Kapitel 4
Jane kam zurück nach Hause und war überrascht, seine Freundin dort zu sehen. „Hey, was machst du denn hier?", fragte er überrascht.
„Das Gleiche könnte ich dich auch fragen. Schon von der Arbeit zurück?" Sie lag auf der Couch und schaute ihn lächelnd an. Sie erinnerte ihn so sehr an sich selbst, auf der Couch liegend und nichts tuend.
„Musst du nicht arbeiten?", fragte er und legte sich über sie auf die Couch.
„Ich habe heute Nachtschicht, das weißt du doch."
„Aha, deswegen hast du darauf spekuliert, dass ich früher nach Hause komme."
„Genau", lächelte sie ihn belustigt an und küsste ihn langsam, erotisch, intensiver, romantisch. „Ich muss in einer Stunde wieder fahren", sagte sie und strich über seine zugeknöpfte Weste.
„Dann müssten wir uns ja beeilen", erwiderte er und nahm ihre Hand in seine.
„Dich bedrückt etwas", merkte sie an.
Er schüttelte bloß den Kopf.
„Jane, rede mit mir, bitte!", sagte sie eindringlich, schubste ihn von sich runter und setzte sich im Schneidersitz hin. „Jane, rede mit mir!"
„Ich hab mal wieder Streit mit Lisbon."
Sie schaute ihn schräg an, küsste ihn auf die Wange. „Wegen mir?"
Er nickte erneut.
„Aber du bist mir mehr wert, als jeder Streit mit Lisbon sein könnte", erwiderte er und wollte sie wieder auf die Couch zurückdrücken.
Sie schob ihn aber wieder von sich. „Die ganze Wahrheit, Jane. Ich kenne dich einfach zu gut."
Er lächelte erneut, er wusste, dass er sie nicht hätte austricksen können. „Wir haben einen neuen Mordfall…es scheint, als wäre eine Serienkillerin am Werk."
„Eine Killerin?"
„Ja, sie geht nach dem gleichen Muster vor wie Red John."
„Oh", machte sie mitfühlend und streichelte erneut seine Wange. „Woher wisst ihr, dass es eine Frau ist und auch nicht Red John?"
„Gestern waren zwei Tote auf einmal, Red John kann nicht an zwei Orten zur selben Zeit sein. Und die ermordete Frau heute hatte einen Parfümduft an sich, welches nicht im Bad stand."
„Hast du wieder an der Leiche geschnüffelt?"
„Das hat uns aber in dem Fall ziemlich weiter gebracht!"
„Jane, kannst du dich nicht mit Lisbon vertragen?
„Ich zitiere sie: Nur über deine Leiche."
„Ich könnte sie umbringen, das würde es auch einfacher machen."
Er lachte kurz. „Tu das", er küsste sie erneut und sah nicht den Blick in ihren Augen, der Mordlust und Wahnsinn ausdrückte.
Jane zog ihr das Shirt über den Kopf und knöpfte ihre enge Jeans auf. Es dauerte nicht lange, bis sie knutschend auf der Couch lagen und sich die Zunge gegenseitig in den Hals steckten. „Wie habe ich es bloß so lange ohne dich ausgehalten?", fragte Jane stöhnend und fuhr fort, ihren Hals abzuküssen.
„Das frage ich mich auch", keuchte sie und riss ihren Mund weit auf, als er in sie eindrang. Sie lachte und küsste Jane erneut und presste sein Gesicht auf ihres. Er fing an, sich im Rhythmus zu bewegen, auf und ab, und sie erwiderte diesen Rhythmus mit ihrem eigenen, entgegengesetzten. Sie wurden schneller und schneller, bis sich ihre Beinmuskeln verkrampften und sie kaum noch atmete.
Sie legte ihren Kopf auf die Armlehne des Sofas und schaute in Janes lachendes Gesicht. Sie verharrten eine Minute in dieser Position, keiner wollte sich bewegen, bis er langsam sich hinsetzte und aufstand. Sie blieb liegen, ihre Augen geschlossen und ließ den Moment in sich wirken. Als sie sie wieder öffnete, knöpfte Jane bereits seine Weste zu.
„Du musst zur Arbeit", antwortete er auf ihren Blick. Sie seufzte und machte sich auch daran, ihre Sachen zusammenzusuchen.
„Wir sehen uns morgen", flüsterte sie schließlich in sein Ohr und er begleitete sie bis zur Haustür.
„Ich vermisse dich jetzt schon", sagte er und küsste sie schnell, aber intensiv. Er sah ihr nach und schloss die Tür wieder. „Wow", murmelte er und ging in die Küche, um sich Abendessen zu bereiten.
Seine Freundin kam um drei Uhr morgens von der Nachtschicht nach Hause, ihr zuhause, eine kleine Wohnung außerhalb von Sacramento. Sie öffnete die Tür und ging in das Schlafzimmer. Auf dem Nachttischschränkchen stand ein Bild von ihr und Jane in Las Vegas, wo sie sich kennengelernt hatten. Er hatte sich eigentlich geschworen, nie wieder nach Vegas zu reisen, seit seiner Begegnung mit Lorelei dort, aber es hatte ihn doch dort wieder hingezogen.
Und siehe da, findet er direkt die nächste hübsche Bekanntschaft. Sie lächelte, als sie das Foto in die Hand nahm. Sie stellte es wieder hin und drehte sich um. Sie strich ihre Bluse glatt und betrachtete sich im Spiegel.
Sie war schlank, eigentlich sogar magersüchtig, aber muskulös, groß für eine Frau, hatte glatte, etwas gewellte und längere dunkel-, blutrote Haare mit vereinzelten schwarzen Strähnchen. Es ist zu früh um schlafen zu gehen, dachte sie sich und lächelte ihr Spiegelbild an. Sie entschied sich, noch einmal raus zu gehen und zog ihre Lederkluft an, schwarze Hose, schwarze Jacke, Stiefel. Mit dem Motorrad fuhr sie in die Stadt und hatte Glück, dass einige Bars noch geöffnet waren und es dauerte auch nicht lange, da war sie schon mit Begleitung auf dem Weg zu einer fremden Wohnung.
Kaum hatte sie die Haustüre hinter sich geschlossen, fiel die fremde Frau, die sie noch nicht einmal mit Namen kannte, bereits um den Hals und sie begannen sich heftig zu küssen. Eng umschlungen führte sie sie ins Wohnzimmer und begrub sie unter sich auf der Couch. Sie musste vorsichtig sein, selbst mit dem Beruf der forensischen Naturwissenschaftlerin für das CBI Büro konnte sie sich nicht DNS-Spuren oder Fingerabdrücke erlauben.
Sie fuhr mit ihren Händen über die kleinen Brüste der unwissenden Frau und begann, ihr das T-Shirt über den Kopf zu ziehen. Sie öffnete schnell ihren BH und sie streifte ihre Hosen herunter. „Los, zieh dich auch aus", stöhnte sie vor Freude und warf ihre Unterhose weg. Doch die andere lächelte nur und zog plötzlich ein Messer aus ihrer Hosentasche. Sie ließ es aufspringen und schubste ihr erstauntes Gegenüber auf den Boden.
„Was willst du?", fragte sie erstaunt und krabbelte ängstlich rückwärts.
„Nur meinen Spaß!" Sie drückte die Blondine wieder zu Boden und vollzog den ersten Schnitt. Sie schrie vor Schmerz auf und griff sich an den blutenden Arm. „Was soll das?", rief sie verzweifelt, als die Mörderin unbeirrt fortfuhr und einen Schnitt nach dem anderen verübte. Sie lachte und sah, wie das Blut nur so auf sie spritzte und sich auf dem Boden verteilte.
Das Opfer winselte um Gnade, sie mochte es, wenn sie das taten, und es ermutigte sie nur, weiterzumachen und nicht aufzuhören.
„Wer bist du?", rief die junge, blonde Frau unter höllischsten Schmerzen und starrte auf das grinsende Gesicht ihrer Killerin.
„Ich bin Red Jane!", schrie sie und stieß das Messer mit voller Wucht in das weiche, softe Fleisch und bohrte es ganz tief in ihr Herz. Das Blut quoll aus der Wunde und fließ am Körper herunter, es bildete sich eine große, hässliche Blutlache und ihr auf dem Fußboden. Die Mörderin behielt das Grinsen auf ihrem Gesicht als sie sich ansah, wie das letzte Fünkchen Leben aus den Augen ihres Opfers erlosch und ihre Muskel schlapp wurden.
Sie regte sich nicht mehr und dann stand Jane auf, nahm das T-Shirt der jungen Frau und wischte damit ihr Messer sauber, um es wieder in ihre Jeans zu stecken. Diese war bereits unterhalb der Knie mit Blut getränkt, da sie auf der blutenden Frau gehockt hatte und ihre Bluse hatte leichte rote Spritzer abbekommen.
Sie wischte sich die Flüssigkeit aus dem Gesicht und lachte die Leiche auf dem Boden aus. Aus den Wunden lief langsam weniger Blut, ein toter Organismus blutete nicht, das merkte man, wenn man an einem toten Körper Schnitte verübte, zum Beispiel bei post mortem Vergewaltigungen oder Autopsien.
Unbeirrt und ohne jeglichen Ausdruck in ihrem Gesicht zog sie sich einen Plastikeinmalhandschuh an, die sie immer mit sich führte und patschte mit ihrer rechten Hand tief in die Wunde der toten Frau. Dabei schaute sie sich im Zimmer um, um den Smiley optimal im Blickfeld eines hereinkommenden Beobachters zu platzieren.
Sie krümmte ihre Finger um genug Blut in ihrer Handfläche zu sammeln und schritt hinüber zu der gegenüberliegenden Wand. Sie kletschte ihre Hand gegen den Putz und zog einen großen, nicht vollendeten Kreis im Uhrzeigersinn. Dann ging sie wieder zur Leiche zurück und fügte nacheinander zwei linienförmige Augen und einen grinsenden Mund hinzu. Sie schaute sich an, wie die dicke Blutschicht langsam verlief und teilweise von der Wand herunter tropfte.
Sie betrachtete ihr gelungenes Werk, zog ihren Handschuh aus und packte ihn weg. Jetzt konnte sie zufrieden mit sich selbst nach Hause fahren, ihre blutverschmierten Klamotten waschen, sich duschen und um halb sechs morgens endlich schlafen gehen.
