Kapitel 4 – Quidditch und andere freudige Ereignisse

Montag, 12.10.1998 / James

Heute stelle ich mich dem vollen Zaubererrat vor, um auf der Basis meines Geburtsrechtes als ein Potter mein Anrecht auf einen Sitz im Gremium zu verlangen. Das sollte kein Problem sein, denn ausser mir ist zurzeit niemand in meiner Familie mehr da, der dies tun könnte. Meine Eltern sind eines natürlichen Todes gestorben und werden daher in keinem Zauberstab stecken, allerdings ist es möglich, dass meine Grosseltern zum Leben zurückkehren könnten. Ich weiss nicht, wer sie umgebracht hat, aber es könnte noch Voldemort persönlich gewesen sein. Daher erwarte ich eine glatte Aufnahme. Trotzdem bin ich etwas nervös, als ich bei Gringott's in das alte Familienverlies steige, um die Pflaumenfarbene Robe aus dem alten Schrank zu holen. Darauf prangt das Familienwappen, und die Robe wurde seit Godric Gryffindors Zeiten in der Familie von einem Vertreter zum nächsten weitergegeben. Manchmal haben Frauen diese Robe getragen, manchmal waren es Männer. Das Wappen zeigt deshalb keinen Löwen, wie im Haus Gryffindor in Hogwarts, sondern einen Griffin. Ich habe nie ein grosses Trara drum gemacht, dass ich zu den Wenigen gehöre, die ihre Familie direkt auf einen der Gründer von Hogwarts zurückverfolgen können. Es gibt immer noch etliche, die das können, denn vor allem Gryffindor und Ravenclaw hatten sehr umfangreiche Familien. Beide Familien waren ausserdem weit verzweigt und haben sich in der Folge kräftig vermehrt. Daher gibt es nicht mehr sehr viele, aber doch noch einige, die ihre Wurzeln so weit zurückverfolgen können.

Die Robe ist in einwandfreiem Zustand. Um sie in solch gutem Zustand zu bewahren, sind Zauber über Zauber darüber gesprochen worden, auch einen, welche die Grösse automatisch auf den Träger oder die Trägerin anpasst. Wegen des Alters der Robe wird sie hier im Verlies in einem speziellen Schrank im Dunkeln aufbewahrt. Nicht nur der Stoff ist einwandfrei, auch die Farbe hat sich dank spezieller Zaubersprüche erhalten. Ich ziehe sie ein erstes Mal in meinem Verlies an, und kann den Anpassungszauber sofort spüren, denn die grosse Robe sitzt innert Sekunden perfekt. Ich nehme mir eine Weile Zeit, mich in dem alten Verlies, das ich zuletzt mit meinem Vater betreten habe, als ich noch in Hogwarts war, umzuschauen. Seit dieser Zeit war wohl auch niemand anderes hier drin. Ich seufze. Vieles, was hier drin zu vorderst liegt, habe ich nach dem Tod meiner Mutter selber hier drin abgestellt. Es sind Dinge aus ihrem Haushalt, von denen ich mich noch nicht gleich trennen wollte. Beide Eltern starben zwischen meiner Hochzeit und meinem eigenen Tod. Sie waren beide schon etwas bejahrt, aber durchaus noch nicht alt. Als sie beide gestorben waren, habe ich deshalb meine Erinnerungen an sie in diesem Verlies begraben. Damals habe ich mich hier drin kaum umgeschaut, ich habe hineingestellt, was ich versorgen wollte und dann das Verlies sofort verlassen.

Beim Durchsuchen einer Truhe stosse ich auf einige Pergamente, die offenbar Besitzurkunden über ein Haus in Wales sind, so viel ich lesen kann. Ich entscheide mich, sie herauszunehmen und Sirius' Anwälten zur Begutachtung und Nachforschung zu geben. Vielleicht finden sie ja heraus, wo das Ding ist. Als es Zeit wird, sich zur Versammlung zu begeben, ziehe ich die Robe wieder aus und nehme sie sorgfältig mit. Ich gehe zum Geldteil des Verlieses und greife mir einiges an Münzen, welche ich oben zum Teil noch in Muggelgeld wechseln lasse.

Zehn Minuten später erreiche ich das Ministerium, wo ich beim Zaubererrat meine Aufwartung mache. Ich habe kein Mitglied angesprochen, obwohl ich eine Menge davon kenne, und bin arrogant genug, sofortige Aufnahme zu erwarten. Ich sehe Dumbledore mit einigen anderen Mitgliedern durch den Korridor kommen, alle in ihren Pflaumenfarbenen Roben. Er entdeckt mich und begrüsst mich:

„Siehe da, James! Wie schön, dich zu sehen. Hast du einen Antrag an den Zaubererrat?"

„Das habe ich tatsächlich. Ich wünsche, als Mitglied aufgenommen zu werden."

„Das ist aber eine positive Überraschung. Ich bin sicher, dass es dabei keine Probleme geben wird."

Er schaut sich fragend unter den Umstehenden um. Ich kenne nicht einen von ihnen und sie scheinen null Ahnung zu haben, wer ich bin.

„Wer ist das?" fragt einer von ihnen.

„James Potter, Thaddäus. Er ist der letzte Potter vor seinem Sohn Harry. Und seine Familie hat ein Geburtsrecht auf einen Sitz. Merlin weiss, dass es zu viele gibt, die keinen Vertreter mehr in den Zaubererrat senden können. Ich gehe davon aus, dass du Sirius ebenfalls schon aufgefordert hast, seinen Sitz zu verlangen?"

„Noch nicht, aber ich habe die Absicht, es zu tun. Gibt es jemanden, der die Blacks zurzeit vertritt?"

„Ja, da ist jemand. Würde dieser Sirius – ist das übrigens der, welcher aus Azkaban entflohen ist? – Hätte der denn mehr Anspruch?"

„Oh ja, denn er ist der Erbe der Familie und deren Vorstand. Sie denken an Hesperus Quint, nicht wahr? Wenn Sirius sein Geburtsrecht einverlangt, wird er seinen Sitz räumen und sich ordentlich bewerben müssen," antwortet Dumbledore, sich der Fragerin zuwendend.

Ich halte mich still, aber ich merke mir die Fakten. Später werde ich Albus fragen, was für eine Politik dieser Hesperus Quint vertritt, und sollte er in die Reinblüterfraktion gehören, werde ich Sirius sofort bitten, seinen Sitz zu verlangen. Ich werde sowieso raschmöglichst herauszufinden versuchen, wer hier welche Seite vertritt und welche Ideologie die haben. Madam Flint wendet sich mir zu:

„Haben Sie nicht eine Muggel-geborene geheiratet?"

„Und ob ich das habe. Die Potters haben traditionell Muggel und Muggel-geborene in die Familie aufgenommen und sind damit sehr gut gefahren. Bei uns gibt's keine Erbkrankheiten und Squibs. Trotzdem sind wir eine sehr alte Familie und gehen direkt auf Godric Gryffindor zurück."

Sie verzieht das Gesicht und verzieht sich sofort mit einigen Leuten. Andere folgen ihnen grinsend. Albus kann sich ein Lachen auch nicht ganz verhalten. Dann sagt er:

„Ich freue mich, dich hier zu sehen, James. Wir benötigen dringend frisches Blut und junge Leute. Dies hier ist wirklich nur noch ein einziger Haufen von nahezu senilen Greisen, aber es sind doch die jungen Menschen, die's jetzt braucht, um unsere Welt nach dem Krieg wieder aufzubauen. Es ist gut, dich Verantwortung übernehmen zu sehen."

„Gibt es jemanden, der oder die die Longbottoms vertritt? Und die Malfoys?"

„Ja und nein. Augusta Longbottom, Nevilles Grossmutter, vertritt die Familie. Und das tut sie ziemlich resolut und fest auf unserer Seite. Trotzdem ist sie auch Neuem aufgeschlossen. Denkst du daran, Neville und Draco ihre Plätze einnehmen zu lassen?"

„Ja, grade bei Draco finde ich es ganz wichtig. Und Sirius. Er muss einfach kommen, wenn jemand aus seiner entfernteren Familie da drin hockt, der sein Vertrauen nicht voll und ganz besitzt. Und ausser Onkel Alphard und Andromeda kann ich mir eigentlich keinen vorstellen, der das tut."

„Sehr gut. Du wirst viele sehr fähige Leute im Zaubererrat finden, aber leider sind auch viele dabei, die immer noch für die alten Vollblutfamilien stimmen, weil sie nichts anderes gewohnt sind, weil sie keine eigene Meinung haben, oder weil sie immer noch Angst haben. Es ist sehr schwer, diese Leute von neuen Wegen zu überzeugen. Die Brocklehursts kommen mir da sofort in den Sinn."

„Wenn ich auch nur etwas Kleines bewirken will, werde ich wohl erstmal rausfinden müssen, wer mit wem paktiert und bei welchen Themen."

„Hör zu und lerne ist mein Ratschlag. Hast du deine Robe?"

Das Zwinkern in seinen Augen sagt mir, dass er unser Familienerbstück sehr wohl kennt.

„Ja. Obwohl ich sicher nicht der einzige bin, der dieses Wappen zur Schau trägt."

„Nein. Es gibt eine ganze Reihe, welche das Recht haben, den Griffin in ihrem Wappen zu führen. Du wirst dich gut ausnehmen, James. Doch jetzt muss ich eintreten. Komm nur ruhig gleich mit."

Wie ich erwartet habe, dauert es nicht lange. Es gibt einige, welche mich abschätzig ansehen, und ein paar mehr, welche glauben, etwas gegen meine Anwesenheit unternehmen zu können, doch die Tatsache, dass ich der letzte (vorletzte, aber der letzte ist mein Sohn) Potter bin, garantiert mir deren Sitz, und ich nehme ihn. Ich schaue mich um. Es sind etwa sechzig Räte anwesend, das kann nicht die volle Anzahl sein. Als die Sitzung, welche Dumbledore als Vorsitzender führt, zu Ende ist, erhalte ich ein Register, in den ich mich mit Name, Familie, Geburtsdatum und Adresse eintrage. Ich frage, ob es eine Mitgliederliste gibt und erhalte ohne Umstände eine Rolle Pergament, auf der alle anderen Mitglieder mit denselben Angaben eingetragen sind. Ich nehme die Liste mit, um sie in den nächsten Tagen zu studieren. Wir werden sie aufmerksam durchchecken.

Ich kehre nach Hause zurück und mache mich mit Lily an die Arbeit, in der Bibliothek nach Informationen über die magischen Familien zu stöbern, um mich ein bisschen über deren Einstellung und Richtung zu orientieren. Um mehr Informationen zu erhalten und die Hintergründe zu erkennen, spreche ich ein paar Auroren an, die ich von früher her noch kenne, und bitte sie, mir weitere Informationen zukommen zu lassen. So hoffen wir, in einiger Zeit ein verlässliches Bild über die Meinungsbildung im Zaubererrat zu erlangen. Es ist ein wenig Ränkespiel, klar, aber ich will was bewegen und das nicht erst in fünfzig Jahren.

Dienstag, 13.10.1998 / Hermione

Wir brauchen uns heute Morgen nicht zu beeilen, denn unsere erste Vorlesung ist erst um zehn Uhr. Wir haben gestern beide wieder bis in die Nacht hinein studiert und schlafen heute so lange, wie wir's brauchen, aber wir rechnen wie immer noch ein bisschen Zeit für die Liebe ein. Dann unter die Dusche, anziehen, Mappen schnappen und runter zum Frühstück. Um viertel nach neun sind wir beim Frühstück, womit wir genügend Musse haben, es nicht hinunterschlingen zu müssen. Wir lieben die Dienstage, denn an diesem Tag haben wir nur eine einzige Vorlesung, die erst um zehn Uhr morgens beginnt. Lily sitzt mit Lizzie und Andy am Tisch im Esszimmer und studiert den Tagespropheten. James ist bereits weg, auf Nachforschung für irgendwas für den Zaubererrat. Dobby hat unser Frühstück bereit. Nach einer guten Mahlzeit verabschieden wir uns von Lily und den Kindern und verlassen das Haus eine Viertelstunde vor Beginn der Vorlesung. Wir apparieren direkt in die Akademie. Nach sechs Wochen kennen wir das Gebäude jetzt gut und wissen genau, in welchen Hörsaal wir gehen müssen.

Harry ist ein bisschen faul und notiert sich die gesamte Vorlesung mit einer selbstfüllenden Diktafeder. Natürlich kann man keine vollständigeren Notizen bekommen. Ich habe ihm genau eine Vorlesung lang vorgehalten, wie faul er ist, aber wir haben beide schon eine Menge profitiert und es machen's praktisch alle unsere Kommilitonen genau gleich. Also machen wir nur eine Kopie, zuhause können wir sie zum Nachlesen und Lernen dann kopieren. Ich muss auch sagen, dass Harry von Anfang an alle diese Protokolle sauber abgeheftet hat, so dass wir sie ohne Schwierigkeiten immer nach Datum und Titel sortiert wieder finden.

Nach der zweistündigen Vorlesung verschwinden wir rasch um ein paar Ecken vom Tropfenden Kessel entfernt in ein Thairestaurant zum Essen. Manchmal bin ich echt erleichtert, dass Geld zwischen uns beiden überhaupt kein Thema ist. Er hat nie viel von dem verbraucht, was er in seinem Verlies gehabt hat und inzwischen wissen wir, dass da auch noch das Familienverlies der Potters ist, in dem mindestens das Zwanzigfache an Geld liegt als in Harrys. Natürlich gehört das jetzt wieder James, aber der wird nicht zögern, Harry zu geben, was der braucht, sollte er etwas brauchen. Mir geht's sowieso finanziell ausgezeichnet, denn noch immer verkaufen sich die Commumirrors gut. Wenn mal jeder einen hat, werde ich natürlich vor allem Gebühren einstreichen und einen grossen Teil davon im Dezember, weil die meisten ihren auf dieses Datum eingelöst haben. Aber da wird mehr als genug herausschauen, um selbst eine grosse Familie ein Jahr lang zu ernähren. Also verwöhnen wir uns beide gegenseitig mit erstklassigem Essen und laden fast immer auch Kommilitonen ein, denen es nicht so gut geht wie uns.

Wir verbringen einen Teil des Nachmittags in der Bibliothek der Akademie, um alte Texte durchzuforsten. Auch hier machen wir beide ausgiebig Notizen und auch hier diktieren wir die einer verzauberten Schreibfeder. Das ist in dieser Bibliothek gängige Praxis. Jeder Studierende kann das tun, denn um jeden Tisch sind Silenziumzauber gelegt, um die anderen nicht zu stören. Diese Regel erlaubt es uns aber auch, in der Bibliothek miteinander ungeniert zu sprechen. Die Notizen zu diktieren hilft immer schon dabei, den gelesenen Stoff auswendig zu lernen.

Harry schaut andauernd auf die Uhr. Kurz vor vier werden wir nämlich ins Stadion der Appleby Arrows apparieren, um ein Spiel der Holyhead Harpies gegen die Arrows zu sehen. Wir werden Sirius treffen, der am Dienstagnachmittag nur zwei Lektionen hat und deshalb zum Spiel kommen kann, sowie James, der sich ähnlich drauf freut wie Harry. Harry ist ganz aufgeregt, denn es ist das erste Mal in seinem Leben, dass er überhaupt dazu kommt, ein Quidditch-Spiel der englischen Meisterschaft zu sehen. Wir haben ja nur einmal Gelegenheit gehabt, ein offizielles Spiel zu sehen, damals beim Weltmeisterschaftsfinale. Und es ist auch das erste Mal, dass Harry, James und Sirius so etwas gemeinsam unternehmen können. Weil es kalt ist, geniessen wir die verschiedenen Runden warmes Butterbier.

„Eine deiner früheren Teamkameradinnen spielt doch bei den Harpies, nicht wahr?" fragt Sirius Harry.

„Ja. Angelina Johnson. Sie ist eine Jägerin, spielt jetzt Linksaussen. Und eine verdammt gute Jägerin, das kann ich dir sagen! Alicia Spinnet ist auch bei den Harpies, aber vorläufig nur Reservespielerin. Sie ist auch Jägerin. Aber die Arrows sind wohl auch nicht übel..."

Während James, Harry und Sirius sich über den gegenwärtigen Stand der Quidditch-Liga unterhalten, wird mir langsam kalt. Ich ziehe meinen Umhang eng an mich, doch dann spreche ich einen Wärmezauber. Ich gebe auch Harry einen, denn der vergisst das bestimmt und dann landet er womöglich mit einer Erkältung im Bett. Er bemerkt das natürlich, dreht sich zu mir und küsst mich.

„Danke, meine Liebste. Wenn wir dich zu sehr vernachlässigen, erinnerst du uns lautstark dran, okay?"

Ich lächle.

„Werde ich schon machen. Hab du jetzt erst mal deinen Spass, Harry, ich weiss, dass du lange darauf warten musstest, mal gemeinsam mit Sirius und James so was zu unternehmen."

„Stimmt schon. Ist aber kein Grund, dich links liegen zu lassen. Danke, dass du mitgekommen bist, Hermione", sagt er.

„Na ja, ich sehe auch gerne mal ein Spiel. Ausserdem spielt ja Angelina!"

„Du wirst sie mir zeigen müssen, Harry!" sagt Sirius, „Linksaussen, sagst du? Ich glaube, ich bin immer schon für die Harpies gewesen, seit ich wusste, dass es Quidditch gibt. Ist schon so was wie Gewohnheit."

Es ist grossartig, hier im Stadion mit mindestens ein paar Tausend anderen Fans zu sitzen und das Spiel zu verfolgen. Ich habe mein Omniokular mitgenommen und schaue mich um. Wir haben ziemlich gute Plätze, in der Mitte und weit oben. Auf den beiden Schmalseiten sind je zwei grosse Tafeln zu sehen, auf denen zurzeit Annoncen und Ankündigungen, sowie Informationen zu sehen sind. Das Stadion sieht fast genauso aus wie das, welches für die Weltmeisterschaft gebaut wurde, nur dass dieses hier natürlich permanent ist und ausserdem ist es nur ein Zehntel so gross. Jetzt laufen einige Schlagzeilen über die Anzeigetafeln, Quidditch Resultate und sogar Neuigkeiten über die Teams. Die Nachrichten werden durch Reklamen unterbrochen. Es gibt einen Kommentator, der den Anfang des Spiels in fünfzehn Minuten ankündigt.

Fünf Minuten vor Spielbeginn kommt der Schiedsrichter mit seinem Team aufs Feld geflogen. Sie bringen auch die Kiste mit den Bällen an. Der Kommentator stellt die Teams vor und beginnt mit den Gästen:

„Meine Damen und Herren, bitte heissen Sie die Holyhead Harpies willkommen. Sie sind auf dem Weg zu einer ausserordentlich guten Saison, das erste Team ist fit und tritt heute auch an: Captain und Hüterin ist Madeline Coltrane! Die Jägerinnen sind Angelina Johnson links aussen, Christine McAllister in der Mitte und Dana O'Leary auf der Position rechts aussen. Die Treiberinnen sind Hannah O'Leary und Maureen Appleton. Und die Sucherin ist natürlich Aggie Morgan!"

So, wie sie vom Kommentator angekündigt werden, fliegen die Harpies auch ins Stadion ein. Wir applaudieren natürlich am lautesten, als Angelina hereinkommt. Dann wird das Heimteam angekündigt. Die Fans in der Menge rufen jeden Namen zusammen mit dem Stadionsprecher:

„Und jetzt unsere eigenen Appleby Arrows! Hier kommt Captain und Jäger Jeff Maloney auf der Position rechts aussen, Hüter Ryan O'Hara, die Jäger Megan Carrington, links aussen und Kevin Lester in der Mitte, die Treiber Sean King und Sean Quinn, uuuuund Sucherin Kelly Cooper! Lasst uns was für unsere Arrows hören!"

Im ganzen Stadion wird es sehr laut. Die meisten Fans hier sind natürlich für die Arrows, aber die Harpies machen mir nicht den Eindruck, als ob sie das einschüchtern würde, nicht im Geringsten. Alle Spieler sind bereit, Coltrane und Maloney schütteln sich die Hände und als die beiden Hüter vor ihren Torringen in Position sind, prüft der Schiedsrichter nur kurz, ob auch die Jäger und Treiber an ihrer Ausgangsposition schweben. Dann ein schriller Pfiff, unten werden die Bälle vom Schiedsrichterassistenten losgelassen. Der Snitch verschwindet auf der Stelle. Lester hat sich den Quaffel zuerst geschnappt und startet durch in Richtung des Tors der Harpies, doch deren Treiber haben auch bereits die ersten Klatscher in seine Richtung gesandt. Dana O'Leary schnappt sich den Quaffel und passt ihn zu Angelina.

Es ist unwahrscheinlich, die fliegen zu sehen. Ich finde, dass die hier nicht weniger kompetent aussehen als die irische und die bulgarische Nationalmannschaft bei der vorletzten Weltmeisterschaft. Genau gesehen sind ja drei Spieler auf dem Feld heute Iren. Es ist interessant, James, Sirius und Harry zuzuhören, während sie über ihren Sport fachsimpeln. Zwei Jäger, einer davon gelegentlich auch ein Treiber und ein Sucher – alle sehen das Spiel aus einem anderen Blickwinkel. Harry sucht fast automatisch ständig nach dem Snitch. James folgt mit seinen Blicken fast ausschliesslich den Jägern, nur Sirius geht zwischen den Jägern und den Treibern hin und her, wobei er auch noch ab und zu auf die Sucher und Hüter achtet. Allerdings müssen Treiber ja auch während des Spiels alle anderen Spieler im Auge behalten.

„Die sind ja unglaublich schnell! Da müssen einige sensationelle Fortschritte im Besenbau gemacht worden sein", bemerkt James.

„Ist wohl auch so. Vor fünf Jahren habe ich Harry den besten Besen der Welt geschenkt, aber der ist inzwischen schon fast lahm, nicht wahr, Harry?"

„Gebe den aber um nichts in der Welt her. Er war das erste Geschenk meines Lebens von Bedeutung. Das erste Geschenk, was du mir gemacht hattest!" sagt Harry ohne mit der Wimper zu zucken. „Ausserdem ist er noch vollkommen in Ordnung."

Angelina schiesst das erste Tor für die Harpies! Wir klatschen alle begeistert und schauen uns das Tor dann im Omniokular noch einmal an.

Sirius

So hätte das schon immer sein sollen: James, Harry und ich beim Quidditch. Das war's, was James und ich uns im Leben wünschten, dass wir so immer zusammen sein könnten, mit Harry zusammen tagelang über Quidditch fachsimpeln und unser Leben geniessen. Stattdessen hatten wir Jahr um Jahr nichts als Tod, Verderben, Qual und Angst. Schon nur allein deshalb möchte ich liebend gerne Voldemort ausgraben und gleich noch ein halbes Dutzend Mal umbringen. Nur etwas kreativer und schmerzhafter.

Dies ist das erste Mal seit fast zwanzig Jahren, dass ich meinem Lieblingsteam zusehen kann. Die Mädels haben mit zwei Toren das Spiel eröffnet, eins davon hat Harrys frühere Teamkameradin erzielt. Sie macht den Eindruck einer wirklich guten Jägerin und James meint anerkennend:

„Ich hab sie ja schon spielen sehen, aber das ist jetzt das erste Mal, dass ich sie in einem Spiel der Liga zu sehen bekomme. Die ist richtig gut! Die wird's in der Liga noch weit bringen, da bin ich mir sicher."

„Du weißt ja, Angelina ist nicht nur eine feine Jägerin, sie ist auch eine wirklich gute Freundin, Dad!" erzählt Harry.

„Ist sie die, mit der du im Team zusammen warst?"

„Ja, drei Jahre lang. In meinem vierten Jahr hatten wir ja kein Quidditch-Turnier."

Ich verfolge die drei Jägerinnen der Harpies mit meinen Blicken. Sie schaffen sehr kurz nacheinander etliche Tore, die zum grössten Teil unbeantwortet bleiben, nur dreimal schaffen die Arrows es, Madeline zu überwinden. Schon in meiner Jugend waren die Harpies fast immer vor den Arrows klassiert und auch jetzt müssten sie eigentlich das stärkere Team sein. Coltrane ist eine erstklassige Hüterin. Selbst die beiden Treiberinnen sind besser als ihre beiden männlichen Gegner. Sie haben wunderbare Spielzüge drauf, welche sie sehr akkurat und auch erfolgreich ausführen. Die Klatscher sind ständig in Bewegung und schwer auszumachen. Und dann sind da die beiden Sucher. Beide sind Mädels. Aggie Morgan ist 32, sehr erfahren und sehr schnell. Es ist irre, sie zu beobachten. Das Quidditch Monatsmagazin setzt sie auf den Favoritenplatz für die englische Mannschaft für die nächste Weltmeisterschaft.

Das Spiel dauert schon zwei Stunden, als es zwischen den beiden Sucherinnen erstmals wirklich etwas Action gibt, denn Aggie hat den Snitch gesehen, aber dann sind die beiden Treiber der Arrows erfolgreich und können sie davon abhalten, sich die kleine Kugel zu schnappen. Der Snitch ist wieder verschwunden. Um halb sechs, bei einem Stand von 110:60 für die Harpies taucht Remus auf. Er konnte nicht früher aus der Schule weg, daher ist er jetzt erst eingetroffen, zufrieden, dass das Spiel noch nicht ganz zu Ende ist.

„Hallo, zusammen", grüsst er.

„Hallo, Remus", begrüssen Harry, Hermione und Prongs ihn.

Ich ziehe ihn an mich und küsse ihn. Er schaut über das Feld und fragt:

„Hat schon mal einer den Snitch gesehen?"

„Ja, vorhin, erst ein paar Minuten her. Die Treiber der Arrows haben Aggie allerdings davon fernhalten können."

In diesem Moment geht Cooper in einen Sturzflug, aber als wir genauer hinschauen, bemerken wir, dass sie nur versucht, Aggie vom Snitch wegzulocken. Aber Aggie schaut auf die richtige Stelle und rast auf den Snitch zu, den Harry uns am anderen Ende des Feldes andeutet. Er ist ziemlich weit oben, so dass Cooper jetzt die verlorene Höhe erst wieder wettmachen muss, was so gut wie unmöglich ist, aber sie versucht ihr Bestes. Es wird deshalb noch ziemlich knapp, aber Aggies Routine hilft ihr dabei, den Snitch zu schnappen. Eine Welle der Enttäuschung geht durch die Reihen der Arrows-Fans, doch es gibt auch viele, die für die Harpies applaudieren.

„Das bringt sie vor Puddlemere United!" ruft Harry aus.

„Das wird Oliver aber gar nicht freuen, er hat doch mit den Weasleys gewettet, dass Puddlemere dieses Jahr die Meisterschaft ganz sicher gewinnt!" kräht Hermione.

„Echt? Dann ist er entweder verrückt oder er hat eine gesunde Portion Zutrauen zu denen... Puddlemere ist nach den ersten acht Spielen ziemlich gut platziert, aber sie haben bereits einmal gegen die anderen Favoriten, die Ballycastle Bats verloren. Wenn sie von den drei Spielen gegen die Harpies mindestens einmal verlieren, sind sie wahrscheinlich für den Sieg untergegangen", bemerke ich.

„Na ja, warte nur, bis du Oliver kennen lernst. Du weißt doch, er ist der Hüter der Puddlemeres. Und er ist sogar ausgesprochen verrückt! Der Junge lebt, isst, trinkt, schläft und atmet Quidditch! Er ist mit Sicherheit der besessenste Quidditch-Spieler, den du irgendwo antreffen kannst. Andererseits haben wir es bestimmt ihm zu verdanken, dass wir damals den Cup geholt haben", belehrt uns Harry.

„Hast du eigentlich noch mehr Schulkameraden, die Profis geworden sind?" fragt James.

„Etwa sieben oder so, darunter Cho Chang, sie war ein Jahr vor mir in Ravenclaw, spielt auch Sucherin. Sie ist erste Reserve bei den Montrose Magpies. Dann Roger Davies, noch ein Ravenclaw, er ist Reserve-Jäger bei den Ballycastle Bats. Auch ein ziemlich guter Jäger, aber er wird nie an Angelina Johnson herankommen, auch nicht an Alicia Spinnet, die bei den Harpies erste Reserve ist. Du kennst sie ja, auch sie war mit George und Fred Weasley in einer Klasse. Alicia wird wohl Christine McAllister ersetzen, wenn die sich mal zur Ruhe setzt."

Wir folgen der Menge, die jetzt das Stadion verlässt und begeben uns zu einem der Apparierungspunkte. Dort angekommen, umarmen wir Harry und Hermione und wünschen ihnen einen schönen Abend. Remus, James und ich apparieren zurück nach Hogwarts. Während wir uns etwas beeilen, um zum Schloss zurückzukehren, sagt James:

„Ich kann allerdings nicht sehr lange bleiben, sonst wird Lily sauer. Ich wollte nur noch was mit dir besprechen, Sirius."

„Was denn?"

„Ist dir der Name Hesperus Quint ein Begriff?"

„Cousin. Etwa dritten Grades oder so. Die Quints haben vor vierzig Jahren bei den Malfoys und etwas danach bei den Blacks eingeheiratet. Er ist ein eher schwächliches Familienmitglied. Warum?"

„Er vertritt die Interessen der Blacks im Zaubererrat…"

„Hm. Eigenartig. Dass Tante Shaula da nicht eingedrungen ist…?"

„Wer ist das?"

„Grosstante. War eine Tante meines Vaters und hat in die Parkinson-Familie eingeheiratet. Hat zwei Söhne, beide ziemlich debil, aber als die Schwester meines Grossvaters ist sie eigentlich weit näher mit meinem Zweig verwandt als Quint. Erstaunlich, dass die nichts dagegen hat, dass Quint die Blacks vertritt."

„Du hast ein Recht auf diesen Sitz im Rat, Sirius," meint James.

„Ach, darauf willst du hinaus. Ich werde mit Albus sprechen, sehen, was er meint, dann übernehme ich den Sitz wahrscheinlich. Wenn ich mich wohl auch nicht für alle Sitzungen absentieren kann."

„Gut. Das reicht mir schon. Wir müssen was unternehmen, denn das ist ein halbes Greisenasyl. Und manche dieser Tattergreise können wirklich nicht mal mehr richtig denken."

„Ist auch wirklich wahr, James, ich hatte gar nicht dran gedacht, dass ich mich dafür bewerben sollte. Vater war der letzte Black, der drin sass, ich nehme an, dass sich die Robe noch anfindet."

„So lange du dich jetzt bewirbst. Wir müssen die zu Tode quasseln, damit sie neuen Gesetzesvorlagen zustimmen und helfen, alte aufzuheben. Vielleicht können wir dann auch in Sachen Werwolfgesetzgebung einiges unternehmen, Remus. Diese furchtbaren Vorurteile müssen verschwinden."

„Danke, James. Ich bin sicher, du wirst eine Menge Staub aufwirbeln."

„Oh, ich gedenke, nicht nur Staub aufzuwirbeln, sondern wegzufegen, Moony."

Mit diesen Worten verabschiedet sich James, um zur Sunnegg zurückzukehren.

Wir kommen grade noch zurecht, um unsere Kinder selber zu Bett bringen zu können. Ich habe sie schon schrecklich vermisst. Den ganzen Tag über habe ich sie nicht gesehen! Ich seufze, als ich Denny dabei zusehe, wie er ins Land der Träume versinkt. Jetzt ist er schon fast ein halbes Jahr alt!

Remus

Als die Kinder schlafen, setzen Sirius und ich uns im Wohnzimmer hin. Ich kuschle mich an ihn und er offenbart mir, wie sehr er diesen Nachmittag genossen hat. Ich bin so froh, dass wir jetzt wieder ein normales, erfülltes Leben haben. Die Pflichten hier in Hogwarts lassen uns nicht viel Zeit und das meiste, was wir an freier Zeit zur Verfügung haben, werden wir für die Kinder aufwenden, zumindest noch für einige Jahre, doch das ist so gut wie freie Zeit. Bisher ist das, was wir mit ihnen erlebt haben, den Aufwand mehr als wert.

„Du hast gar nicht mehr viel vom Spiel gehabt, Liebster", sagt er bedauernd.

„Oh, das macht nichts. Das nächste Spiel ist an einem Samstag, da können wir dann alle gehen. Ich muss zugeben, dass ich es vermisst habe. Nachdem du weg warst, konnte ich nicht mehr an die Spiele gehen. Denn auf der einen Seite war es ohne dich einfach nicht mehr dasselbe und auf der anderen konnte ich es mir ja auch gar nicht mehr leisten."

„Du wirst dich nie mehr einschränken müssen, Liebster, weder mit Dingen, die du haben musst, noch mit solchen, die du haben möchtest", flüstert er. Und dann, lauter: „Und ich kann es kaum erwarten, mit den Zwillingen an die Spiele gehen zu können!"

Ich lächle. Dann küssen wir uns für lange Zeit. Ich habe noch einen Test zu korrigieren, doch das verschiebe ich ohne Gewissensbisse auf später, als ich mich seinen Zärtlichkeiten überlasse. Wir haben uns vorgenommen, heute abend draussen noch ein bisschen zu laufen. Das macht uns einerseits wieder munter, erschöpft aber auch auf eine angenehme Art, so dass wir es nur noch mit einem Ausflug unter die Dusche krönen und dann ins Bett verschwinden. Für den Test stehe ich eine halbe Stunde früher auf.

Ich liebe es jetzt, auf vier Pfoten zu wechseln, wann immer ich Lust dazu habe. Der Wolf läuft sorgenfrei und schnell, ohne gross zu ermüden. Ich schaffe problemlos dreissig Kilometer in der Stunde, und wenn ich mich anstrenge auch mehr. Das reicht für einen grossen Kreis um das Schloss herum. Auch Sirius schafft als Padfoot eine ganze Menge, bestimmt zwanzig Kilometer, er ist ja viel schwerer als ich als Wolf. Also ist ein Lauf, der ihn anstrengt, für mich als Wolf nicht viel mehr als ein guter Spaziergang. Die frische, klare Nachtluft tut uns beiden ausgezeichnet. Wir kommen nach Hause, gehen unter die Dusche und dann direkt ins Bett.

Donnerstag, 15.10.1998 / Ron

Ich beginne meine wöchentliche praktische Schicht und erfahre, dass ich eine Gruppe von Auroren begleiten soll, die heute den Friedhof in Hogsmeade überwachen soll. Es hat mit Lilys Arbeit zu tun, die sie mit Harry und den anderen Besitzern von Bruderzauberstäben der Zauberstäbe der Todesser macht. Vor einigen Tagen hat Harry mit Voldemorts Zauberstab weitergemacht und wir erwarten, dass dabei Mrs Bones und drei weitere Opfer, die alle hier in Hogsmeade beigesetzt wurden, wieder ins Leben zurückkehren. Tonks ist mit in der Gruppe.

„Dann lass uns mal die Dame aus ihrem Grab holen, Ron! Edgar wird alles andere als unglücklich sein, dass er seinen Schatz wieder zurückbekommt."

„Wie geht es ihm?"

„Oh, ganz gut. Sie haben ihn natürlich mit Stärkungstränken bis obenhin angefüllt, aber jetzt ist er wieder auf seinen Beinen. Ich wage mir kaum vorzustellen, wie James und Lily das damals von Godric's Hollow nach Hogwarts geschafft haben."

Auf jeden Fall müssen wir nicht lange warten. Ich bin schon einmal in einem Team gewesen, welches hier Opfer abgeholt hat. Es ist eigentlich eine sehr dankbare Aufgabe. Wir sind die ersten Menschen, die diese Menschen nach ihrem Erwachen vom Tod sehen. Das Letzte, woran sie sich erinnern, ist das grüne Licht des Todesfluchs, das auf sie zufliegt. Heute denke ich natürlich auch an Susan, als ich ihre Mutter aus ihrem Grab kommen sehe. Tonks und ich heben sie auf und setzen sie auf einen Stuhl, um ihr ganz kurz zu erklären, was mit ihr los ist, und dass wir sie in einen Zauberschlaf versetzen werden, aus dem sie in einigen Stunden oder auch Tagen erwachen wird.

„Wenn Sie wieder aufwachen, werden Sie bei Ihrer Familie sein, Madam," verspreche ich ihr.

Sie nickt nur, ist wohl zu erschöpft, um etwas zu sagen. Tonks spricht den Schlafzauber, danach legen wir sie auf die Bahre, die für sie schon bereit steht. Die anderen im Team haben mittlerweile erfolgreich drei weitere Opfer gerettet und alle zusammen bringen wir die schlafenden Hexen und Zauberer nach St. Mungo. Dort treffen wir auf ein weiteres Aurorenteam, welches von einem Friedhof im Süden des Landes kommt. Auch diese Auroren haben einige Bahren bei sich. Lily ist bei ihnen und steht neben dem Körper einer jungen Frau, die sie zu kennen scheint.

„Es ist Marlene McKinnon, Tonks! Der Orden findet wieder zusammen, ist das nicht wundervoll?"

Wie ich schon sagte, eine sehr befriedigende Aufgabe, an der ich gerne Teil habe! Wir werden sie wohl noch eine ganze Weile lang tun, denn es gibt noch viele Zauberstäbe, die durchgenommen werden müssen.

Freitag, 16.10.1998 / Remus

Nach dem Essen habe ich die sechste Klasse der Gryffindors und Slytherins. Es ist der Beginn der Lektionen, die ich über den Patronus zu halten beabsichtige. Dies ist ja ein sehr schwieriger Zauber, den sie nicht alle schaffen werden. Doch diese erste Stunde ist nur Theorie, ich spreche über den Hintergrund, die Dementoren und den Zauber, wie er geht, was er bewirkt und stelle am Ende wie immer einige Fragen.

„Also, noch mal. Wer kann mir sagen, wofür der Patronus-Zauber gut ist?"

Etliche Hände gehen hoch, ich erteile einem Mädchen aus Slytherin das Recht, zu sprechen. Sie gibt mir auch prompt die richtige Antwort.

„Richtig. Zwei Punkte für Slytherin, Nora. – Und welche Form nimmt der Patronus an?"

Diesmal fordere ich eine Gryffindor zum Sprechen auf.

„Das hängt von der Person ab, die den Zauber spricht."

„Wie?" frage ich nach.

„Ich glaube, es ist ein Ausdruck einer inneren Stärke oder Bezugsperson..."

„Das ist fast immer der Fall. Zwei Punkte für Gryffindor. – Also, ich möchte, dass ihr die Geschichte, die Anwendung und eine genaue Beschreibung des Zaubers recherchiert und mir darüber bis nächste Woche eine Rolle Pergament schreibt. Und macht euch Gedanken über einige wirklich glückliche Erlebnisse, die ihr zu einem Patronus ummünzen könntet."

Ich entlasse die Klasse. Die letzte Stunde ist heute mit den Viertklässlern der Slytherins und Gryffindors. Mit ihnen zusammen kommt Bill Weasley herein, der heute vom Ministerium als unser Überwacher abkommandiert ist, denn wir sind immer noch am Imperius.

„Hallo, Bill! Ich dachte, du bist jetzt fest in Paris?"

„Hallo, Moony. Meistens bin ich da, das stimmt, aber ab und zu habe ich immer noch eine Woche hier Dienst."

„Ach so."

„Wie läuft's mit deinem Imperius Unterricht?"

„Nicht mal so schlecht, immerhin haben es einige schon geschafft, den Fluch loszuwerden."

„Na, toll!"

Von den siebzehn Schülern der Klasse haben sechs es geschafft, den Fluch ganz abzuschütteln. Davon waren fünf Gryffindors. Ich habe mich schon gefragt, warum die Slytherins so viel mehr Mühe damit haben, aber vielleicht war ja Sixtus nicht der einzige, der diesen Fluch schon am eigenen Leib gespürt hat. Wenn man bereits einmal erwischt worden ist, ist es viel schwerer, ihn abzustreifen. Aber Sixtus war offenbar der einzige, der es vor mir nicht verbergen konnte.

Zuerst nehme ich natürlich die dran, die noch nie drangekommen sind. Nur noch fünf sind bisher nicht dran genommen worden. Die notiere ich jetzt alle. Vier von den fünf sind Gryffindors. Zwei Mädchen zeigen Ansätze, den Fluch abzustreifen. Dann kommen diejenigen, welche nur Anzeichen gezeigt haben, dass sie es schaffen. Und dann diejenigen, die es noch nicht geschafft haben. Die Zeit reicht nicht, dass ich mich allen länger widmen kann, aber alle haben jetzt gefühlt, wie es ist, daher gebe ich ihnen die Aufgabe, ihre Erfahrungen aufzuschreiben.

„Ich weiss, es ist Freitag und ihr möchtet alle nichts mehr als ein freies Wochenende, aber geht zurück in eure Häuser und schreibt kurz auf, was ihr empfunden habt, als ihr unter meiner Kontrolle wart. Es muss nicht viel sein, aber versucht, eure Gefühle ehrlich in Worte zu fassen. Ich werde eure Notizen lesen, aber natürlich nicht bewerten. Ich werde diese Lektionen nach den Osterferien noch einmal mit allen von euch wiederholen und dann gebe ich euch eure Abhandlung zurück. Ihr könnt sie dann noch ergänzen oder wegschmeissen, aber ihr solltet sie auf alle Fälle noch einmal lesen. Damit werden wir dann das Thema abschliessen. Zum Mindesten wird dann jedes von euch in der Lage sein, zu erkennen, was mit euch geschieht, ihr werdet euch daran erinnern, wie es sich angefühlt hat, solltet ihr je in die Lage kommen, in der jemand diesen Zauber auf euch anwendet. Okay?"

„Ja, Professor Lupin", antworten die Schüler brav. Ich entlasse sie und wünsche ihnen ein schönes Wochenende.

Ich selber beeile mich, in unser Büro zu kommen, in dem sich mir wenige Augenblicke später Sirius anschliesst. Wir gehen gemeinsam hinunter in unsere Wohnung, wo jeder von uns ein Baby in die Schlinge packt und seinen Umhang anzieht. Wir nehmen unsere Aktenmappen und die Besen und verschwinden aus dem Schloss. Draussen besteigen wir die Besen, heben ab und fliegen bis zum Ende des Schulgeländes, wo wir wieder apparieren können. Die Glocke bimmelt wie üblich. Lily kommt mit Andy auf dem Arm von der Küche her ins Wohnzimmer, um zu sehen, wer heimgekommen ist.

„Hallo, ihr Lieben!" ruft sie fröhlich.

Lily fühlt sich auf der Sunnegg immer noch sehr wohl. James pendelt viel öfter zwischen unseren beiden ‚Zuhause' hin und her. Ich habe das Gefühl, dass aber beide sich einfach gerne am Familienleben beteiligen und wir zwei sind für James wichtiger als für Lily. Lily ist lieber Harry ganz nahe.

„Wie war eure Woche?" erkundigt sie sich.

„Sehr gut, danke. Ich bin aber völlig erledigt", antwortet Sirius und geht, um die Besen in den grossen Besenschrank in der Küche zu versorgen.

„So siehst du auch aus."

Ich ziehe derweilen mein Halstuch aus und setze die Aktenmappen auf einem Stuhl ab. Dann hake ich die Schnallen an meinem Umhang auf. Seraina streckt ihre Nase aus dem Tragetuch. Sie verzieht ihren Mund zu einem niedlichen kleinen Grinsen. Ich lege meinen Umhang über eine Stuhllehne. Dann löse ich den Knoten am Tragetuch und befreie die Kleine. Sie scheint sich darüber sehr zu freuen, denn sie fängt an zu gurgeln und zu brabbeln. Ich hebe sie hoch über mich und halte sie fest, so dass sie auf mich herunterschauen kann. Sie quietscht und brabbelt noch mehr. Ich lächle sie an.

„Das hast du gern, was, mein Herzchen?"

Noch ein gurgelndes Lachen, dann nehme ich sie wieder herunter, bevor sie mich ansabbert. Ich halte sie so auf meinem Arm, dass sie sich an meine Brust lehnen kann. Lily strahlt sie an und fragt:

„Hallo Seraina! Kommst du zu deiner Mummy?"

Seraina lächelt und streckt ihre Arme aus, Lily setzt Andy kurz auf seine Decke und nimmt mir das Baby ab.

Lily behält guten Kontakt zu den beiden Kindern, die sie uns geschenkt hat. Da wir so enge Freunde sind, wollen wir, dass unsere Kinder die Frau kennen, die sie geboren hat und Lily hat nichts dagegen, dass sie ihre Mutter bleiben darf. Seraina schaut sie jetzt an, grinst und hört Lilys Babygesabbel zu, diesen Geräuschen und Worten, welche wahrscheinlich nur Mütter kennen.

„Kann ich sie rasch bei dir lassen? Ich möchte mich bequemer anziehen", frage ich.

„Aber natürlich! Lass Denny nur ruhig auch hier, Siri."

„Danke!"

Lily

Wie viel Freude es macht, auf diese beiden Kleinen aufzupassen. Ich bin nach wie vor überzeugt, dass wir das richtige getan haben, als wir sie Remus und Sirius geschenkt haben. Es scheint nur richtig, dass die beiden, die ja Harrys liebste Babysitter waren, jetzt eigene Kinder haben. Ich schaue sie an, während ich mir überlege, wie nett es sein wird, diese Kinder aufwachsen zu sehen. Die Apparierungsglocke klingelt schon wieder. Man merkt, dass es Freitagnachmittag ist. Harry taucht im Wohnzimmer auf. Er strahlt mich an, kommt herüber und begrüsst erst mich und dann die Kinder. Die beiden werden jetzt etwas grantig, denn wahrscheinlich ist ihre Vesper fällig. Harry lässt gleich alles fallen und nimmt das grantigste Baby, Denny, auf.

„Du machst das mit den Zwillingen wirklich gut, Harry!" lobe ich ihn.

„Danke, Mum! Ich mag die beiden wirklich und sehe sie ungern grantig. Aber es ist bestimmt Zeit fürs Futter, was, Denny?" fragt er den Kleinen und verpasst ihm einen kleinen Kuss auf die Wange.

Dann kitzelt er das Baby ein bisschen und erntet ein gurgelndes Babylachen. Denny windet sich auf seinem Arm, aber Harry hält ihn gut fest.

„Hey, Denny! So langsam siehst du deinem Daddy immer ähnlicher, weisst du das? Dieselben schwarzen Haare, und hoffentlich bleiben deine Augen so grau-blau, dann sind sie auch wie die deines Vaters."

Er hätte dem Baby wohl erzählen können, was er heute studiert hat und hätte trotzdem ein breites Grinsen geerntet. Die Apparierungsglocke läutet erneut, gleich zweimal, denn zuerst kommt Hermione heim und nur Minuten später Ron und Justin.

„Hallo, zusammen!" grüsst Ron fröhlich.

„Hallo selber! Hallo, Lily! Soll ich Seraina gleich übernehmen? Ist bestimmt Zeit für ihre Flasche, nicht wahr?" fragt Hermione.

„Ja, nimm sie! Ich muss mich ja um Andy kümmern."

„Dann übernehmen wir doch einfach mal..."

Hermione legt ihre Sachen ab und nimmt Seraina auf, dann zitiert sie die Flaschen von der Küche her. Harry und Hermione wärmen die Fläschchen und geben sie den Zwillingen. Während sie noch dran sind, kommen Sirius und Remus wieder herunter.

„Hallo! Danke fürs Übernehmen!" bedankt Sirius sich.

Beide tragen jetzt Jogginghosen, T-Shirts und Pullis. Sie lassen sich auf einem der Sofas nieder und schauen Harry und Hermione zu. Beide sehen ziemlich müde aus, Sirius aber noch einiges müder als Remus.

„Du siehst aber müde aus, Sirius", bemerke ich.

„Scharf beobachtet, Lily", gibt Sirius leicht zynisch zurück.

„Es ist ein bisschen mühsamer, weil die beiden zu zweit sind", versucht Remus, Sirius' Aussage die Schärfe zu nehmen und schaut seine Zwillinge zärtlich an. „Es gibt immer etwas mit ihnen. Wir mussten ihre Schlafprobleme mit ‚getrennten Schlafzimmern' und Schlafzaubern lösen. Von Poppy bekommen sie ein Gel für die Zahnschmerzen und von uns einen milden Schlafzauber. Und unterrichten ist sehr erschöpfend geworden..."

„Sagen wir's mal so: hier war das Unterrichten paradiesisch. Jetzt ist es Alltag. Also, ich mag es wirklich, es macht mir viel Spass, aber es nagt weit mehr an mir als ich es für möglich gehalten hätte. Anstrengender als irgendwas, das ich je gemacht habe", ergänzt Sirius und lächelt etwas wehmütig.

„Gut, dass du wenigstens sagst, dass es dir Spass macht!" sage ich.

„Ja, es macht mir eine Menge Spass. Ich glaube auch, dass ich fürs Unterrichten begabt bin, ich habe bemerkenswert wenig Probleme und komme bisher mit allen Schülern gut klar, auch mit den Slytherins. Oder fast allen, aber diejenigen, die Schwierigkeiten machen sind wohl die üblichen Krakeeler, die's überall gibt. Sie geben sich bei mir im Allgemeinen Mühe, ich kann mir wirklich nicht vorstellen, was Severus für einen Grund hatte, sie gleich von Anfang an so zur Schnecke zu machen, dass sie sich kaum trauten, auch nur eine Zutat zurechtzurüsten. Er hat gar nicht erst versucht, ihr Potential herauszufinden."

„Laut Dumbledore hat er das gemacht, um den Schülern gleich beizubringen, wie gefährlich der Umgang mit Zaubertrankzutaten ist..." wirft Hermione ein.

„Ach ja, und das war ja sooo hilfreich! Du hast doch gesehen, was mit Neville passiert ist, Hermione. Ich kann noch nichts Genaues sagen, aber die Erst- und Zweitklässler arbeiten genau so sorgfältig wie die Älteren, und die sind weder von Arabella noch von mir je eingeschüchtert worden. Ich teile ihnen die Spielregeln im Fach Zaubertränke mit und gebe sie ihnen immer mal wieder durch. Und ich habe den Eindruck, dass sie die Regeln einzuhalten versuchen und deren Notwendigkeit einsehen, auch ohne ständig Angst vor Punktverlusten und Arreststrafen haben zu müssen."

„Sind dir also noch keine Kessel in die Luft gegangen? Oder eingeschmolzen?" fragt Harry neugierig.

Sirius lacht.

„Natürlich! Du erinnerst dich doch noch, was ich sagte, oder? Unfälle passieren und sie können jedem passieren, selbst dem besten Braumeister. Es ist kein Grund, wie eine Rakete hochzugehen. Aber ich denke mir halt mal, dass das Snivellus war, der hatte einfach Spass daran, als Erwachsener die Macht auszuüben, die er in der Schule nie gehabt hat... da stand ihm nämlich Lily in der Sonne, die war in Zaubertränke super und der alte Slughorn hat sie heiss geliebt!"

„Sirius! Severus war nicht so schlimm! Du und James hättet ihn eben nicht dauernd piesacken sollen. Vielleicht sind eure Quälereien an seinem jetzigen Verhalten mitschuldig..." gebe ich zu bedenken.

„Oh, du hast einiges von Snivellus nie gewusst, Lily. Nämlich, dass er zu den von meinen ach so reinblütigen Eltern als wünschenswert eingestuften ‚Freunden aus guter Familie' gehörte. Ich kannte ihn schon, kaum dass ich den Windeln entwachsen war. Er ging in unserem Haus schon lange ein und aus, bevor wir in die Primarschule kamen. Danke, aber nein danke!" braust Sirius auf.

Das wusste ich natürlich wirklich nicht. Ich dachte, dass ihre Feindschaft am ersten Tag der Schule in Hogwarts begonnen hätte, doch James stimmt Padfoot wie gewöhnlich bei:

„Padfoot hat recht, Lily. Severus war immer so. Natürlich ist er schon so erzogen worden. Erinnerst du dich an Regulus? Genau die gleiche arrogante, rotzfreche Art. Die dachten, man müsse sich als Reinblüter eben so benehmen. Denen hat nie jemand beigebracht, was wahre Noblesse ist."

„Was noch schlimmer ist, die wurden so erzogen, dass man sie glauben machte, dass man sich so zu benehmen hat. Keiner von uns hatte eine glückliche Kindheit, nicht einmal der ach so verhätschelte Regulus. Mich traf's nur schlimmer als die anderen, weil sich mein Wille eben nicht brechen liess und weil ich die Dreistigkeit hatte, meine Auswahl für Gryffindor nicht zu bekritteln, sondern mich darüber freute. Das war für meine Eltern so gut wie eine Erklärung, dass ich mich unter sozialem Abschaum wohler fühlte als in ihrer noblen Umgebung. Das alles gehört zu den Dingen, die mir immer zuvorderst in der Erinnerung bleiben werden, weil Azkaban sie mir fest ins Hirn gebrannt hat. Ich bin nur froh, dass ich sie jetzt in irgendeine Schublade ablegen kann."

„Siri! Davon hast du nie was gesagt!"

„Nein. Zu peinlich", murmelt er.

„Aber ich habe gesehen, wie er unter seinen edlen Klamotten aussah, wenn er von den Ferien in diesem feinen Zuhause zurückkam, Lily. Er hat uns gebeten, niemandem davon zu erzählen."

„Und ihr habt nur gesehen, was Mutter nicht wegzaubern konnte. Das meiste hat sie überdecken können."

Oh mei! Bei allen Göttern, das muss ja die reinste Marter gewesen sein. Ich wusste, dass er sein Zuhause wegen Differenzen mit seinen Eltern verlassen hatte, aber dass dabei Missbrauch im Spiel war, hatte ich nicht geahnt. Er lächelt jetzt.

„Nie werde ich meine Hand, oder noch schlimmer, meinen Zauberstab gegen meine Kinder heben, Lily! Schon der Gedanke daran lässt mich schaudern. Ich habe mich seit der Geburt der Kinder immer wieder gefragt, was wohl meine Eltern bei meiner Geburt empfunden haben. Wahrscheinlich nicht mehr als Erleichterung darüber, dass der gewünschte Erbe geboren worden war. Sie haben sich nie selber um mich oder Regulus gekümmert, wir waren voll und ganz dem Personal überlassen."

„Das ist ein mutiger Entschluss, da hast du einen sehr schweren Weg vor dir, Sirius! Irgendwann werden sie heftig an deinem Geduldsfaden zerren, was machst du dann?"

„Das wissen wir noch nicht so genau, aber wir haben uns schon darüber unterhalten. Und eines ist sicher. Ich werde ihnen nie physische oder psychische Gewalt antun. Das habe ich mir jedenfalls fest vorgenommen. Laute Worte wird's bestimmt mal geben und vielleicht auch mal einen Klaps auf den Hintern. Bevor es aber dazu kommt, werden wir sie wohl auf ihr Zimmer schicken oder sie mit einem Schlafzauber für eine Weile aus dem Verkehr ziehen", meint er.

„Wir werden es schaffen, Siri", versichert Remus.

Die Zwillinge haben inzwischen ihre Flaschen geleert und sind jetzt wach und munter. Ron und Justin dürfen sie übernehmen und mit ihnen spielen.

Samstag, 19.10.1998 / Remus

Ich wache auf, weil Sirius mich küsst. Als ich aufschaue, sehe ich, dass es draussen schon hell ist und springe auf. Sirius zieht mich lachend wieder herunter und erklärt:

„Guten Morgen, Liebster. Unsere kleinen Helferlein haben die Kinder übernommen."

„Ich kann es kaum glauben, dass ich sie nicht gehört habe, Sirius!"

„Du hast deinen Schlaf auch gebraucht, Schatz. Du warst auch ziemlich auf den Felgen, weisst du, nicht nur ich."

„Stimmt schon."

Ich seufze, entspanne mich aber in seinen Armen. Dann schliesse ich meine Augen, bis ich fühle, wie er mich wieder küsst, diesmal auf den Mund. Er zieht mich auf den Rücken und kriecht auf mich. Dabei versucht er vergeblich, seine langen Haare auf seinen Rücken zu bugsieren, lässt es dann aber bleiben. Sie fallen ihm über die Schultern und ich hebe meine Hand, um durch seine seidigen schwarzen Strähnen zu streichen. Ich liebe seine Haare und bin glücklich, dass sie durch seine sorgfältige Pflege jetzt wieder sind wie früher. Ich glaube nicht, dass es so schnell wieder einen Mann gibt, dessen Haare eine Textur wie die von Sirius haben. Sie sind seidig, aber sehen so aus, als ob sie ziemlich dick wären. Sie fühlen sich ganz weich an. Er hat sowohl dicke als auch dünne Haare, aber sie wachsen sehr dicht. Jetzt rahmen sie sein Gesicht mit den grau-blauen Augen ein, die in meine eigenen starren. Ich werde sein Gesicht nie lange genug betrachten können. Vor allem die Augen. Sie sind auch dann von demselben grau-blau, wenn er Padfoot ist. Er kann seine Emotionen darin verbergen, wenn er sich Mühe gibt, doch wenn er nicht dran denkt, widerspiegelt sich seine ganze Gefühlswelt in diesen Augen.

Jetzt schaut er auf mich herunter und hält meine Handgelenke über meinem Kopf auf dem Kissen fest. Er schliesst langsam den Abstand zwischen uns und presst seine Lippen auf meine. Es ist einer dieser langsamen, endlos währenden befriedigenden Küsse, einer von der Sorte, bei dem mein Schwanz ohne jegliches Zutun hart wird. Nicht nur meiner...

Er lässt los und grinst mich an.

„Ich kann nicht behaupten, dass mich deine Reaktion auf meinen Überfall enttäuscht, Liebster", sagt er leise.

„Hast ja auch wenig Grund dazu, oder? Ist ja schliesslich, was du auch willst, oder etwa nicht?"

„Du kennst mich zu genau, Moony! Ich erstarre nur jedes Mal in Ehrfurcht, dass ich mit nur einem einzigen Kuss eine solche Reaktion hervorrufen kann."

„Bilde dir nur ja nicht allzu viel darauf ein..." necke ich ihn.

„Ich liebe dich auch, Spatz..." murmelt er als Antwort.

Ich habe dich in den vergangenen drei Jahren neu entdeckt, mein Geliebter! Während du deinen Angriff auf meine Nerven weiterführst, verliere ich mich in Gedanken und den Gefühlen, die du in mir auslöst. Sind es wirklich schon wieder drei Jahre? Wirklich schon wieder drei Jahre zusammen? Es scheint fast unmöglich und doch sind es erst drei Jahre und einige Monate, seit wir gemeinsam unserem Vaterland den Rücken gekehrt haben und es waren drei ausgesprochen glückliche, wunderbare Jahre, voller Freude und Glück. Oh, das tut gut! Deine Zähne erwecken meine Brustwarzen zum Leben! Götter, ist das schön. Du steckst deine Nase in meine Achselhöhlen und schnüffelst, dann wendest du dich weiter nach unten, dabei lässt du meine Hände los, die du jetzt nicht mehr festhalten kannst. Ja, Siri, das ist es, da sollst du hin! Genau da will ich deine Zunge spüren, nun saug schon an!

Er tut's. Und ich stöhne bald nur noch. Meine Erektion ist so hart, dass er meinen Schwanz mit ganz leichtem Druck von einem Finger grade hochhalten kann. Und dann verlässt mich jeder vernünftige Gedanke zugunsten dieses unglaublichen Gefühls, das ein feuchter, heisser, saugender Mund auf meiner Eichel auslöst. Ich kann nur noch murmeln, aber auch nichts Verständliches mehr. Ich schaffe es grade noch, ihm zu verstehen zu geben, dass er sich so drehen soll, dass ich auch an seinem Glied lutschen kann. Wir drehen uns auf die Seite, beide beschäftigt mit dem Schwanz des anderen. Sirius schleckt und saugt mit Lust an meinem, und er braucht es auch gar nicht sehr lange zu tun, bis ich komme. Ich spiegle seine Bewegungen, denn zu mehr eigener Fantasie fehlt mir im Moment der Sauerstoff im Hirn. Und da ist es auch schon, es baut sich ganz tief drinnen auf und drängt mit aller Gewalt zur Spitze meines Schwanzes, dieses grossartige Gefühl, auf das ich so sehr warte, und das immer zu früh kommt und nie oft genug. Ich kann es nicht länger halten, schreie auf, als ich den Höhepunkt erreiche, schaffe es aber noch, ihn dabei loszulassen, denn wenn ich das nicht täte, würde ich ihn beissen. Ganz scheusslich fest...

Paddy löst sich von mir und dreht sich um, küsst mich erneut. Ich kann mich selber auf seiner Zunge riechen und schmecken, während er mich küsst, und mich dabei die ganze Zeit streichelt. Er bewegt sich zwischen meine Oberschenkel und ich hebe instinktiv meine Beine etwas an. Er hebt sie hoch und geht an meinen After, dringt langsam erst mit einem, dann mit zwei Fingern ein. Von der Lust und meinem Orgasmus bereits mehr als feucht, findet er kaum Widerstand. Er lockert meine Muskeln und kommt von meiner Seite her auf mich, meine Beine weiter hochschiebend, dass ich sie über seine Schultern legen kann.

„Ich will dich so sehr haben, Liebster, komm schon rein!" fordere ich ihn ungeduldig auf.

„Gemach, mein Geliebter, bin schon da", versichert er mir, während er seine Erektion in mir verschwinden lässt.

Das ist es, was ich so liebe! Nun fick mich schon, hart und schnell, bitte! Er gehorcht, aber er fängt langsam an, bis sich sein Rhythmus eingestellt hat. Oh, er bereitet mir so viel Lust! Er atmet immer schwerer, und hält mit etwas Schwierigkeiten seine Augen unter schweren Lidern auf meine gerichtet. Meine eigenen sind halb geschlossen. Es tut zu gut, um sie offen halten zu können.

Er zieht es so weit in die Länge, wie er kann. Ich will nicht, dass es aufhört! Er stösst mit Kraft, aber nicht zu schnell, in mich hinein. Ein langsamer Rhythmus, so dass ich jedem seiner Stösse mit einer Bewegung meines Beckens entgegenhalten kann.

„Ja, mein Liebster, mach weiter, hör bloss noch nicht auf..." stöhne ich.

Er schüttelt nur seinen Kopf und beugt sich vor, um mich zu küssen. Ich ziehe ihn fest zu mir herunter, wir atmen beide heftig, während wir uns küssen. Es gibt ihm einen Moment, sich zu erholen und es noch weiter hinauszuzögern. Als er mich schliesslich auf meinen Höhepunkt bringt, indem er meinen wieder hart gewordenen Schwanz heftig reibt, bis es mir kommt, ziehe ich meine Muskeln so straff an, dass auch er seinen Orgasmus nicht mehr hinauszögern kann und seinen Rücken durchspannt, noch einmal stösst und mit einem Aufschrei und dann einem tiefen Grunzen in mir explodiert. Höchste Glückseligkeit! Er seufzt meinen Namen und ich bete wie jedes Mal zu allen Göttern, die mich erhören könnten, dass er in seinem Leben nie einen anderen als meinen Namen stöhnt, wenn er seinen Höhepunkt erreicht. Er lässt sich auf mich fallen, doch ich schaffe es mit etwas Mühe, meine Beine von seinen Schultern zu lösen und ihn fest in meine Arme zu ziehen. Er rutscht etwas tiefer auf mich und bettet sein Gesicht in die Beuge meines Halses. Ich streiche mit meinem Kinn über seine Haare und halte ihn ganz fest.

„Mm..." seufzt er.

„Mm beschreibt es genau", antworte ich, leise kichernd.

„War's schön?"

„Aber wie..."

„Gut. Für mich war's auch schön..."

Ich liebe seine wunderbare Kindlichkeit und ich lächle. Er kann so unverblümt sein und manchmal drückt er seine Gedanken und Gefühle so wunderbar klar und einfach aus. Mir fällt wieder einmal auf, dass in so einer Situation ausgefeilte Worthülsen auch völlig fehl am Platz sind.

„Ich liebe es, Padfoot, aber das weisst du ja eh. Denn es ist, was ich von dir am meisten liebe..." murmle ich.

Wir sind dem Schlaf nah und erlauben uns auch noch eine gute Stunde davon, bevor wir aufstehen.

James

Unsere beiden Freunde scheinen eine Menge Schlaf zu benötigen. Wir schauen für sie nach den Zwillingen und lassen sie ausschlafen. Hermione und Ginny freuen sich wie die anderen jungen Frauen im Haus darüber, die Babys verhätscheln zu können. Wenn die Zwillinge da sind, brauchen sie sich Andy nicht zu teilen. Sie sehen beide noch nicht allzu gestresst aus. Hermione macht einen sehr glücklichen Eindruck. Sie hat zwar schon eine Menge zu lernen, aber wir wissen ja alle, dass sie nur das tut, was sie am liebsten tut, nämlich sich in die Bücher zu vergraben. Hermione kennt im Normalfall zur Lösung eines Problems nur den Weg in die Bibliothek. Sie ist eine sehr intelligente junge Hexe und erinnert mich täglich mehr an Lily. Und Remus. Wie glücklich ist Harry, der mit ihr schon durch seine ganze Schulzeit befreundet war. Ich wünschte, dass ich dasselbe von mir und Lily behaupten könnte, doch wir haben leider etwa drei Jahre verpennt und noch weitere Jahre, in denen wir hätten Freunde sein können.

Lily und ich verbringen jetzt mehr Zeit getrennt, da wir uns beide langsam wieder an eine Art Berufstätigkeit gewöhnen. Eins von uns ist aber wirklich meistens zuhause, um sich um die Kinder kümmern zu können.

Während alle noch am Frühstückstisch sitzen, klopft Barb an die Glastür und kommt herein.

„Barb!" ruft Harry und steht auf, um sie mit einer Umarmung zu begrüssen und ihr einen Sitz anzubieten.

Die anderen folgen ihm nach. Sie grüsst alle freundlich und mit einem breiten Lächeln, dann sagt sie:

„Ich dachte mir, dass ich mal nachsehen musste, was ihr so treibt! Euer Klassenzimmer habt ihr aber hübsch umgeändert!"

„Uns geht's grossartig! Wir vermissen es ein bisschen, dass wir jetzt nicht mehr in die Schule gehen, weil es so viel Spass gemacht hat. Aber ansonsten geht's uns bestens."

„Wo habt ihr denn Sirius und Remus? Sind sie dieses Wochenende in Hogwarts?"

„Nein, wir haben ihnen nur die Gelegenheit gegeben, auszuschlafen. Seraina und Denny sind für sie immer noch ziemlich anstrengend und die Schule nimmt sie auch ziemlich rein. Dazu die Zwillinge, die zahnen..."

Barb schaut sich um und entdeckt die beiden Kleinen, die bei Hermione und Ginny auf dem Arm sind.

„Oh, die sind aber schon mächtig gewachsen, seit ich sie bei eurer Hochzeit zuletzt gesehen habe, Hermione!"

„Ja, das sind sie, nicht wahr? Sie können eigentlich schon in ihren Hochstühlchen sitzen, aber wir nehmen die Gelegenheit gerne wahr, sie zu hätscheln. Wir sehen sie ja nicht mehr jeden Tag."

Barb ist bei den jungen Leuten immer noch sehr beliebt. Sie nimmt zufrieden eine Tasse Kaffe von Dobby entgegen, der diese ohne Aufforderung anbringt. Auch ich unterhalte mich gern mit ihr. Sie hat ein gutes Verständnis der Magie und durch uns hält sie sich auch über die Nachrichten aus unserer Welt auf dem Laufenden.

„Danke, dass ihr uns Dobby immer noch ab und zu zum Helfen beim Putzen rüberschickt. Er winkt ja nur mit der Hand und meine Fenster sind blitzsauber! Dafür bin ich wirklich dankbar."

Dann tauchen Remus und Sirius auf. Sie sind noch immer etwas verschlafen, haben sich aber offensichtlich doch ein bisschen erholt. Sie freuen sich, Barb zu sehen.

„Hallo, Barb! Wie schön, dass wir dich wieder einmal sehen..." sagt Remus.

„Hallo, ihr beiden! Ihr schaut gut aus..."

„Uns geht's eigentlich auch gut, nur ein bisschen erschöpft. Vierzehn Klassen zu unterrichten, wenn auch nur noch in einem Fach, ist doch ein bisschen anstrengender als eine Klasse in einer Reihe von Fächern", sagt Sirius und drückt ihr Küsschen auf die Wangen.

„Das kann ich mir vorstellen. Housi und ich waren gewaltig beeindruckt von eurer Schule. Sie ist ja riesig!"

„Und ein Labyrinth, was? Wir haben ausserdem grade eine etwas grössere Anzahl neuer Schüler gefasst, daher spielt Albus sich mit dem Gedanken, alle Lehrer mit Hauptfächern zu entlasten und zusätzliche Lehrer zu engagieren. Die Stellen werden grade ausgeschrieben. Es ist auch wirklich ein unglaublicher Job, ziemlich stressig, obwohl wir zwei Häuser zugleich unterrichten, werden wir mit der Arbeit kaum fertig. Ich frage mich jetzt, wie die Lehrer bisher damit fertig geworden sind."

Parvati

Samstagmorgen und ich habe frei. Um das Ganze zu krönen, ist auch Draco heute hier, also konnten wir eine richtig schöne Liebesnacht verbringen, die wir am Morgen gleich noch eine Weile weiterführen.

Und dann passiert das, wonach ich mich seit zwei Jahren sehne: nicht nur, dass er beim Erreichen seines Höhepunktes meinen Namen auf den Lippen hatte, das tut er öfter, er hat endlich die ersehnten drei Worte hervorgebracht.

„Ich liebe dich, Parvati", flüstert er.

Darauf kann ich ihn nur noch fester an mich ziehen. Ich bin sicher, dass er mich die ganze Zeit schon geliebt hat, nur hat er's nicht hervorgebracht, weil Malfoys das nun mal nicht tun. Manchmal ist er immer noch in diesen alten Mustern gefangen.

„Ich dich auch, Draco. Ich bin so froh, dass du's endlich auch sagst!"

Er linst mich amüsiert an.

„Ich war ein Idiot, nicht wahr? Weil ich's nie gesagt hab... dabei habe ich dich fast von Anfang an geliebt, aber wusste es gar nicht richtig... ich musste mir darüber erst richtig klar werden. Es schien so un-Malfoyisch zu sein. Danke, dass du so lange mit mir Geduld hattest."

„Weil ich dich liebe, du Idiot. Und du warst wirklich einer. Aber ich habe die Geduld aufgebracht, weil du es zwar nie gesagt hast, mich aber so behandelt hast, dass ich es spürte, Draco. Ich dachte doch am Anfang, dass wir eine Weile miteinander Spass haben und dann bald mal andere Wege gehen würden. Und dann kamen wir uns immer näher..."

Es ist wahr... ich dachte, es wäre nett, in diesem Exil einen Freund zu haben, im besten Fall so lange wir hier mehr oder weniger eingesperrt waren, aber irgendwann habe ich mich in ihn verliebt. Dabei war ich so vorsichtig und wollte mich dagegen wappnen, schliesslich war sein Ruf übel genug. Und da ich eine Gryffindor bin, war ich natürlich in Hogwarts seinen Hänseleien ebenso ausgesetzt wie meine Hausgenossen. Aber es gibt etwas, was eindeutig für Draco spricht und zwar, dass er mich in diesen drei Jahren nie herablassend oder unfreundlich behandelt hat, sondern immer wie eine Dame. Rücksichtsvoll, freundlich und liebevoll. Zu meiner Überraschung stellte ich fest, dass er ebenso jungfräulich wie ich war. Es freute mich auch, dass sein Ruf übler war als er es verdiente.

Grade jetzt transformiert er und ganz plötzlich habe ich einen kleinen Kater auf dem Bauch, der sanft mit seinen Pfoten auf meiner Haut trippelt. Ich lache leise und streichle ihn. Er ist so hübsch mit seinem cremefarbenen, weichen Fell. Ich kann sein Schnurren nicht nur hören, sondern fühlen. Er streckt sich und alles, was ich noch zu hören bekomme, ist ein Miau.

Nach dem Aufstehen und einer Dusche gehen wir hinunter ins Wohn- und Esszimmer und treffen den Rest der Bande. Es ist schon halb zwölf, aber sie sitzen immer noch um den Frühstückstisch versammelt, die einen noch immer im Trainer oder Pyjama, andere schon angezogen. Sie kuscheln reihum mit den Babys.

„Guten Morgen allerseits", sagt Draco fröhlich.

„Guten Morgen! Du siehst ja mächtig aus wie die Katze im Rahmtopf, Draco", neckt Remus.

Draco grinst nur.

„Was willst du? Ich bin ja die Katze im Rahmtopf! Und bin eben grade draus hervorgekrochen..."

„Stimmt, das bist du und weisst du was? Du musst aufpassen, weil du nämlich sabberst, wenn du schnurrst, mein Lieber", verrate ich der Versammlung mit einem Kichern.

„Ich sabbere mit Sicherheit nicht! Also wirklich!" entgegnet er natürlich sofort.

„Ach, du sabberst nicht? Ich musste es alles wegwischen und wenn ich ein Nachthemd angehabt hätte, könnte ich es sogar beweisen, wie du nicht sabberst", necke ich ihn.

Alle lachen, aber Ron wendet sich an Justin:

„Da hast du's! Du hättest auch Grund, aufzupassen, mein Lieber!"

Wir albern alle eine Weile herum. Draco und ich essen unser spätes Frühstück, dabei sagt er:

„Wir wollen heute nach Frankreich, weil ich Parvati unser Grundstück für den Park zeigen will. Hat jemand von euch Lust, mitzukommen? Es ist zwar noch alles Wald und Alpweiden, wir sind ja immer noch dran, es Muggelsicher zu zaubern. Um die Muggelabwehrzauber permanent zu machen, gibt das lecker was zu tun. Es gibt eine Menge Wald, aber der ist licht und wir können viele der Bahnen durch die Bäume hindurch bauen. Wir werden nicht viele Schneisen machen müssen."

Ich freue mich darauf, die Gegend zu sehen. Er sagt zwar, dass es noch nichts wirklich zu sehen gibt, aber ich weiss, dass die Zwillinge und er ja was drin gesehen haben müssen, sonst hätte er das Land nicht gekauft. Aber er sagt auch, dass es noch ganz wild ist, weil es eine der am wenigsten bewohnten Gegenden Frankreichs ist.

Die ganze Bande kommt mit. Alle ziehen sich an, dann erklärt Draco, wohin wir zu apparieren haben. Das Grundstück ist zwischen Grenoble und Nizza und grenzt an einen Nationalpark, der Parc National du Mercantour, der an Italien grenzt. Das Departement heisst Alpes Maritimes. Als wir da ankommen, ist es noch immer ziemlich warm, was durch die Nähe des Mittelmeers rasch erklärt wird.

„Wir finden, dass es ein idealer Standort ist, denn Zauberer können hierhin auch apparieren, da es eine so dünn besiedelte Gegend ist. Man kann es auch sehr einfach über die Portschlüsselstation in Nizza erreichen und von dort dann per Floo hierher kommen. In Nizza gibt es eine kleine magische Gemeinde, von dort aus werden wir auch unterstützt, während wir ihnen wiederum magische Touristen aus England und hoffentlich auch anderen Ländern einbringen werden. Das Grundstück ist hier zu einem guten Teil am Hang, was uns das nötige Gefälle für die Rutschbahnen gibt. Fred, George, Lee und ich haben da drüben ein Blockhaus bauen lassen, was bis zum eigentlichen Bau des Parks als Hauptquartier dienen wird. Es ist gleich hinter diesem Waldstück da drüben."

Wir folgen ihm zu einem Holzhaus, das hauptsächlich aus einem grossen Innenraum besteht. An zwei Seiten sind je zwei kleine Schlafzimmer angebaut, an einer dritten ein Badezimmer und eine offene Küche.

„Magisches Bauen ist echt Spitze! Wir haben das Ding bestellt, die Bauleute haben es in drei Tagen aufgebaut! Super. Da sind die Pläne – noch immer in der Planungsphase natürlich, wir müssen ja sehr sorgfältig überlegen, was wir machen. Direkt hier vor Ort können wir uns besser überlegen, wie die Dinge dann am Schluss aussehen sollen. Kommt, schaut euch unsere Ideen an!"

Hermione

Ich finde es grossartig, Draco so engagiert zu sehen! Da ist nichts von dem ekelhaften, versnobten und nervigen Teenager mehr übrig geblieben, der er einst war, noch gar nicht so lange ist's her. Jetzt hat er sich eine Aufgabe gestellt und lernt, was es heisst, zu arbeiten, um sein Ziel zu erreichen. Das hier schaut nach ziemlich viel Arbeit aus.

„Das ganze Areal ist 13,5 Quadratkilometer gross. Wir haben zumeist lichten Wald und Alpweiden. Wie ihr euch vorstellen könnt, sind wir jetzt erst mal dran, das Ganze mit Muggelabwehrzaubern zu belegen, dann müssen wir die Illusionszauber sprechen, die so funktionieren wie in Hogwarts und überall sonst, dass nämlich die Muggel etwas anderes sehen als tatsächlich da ist. Hier wird alles einfach weiterhin so aussehen wie unbewohntes, unbebautes Bergland. Ihr habt die kleine Strasse gesehen, die führt hinauf zum letzten kleinen Dorf, das es da oben am Berg noch gibt und hinunter zur nächsten kleinen Stadt, Venanson."

„Macht ihr die ganze Arbeit selber?" fragt Remus.

„Praktisch alles. Wir wollen nicht zu viele Leute anstellen, bevor wir in die aktive Bauphase kommen. Wir haben aber eng mit dem französischen Ministerium zusammengearbeitet und die haben uns einige ihrer Experimentalzauberer zur Verfügung gestellt, die grade einen neuen Muggelabwehrzauber entwickelt haben und noch so froh sind, dass wir eine ganze grosse Fläche verzaubern müssen. Wir haben den neuen Zauber bereits verwendet, der es möglich macht, dass man nur noch einen Zauber pro Quadratmeter sprechen muss, wo es vorher einer für jeden Quadratzentimeter war. Aber bei diesem grossen Areal ist das natürlich immer noch eine Menge Arbeit. Wir haben's aber beinahe geschafft."

„Und was stellt ihr dann wirklich drauf?" fragt Harry.

„Zwei Teile werden den Park ausmachen, zunächst die ganzen Schwimmbäder und Rutschbahnen aller Art, so ähnlich wie im Alpamare und in den Centerparks, aber natürlich mit ein paar ‚zauberhaften' Elementen. Es wird für uns einfach sein, in den Pools magische Wellenbäder zu erstellen. Ausserdem gibt's einen Übergang vom Themenpark zum Wasserpark mit einem leicht ‚wässrigen' Durchgang. Durch den wird man nicht gehen müssen, aber ich denke, es wird bestimmt vielen Spass machen. Die Zwillinge haben schon ein paar Ideen dafür bereit. Das meiste davon wird natürlich in einer Halle stattfinden. Es wird draussen auch ein grosses Bassin geben, das dann natürlich im Winter nur beheizt benutzt werden kann. Dann gibt's natürlich all die lustigen Rutschbahnen, ein Teil davon einfach im Gras, durch den Wald, und einige in Röhren, weil die dann so schnell werden, dass man drüber hinaus getragen werden könnte, und das ist zu gefährlich. Das ist der Wasserpark. Für den anderen Teil des Parks suchen wir noch Ideen, wie man die Bahnen der Muggelparks umsetzen könnte, aber einige haben wir schon gesammelt. Lasst euch überraschen! Sicher wird mindestens einer mit Besen zu tun haben. Wir wollen natürlich ein paar kleine Snackbars und Restaurants anbringen und diskutieren zurzeit die Möglichkeit, auch ein Hotel aufzustellen. Nizza ist nah genug, dass wir aber wahrscheinlich darauf verzichten werden. Es wird wohl eher eine Floo-Station mit mehreren Kaminen geben."

Wow. Die planen wirklich seriös. Sie haben natürlich eine Menge Geld, das sie investieren können, aber sie wollen nachher ja auch wieder etwas verdienen, nicht nur ausgeben. Es klingt, als ob sie wirklich schon sehr viele konkrete Ideen haben und wenn sie dann den Park clever an den Mann, die Frau und die Kinder bringen können, dann sollte das hier ein lohnendes Geschäft werden. Da werden sicher Gäste aus ganz Europa auftauchen. Und das französische Zaubereiministerium hat bestimmt nichts gegen ein bisschen mehr magischen Tourismus.

Draco bestätigt das mit seinen nächsten Erläuterungen:

„Das Beste am Ganzen ist, dass es ja ausser unserem Park auch sonst eine Menge Möglichkeiten hier in der Gegend gibt, Muggel wie magische. Vom Frühling bis Herbst können die Leute hier die ganze Côte d'Azur rauf und runter Badeurlaub machen und all die netten Orte in der Gegend besuchen. Es gibt Wintersportmöglichkeiten nicht allzu weit entfernt. Immer mehr Zauberer und Hexen nähern sich ja wieder den Muggeln an, die werden das ganz bestimmt gerne kombinieren, so wie wir damals neben dem Skifahren in den heissen Quellen im Briger Bad und in Leukerbad unseren Spass hatten. Also kann man hier wunderbar Ferien planen und das Drachenlachen einfach für einen, zwei oder vielleicht auch drei Tage mit einbauen. Das französische Ministerium hat sich jedenfalls auf unsere Offerte gleich gestürzt, und wir sind jetzt schon mit verschiedenen magischen Gemeinden hier an der Südküste ins Gespräch gekommen, um mit denen kombinierte Angebote durchzusprechen."

„Da habt ihr schon sehr viel gearbeitet, Draco. Das ist ein recht solides Geschäftsgebilde, auf dem ihr aufbauen könnt", bemerkt Sirius beeindruckt.

„Das hoffen wir. Der nächste Schritt ist, die Gesellschaft überhaupt erst zu gründen. Sie wird Drachenlachen / Les Contes du Dragon AG heissen. Wenn von euch jemand daran interessiert ist, Anteile zu erwerben, so seid ihr willkommen, obwohl wir die Aktienmehrheit sicher auf unserer Seite behalten wollen. Fred und George haben mit deinen Commumirrors sehr gute Geschäfte gemacht, Hermione, aber sie wissen, dass die nicht mehr so dicht gedrängt rollen werden, wenn einmal mehr oder weniger alle einen haben, dann sind die Neuregistrierungen seltener. Da sie allerdings auch die Inkassostelle für die Nachregistrierungen der Abonnemente behalten, werden sie natürlich ein sicheres Einkommen behalten. Deshalb können sie eine ganze Menge investieren. Wahrscheinlich werden wir je dreissig Prozent halten und die restlichen zehn Prozent der Aktien werden wir an Familie und Freunde verteilen. Wir nehmen an, dass die Gesellschaft innerhalb von spätestens drei Jahren profitabel arbeitet. Ich bin natürlich noch dran, mehr über das Geschäftsleben zu lernen, aber Vaidyanathan hat mich schon ganz gut in die Schule genommen und die Zwillinge haben ihre ersten Schritte schon erfolgreich auf das Parkett gelegt, die haben ein sehr gutes Gespür fürs Geschäft entwickelt. Mrs Weasley sollte eigentlich sehr stolz auf sie sein, denn sie sind sehr erfolgreich. Weasleys zauberhafte Scherzartikel läuft immer noch so gut, dass sie das Erfinden neuer Gags im Moment eher auf die Seite gelegt haben. Sie haben noch ein paar Neuentwicklungen in Petto, aber so lange die gegenwärtigen Produkte immer noch so gut laufen, brauchen sie nicht gleich wieder einen neuen Hit. Und in der Zeit, bis sie sich wieder ins Labor stellen müssen, erfinden sie nett Gags für das Drachenlachen."

Dracos Rede beeindruckt auch mich. Er ist sonst immer eher zurückhaltend, aber jetzt hat er eine Viertelstunde über ihre Pläne referiert, als ob er nie etwas anderes gemacht hätte. Aber ich nehme an, dass er und die Zwillinge einen Businessplan aufgestellt haben, um dem französischen Ministerium die Sache schmackhaft zu machen und auch, um sie ihren neuen Geschäftspartnern in den magischen Gemeinden zu präsentieren. Ich bin mir sicher, dass er sich den nötigen Riecher fürs Geschäft wohl ebenso aneignen wird wie Fred und George.

Abgesehen vom Blockhaus gibt es wirklich nur die Landschaft zu sehen. Aber die ist sehr schön. Es sind diese typischen Arven- und Kiefernwälder Südfrankreichs. Wir sind hier auf fast 1200 Metern über Meer, im Winter hat's hier bestimmt eine Menge Schnee.

Draco

Während meines kurzen Referats merke ich, dass sie alle total begeistert über unsere Pläne sind. Und ganz offensichtlich freuen sie sich nicht nur für die Zwillinge, sondern auch für mich darüber, dass wir dieses Ding hier aufziehen wollen. Es ist schon erstaunlich, aber diese bunte Mischung von Leuten ist wirklich meine neue Familie geworden, nachdem sich meine eigenen Blutsverwandten fast alle als unbrauchbar herausgestellt haben. Sie haben mich hereingenommen wie ein verlorenes Hundebaby oder eine streunende Katze, und jetzt bin ich so weit, dass ich ohne ihre Wärme, ihre Zuneigung und ihre Fürsorge kaum mehr auskomme. Ihre Mitfreude tut mir sehr gut. Ich glaube, dass dies der Grund ist, warum ich Parvati auch endlich meine Liebe gestehen konnte. Sie ist mir in den vergangenen drei Jahren immer zur Seite gestanden, hat nie an mir herumgemäkelt und mich sanft, aber bestimmt an sich gefesselt. Sie war ein Felsen, auf den ich ein sicheres Fort bauen konnte! Natürlich ist da eine Menge kichernder Mädchenhaftigkeit an Parvati, aber es gibt auch eine Menge, was man erst beim zweiten Hinsehen bemerkt und das ist der wahre Grund dafür, dass der Sortierhut sie nach Gryffindor geschickt hat. Sie ist tapfer, hält viel aus und beisst sich durch alles durch. Bestimmt unterschätzen sie fast alle, wenn auch nicht meine Sunnegg-Geschwister, die ebenso wie ich gelernt haben, dass beim Duellieren mit Parvati oft nicht gut Kirschen essen ist, weil sie einem nämlich nichts schenkt. Ausserdem hat sie den Beruf der Heilerin gewählt, dafür braucht es auch viel Köpfchen, das verbirgt sie zwar manchmal hinter ihrem hübschen Gesicht, aber es ist vorhanden, soviel habe ich längst gemerkt. Sie ist grossartig und ich bedauere keine Minute, die ich mit ihr verbracht habe.

Aber neben Parvati sind ja auch noch alle anderen. Längst sind aus ihnen Freunde und Geschwister geworden. In Hogwarts teilt man sich zwar den Schlafsaal, aber auf der Sunnegg waren wir uns viel näher, auch wenn wir alle unsere eigenen Zimmer hatten. Wir sind Tag und Nacht zusammen gewesen und selten weit weg voneinander. So haben wir uns eigentlich gefühlt wie junge Hunde oder Katzen im Körbchen, haben uns aneinander gerieben und uns gegenseitig ‚gewaschen', das gab weit mehr Nähe als man selbst in seinem Haus in Hogwarts bekommen kann. Mein versnobtes Verhalten von Anfang an aufzugeben, als ich auf die Sunnegg kam, war nicht nur eine gute Strategie, sondern hat mir eine neue Welt aufgetan. Ich habe zwölf Geschwister und zwei Pflegeväter gewonnen, nach denen andere sich die Lippen lecken würden. Remus und Sirius haben mich nicht einen Augenblick lang von oben herab behandelt, und ich bin überzeugt, der richtig gute Start mit Remus und Sirius hat mir den soliden Boden unter den Füssen gegeben, den ich nach all den Jahren brauchte, die ich auf einer dünnen Eisschicht verbracht hatte, auf der ich immer fürchten musste, jeden Moment einzubrechen.

Vater hat mich mit dem Ziel erzogen, aus mir dieselbe gefühllose Maschine zu machen, die man aus ihm selber gemacht hat. Ich habe ihm so lange immer gehorcht, bis ich gemerkt habe, dass er mich nur benutzt. Ich hatte für Zuneigung gehalten, was in Wahrheit nur ein Mittel war, mich gefügig zu halten, aber es war für das Kind, das ich war ja kaum möglich zu erkennen, dass ich nur deshalb mit allem überhäuft wurde, was mein Herz begehrte, um mich umso leichter zu dem Geschöpf formen zu können, das meine Eltern haben wollten. Die Erkenntnis dessen kam, als ich Voldemort das erste Mal in Malfoy Manor gesehen habe. Ich wurde nicht vorgestellt, aber ich fand natürlich eine Möglichkeit zu spionieren. Zuerst war ich natürlich völlig begeistert, dass der Dunkle Lord uns für würdig erachtete, und uns besuchte. Doch dann sah ich zuerst, wie meine Eltern beide auf dem Bauch landeten und den Saum der Robe dieses Monsters küssten. Und hörte dann, dass sie ihm mich als ihren Beitrag für die ‚grosse Sache' anboten. Das hat mir gereicht. Vor allem, als ich die öligen Kommentare dieser Schlange vernahm. Mir war klar, dass die nichts anderes als Voldemorts Sklaven waren. Vater und Mutter waren beide bereit, andere zu töten und zu foltern, nur um ihrem Meister zu gehorchen, das hatten sie vorher schon getan und wohl sogar Genuss dabei empfunden. Ich wusste, dass ich noch etwa ein Jahr lang sicher war, also verhielt ich mich sehr still und hatte schon im Stillen die Absicht, mich Dumbledore in Hogwarts anzuvertrauen, aber dann entschloss sich Vater ja zu seiner ziemlich dummen Aktion, nach der ich dann auf die Sunnegg kam. Dass er einfach so Neville aus dem Weg räumen wollte, nur weil der zufällig mitgerissen wurde, fand ich genauso schlimm wie seine Absicht, mich zu töten, falls ich mich ihm nicht fügen sollte. Jetzt weiss ich, was Harry gefühlt hat, als damals Diggory direkt neben ihm ermordet wurde. Ich hatte beinahe die selbe Erfahrung gemacht, aber dieses Beinahe half mir, seine Schuldgefühle vollkommen zu verstehen. Ich hegte sie gegenüber Neville, war aber wenigstens so glücklich, dass Neville überlebt hatte. Trotzdem schämte ich mich lange Zeit für meinen Vater, obwohl ich genau wusste, dass Neville die Schuld demjenigen zuwies, dem sie gehörte – meinem Vater.

Natürlich war ich kein Engel gewesen. Ich liebte es, die anderen auf die Palme zu bringen und es gelang mir immer sehr gut, besonders mit Ron. Es war ausserdem ganz befriedigend, zwei Leibwächter zu haben, auch wenn die dumm wie Bohnenstroh waren. Aber in dem Moment, als ich die erbärmliche Anbetung meiner Eltern gegenüber Voldemort mitbekam, und dass ein solches Verhalten später von mir auch erwartet wurde, da habe ich schon eingesehen, dass etwas mit dieser Welt einfach nicht stimmen kann. Daran wollte ich keinen Anteil haben. Ich war eigentlich schon vorher sicher gewesen, dass ich kein Todesser werden wollte, aber hatte nie gewusst, wie ich diesem Schicksal entrinnen könnte. Ich kehrte also nach Hogwarts zurück und verhielt mich unauffällig. Meine Lieblingsziele für meine Hänseleien waren nicht mehr da, also fiel das niemandem gross auf. Und dann kam Vater und versuchte, mich aus Hogwarts herauszuholen, was misslang. Sehr untypisch für ihn, aber aus den Prozessakten, die ich gelesen habe, wenn ich auch dem Prozess nicht beiwohnen wollte, habe ich ersehen, dass er von Voldemort unter Druck gestellt wurde, seinen Beitrag an die nächste Generation der Todesser zu leisten, andernfalls er ziemlich übel zugerichtet werden würde. Parkinson, Crabbe und Goyle waren da schon Todesser, ebenso wie andere, die Hogwarts kurz zuvor verlassen hatten und einige der Sechst- und Siebtklässler. Ich war nie in meinem Leben vorher so froh gewesen, McGonagall zu sehen wie an diesem Abend. Sie kann ganz schön gefährlich sein, wenn sie will, diese Frau!

Und das brachte mich zu meiner zweiten Chance. Ich habe schon so oft Menschen davon sprechen hören, dass sie eine zweite Chance bekommen hatten und was ihnen das bedeutet hatte. Für mich war das vorher immer sentimentales Gefasel gewesen, aber jetzt sehe ich ein, dass es alles andere war. Dann als die Reihe einer zweiten Chance an mich kam, war ich sehr dankbar dafür. Es war ein sehr langsamer Prozess, der für mich sehr schwer war, denn von vertrauten Mustern verabschiedet man sich nicht gern, aber jetzt, nach drei Jahren, bin ich voll akzeptiert und gehöre zur Bande wie alle anderen. Ich will nicht mal versuchen mir vorzustellen, was mein Vater wohl dazu zu sagen hätte, dass meine Geschäftspartner nicht nur Weasleys sind, sondern die fröhlichsten und muntersten von allen von ihnen noch dazu. Und dass ich auch mit den anderen Weasleys jetzt regen Umgang pflege. Ich glaube, ich werde ihn irgendwann in Azkaban besuchen, nur um ihm das genüsslich unter die Nase zu reiben.

Denn das Drachenlachen wird ein ernsthaftes Geschäft werden, aber ich gedenke ebenso wie George und Fred dabei eine Menge Spass zu haben. Ich habe noch nie vorher so viel gearbeitet und es war wirklich harte Arbeit, ein so grosses Areal mit Muggelabwehrzaubern zu besprechen, aber ich werde darauf zurückblicken und sagen können, dass ich das mit meinen eigenen Händen gebaut habe, nicht mit der gekauften Arbeit von irgendwelchen Untergebenen. Ich hätte nie gedacht, dass das ein so gutes Gefühl des Stolzes geben könnte. Jeden Abend, wenn ich mich in unserem Blockhaus schlafen lege, habe ich auch ein Gefühl, etwas erreicht zu haben. Erstaunlich, wie befriedigend so etwas sein kann.

Eine andere Sache, die ich Sirius, Remus und der Sunneggbande zu verdanken habe, ist dass ich dort endlich Freude am Lernen gefunden hatte. Vorher war mein Ehrgeiz einfach gewesen, besser zu sein als andere, und den Ehrgeiz meines Vaters zu befriedigen. Ich war hauptsächlich deshalb in Zaubertränke gut, weil Snape mir alles, den Gryffindors aber nichts durchgehen liess. Ich wusste immer schon, dass Hermione viel besser als ich war. Die Art, mit der Sirius und Remus unterrichteten, zeigte mir dann, dass Lernen auch aus einem ganz anderen Grund wichtig war, nicht nur, um den anderen zu zeigen, dass ich besser war, sondern ganz für mich, um meinen Wissensdurst zu stillen, von dem ich vorher gar nicht gewusst hatte, dass ich den überhaupt besass. Ganz am Anfang musste ich mich arg zusammennehmen, um bei Hermiones Begeisterung für alles Neue nicht jedes Mal herablassend zu grinsen. Als ich mal darüber wegsehen konnte, war sie für mich nicht mehr das Schlammblut, sondern eine äusserst talentierte und intelligente Hexe, die ausserdem mit einer guten Portion Power daherkam. Und dann konnte ich meine anerzogenen Vorurteile hinter mir lassen. Jetzt bewundere ich sie für ihre endlose Neugier auf alles Wissenswerte und ihre Fähigkeit, dieses Wissen auch zu speichern und im richtigen Moment abzurufen. Sie liebt es, vieles einfach zu speichern, nicht unbedingt, um die Beste zu sein, obwohl sie das wohl auch nicht verachtet, sondern weil sie es einfach toll findet, wie viel sie in ihr Hirn schichten kann. Mein Hass auf sie kam auch hauptsächlich von dem, was meine Eltern mir seit meiner Geburt eingehämmert hatten, nämlich dass Muggel-geborene Hexen und Zauberer eigentlich gar keine seien und als Untermenschen einzustufen waren. Als kleines Kind konnte ich mich dem wohl kaum entziehen und erst später merkte ich, dass man mich gedrillt hatte. Aber als Kind vertraut man doch seinen Eltern und die können nichts falsch machen, oder?

Lange Zeit habe ich mich gefragt, wie Sirius einer solchen Umgebung entkommen konnte. Ich meine, ich bin ein Malfoy, aber er wurde in die Black-Familie geboren, die wahrscheinlich älteste magische Familie in England überhaupt. Noch dazu war er der erste Erbe der Familie. Meine Mutter hat sich noch und noch darüber beschwert, dass ausgerechnet Sirius der Erbe war und zog immer über sein blutschänderisches Verhalten her und monierte, dass er es gar nicht verdiente, diesen Namen überhaupt zu tragen. Wahrscheinlich war viel Neid dabei, erstens darauf, selber ein Mädchen und daher in der Erbfolge nur zweitklassig zu sein und zweitens auch, von einem Vater gezeugt worden zu sein, der ein jüngerer Bruder war. Nach dem, was Sirius und Tonks erzählen, bin ich froh, dass ich meine Grosstante Leda nie gekannt habe. Ich habe sie und Grossonkel Arcturus zwar ein paar Mal gesehen, als ich ganz klein war, doch nachdem sie starb, habe ich das alte Haus am Grimmauld Place nie wieder betreten und wohl auch meine Mutter nicht. Alles, woran ich mich erinnere ist, dass sie aussah wie eine schauerliche alte Hexe aus den Muggelgeschichten. Als ich das Sirius sagte, grinste er nur und fand, dass er sehr dankbar dafür sei, das Aussehen seines Vaters geerbt zu haben und die Intelligenz seiner Mutter. Sie war nämlich ebenso intelligent, wie sie hässlich war, sagte er, aber eben auch völlig verdreht im Kopf. Dann erzählte er mir von seinem Onkel Alphard, der im Alter zwischen Arcturus und meinem Grossvater Rigel gestanden hatte, aber auch früh verstorben war. Dass Onkel Alphard mehr wie er und Tonks gewesen wäre und deshalb Sirius ein bisschen unter seine Fittiche genommen hatte. Und dass er schliesslich sein ganzes Geld Sirius und meiner Tante Andromeda vermacht habe, um sicherzustellen, dass Sirius nach dem Verlassen der Familie nicht mittellos dastand. Ich wette, der alte Junge muss Sirius wirklich gern gehabt haben! Und jetzt hat Sirius dazu auch noch das volle Black-Erbe, das sich seine Verwandten nicht hatten unter den Nagel reissen können, weil er eben noch am Leben war, wenn auch in Azkaban und auf der Flucht. Die Konten waren theoretisch eingefroren, aber ausser ihm selber hatte keiner Zugang. Ich bin sicher, dass er mindestens so viel in seinen Verliesen hat wie wir Malfoys. Aber er hat für all das auch mit weit mehr bezahlt, als man von jemandem verlangen kann. Auch ich hatte geglaubt, dass er's gewesen war, ebenso wie alle anderen. Auch ich hatte die Wahrheit erst richtig kennen gelernt, als ich auf die Sunnegg kam, kurz nach Pettigrews Festnahme. Auf der Sunnegg hat er mir auch nach und nach einiges aus seiner Kindheit erzählt, nicht nur aus der Zeit vor Hogwarts, sondern auch wie es ihm ergangen war, als er nicht wie erwartet nach Slytherin, sondern nach Gryffindor sortiert wurde. Es muss die wahre Hölle gewesen sein. Da dürfte ihm der wahre Wert von echten Freunden klar geworden sein. Ich darf mir gar nicht vorstellen, was passiert wäre, wenn ich die Erwartungen meiner Eltern, nach Slytherin zu kommen, nicht erfüllt hätte. Sie hätten mich danach wie Dreck behandelt, selbst wenn mein Haus Ravenclaw gewesen wäre. Das wurde höchstens für ein Mädchen in der Familie toleriert, das man auch als Ravenclaw noch problemlos an den zukünftigen Mann hätte verheiraten können. Und ich mag gar nicht daran denken, was Sirius dann in Azkaban gelitten hat.

Es war in meinem sechsten Jahr, als ich richtig angefangen habe, mich mit Sirius zu unterhalten. Er ist ein grossartiger Knabe! Abgesehen von seinem Hang zum Unfug hat er einen sehr soliden Charakter. Das musste er wohl auch besitzen, um so etwas wie die zwölf Jahre in Azkaban mehr oder weniger unbeschadet zu überstehen. Er sagte, dass sein Kopf sich schon gelichtet hatte, kaum dass er Azkaban und den Klauen der Dementoren entronnen war, aber dass er immer noch ziemlich umnebelt gewesen war. Selbst mit der perfekten Tarnung als Hund muss es auf der zweijährigen Flucht immer noch schwer genug für ihn gewesen sein. Ich war fast krank, als er mir erzählt hat, was er in Azkaban alles erlebt hat. Wahrscheinlich hat er ausser mir und Remus nicht vielen Leuten so viel darüber erzählt, wie er sich da drin wirklich gefühlt hat. Schon gar nicht Harry, der schon belastet genug war, als dass Sirius ihn auch noch mit diesem Wissen behängen wollte und erst recht nicht James, dem er etwelche Schuldgefühle auf jeden Fall ersparen wollte. Diese Rücksichtnahme fand ich ebenso bewundernswert wie die Art, mit der Sirius mit Azkaban fertig wurde und wird. Er hat überlebt, und das grenzt eigentlich schon fast an ein Wunder, denn für ihn war die Hölle ja verzehnfacht, denn dadurch, dass er sich in den Hund verwandeln konnte, konnte er den Dementoren zwar meistens entgehen, aber wenn sie ihn in seiner menschlichen Gestalt erwischten, dann traf es ihn am Ende seines zehnten Jahres dort ebenso schlimm wie in seinen ersten Tagen.

Er ist immer noch total verliebt in seinen Gefährten. Wenn ich mir vorstelle, dass die seit mehr als zwanzig Jahren ein Paar sind, aber davon grade mal fünf oder sechs wirklich zusammen waren... scheint mir fast ein Wunder zu sein, dass diese Beziehung immer noch so stark ist. Und es hat gewiss nichts mit der Mär zu tun, dass Werwölfe sich fürs Leben binden, bloss weil das manche Wölfe tun. Remus ist nicht so sicher, ob das wirklich stimmt, aber er gibt zu, dass es ihm nicht so gut geht, wenn er von seinem Gefährten getrennt ist und er den Wolf in sich stärker spürt. Dafür kann man wirklich sagen, dass Remus sehr gesund und auch gut aussieht, seit er wieder mit Sirius zusammen ist, jedenfalls hat er nicht mehr diesen Ausdruck grosser Traurigkeit und dauernder Erschöpfung in den Augen wie damals, als Remus in unserem dritten Jahr in Hogwarts unterrichtet hat.

Wir haben überhaupt auf der Sunnegg einen völlig anderen Professor Remus Lupin kennen gelernt. Im Schulzimmer war er der Gleiche wie damals in Hogwarts: kompetent, milde, wenn er auch die Klasse gut in der Hand hatte, sehr sicher in seinen Fächern. Aber sobald wir den Ernst des Klassenzimmers hinter uns liessen, verwandelte er sich immer in eine spritzige Persönlichkeit, jemand, der jedem das Wort im Mund so umdrehen konnte, dass alle lachten, sichtbar glücklich in seiner Beziehung zu Sirius und immer bereit für ein Spiel oder einen Spass.

Und schliesslich meine ‚Geschwister'. Wir haben wohl ein Haus eigener Art gebildet, auch wenn die Flaggen der vier Hogwarts-Häuser immer noch an der Wand in der Küche hängen. Zumindest hat es sich für uns so angefühlt, als wir für die OWLS und dann die NEWTS in Hogwarts waren, und das nicht nur, weil sie uns als Gruppe immer wie eine eigene Klasse behandelt haben. War 'n gutes Gefühl! Vielleicht war es, weil ich mich in der Gruppe so eingesponnen fühlte, weil wir eine Familie waren, während ich vorher einfach ein hochwohlgeborenes Mitglied im Haus Slytherin war, vor dem alle kuschten. In Wirklichkeit war ich wohl einsamer als ich dachte. Man gehört in Slytherin nicht einfach dazu, man muss drauf achten, immer mit den politisch richtigen Leuten Kontakt zu haben und alle Eltern quasseln einem immer wieder rein, wer denn nun zu dieser erwählten Gruppe zu gehören hat. Das ist offenbar in den anderen Häusern ganz anders. Dort interessieren sich die Eltern eher, wie sich ihre Kinder entwickeln, aber sie machen ihnen nicht dauernd Vorschriften, mit wem sie welchen Umgang pflegen dürfen und sollen.

Jetzt weiss ich, wie es sich in einer wirklichen Familie anfühlt, deshalb verstehe ich die Abneigung der anderen Schüler gegenüber den Slytherins besser. Na ja, wenn nicht Abneigung, so doch immerhin Misstrauen. Alles ist vor allem ein riesengrosses Missverständnis. Die Slytherins benehmen sich miserabel, weil sie von den anderen Häusern eh kein Verständnis erwarten – auch nicht sollen, schon weil viele reinblütige Eltern dies von ihren Kindern verlangen – und weil sie fühlen, dass die anderen sie ablehnen und die anderen lehnen sie ab, weil die Slytherins sich mies benehmen. Der Kreis beginnt von neuem. Beide Seiten haben dabei recht und unrecht zugleich. Man kann den anderen Häusern ihr Misstrauen nicht verdenken, weil die meisten Todesser und sozusagen alle Dunklen Lords der magischen Geschichte aus dem Haus Slytherin stammen. Aber die gefährlichsten kommen immer aus einem der anderen Häuser, behauptet Dumbledore; die den grössten Schaden anrichten sind die, von denen es keiner erwartet.

Trotzdem. Schon nur, dass die Slytherins da unten in den Kerkern leben müssen. Und auch noch stolz drauf sind! Bin ich froh, habe ich meine noble Blässe hinter mir gelassen. Ich fühle mich jetzt viel besser, auch viel gesünder. Zum Aufwachsen braucht man Licht und Luft – beides Fremdwörter für die meisten Slytherins. Ich schaudere bei dem blossen Gedanken daran, dass entweder Seraina oder Denny da unten landen könnten. Moment mal! Klinge ich überhaupt noch wie ein Slytherin? Na ja, meinetwegen soll Salazar sich jetzt im Grab umdrehen, mir egal. Natürlich werden die Zwillinge spätestens bei ihrem Eintritt in Hogwarts wissen, dass der Sortierhut auch gern Wünsche entgegennimmt und erfüllt, wenn er eine Möglichkeit sieht. Ausserdem steht auf beiden Kindern schon fast riesengross Gryffindor angeschrieben.

Wir sind auf die Sunnegg zurückgekehrt, aber am Montag werde ich wieder im Blockhaus sein und meine Arbeit fortführen.