A/N: Here you go!


Die Soldaten schienen vollzählig zu sein, als Faramir sie zurückkehren sah. Dennoch, als sie näher kamen, schien etwas nicht in Ordnung zu sein, denn ihre Gesichter waren angespannt. Hatten sie die Südländer nicht verjagen können? Aber wieso kehrten sie dann zurück, verlustlos? Schließlich jedoch löste sich ein Reiter aus dem Verband und ritt vorraus, und bald erkannte er seinen jüngeren Sohn Feredir. Faramir trat hinaus, um ihn zu begrüßen und eine mögliche Nachricht entgegenzunehmen. Er war jedoch beunruhigt, als er sah, wie blass der junge Mann war, als dieser bei ihm anhielt.

Auch Ivoreth hatte die Männer kommen sehen; sie wusste nicht, wie viele genau losgeritten waren, weshalb sie nicht sagen konnte, ob Eldarion alle wieder zurückgebracht hatte; doch sie konnte sagen, dass die Soldaten besorgt waren, das sprach aus ihrer Haltung. Auch sie sah ihren Bruder vorrausreiten und sich bei ihrem Vater, der herrausgekommen war, melden. Faramir schien die Nachricht zu erschrecken, denn er wurde blass und lief rasch zurück; Feredir folgte ihm einige Augenblicke später nach.

Für einige Minuten geschah nichts, dann kamen die beiden Männer zurück, von Ivoreths Mutter begleitet; zugleich mit ihnen erreichten die Reiter das Tor. Einige schienen verletzt zu sein, aber nicht schwer, sie hielten sich noch aufrecht auf ihren Pferden; nur Eldarion war blass wie ein Toter und schien sich nur noch mit Mühe gerade halten zu können. Ivoreth stockte der Atem, denn er wäre bei dem Versuch, vom Pferd zu steigen wohl sechs Fuß tief zu Boden gefallen, hätten ihn nicht Feredir und der rasch herbeigesprungene Elboron aufgefangen. Eldarion schien das Bewusstsein verloren haben, sonst hätte er sich wohl nicht regungslos von den Brüdern forttragen lassen.

Sie lief ihnen entgegen; aus der Nähe betrachtet sah der junge Prinz aus wie ein Toter... war er tot? Er war weiß wie die Blüten des Mírelosse und sie konnte ihn nicht atmen sehen.

Sie schlug die Hand vor den Mund, als ihr ein erschrockener Schrei entwich, von dem sie sich nicht erinnern konnte, ihn losgelassen zu haben. Bestürzt lief sie davon, doch ihre Brüder trugen weiter ihre Last in das Gebäude hinein, die Herzen gleichsam eng vor Angst.

Tatsächlich war Eldarion nicht tot. Doch er war nahe daran. Im Kampf hatte ihm der Anführer der Bande eine Klinge in die Seite gestoßen; und nun hatte sich die Wunde aufs schwerste entzündet, sodass er auf dem Weg zurück ein schlimmes Fieber entwickelt hatte.

Aber er war jung und stark, und so hätten ihn Éowyns Kräuter wieder aus dem Delirium holen müssen... doch sie halfen nicht. Sie bat andere kräuterkundige Frauen um Rat, doch auch sie wussten nicht weiter.

So stand es von Stunde zu Stunde schlechter um den jungen Prinzen; niemand wusste etwas zu tun. Wohl hätte sein Vater ihm helfen können, denn die Hände des Königs waren die eines Heilers; doch bis er geholt war, würde es zu spät sein.

Ivoreth war sehr erleichtert gewesen, als sie gehört hatte, dass Eldarion nicht tot war; doch konnte sie in der folgenden Nacht nicht schlafen vor Angst um sein Leben, denn er wollte sich nicht aus dem Fieber erheben. Am nächsten Abend löste sie ihre Mutter am Krankenbett des Prinzen ab, um zumindest ihr ein wenig Ruhe zu gönnen.

Als sie Eldarion jedoch so sah, weinte sie, denn er wirkte noch totenähnlicher wie an dem Tag seiner Rückkehr und ihr wurde erst so recht bewusst, wie nahe er dem Tode war. So pflegte sie ihn und weinte dabei, bis sie keine Tränen mehr hatte; und sie dachte an den lebendigen Eldarion, wie er schon immer da gewesen war, schon als sie Kinder gewesen waren; wie sie miteinander spielten, in den Gärten ihrer Mutter oder oben in der Stadt. Doch hatte sie keine anderen Spielkameraden gehabt, denn ihre Brüder waren schon erwachsen gewesen, weshalb sie gelernt hatte, sich allein zu beschäftigen, wenn Eldarion nicht da war. Dann waren einige Jahre der Trennung vergangen und als sie sich wiedergetroffen hatten, waren sie beide zu alt geworden und sie das Alleinsein so gewöhnt, dass sie nicht mehr seine Gesellschaft suchte. So hatte sie es als sehr dreist empfunden, als er von Liebe sprach, und hatte ihn daher herzlos von sich gestoßen. Erst als er fort war, hatte sie ihn vermisst und sich daran erinnert, wie gern sei ihn einmal gemocht hatte... sie dachte oft an ihn, und als ihr Zorn verflogen war, stellte sie überrascht fest, dass sie die Idee des Heiratens nicht mehr so abstieß wie sie es einmal getan hatte. So war sie eines Morgens im Frühling mit geröteten Wangen in ihrem Bett gesessen, denn sie hatte sich Dinge ausgemalt, ungewollt, doch wunderschön, die sich um den jungen Königssohn drehten.

Nun wollte sie nicht mehr als eine alte Jungfer enden; und sie wollte die Natur in ihrem Herzen mit Eldarion teilen, denn er liebte sie so wie sie. Es ist noch nicht zu spät für mich, dachte sie, ich bin noch jung und ein edler Prinz begehrt mich. Oder ist es doch zu spät?

Denn es war März geworden, bis sie zu dieser Einsicht gelangt war und sie musste annehmen, dass Eldarion schon längst nicht mehr daran dachte, denn auch er war jung, und die Jugend vergisst schnell... sie hatte annehmen müssen, dass er schon ein anderes Mädchen gefunden hatte, das sich als weniger widerspenstig erwies. Denn, welche Jungfrau, die noch bei Sinnen war, wies den Königssohn zurück?

Aber er hatte sie nicht vergessen, das hatte sie ihn seinen Augen gesehen, als er sie angesehen hatte, bevor er ging, um seine Pflicht zu erfüllen. Es hätte doch alles gut werden können, doch nun starb er unter ihren Händen!

Sie schluchzte, doch sie hatte keine Tränen mehr übrig. Sie flüsterte seine Namen; dann schlief sie vor Elend und Erschöpfung ein.


A/N: Only one more to go! Was meint ihr?