Prompt: Das perfekte Geschenk finden


Da stand er nun also und wußte nicht so recht, was er hier eigentlich tun wollte.

Sean Renard fühlte sich wie ein Fisch außerhalb des Wassers, als er da stand und überlegte, was er jetzt wie am besten tun sollte.

Juliette Silverton, Grimm Nick Burkhardts Ex-Freundin, hatte ihn über die Feiertage eingeladen. Ihn! Als wäre es nicht schon schwer genug, ihr eben nicht über den Weg zu laufen.

Andererseits … vielleicht war es das beste, wenn sie beide ihren Gefühlen füreinander nachgeben würden. Schlimmer konnte es wohl kaum noch werden, oder?

Sean rief sich zur Ordnung. Natürlich ging es schlimmer, es ging immer schlimmer! Nick hätte wirklich Adalind mit ihrem Hexenbiest töten sollen anstatt sie am Leben zu lassen!

Okay, rief der Prinz von Portland sich zur Ordnung, er hatte zugesagt und würde auch brav erscheinen. Es gab schlicht nichts mehr, was sie beide voneinander fernhalten konnte. Warum also sollten sie sich weiterhin dagegen stemmen?

Weil es nicht natürlich war, was sie durchmachten, rief er sich ins Gedächtnis.

Aber … Juliette war wirklich eine wunderschöne Frau, intelligent, gewandt, gebildet, sensibel. Sie könnte wirklich an seiner Seite bleiben, die Voraussetzungen hatte sie sicherlich.

Sean wurde der Mund trocken allein bei dem Gedanken.

Juliette an seiner Seite – für immer!

Seine Knie wurden weich.

Warum war es nur so schwer zu begreifen, daß da nichts natürlich war, daß, sobald irgendeine Lösung gefunden war, sie sich vermutlich überhaupt nicht würden leiden können? Vielleicht würde Juliette dann sogar versuchen, zu Nick zurückzukehren.

Seans Kragen wurde eng.

Das wurde wirklich immer schlimmer, gestand er sich ein, sich an das erinnernd, was dieser Typ im Tee- und Kräuterladen ihm über seinen Zustand erklärt hatte. Bisher hatte Sean das so weit wie möglich von sich gewiesen.

Eine Obsession? Er? Ein Royal? Unmöglich!

Aber Juliette sah nun mal verdammt … heiß aus und Nick, sein Grimm, sein persönlicher Grimm!, war im Weg – gut, jetzt nicht mehr, aber …

Sean knirschte mit den Zähnen und ballte die Hände zu Fäusten, als er das Hexenbiest in sich anklopfen spürte.

Nein! Er würde nicht nachgeben! Vor allem nicht der minderen Hälfte seiner selbst. Wenn er eines noch mehr haßte als den Grimm zur Zeit, dann war es sein verdammtes Muttererbe!

Nun gut, er haßte nicht unbedingt seine Mutter, zugegeben. Und, solange er sie unter Kontrolle hatte, haßte er auch nicht das Hexenbiest in sich. Im Moment aber …

Sean fokusierte neu.

Juliette hatte ihn eingeladen, die Weihnachtstage bei ihr zu verbringen. Das war eine Möglichkeit, aus der ganzen Sache herauszukommen. Wer konnte schon sagen, ob der Zauber nicht vielleicht dadurch endete, daß sie ihm nachgaben? Konnte ja immerhin sein, oder? Adalind hatte ja bereits geschafft, was sie hatte schaffen wollen mit diesem verdammten Trank!

Adalind …

Sean kniff die Lippen aufeinander.

Sobald die aus der Zelle sein würde in weniger als einem Tag würde er persönlich dafür sorgen, daß sein Bruder ein weiteres nettes Paket erhielt, mit Adalinds hübschem Kopf darin. Würde sich sicherlich gut machen unter dem heimatlichen Weihnachtsbaum …

Sean rief sich zu Ordnung, erneut.

Wenn es doch nicht so verdammt schwer wäre! Wenn er sich doch wenigstens für zwei Minuten auf etwas anderes als Juliette, Nick, Adalind oder … Sex konzentrieren könnte.

Sean erschauderte.

Irgendwie würde er aus dieser fatalen Situation wieder herauskommen. Irgendwie würde sich eine Lösung finden, so oder so. Er würde nicht so einfach aufgeben! Er war ein Royal, und Royals gaben niemals auf!

Jetzt galt es, ein nettes Geschenk für Juliette zu finden. Irgendetwas, womit er ihr eine Freude machen konnte zu Weihnachten. So machte man das doch, oder? Man beschenkte diejenigen, die einem am Herzen lagen …

Sean nickte gedankenverloren.

Ja, genau so lief das. So und nicht anders …

„Kann ich Ihnen behilflich sein?" erkundigte sich in diesem Moment der Verkäufer hinter der Ladentheke.

Sean blickte blinzelnd auf, erkannte erst jetzt, WO er sich befand und auf WAS er die ganze Zeit gestarrt hatte. Und … ein böses Grinsen schlich sich auf sein Gesicht, als er wieder zu nicken begann.

„Oh ja", antwortete er dem Verkäufer im Gartencenter. „Ich habe eine fürchterliche Schneckenplage in meinem Garten und brauche unbedingt Schneckenkorn."

Der Verkäufer starrte ihn verblüfft an. „Jetzt? Zu Weihnachten?"

Sean nickte. „Und … oh, könnten Sie es vielleicht als Geschenk verpacken?"

Er hatte das perfekte Geschenk gefunden – für Adalind!