Liebes
Tagebuch!
Es ist ein neuer Tag, die Sonne scheint und so weiter -
aber ob alles besser aussieht? Nein.
Heute hat Potter es
geschafft, mich im Verwandlungs-Korridor abzustoppen.
"Lily -
ich muss echt mit dir reden. Wie kommst du auf den Scheiß den
du Remus erzählt hast?"
Natürlich ist mir auf
dieses unschuldige Getue hin gleich wieder der Kragen geplatzt.
"Ach
komm schon! Es ist doch egal, woher ich weiß, dass du gestern
mit Mandy Parker aus der 5. in Hogsmeade warst!"
Aufgrund
meines durchaus lauteren Tons, sahen schon einige Leute neugierig zu
uns rüber.
Ich muss wirklich mehr drauf achten, dass keine
Gerüchte über mich und Potter aufkommen. So was geht
ziemlich schnell in Hogwarts.
"Ich weiß nicht, woher du
das hast, aber ich hab mich mit Mandy verabredet, bevor ich auch nur
geahnt habe, dass zwischen uns mal was laufen würde!
Ich habe
das Date gestern noch abgesagt und war den ganzen Abend mit Remus im
Schlafsaal! Du kannst ihn gerne fragen!"
Auch seine Stimme
war etwas lauter geworden.
Einige Leute blieben stehen und
starrten uns nun wirklich mit unverhohlener Neugier an.
"Potter",
flüsterte ich wütend, "hättest du vielleicht die
Güte, etwas leiser zu sprechen? Ich kann auf Gerüchte, von
wegen ich hätte was mit dir laufen, pfeifen."
"Es
geht dir echt immer nur um dein Image, oder?
Ja nie verlieren.
Du
kannst dir selbst gar nicht eingestehen, dass du mich magst und dass
dir der Sex mit mir gefallen hat!
Das würde dich wohl schwach
erscheinen lassen, wo du doch schon so lange durchhältst und
deine Gefühle unterdrückst. Glückwunsch!
Wirklich."
Dann ist er davon gestürmt.
Ich atmete
tief durch.
Als ich in die Bücherei ging und mit meinem
Aufsatz für VgddK beginnen wollte, musste ich ein paar Minuten
warten, bis meine Hand aufhörte zu zittern, um überhaupt
schreiben zu können.
Was erlaubt sich dieser Mistkäfer – als ob der auch nur eine Ahnung von meiner Psyche hat. Pah!
Als Maureen sich neben mich setzte schaute ich nicht mal auf, sondern schrieb wie besessen weiter an meinem Aufsatz.
„Ich habe vorhin James gesehen.", sagte sie plötzlich wie aus heiterem Himmel.
„Das lässt sich eben leider nicht vermeiden, wenn du im gleichen Haus wie er bist. Diese traurige Erkenntnis hat mich auch schon getroffen."
Ha – würde es einen Sarkasmus-Wettbewerb geben – ich würde selbstverständlich verlieren, aber es kommt ja auf den guten Willen an – ha, da schon wieder.
Ich wollte gerade mit meinem gedanklichen Selbstgespräch fortfahren, als Maureen mich unterbrach.
„Lily Evans! Du wirst jetzt zu diesem Typen gehen und mit ihm sprechen! Ich habe Remus gefragt und er hat bestätigt, was Potter gesagt hat. Du kannst ihm kein Verbrechen vorwerfen.
Er wartet auf dich – aber glaub mir, du bist zwar schön, doch du müsstest eine Veela sein, um ihn ewig hinhalten zu können.
Der arme Junge versucht schon seit einer Ewigkeit, dir ein nettes Wort zu entlocken und alles was du tust, ist ihn niederzumachen.
Ich weiß, das du ihn inzwischen auch magst – UND DESHALB GEHST DU JETZT ZU IHM UND SAGST IHM, WAS DU DENKST!"
Entgeistert sah ich sie an, als sie sich wütend erhob, meine Tasche packte, mein Zeug hineinstopfte, mich am Arm nahm und aus der Bücherei zerrte.
Etwas anderes als ihr zu folgen wäre mir auch gar nicht übrig geblieben – die Bibliothekarin bombardierte uns mit hasserfüllten Blicken. Wie hatten wir nur ihre wertvollen Bücher mit solch lauten Worten besudeln können?
Energisch schubste Maureen mich durch die Korridore.
Durch das Portraitloch wäre ich fast geköpfelt, weil sie mir voller Elan durchhalf.
„Wo ist James?", fragte sie Sirius laut, kaum hatte sie ihn und Remus im Gemeinschaftsraum entdeckt.
„Ähem - im Schlafsaal glaube ich – was wollt ihr-"
An dieser Stelle konnte ich seine Worte nicht mehr verstehen, weil Maureen mich Richtung Treppe schliff.
Langsam begann ich ihre Absichten Ernst zu nehmen.
Das konnte sie nicht machen.
Anscheinend schon.
Jetzt schubste sie mich durch die Tür des Jungenschlafsaals der 7. und warf hinter mir die Türe zu.
Na toll. Vor mir stand ein verdatterter James Potter und ich wusste beim besten Willen nicht, was ich jetzt sagen sollte.
Jetzt weiß ich natürlich schon, dass ich es überlebt habe, aber vorher habe ich schon leicht daran gezweifelt, ob ich jemals wieder lebend aus dieser Sache rauskommen würde.
„Was willst du?"
Sein Ton war nicht gerade freundlich, als er sich wieder dem Brief zuwandte, den er gerade schrieb.
Kühl antwortete ich: „Eigentlich gar nichts. Maureen wollte mich zwingen mit dir zu sprechen. Es wäre wirklich sehr nett, wenn du die Güte hättest und mir ein paar Minuten Asyl gewährst, damit sie glaubt, dass ich ihren Befehlen Folge geleistet habe."
„Wenn es sein muss."
„Gut, Lily. Du kannst dich ruhig setzten – Aber vielen Dank auch!"
Potter sollte nur merken, dass sein Benehmen nicht gerechtfertigt war, immerhin war er der Schürzenjäger von uns.
Ich ließ mich auf einem der Betten nieder.
Als er sich neben mich setzte, faucht ich: „Was soll das? Du brauchst mir keine Gesellschaft leisten, vielen Dank."
„Zufällig sitzt du auf meinem Bett, das darf ich doch wohl auch?"
Mist. Wo er Recht hatte, hatte er Recht, das musste sogar ich zugeben.
„Hör mal, Lily. Meinst du nicht, das es einfacher wäre, die Zeit wirklich zu nutzen, statt nur so zu tun, damit Maureen dir nicht die Augen auskratzt?"
Sein Blick war offen und ehrlich, als sich unsere Blicke kreuzten.
„Wenn du reden willst, kannst du ja auch anfangen."
Kratzbürstig wie eh und je.
„Ich würde dir eigentlich lieber zeigen, was ich für dich empfinde."
Bevor ich reagieren konnte, beugt er sich zu mir und küsste mich sanft.
Vorsichtig knabberte er an meiner Unterlippe und tastete sich dann mit seiner Zunge weiter vor.
Seine Lippen waren unglaublich weich und warm.
Ich war gerade dabei, mich in dem Kuss zu verlieren, als mir wieder einfiel, warum ich James eigentlich meiden wollte.
„Moment mal!", mühevoll machte ich mich von ihm los, was nicht einfach war, da er mich fest umarmt hielt.
„Was ist wirklich mit Mandy los?"
„Na das, was ich gesagt habe – es ist nichts mit ihr.
Aber warum bist DU eigentlich gleich aus der Abstellkammer getürmt? Da hattest du ja noch gar keine Gerüchte von Mandy gehört, oder?"
Prüfend sah er mich an.
„Na ja. Ich dachte irgendwie, dass ich nur eine Affäre wäre."
Verlegen biss ich mir auf die Lippe.
„Wie kannst du so etwas glauben – wo ich dir doch seit Jahren das Gegenteil schwöre?"
Ich schien ihn ein bisschen zu enttäuschen.
„Es tut mir ja Leid – aber du musst zugeben, dass man bei deiner nicht gerade blütenweißen Weste durchaus Gründe zum Zweifeln hat.", versucht ich mich zu verteidigen.
„Stimmt, aber, wenn es einen einmal richtig erwischt, dann hört das von ganz alleine auf." Seine Stimme hatte einen rauen Unterton angenommen.
Wortlos zog ich ihn an mich und umarmte ihn fest.
