Kapitel
Vier
Der Tutor
Heute war ein wichtiger Tag, hatte Albus ihm erzählt. Harry stand geduldig da, während er mit Yenty auf seinen neuen Lehrer wartete. Er hoffte wirklich, dass der neue Lehrer so nett war wie Minnie, Alby und Yenty!
Die Hauselfe zog ihn nun am Ärmel. „Master Harry muss gehen!" Schulleiter sagt dass Master Harry nicht spät kommen soll."
Und so betrat Harry das Büro von Albus, um seinen neuen Tutor kennenzulernen.
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"Lupin," begrüßte Minerva ihren ehemaligen Schüler. „Ich hoffe, dass deine Reise angenehm war?"
Remus nickte. „Alles lief gut. Es ist schön, wieder hier zu sein," sagte er und schaute sich lächelnd um.
Minerva lächelte etwas verkrampft. Sie glaubte immer noch nicht, dass man Remus 100 trauen konnte. „Das ist gut. Ich habe dir zwar die Eule geschickt, aber Albus wird dich in alles weitere einweisen."
„Und wer ist mein Schützling?"
"Du wirst es gleich herausfinden," sagte Minerva. „Aber lass uns erst in deine Räume gehen. Der Schulleiter dachte, dass es das beste wäre, wenn deine Räume gleich neben denen von deinem Schützling sind. Das heißt, dass du auch neben den Räumen von Professor Dumbledore wohnen wirst.
Remus blinzelte erstaunt. „Ist das Kind... verwandt mit Dumbledore?"
Minerva antwortete nicht, sondern lief weiter.
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Es war fast fünf Jahre her, dass Remus das letzte mal das Büro des Schulleiters betreten hatte. An das letzte mal wollte sich Remus gar nicht erinnern. Er war dem Direktor so dankbar, dass er sich damals um ihn gekümmert hatte, als seine ganze Welt von einem Tag auf den anderen auseinander gefallen war. Verdammter Sirius.
„Remus?" fragte Albus freundlich. „Möchtest du dich nicht setzen?"
Remus trat ein und ließ sich in den Sessel vor dem großen Tisch fallen. Er erwartete ein Kind, dass vielleicht irgendwo im Zimmer herumsprang, aber nur er und der Schulleiter waren da. Und ein miserabel aussehender Phönix.
Vielleicht mache ich auf andere Leute genau den gleichen Eindruck, dachte Remus, als er an seine schäbige Kleidung dachte und an sein Haar, das bereits ergraute, obwohl er noch nicht einmal 30 Jahre alt war.
"Ich werde den Jungen gleich hereinbitten," erklärte Albus, als er Remus' verwirrten Gesichtsausdruck sah. „Aber erst muss ich dir einige Dinge erklären. Du fragst dich bestimmt, warum der Junge hier in Hogwarts versteckt werden muss. Es ist zu seiner eigenen Sicherheit, und ich bin für diese verantwortlich. Wir haben es dir noch nicht erzählt, aber Minerva und ich denken, dass es das Beste wäre, dich ebenfalls mit dem Fideliuszauber geheim zu halten."
Überrascht sah Remus den alten Mann an. Ein riesengroßes Fragezeichen stand ihm förmlich auf der Stirn geschrieben. Damit hatte er nicht gerechnet. Was war das wohl für ein Kind, dass so extreme Sicherheit brauchte? „Warum?" krächzte er.
„Es ist wichtig. Wenn du den Namen des Jungen hörst, wirst du verstehen, warum. Du musst außerdem einen Schwur abliefern, dass du ihn beschützen wirst, egal, was passiert."
Remus nickte.
Albus lächelte. "Ich wusste, dass ich auf dich zählen kann. Und ich bin sehr froh, dass wir jemanden gefunden haben, der auf ihn aufpasst. So, jetzt kann ich dir den jungen Mann ja vorstellen!"
Der Schulleiter schnippte mit den Fingern und eine der Türen ging auf. Ein kleines Kind mit verwuschelten schwarzen Haaren und einer Narbe auf der Stirn kam schüchtern in das Büro gelaufen, eine Hauselfe hinter ihm.
Remus hatte Harry nicht mehr gesehen, seit sich Lily und James damals versteckt hatten, aber es gab keine Zweifel, wer das Kind war.
„A...aber... er wohnt doch bei seiner Tante und seinem Onkel!"
"Da war er in der Tat," sagte Albus. „Aber nur ein paar Tage, bis sie ihn zu einem Waisenhaus gebracht haben. Seitdem lebt er hier bei mir."
„Merlin," flüsterte Remus und streckte seine Hände zu Harry aus, aber dieser rannte zu Albus und versteckte sich schüchtern hinter dem langen Zauberergewand.
Remus Entschluss stand fest. „Wer wird mein Geheimniswahrer sein?"
„Ich bin schon der von Harry," sagte Albus. „Also kommt nur Minerva in Frage."
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"Hi," sagte Remus höflich und beugte sich herunter, sodass Harry ihn besser sehen konnte. „Ich bin Remus."
Harry lächelte und zu Remus' großer Überraschung warf der Junge sich ihm um den Hals. Remus wusste nicht, wann er das letzte mal so umarmt worden war... Sirius, dachte er und verkrampfte sich bei dem Gedanken an seinen alten Freund, der alle so hinterhältig verraten hatte.
"Hi," antwortete Harry.
„Ich bin dein neuer Tutor," erklärte Remus.
„Du unterrichtest Harry," sagte der Junge. „Alby hat gesagt."
Remus nickte zögernd. Er hatte zwar vom Schulleiter gehört, dass Harry nicht gut sprechen konnte, aber dass er so falsch sprach... Naja, man konnte ihn zwar verstehen, nur sprach er eben grammatikalisch falsch.
„Ja, ich bin hier, um dich zu unterrichten."
"Drinnen bleiben?" fragte Harry nach einer kurzen Pause.
„Möchtest du denn drinnen bleiben?" fragte Remus.
Albus hatte ihm erklärt, dass Harry gerne draußen war, aber aufgrund des Zaubers selten die Möglichkeit dazu hatte.
„Harry mag draußen!" rief der schwarzhaarige Junge aus.
"Ich mag es, draußen zu sein," verbesserte Remus geduldig. „Das ist die bessere Art, es zu sagen."
„Ich mag es, draußen zu sein," wiederholte Harry.
Remus lächelte. Er fragte sich, ob sein ‚Job' nicht mehr war, als sich um Harry zu kümmern. Denn das hätte er auch gemacht, ohne Geld zu bekommen, denn er fühlte sich schuldig gegenüber James und Lily. Und was gab es schöneres, als sein Fast-Patenkind zu erziehen und aufwachsen zu sehen?
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"Ich muss sagen, es läuft besser, als wir erwartet hatten," bemerkte Albus, als er Remus und Harry auf der Wiese spielen sah. Da beide unter dem Fideliuszauber standen, konnten sie sich unbesorgt überall auf dem Gelände aufhalten. „Remus und Harry verstehen sich wirklich gut."
„Nun ja, Harry ist ein liebes Kind," sagte Minerva.
„In der Tat."
„Süß auch," fügte sie hinzu.
Albus wandte sich wieder ihr zu. „So, wie machen sich die neuen Erstklässler aus Gryffindor? Severus hat mir schon von den Slytherins berichtet. Ein Mädchen hat schreckliches Heimweh und weint auch im Unterricht."
„Bei mir ist es wie üblich. Am Anfang wollen sie natürlich noch ihre Eltern sehen, aber sie haben sich ganz gut eingelebt. Die Vertrauensschüler haben sich auch rührend um die Kleinen gekümmert."
„Exzellent. Und was ist mit deinen Schulklassen generell?"
"Gut, obwohl die Erstklässler außerordentlich schlecht sind. Es kommt mir vor, als werden die Kinder von Jahr zu Jahr verzogener und untalentierter," seufzte sie resigniert. „Und wenn man Severus' Worten trauen kann, sieht es in Zaubertränke nicht viel besser aus."
"Ja, er war schon hier um sich über die Erstklässler zu beschweren... Vor allem über die Gryffindors."
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Harry mochte Remus. Remus ging oft mit ihm nach draußen und spielte mit ihm! Es war toll, jemanden zu haben, der alles mit einem machte, auf dem man sogar herumklettern konnte! Und Remus erzähle ihm viele Geschichten. Harry konnte sogar schon ein paar Worte selbst lesen. Und Sprechen konnte er natürlich auch schon viel besser.
Und was noch besser war: Remus war den ganzen Tag bei ihm, und abends waren da immer noch Minerva und Albus, die mit ihm spielten! Harry hatte sich noch nie so glücklich gefühlt. Es war wundervoll, jemanden zu haben, der den ganzen Tag um ihn herum war. Natürlich hatte Yenty das früher gemacht, aber mit Remus war es anders.
Aber warum war Remus noch nicht da? Harry schaute umher. Normalerweise kam er doch immer pünktlich! Harry konnte es nicht erwarten, mir Remus fangen zu spielen und anschließend etwas Unterricht zu haben... der Unterricht war meistens recht lustig, sie alberten die ganze Zeit herum.
Die Tür ging auf und Harry war enttäuscht, Minerva zu sehen.
„Wo ist Remy?" fragte er, und dann noch etwas trotziger: „Wo ist Remy!"
„Ich befürchte, dass er heute krank ist," sagte Minerva und schlang ihre Arme um Harry. „Du wirst wirklich zu groß um dich auf dem Arm zu halten, mein Kleiner. Du bist ja schon fast fünf Jahre alt!"
"Einen Monat noch!" rief Harry. „Nur vier Wochen! Dreißig Tage!"
Minerva lächelte und fuhr ihm durch das wirre Haar. „Hast du schon gefrühstückt?"
„Ja, Yenty hat mir Haferbrei gemacht," maulte Harry.
„Haferbrei ist gut für dich."
„Das hat sie auch gesagt!"
"Hmmm… naja, wie würdest du es finden, wenn du den ganzen Tag mit mir verbringen könntest?" fragte sie.
Harry nickte, sah jedoch nicht ganz so glücklich über diese Entscheidung aus.
„Warum ist Remus immer krank?"
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"Wir können es nicht länger vor ihm geheim halten," sagte Minerva einige Abende später energisch. „Du weißt, dass Harry sehr schlau ist und er fragt mich schon dauernd über Remus aus. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis er Remus damit nervt. Zum Glück hat er das noch nicht gemacht, denn ich habe ihm gesagt, dass andere Leute nicht gerne auf ihr übles Aussehen angesprochen werden. Aber du weißt ja, wie Kinder sind."
Albus schaute von seinem Pergament auf und beobachtete sie durch seine Halbmondbrille. „Bist du fertig?"
"Hast du mir überhaupt zugehört?"
„Natürlich! Warum sollte ich nicht?"
"Weil ein Pergament vor deiner Nase ist und du mich nicht angeschaut hast..."
„Du sagtest,Wir können es nicht länger vor ihm geheim halten, und mit ihm meintest du Harry. Du weißt, dass Harry ein schlaues Kind ist und-"
„Okay, okay," sagte sie genervt. „Also hast du zugehört."
„Ich meine das schon mal gesagt zu haben."
Minerva rollte mit den Augen. „Dann sag doch endlich mal etwas dazu!"
„Was würdest du an meiner Stelle tun?" fragte er mit einer hochgezogenen Augenbraue.
„Ich denke, wir sollten es ihm erklären."
„Ich dachte, dass du diejenige bist, die sagt, dass wir ihm nicht alles erklären sollen, weil er zu jung ist."
"Manchmal ist es aber notwendig. Denkst du nicht auch, dass er es jetzt wissen sollte? Sonst wird er Vorurteile gegenüber ihm haben."
„Meine Liebe, glaubst du wirklich, dass er eines Tages so werden könnte?"
„Nein."
„Ich schätze es sehr, dass du Harry ein so wichtiges Geheimnis anvertrauen würdest," sagte er beruhigend, „aber ich denke, dass Remus diese Entscheidung treffen sollte. Immerhin betrifft es ihn."
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"Du warst schon wieder krank," beschwerte sich Harry. Remus Herz zog sich schmerzvoll zusammen, als er den anklagenden, aber auch sorgenden Ton in Harrys Stimme hörte. Minerva hatte mit ihm schon darüber geredet, ob er es dem Jungen sagen sollte.
„Ja," gab Remus zu, und wusste, dass er Harry nicht mehr lange anlügen konnte. „Aber es ist nichts."
„Du siehst schlecht aus," sagte Harry geradeaus und kletterte auf Remus' Schoß. „Und müde. Du solltest schlafen."
„Nein, erst machen wir Unterricht. Da gibt es ein neues Buch, das wir lesen sollten."
"Wirklich?" fragte Harry. Er liebte Bücher. „Geht es über Magie?"
Remus nickte. Er konnte Harrys Faszination für Magie verstehen. Es war auch schwer, Magie nicht zu mögen, wenn man mitten in Hogwarts wohnte. Remus holte mit Hilfe des Accio-Zaubers das Buch aus dem Regal und öffnete es.
"Sollen wir anfangen?"
Harry nickte.
"Also gut," sagte Remus und begann. „In einem weit, weit entfernten Land lebten einst..."
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"Du solltest es ihm erzählen," fing Minerva zum hundertsten mal an. Aber Remus hörte ihr nicht zu. Er versuchte sie zu ignorieren.
„Ich denke er wird es verstehen," sagte Minerva.
Remus schaute sie ernst an. „Aber warum sollte ich es ihm erzählen? Was würde das bringen?"
"Er hat Angst um dich, Remus, und ich denke er sollte wissen, was wirklich los ist."
„Ich bin krank," sagte Remus scharf. „Und das ist alles, was er wissen muss."
Minerva sah ihn zweifelnd an. „Wenn du dich so schämst, es ihm zu sagen, was glaubst du dann, wie sehr du dich schämen wirst, wenn er es in ein paar Jahren erfährt und tief verletzt davon sein wird, dass du ihn all die Jahre lang angelogen hast?"
Remus antwortete nicht. Er stand auf und ging aus dem Raum.
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"Morgen ist mein Geburtstag!" krähte Harry aufgeregt und zupfte an Remus' Ärmel. „Kommst du?"
Remus fiel fast die Tasse aus der Hand. Merlin, wie konnte er das nur vergessen! „Wie bitte?"
„Kommst du?"
Remus lächelte ihn an. „Natürlich, hast du wirklich geglaubt, ich würde mir deinen Geburtstag entgehen lassen?"
Harry nippte an seinem Kürbissaft. „Du musst mir nichts schenken."
„Ich muss nicht?"
Harry schüttelte den Kopf. „Nein. Alby und Minnie haben mir erzählt, dass du mir nicht schenken musst."
„Es ist zu schade, dass ich schon eines gekauft habe."
„Wirklich?" rief Harry aufgeregt aus.
„Mmm-hmm," antwortete Remus nur und dachte sich im Stillen, wie zum Teufel er jetzt auf die Schnelle ein Geschenk herbeischaffen sollte. „Ich denke, ich könnte es immer noch zurückgeben, wenn du es nicht willst."
„Ich will es!"
Remus lachte leise. „In Ordnung, dann gebe ich es dir morgen."
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Das war der beste Geburtstag überhaupt gewesen, dachte Harry, als er Remus umarmte. Er hatte in Buch von ihm bekommen und konnte es kaum erwarten, daraus vorgelesen zu bekommen. Es war so bunt und interessant, und es war über Magische Kreaturen, wie ihm Remus erklärt hatte. Harry wollte unbedingt alles über diese Tiere erfahren... Drachen, Phoenixe, Schlangen und vor allem diese komische Riesenschlange... der Name war... Basilisk.
Es waren auch einige furchteinflößende Kreaturen darin, aber Harry hatte keine Angst, er fand sie eher faszinierend.
„Das Buch ist sooo toll! Vielen Dank!" wisperte Harry.
„Gern geschehen."
TBC
A/N und Ü/N: Vielen Dank für die Reviews! Da ich sie ja nicht hier beantworten darf, werde ich euch ab jetzt Mails zurückschreiben, falls ihr in den Reviews Fragen stellt u.ä.! Wie ihr vielleicht gemerkt habt, ist Harry am Anfang dieses Kapitels vier Jahre alt und am Ende sechs Jahre alt. Es wird noch 4 weitere Kapitel über seine Kindheit geben, bevor er nach Hogwarts kommt (und dann geht die Fanfiction natürlich auch noch weiter).
