A/N: Einige von euch sind der Meinung, Hermione müsste schon längst wissen, wem sie gegenüber steht.
Okay.
Stellt euch folgendes Szenario vor. Ihr seid seit einigen Jahren aus der Schule/der letzten Arbeitsstelle raus. Einer eurer Lehrer/Ex-Kollegen starb zu dem Zeitpunkt, als ihr aufgehört habt. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ihr in einer fremden Person, die ihr trefft, egal, wie sehr sie euch bekannt vorkommt, genau diesen – für euch gestorbenen – Lehrer/Ex-Kollegen wiedererkennt? Zumal wenn derjenige auch noch leise redet, eine Perücke trägt, ab-/zugenommen hat und sich in einem gänzlich anderen Umfeld bewegt als früher? Na?
SSHGSSHG
greta-serebo: danke für dein Lob! Und ja, ich liebe Irland auch (oder würde es bestimmt, wenn ich es kennen würde…) Zumindest dorthin möchte ich bald einmal.
ll: …klebt unauffällig ein Pflaster über das maulende Schneckenmaul…(haben Schnecken eigentlich Mäuler? Münder? Schnauzen?) Jetzt schimpf doch nicht, ll, es ist doch bald schon Donnerstag… :D Aber schön, dass dir trotz der langen (!!!) Wartezeiten und der kurzen chaps die Geschichte gefällt…
Silvia: also zumindest bei mir funktioniert das mit Tieren immer ganz gut, das Beruhigen, meine ich… und das unerwartete Auftauchen eines fremden Iren wird Hermione ganz sicher neugierig machen, das ist einfach sie, denke ich. …lach… Und ob Toby + Herrchen daran beteiligt sind, Hermione wieder zu der Löwin zu machen, die sie ist… auch wenn es schwer wird.
Try: dass du dich wunderst, dass ich dir ein chap mit einem Irren, sorry, Iren widme? Lol… siehst du mein slytherinlikes smirken? Und das Autobiographische kommt so sicher wie das Amen in gewissen Etablissements… :D Ich fürchte, du kennst mich mittlerweile zu gut!
Majin Micha: …lach… ich hoffe, du hast nicht zuviel Guiness getrunken? Im Pub von Cleggan, meine ich… Tja, die Story hat so um die 30 chaps, ich bin gerade noch mal beim letzten Überschleifen der letzten Kapitel, also kann ich es dir so ungefähr sagen. Hm… ja, ich denke, das wird Hermione tatsächlich machen… diesen Besuch jedenfalls.
ThreeSeconds: lol… ich verspreche dir, ich werde euch die ganze Zeit immer mal wieder mit irgendwelchen Informationen füttern.
lufa: wir dürfen nicht vergessen, dass Hermione mit den örtlichen Gepflogenheiten nicht vertraut ist und daher nicht weiß, warum Danny Ref als schwarzen Ref bezeichnet. Aber ich versichere dir, irgendwann kommt der Tag, an dem sie nachfragt… Ich hoffe, deine Kinder lassen dich auch demnächst wieder an den Rechner… :D
Simba: na ja, schauen ist erlaubt, anfassen tu ich lieber selber… hust… Whiskey, meine ich, nicht, was du schon wieder denkst…! Viele Infos, und Ref wird sich teilweise auch nicht zurücknehmen können, aber siehe A/N… alles nicht so einfach!
Boomshaker41: …lach… ich schätze, mit GSI habe ich mein eigenes Grab geschaufelt… aber schön, dass sich trotzdem noch ein paar Unerschrockene auf andere Geschichten von mir einlassen… ich gebe mir auch alle Mühe mit dem Weitermachen… :D
sveti: da hast du Recht, es ist dieses automatische Erkennen der Muggel, wenn sie einem Zauberer oder einer Hexe gegenüberstehen, dass diese Menschen anders sind… Tja, Toby ist ein großer, schwarzer Hund, der einem mysteriösen, unsozialen Einsiedler gehört – klar ist er eine schwarze Bestie…
ViperSn: Cockney ist ein englischer Slang und von daher wohl auch recht selten in Irland – daher Hermiones Annahme, dass Danny eben nicht unbedingt dort aufgewachsen ist.
Das vierte chap ist lufa gewidmet!
SSHGSSHG
Die Kunst ist, einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird. Winston Churchill
4. Kapitel
Severus verbrachte eine unruhige Nacht. Dass seine ehemalige Schülerin sich ausgerechnet in diesem Teil Irlands aufhielt, verstörte ihn. Was trieb sie her? Wieso sah sie so schlecht aus? War sie aus demselben Grund hier wie er? Er konnte es kaum glauben, denn dann hätte man ihn doch benachrichtigt, oder? Er hatte trotzdem am frühen Abend eine Eule nach London geschickt.
Da seine kreisenden Gedanken ihn vom Schlafen abhielten, stand er so früh auf, dass es noch dunkel war und begann zu brauen. Offiziell war er kein Tränkemeister mehr. Na schön, offiziell war er sowieso tot, doch das Brauen hatte schon immer eine beruhigende Wirkung auf ihn gehabt und verschaffte ihm außerdem noch ein Zusatzeinkommen. Obwohl er vom Ministerium gut dafür bezahlt wurde, in der Connemara Urlaub zu machen und ab und zu Überprüfungen durchzuführen, verpackte er zweimal im Monat ein großes Paket an Tränken und schickte sie an eine Apotheke in der Knockturngasse, dessen Besitzer sich nicht um die wahre Identität des Lieferanten kümmerte, solange seine Produkte erstklassig waren.
Die Zubereitung des Felix Felicis forderte soviel Konzentration von ihm, dass erst Tobys Kratzen an der Labortür ihn zurückholte. Er ließ die brodelnde Flüssigkeit vor sich hinköcheln und trat in sein Wohnzimmer. Etwas klopfte energisch an die Scheibe und Severus' Augenbraue schoss empor, als er den Vogel erkannte. Es war Royal, Kingsley Shacklebolts privater Sperber. Royal war fast so schnell wie ein Falke, und der Zaubereiminister setzte ihn nur ein, wenn etwas sehr wichtiges zu besprechen war.
Severus reichte dem Sperber selbstgebackene Eulenkekse und entnahm das Pergament von seinem Fuß.
Mein Prinz,
ich habe mit dem 1. Ritter gesprochen und er sagte, er hätte keine Ahnung, was die Prinzessin dort draußen zu suchen hat. Nachdem er kurze Rücksprache mit dem Knappen gehalten hat, hat sich herausgestellt, dass sie unter Spätfolgen vom Kampf ums Königreich leidet und sich auch vom Knappen getrennt hat. Da uns ihr Zustand Sorgen bereitet, möchte ich dich bitten, sie ein wenig im Auge zu behalten. Es gibt keine Neuigkeiten von der Schwarzen Gilde, doch sollte sie erfahren, dass sich die Prinzessin allein dort aufhält, könnte sie in Gefahr sein. Beachte auch, dass sie vielleicht schon unter Kontrolle eines anderen Geistes stehen könnte. Der Bote kommt im Laufe der Woche zur üblichen Zeit und wird dir mehr sagen können.
Der König.
Severus verdrehte die Augen. Er hatte geglaubt, er sei paranoid, doch Kingsley schlug ihn um Längen, und dabei hatte er nie als Spion gearbeitet. Offensichtlich hatte die jahrelange Tätigkeit als Auror unter unfähigen Ministern und seine verborgene Mitgliedschaft als Phönix ihm weitaus mehr Angst vor Lauschern oder Spionen eingejagt als es die Doppelbelastung der Herrschaft zweier Meister für Severus vermochte. Shacklebolt arbeitete nur mit Decknamen und verschlüsselte seine offenen Texte mit verwirrenden Angaben.
Für den ehemaligen Tränkemeister ergab sich folgendes Bild: Potter wusste offensichtlich nicht, was die kleine Granger hier trieb und musste erst sein Anhängsel Weasley fragen, welcher ihm mitteilte, dass sie psychische Probleme und sich außerdem von ihm getrennt hatte.
Bravo, Miss Granger, dachte Severus in einem Anflug des alten Sarkasmus. Er hatte sie zwar nie sonderlich leiden mögen, doch von Weasley hielt er gleich überhaupt nichts und er hatte nie verstanden, wie sich eine intelligente Hexe wie Granger zu einem faulen Stümper wie Weasley hingezogen fühlen konnte.
Und sie glaubten, sie könnte unter dem Imperius stehen? Er überdachte die gestrige Begegnung. Sie sah kränklich aus, das stimmte. Aber sie wirkte nicht so abwesend und unkonzentriert wie die Leute, die er bei Todessertreffen gesehen hatte. Und er hatte einige Erfahrungen in diesen Dingen.
Keine Neuigkeiten von der Schwarzen Gilde… War das jetzt gut oder schlecht? Frustriert hieb er mit der Faust auf den Tisch. Natürlich wollte er nicht, dass seine Zielpersonen Erfolg hatten, aber wenn sie ihrer Sache näher kamen, würde auch er endlich, endlich frei sein. Und zwar für immer. Severus war zwar ein guter Spion, sogar der beste, sonst hätte Kingsley ihm nicht diesen Job angeboten. Doch irgendwann wollte er auch einmal ein eigenes Leben führen. Es musste doch auch für ihn einmal möglich sein?
Seine Gedanken schweiften ab. Es war Zabini gewesen, ausgerechnet Blaise Zabini, der Sohn einer bildhübschen und falschen Giftmischerhexe, der ihn in der Heulenden Hütte gefunden und die Mediheiler gerufen hatte. Er selbst war zu dem Zeitpunkt bereits ins Koma gefallen und alles, was er darüber wusste, hatte ihm Kingsley erzählt.
Kingsley war es auch, der dafür gesorgt hatte, dass Severus sofort in eine geheime, medizinische Einrichtung kam, wo ein eigener Medimagier für ihn verantwortlich war. Heiler Tonguechain war ein verschwiegener Arzt, der kompetent die Genesung des dunklen Mannes sicherstellte. Blaise Zabini wurde noch auf dem Schlachtfeld von Shacklebolt als Unsäglicher verpflichtet. Nach dem Ende des Krieges, als Kingsley tatsächlich zum Zaubereiminister ernannt wurde, suchte er Severus, der mittlerweile so gesund war, wie er es nur werden konnte, auf, und machte ihm ein Angebot, welches er nicht ablehnen konnte.
Wenn sich Severus noch einmal für eine begrenzte Zeit verpflichtete, als Spion zu arbeiten und die verbliebenen Todesser zur Strecke zu bringen beziehungsweise diejenigen zu überwachen, die aus Mangel an Beweisen freigesprochen wurden, würde er – Kingsley – nicht nur dafür sorgen, dass er nach dem Ende der Dienstzeit ein reicher, sondern auch ein von aller Schuld freigesprochener Mann sein würde.
„Was verstehst du unter einer begrenzter Zeit?", hatte Severus misstrauisch gefragt.
Kingsley lächelte. Sie waren zwei Slytherins, sie verstanden einander auch ohne Worte. „Ich will Malfoy, Sev. Wenn ich diesen Bastard habe, bin ich zufrieden. Sie haben ihn laufen lassen müssen, verdammt noch mal. Den größten Intriganten dieses und des nächsten Jahrtausend, und sie mussten ihn laufen lassen. Dabei bin ich mir sicher, dass er noch was in der Hinterhand hat. So leicht gibt sich dieser adlige Protz nicht geschlagen. Die Tatsache, dass der Dunkle Lord tot ist, wird für ihn nicht endgültig sein. Was denkst du?"
Severus hatte gedacht, wie ungewöhnlich es für einen Slytherin war, so dermaßen hinter einem Hausgenossen her zu sein, aber andererseits war Kingsley schon immer anders gewesen. Er war aufgrund seiner berechnenden Schlauheit nach Slytherin gekommen, bestimmt nicht wegen seiner Hautfarbe oder loyalen Reinblütigkeit. Er fragte sich, ob er es tun konnte.
Lucius war nie sein Freund gewesen, aber es hatte Zeiten gegeben, als er ihn fast wie einen solchen behandelt hatte. In Dracos erstem Jahr zum Beispiel, als der Dunkle Lord noch nicht wieder auferstanden war. Wenn Severus gewollt hätte, wäre er jedes Wochenende auf Malfoy Manor willkommen gewesen. Später hatte sich Lucius immer tiefer in Voldemorts Stricke ziehen lassen, begeistert ziehen lassen. Die Aussicht auf noch mehr Macht, Einfluss, Ruhm war für den blonden Adligen so unwiderstehlich gewesen wie der frische Knochen, der vor der Schnauze eines hungrigen Hundes baumelte.
Er glaubte zwar nicht daran, dass Malfoy wieder auf schwarzmagischen Wegen wandeln würde, aber er stimmte trotzdem zu. Es gab noch dutzende Todesser, die auf freiem Fuß waren, und er hatte noch immer eine Schuld zu begleichen – wenn auch nicht Dumbledores Tod, wie ihm Kingsley versicherte. Der große, schwarze Ex-Auror hatte von Albus' Plan gewusst, als einziger Vertrauter Dumbledores, und was den Tod des alten Mannes anging, war er der wichtigste Zeuge, denn in seinem Denkarium war ein Gespräch zwischen ihm und Dumbledore gespeichert, in dem ihm alles offenbart wurde.
Eines musste man Kingsley lassen. Er war fair. Er teilte Severus mit, dass er, wenn er ablehnte und sich einem Prozess stellte, vielleicht gleich freigesprochen werden würde, da man ihm allein aufgrund seiner Zeugenaussage von einer Menge Anklagepunkte entlasten würde. Das einzige, was noch bestehen würde, wäre der Vorwurf seines ersten, freiwilligen Beitritts zu den Todessern, und ein guter Anwalt würde diesen Punkt wahrscheinlich mit dem Hinweis auf die Jugend seines Mandanten und der darauf folgenden jahrelangen Spionagetätigkeit in der Luft zerpflücken. Wenn man es genau betrachtete, war er mehr auf Severus angewiesen als Severus auf ihn.
Vielleicht also hätte er ablehnen sollen. Doch er konnte nicht. Noch immer nagte die Schuld an ihm. Die Schuld, für Lilys und James' Tod verantwortlich zu sein. Die Liebe für seine Jugendfreundin war im Laufe der Zeit zu einer bloßen Erinnerung verblasst, der Schmerz der Schuld jedoch nie. Also sagte er zu. Wieder einmal.
Und Kingsley schien Recht zu behalten. Schon kurz, nachdem wieder eine relative Ruhe in der magischen Welt eingekehrt war, begannen sich in Malfoys Umgebung die ersten, zaghaften Regungen schwarzmagischer Triebe zu regen. Ihre Spur führte nach Irland, in die Connemara, und so war Severus hierher, ans westliche Ende Europas gezogen und überwachte Treffen ehemaliger Todesser, ohne dass sie das bemerkten.
Er legte seinen Kopf in den Nacken und bewegte ihn hin und her, um die letzten schmerzhaften Verspannungen des Brauens zu lockern. Dann löschte er mit einer runden Bewegung seines Zauberstabs die Zeilen auf dem Pergament und schrieb selbst.
Mein König,
ich glaube nicht, dass betreffende Prinzessin unter einer anderen Macht steht, wenn Ihr meine Meinung dazu hören wollt. Ich werde jedoch ihre Gesellschaft aufsuchen und versuchen, mehr über die Art ihres Leids herauszufinden. Sagt dem Boten, er solle sich zur üblichen Zeit einfinden, jedoch Vorsicht walten lassen, da er der Prinzessin bekannt ist.
Der Prinz
Er rollte das Pergament zusammen, streichelte Royal, der, zufrieden über die Eulenkekse, ruhig dasaß und befestigte die Nachricht an seinem Bein. „Hör zu, Großschnabel", sagte er zu dem Vogel. „Wenn du in nächster Zeit kommst, passt du auf, ob ich allein bin, verstanden?" Ihm war nicht ganz klar, ob der Sperber ihn verstand, aber die magischen Postvögel waren außerordentlich intelligent, und es lag immerhin im Bereich des Möglichen. Royal öffnete kurz den Schnabel, als wolle er verächtlich schnaufen, ließ sich jedoch hochnehmen und aus dem Fenster werfen.
Severus pfiff nach Toby und verließ das Cottage. Sie hielten sich in Richtung der Klippen, auf denen er gestern Miss Granger getroffen hatte. Ein schmales Grinsen huschte über seine Lippen, als er sie tatsächlich dort stehen sah, doch es verschwand so schnell, wie es gekommen war, als er ihren Zustand bemerkte. Sie weinte oder stand zumindest nahe davor. Merlin, Merlin, was war mit diesem starken, nervigen Mädchen – Frau, korrigierte er sich selbst – passiert?
Sie war jedenfalls nicht in der Stimmung zu plaudern. Er nutzte ihren Anschnauzer aus, um sich von ihr zurückzuziehen und hinter einer Senke einen Bogen zu schlagen, um von der anderen Seite der Klippen zurückzukehren und sie zu beobachten. Sie disapparierte, und er schüttelte den Kopf. Die kleine Granger hatte sich kaum davon überzeugt, allein gewesen zu sein.
Severus hatte sich bereits am gestrigen Abend kundig gemacht, wo sie wohnte. Er packte Toby, apparierte zu Dougals Einödhof und überprüfte, ob das Goldmädchen daheim war. Sie war es nicht. Gut. Er nutzte ihre Abwesenheit, um ihr Cottage zu durchsuchen und sicherzustellen, dass keine magischen Wanzen oder andere Dinge vorhanden waren, die ihr Schaden zufügen konnten. Er fand nichts, und er war sich ziemlich sicher, dass Hermione Granger nicht unter dem Imperius stand und auch nicht von jemandem beobachtet wurde.
Nachdenklich strich er über die Bücher, die sie mitgebracht hatte. Fast alle waren Fachbücher über Zaubertränke. So sehr es ihn störte, dass sie nicht wenigstens die Cover verwandelt hatte, um eventuelle Eindringlinge nicht gleich mit der Nase darauf zu stoßen, dass sie magisch war, so sehr berührte es ihn, dass sie sich offensichtlich ganz und gar seinem Fachgebiet zugewandt hatte.
Sieh an, sieh an, dachte er. Wer hätte das gedacht? Muss ich vielleicht irgendwann Frau Kollegin zu ihr sagen? Mit einem albernen Grinsen, welches nie ein Schüler je bei ihm gesehen hatte, verließ er das Cottage so unbemerkt wie er gekommen war und spazierte mit Toby heim.
