Disclaimer: siehe Kapitel 1
Disclaimer-Ergänzung: der Story-Titel gehört der Band „Kid Dakota" und ist aus ihrem Song „Stars" geborgt (lief am Ende der Episode „Magic Show" S05.E06.)
Summary: eine kleine Megan(/Larry) Geschichte. Spielt nach Megan's Ausstieg irgendwann nach Ende 4. Staffel.
A/N: Es ist soweit. Pünktlich vor meiner Prüfungszeit geht die letzte Geschichte dieser Sammlung hiermit raus. Ich danke allen Lesern und Reviewern die da waren, sind und noch kommen werden für das Feedback, die lieben Worte und eure Treue. Hoffe wir lesen uns bald mal wieder… ich arbeite jedenfalls dran.
Vorgegebene Wörter: Venus, Verfall, Veranda
Titel: At least they have the stars tonight
Lovestory die den Verfall der Hirnzellen stark erhöhte, dämliche Gameshow, Spielfilm in einer unverständlichen Sprache, unlustige Comedy, schlecht recherchierte Kriminalproduktion, Wetterkanal, eine Dokumentation über Büroklammern?!, ein klassisches Konzert… mit einem Seufzen schaltete Megan den Fernsehers mit Krisselbild wieder aus. Jeden Abend war es dasselbe hier, nichts das ihren Geist lange genug beschäftigte. Sie war nahe der kanadischen Grenze und die Tage auf der Konferenz waren in wohltuend stressiger Weise angefüllt mit Arbeit. Das fühlte sich gut an. Aber die Nächte…seit anderthalb Wochen war sie nun schon hier. Ihr Buch war schon seit Tagen ausgelesen, die anwesenden Kollegen nicht für mehr als ein 5-minuten-Schwätzchen in der Pause nutzbar. Der Fernseher zeigt jeden Abend den gleichen Stuss, es gab weder eine Bibliothek noch ein Kino in dieser Einöde und seit einem Sturm am zweiten Tag nach ihrer Ankunft waren Internet und Mobilphonempfang Geschichte. Festnetz und Satellitenverbindungen waren für Notfälle und die Grundversorgung reserviert und man konnte von Glück reden das noch genug Strom und Feuerholz für alle anderen Annehmlichkeiten vorhanden waren. Die unberührte Natur die die ehemalige FBI-Agentin in der ersten Woche noch so atemberaubend fand wurde mehr du mehr zum Ziel ihrer Abneigung. Natürlich war der Blick aus dem weiten Fenster noch immer eines der schönsten Panoramen die sie je gesehen hatte. Seit ein paar Tagen sogar auch nachts. Die Sturmnächte mit Wolken und endlosem Schnee waren endlich vorüber und hatten den weiten Himmel den Sternen überlassen die zu tausenden über den Gipfeln schwebten. Die Dunkelheit war hier so vollkommen. Alle großen störenden Lichtquellen die sie hätten verschlucken können waren nicht existent und so erstrahlte alles in voller Pracht. Die erste dieser Nächte hatte sie schlaflos staunend an der Glasfront verbracht und mit offenem Mund einfach nur nach draußen gestarrt. Nun machte sie der Anblick nur noch krank und sie behielt die Gardinen oft geschlossen. Egal was sie sich selber auch einzureden versuchte sie hatte Heimweh. Aber nicht nach ihrem neuen Zuhause. Sie vermisste L.A. was an sich schon fast ein Paradoxon darstellte. In der Stadt der Engel waren die Himmelskörper bis auf wenige Ausnahmen wie die helle Venus mit bloßem Auge so gut wie unsichtbar. Larry hatte ihr jedoch ein paar der Stellen in der Nähe der Stadt gezeigt an denen sie sichtbar waren. Nächtelang hatte sie von da an den Tanz der Gestirne beobachtet. Aber selbst als er von Zeit zu Zeit ein Teleskop mitgebrachte hatten sie nichts so eindrucksvolles wie das hier zu sehen bekommen. Sie wünschte sich nichts mehr als diese Aussicht nun mit ihm zu teilen und sei es auch nur über Telefon oder das Web.
Einmal mehr ließ sie das Fenster zurück, ging zum Nachttisch und setzte sich auf Bett das selbst für zwei noch ausreichend Platz geboten hätte. Langsam öffnete sie die oberste Schublade des kleinen Schränkchens holte eine gläserne Schneekugel daraus hervor und stellte sie obendrauf ab. Es war ein Geschenk von Larry. Er hatte es ihr von einer Konferenz mitgebracht und mit einem traurigen Lächeln erinnerte sie sich noch an das schüchterne Plappern das er von sich gegeben hatte als er versuchte es ihr zu schenken. Er hatte es gekauft ohne zu wissen warum. Es hatte sich in dem Moment einfach nur richtig angefühlt hatte er ihr gesagt. Sie hatte die Kugel unwissentlich eingepackt. Sie war einfach erschienen inmitten der Kleidung im Reisegepäck. In ihrem Apartment stand sie auf einem festen Platz auf einem kleinen Tisch und musste wohl von da hineingefallen sein. Als Megan sie nun ansah wurden ihre Augen einmal mehr tränenfeucht. Sie fühlte sich ihm näher wenn sie das tat und doch ferner. Noch ein Paradoxon. Seit sie ihn kannte gab es davon immer mehr in ihrem Leben. Als sie versuchte ihre Augen trocken zu reiben versetzte sie dem gefüllten Glaskörper den sie nun in ihren Händen trug in leichte Bewegung und die Partikel begannen zu tanzen ... wenn auch nur schwach. Sie wusste genau was kommen würde wenn sie es mit mehr Elan tat. Im Gegensatz zu den normalen Standardschneekugeln war diese jedoch anders. Die Flüssigkeit war dunkler und anstelle von großen weißen Flocken durchströmten kleinste, pailettenähnliche und doch unbeschreibliche Teile das Wasser und um eine durch die Lichtbrechung fast unsichtbare Blockade aus Glas. Die bunten und glitzernden Minikristalle umströmten das Hindernis in Wirbeln und Bögen und produzierten so ein unvergleichliches Farbenspiel in dem wie in einer Explosion aus Formen und Mustern alles dank der guten alten Schwerkraft früher oder später zurück auf den Boden sank. Die hohe Kunst von Physik und Mathematik in Form von Strömungsmechanik vereint in einem simplen Spielzeug. Oh wie sie ihr altes Leben, alle Mitglieder aus diesem und am meisten Larry an Abenden wie heute vermisste. Vielleicht war ja morgen der Funkmast endlich wieder funktionsbereit und repariert. Dann würde sie ohne Rücksicht auf Zeit und Raum mit ihm telefonieren. So lange wie sie wollte und wie es ihre Stundenpläne erlaubten.
Sie seufzte wieder und sah auf die neben ihr stehende Uhr. Es war noch nicht sehr spät und doch beschloss Megan das zu Bett gehen ihre beste und vielversprechendste Option war. Mühsam erhob sie sich von ihrem Platz auf dem Bett um hinüberzugehen und die Jalousien und Gardinen der Fenster und Tür zur Veranda für die Nacht zu schließen und zu verriegeln. Die Sterne standen dort noch immer leuchtend und scherten sich nicht im Ansatz um ihre Gefühle. Sie lehnte sich kraftlos gegen die kalte Scheibe und schaute nach allen Richtungen über die weite Fläche. Wieder begannen ihre Augen zu brennen und mit einem traurigen Blick auf den kleinen Gegenstand schüttelte sie die Schneekugel mit einem einzigen schnellen Ruck um die Pigmente für sich tanzen zu sehen. Sie hatte es nicht annähernd so spektakulär erwartet.
Als wäre ihr Schütteln ein geheimes Startsignal gewesen war auch der Himmel plötzlich explodiert. Lange Bahnen in allen Facetten des sichtbaren Lichtes tanzten über die gesamte sichtbare Himmelsleinwand und funkelten in mehr Farben als es selbst ihre Schneekugel tat. Es fühlte sich für sie fast an als würde das Nordlicht, Aurora borealis, nur für sie tanzen und sie sanft umarmen. Fast hätte sie den Glaskörper fallen lassen so sehr hatte sie sich erschrocken als es begann. Nun starrte sie nur wortlos und geschockt von solch vollkommen perfekter Schönheit und Anmut mit offenem Mund hinaus, hielt die kleine Kugel dabei fest umklammert und wünschte sich nichts sehnlicher als ein paar Augenpaare mehr um alles auf einmal sehen und genießen zu können. Tränen rannen Megan in Strömen die Wangen hinunter ohne dass sie es überhaupt bemerkte. Es waren Erinnerungen fürs Leben, diese Bilder.
Doch so schnell wie es begonnen hatte war es dann auch wieder vorbei. Zurück blieben nur die Sterne als wäre da nie etwas anderes gewesen. Synchron zum Naturschauspiel draußen hatte auch der Tanz der Pigmente in ihrer Schneekugel aufgehört. Dieses Timing… das konnte schon fast kein Zufall mehr sein.
„Ich liebe dich auch" sagte sie zu dem Gesicht das mitten zwischen den Galaxien draußen für einen Sekundenbruchteil erschienen war. Mit einer fließenden Bewegung schloss sie die Vorhänge nun endgültig. Die Schneekugel selbst aber bekam einen neuen Ehrenplatz im Raum auf dem Nachttisch. Mit dem Blick darauf gerichtet schlief sie in dieser Nacht besser und erholsamer als sie es seit langem getan hatte.
*** Ende ***
A/N: Ich hoffe ich bin den Nordlichtern gerecht geworden… habe leider nie selber welche gesehen.
Habt alle eine schöne Woche und danke für diese tolle FF-Premiere in deutscher Sprache.
