einsames Vergissmeinnicht.

Fleur fühlt die Fieberträume kommen, aber nicht mehr gehen. Sie wälzt sich in ihrem Bett hin und her, tastet mit nassen Händen nach Abkühlung, aber findet nur die Schwärze ihres Zimmers. Als sie ihre Augen aufreißt, ist alles hell – jedenfalls in ihrem Kopf. Sie tastet sich Schritt nach Schritt vor, durchquert ihr Zimmer, in dem überall helle Punkte grell leuchten, in dem Schatten zu Menschen, Erinnerungen und Ängsten werden.

Dort, da, beim Fenster ist Gabrielle mit ihren engelsgleichen Goldlocken, die sie mit traurigen Augen ansieht. „Schwester, du verlierst", flüstert sie, mit engelsgleicher Glockenstimme. „Du hast mich verloren." Und da, neben der Tür, sitzt ein zusammengekrümmter Bill, der sie mit seinen warmen Augen ansieht. „Wir wussten immer, dass es nicht klappen wird", murmelt er.

„Es hätte klappen sollen!", erwidert Fleur verzweifelt und bemüht sich, auf den Beinen zu bleiben.

Bill hebt seinen Blick wieder und schaut sie feuriger an. „Warum willst du das noch immer?", fragt er und seine Geisterstimme gewinnt an Kraft. „Niemand zwingt uns mehr. Wir müssen nicht lügen. Unsere Liebe hat sich gewandelt, das weißt du! Wir fühlen nun anders!"

„Meine Gefühle haben sich aber nicht geändert!", schreit Fleur die alten Geister an. Ihre Beine geben nach.

„Du belügst dich selbst", flüstern sie zurück.

Es ist der Gärtner, der sie auf dem kalten Boden liegend findet. Er hebt sie hoch, als sei sie so leicht, wie eine dieser blauen Blumen, und trägt sie zu den Gemächern der Dunklen.

Die Wärme von seinem Körper ist beruhigend und Fleur flüstert im Fieberwahn gefangen: „Bleib..." Eins reagiert nicht auf ihre Worte. Er klopft an der großen schwarzen Eichentür und als sie sich öffnet, bildet das Licht des Kaminfeuers bunte Wirbel vor Fleurs Augen. Eins legt sie auf dem Teppich ab und verlässt weiter schweigend das Zimmer.

Fleur hebt ihren Blick und sieht die Dunkle, in der Hand ein Glas mit blauer Flüssigkeit. Blau, blau, blau, denkt sie, alles ist so blau. Fleur rappelt sich auf und spürt, wir ihr Magen sich wehrt und ohne, dass sie es verhindern kann, übergibt sie sich vor ihrer Herrin.

Bellatrix reagiert nicht. Fleur steigt die Angst den Hals hoch und verzweifelt versucht sie mit ihrem Rock ihren Unfall aufzuwischen, aber als Bellatrix ihre Hand hebt und ihr so zu verstehen gibt, es zu lassen, setzt sie sich wieder zurück und versucht zu Atem zu kommen.

„Blümchen, deine Haut war nie weißer", sagt Bellatrix und ein leichtes Lächeln zeigt sich in ihrem Gesicht. „Komm, setzt dich zu mir."

Fleur hinterfragt keinen Befehl mir. Sie rappelt sich mehr schlecht als recht auf und wankt zu ihrer Herrin. Wieder sticht ihr das Glas mit der tiefblauen Flüssigkeit in die Augen. „Was trinkst du?", flüstert Fleur mit dürstigen Augen.

„Das wüsstest du gern." Bellatrix versucht in ihrem typischen Verhalten ihre Zähne zu blecken, lässt aber ansonsten alle Gehässigkeit. „Wasser, Blume, ich trinke Wasser. Es lässt mich vergessen. Möchtest du das, Blume? Vergessen?"

Und ohne, dass Fleur weiß, was sie tut, nickt sie und greift nach dem Glas. Bellatrix lässt sie gewähren und verzweifelt stürzt Fleur die Flüssigkeit herunter. Wie Eis rinnt es ihre wunde Kehle hinab und zuerst will ihr Magen wieder rebellieren, aber dann beruhigt er sich.

Und dann beruhigt sich alles in ihr und Fleur kann endlich ihre Augen schließen und vergessen. All das tiefe Blau vergessen.