Es war ein sonniger Tag auf der Insel Shing Jea und das grüne Gras bewegte sich sachte in einer sommerlichen Brise. Der wolkenlose Himmel verschmolz am Horizont mit dem blauen Meer und einzig die verzweifelten Schreie zweier Schwestern störten die Idylle. Die Zwillinge Nanae und Akiho waren von den Purpurschädeln verschleppt worden, da ihr Dorf nicht länger bereit war, die von ihnen geforderten Abgaben zu zahlen. Also hatten die Piraten die Mädchen entführt und misshandelten nun das eine, während sie das andere dabei zugucken ließen. Nachdem über Stunden einer nach dem anderen über Nanae hergefallen war und ihr Körper Folter und Missbrauch schließlich nicht mehr Stand hielt starb das Kind vor den Augen seiner Schwester.
Die Purpurschädel zerschnitten Akihos Gesicht und ließen tiefe Wunden in Form eines breiten Lächelns darauf zurück, ehe sie das Kind so verängstigt und verstört wie es war wieder zu seinem Dorf zurück brachten, als Warnung vor zukünftigen Widerständen gegen ihre Forderungen. Erst nach Tagen gelang es ihren Eltern, sie wieder zum Reden zu bewegen und sie berichtete stockend und lückenhaft von den grauenhaften Dingen, die ihrer Schwester Nanae angetan wurden. Viel gesprochen hat das Mädchen seitdem nicht mehr und auch den Kontakt zu ihren Mitmenschen suchte Akiho nur noch vereinzelt; lachen hörte man sie nie wieder.
Man sagt, die Verbindungen zwischen Zwillingen seien besonders stark und dass Akiho als Ritualistin immerzu in Kontakt mit der Geisterwelt stand, tat dem keinen Abbruch. So war es wenig verwunderlich, dass sie schon bald ganz und gar eingenommen war von der Stimme ihrer verstorbenen Zwillingsschwester, die ihr unentwegt zuflüsterte, Vergeltung forderte und wie kein zweiter ihren Schmerz und ihre Rachsucht verstand.
Eines Morgens war Akiho einfach verschwunden. Binnen kürzester Zeit war das ganze Dorf auf den Beinen und suchte fieberhaft nach dem Mädchen, befürchtete man doch einen erneuten Überfall der Purpurschädel oder Schlimmeres, doch nirgends fand sich auch nur der kleinste Hinweis auf ihren Verbleib und so gab die Dorfgemeinschaft nach Monaten der Suche schließlich auf und auch die Eltern verloren ihre Hoffnung. Tatsächlich hatte die Ritualistin sich auf den Weg in den Riss des Kummers gemacht, wo sie die nächsten Jahre scheinbar ziellos umher zog, tagelang meditierte und mit dunklen Mächten in Kontakt kam.
Nach jahrelanger Zwiesprache mit der Geisterwelt kehrte sie schließlich als junge Frau zurück um Rache zu nehmen und dem Geist ihrer Schwester Frieden zu bringen. In einem blutigen Gemetzel, das sich über mehrere Tage erstreckte und keine Überlebenden hinterließ, löschte sie mithilfe einer grausamen Geisterarmee sämtliche Piraten der Panjiang-Halbinsel aus. An einer Stelle nahe des nun verlassenen Purpurschädel-Lagers fand sie Nanaes Leichnam verscharrt und schaffte die mittlerweile skelettierten Überreste in ihr Dorf. Es wurde eine Trauerfeier abgehalten und die Familie konnte endgültig Abschied nehmen, doch Akiho blieb von dem Tag an für immer verschwunden.
