Huhu! Es geht weiter. Ab heute voraussichtlich immer donnerstags. Und da die Lena alias Bine mir im letzten Kapitel so wundervolle Küsse von meinem Kuschelwolf beschert hat, darf sie sich heute mit der alten Sabberhexe anlegen. Ich weiß, ich bin schlecht ... °Zwinker°


Muggel im Grimmauldplatz (2)

Das Gespräch mit Dumbledore heute Morgen war kürzer und vor allem viel angenehmer ausgefallen, als Lena nach einer Nacht voller ängstlicher Grübeleien und wirrer Träume befürchtet hatte. Und die Tatsache, dass sie noch eine Weile in diesem komischen Haus hier bleiben mussten, zumindest bis der weißhaarige Minister mit den freundlich zwinkernden blauen Augen und seine Freunde einen Weg gefunden hatten, den Schaden wieder gutzumachen, den sie und Stella unwissentlich mit ihren Geschichten angerichtet hatten, störte sie nicht halb so sehr, wie es eigentlich zu erwarten gewesen wäre. Sie hatte ein wunderschönes, großes Zimmer bekommen, direkt neben Stella, verbunden durch eine Zwischentür.

Und das Ganze hier war aufregender als alles bisher Dagewesene in ihrem Leben!

Okay, noch etwa eine Stunde Zeit bis zum Frühstück. Irgendwie musste sie die rum bringen. Also würde sie die Zeit einfach nutzen, um dieses Haus etwas näher zu erkunden. Sie wollte zwar noch unter die Dusche, bevor sie den anderen Bewohnern des Hauses unter die Augen trat, weil Dumbledore sie so früh zu sich gebeten hatte, dass es nur für eine Katzenwäsche, zum Zähneputzen und für ein paar Bürstenstriche gereicht hatte, aber dafür benötigte sie nicht einmal die Hälfte der Zeit.

Apropos Dumbledore. Irgendwie tat der Minister ihr Leid. Er würde beim Frühstück heute fehlen, weil bereits andere, wichtige Termine auf ihn warteten. Und der Jüngste war er schließlich auch nicht mehr! Aber trotz seiner vielen Arbeit hatte er bemerkt, dass sie gestern nach dem Schock der unfreiwilligen Apparation nicht besonders aufnahmefähig gewesen war, und sich die Zeit genommen, noch einmal ein ruhiges, freundliches Gespräch mit ihr zu führen und ihr zu versichern, dass ihr und Stella nichts geschehen würde. Und sie um Verzeihung zu bitten für die Unannehmlichkeiten, die sich für sie beide aus ihrer ‚Entführung' ergeben hatten.

Sie waren hier schließlich keine Gefangenen, hatte er ausdrücklich betont und ihr ein Zitronenbrausebonbon angeboten, sondern hochgeschätzte Gäste.

Und Lena glaubte ihm. Der beste Beweis für seine Worte war wohl, dass für Stella gestern extra ein Teil der Schutzzauber deaktiviert worden war, damit sie telefonisch Kontakt zu ihren Eltern in Deutschland aufnehmen konnte. Einem echten Entführer wäre es doch völlig egal gewesen, ob die Kinder ihrer Freundin versorgt waren. Aber Stella hatte ihre Eltern von einer ‚plötzlich dringend erforderlich gewordenen Geschäftsreise' berichten dürfen. Und sie hatte hinterher furchtbar erleichtert gewirkt und sogar ziemlich … äh … ja, abenteuerlustig war wohl genau das richtige Wort.

Besonders, als sie – Lena – nach ihrer gestrigen Unterhaltung mit dem Zaubereiminister die Treppe hochgekommen war und sich erst einmal laut räuspern musste, damit ihre Freundin und der Mann, der sie gerade mit seinem gesamten Körpergewicht an die Wand drückte während er sie leidenschaftlich küsste, sie überhaupt bemerkten …

Jawohl, das Wort ‚abenteuerlustig' brachte es ziemlich genau auf den Punkt!

Und warum auch nicht? Nach der alles andere als friedlich verlaufenen Trennung von ihrem Dreckskerl von Ehemann hatte Stella etwas Spaß redlich verdient!

Eines stand jedenfalls felsenfest, überlegte Lena mit einem vergnügten Schmunzeln als sie bei ihrem Rundgang durch das riesige Haus vor einem Paar schwerer, schwarzer Samtportieren stehen blieb, die die halbe Wand der Eingangshalle bedeckten und hinter denen sie das ominöse Portrait der alten Mrs. Black vermutete; die nächsten Tage würden bestimmt ein ziemliches Abenteuer werden. Und sie und Stella würden nicht einmal darüber schreiben können, wenn sie dem Orden des Phönix' nicht noch größeren Schaden zufügen wollten, als sie es unabsichtlich bereits getan hatten. Aber dafür würden sie Dinge erleben, die normale Muggel nie im Leben zu sehen bekamen, das war doch schon mal etwas, nicht wahr?

Es war wirklich erstaunlich, wie sehr die Realität am Grimmauldplatz sich von den Rowling-Büchern unterschied und wie nahe sie mit ihren eigenen Geschichten dran gewesen waren! Das begann bei dem Haus an sich und endete bei dessen Bewohnern. Zum Beispiel Dora. Ihre Freundlichkeit und Lebhaftigkeit ging bei Mrs. Rowling vollkommen verloren. Und natürlich würde sie sich auch nicht eine Schweinenase ins Gesicht hexen! Immerhin war sie ein weibliches Wesen mit der dazugehörigen Eitelkeit!

Und dann dieser Remus Lupin! Großer Gott, diesen Mann als mageren, heruntergekommenen Hungerleider darzustellen grenzte schon fast an ein Verbrechen! Wie war die Frau nur zu solchen Informationen gekommen?

Wer immer ihr Informant war, er hasste den Werwolf vermutlich wie die Pest!

Und außerdem war da auch noch dieser absolut hinreißende Sirius Black, dessen Sexappeal bei JKR auch nicht einmal ansatzweise ausreichend gewürdigt wurde. Was vermutlich bedeutete, folgerte Lena mit einem spöttischen Lächeln, dass der Informant ein Mann sein musste der schier vor Neid platzte. Weil keine Frau der Welt es fertig gebracht hätte, einfach so darüber hinwegzugehen! Jedenfalls keine, die diese Bezeichnung verdiente!

Herr Minister, kennen Sie jemanden, der Werwölfe hasst, Tonks gleichgültig gegenüber steht und entweder männlich, erfolglos bei Frauen und hetero oder weiblich und lesbisch ist? Das ist Ihr gesuchter Verräter …Frauen und Homosexuelle können Sie ausschließen…'

Innerlich über sich selbst grinsend – verdammt, ihr fehlte nur noch eine karierte Mütze, ein Ulster und eine Shag-Pfeife und sie könnte sich Miss Holmes nennen – wendete sie ihre Gedanken wieder dem absoluten Sahnestückchen dieses Hauses zu.

Sirius Black.

Hmmmmm!

Eine Bekanntschaft, die sie nur zu gerne vertiefen würde ... wenn sie dabei nicht befürchten müsste, sich die Finger gründlich zu verbrennen. Immerhin wusste er ganz offensichtlich, dass er ein besonders attraktives Exemplar der Gattung Mann war – etwas, das den meisten Männern die sie kannte, überhaupt nicht gut bekam. Blieb nur zu hoffen, dass er die berühmte Ausnahme von der Regel bildete, weil sie nämlich seit ihrer gestrigen, reichlich turbulenten Begegnung hin und weg von ihm war.

Okay, es stimmte, der Mann hatte ein Ego von der Größe eines ganzen Sonnensystems. Aber sogar das wirkte an ihm charmant und bezaubernd. Und gemeinsam mit seiner Attraktivität und seinem Lächeln bildete dieser Charme eine absolut tödliche Kombination für ihre Selbstbeherrschung! Himmel, am liebsten hätte sie ihn gestern schon angesprungen und zu Boden geknutscht! Und wenn er nicht nach ihrem Gespräch mit Professor Dumbledore zusammen mit dem Minister das Haus hätte verlassen müssen, dann … Okay, diesen Gedanken wollte sie lieber nicht zu Ende denken. Die Bilder, die sie dabei vor ihrem inneren Auge sah, waren denen, die sie gestern im oberen Korridor zu Gesicht bekommen hatte, eindeutig zu ähnlich! Man tausche Stella gegen sie und Remus Lupin gegen Sirius Black, und schon wäre sie verloren!

Himmel, allein die Vorstellung, er könnte … Oh Gott, lieber nicht darüber nachdenken!

Und dann war da zu allem Überfluss noch seine Bemerkung gewesen, mit der er sich von ihr verabschiedet hatte. Dieses „ich habe ältere Rechte", hatte ihr für einen Augenblick den Boden unter den Füßen weggezogen und ihren Herzschlag in ein wildes, begeistertes Hämmern verwandelt, das ihr das Brustbein zu zerbröseln drohte. Die Knie waren ihr weich geworden unter seinem dunklen, wissenden Blick und sie war geradezu sklavisch dankbar gewesen, dass der Professor ihr auf galant-altmodische Art den Arm geboten hatte, um sie in den Salon zu führen.

War sie schon jemals so auf einen Mann abgefahren? Sie konnte sich jedenfalls nicht daran erinnern. Und das bedeutete, dass ihr jeder Augenblick mehr, den sie in diesem Haus hier verbringen durfte, unglaublich kostbar war. Vielleicht …

„Einen Penny für Ihre Gedanken, Schönheit."

Lena wirbelte erschrocken herum und blickte in Sirius Blacks belustigt funkelnde, braune Augen. Konnten Zauberer etwa Gedanken lesen? Oh Himmel, bitte nicht...

„Schleichen Sie sich immer so von hinten an andere Leute heran?"

Er zuckte die Achseln. Tausend kleine Teufelchen schienen in seinem Blick zu tanzen. „Wäre ich von vorne gekommen, hätten Sie mich gesehen. Dann wäre es kein Schleichen mehr gewesen."

Schlauberger!

Lena fixierte die ominösen, schwarzen Samtvorhänge mit einem spekulativen Blick. „Vermutlich sollte ich mich bei Ihrer Mutter über Ihren Mangel an gutem Benehmen beschweren, was?"

Sein Grinsen vertiefte sich lediglich, als er eine übertrieben höfliche Verbeugung mit einer einladenden Bewegung in Richtung der Vorhänge kombinierte. „Nur zu! Tun Sie sich keinen Zwang an!"

Eine Herausforderung?

Während Lena nach dem schweren, staubigen Stoff griff, um ihn beiseite zu ziehen, beschlich sie eine dunkle Vorahnung. Was, wenn Mrs. Rowling das Portrait betreffend auch daneben gelegen hatte? Wenn hier ein sanfter Engel in weißem Kleid zum Vorschein kam, eine alte Frau mit liebevollem Madonnengesicht und Tränenspuren auf den Wangen?

Fast war es eine Erleichterung, dass das im Buch beschriebene Kreischen augenblicklich einsetzte, kaum dass sie die Portiere zur Seite gezogen hatte. Die Frau auf dem Bild war tatsächlich die im Buch beschriebene Sabberhexe – und ihre Stimme konnte es mit jeder Feuerwehrsirene problemlos aufnehmen.

„DU!", kreischte sie den stoisch dastehenden Sirius mit hasserfüllt verzerrtem Gesicht an, kaum dass sie seiner ansichtig wurde, und ignorierte die ihr fremde Frau völlig. „DU AUSGEBURT DER HÖLLE! BLUTSVERRÄTER! SCHANDE MEINES FLEISCHES! DU UNWÜRDIGER WICHT, DU BIST ES NICHT WERT DEN ALTEHRWÜRDIGEN NAMEN ‚BLACK' ZU TRAGEN!"

Sirius grinste leicht, aber Lena konnte sehen, dass er es vermutlich nur aus purem Trotz tat. Mit einem Mal tat er ihr furchtbar Leid. Eine solche Mutter zu haben ... „Ich wollte dir jemanden vorstellen, Mutter. Das ist Lena Soller."

Eisige schwarze Augen hefteten sich auf Lenas Gesicht und unter ihrem hasserfüllten Blick vergaß sie ihr Mitleid recht schnell. Konnten Portraits etwa auch zaubern?

Verhext zu werden, rutschte auf der Liste ihrer Sorgen allerdings sofort eine Stufe tiefer, als Mrs. Black erneut loslegte: „MUGGEL! EINE MUGGEL IN MEINEM HAUS! DAS IST DIE HÖHE! SCHAFF´ SIE MIR AUS DEN AUGEN, DU ELENDER BLUTSVERRÄTER! DU WAGST ES TATSÄCHLICH, MIR EINE MUGGEL INS HAUS ZU SCHLEPPEN!"

Sirius zuckte lediglich die Achseln. Und sein Grinsen vertiefte sich. „Nun, du solltest deine zukünftige Schwiegertochter ruhig schon mal kennen lernen, Mutter."

Während das neue Kreischkonzert über sie hinwegbrandete, starrte Lena ihn an, als hätte er den Verstand verloren. Wovon träumte dieser Mann denn nachts? „Schwiegertochter! Sind Sie wahnsinnig?"

Ihr Gegenüber grinste nur, bevor er sich herabbeugte und seinen Mund ganz nah an ihr Ohr brachte – eine Maßnahme die dringend erforderlich war, damit sie seine Worte unter dem wütenden Gebrüll der alten Sabberhexe verstehen konnte. Und selbstverständlich ging sein warmes, tiefes Timbre ihr durch und durch und sie erschauerte unwillkürlich, als sein heißer Atem ihren Hals streifte.

„Jetzt liebt sie Sie genauso innig wie mich."

Wut brandete in Lena auf. Dieser verdammte Kerl! Er machte sich über sie lustig, während ihr allein bei der Vorstellung, dass er sie berühren könnte, die Knie weich wurden! Hastig schob sie die Hände in die Hosentaschen und ballte sie dort zu festen Fäusten, bevor sie womöglich der Versuchung nachgab, ihm die dunkle Haarsträhne, die ihm so verlockend in das attraktive Gesicht gefallen war, zurückzustreichen.

Ihre rechte Hand schloss sich um einen kleinen, länglichen Plastikgegenstand. Wann hatte sie denn das Feuerzeug eingesteckt? Sie rauchte doch gar nicht ... Ach, egal! Sie drehte den Kopf und warf dem Mann, der sich noch immer zu ihr herabbeugte, so als würde er an der Haut ihres Halses schnuppern, einen eisigen Blick zu. Wenn er für seine Mutter eine Show abziehen wollte, dann sollte er sich gefälligst ein anderes Opfer suchen, das er dafür missbrauchen konnte!

Sie legte alle Verachtung, die sie auftreiben konnte in ihre Stimme, ehe sie flüsterte: „Würde es Ihnen etwas ausmachen, einen Schritt zurückzutreten, Mr. Black? Ich mag es nicht, wenn man mir so auf die Pelle rückt!" Und außerdem war es möglich, dass er den Sicherheitsabstand brauchen würde. Auch wenn sie in Wirklichkeit noch nicht entschieden hatte, ob sie ihm lieber vors Schienbein treten oder zu Boden knutschen wollte …

Mit einem nonchalanten, selbstsicheren Lächeln à là „Und ich kriege Dich doch noch!" und einem Achselzucken tat er ihr den Gefallen. Er trat nicht nur einen Schritt zurück, sondern durchquerte fast die ganze Halle und lehnte sich an den Pfeiler des Treppengeländers. Und wenn Lena nicht so sehr mit dem kreischenden Bildnis vor ihr beschäftigt gewesen wäre, wäre ihr bestimmt auch aufgefallen, dass er sich im Gegensatz zu seiner sonstigen lässigen Art, plötzlich ziemlich steifbeinig bewegte.

Allerdings hatte sie im Augenblick andere Sorgen. Mrs. Black verfügte nämlich über ein ausgesprochen weitreichendes Repertoire an Gossensprache. Und sie schien fest entschlossen, es lückenlos zu Einsatz zu bringen...

Jedenfalls solange, bis der jungen Frau vor ihr endlich der Kragen platzte. „Halten Sie den Mund!"

Vor Verblüffung über den harten, entschiedenen Ton dieser unverschämten Muggel fiel der alten Sabberhexe das Kinn herunter. Und bevor sie sich von dem Schock erholen und von neuem loslegen konnte, war Lena schon dicht an das Bild herangetreten. Sie machte sich nicht die Mühe, ihre Stimme zu heben, als sie das Feuerzeug aus der Tasche zog und das Flämmchen aufflackern ließ.

„Wissen Sie, was das ist, Mrs. Black? Eine Muggelerfindung namens Feuerzeug. Es erzeugt eine Flamme mittels eines Funkens und einer kleinen Gasladung. Ganz ohne Magie. Was glauben Sie, hält Ihr Bild dieser Flamme stand? Oder haben Sie es in Ihrer reinblütigen Überheblichkeit nur gegen Angriffe durch Zauberei abgesichert?"

Das entsetzte Schweigen der alten Frau mit dem hassverzerrten Gesicht war Antwort genug.

Wieder ließ Lena das kleine Flämmchen aufleuchten. „Fangen wir doch noch mal von vorne an, Mrs. Black. Mein Name ist Lena Soller und ich bin eine Muggel. Und sollten Sie mir oder meiner Freundin Stella gegenüber – die sich zurzeit ebenfalls hier in diesem Haus befindet – noch einmal laut oder unhöflich werden, so enden Sie als Häufchen Asche auf dem Fußboden dieser Halle. Haben wir uns verstanden? Sie dürfen nicken, denn von Ihrer Stimme habe ich vorläufig genug."

Gehorsam nickte die Frau auf dem Portrait.

„Wunderbar. Wissen Sie zufällig, welches Badezimmer ich benutzen kann? Ich brauche dringend eine Dusche."

Wieder ein Nicken, gefolgt von einem Räuspern, bevor die alte Sabberhexe widerwillig und vor allem ungewohnt leise und höflich antwortete. „Im zweiten Stock. Der dritte Raum auf der linken Seite. Es ist für Sie und Ihre Freundin reserviert, soweit ich das mitbekommen habe."

Lena hegte keinen Zweifel daran, dass Mrs. Black über die Vorgänge im Grimmauldplatz genauestens informiert war. „Danke, Mrs. Black. Wir sehen uns später sicher noch. Sie dürfen sich jetzt wieder zur Ruhe begeben."

Das Gesicht der Frau auf dem Bildnis machte deutlich, dass sie auf dieses Wiedersehen gut verzichten konnte, aber sie neigte dennoch höflich den Kopf. Und als Lena sich abwendete und mit ruhigen, gemessenen Schritten in Richtung Treppe ging, schlossen sich die dunklen Samtvorhänge wie von selbst vor dem Portrait.

Sirius Black mit fassungslosem Gesichtsausdruck war ein Anblick, an den sie sich durchaus gewöhnen könnte, beschloss Lena, als sie die Treppe erreichte. Besonders wenn dieser Ausdruck ihr galt, hihi.

„Wie haben Sie das gemacht?" wollte er wissen.

„Was gemacht?" fragte sie betont unschuldig.

Er machte eine hitzige Handbewegung in Richtung des Portraits. Himmel, war der Mann durch den Wind! „Wie haben Sie es geschafft, dass meine Mutter sich tatsächlich mal wie ein Mensch aufgeführt hat?"

Innerlich kichernd registrierte sie, dass sogar seine Stimme fassungslos klang.

„Ach das. Das war Muggelmagie, Mr. Black. Und wenn Sie mich jetzt bitte entschuldigen würden? Ich brauche dringend eine heiße Dusche. Diese Portieren sind furchtbar staubig."

Damit ließ sie ihn stehen und schlenderte mit einem ausgesprochen sexy Hüftschwung die Treppe hinauf. So ein Sieg über eine Schwarzmagierin – egal, ob nun tot oder lebendig – war doch ausgesprochen aufbauend für das Selbstbewusstsein einer Frau…

Sirius starrte ihr sprachlos hinterher.

Duschen?

Nackt unter einem Strahl warmen Wassers?

Oh Himmel, die Bilder, die ihm da gerade durch den Kopf zogen waren ausgesprochen schlecht für den Sitz seiner Hose! Aber andererseits … Ob sie vielleicht ein Handtuch brauchen würde? Immerhin war sie eine Muggel und hatte es demzufolge nicht so mit den Trockenzaubern. Und als Gentleman musste er ihr doch behilflich sein, oder?

Mit einem übermütigen Lächeln beschloss er, genau das zu tun. Schließlich konnte er ihre Kritik an seinem Benehmen nicht einfach so hinnehmen! Wo war denn eigentlich in diesem Kasten der Wäscheschrank?

Er tat etwas, wovon er nie geglaubt hätte, dass er sich jemals dazu durchringen würde.

„Kreacher!"

- - - - -

Rita Kimmkorn hasste es, morgens früh aufzustehen. Und dementsprechend finster war auch ihre Laune, als sie noch vor Tau und Tag die Ministeriums-Cafeteria betrat und ihren Blick über die Leute an den Tischen gleiten ließ.

Kleine Fische, allesamt.

Mist!

Soviel zu der vagen Hoffnung, auf einen höherrangigen, und hoffentlich auch noch völlig unausgeschlafenen Ministeriumsbeamten zu treffen, dem sie angesichts der frühen Stunde ein paar Informationen entlocken konnte. Hier saßen nur ein paar einfache Drohnen herum – Leute, die sie nicht einmal grüßen würde, wenn sie zu ihnen in den Aufzug stieg.

Nicht der Mühe wert.

Abschätzig verzog sie die knallrot geschminkten Lippen und drehte sich um, um wieder zu verschwinden. Vielleicht konnte sie ja im St. Mungos eine interessante Story auftun, immerhin waren Voldemorts Todesser in letzter Zeit wieder ziemlich aktiv. Wenn sie Glück hatte, gäbe es mal wieder ein paar Überfallopfer zu interviewen. Und wenn sie ganz besonders viel Glück hatte, konnte sie ihren Artikel sogar mit ein paar Leichen aufpeppen. Die hatten außerdem noch den Vorteil, dass sie nichts von dem dementieren konnten, was sie über sie schrieb … Dementis hatte es in letzter Zeit nämlich genug gegeben.

Als Reporterin hatte man es eben echt nicht leicht!

In der riesigen Lobby bemerkte sie Albus Dumbledore, den Zaubereiminister, der sich gerade in einer der Apparationszonen materialisierte, und presste die Lippen wütend zusammen. Dieser verdammte, alte Zausel! Nicht nur, dass er einer schwer arbeitenden Reporterin das Leben unnötig schwer machte, weil er darauf bestand, jedes Interview, das er ihr gewährte, auch zu lesen, bevor es in Druck ging, und gnadenlos jede Ausschmückung ihrerseits strich, der Mann war einfach eine Pest. Viele ihrer Quellen waren unter seinen wachsamen, blauen Augen bereits versiegt.

Und nicht genug damit, war da auch noch die Geschichte von gestern!

Verdammt, wenn dieser Idiot nicht dabei gewesen wäre, dann hätte sie das Sahneschnittchen Sirius Black bestimmt schon in der letzten Nacht in ihrem Bett gehabt! Es war bestimmt nur Dumbledores Anwesenheit zu verdanken gewesen, dass dieser Mann sie so einfach links liegen gelassen hatte! Vermutlich hatte er ja bei seinem Boss einen guten Eindruck machen wollen …

Obwohl …

Dieses kalte Blitzen der braunen Augen hatte sie sich nicht nur eingebildet. Und auch nicht die Art, wie er sie gar nicht schnell genug von sich schieben konnte. Großer Merlin, er konnte ihr doch nicht immer noch ihre Berichterstattung über diesen Potter-Bengel übel nehmen! Das war immerhin schon Jahre her! Und außerdem hatte sie damals nur die Anweisungen des Ministeriums ausgeführt …

Fudges Anweisungen!

Ihre Lippen verzogen sich zu einem fiesen Lächeln, als eben dieser durch die breite Tür trat. Vielleicht wurde es ja Zeit, dass sie ein paar alte Schulden einforderte … immerhin gab es nur eines, das sie noch mehr hasste, als morgens früh aufzustehen. Nämlich etwas – oder jemanden – nicht zu bekommen, wenn sie ihn wollte …

„Hallo, Cornelius. Sie sind früh auf, heute Morgen."

„Rita." Der kleine Mann mit dem grünen Bowler warf sich in die Brust. „Irgendjemand muss die Geschäfte ja am Laufen halten, nicht wahr? Ich habe jedenfalls vor, einen Berg von Arbeit zu erledigen, während dieser unfähige Trottel Dumbledore sich noch einmal in seinem Bett umdreht!"

So ein aufgeblasener Idiot!

„Tut mir Leid, Sie enttäuschen zu müssen, mein Bester, aber der Zaubereiminister", Rita benutzte absichtlich den Titel Dumbledores und genoss es zu beobachten, wie Fudges Augen sich zornig verengten, „ist bereits im Hause. Ich habe ihn schon gesehen."

„Ach tatsächlich?" murmelte Fudge und lief hochrot an, nur um gleich darauf das Thema zu wechseln. „Und was führt Sie hierher, liebste Rita? Hat der hohe Chef Ihnen etwa mal wieder eines seiner Interviews gewährt?"

„Ich bin hier, weil ich mit Ihnen reden will, Cornelius. Was wissen Sie über diesen Sirius Black?"

„Black? Den Askaban-Flüchtling?"

„Sie sollten nicht an Ihre eigene Propaganda glauben, Fudgeilein!" Belustigt beobachtete Rita, wie er bei der Verniedlichung seines Namens zusammenzuckte. „Inzwischen wissen sogar die Muggel, dass er unschuldig ist und zwölf Jahre im Zaubereigefängnis verbracht hat, weil Peter Pettigrew ihm den Verrat und die Morde angehängt hat."

„Ja, ja."

„Was das wirklich Interessante ist", fuhr sie genüsslich die Vermutungen verfolgend fort, die sie schon seit einer ganzen Weile hegte, „ist wohl die Frage, woher diese Mrs. Rowling ihre Informationen hatte, die sie so freigiebig mit der ganzen Welt geteilt hat. Nicht wahr, Cornelius?"

„Was … was meinen Sie denn damit?"

Sie setzte alles auf eine Karte. „Halten Sie mich doch nicht für blöd, Fudge! Sie haben diese Muggel mit Informationen gefüttert! Von dem Augenblick an, als Ihnen klar wurde, dass der Posten des Zaubereiministers Ihnen nicht auf Lebenszeit gehören würde! Weil Sie nicht damit klar kamen, dass Sie irgendwann wieder eine ganz kleine Drohne sein würden!"

Rita Kimmkorn betrachtete den plötzlich leichenblassen Mann mit süffisant verzogenen Lippen und war sehr zufrieden mit seiner Reaktion auf ihre Worte. Da hatte sie wohl ins Schwarze getroffen! Himmel, sie war gut! Und das machte richtig Spaß! Mal sehen, was sie aus ihrem Wissen alles herausschlagen könnte …

„Was … was wollen Sie?" Oooooooh! Hatte da etwa jemand Angst? Sie konnte es förmlich riechen.

„Einen Deal, Cornelius. Sie erzählen mir alles, was sie über diesen hinreißend attraktiven Mr. Black wissen. Und damit meine ich wirklich ALLES! Und Sie erweisen mir ab und zu einen kleinen Gefallen, wenn ich Sie darum bitte. Und dafür behalte ich für mich, dass Sie ein Verräter an der gesamten Zaubererschaft sind, der eigentlich nach Askaban gehört. Was sagen Sie?"

Fudge zögerte – ehe er Gott ergeben nickte. Aus der Geschichte würde er wohl anders nicht herauskommen. „Was … was wollen Sie denn ausgerechnet über Black wissen?"

Rita kicherte vergnügt. „Ach Fudgeilein! Es gibt so wenig wirklich interessante Männer heutzutage, finden Sie nicht auch? Und dieses Exemplar sieht aus, als wüsste es genau, wie eine Frau angefasst werden will … Und außerdem habe ich noch eine Rechnung mit ihm offen, die er demnächst in Naturalien begleichen darf. Mal ganz abgesehen davon, dass er einer der reichsten Zauberer überhaupt ist. Suchen Sie sich einfach etwas aus!"

Herablassend tätschelte sie Fudges noch immer leichenblasse Wange. „Und nun husch, husch an die Arbeit, mein Süßer! Ich erwarte, dass Sie sich noch heute bei mir melden und mir ein paar äußerst interessante Dinge berichten. Damit ich ein paar ebenso interessante Dinge für mich behalte …"

Lachend stöckelte sie auf den Ausgang zu. Fudges Hintern gehörte ihr! Und das Gefühl der Macht, das ihr diese Gewissheit verschaffte, stimulierte sie beinahe sexuell. Es war ein ganz und gar herrliches Gefühl! Und es würde wohl eine Weile vorhalten müssen, zumindest so lange, bis sie endlich einen ganz bestimmten, wahnsinnig attraktiven und wahnsinnig reichen Kerl zwischen ihren Schenkeln hatte …


Vergesst bitte das kleine lila Knöpfchen nicht, okay? Denn wenn man uns nicht liest brauchen wir auch nicht zu schreiben ... ;)