„Counselor?" Es klopfte an Barbas Tür und ein Officer, der während seiner Prozesse im Gerichtssaal aufpasste, kam herein.
„Officer Broadway." Barba erhob sich von seinem Stuhl und trat näher an den Polizeibeamten heran. „Gibt es ein Problem?"
„Eine Monica Anderson ist soeben aus Kalifornien eingeflogen und möchte mit Ihnen sprechen, Counselor."
„Wo liegt das Problem, Officer?" Barba konnte es nicht vollständig nachvollziehen, jedoch wunderte es ihn, dass Monica so schnell hier angekommen war und dass sie wusste, wo er aufzufinden war.
„Lassen Sie sie rein."
Der Officer nickte und verließ das Bürozimmer des Staatsanwalts. Einen Moment danach kam Monica hereingestürmt. Hinter ihr folgten zwei Männer.
„Du Bastard", zischte sie und kam Barba gefährlich nah. Sie holte aus, doch einer der Männer - ihr Anwalt - hielt sie zurück.
„Was hast du mit ihr gemacht, Rafael? Wo ist sie?"
„Sie ist nicht hier", antwortete Barba ruhig, obwohl im Inneren die Wut in ihm kochte. Er hielt sich jedoch zurück - vorerst. „Und es war nicht ich, die ihr etwas angetan hat. Anders wäre sie nicht freiwillig zu mir gekommen."
„Und das soll ich dir glauben?" Monica schnaubte verächtlich. „Du rufst mich nach zehn Jahren und fragst nach ihr und plötzlich bekomme ich einen Anruf der Schule, dass sie nicht in der Schule erschienen ist!"
Barba atmete tief ein, um seinen Ärger in Schach zu halten. Dann legte er seine Hände auf Monicas Schultern und starrte ihr tief in die Augen, wobei er flüsterte: „Ich habe meine Tochter bei mir aufgenommen, da sie mich um Hilfe gebeten hat. Ich mag vielleicht nicht das Sorgerecht besitzen, aber ich habe durchaus das Recht sie zu sehen und mit ihr zu sprechen wenn sie das möchte." Er nahm seine Hände wieder zu sich. „Und in solch einem Fall, in dem du beschuldigt wirst ihr etwas anzutun, geht das Sorgerecht auf mich über." Er lächelte Monica und ihre Begleiter gekünstelt an. „Und jetzt raus aus meinem Büro. Wir sehe uns vor Gericht."
„Das wirst du bereuen, Rafael", zischte Monica. „Das wirst du so etwas von bereuen!" Sie machte auf dem Absatz kehrt und stolzierte mit ihrem Anwalt heraus. Der andere Mann blieb einen Moment und schaute Manhattans stellvertretenden Bezirksanwalt an.
„Die Kleine denkt sich nur etwas aus. Sie ist sechzehn. Sie kann Wahr noch nicht von Falsch unterscheiden. Sie lügt, da wir ihr mehr Geschenke geben können, als Zeit mit ihr zu verbringen, aber sie bekommt wirklich alles, was sich ein Teenager nur wünschen kann", sprach er höflich.
„Ja", sagte Barba. „Sie machen ihr täglich Geschenke, nachdem Sie sie vergewaltigt haben, Sie Drecksack", entgegnete Barba. Er stand Patrick Anderson direkt gegenüber. Den Größenunterschied versuchte er zu ignorieren.
Ein böses Grinsen umspielte die Lippen von Monicas Mann. „Wenn das zu beweisen wäre, Counselor. Sie werden den Prozess nicht gewinnen und Victoria kommt erneut mit uns nach Kalifornien, wo wir wieder gemeinsam unseren Spaß haben werden."
Barba ballte die Fäuste. „Wissen Sie, was Sie da gerade zu einem Staatsanwalt gesagt haben?", zischte er.
„Sie ist so süß wenn sie um Vergebung schreit. Fast so niedlich wie Ihr auftreten gerade, Rafael."
Barba holte aus und traf den Kiefer seines Gegenübers. „Und jetzt raus aus meinem Raum", raunte er Patrick mit zusammengebissenen Zähnen zu.
Anderson hielt sich eine Hand an seine linke Gesichtshälfte und lachte amüsiert. „Passen Sie auf, Counselor. Sie mögen Jurist sein, doch Monica ist es auch. Diesen Fall werden Sie unmöglich gewinnen können." Er entfernte sich - immer noch lachend.
„Raus", sagte Barba erneut. er sah Anderson hasserfüllt an.
„Wir sehen uns vor Gericht, Counselor." Anderson zwinkerte Barba zu und verließ das Büro des Staatsanwalts, ohne die Tür zu schließen.
‚Scheiße!', schrie Barba lauthals in seinen Gedanken. Er schlug wütend auf seinen Schreibtisch und setzte sich dann auf seinen Drehstuhl.
Er seufzte. Ihm war klar, dass der Prozess schwer sein würde, da Monica ebenso wie er, Staatsanwältin war und auch gute Anwälte kannte und besaß. Aber er würde unter gar keinen Umständen aufgeben. Garantiert nicht.
„Ist sie wirklich bereit dazu?" Liv schaute Amaro ernst an. Ihr Blick fiel zu Victoria, die in einem der freien Räume auf einem der Sessel saß und wartete.
„Sie wollte herkommen, damit wir ihre Aussage sicher aufnehmen können für den Prozess morgen", antwortete Amaro leise, als könnte Victoria ihn durch die geschlossene Tür hören. „Aber lass' mich die Fragen stellen, Liv."
Olivia wartete einen kurzen Augenblick bevor sie antwortete. „Ich weiß nicht wieso, aber du steigerst dich da in etwas hinein, Nick."
„Was soll das heißen?" Amaro schaute seine - nun Vorgesetzte - an. Die Hände in die Hüften gestemmt. „Ich löse hier nur einen Fall, wie jeden anderen Fall auch. Das Mädchen scheint mir zu vertrauen. Mit dir wollte sie nicht sprechen."
„Du brauchst dich vor mir nicht zu rechtfertigen, Nick. Doch sei gewarnt", erwiderte Liv. „Jetzt geh' schon bevor sie sich es anders überlegt."
Amaro nickte. Er holte tief Luft und trat zu Victoria in den Raum, in dem sie immer Zeugen befragten. Das Zimmer war nicht so kalt ausgestattet, wie das für die Verdächtigen. Er setzte sich mit dem Rücken zur Tür und startete die Aufnahme der Videokamera, welche auf dem Tisch platziert war. Dann öffnete die Akte, die er mitgenommen hatte.
Olivia blieb vor dem Raum und beobachtete das Ganze durch die Glasscheibe in der Wand. Ab und zu traf sie Victorias Blick, jedoch nur selten, da das Mädchen konzentriert Amaro anstarrte und ausführlich seine Fragen beantwortete. Was sie ihm erzählte konnte der weibliche Sergeant nicht hören, aber die Polizeibeamtin konnte mit Sicherheit sagen, dass Barbas Tochter keineswegs ängstlich zu sein schien. Im Gegenteil: sie war sich der Folgen der Anklage bewusst und wollte das alles durchziehen. Sie war erst sechzehn und schon hatte sie solch einen Mut, den nur wenige Frauen besaßen. Mut und Zielstrebigkeit besaß sie. Wie der Counselor. Weiter wollte Benson es nicht beurteilen. Sie kannte Barba privat kaum und Victoria war bloß ein weiteres Opfer, welches vergewaltigt wurde. Sie wollte - nein, sie durfte - Victoria nicht anders behandeln als andere Betroffene, nur weil sie die Tochter des Staatsanwalts war. Eben das hatte sie Amaro versucht zu sagen.
Sie war so sehr in Gedanken versunken, dass sie nicht bemerkte wie Amaro und Victoria aus dem Raum kamen. Der Detective gab ihr die Videokassette aus der Kamera und holte Olivia aus ihren Gedanken.
„Ich bringe Victoria auf Barbas Bitte nach Hause und passe auf bis er aus dem Gericht kommt", sagte Nick, während er seinen Mantel anzog.
Liv wollte erneut etwas anmerken, doch sie verkniff es sich und nickte nur. „Fahr' danach nach Hause, Nick. Wir schaffen das mit den Beweisen auch ohne dich."
„Alles klar, danke." Er ging mit Victoria aus dem Gebäude, als ihm auffiel, dass er die Schlüssel für den Wagen vergessen hatte. Abrupt blieb er stehen und bat Victoria zum Auto zu gehen. Dann lief er die Treppen wieder hoch ins Gebäude.
Victoria ging mit den Händen in den Jackentaschen zu dem genannten Wagen der Polizei und wartete auf Amaro. Sie starrte die vorbeifahrenden Autos auf der Straße an. Plötzlich spürte sie eine Hand auf ihrer Schulter. Sie drehte sich sofort um. Vor ihr stand Patrick Anderson. Sein Gesichtsausdruck war traurig, aber ernst.
„Wieso tust du das, Vic? All die Lügen. Was soll das Ganze denn?", fragte er mit einem sanften Ton in der Stimme. „Das macht deine Mutter und mich sehr traurig."
Victoria starrte Patrick fassungslos an. Sie schüttelte den Kopf und trat einen Schritt zurück. „Denkst du, du kannst mich einfach so manipulieren? Du bist krank und sowas macht mich traurig. Mit einem Menschen zu leben, der mich täglich vergewaltigt, obwohl ich laut nein schreie."
„Ich kann dich nicht manipulieren, aber viele andere Menschen, Süße. Ich habe Geld. Und Macht. Geld und Macht ist das, was man nun braucht um Überleben zu können. Dir wird doch keiner mehr Glauben wenn herauskommt, dass du dich mehrmals zu töten versucht hast."
„Was?!", zischte Victoria. „Selbstmordversuche? Ich habe nie versucht mich umzubringen! Du hast meine Arme verletzt und es sah aus als-" Sie stoppte, als Patrick zu lachen anfing und ihre Wange berührte. Sie stieß ihn weg. Er schlug ihr ins Gesicht und zog sie nah zu sich. Leise flüsterte er ihr ins Ohr: „Macht. Und Geld. Damit manipuliert man jeden und man wird mir glauben, nicht dir. Du hast nichts. Du bist nichts ohne mich. Diesen lächerlichen Prozess werden deine Mutter und ich gewinnen und du kommst zurück nach Kalifornien." Er umklammerte ihr verletztes Handgelenk fester, bis sie einen jaulenden Ton von sich gab und leicht in die Knie ging. „Bald wirst du mich wieder lieben lernen. Und versuch dich nicht mehr dagegen zu wehren. Du weißt was sonst-"
„Hey!"
Patrick wurde energisch von Victoria weggezerrt,
„Ach", sagte Anderson. „Detective Amaro."
Kapitel Nummer 4!
Ich habe noch nie in meinem Leben so lange Kapitel verfasst... hehe.
Danke für 3 Favoriteneinträge!
LG, ChiltonsVictim
