Guten Morgen :)
Heute geht meine kleine Story schon wieder zu Ende.
Wünsche euch viel Vergnügen beim Lesen, und vielleicht lasst ihr mir ja ein kleines Feedback da, wie es euch gefallen hat.
Kapitel 6
2. Mai 1998
Er wusste, dass er diese Nacht nicht überleben würde. Konnte spüren, dass dies seine letzten Stunden in seinem unbedeutenden, schweren Leben sein würden.
Schon als er Dumbledore vor nicht ganz einem Jahr auf dessen Geheiß hin getötet hatte, war sein Schicksal besiegelt gewesen. Wenn nicht sogar schon vorher.
Minerva hatte Recht. Potter hatte Recht.
Er war ein Feigling.
Von Anfang an.
Er war zu feige, sich seinem Vater in den Weg zu stellen, als dieser wieder einmal seine Mutter Krankenhausreif prügeln wollte.
Er war zu feige, sich gegen die Verlockungen der dunklen Künste zu wehren, gaben sie ihm doch eine Macht, die andere nicht hatten.
Er war zu feige, um das Wort „Schlammblut" hinunter zu schlucken, bevor er es Lily an den Kopf geworfen hatte.
Er war zu feige, die Trennung zu Lily zu akzeptieren und sein Leben in den Griff zu bekommen.
Er war zu feige, die Prophezeiung, die er belauscht hatte, vor dem dunklen Lord geheim zu halten.
Er war zu feige, um um seine einzige Tochter zu kämpfen und an ihrem Leben teil zu haben.
Er war zu feige, sich dem Ministerium zu stellen und seine verdiente Strafe zu erhalten.
Er war zu feige, allen die Wahrheit zu offenbaren.
Und nun stand er hier, verborgen im schützenden Blattgrün des verbotenen Waldes und ließ es zu, dass die Todesser die einzigen Dinge vernichteten, die ihm noch geblieben waren: Hogwarts, sein Zuhause und Hermine, seine Tochter.
Er betete darum, dass sie unverletzt blieb.
Schmerzhaft dachte er an die letzten Jahre zurück.
Daran, wie er sie im Unterricht ignoriert hatte. Er sie angefahren und Punkte abgezogen hatte, für Nichtigkeiten. Doch es war seine einzige Chance gewesen sie stark zu machen. Sie soweit zu treiben, dass sie sich die Stärke aneignete über den Dingen zu stehen. Schon in ihrem zweiten Jahr war sie über sich hinausgewachsen. Die Treue zu ihren Freunden war bemerkenswert und machte ihn stolzer, als es irgendetwas anderes könnte, auch wenn diese Freunde Potter und Weasley hießen.
Er erinnerte sich schweren Herzens daran, wie er an ihrem Krankenbett gesessen hatte, als sie versteinert wurde. Es war mitten in der Nacht und er hatte das erste Mal in seinem Leben Angst, wie es nur ein Elternteil haben konnte.
Dann folgten weitere Ereignisse, während er seine einzige Tochter vor einem Werwolf schützte, sich bei Dumbledore über Krum beschwerte, weil er sie zum Gespräch der ganzen Schule machte und dafür sorgte, dass Kimkorn des Schulgeländes verwiesen wurde. Diese Szene mit Hermine im Krankenbett hatte sich zu seinem großen Bedauern wiederholt. Als sie schwer verletzt nach Hogwarts gebracht wurde, weil sie und ihre Freunde im Ministerium auf Todesser getroffen waren. Stillschweigend und professionell wie immer hatte er Tränke herangeschafft, die sie aufpäppelten, während er der Öffentlichkeit vorspielte, dass ihn das alles kalt ließ. Und in ihrem sechsten Schuljahr, als er ein gutes Wort bei Slughorn für sie eingelegt hatte.
Doch nichts ließ ihn kalt, was mit Hermine zu tun hatte. Das letzte Jahr hatte er damit zugebracht vor dem Portrait von Phineus Nigellus auf Neuigkeiten zu warten. Irgendein Lebenszeichen von ihr zu erhalten. Zu gern würde er erfahren, wie ihr weiteres Leben verlaufen würde. Er hoffte für sie, dass ihr mehr Glück und Erfolg zuteilwurde, als ihm. Doch solange Potter diesen Kampf gewinnen würde, hatte er wenig Bedenken, dass Hermine nicht glücklich werden konnte.
Potter.
Severus hatte es nicht geschafft Dumbledores Befehl auszuführen, Potter alles zu erzählen, was er wissen musste. Nun war es zu spät. Er würde nicht mehr nahe genug an den Jungen herankommen. Und selbst wenn, würde Potter ihm nicht einen Moment zuhören. Er würde sich selbst ja nicht einmal glauben. Wie konnte er also erwarten, dass dieser Grünschnabel hinter al diese Lügen und Verstrickungen blicken und die Wahrheit erkennen würde.
Er konnte nur noch darauf hoffen, dass Potter von selbst darauf kam, dass er der letzte Horkrux war.
Seine Gedanken wurden unterbrochen, als Lucius auf ihn zueilte.
„Severus! Schnell… Der dunkle Lord möchte dich sprechen.", eröffnete ihm sein alter ‚Freund' schwer atmend.
Ein wissendes und selbstironisches Lächeln stahl sich auf Severus' Lippen. Es schien, als wären seine letzten Stunden nun gezählt.
Sich zu wehren stand außer Frage. Er würde seinem Schicksal dieses Mal nicht als Feigling gegenübertreten. Er nahm sich vor mit erhobenem Haupt zu sterben und dabei an das einzig wichtige in seinem Leben zu denken: Hermine!
Eine Stunde später
Der Kampf war schneller vorbei als er erwartet hatte. Im Grunde war es nicht einmal ein Kampf. Doch er spürte, wie das Gift Naginis sich in seiner Blutlaufbahn ausbreitete. Wenn er nicht vorher verblutete, würde das tödliche Serum ihn langsam dahin raffen lassen.
Das Atmen fiel ihm schwer und das Blut, das in seine Luftröhre drang, lies ihn Husten.
Dann waren sie da.
Potter, Weasley und seine Hermine.
Wohl auf und entschlossen diesen Krieg zu gewinnen.
Erleichterung durchfuhr ihn und er schloss die Augen, um die Schmerzen für einen Moment auszublenden und sich zu konzentrieren.
„Sag dem Jungen, was er wissen muss, Severus!", hallte die Stimme Dumbledores durch seinen Kopf, während er seine Erinnerungen fokussierte.
„Fang sie auf! Bitte…", hörte er wie von fern seine kratzige Stimme sagen, während er die erste Träne vergoss, seit dem er an Lilys Todestag geschworen hatte, dies nie wieder zu tun, und damit seinem Schwur brach.
Potter bat Hermine mit gehetztem Blick um ein Fläschchen, dass sie ihm mit zitternden Fingern reichte. Währenddessen ruhten Severus' Augen nur auf ihr. Ihre Blicke kreuzten sich und er konnte sie lesen, wie ein offenes Buch. Verwirrung, Verzweiflung, Angst, Unglauben, Trauer… Welches dieser Gefühle für ihn bestimmt war, oder ob überhaupt eines für ihn war, wagte er nicht zu deuten.
Er zwang sich mit letzter Anstrengung seinen Kopf wieder Potter zuzudrehen. Der Sohn seiner geliebten Lily. Er hatte mittlerweile Severus' Gedanken sicher in dem Fläschchen aufgefangen.
Severus hatte seine Schuld beglichen, indem er dem Jungen alle Wahrheit mit auf den Weg gab, die er ihm reichen konnte. Damit war der Zweck seines Lebens auf dieser Welt erfüllt.
Doch einen Wunsch hatte er sich selbst noch erfüllt. Er hatte ausnahmslos alle Erinnerungen, die ihn mit Hermine verbanden in den Schwall an Gedanken gelegt, den er Potter überließ. Damit würde sie endlich wissen, dass er, Severus Snape, ihr Vater war. Was sie mit diesem Wissen anfangen würde, blieb ihr überlassen. Doch er wusste, dass sie alt genug für die Wahrheit war und hoffte, dass es sie trotz allem mit Stolz erfüllen würde, genauso wie sie ihn mit Stolz erfüllte.
Er wiederstand dem Drang Hermine noch einen Blick zuzuwerfen. Zu groß war die Qual.
„Sieh mich an.", krächzte er Potter zu, der sogleich seinen Kopf hob.
Diese wundervollen grünen Augen. Seine Sinne schwanden und er fühlte eine Schwere in sich, die ihm den letzten Lebenssaft aussaugte.
Einmal noch schaffte er es seinen Mund zu öffnen.
„Du hast die Augen deiner Mutter, Harry!", flüsterte er mit kratziger Stimme und das letzte, was er sah, war, dass sich Lilys Augen mit Tränen füllten, ehe er leblos auf dem kalten Boden der Heulenden Hütte zusammenbrach.
Epilog
3. Mai 1998
Vor Hermine erstreckte sich eine malerische Szenerie, als die Sonne langsam aber feierlich in warmen oragnen Farbtönen hinter den grünen Bergen der Highlands verschwand. Sogar die Natur schien den Fall des dunklen Lords zu feiern. Sie konnte nicht mehr sagen, wie lange sie schon an der Wand im unbeschädigten Astronomieturm gelehnt saß, denn ihr Kopf war leer gefegt.
Sie hatten Voldemort besiegt!
Endlich!
Doch zu welchem Preis?
Auch wenn dieses sinnlose Töten nun endlich ein Ende hatte, war es doch für viele zu spät. Zahllose geliebte Menschen waren in der schauerlichen Schlacht um Hogwarts umgekommen. Andere würden für ihr Leben lang gezeichnet sein. Auch das Leben derer, die keinen physischen Schaden genommen hatten, würde zukünftig nicht mehr da, was es einmal war.
Auch ihres nicht.
Hermine seufzte. Allmählich übermannte sie die Müdigkeit. Das Adrenalin in ihrem Körper war schon vor Stunden abgeebbt und die Anstrengungen zollten nun ihren Tribut.
Eine Bewegung hinter ihr ließ sie aufschrecken. Ihre Sinne waren sofort wieder geschärft. Den Zauberstab im Anschlag hatte sie ihn in Sekundenschnelle auf die Brust ihres Angreifers gerichtet.
Doch es war nur Harry, der mit erhobenen Händen im Licht der untergehenden Sonne stand.
„Ich bin's nur.", sagte er und man konnte ihm seine eigene Erschöpfung anhören.
Hermine steckte ihren Zauberstab wieder ein und Harry nahm die Hände wieder herunter, ehe er näher kam.
„Entschuldige, Harry. Ich bin noch etwas schreckhaft."
Harry lächelte nachsichtig.
„Keine Ursache. Ich schätze, dass es uns da allen ähnlich geht. Darf ich?"
„Aber sicher doch."
Hermine rutschte etwas zur Seite, sodass Harry sich bequem neben sie setzen konnte.
Eine Weile sagte keiner etwas und beide versanken wieder im Bild der untergehenden Sonne. So friedlich und warm hatten sie sie beide schon lang nicht mehr wahr genommen. Schließlich war es Harry, der die Stille durchbrach.
„Du und Ron also?"
Bei der Erwähnung von Ron, schlug Hermines Herz kurz schneller.
„Ja. Ich und Ron.", bestätigte sie selig lächelnd.
Doch als sie an Ron dachte, dachte sie unweigerlich auch an die Trauer, die die Weasleys nun zu bewältigen hatten. Ausgerechnet Fred! Niemand konnte es noch so recht glauben.
Dann waren da auch noch Remus und Tonks. Harry hatte noch am Nachmittag eine Nachricht an Tonks' Mutter geschickt, um sie über den Tod von Teddys Eltern aufzuklären. Wie es aussah, musste nun ein weiterer kleiner Junge ohne Eltern aufwachsen und das alles nur wegen Voldemort. Doch anders als bei Harry, war Hermine sich sicher, dass Teddy viel Liebe erfahren würde.
Dann riss Harry Hermine wieder aus ihren Gedanken.
„War es falsch es dir zu zeigen?"
Hermine sah Harry offen in die Augen. Er schien sich Sorgen zu machen, wie sie damit umging. Sie dachte ernsthaft darüber nach, bevor sie ihm schließlich eine Antwort gab.
„Nein! Es war richtig. Falsch wäre es, sich vor der Wahrheit zu verschließen.", sagte sie ruhig und beschwor sich innerlich die Bilder herauf, die Harry ihr im Denkarium gezeigt hatte.
„Er war ein großer Mann. Ein Held!", merkte Harry an, der Hermines Zerrissenheit fühlte.
Hermine nickte und lächelte wieder.
„Das war er. Und dennoch ein Mann voller Geheimnisse.", sagte sie schließlich und legte ihren Kopf Harrys Schulter.
Der letzte Gedanke, bevor sie ihrer Müdigkeit endlich nachgab, galt ihrem Vater: Severus Snape.
The End
