Sooo, hab mich beeilt =) Der ganze Schnee hier hat mir zwei weitere Tage schneefrei gebracht, also dachte ich, ich schreib mal schnell noch was.
Danke für die Kommentare =) Ich freu mich immer über Lob und Kritik
Viel Spaß, die Geschichte geht langsam los!
It ain't hard to see
Who you are underneath
I'm still in love with who I wish you were
And I wish you were here
(Kate Voegele)
Der Sommer war für mich die schlimmste Jahreszeit. Ich liebte die Sonne und die übergrünen Pflanzen, die hauptsächlich in der Umgebung des Schlosses zu finden waren, da der König sich das viele Wasser, welches dazu nötig war, nur zu gerne leistete, wenn dies bedeutete, dass er seinen Reichtum noch mehr hervorheben konnte. Doch was ich an dieser Zeit des Jahres absolut nicht ausstehen konnte, waren die vielen Bälle, die in den warmen Nächten zu gerne abgehalten wurden, denn dies bedeutete sehr wenig Schlaf und eine Masse Arbeit. Als hätten wir davon nicht eh schon genug.
Mit meiner Schürze wischte ich mir den Schweiß von der Stirn, warf das Kartoffelmesser fort und hielt einen Moment inne um durch das Küchenfenster in den Garten zu blicken. Die zahlreichen Gärtner waren voll und ganz damit beschäftigt die vielen Büsche in Form zu schneiden und sie mit ausreichend Wasser zu besprühen. Der große Brunnen, welcher als Zentrum des Gartens diente, wurde gründlich gereinigt und viele Fackeln wurde auf den Wegen verteilt. Wie viel Geld kostete ein einzelner Ball wohl? Vermutlich mehr als ich in meinem ganzen Leben zum Überleben bräuchte.
Seufzend wandte ich mich ab und schnappte mir den Eimer sowie einen Schwamm, machte mich auf in Schlosstreppe. Die Eingangshalle glänzte und ich hoffte, dass weder Edward noch sonst wer mir dieses Mal einen Strich durch mir die Richtung machen würde. Das einzige Problem war die imposante Treppe, die nach draußen führte. Ich wusste nicht, wer die ganze Planung übernahm, aber es kam mir doch mehr als dämlich vor, den langen, rot-samtenen Teppich vor heute Abend zu platzieren. So kam es, dass ich nun die vielen Schlammflecken, die von den Jägern stammten, entfernen durfte.
Ich ließ mich neben einem Fleck sinken und begann zu schrubben. Die Sonne schien unerbittlich auf meinen Nacken und mein Körper fühlte sich schon ganz überkocht an. Ich wünschte, ein Gärtner käme um mich zu gießen.
„Das ist doch unglaublich! Was sollen wir denn nun tun?!"
Erschrocken blickte ich auf. Zwei Männer und eine Frau kamen zwischen den Büschen hervor und liefen auf die Treppe zu, doch kurz davor stoppten sie.
„Das kann sie uns doch nicht antun!", jammerte die Frau. Ich musterte sie und wusste, dass ich sie kannte, konnte sie jedoch nicht recht zuordnen.
Der Mann zog sie in ihre Arme. „Wir müssen Ruhe bewahren und nachdenken. Uns muss etwas einfallen." Nach seinen Worten schluchzte die Frau leise.
Der Mann, der etwas abseits stand, sah noch sehr jung aus. Auch ihn hatte ich schon einmal gesehen, aber wo nur? Als sein Blick meinem begegnete, traf es mich wie ein Schlag. Vor mir standen der König, die Königin und der Prinz des Nachbarlandes. Ich fühlte, wie ich rot anlief. Schnell schnappte ich mir meinen Eimer und stand auf, wollte nichts lieber als verschwinden.
„He, du! Warte!"
Ich fror auf der Stelle ein. Das war es dann wohl. Sie würden sich bei meinem König beschweren, dass ich sie belauscht hätte und dann konnte ich meinen eigenen Ball im Kerker feiern.
Ich hörte sie näher kommen. Dann trat Prinz Ulrich in mein Blickfeld und musterte mich ausgiebig. „Die hier könnte funktionieren.", ließ er seine Eltern wissen. Ich könnte was? Funktionieren?
„Ulrich, also wirklich! Das ist doch nicht dein Ernst!" Auch seine Mutter stand nun vor mir. „Sie ist eine Bedienstete des Schlosses, vollkommen heruntergekommen, unterernährt und... sieht genauso aus wie sie." Bei dem letzten Teil wirkte sie sehr überrascht. „Du meine Güte. Aus der Ferne könnten sie Zwillinge sein!"
Zufrieden nickte Ulrich. „Und ich wette, dass keiner hier sie so genau in Erinnerung hat."
Prüfend schritt die Königin um mich herum. Ich klammerte mich an meinen Eimer, um mein Zittern zu verbergen.
„Bist du noch frei, Liebes?", fragte die Königin nun und sah mir direkt in die Augen, sodass ich schnell den Blick senkte.
„Ich... ich verstehe nicht, was Sie meinen.", erwiderte ich leise.
„Ob du schon einem Mann zugeteilt bist.", half die Königin mir auf die Sprünge. „Sonst würden wir dem König gerne mitteilen, dass wir dich als Gespielin meines Mannes haben wollen. Zumindest für den Zeitraum unseres Besuches."
Meine Augen weiteten sich. Als Gespielin? Ich sollte mit ihrem Mann schlafen? Und sie suchte die Frauen, mit denen ihr Mann sich die Zeit vertrieb, auch noch selbst aus? „W-Was? Nein! Nein!" Ich stolperte rückwärts und wäre beinahe die Treppe heruntergefallen, wenn mich der König nicht gefangen hätte. Angewidert von seinen Berührungen entwendete ich mich schnell seinem Griff.
Ein lautes Seufzen entkam den Lippen der Königin. Prinz Ulrich trat nun näher, ein amüsiertes Lächeln umspielte seine Lippen. „Komm schon, Kleine, denkst du wirklich, ich würde daneben stehen, wenn es um eine Affäre für meinen Vater gehen würde?"
Nun vollkommen verwirrt starrte ich ihn an, vergaß, dass es sich nicht gehörte, ihn offen anzusehen.
Er verdrehte ungeduldig die Augen. „Du siehst genauso aus wie meine Schwester, Prinzessin Sophia. Meine Eltern hoffen, dass sie eines Tages Prinz Edward heiraten wird, damit unsere Länder endlich vereint werden. Leider hat Prinz Edward eine große Auswahl an Heiratskandidatinnen, somit muss meine Schwester sich von ihrer besten Seite zeigen."
„Und... was hat das mit mir zu tun?", fragte ich kaum hörbar.
Ulrich atmete tief durch. „Sie sollte bis heute hier sein. Doch gerade wurde uns gemeldet, dass sie erkrankt ist. Und wir werden kaum sagen können, dass sie krank ist – immerhin geht es auch um die besten Erbanlagen für einen gesunden Thronfolger. Und hiermit frage ich dich, ob mein Vater das Interesse an dir bekunden darf, damit du von allen Arbeiten freigesprochen wirst und wir dich als Sophia ausgeben dürfen."
Seine Worte rumorten in meinem Kopf. Vermutlich träumte ich gerade.
„An deiner Stelle würde ich nicht Nein sagen.", murmelte die Königin. Dies hörte sich eindeutig nach einer Drohung an. Was würden sie mit mir machen, wenn ich ablehnte? Mir irgendetwas unterschieben und mich in den Kerker werfen lassen? Mich köpfen?
„W-was müsste ich denn tun?", brachte ich bloß hervor.
„Als erstes würde ich ein Bad vorstellen.", erklärte die Königin mit gerümpfter Nase.
„Mutter!", ermahnte Ulrich, wandte sich dann wieder mir zu. „Du müsstest sie nur beim Essen und dem Ball vertreten. Das dürfte nicht allzu schwierig werden. Wir werden dich herrichten und dann wird sich schon alles geben. Du kannst doch mit Messer und Gabel umgehen?"
Ich hörte ihm schon gar nicht mehr zu. Alles, was in meinem Kopf geblieben war, war das 'Ball' und mit einem Mal begann sich diese ganze, vollkommen absurde Situation rosa zu färben. Vor meinem inneren Auge sah ich scheinende Kronleuchter, teure Kleider, tanzende Paare und mittendrin ihn.
Das alles musste ein Traum sein. Doch ich würde ihn auskosten, solange er dauerte.
