hatte Afghanistan überlebt.
„Was macht es noch aus? Es ist Vergangenheit."
"Wer, John? Nenn mir den Namen!"
"Es ist vorbei, Sherlock."
"Es wird niemals vorbei sein, John. Du wirst immer mit der Erinnerung leben, eine Erinnerung wie sie kein Omega haben sollte. Dein Subspace wird dich immer vollkommen einnehmen und du wirst dich für immer fragen, ob du es wagen kannst mir, einem Alpha, zu vertrauen."
John verzog das Gesicht, Sherlock hatte seine Finger immer fester in Johns Oberarme gebohrt. Als der Detektiv den Gesichtsausdruck wahrnahm ließ er die Arme so ruckartig los, als hätte er sich verbrannt. Er wich mehrere Schritte zurück und ballte die Hände zu Fäusten. Mit einem Brüllen wirbelte er herum und schlug mit einer Faust auf die Wand ein, dann blieb er schwer atmend stehen.
„Bist du wahnsinnig?", fuhr John auf als der Arzt in ihm zum Vorschein kam. Mit zwei schnellen Schritten war er an Sherlocks Seite und zog die Faust von der Wand weg, um sie zu begutachten.
„Langsam beginne ich an deiner Intelligenz zu zweifeln."
"Ich wüsste nicht welches Recht du dir herausnimmst meine Intelligenz anzuzweifeln, dein IQ liegt weit unter meinem, John."
"Jeder IQ liegt weit unter deinem.", schnaubte John und rollte mit den Augen. „Aber immerhin, deine Hand scheint in Ordnung zu sein. Trotzdem solltest du das nicht so schnell wiederholen."
"Natürlich ist die Hand in Ordnung. Ich habe genau berechnet mit welcher Stärke und in welchem Winkel ich zuschlagen muss um keine Verletzungen davonzutragen."
„Natürlich.", seufzend schüttelte John den Kopf und drehte sich um.
„John? Wo willst du hin. Wir sind hier noch nicht fertig."
„Die Unterhaltung ist beendet, Sherlock."
Plötzlich stand Sherlock mit einem tiefen Knurren vor ihm. „Du bist mein Omega und akzeptierst meine Entscheidungen."
Mit einem hochziehen der Augenbraue verschränkte John die Arme entschieden vor der Brust.
„Nein."
„Ich bin dein Alpha-"
„Und ich dein Omega. Schön, dass wir das geregelt haben. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass du nicht alles wissen musst." Damit schob John sich an dem verblüfften Alpha vorbei, packte seine Jacke und rief über die Schulter: „Wenn du dich beruhigt hast, ich bin im Park. Du kannst ja nachkommen." Die Tür knallte zu und fassungslos blieb Sherlock alleine in der Wohnung zurück.
Trotz des Streites huschte ein kurzes, jedoch triumphierendes Lächeln über sein Gesicht. Natürlich war John nicht wie die anderen Omegas. Wie auch? Es war John.
Dennoch, die Bestätigung zu erleben war genugtuend, zeigte Sherlock erneut, dass er Recht hatte damit, dass John nicht vollkommen in seiner Omegaseite verloren gehen würde.
Der Arzt, der Soldat, John war noch immer da, er hatte sich nur erst an die Hormone, welche nach so langer Zeit erneut produziert wurden, gewöhnen müssen.
Das half Sherlock jedoch nicht weiter. Den einzigen Trost, den er hatte war, dass jeder seinen eigenen Alphageruch an John nach der vorherigen Nacht riechen konnte und wusste, dass John nicht zu haben war.
Mit einem grimmigen Gesichtsausdruck holte er sein Handy heraus und seine Finger durchsuchten automatisch die Kontaktliste, bis er den gewünschten Kontakt gefunden hatte.
Dann zögerte er.
Wenn er das tat würde John noch wütender auf ihn werden, doch er war Johns Alpha, es war seine Pflicht John zu beschützen. Dies war unmöglich ohne zu wissen was geschehen war und welche Situationen John in seine Erinnerungen zurückfallen ließen.
Seufzend warf Sherlock das Handy auf das Sofa.
Er konnte sich keinen Vertrauensbruch mit John leisten, nicht im Moment. Die Ungewissheit über Johns Reaktion machte ihn wahnsinnig und doch war es gerade diese Eigenschaft, die Sherlock zu John hinzog. John erschien als ein gewöhnlicher, langweiliger Mensch und doch entdeckte Sherlock immer wieder etwas Neues an ihm. Etwas, dass ihn in Erstaunen und Entzücken versetzte.
Mycroft darauf anzusetzen herauszufinden was in Johns Vergangenheit geschehen war, war also nicht ratsam. Außerdem war Sherlock sich sicher, dass Mycroft, hätte er etwas davon gewusste (und er wusste normalerweise alles über die Personen in Sherlocks nähe), ihn gewarnt oder zumindest darauf hingewiesen hätte.
Was konnte er also tun? Mycroft war ausgeschlossen, Lestrade wusste ebenso wenig, wenn nicht sogar weniger als Sherlock selbst und John weigerte sich darüber zu reden.
„Oh. Natürlich." Sherlocks Augen leuchteten auf. Harry. Johns Schwester, sie musste mitbekommen haben was damals passiert war.
Innerhalb von Sekunden hatte Sherlock sein Handy erneut in der Hand und seine Finger flogen über den Touchscreen.
Wer war Johns früherer Alpha? – SH
Was geht dich das an? – HW
Als Johns Alpha sollte ich mit seiner Vergangenheit vertraut sein. – SH
Als Johns Alpha solltest du seine Entscheidung, die Vergangenheit Vergangenheit sein zu lassen, akzeptieren. Ich kann nicht fassen, dass er sich noch einmal in diese Situation bringt und das auch noch mit jemandem wie dir. – HW
Frustriert knurrte Sherlock. Harry würde ihm nicht weiterhelfen.
Ach ja, wenn du John verletzten solltest, dann gibt es keinen Ort auf dieser Welt wo du sicher vor mir bist, egal wie sehr du voraussehen kannst was ich als nächstes tun werde. Ich werde dich finden und werde dich töten. – HW
Warum sollte dich ausgerechnet jetzt interessieren wie es John geht. Sonst existiert er für dich doch auch nur, wenn du mal wieder Probleme mit Clara hast. – SH
Ich bin immer noch Johns große Schwester und ich will ihn nie wieder in diesem Zustand sehen, in dem sein letzter Alpha ihn zurück gelassen hat. – HW
Interessant. John war also von seinem Alpha zurückgelassen worden. Ein weiteres Puzzelteil war gefunden, doch es war zu wenig. Er konnte noch immer nicht auf das Gesamtbild schließen. Mehr würde er jedoch nicht erfahren.
Du solltest aufhören Clara zu betrügen. Sie wird dich bei der nächsten Affäre, die sie entdeckt, entgültig verlassen. – SH
Fich dich! – HW
Bevor Sherlock antworten und Harry auf die Unmöglichkeit ihrer Aussage hinweißen konnte, klingelte sein Handy.
Lestrade reif an.
„Holmes."
„Sie müssen kommen. Sofort." Lestrade klang angespannt, wütend und unkontrolliert. Der Fall verstieß also gegen mehrere moralische Grundsätze der Gesellschaft.
„Ich bin beschäftigt."
„Es ist mir egal was Sie tun. Machen Sie, dass Sie sich her bewegen. So etwas sieht man nicht oft, wenn überhaupt."
Sherlocks Interesse war geweckt. Während Lestrade zwar oft zugab Hilfe zu benötigen so gab er doch nicht oft zu, dass sie überhaupt keine Ahnung hatten, wie sie vorgehen sollten. Zudem zu sagen, dass es so etwas nicht oft gab garantierte Sherlocks Aufmerksamkeit, wie Lestrade sehr wohl wusste.
„Wo?"
„In der Kunstgalerie neben der Thames."
Sherlock war bereits dabei sich seinen Mantel überzuwerfen.
„Wir kommen."
„Danke." Lestrade klang erleichtert und müde und Sherlock runzelte die Stirn. Egal was er auch sagte, Sherlock wusste, dass Lestrade ein kompetenter Inspektor war und er hatte bereits einiges gesehen. Ihn also derartig zu verstören war nicht einfach.
Der Alpha eilte aus der Wohnung und schrieb eine weitere SMS.
Wir haben einen neuen Fall. Treffen uns an der Kunstgalerie neben der Thames. – SH
Bin auf dem Weg. – JW
Zufrieden winkte Sherlock ein vorbeifahrendes Taxi heran. Er hatte gewusst das John ihn nicht alleine gehen lassen würde. Das würde sich nie ändern, egal welche Meinungsverschiedenheiten sie hatten.
Als Sherlock aus dem Taxi stieg sah er bereits drei Krankenwagen zusammen mit 10 Einsatzwagen des Scotland Yards.
Dies schien wirklich ein ernster Fall zu sein. Die vielen Polizeiautos und die fehlenden Autos des Sondereinsatzkommandos verrieten Sherlock, dass es zwar zumindest einen Toten aber keine Gefangenen oder Geisel gab.
Die Krankenwagen waren für die Zivilisten und sogar die Polizisten, die unter Schock standen.
Zu neugierig um auf John zu warten duckte sich Sherlock unter der Absperrung hindurch und schritt an Polizisten vorbei auf den Eingang der Galerie zu, wo er bereits von Sally Donovan erwartet wurde.
„Wo ist John?" Die Polizistin fühlte sich offensichtlich unwohl.
„Er kommt nach."
Sally biss sich auf die Unterlippe. Sie wollte Sherlock nicht ohne John durchlassen, wusste aber, dass sie ihn nicht aufhalten konnte. Definitiv handelte es sich um einen Mord er gegen alle moralischen Grundsätze verstieß.
Wie überaus interessant.
Ohne ein weiteres Wort drängte Sherlock sich an der Alpha vorbei und folgte den vereinzelt herumstehenden Polizisten (die alle ungewöhnlich blass wirkten) bis er im Hauptraum der Galerie stand.
Die Statuen, die in dem Raum standen, waren so ausgerichtet worden, dass sie alle in die Mitte des Raumes schauten. Sofort erkannte Sherlock, dass der Täter diese Veränderung vorgenommen haben musste. Leichte Abdrücke auf dem Marmorboden verrieten, dass die Statuen eine lange Zeit eine andere Position inne hatten und erst kürzlich verschoben wurden. Kürzlich genug, dass die Spuren auf dem Boden nicht weggewischt wurden. Der Täter wollte also das man sah, dass er die Figuren verschoben hatte. Oder er war sich dessen nicht bewusst gewesen, was Sherlock jedoch bezweifelte.
Die Wände und die Bilder waren mit Blut verziert. Das Blut war extra aufgetragen worden, mit einem Pinsel aus Schweineborsten.
Alles in allem bildete der Saal eine skurrile Kulisse für die Hauptattraktion.
Ein junger Mann – Sherlock schätzte ihn auf 24 Jahre – hing von der Decke. Sein Körper war kunstvoll mit Seilen gefesselt worden. Shibari, Japanische Fesselkunst, die besonders in sexuellen Spielen beliebt war.
Wie zu erwarten war der Mann nackt, nur bedeckt von seinem eigenen, mittlerweile getrockneten Blut, das aus den Wunden, die von einer Peitsche (Rinderlederpeitsche, der Art der Wunden nach zu schließen) und einem Messer (ein Jagdmesser mit einer Klingenlänge von 20 cm, gut behandelt und vor kurzem erst geschärft.) stammten. Blaue Flecken und rote Striemen waren ebenfalls zu erkennen und wo das Seil sich verschoben hatte waren Druckstellen zu erkennen (das Opfer hing schon über 7 Stunden hier. Den Verschiebungen des Seiles nach zu urteilen hatte es sich gewehrt.)
Der Kiefer des Opfers wurde durch einen Ballknebel offen gehalten, getrockneter Speichel hing an Mundwinkel und Kinn. Die Augen waren durch ein Seil, das mehrere Male um den Kopf gebunden worden war, verdeckt (das Opfer hat seinen Täter nie gesehen, das Seil wurde von hinten festgemacht und am Hinterkopf war eine Stelle zu erkennen, die darauf schlissen ließ, dass das Opfer mit einem harten Gegenstand außer Gefecht gesetzt worden war und erst aufwachte, als es sich bereits in dieser hängenden Position wieder fand.).
In der Anusöffnung war ein Dildo befestigt und dem Blut, das auf Verletzungen der Anus hinwiesen verdeutlichte, dass weder das Opfer vorbereitet worden war, noch dass der Täter auf die Lust des Omegas geachtet hatte.
Die Geschlechtsteile des Mannes waren in einem Käfig gefangen, der verhinderte, dass der Omega eine Erektion bekommen konnte. Die Innenseite des Käfigs war von kleinen Spitzen übersät, die zusätzlichen Schmerz bereiteten.
Der Mann war ein Omega gewesen. Sherlock konnte noch immer den Geruch riechen, ebenso den Geruch nach Sex. Einen derartig starken Geruch produzierten nur Omega, die sich mit einem Alpha paarten. Aber der Gedanke, dass ein Alpha einen Omega töten könnte, nachdem er mit ihm Sex hatte, war so gut wie unvorstellbar. Die Instinkte eines Alphas zwangen diesen geradezu, sich um den Omega zu kümmern. Dennoch schien es so, als habe der Omega keinerlei Lust für den Alpha empfunden. Das Opfer war vergewaltigt worden und sein Körper auf gewaltsame Weise dazu gezwungen worden, die Reaktionen eines Omegas auf einen Alpha zu produzieren.
Sherlock trat weiter an die Leiche heran und erkannte noch etwas. Das Blut war nicht nur zur Verzierung der Wände benutzt worden, es diente auch als Tinte für den Mörder. Eine Botschaft wurde über das Gesicht des Opfers geschrieben.
„Eine Erinnerung für mein kleines Spielzeug.", las Sherlock ab und spürt zum ersten Mal ein ungutes Gefühl in der Magengegend auf einem Tatort.
„Ich kann Ihnen gar nicht sagen wie erleichtert ich bin Sie zu sehen. Wer hätte gedacht, dass ich das jemals sage." Lestrade war zu Sherlock getreten, den Blick von der Leiche abgewandt.
„Wer hätte geglaubt, dass ich jemals dankbar für einen ihrer Anrufe bin.", erwiderte Sherlock. „Das ist höchst interessant."
Lestrade zuckte bei den Worten zusammen, doch Sherlock achtete nicht darauf, als er das Opfer von allen Seiten auf weiter Hinweise untersuchte.
Eine Weile war alles still, dann ertönte ein ersticktes Keuchen und Sherlock und Lestrade fuhren herum.
„Oh mein Gott." Die gehauchten Worte stammten von John, der am Türrahmen gelehnt dastand, das Gesicht blass und sein Körper zitterte.
„John?"
„Er ist wieder da."
„Wer John? Kennst du den Mörder?" Sherlock hastete zu John und nahm das schweißnasse Gesicht in die Hände. John nickte als Antwort zu Sherlocks Frage.
„Wer? Sag mir wer!"
„Jim Moriarty."
„Wer ist Jim Moriarty?"
„Mein früherer Alpha."
Tja... unser lieber Moriarty. Ich muss euch bitten alles was ihr über ihn wisst zu vergessen und auch zu ignorieren, dass er in der Originalen Story bereits in der ersten Staffen aufgetaucht ist. Bei mir hat er in diesem Kapitel seinen ersten offiziellen Auftritt.
Ich hoffe das euch das Kapitel gefallen hat und würde mich wie immer über konstruktive Kritik und Kommis freuen.
Bis zum nächsten Kapitel,
LG ShizoFairytale
