Kapitel 4
Hermines Frage „Und dann sehen wir uns wieder?" ging Severus im Kopf herum.
Aber hier in seinem Schlafzimmer konnte er nicht darauf antworten.
Vor allem wollte er nicht lügen, nicht in diesem Moment. So sah er sie nur an und hoffte, dass sie es verstand.
Und auch dieser Moment war schnell vorbei, denn es klopfte – diesmal lauter.
„Professor, wir müssen los."
„Geh."
Er nickte.
„Und vergiss nicht: die Guten gewinnen und wir sind die Guten. Viel Glück."
Er wollte Hermine in den Arm nehmen, ihr für diesen Optimismus danken. Aber er brachte es einfach nicht fertig.
Also verlies es seine Räume schweigend, ohne zurück zuschauen. Ohne zu wissen, ob er sie wieder sah.
Hermine atmete tief durch.
Sie hatte einen Kampf zu bestehen.
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Die Schlacht begann um die Mittagszeit mit einem Angriff auf das Ministerium und Hogwarts. Dank der Spionagedienste von Snape und anderen war man gut darauf vorbereitet.
Die erste Welle wurde erfolgreich zurückgeschlagen. Nach zwei langen Tagen mit lautem Kampfgetöse lag eine nun eine grausame Stille über der Schule. Man konnte keinen Kontakt mehr zum Ministerium herstellen, aber Dumbledore hoffte, dass dort alles in Ordnung war.
Sein Plan war es Harry als Köder zu benutzen. Voldemorts Truppen sollten vor allem gegen diesen Feind kämpfen. Außerdem hoffte er auf die Bewohner des Landes. Aber viele waren starr vor Angst und warteten einfach nur ab. So kam es, dass Voldemort seine Kräfte nicht aufteilen musste. Er zog seine Truppen beim Ministerium ab und begann die Belagerung der Schule.
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Albus Dumbledore schaute aus dem großen Fenster.
Seit zwei Monaten bestand ein Status quo zwischen dem Ministerium und Lord Voldemort.
Vertreter wurden hin-und hergeschickt. Jede Seite hoffte Zeit zu gewinnen.
Dumbledore verfluchte das Ministerium und dessen Diplomatie. Man konnte doch nicht ernsthaft denken, dass Voldemort Kompromisse machen würde. Und nun wollte das Ministerium sogar eine Art Friedensverhandlung stattfinden lassen, hier auf Hogwarts. Damit würde der Feind direkten Zugang bekommen und alle in Gefahr sein. Besonders die Kämpfer im Untergrund, Dumbledores Armee und seine Spione. Bisher waren die Namen nur den wenigsten bekannt, und wenn es nach ihm ging, musste es auch dabei bleiben. Am gefährlichsten würde es wahrscheinlich für Severus werden. Dieser war im inneren Kreis Voldemorts und eine Rückkehr nach Hogwarts wäre eine tödliche Gefahr für den Lehrer. Dumbledore kannte einige, die ihn als Überläufer verachten und ohne zu zögern umbringen würden.
Er wusste jemanden ins Vertrauen ziehen und dachte dabei an Hermine. Sie war vernünftig, durchdachte alles und würde Snape mit ihrem Leben schützen.
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Voldemorts Stimme wurde immer lauter.
„Severus, du wirst meinem Befehl folgen. Es gibt keinen Grund mehr sich zu verstecken. Du bist mein offizieller Vertreter und wirst als solcher in Hogwarts auftreten. Hast du verstanden?"
Snape verneigte sich.
Der Lord hatte seinen Standpunkt erläutert und er hatte keine Wahl mehr.
Severus Snape, Professor und Spion. Was für eine Unordnung.
Er musste unbedingt Dumbledore informieren, aber bisher war ihm keine Kontaktaufnahme mehr gelungen. Er hoffte, dass die Informationen die Voldemort unter seine Anhänger streute falsch waren. Danach stand man nämlich kurz vor dem großen Sieg.
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Seit einer Stunde sprach Dumbledore mit Hermine über Snapes Vergangenheit und seine Spionagearbeit. Dann kam er zum entscheidenden Punkt.
„Miss Granger. Sie werden als einziges Mitglied des Ordens über alles was Severus betrifft informiert sein. Vertrauen Sie niemanden. Auch Harry und Ron nicht. Ich weiß was Sie sagen wollen. Aber ich brauche jemanden mit kühlem Kopf. Ich brauche Sie."
Hermine nickte. Sie würde natürlich alles tun, was nötig war.
Dumbledore wusste, dass sie etwas Zeit brauchen würde.
„Gehen Sie und denken Sie über alles nach."
Aber wohin sollte sie gehen?
Die Schule war wie ein Wespennest. Man fand kaum einen ruhigen Platz, da fiel ihr ein, dass sicher niemand so vermessen war sich in Professor Snapes Räumen aufzuhalten.
Auf dem Weg nach unten sah sich Hermine regelmäßig um. Niemand sollte sie sehen. Nach einigen Versuchen, öffnete sich die Tür.
Im Inneren war alles so, wie sie es damals verlassen hatte.
Sie entfachte ein Feuer und setzte sich in den Sessel.
Eigentlich hatte sie ihre Entscheidung schon getroffen, aber es war schön hier zu sitzen.
Plötzlich flackerte es im Feuer und ein Gesicht erschien.
„Hermine? Bist Du das?"
Severus war überrascht, dass jemand in seinen Gemächern war.
„Ja."
Mehr konnte sie nicht sagen. Was für ein Zufall.
„Bitte geh zur Seite."
Hermine entfernte sich vom Kamin und sah, wie Severus durch das Feuer kam. Kaum angekommen, nahm er sie schon in den Arm.
Severus verstand nicht, was Hermine sagte, aber das spielte auch keine Rolle.
Er genoss ihre Nähe und die Gefühle, die sie in ihm auslöste.
Er schob sie von sich, aber nur um sie zu küssen.
Ihm fiel ein, dass er ja eigentlich mit Dumbledore sprechen musste, aber Hermine schien etwas dagegen zu haben.
„Später. Nur ein paar Minuten. Bitte Severus, ich habe dich so lange nicht gesehen."
Ein paar Minuten – damit konnte er leben. Er setzte sich auf den Sessel und zog Hermine zu sich auf den Schoß. Er wollte nicht reden, nur fühlen.
Seine Hand wanderte unter ihr T-Shirt. Ihre Haut war so weich, so zart. Und ihre Brüste – klein und perfekt. Er musste sie haben. Sofort.
Hermine spürte, dass sich Severus Berührungen veränderten. Er hatte alle Zurückhaltung aufgeben.
„Komm."
Momente später lagen sie beide nackt im Bett.
Ihre Vereinigung war leidenschaftlicher als beim letzten Mal. Sie wussten, dass sie nicht viel Zeit haben würden und die Anspannung der letzten Wochen zu groß. Trotzdem war Severus bemüht Hermine genauso viel zu geben, wie er nahm.
Sie spürte, wie sie zusammen dem Höhepunkt näher kamen.
Am liebsten hätte sie den Moment hinausgezögert, aber als er sie ansah, war es um sie geschehen.
Severus hörte den Aufschrei und dann kam auch er. Noch nie hatte er so etwas intensives, Wunderbares erlebt, dachte er noch.
Dann lies er sich auf Hermine fallen.
Nach einer Weile bewegte sich Severus.
„Ich muss zu Dumbledore."
„Soll ich auf Dich warten?", fragte Hermine.
„Besser nicht. Wir sehen uns bald wieder."
Er sollte sich eigentlich freuen, aber die Umstände waren alles andere als angenehm.
„Sei vorsichtig."
Diesmal konnte Severus nicht einfach so gehen.
Er beugte sich über Hermine.
„Danke. Für alles."
Sie wusste, was er damit meinte. Und das war genug.
Zehn Minuten später verlies sie die Gemächer und machte sich auf den Weg in ihren Schlafraum, vielleicht lies man sie dort in Ruhe.
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Ruhe fanden die ihre beiden Lehrer allerdings nicht.
Snape konnte sich ganz und gar nicht mit dem Plan anfreunden, den Dumbledore ausgeheckt hatte.
„Ich möchte nicht, dass Miss Granger so in Gefahr gebracht wird."
„Dazu ist es zu spät. Außerdem habe ich längst mit ihr gesprochen und sie ist einverstanden."
„Aber ich bin ganz und gar dagegen."
Albus legte seine Hand Severus Schulter.
„Ich verstehe. Aber jeder von uns muss Opfer bringen."
„Ich weiß, ich weiß. Aber sie ist noch so jung. Sie sollte ihr Leben genießen."
Albus schüttelte den Kopf.
Diese Jugend.
„Sie sieht es nicht als Opfer, Severus. Sie tut es für dich."
„Ich will das nicht."
Zu spät, dachte Albus. Zu spät.
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