Zora saß gelangweilt neben Ron und Harry im Zaubertrankunterricht und schaute Snape aus trüben Augen an. Der hatte ihr zu ihrem Glück echt noch gefehlt. Sie hatte in der Aufregung gestern Nacht nämlich vergessen, ihre, dieses mal sogar gemachten, Hausaufgaben mit zu nehmen und Snape würde sicher nicht freundlich sagen: Klar, Miss Dolarhyde, gehen sie schnell nach oben und holen sie die Hausaufgaben.
Deswegen versuchte sich Zora so unauffällig wie möglich zu benehmen, noch unauffälliger ging es wohl gar nicht mehr. Zora sagte nämlich keinen Ton in Snapes Stunden, sie bezweifelte, dass Snape überhaupt wusste, dass sie da war.
"Miss Dolarhyde."
Doch wusste er...
„Ja?" sagte Zora und schaute so freundlich wie sie konnte.
„Hätten Sie die Güte auch Ihren Aufsatz vorzulesen, oder ist das unter Ihrer Würde? Ich habe Sie nun bereits zum zweiten Mal aufgefordert." Snape war von seinem Pult aufgestanden und ging mit langsamen Schritten auf Zora zu.
„Ja... also, das ist so..." stammelte sie, „Mein Aufsatz..."
Snape war nun an ihrem Tisch angekommen und starrte sie aus seinen unergründlichen schwarzen Augen an. „Ja? Was ist mit Ihren Hausaufgaben? Das interessiert mich brennend."
„Die sind... ähm... noch im Schlafraum..." sagte Zora sehr leise und fügte noch leiser hinzu: „Aber ich könnte sie holen..."
Snape schnaubte. "Ja sicher, rennen wir einfach alle raus in meinem Unterricht, weil wir irgendetwas vergessen haben... zwanzig Punkte Abzug für Gryffindor, für besondere Unverschämtheit von Miss Dolarhyde!"
Hermine schaute sie böse an und nicht nur sie, auch einige andere Gryffindors hatten sich umgewandt und machten böse Gesichter, während die Slytherins aussahen, als wäre Weihnachten einen Monat früher gekommen. Zora schrumpfte auf ihrem Stuhl zusammen und schaute mit wässrigen Augen zu Boden. Heute lief aber auch mal wieder alles schief.

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Kurz vor dem Essen flitzte Zora so schnell sie konnte zur großen Halle, weil Ginny dort auf sie wartete.
"Man, war das ein Tag... und es wird sicher noch schlimmer." jammerte Zora und Ginny nahm sie daraufhin kurzerhand in den Arm.
"Wird schon." Sie lächelte und Zora begann auch wieder zu lächeln.
Langsam gingen sie zur großen Halle und schauten sich um. Außer ihnen war noch keiner da.
"Zum Glück. Lass uns schnell Essen, dann kann mich auch keiner anmeckern." rief Zora und warf sich mit vollem Elan auf eine der Bänke.
Ginny setzte sich ihr gegenüber und wollte gerade etwas sagen, als die Türe abermals aufging und die restlichen Gryffindors herein strömten. Ginny hatte nämlich eine unbekannte Krankheit vorgetäuscht und war dann vom Unterricht befreit worden, während Zora bei Professor Binns raus geflogen war und einfach kurzerhand ihre Sachen mitgenommen hatte.
„Wieso seid ihr denn schon da?" begrüßte Harry die beiden und setzte sich neben Ginny.
„Aus dekorativen Gründen." würgte Zora ihn ab.
Harry lachte und schaute sich in der Halle um, die sich nun zusehends füllte.
Wie Zora bemerkte, auch mit Slytherins... auch mit Draco. Sie kam sich immer noch wie der letzte Idiot vor, weil sie gestern Nacht so ein Theater gemacht hatte.
Stumm schob sie sich pappigen Apfelmus in den Mund und lauschte den Gesprächen am Tisch, die wirklich uninteressant waren.
Heute war mal wieder ein absolut überflüssiger Tag und am liebsten wäre Zora jetzt schlafen gegangen, doch dann würde sie ja schon wieder die ganze Nacht wach liegen, darauf hatte sie wirklich keine Lust.
„Sag mal, Zora, was ist eigentlich mit dir los?" fragte Harry so plötzlich.
Zora schreckte aus ihren Gedanken hoch. "Nichts, wieso?"
„Du sitzt hier so herum und sagst keinen Ton. Sonst redest du uns immer Fransen ans Ohr."
„Na und? Darf ich keine schlechte Laune haben?" fauchte Zora ihn lautstark an, sodass sich einige ältere Gryffindors zu ihr umdrehten, während Ginny sie versuchte zu beschwichtigen.
„Ich sag nichts mehr, okay?" Harry hob resignierend die Hände und begann wieder mit dem Essen.
Zora stopfte alles in sich herein, und verschwand so schnell vom Tisch wie sie konnte.

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Am Abend war Zora alleine in der Bibliothek und suchte nach einem Buch, das ihr bei ihrem Zaubertrankaufsatz helfen könnte.
„Suchst du das hier, Dolarhyde?" sagte Malfoy plötzlich hinter ihr.
„Ja, gib her." entgegnete sie und streckte ihre Hand danach aus.
„Hm... ich denke ich behalte es. Schließlich muss ich meinen Aufsatz auch noch machen." Draco lächelte Zora zu und legte das Buch hinter sich.
„Ekel!" giftete Zora und wollte an Malfoy vorbei, um das Buch zurück zu holen.
„Erst einmal sagst du mir, warum du hier bist. Zum lernen ja nun ganz bestimmt nicht." meinte Draco.
Zora zog eine Augenbraue hoch. „Sondern?"
„Du wolltest mich sehen." Er grinste dämlich. Fand Zora zumindest.
„Danke, nein, ich muss dich leider jeden Tag ertragen, das reicht mir schon." Sie kicherte über sein bescheuertes Lächeln, glaubte er, so bekam man Mädchen herum?
„Du findest das lustig?" Draco sah sie ein wenig ungläubig an. „Du überraschst mich."
„Danke."
„Das war kein Kompliment." Malfoy lächelte wieder dieses alberne Lächeln.
„Manchmal glaube ich, es wäre eine wundervolle Idee dich zu verhexen, weißt du?" antwortete sie mit einem süßlichen Lächeln.
Auch bei diesem Mal war Draco schneller mit dem Zauberstab. Und auch schneller mit seinem Fluch: „Petrificus Totalus."
„Du mieser, Kleiner..." Zora versuchte nach vorne zu hechten, aber der Körperklammerfluch verfehlte seine Wirkung nicht, sie stieß jedoch gegen den kleinen Tisch neben Draco und polterte mitsamt dem Tisch in eines der Bücherregale.
Fluchend rappelte sie sich auf und bemerkte, dass ihre Rippen höllisch weh taten. Aber auch, dass sie wieder frei war.
„Verdammt." fluchte sie und rieb sich die schmerzenden Rippen.
Draco schüttelte den Kopf und nahm Zora an beiden Händen und richtete sie so wieder auf.
„So jemanden wie dich, gibt es wirklich nicht noch Einmal. Wie kann ein Mensch alleine sein so dumm sein Du weißt dass ich schneller und besser zaubere, als du?"
Zora verengte die Augen zu Schlitzen und schaute Draco provozierend an. „Muss das immer sein, dass du mich fertig machst? Kannst du nicht einmal freundlich sein?"
Draco wollte etwas sagen, doch Zora unterbrach ihn schroff. „Ja, ich weiß, das frage ich dich jedes Mal, wenn wir uns irgendwo sehen, aber kannst du nicht einmal verstehen, dass ich keine Lust auf deine dummen Sprüche hab?"
„Was ist denn passiert, dass du so leicht in die Luft gehst?" wollte Draco wissen, hielt sie aber immer noch, ohne dass er es wirklich wahrnahm, an den Armen fest.
„Würdest du mich bitte mal loslassen?" keifte Zora ihn an.
Draco nuschelte etwas unverständliches und seine Wangen hatten einen Hauch von rosa angenommen.
„Ha ha, du wirst ja rot in der Gegenwart eines weiblichen Wesens." stichelte Zora und tippte ihm mit dem Zeigefinger auf die Stirn.
Draco hatte sich jedoch schon wieder gefangen. „Als weibliches Wesen kann man dich ja wohl kaum bezeichnen."
Jetzt war es endgültig um Zora geschehen und sie brüllte ihn haltlos an. „Wenn's dir nicht passt, dann häng' mir doch nicht immer auf der Pelle! Ich habe nicht um deine Gesellschaft gebeten."
Draco jedoch zuckte die Schultern. „Wie du meinst..." sagte er sehr leise und machte auf dem Absatz kehrt und verließ dann die Bibliothek.
Zora schaute ihm mit großen Augen nach. Sie schlug mit der Faust gegen die Wand und Tränen schossen ihr die Augen.
„Nein..." wimmerte sie leise... „Nein..."

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