Vielen lieben Dank an sallita und Your Lily-Rose für eure Reviews! Freut mich sehr, dass euch die Story gefällt und hoffe natürlich, dass das auch mit diesem Kapitel noch so bleibt.

Liebe Grüße,

Georgie

Kapitel 4

Ich starrte auf den roten Samt über mir. Cosmo und ich hatten vor einer halben Stunde unsere Patrouille beendet und ich hatte mir fest vorgenommen, mir zu überlegen, wie ich Cosmo auf Sophy aufmerksam machen konnte. Aber was ich mir auch überlegte, es fühlte sich alles falsch an. Ich konnte nicht mal sagen, warum. Irgendetwas in mir sträubte sich dagegen, Cosmo und Sophy zusammen zu bringen. Es war fast… aber das war ja nun wirklich lächerlich… oder? Konnte es sein, dass ich… Nein! Ich war nicht eifersüchtig! Ich hatte ja gar keinen Grund dazu. Erstens kannte Cosmo Sophy ja noch nicht mal und zweitens hatte ich ja schließlich kein Interesse an ihm. Ich seufzte. Wahrscheinlich war es die beste Idee, wenn ich Cosmo einfach mal bei einer passenden Gelegenheit meinen Freundinnen vorstellen würde. Ich hatte die Hoffnung, dass Sophy von da an selbst die Initiative übernehmen würde, wie sonst auch.

Ich drehte mich auf die Seite und schloss fest die Augen.


„Was haben wir jetzt?", fragte Sophy am nächsten Morgen beim Frühstück. Sie wusste nie wirklich, welches Fach sie als nächstes hatte. Sie verließ sich darauf, dass irgendjemand ihr schon sagte, wo sie jetzt hinmusste. Na ja, wahrscheinlich hatte sie es da bei Alice und mir sehr einfach.

„Kräuterkunde.", erwiderte Alice. Sie verzog das Gesicht. „Bei Professor Fieldman."

„Wieso das denn?" Sophy sah erstaunt von ihren Cornflakes auf. „Der ist doch schon im Ruhestand! Was ist mit Sprout?"

„Krank.", sagte Alice, „Fieldman vertritt sie, bis sie wieder gesund ist." Sie seufzte.

„Stimmt das?" Sophy sah mich hilfesuchend an. Sofern das möglich war, mochte sie den alten Fieldman noch weniger als Slughorn.

Ich nickte.

Sophy sah düster von mir zu Alice und wieder zurück. „Da habt ihr mir ja schön den Morgen versaut. Was haben wir danach?"

Diesmal war ich es, die düster schaute. „Potter."

„Meint ihr, er ist ein guter Lehrer?", schaltete sich Rosie in unser Gespräch ein.

„Laut Cosmo schon.", sagte ich widerwillig.

„Cosmo?" Sophys braune Augen begannen zu funkeln. „Sag mal, Lily…"

Ich unterbrach sie. „Nein, noch nicht. Aber wir haben jetzt mit den Ravenclaws zusammen Kräuterkunde und ich dachte, ich könnte euch einander vorstellen." Das hatte ich mir gerade erst überlegt, aber es erschien mir eine gute Möglichkeit.

Sie begann zu strahlen. „Fantastisch."

„Also doch kein versauter Morgen.", bemerkte Alice amüsiert.

„Versaut? Wer sagt denn so was? Das könnte der beste Morgen meines Lebens werden!" Sophys Gesicht hatte einen sehr verklärten Ausdruck angenommen. „Müssen wir nicht schon mal zu den Gewächshäusern?"

„Nein.", sagte ich, „Wir haben noch ein bisschen Zeit." Ich war nicht scharf darauf, jetzt schon zu den Gewächshäusern zu gehen, denn der Himmel war ziemlich bewölkt und sah nicht gerade freundlich aus.

„Hmm. Na gut." Damit wandte sie sich wieder ihren Cornflakes zu und Alice und ich tauschten einen belustigten Blick.

Als wir uns zehn Minuten später auf den Weg zur ersten Stunde an diesem Tag machten, war Sophy nicht im Geringsten anzumerken, dass sie irgendein Problem mit dem Unterricht hatte. Sie war total aufgekratzt.

„Sehen meine Haare gut aus?", fragte sie.

„Ja.", sagte Alice.

„Oh, seht mal, er ist schon da!" Sophy blieb wie angewurzelt stehen. Cosmo stand mit ein paar Freunden aus Ravenclaw vor der Tür zum Gewächshaus.

„Na dann komm!", sagte ich leise.

Sophy strich ihren Rock noch einmal glatt, dann setzte sie sich wieder in Bewegung und wir gingen zielstrebig auf die Gruppe zu. „Hey Cosmo!", sagte ich und lächelte ihn an.

„Hi!" Er lächelte mich ebenfalls an und ich bekam wieder dieses merkwürdige Gefühl in der Bauchgegend.

Einen Moment lang starrte ich ihn an – das wurde langsam wirklich zu einer lästigen Angewohnheit – dann sagte ich: „Cosmo, das sind meine Freundinnen Hanna Beckett, Rosalyn Herold, Alice McDonnel und Sophy Parker."

Sophy schenkte ihm ihr strahlendstes Lächeln. „Hi!"

„Hey. Freut mich, euch kennen zu lernen." Er lächelte sie der Reihe nach an, dann stellte er uns seine Freunde vor.

„Ich hab gehört, du bist nicht nur Schulsprecher, sondern auch Kapitän eurer Quidditchmannschaft geworden.", sagte Sophy an Cosmo gewandt um ein Gespräch zu beginnen.

Er lächelte. „Ja, das stimmt."

Sophy nickte. „Du bist ein guter Spieler."

Er lachte. „Solltest du nicht eigentlich zur Gryffindormannschaft halten?"

Sie grinste keck. „Klar. Aber ihr seid die zweitbesten." Die beiden lachten einvernehmlich.

Ich seufzte erleichtert und wandte mich Alice zu. Zum Glück war Sophy noch in der Lage, selbst mit ihm zu flirten. Darin war sie nämlich auch eindeutig besser als ich und ich fürchtete, dass ich auch nicht gerade die beste Partnervermittlerin war.

„Alles okay?", flüsterte Alice mir zu.

Ich nickte. „Ich hatte nur ein wenig Angst, dass Sophy vielleicht nicht… na ja, weißt du, dass ich auch noch ein Date hätte organisieren müssen."

Alice lachte. „Sophy hat sich wirklich ein wenig merkwürdig benommen. Unfassbar, aber sie scheint es das erste Mal wirklich auf etwas Längerfristiges abgesehen zu haben."

„Das ist wirklich kaum vorstellbar.", sagte ich abwesend, während ich beobachtete, wie Sophy über irgendetwas lachte, das Cosmo gesagt hatte. Ich seufzte erneut. Irgendetwas fühlte sich ganz eindeutig falsch an.

„Da kommt ja die alte Fledermaus.", sagte Rosie und machte ein Würgegeräusch.

Alice und ich sahen uns um. Professor Fieldman kam in einem wehenden schwarzen Umhang über das Gelände auf uns zu. Ich musste Rosie Recht geben. Er sah wirklich aus wie eine übergroße, ledrige, alte Fledermaus. Ich wusste ja, dass er alt war, aber so alt hatte ich ihn nicht in Erinnerung gehabt. Wir hatten ihn bis zur dritten Klasse gehabt, seit der vierten hatten wir Professor Sprout. Sie war noch eine relativ junge Lehrerin und der Unterricht bei ihr machte viel mehr Spaß.

„Guten Morgen, meine Damen und Herren.", sagte er in seiner zackigen Art und Weise, als er uns erreicht hatte.

Sophy beugte sich zu Cosmo und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Die beiden lachten.

„Ihr scheint euch ja gut zu verstehen.", sagte Alice leise zu Sophy, als wir im Gewächshaus unsere Plätze eingenommen hatten.

Sie nickte lebhaft. „Ja… Er ist einfach ein Traum… Aus der Nähe sieht er noch besser aus und er ist einfach… hach… perfekt!" Sie wandte sich an mich. „Danke Lily!"

„Kein Problem!", antwortete ich und lächelte sie an. Irgendwie fühlte sich mein eigenes Gesicht in diesem Moment fremd an.


Sonst hatte ich immer das Gefühl gehabt, dass sich Kräuterkunde bei Professor Fieldman fast so zog wie Geschichte der Zauberei bei Binns, aber sobald mir wieder einfiel, dass wir danach unsere erste Stunde bei Potter hatten, verging die Zeit viel zu schnell. Als Fieldman uns anwies, unsere Sachen einzupacken, stöhnte ich auf.

Sowohl Sophy als auch Alice sahen mich mitfühlend an. „Ach Lils, es ist doch nur eine Stunde.", sagte Sophy.

„Ja, das kriegst du schon hin!", fügte Alice hinzu.

Ich nickte, wenn auch nicht besonders überzeugt.

Als wir auf dem Weg zum Schloss waren, hörte ich hinter mir eine Stimme, die mich rief. Ich blieb stehen und drehte mich um. Cosmo kam auf mich zugerannt. „Hey, Lily, warte mal!"

Er kam vor mir zu Stehen und atmete einmal tief durch. „Du hast jetzt deine erste Stunde Verteidigung gegen die dunklen Künste, oder?"

Ich nickte. „Ja."

„Hier." Er streckte mir eine Hand entgegen. Darin hielt er eine wunderschöne weiße Blume. „Zur Verteidigung gegen schlechte Laune. Lass dich von Potter nicht runterziehen!"

Ich konnte nicht anders als zu lächeln, als ich die Blume nahm. „Danke, Cosmo, das ist wirklich süß."

Cosmo lächelte. „Also, wir sehen uns dann spätestens bei dem Vertrauensschülertreffen."

Ich nickte und ging dann wieder zu den Mädels.

„Lily! Was war das denn?", fragte Rosie und sah erstaunt auf die Blume in meiner Hand.

„Er weiß, dass ich jetzt Potter hab.", sagte ich immer noch lächelnd, während wir uns wieder auf den Weg zurück ins Schloss machen.

„Ich sag's doch, Cosmo ist einfach perfekt.", murmelte Sophy.

Wegen der Unterbrechung mussten wir uns ein wenig beeilen, aber als wir ankamen, war von Potter noch nichts zu sehen. Ich atmete erleichtert auf. Ich hatte mir ja schließlich vorgenommen, nicht unnötig aufzufallen und am ersten Tag zu spät zu kommen, wäre bestimmt aufgefallen. Erstaunlich genug war der Anblick im Klassenzimmer aber alle mal: Die einzigen freien Plätze waren ganz hinten. Potter war anscheinend so beliebt, dass sich ausnahmsweise alle um die Plätze in den vorderen Reihen stritten. Ich saß zwar sonst nie ganz hinten, aber dieses eine Mal war es mir nur sehr recht.

Wir saßen gerade mal ein paar Sekunden, als die Tür aufging und Potter erschien. „Guten Morgen!", sagte er, als er ans Pult trat.

„Guten Morgen!", erwiderte die Klasse, nur ich hielt den Mund. Ich würde nicht unnötig auffallen, aber auch nicht unnötig höflich sein.

Potter stützte sich auf dem Pult ab und ließ seinen Blick über die Klasse schweifen. „Fehlt irgendjemand?"

Einige antworteten „Nein.", andere schüttelten die Köpfe. Ich tat nichts von beidem.

„Gut." Er stellte sich aufrecht hin. „Angesichts der Zeit, in der wir leben, habe ich vor, euch dieses Jahr intensiv auf das Duellieren vorzubereiten. Die Grundlagen solltet ihr natürlich kennen, aber ich denke, dass ich euch noch einiges beibringen kann. Erst mal möchte ich aber sehen, was ihr schon könnt. Freiwillige?" Einige Hände schossen sofort in die Höhe. Er ließ erneut seinen Blick über uns schweifen. Der ziemlich Unheil verkündend an mir hängen blieb. Augenblicklich ahnte ich schlimmes. Potter lächelte zuckersüß. „Evans, wie wär's mit dir?"

Ich wollte zuerst nein sagen, aber dann wurde mir ziemlich schnell bewusst, dass er das nicht gelten lassen würde. Zähneknirschend ergriff ich meinen Zauberstab und ging nach vorne.

Potter hatte ebenfalls seinen Zauberstab in der Hand und hatte mit einem Schlenker das Pult an die Seite befördert, so dass mehr Platz war. Wir standen uns gegenüber. Potter verbeugte sich. Ich warf ihm einen wütenden Blick zu und tat es ihm dann nach. Dann erhoben wir beide unsere Zauberstäbe. Er rief: „Expelliarmus!"; im gleichen Moment rief ich: „Protego!" Der Schildzauber blockte seinen Zauber ab und gab mir die Gelegenheit, ein wenig zurückzuweichen. Ich stand nun neben dem Pult an der Seite. Nicht die beste Idee, denn jetzt hatte ich die Wand im Rücken. Als Potter „Impedimenta!" rief, duckte ich mich hinter das Pult. Über mir prallte der Fluch gegen die Wand und ein wenig Putz rieselte mir auf den Kopf.

Potter machte ein paar Schritte auf mich zu. Ohne lange zu zielen, hob ich den Zauberstab und murmelte: „Petrificus totalus!" Als nächstes hörte ich ein lautes Poltern. Vorsichtig stand ich auf. Potter lag ausgestreckt auf dem Boden, niedergestreckt mit einer Ganzkörperklammer! Ich genoss einen Moment lang selbstzufrieden den blöden Ausdruck auf seinem Gesicht, dann hob ich mit einem Schwung meines Zauberstabes den Fluch auf und wandte mich zum Gehen.

„Stupor!", hörte ich Potters tiefe Stimme hinter mir. Aber da war es schon zu spät. Ich hatte keine Chance mehr zu reagieren. Und da wurde es auch schon schwarz um mich.

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Über Reviews würde ich mich wie immer sehr freuen.