So, zuerst möchte ich mich bei dem Gast bedanken, der mir den Tipp zur Fortsetzung gegeben hat. Leider muss ich zugeben, dass dieses Kapitel zu dem Zeitpunkt schon fast fertig war. Ich werde aber deinen Vorschlag im Kopf behalten, ich hoffe, dir gefällt meine Idee in den folgenden Kapiteln auch.
Bitte schreibt mir weiterhin, was ihr denkt. Es freut mich jedes Mal, eure Meinung zu der Story zu hören. Ein besonderes Dankeschön an SharonFan1986.
Un noch eine kleine Bemerkung: Das, was Andy Sharon in diesem Kapitel an den Kopf wirft, ist nur der Anfang. Da kommt noch mehr.
Ich hoffe, ihr mögt dieses Kapitel. Lasst es mich wissen! :)
Chapter Four
„Ich sagte, Sie sollen verschwinden. Raus hier!"
Sharon wurde langsam wütend. Aber sie hatte sich unter Kontrolle. Sie war voll und ganz Captain Raydor und sprach mit ruhiger und leiser Stimme. Trotzdem merkte man, dass die Stimmlage nichts Gutes verhieß.
Andy schluckte und löste sich langsam aus seiner Schockstarre. Er stand auf und sagte währenddessen: „Sharon, ich-"
„CAPTAIN. Für Sie immer noch Captain, LIEUTENANT." Sharon zog die Augenbrauen zusammen und stand etwas aufrechter. Die Betonung seines Rangs ließ Andy wissen, dass er verloren hatte. Zumindest für heute.
Er stellte sich vor Sharon hin und hob die Hände in einer Geste der Entschuldigung.
„Okay, Captain. Wenn Sie wollen, dass ich gehe, werde ich das jetzt tun." Er ließ die Hände wieder sinken. In seinen Augen lag jetzt eine Entschlossenheit, die Sharon nicht ganz deuten konnte.
„Aber ich werde nicht aufgeben, Captain. Denn es ist mir wichtig, dass Sie wissen, wie ernst es mir mit meiner Entschuldigung ist. Ich weiß, dass das jetzt vielleicht unglaubwürdig und geheuchelt klingt. Aber ich hoffe, ich kann Ihnen irgendwann zeigen, dass ich es ernst meine; dass es mir leidtut. Denn das bedeutet mir sehr viel."
„Captain", fügte er noch mit einem leichten Kopfnicken als Zeichen des Respekts hinzu.
Sharon hatte ihn die ganze Zeit über mit einem unveränderten Gesichtsausdruck angeschaut. Sie wusste nicht, was sie davon halten sollte. Es klang so ehrlich. Ein Teil von ihr wollte ihm glauben, weil er es so aufrichtig sagte. Aber der Teil, der Minuten zuvor noch beschlossen hatte, ihn auf der Stelle rauszuwerfen, war dominanter. Er sollte gehen, das würde das Beste sein.
Als könne er ihre Gedanken lesen, ging Andy mit gesenktem Kopf an einer stummen Sharon vorbei. Einige Sekunden später hörte sie die Tür ins Schloss fallen.
„Gut, Lieutenant. Ich denke, Sie wissen was kommt. Beschreiben Sie mir die heutigen Geschehnisse bitte aus ihrer Sicht von dem Moment an, in dem Major Crimes zu dem Vorfall, der Familie Klark betrifft, gerufen wurde."
Sharon nahm ihren Notizblock und einen Stift zur Hand und wartete darauf, dass Flynn begann.
Andy hatte sich wieder etwas beruhigt, aber dennoch schaute er Sharon nicht an, sondern blickte mit zusammengezogenen Augenbrauen auf seine Hände. Er hatte seine verletzte Hand in seine gesunde gelegt und spielte mit dem Verband.
„Es war kurz nach der Mittagspause, so gegen 14 Uhr. Da wurden wir zu einem mehrfachen Mord hinzugezogen. Gestern Abend war ein Notruf eingegangen von einem der Nachbarn der Klarks. Der Mann sagte, er habe Schreie der Frau und der Kinder aus der Wohnung nebenan gehört. Daraufhin wurden zwei Kollegen dort vorbei geschickt, um das zu klären. Die zwei waren komplette Idioten. Da macht eine völlig verängstigte Frau ihnen nach so einem Notruf die Tür auf, und sie belassen es einfach dabei und fahren wieder. Denen sollten Sie auf die Nerven gehen. Nur wegen denen sind die drei jetzt tot!"
Andy wurde mit jedem Wort lauter und die Wut gewann wieder Oberhand. Sharon seufzte. Das würde nicht einfach werden.
„Ich verstehe Ihre Wut, Lieutenant. Aber ich muss hören, was Sie zu Ihrem Verhalten während der Festnahme zu sagen haben."
Andy starrte sie ungläubig an.
„Bitte?" Er schüttelte den Kopf. „BITTE!? Sie verstehen meine Wut!? Interessiert es Sie überhaupt, was dieser Mistkerl mit den Opfern gemacht hat, bevor er sie erdrosselt oder erstickt hat?"
Sharon sah ihm in die Augen. „Lieutenant, ich-"
„Captain, Sie haben die Leichen nicht gesehen. Sie haben das Bild nicht dauernd vor Augen. Die Frau. Er hat sie vergewaltigt und misshandelt und dann hat er ihr ein Kissen aufs Gesicht gedrückt, bis sie aufgehört hat, sich zu wehren. Und das alles wahrscheinlich noch vor den Augen ihrer Kinder, die er genauso misshandelt und schließlich mit dem Telefonkabel erdrosselt hat. Drei und fünf Jahre waren sie alt, Captain. Drei und fünf!"
Er stand auf und beugte sich näher an Sharon heran, der bei der Beschreibung des Tatorts Tränen in die Augen stiegen. Aber das würde sie ihn nicht wissen lassen.
„Also sagen Sie mir nicht, Sie könnten mich verstehen. Nicht Sie!" Er schrie ihr die letzten beiden Wörter so laut ins Gesicht, dass sie leicht zusammenfuhr. Das hatte vermutlich die ganze Division mitbekommen.
Spätestens als er aus der Tür rauschte und sie hinter sich zu knallte, war sie sich sicher, dass alle es mitbekommen hatten. Sharon seufzte leicht und wischte sich die einzige Träne, die es über ihre Wimpern hinausgeschafft hatte, von der Wange.
Sie verstand ihn besser, als er glaubte.
Einige Minuten vergingen, ohne dass Sharon sich rührte. Der ganze Tag zog in Gedanken noch einmal an ihr vorbei. Alles, bis zu dem Moment, in dem Andy ihre Wohnung verlassen hatte.
Plötzlich wirbelte Sharon herum und lief zu ihrer Wohnungstür. Sie griff nach dem Schlüssel, der neben ihrer Handtasche lag, und schloss die Tür zweimal ab. Dann verstaute sie den Schlüssel in ihrer Handtasche.
Sie überlegte kurz, sich wieder an ihren Flügel zu setzen. Aber dann machte sie doch das Licht im Wohnzimmer aus, holte sich ein dringend nötiges Glas Weißwein aus der Küche und ging in ihr Badezimmer. Dort stellte sie ihr Glas neben die Badewanne und ließ Wasser ein. Schnell legte sie ihre Kleidung ab und stieg in das heiße Wasser. Es tat gut. Während sie ihr Glas langsam leerte, ließ sie ihre Gedanken schweifen. Was für ein Tag.
Nach dem Bad zog sie ein Nachthemd an und wollte sich hinlegen. Doch dann fand sie das Nachthemd doch unbequem und wechselte in ein einfaches T-Shirt. Sie kümmerte sich an diesem Abend nicht um die Kleider, die in ihrem Badezimmer und Schlafzimmer verstreut lagen und sie brachte auch das Glas nicht zurück in die Küche.
Sharon legte sich ins Bett und war überrascht, wie schnell sie einschlief.
Sie ahnte noch nicht, dass sie das Thema Andy Flynn schon am darauffolgenden Tag auf eine ganz unerwartete Weise einholen würde.
