Hallo Ihr Lieben,

Es geht weiter und ich muß sagen, dass ich in diesem Kapitel meiner "etwas" dramatischen Fantasie freien Lauf gelassen (ich neige manchmal zu hoffnungslosen Untertreibungen). Wieder einmal lasse ich es zu, dass die arme Ayaka immer wieder in eine mehr als bedrohliche Situation hinweinschlittert.

.......


Niederlage

Die Dämonin, die da auf ihn zugerast kam, hatte fast keine Ähnlichkeit mehr mit der Fürstin. Es war noch ihre Kleidung, auch noch ihre Gestalt, aber dann doch wieder nicht. Dem Ansturm der Schwertschläge mit denen sie Hayato attackierte, konnte er kaum standhalten.

Mit einem schnellen Schritt wich er nach rechts aus und schlug in der Drehung zu. Er traf mit der Breitseite der Klinge Ayaka's Schwertarm. Das Bersten der Knochen konnte er bis zu sich hören.

Ayaka spürte kaum den Schmerz. Dafür entglitt ihr jedoch unwillkürlich das Schwert. Ihre Finger waren nicht mehr in der Lage es festzuhalten.

Hayato atmete erleichtert aus. Triumph breitete sich in ihm aus. Ihr Schwertarm war gebrochen und sie hatte ihre Waffe verloren. Jetzt konnte er sie endlich erledigen.

Ayaka stand reglos mit gesenktem Kopf da. Schwer hob und senkte sich ihre Brust unter ihren Atemzügen. Ihre langen Haare wehten ihr in das Gesicht. Durch die Strähnen hindurch beobachtete sie aufmerksam aus blutroten Augen jede Bewegung ihres Gegners. Er wähnte sich sicher. Glaubte schon gesiegt zu haben.

Mit einem breiten Grinsen trat er vor sie. "Du bist am Ende, Weib. Ich bin gnädig. Ich werde dich töten, bevor ich mich mit deinem Kind beschäftige. Der große Sesshomaru wird hier nur den Tod vorfinden, sollte er jemals zurückkommen, was ich allerdings stark bezweifele", spottete er.

Ein tiefes Knurren entstand in Ayaka's Kehle. Ihre Stimme war kaum zu verstehen. "Sei dir nicht so sicher, dass ich diejenige bin, die stirbt."

Er lachte siegessicher auf. Was konnte sie noch ausrichten? Offensichtlich konnte sie sich vor Erschöpfung kaum noch auf den Beinen halten, ihr Schwertarm war gebrochen und...

Diesen Gedanken konnte er nicht mehr zu Ende führen.

Ayaka sprang auf ihn zu.

Er hob den Arm und drosch mit dem Schwert zu. Millimeter über ihren Kopf fing sie mit der gesunden linken Hand den Schwertarm ab. Tief gruben sich ihre langen Krallen in sein Fleisch. Blutgeruch stieg ihr in die Nase, mit einem Ruck zog sie ihn zu sich heran. Nur Zentimeter trennten ihre Gesichter voneinander.

Ayaka's heißer Atem streifte sein Gesicht. "Jetzt erkenne, mit wem du es wirklich zu tun hast." Ihr Youki stieg auf den vollen Level an. Sie stand kurz vor der vollständigen Verwandlung in ihre wahre Form, der riesigen Silberwölfin, schon begannen sich ihre Gesichtszüge zu verändern.

Seine Augen weiteten sich vor Schrecken. Noch nie hatte er so eine Ausstrahlung gespürt.

Sie drehte seinen Arm mit einem Ruck herum. Vor Schmerz schrie er auf. Er konnte nicht anders, er ging in die Knie. Mit dem Fuß stellte sich Ayaka auf die Schwertklinge und riss ihn erneut herum. Seine Finger öffneten sich. Er war nicht mehr in der Lage das Schwert festzuhalten. Ayaka riss ihn hoch und stieß ihn von sich. Taumelnd wich er zurück, stolperte und fiel rückwärts zu Boden.

Innerhalb einer Sekunde war sie an seiner Seite. In ihrer linken Hand funkelte die Klinge ihres Dolches. Die Spitze senkte sich auf seine Brust. Bewegungslos hielt er inne.

In ihren Augen konnte er nicht den Hauch von Gnade erkennen. "Ich hoffe du hattest dein Vergnügen mit mir...", ohne jede Emotion erklang ihre Stimme.

Die Spitze des Dolchs drang ohne großen Widerstand in seinen Körper ein. Heißer, brennender Schmerz begleitete ihn in die Dunkelheit des Todes.


Jaken hielt krampfhaft den Nintojo-Stab fest. Er war sich nicht sicher, aber er meinte vorhin die Fürstin im Innenhof gesehen zu haben. Suchend sah er sich um. In einiger Entfernung kniete jemand über einen riesigen am Boden liegender Körper. Vorsichtig schlich er näher, bereit jeden Moment den Nintojo eine Feuerlohe speien zu lassen. Als sich die Gestalt umdrehte, wurde seine Vermutung zur Gewissheit.

"Herrin...?", flüsterte er fassungslos.

Noch immer rauschte das Blut in ihren Adern und machte Ayaka für die sie umgebenden Geräusche fast taub. Allmählich beruhigte sich ihr Atem wieder, doch die Wut verrauchte nicht. Durch den Nebel, der immer noch ihre Sinne umgab, hörte Ayaka die Stimme des Dieners und hob den Kopf. Ihr Blick klärte sich und in nicht allzu größerer Entfernung machte sie die kleine Gestalt von Jaken aus.

Ihr Blick strich über den Hof. In wenigen Sekunden formte sich ein Bild des Schreckens vor ihren Augen. Das Feuer hatte auf einen zweiten Schuppen übergegriffen. Die Diener kamen mit dem Löschen nicht mehr hinterher. Über die Mauern drangen immer mehr Angreifer und landeten im Innenhof.

Die Torflügel bogen sich unter den gewaltigen Schlägen. Das Knirschen der schweren Balken kündigte den baldigen Bruch an. Aus der Luft griffen immer noch einige der fliegenden Dämonen an und setzten den Dienern und Wachen schwer zu. Sie sah die Verletzungen, die viele von ihnen trugen und sie sah die leblosen Körper von den Toten, die auf der dunklen Erde lagen.

Ayaka wusste, dass es vorbei war.

Sie konnten das Schloss nicht mehr halten. Sie konnte nur noch eines Tun. Sie musste die Überlebenden in Sicherheit bringen. Ayaka spürte die gewaltige Erschöpfung, die ihren Körper fast lähmte, die ihre Muskeln zum Zittern brachte.

~Ihr Götter gebt mir Kraft! ... noch nicht... bitte lasst mir noch ein wenig Zeit...~, flehte sie inbrünstig.

Mit aller Entschlossenheit drängte sie die Schmerzen und die Erschöpfung zurück und stemmte sie sich auf die Füße. Ihre unverletzte Linke hob das Schwert auf.

"Jaken...!"

Eilig kam der kleine Krötendämon heran. Er zuckte zusammen, als er in das Gesicht und auf den Körper seiner Herrin sah. Noch nie hatte er sie so gesehen. Noch immer zeigten ihre Augen eine blutrote Färbung, waren silberfarbene Streifen auf ihren Wangen zu sehen. Ihre Kleidung wies am Oberschenkel einen klaffenden Riss auf. Der umgebene Stoff hatte sich vom Blut rot gefärbt. Ihr rechter Arm pendelte unkontrolliert an ihrem Körper. Augenscheinlich war er gebrochen.

"Jaken-sama, sag den anderen, das wir uns zurückziehen. Sie sollen zu dem Fluchttunnel im Küchentrakt laufen", befahl Ayaka.

"Und Ihr, Herrin?", wagte er ängstlich nachzufragen.

"Ich komme mit den Kindern hinterher. Nun lauf schon!", drängte sie.

Eilig machte sich Jaken auf den Weg.

Ayaka lief so schnell, wie sie konnte, in das Schloss zurück. Sie hastete durch die Gänge zu ihren Gemächern. Heftig schob sie die Tür auf und trat in das Zimmer. Noch immer saßen da Megumi und Rin, die ihren Sohn noch in Armen hielt. Erschrocken schrie Rin auf, als diese, ihr so fremde Youkai, in den Raum stürmte.

Tief atmete Ayaka durch und versuchte sich zu beruhigen. Teilweise gelang es ihr die Verwandlung zu unterdrücken. Die Augen verloren ein wenig die rote Färbung.

"Rin-chan!", sie bemühte sich ruhig zu klingen. "Ich bin es Ayaka. Nimm meinen Sohn und folge Megumi in den Küchentrakt. Dort wartet ihr auf mich."

Rin erhob sich und nickte. "Hai!" Fest hielt sie das kleine Bündel mit dem Baby an ihre Brust gepresst. Leises Wimmern kam aus den Stoffbahnen.

Ayaka hielt inne und strich dem Mädchen tröstend über die Haare. "Alles wird gut Rin-chan. Glaub mir..."

"Herrin...!", tief getroffen über den Anblick, den die Fürstin bot, versuchte Megumi ihren Einwand vorzubringen. Die Verletzungen waren schwer und sie als Heilerin konnte erkennen, wie gefährlich sie waren. Doch Ayaka hob nur abwehrend die Hand. Leicht schüttelte sie den Kopf. "Nein! Ich weiß, was du sagen willst. Kümmere dich nur darum, dass Rin und mein Sohn heil zum Fluchttunnel kommen. Ich werde dafür sorgen, dass euch niemand aufhalten wird."

Dann wandte sie sich um und rannte wieder zurück in den Hof. Sie verließ sich darauf, dass die alte Dienerin Rin und ihren Sohn sicher in die Küche brachte. Ihre Aufgabe hingegen würde es sein, den Rückzug zu decken.

Das Krachen war ohrenbetäubend. Die schweren Torbalken hatten den Widerstand aufgegeben, ungehindert stürmten die Dämonen in den Innenhof. Die Bogenschützen hatten sich von den Mauern zurückgezogen. Die Diener waren dabei sich zu sammeln und zurückzuziehen.

"Schnell beeilt euch!", schrie Ayaka ihnen zu. In großer Hast drängten sie an ihr vorbei in das Gebäude.

Doch nicht alle schafften es.

Ayaka sprang vor, doch konnte sie es nicht verhindern, dass ein ochsenköpfiger Dämon einen der Diener packte und mit einer solchen Wucht zu Boden schleuderte, dass er bewegungslos mit gebrochenen Gliedern liegen blieb. Wieder überkam sie die Wut und veränderte sie vollständig. Das Schwert noch immer in der linken Hand schlug sie zu. Sicher fand die Klinge das Ziel.

Seite an Seite kämpfte sie mit den Wachen und deckte den Rückzug.

Ayaka fühlte nicht, wie das Blut aus zahlreichen Wunden sickerte, fühlte nicht den tauben Schmerz ihres gebrochenen Arms und den Schmerz, der in ihrem Leib wütete, durch die Strapazen der kaum überstandenen Geburt. Einzig der Gedanke daran, dass sie die ihren schützen musste, hielt sie noch auf den Beinen. Verlieh ihr Kräfte, die fast schon unheimlich waren.

Gemeinsam gelang es ihnen den Rückzug in den Küchentrakt zu sichern. Als letztes huschte Ayaka durch die doppelt flügelige Tür, die unmittelbar hinter ihr verschlossen wurde. Im Gegendsatz zu den anderen Türen im Schloss bestand sie aus schwerem Holz, mit einem Riegel auf der Innenseite, der nun die Tür verschloss. Der Zugang zum Fluchttunnel war schon freigelegt worden und die Bewohner huschten nacheinander durch den dunklen Gang in Sicherheit.

An der Wand lehnten Rin und Jaken. Eben sprang als letztes Megumi in den Gang hinunter. Nur ein Wächter stand noch an Ayaka's Seite.

"Rin-chan, komm her!", Ayaka legte das Schwert beiseite und umfasst Rin mitsamt ihren Sohn und hob sie sie durch das Loch im Boden. Unten nahm sie Megumi in Empfang. Jaken wurde auf dieselbe Weise hinuntergebracht.

"Lauft!" rief Ayaka ihnen zu.

Der unterdrückte Warnschrei der letzten zurück gebliebenen Wache ließ sie herumfahren. Die Tür gab nach. Ayaka bekam keine Zeit mehr aufzuspringen, zu schnell waren die Angreifer heran. Verzweifelt griff sie nach dem Schwert und erwehrte sich einen Dämon, der sie ansprang.

"HERRIN...!" Der Wächter griff ein und half ihr in letzter Sekunde den tödlichen Schlag abzufangen. Er verschaffte ihr genügend Spielraum, dass sie wieder auf die Beine kam.

Gemeinsam gelang es ihnen die vorderste Front einen Meter zurückzudrängen und sich so ein wenig Platz zu verschaffen. In den Räumlichkeiten behinderten sich die Angreifer gegenseitig.

Nacheinander ließen sich Ayaka und die verbliebene Wache durch den Zugang den Fluchttunnels fallen. Kaum auf dem Boden aufgekommen, hasteten sie vorwärts.

"Wir müssen verhindern, dass sie uns folgen", keuchte der Wächter.

Ayaka stoppte. Ihr Blick glitt über die Tunnelwände. Ein gefährlicher Plan nahm in ihrem Kopf Gestalt an. "Wir müssen den Gang zum Einsturz bringen. Das ist unsere einzige Chance!"

"VORSICHT!", der Warnschrei ihres Begleiters hallte laut in dem engen Gang. Zwei der Dämonen waren ihnen gefolgt. Mehr ging nicht, aufgrund der Enge des unterirdischen Ganges.

Ayaka reagierte einen winzigen Moment zu spät. Die Klinge des Angreifers bohrte sich in die Schulter ihres gebrochen Arms. Sie spürte den Einstich kaum. Ayaka war jenseits davon, noch mehr Schmerzen empfinden zu können. Sie drehte sich einfach nach rechts weg. Die Klinge glitt aus der Wunde heraus, gleichzeitig stieß Ayaka mit ihrem Schwert zu. Der Dämon taumelte zurück und brach zusammen.

Im nächsten Moment stieß Ayaka die Schwertklinge in das Gestein rechts der Gangwand. Mühevoll zog sie sie zurück und rammte sie wieder vor. Alles noch ihr Verfügung stehenden Youki sammelte sie in ihrer Hand und ließ es durch den Griff in das Schwert fließen.

Noch einmal stieß sie mit aller Kraft in die Decke des Ganges. Gestein knirschte, Staub wallte auf. Risse durchzogen die steinerne Decke. Kleine Brocken lösten sich aus dem festen Verband und rieselten auf ihre Schultern.

Als sie ihr Schwert herauszog, lösten sich die ersten großen Brocken und polterten zu Boden. Einer streifte sie und ließ sie zur Seite taumeln. Immer mehr wurden es, bis sich schließlich die gesamte Decke löste und den Gang verschloss....


Ende Kapitel 6

Der Kampf um Schloss Inu Taishou ist geschlagen. Schwere Verluste auf beiden Seiten sind zu beklagen. Was ist aus Ayaka, ihrem Sohn, Rin und Jaken geworden? Haben sie es geschafft?

Oder ist Ayaka in bei dem Versuch ihre Familie zu schützen unter den Steinmassen des Fluchtganges begraben worden?

Tja, das bleibt offen...(ich weiß, ich bin wieder gemein; in die Ecke stell und schäm). Je näher die Freunde Naraku's Unterschlupf kommen, desto gefährlicher wird es. Nur zu bald müssen sie feststellen, dass sie erwartet werden. Der Überraschungseffekt ist dahin, „der Plan fliegt auf".

Bis bald

Eure

chaska