Immer näher
Bei allen Valar, Ataria konnte sich nicht erinnern, wann sie das letzte Mal so gelacht hatte. Der Anblick war aber auch zu komisch.
„AAAHH! Da ist er ja! Da ist er!" schrie Manara so laut sie nur konnte und wedelte aufgeregt mit den Armen in der Luft.
ER, das war ein kleiner brauner Hase, der gerade eben noch nichts Böses ahnend im hohen Gras gesessen und gefressen hatte. Jetzt war er zum unfreiwilligen Spielkameraden für zwei tobende, lärmende und vor allem hartnäckige Kinder geworden - und fand das anscheinend gar nicht lustig.
„Hoppel… Hoppel…" quietschte Glawor vergnügt.
„Hoppel" nahm Reißaus, Manara hinterher. Kreuz und quer ging es durch das Gras. Ataria begnügte sich damit, dem bunten Treiben amüsiert aus einiger Entfernung zuzusehen. Die beiden Kleinen so unbeschwert zu sehen, machte sie glücklich und sie ließ sie daher nur zu gern gewähren.
Dann allerdings verschwand Hoppel um einen flachen, lang gestreckten Hügel in Richtung Wald und die Kinder folgten ihm natürlich ohne zu Zögern.
Ataria sprintete los. Während ihrer Wanderung am Fluss und erst recht später am Wald entlang hatten sie stets einen gebührenden Abstand zu den Bäumen gehalten.
Vergeblich fragte die junge Frau sich, warum sie sich trotz aller Bemühungen jetzt schon wieder dicht vor der Grenze Lothlorien's wieder fand. Die Antwort gab sie sich gleich selbst.
Um zwei wild gewordene Kinder einzufangen, darum! Schon wieder…
Ataria stöhnte innerlich auf. Kein Zweifel, die Valar mussten hierbei ihre Hände im Spiel haben.
Und offensichtlich hatten sie eine Menge Humor!
Inzwischen hatte sie den Hügel umrundet und hielt staunend einen Moment inne.
Vor ihr bereitete sich eine Wiese aus, auf der Unmengen von weißen und gelben Blumen blühten. Auf drei Seiten wurde sie von Wald und Hügel eingefasst und dicht am Waldrand, genau ihr gegenüber, ragte eine Gruppe heller Steine aus dem hohen Gras empor.
Aufgeregtes Quietschen erinnerte Ataria an den Grund ihres Hierseins. Manara und Glawor hockten auf Händen und Knien ein kleines Stück neben der Felsengruppe auf dem Boden. Offensichtlich hatte Hoppel sie direkt zu seinem Bau geführt und war dann darin verschwunden.
Mit einem unguten Gefühl bewegte Ataria sich vorsichtig auf die beiden zu. Sie waren dem Wald nun noch ein bedeutendes Stück näher, als am Morgen. Die Elben mochten sie großzügig in der Nähe der Grenze geduldet haben, doch sie vermochte nicht zu sagen, ob das auch weiterhin so bleiben würde. Nervös suchte sie die Bäume vor und neben sich immer wieder mit Blicken ab, doch sie erreichte die Kinder unbehelligt.
„Manara, Glawor", sprach sie leise und legte jedem der Kinder eine Hand auf die Schulter, um sie ein Stück vom Hasenbau wegzuziehen. Manara drehte sich um und sah Ataria fragend an. Sie schien die Unsicherheit und Nervosität der Erwachsenen zu spüren und klärte die junge Frau in einer für sie erstaunlich ruhigen Stimme auf
„Ataria, Hoppel ist einfach dort hinein gelaufen und kommt nicht wieder raus!"
Der ernsthafte Gesichtsausdruck und der fast schon vorwurfsvolle Tonfall ließen Ataria kurz aber laut auflachen.
„Nun, vielleicht ist er ja müde vom Rennen und ruht sich jetzt aus", überlegte sie laut.
Manara zog einen Schmollmund, doch dann hellte sich ihr Gesicht schlagartig auf. „Dann mache ich mir jetzt eine Blumenkette." Und schon flitzte sie davon, um sich mitten in den Blumen niederzulassen und ans Werk zu gehen.
Ataria sah ihr einen Moment zu, dann fiel ihr Blick auf Glawor. Der war inzwischen unbemerkt vom Bau fortgekrabbelt und hatte sich ein Stück entfernt im Gras zusammengerollt und schlief. Der Hase war anscheinend vergessen.
Erleichtert seufzte sie auf. Langsam begann die Anspannung von ihr abzufallen. Offensichtlich waren die Elben bereit, sie ein weiteres Mal in ihrer Nähe zu tolerieren.
Ermutigt von dieser Erkenntnis wagte sie sich zur Felsengruppe und ließ sich auf einem der größeren Steine nieder. Beide Kinder sicher im Blick, ließ sie sich ein weiteres Mal von der Schönheit dieses Ortes verzaubern.
„Warum sie uns wohl hier dulden? Zugegeben, für eine Gefahr wird uns wohl keiner halten, doch Eindringlinge sind wir in gewissem Sinne schon."
Nachdenklich sann Ataria über mögliche Motive der Elben nach, als ihr plötzlich eine Idee kam. Verschmitzt lächelnd dachte sie einen Moment darüber nach, bevor sie zu dem Ergebnis kam, dass dies durchaus im Bereich des Möglichen lag.
„Wer weiß, vielleicht haben sie ja einfach nur Mitleid mit mir."
vxvxvx
Im Gegensatz zu Lamiel, der die ganze Situation höchst amüsant zu finden schien, und Faeron, der eher missbilligend die Stirn runzelte, wusste Rúmil einfach nicht, was genau er von dem Ganzen halten sollte.
Als Lamiel und er mit dem Bogen in der Hand zur Quelle dieses Kinderschreis geeilt waren, schien sich sein Herz kurz aber schmerzhaft zusammenzuziehen, nur um dann in immenser Erleichterung aufzuatmen, als ihm klar wurde, dass keinerlei Gefahr drohte.
Weder dem Goldenen Wald, noch den Kindern, noch… ihr.
Was Rúmil zu den widerstreitenden Gefühlen brachte, die gerade in ihm tobten.
Verärgerung, Pflichtgefühl… aber auch Verwunderung und Neugierde. Er verspürte eine ihm unbekannte Art von Anziehung, die ihn mit dieser Menschenfrau zu verbinden schien.
Eine Erklärung dafür fand er nicht, doch er spürte es ganz deutlich. Sie interessierte ihn, ihr ganzes Verhalten faszinierte ihn. Aus diesem Grund hatte er Lamiel allein zum Talan zurückgeschickt, um zusammen mit Faeron aufmerksam das weitere Geschehen zu verfolgen.
„Du weißt, nur noch ein wenig weiter und wir sind gezwungen, einzuschreiten", bemerkte Faeron mit einem vorsichtigen Seitenblick auf Rúmil.
„Ja."
Doch dazu kam es nicht.
Die Kinder spielten, die junge Frau hielt Wacht, bis es am Abend Zeit wurde, ins Lager zurückzukehren, nur um am nächsten Tag zurückzukehren und wieder auf diesem Stein zu sitzen.
So dicht…
Doch diesen einen letzten Schritt tat sie nie.
Ich finde, es ist höchste Zeit, daß ich offiziell Danke sage - also: Vielen Dank, Livia09. Du bist die erste, die sich getraut hat, mir ihre Meinung zu sagen :) Ich hoffe, die Geschichte wird dir auch weiterhin gefallen. Und falls da draußen noch jemand sein sollte, dem gefällt, was ich hier mache und mir das vielleicht auch einmal mitteilen möchte, dann tu dir keinen Zwang an )
