Kapitel 4 : Warten
Rosalie PoV / 2009
(Zurück in der Gegenwart)
Wir saßen unbeholfen in der Notaufnahme. In der vollen Notaufnahme. Ben hatte ich an mich gedrückt, er schlief tief und fest und Jasper stand neben mir, seine rechte Hand lag auf meiner linken Schulter. Er ist gerade erst zurück gekommen, er hatte mit Sandy telefoniert, unserem Psychotherapeut, er musste unbedingt so schnell wie möglich kommen bevor sich das Amt einschaltete. Wir waren zwar in dem Krankenhaus, in dem Dad arbeitet und wir hatten sofort dafür gesorgt, dass ein Freund von Dad, Eleazar, sich ihm annimmt, aber man konnte ja nie wissen.
Es war inzwischen fast halb fünf am Morgen. Ich zitterte ein wenig weil mir so kalt war, weil ich so müde war und nur schlafen wollte. Alles rauschte an einem vorbei hier und niemand interessierte sich wirklich für uns. Die Schwestern auf jeden Fall nicht, sie schauten immer sofort beschämt weg, wenn sich ihre Blicke uns nährten.
Wir wurden von einer älteren Dame angepöbelt weil sie dachte, das Jasper mein Freund war und Ben unser Kind. Jasper regelte die Sache in dem er meinen Kopf in seine Seite zog und anfing meine Kopfhaut zu kraulen, das die Frau uns nicht anspuckte war alles. Ich war dankbar darum, ich musste sogar ein Grinsen unterdrücken. „Spinner" murmelte ich und schloss meine Augen. Nur um sie ein wenig zu entspannen. Aber natürlich dauerte es nicht lange bis ich einschlief.
Aber ich wachte nicht viel später auf. Jasper weckte mich vorsichtig, er streichelte meine Wange und war ganz dicht vor meinem Gesicht. Ich hoffte die Alte saß noch da…
„Hee Rose, wach auf, Sandy ist hier." Ich öffnete meine Augen und blinzelte ein wenig, Sandy lächelte mich an, während sich Jasper wieder aufrichtete. „Kommt, lasst uns woanders hingehen, dann können wir besser reden." Ich nickte und stand auf, die alte Frau war leider nicht mehr da. Ich lief ein paar Schritte neben meinem älteren Bruder her. Sandy auf meiner anderen Seite.
„Wie geht es Dad?" fragte ich dann. „Wir reden gleich darüber!" Sandy lächelte und führte uns in einen Raum, in dem ein kleiner Tisch und mehr Stühle standen, als dran passen würden. Sandy setzte sich, rückte mir aber erst einen Stuhl zurecht. Jasper nahm mir Ben ab, meine Arme waren schon ganz taub.
„Ihr zwei, es tut mir wirklich leid, dass ich nicht früher kommen konnte, aber es ist Richtig, dass ihr mich gerufen habt!" er lobte uns mit einem breiten Lächeln über seinem Gesicht. Er erklärte uns, dass Eleazar sofort zu uns stoßen würde und wir dann alles Weitere besprechen würden. Unserem Vater ginge es so weit gut, er würde schlafen.
Schlafen? Ich musste mit ihm reden! Anscheinend sah Jasper die Sache etwas anders. Er lachte erst kurz auf, schlug sich dann eine Hand vor den Mund und fing an zu schluchzen. Ich nahm ihm sofort Ben wieder ab damit er Platz hatte. Sandy kam um den Tisch herum, setzte sich neben Jasper wieder hin und legte beide Hände auf seine Schultern. Er bat ihn aufzustehen und Jasper tat was Sandy wollte, wir hatten beide gelernt, dass Sandy wusste, was er tat und dass er uns helfen wollte mit allem, was er tat. Sandy war auf Kinder und Jugendpsychologie nach Gewaltverbrechen spezialisiert.
„Bitte nimm deine Hand vom Gesicht Jasper." Jasper senkte tatsächlich sofort seine zitternden Arme. Sandy legte sie daraufhin um Jaspers Schultern und drückte ihn dann an sich. Normalerweise legte er uns auf den Boden und wickelte uns um seinen Körper wenn wir so zusammen brachen aber ich glaubte der kalte Krankenhausboden war hierfür nicht geeignet. Er hielt Jasper in den Armen und zwang ihn so auf seinen Beinen stehen zu bleiben, er würde nicht zulassen, dass er jetzt in sich selbst versackte. „Du machst das gut. Alles wird wieder gut. Es ist alles gar nicht so schlimm." Ich wog Benny in meinen Armen und durchdachte seine Worte, es ist alles gar nicht so schlimm?
Ich wollte endlich wissen, was los war. Jaspers Schluchzer berührten meine Seele und ich wollte ihn trösten aber ich glaubte er weinte einfach nur, weil er erleichtert war. Er weinte, weil Dad uns nicht zurück gelassen hatte auf dieser verfluchten Welt. Danke.
„Kann ich mich wieder setzten?" schluchzte Jasper bald und Sandy bejahte die Frage und reichte ihm ein Tempo, trotzdem legte er die Hände wieder auf Jaspers Schulter und sorgte dafür, das Jasper gerade sitzen blieb und es war gerade wieder ruhig im Raum. Nur Sandys und Jaspers tiefes Atmen war zu hören. Er lächelte zu mir rüber und ich musste ein wenig zurück lächeln, weil ich genauso stolz auf mich war, wie er es in diesem Moment auf uns beide war.
Dann kam Eleazar rein und Sandy musste Jasper dazu zwingen gerade sitzen zu bleiben.
„Hallo ihr zwei!" er begrüßte uns lächelnd, ich glaubte er versuchte das Mitleid aus seiner Stimme zu vertreiben, Jasper rappelte sich auf und Eleazar schüttelte ihm zu Erst die Hand, dann reichte er sie mir aber ich konnte nichts anders tun, als sie anzustarren. Bis ich mir darüber im Klaren war, dass dieser Mann mir nichts tun würde, hatte er die Hand schon wieder weggezogen und einfach nur ein ermutigendes Lächeln aufgesetzt.
„Also, es ist folgendermaßen, wir haben Carlisle den Magen auspumpen müssen." Ich musste mich darauf konzentrieren ihm zuzuhören, weil ich mich gerade schämte, dass ich seine Hand nicht angenommen hatte. Sandy rieb mir den Rücken und streichelte mit einem Finger über Bens Wange.
Eleazar erklärte uns, dass Dad eine kleine Überdosis genommen hatte von Tablette, die gegen akute Angstzustände wirkten, keine bedrohliche Menge aber gemischt mit Alkohol hatten sie eine etwas fatale Wirkung. Auf keinen Fall tödlich und Eleazar bestätigte uns, dass unser Vater das ganz genau wusste, darum ging er nicht von einem Suizidversuch aus. Er erklärte uns auch, dass Dad bisher noch nicht aufgewacht ist und dass es auch noch ein bisschen dauern würde. Es gäbe außerdem von seiner Seite aus absolut keinen Grund das Amt einzuschalten und Dads Krankenakte sei sauber und er würde daran auch nichts ändern.
„Ist eine psychologische Nachuntersuchung angeordnet?" Sandy fragte gerade hinaus, natürlich konnte diese noch Probleme machen, vor allem mit einer positiven Alkoholprobe und einer depressiven Verstimmung, die diagnostiziert wurde nach unsere Entführung und Mums und Maggies Tod. Wahrscheinlich würde sich die Diagnosen jetzt zu einer Depression ändern und welcher Patient wollte schon einen depressiven Arzt?
„Ich habe keine angeordnet, aber ich werde die Bedingung stellen, dass er sich wieder in Therapie begibt, wenn er mir das nicht versichert, werde ich Schritte einleiten müssen und das will ich nicht." Er drehte sich zu uns und schaute erst mir und dann Jasper in die Augen. „Und das mache ich nicht, weil ich etwas gegen euren Vater habe, sondern weil er mein Freund ist und ich weiß, was er durchgemacht hat und noch durchmacht." Ich nickte heftig mit dem Kopf. „Ich weiß, wenn ich diese Schritte einleiten müsste, dass ich einen Freund verlieren werde und nicht nur Symbolisch, ohne euch schafft er das nicht, okay ihr Zwei! Ich lass euch kurz alleine, ich werde dafür sorgen, dass ihr euren Vater so schnell wie möglich sehen könnt, aber am besten geht ihr jetzt erst mal nach Oben und legt euch in sein Büro. Ich weiß, dass da ein bequemes Sofa steht." Er legte uns einen Schlüssel hin, erklärte uns, dass er schon ein Kinderbettchen vor das Büro hat stellen lassen und dass wir uns bitte erst ausruhen sollen.
Sandy unterstützte das und trieb uns vor sich her nach oben. Jasper hatte den Schlüssel zu sich genommen und als wir oben waren, schloss er dir Tür zum Büro unsres Vaters auf. Er ließ mich eintreten und schob hinter uns das Bettchen ins Zimmer, Sandy kam zum Schluss herein. Er war auf dem Beobachtungstripp, somit blieb er an der Tür stehen und schaute was wir taten, wie wir mit der Situation umgehen würden. Wie uns die Umgebung reizen würde und was uns aufwühlte und was uns beruhigen würde. Ich legte Ben in das Bettchen und hoffte, dass er noch ein bisschen schlafen würde um vier hatte ich ihm zum letzten Mal die windel gewechselt und ihn gefüttert, jetzt war es nach halb Sechs, vielleicht gab er uns noch eine oder zwei Stunden. Sandy zog sehr umsichtig die Rollos nach unten und er setzte sich in einen Besucherstuhl, er hatte eine Notizbuch aufgeschlagen und fing an darin zu schreiben als ich und Jasper uns aufs Sofa legten. Jasper legte sich nach hinten und er schlang seine Arme um mich, zusammen legten wir die Decke über uns und ich war Sekundenspäter eingeschlafen, Jasper sprach noch mit Sandy aber ich nahm schon nicht mehr wahr, was sie redeten.
Mein Schlaf war unruhig und ich träumte. Alpträume, die mich nicht los ließen und die immer wieder zurück kamen, ich wachte auch nicht auf, ich erlebte einfach immer wieder das Selbe. Ich sah immer wieder, wie sie Mum töteten und Maggie und was sie mit Jasper machten, wie sie ihn quälten und seine Schreie, die Angst in seinen Augen, ich höre mich immer wieder flehen, dass sie aufhören sollen, aber sie machen einfach weiter. Das Flehen meiner Mutter als sie mir die Kleider vom Leib reisen und mich vergewaltigen… manchmal wache ich schreiend auf, manchmal nicht, manchmal weckt mich Dad oder Jasper aber egal wie, es tut immer wieder so weh und dann brauch ich jemanden der mich fest hält und mich wieder in den Schlaf wiegt. Heute wache ich nicht auf, ich merke nur, als ich aufwache, dass mir die Angst in den Knochen steckt und dass ich im Grunde so müde bin, wie beim Einschlafen.
Da war nun also der nächste Tag. Ich öffnete meine Augen vorsichtig, und es war hell im Raum, die Rollos schaffte da kaum Abhilfe. Jasper lag nicht mehr hinter mir das merkte ich, weil ich auf meinem Rücken lag und eine Hand an der Sofalehne lehnte. Ich drehte meinen Kopf in den Raum und Dad saß da, ich jagte nach Oben und warf mich ihm in die Arme, ich drückte mein Gesicht in seine Halsbeuge und die Tränen, die heute Nacht nicht gekommen waren, kamen jetzt in Strömen.
„Es tut mir so leid mein Engel. Ich war dumm, ich verspreche dir, dass so etwas nie wieder passiert!" flüsterte er bestimmt in mein Ohr, während er meinen Rücken streichelte und mir mit der anderen Hand durchs Haar fuhr. „Ich werde alles wieder gut machen, es tut mir so leid." Wiederholte er immer wieder aber ich wusste, dass es von meiner Seite nichts zu vergeben gab und darum verzieh ich ihm auch nicht sondern drückte mich nur ganz fest in seine Arme und schüttelte meinen Kopf heftig. Im Allgemeinen wusste ich in diesem Augenblick nicht, was ich sagen sollte, ich weinte einfach nur und Dad entschuldigte sich. Ich stellte irgendwann fest, dass wir alleine im Raum waren, auch das Bettchen, in dem Ben geschlafen hatte, war jetzt leer. Ich suchte im Raum nach einer großen Uhr, aber da war nichts, ich murmelte die Frage und Dad sagte mir, dass wir bereits nach elf Uhr hatten und ich war erstaunt aber trotzdem etwas erschüttert.
„Schau mir mal in die Augen Rose." Dad wollte mich etwas von sich weg drücken, aber ich nehm das zum Anlass mich noch fester an ihn zu drücken, wieder schüttelte ich heftig den Kopf, ich würde ihn nicht loslassen, ganz sicher, würde ich ihn jetzt nicht los lassen!
„Ich werde dich nicht verlassen Rose, ich halt dich den ganzen Tag im Arm wenn es sein muss, aber du musst mir zuhören, okay?" bat er mich und ich versicherte ihm, dass ich ihm zuhörte und dann erzählte er mir was passiert war, dass er sich nicht darüber bewusst war, zu viele Tabletten genommen zu haben und dass er nicht klar im Kopf war und dass er so traurig war und solche Angst vor sich selbst und dem Leben hatte. Er sagte es mir einfach, weil wir uns alles erzählten, weil er gerade im Moment mein bester Freund war und nur zu einem kleinen Prozentsatz mein Vater und weil er das immer schon war, mein bester Freund… seit ich ein kleines Kind bin war Daddy mein bester Freund. Er erklärte mir, dass er sich noch nicht einmal daran erinnerte, die Tür zugeschlossen zu haben und er versprach mir, den Schlüssel ab sofort aus dem Schlüsselloch zu verbannen. Er würde seine Zimmertür nie wieder abschließen.
„Es tut mir so leid, dass ich euch so aufgewühlt habe, ich will euch doch nicht weh tun, es tut mir leid…". Ich legte meine Hand auf seinen Mund, es war etwas, dass Mum immer getan hatte und sobald ich das bemerkte, sobald ich realisierte, was ich tat, zog ich die Hand wieder weg und schlag sie erneut um seinen Hals. „Hör auf dich zu entschuldigen," schluchzte ich und Dad nahm meine Hand von seinem Nacken und nahm sie fest in seine, er führte sie wieder zu seinem Mund und küsste sie, immer wieder kleine, bedeutende Küsschen. Und weil ich noch immer schluchzte und weinte, fing er an eine Geschichte zu erzählen. Er erzählte mir von meinem zweiten Geburtstag und er redete von Mum, wie er es in den letzte eineinhalb Jahren nicht mehr getan hatte, einfach so und ich sog alles in mich auf wie ein Schwamm.
Er redete und ich fing an Fragen zu stellen und wir kamen auf ein anderes Thema und keiner von uns beiden verlor sich in Erinnerungen. Ich fragte ihn wo Jasper und Ben seien, ob Sandy noch da war. Er erklärte, dass sie draußen waren im Park und redeten. Ich fragte Dad, wie es Jasper ging.
„Er war etwas verloren heute Morgen, hatte geglaubt, dass alles nur ein Traum war. Als er aufgewacht ist, da war ich noch nicht entlassen und er war alleine hier mit Sandy und er wollte nicht verstehen, was passiert war." Also ging es ihm nicht gut. Warum bin ich nicht aufgewacht? Die Frage schwirrte in meinem Kopf hin und her. Ich überlegte mir außerdem, ob ich nicht nach ihm sehen sollte. Ob er nicht vielleicht jemanden zum Reden brauchte. Dad ahnte meine Gedanken und schlug mir vor, dass wir gemeinsam nach unten gehen konnten.
Ich zog mir meine Schuhe an und zupfte meine Kleidung zu Recht. Dad erklärte mir, wo das Badezimmer war und ich dankte ihm, wollte ihn aber auch nicht alleine lassen, ich wollte gar nicht mehr weg aus seiner Nähe. Er lächelte mich an. Alles ist gut, sollte es bedeuten und ich fragte mich, ob wirklich alles in Ordnung war. Er strahlte eine Stärke und eine Wärme aus, die ich nicht erwartet hätte. Ich hatte gedacht, er würde zusammenbrechen, weinen. Um ehrlich zu sein, dachte ich, er würde sauer sein und böse und uns hassen, dafür, dass wir ihn gerettet hatten. Aber alles schien gut, wirklich gut zu sein. Es machte mir angst, weil es zu einfach war und ich wollte ihn fragen, ob er schon mit Eleazar geredet hatte und mit Sandy und ich wollte wissen, was jetzt als nächstes passierte, aber all das fiel mir erst ein, als ich schon wieder aus dem Büro draußen war.
Ich putzte mir die Zähne, wusch mein Gesicht und starrte mich selbst im Spiegel an. Ich benutzte die Toilette und lief etwas durch den kleinen Raum. Was jetzt? Würde alles wieder so weiter gehen, wie vorher? Aber vor was? Anscheinend war ja alles nur ein Unfall… könnte es wirklich einfach so weiter laufen? Jasper schien eine etwas rückläufige Entwicklung zu durchleben. Ihm ging es wahrscheinlich schlechter als Dad… was ich aber eigentlich überhaupt nicht beurteilen konnte, weil ich bei aller Liebe niemals erahnen konnte, was wirklich in seinem Herzen vorging. Er hat die Tabletten genommen, weil er eine Angstattacke hatte. Einem Menschen ging es nicht gut, wenn er Tabletten gegen Angstattacken nehmen musste.
Es nahm ein wenig Zeit in Anspruch bis ich wieder nach draußen ging. Nur eine Frage musste ich wirklich beantwortet bekommen. Ich musste wissen, ob er sich helfen ließ, weil mir klar war, dass ich und Jasper das nicht mehr zu recht biegen konnten. Er brauchte professionelle Hilfe, die wir ihm nicht gewähren konnten. Er war schon mal in Behandlung, aber irgendwie schien alles wieder gut zu sein… es schien alles wieder so gut zu sein, wie es gerade war…
Diese Erkenntnis ließ mich einmal kurz stocken und obwohl ich immer wusste, dass er alles Tat um mir und Jasper Mut für die Zukunft zu geben, begriff ich nicht, wie wenig ich anscheinend wirklich wusste und wie schlecht es Dad wirklich ging. Ich atmete noch einmal tief durch und ich wusste nicht, was ich jetzt machen sollte. Ich musste ihm erklären, dass er offen sein musste uns gegenüber, dass wir ihm nur so helfen konnten und er musste ehrlich sein. Ich lief wieder ins Büro und er stand am Fenster, er hatte die Arme leicht um sich gelegt und er starrte nach draußen, er starrte weit in die Ferne, war weit weg von mir und dem Leben. So kannte ich meinen neuen Vater, so war er seit der Entführung, so war er seit unsere Familie so grauenhaft zerrissen wurde.
„Ich bin fertig Dad!" er bemerkte mich wirklich erst als ich das sagte, er drehte sich um und zog kurz die Augenbrauen hoch, als wüsste er nicht von was ich rede, dann lächelte er breit und kam um seinen Schreibtisch zu mir und legte einen Arm um meine Schulter. „Dann lass uns nach Unten gehen!" schlug er vor und lief zur Tür und ich versuchte etwas zu sagen, ich wollte ihn aufhalten, mit ihm reden, aber ich schaffte es nicht. Ich brachte meinen Mund nicht auf um irgendetwas zu sagen, nichts was mir in der Seele brannte, fand Ausdruck.
Wir liefen durch die Flure und nahmen die Treppen nach unten, einfach weil wir nie gerne Aufzug fuhren und ich fragte mich schon immer, ob Dad in seinem Job immer die Treppe nahm, ob er nie den Aufzug nahm. Ich war mir sicher, dass er viel die Stockwerke wechseln musste. Wir redeten nichts auf dem Weg, aber ich hielt mich fest in seiner Seite. Als wir unten waren und an der Cafeteria vorbei kamen, bestand er darauf, dass ich etwas aß. Widerwillig ließ ich mich dazu überreden, bat aber darum, es draußen essen zu dürfen. Dagegen hatte er nichts einzuwenden.
Wir gingen weiter nach draußen. Es wurde langsam aber sicher Herbst und im Schatten war es schon nicht mehr so warm, die Blätter färbten sich langsam, aber sie fielen noch nicht von den Bäumen. Die Sonne strahlte und es war keine Wolke am Himmel. Eigentlich war heute ein perfekter Tag.
Es dauerte nicht lange, bis wir die drei fanden. Jasper und Benny saßen auf einer Decke und sie spielten, während Sandy neben ihnen auf einer kleinen Mauer saß und beobachtete, sie redeten miteinander und ich schaute Dad unsicher an, aber er schien keine Bedenken zu haben, er erzählte mir, dass er von hier Unten gekommen war und dass sie schon auf uns warteten.
Ben quietschte begeistert als er uns sah und fing sofort an auf uns zu zu krabbeln. Jasper hielt ihn auf und strahlte mir entgegen, ich fragte mich, welchen Zauber Sandy schon wieder vollbracht hatte.
„Guck, da ist Mummy!" lachte mein Bruder und Ben quietschte noch mehr, was Jasper noch heftiger zum Lachen brachte. Ich ließ mich fallen auf der Decke und zog Ben in meine Arme, er lachte und ich warf ihn ein wenig in die Luft, er liebte es zu fliegen, dann stellte ich ihn vor mich aber er blieb nicht lange auf seinen wabbeligen Babybeinchen stehen. Er plumpste nach hinten um, aber ich fing ihn auf, bevor er den Boden erreichte.
Was ich nicht bemerkte, Jasper jedoch, war, dass Dad noch keinen Platz gefunden hatte. Er hatte sich nicht zu uns gesetzt und er setzte sich auch nicht neben Sandy, er stand da und schaute uns lächeln zu. Ich rückte etwas und nahm Ben zu mir. Ich klopfte auf den Boden vor mir und wollte, dass Dad sich hinsetzte, aber er winkte ab.
„Ich wollte dich eigentlich nur hier her bringen, ich muss noch ein paar Sachen erledigen." Ich sah ihn fragend an, aber er lächelte und dann ging er auch schon, er verabschiedete sich von uns und Ben winkte ihm ganz euphorisch hinterher. Ich sah Jasper fragend an, als Dad verschwunden war. Sandy zuckte nur entschuldigend mit denn Achsel, was mich verwunderte. Ich hatte gedacht, Dad war gegangen, weil das so abgesprochen war.
„Er hat einen Termin beim Professor." Murmelte Jasper dann, sah uns aber nicht an dabei. Er spielte mit Ben, sie warfen sich einen kleinen roten Ball hin und her. „Was will er denn beim Professor?" fragte ich ihn, Jasper stellte mir eine Gegenfrage.
„Kannst du dir das nicht denken?" Ich sah zu Sandy, der lächelte mich leicht traurig an und setzte sich dann zu uns runter auf die Decke.
„Ich kann mir gar nichts denken, hat Dad was gesagt? Hat er gesagt, was der Chef von ihm will?" ich sah ihn durchdringend an, aber Jasper sah nur auf und zuckte ebenfalls mit den Schultern.
„Dad hat nichts gesagt, er weiß es auch nicht aber ich hab in seinen Augen gesehen, dass er wusste, was passieren wird. Natürlich hat der Professor, Wind von der Sache bekommen Rose!"
„Will er Dad feuern?" ich fragte ihn besorgt, wusste ich doch, dass mein Bruder auch nicht mehr wusste als ich. Erneut zuckte Jasper mit den Schultern. „Ich hoffe nicht."
…°°Schneephoenix - Söööö, wieder zurück. Krank. Nicht viel zu sagen. Tschüss. Danke. (…) - living life on the slow lane today 3
