Titel:Nächtliche Erscheinungen Author: CB24 Pairing: Harry Potter/Severus Snape

Rating: PG13

Category:Romance

Disclaimer: Keiner der Charaktere gehört mir. Die Rechte liegen bei J.K. Rowling und Warner Bros. Ich verdiene kein Geld mit der Geschichte.

Ich möchte allen danken, die mir Reviews geschrieben haben und denen, die mir trotz meiner großen Pausen die Treue halten und die Geschichte weiter verfolgen. In einem Review wurde ich gefragt, auf wen eigentlich Draco steht. Bis dahin hatte ich mir darüber noch keine Gedanken gemacht, aber ich kann gern eine kleine Nebenhandlung in Betracht ziehen. Bitte schreibt mir, wenn ihr interessiert seit. Einen Kombinationsvorschlag habe ich bereits. Für weitere bin ich immer offen. Aber nun viel Spaß beim Lesen des nächsten Kapitels.

Kapitel 6

Snape hatte gerade die letzten Arbeiten kontrolliert. Bis auf Hermine Granger und Draco Malfoy war keiner besser als Harry gewesen. Der Junge der lebt hatte ihn in vielerlei Hinsichten überrascht. Zum einen hätte er nie erwartet, dass der Gryffindor so viele Punkte in dem Test erhalten würde. Zum anderen hatte es ihn verwundert, dass dieser sich mit ihm heute Nachmittag über seine Zukunftspläne unterhalten hatte. Der Lehrer für Zaubertränke musste zugeben, dass er die Unterhaltung genossen hatte, genau wie die Gesellschaft, die er seit einigen Wochen jede Nacht von Donnerstag zu Freitag bekam.

Würde Harry auch heute Nacht wieder kommen? Er könnte ihn fragen, warum er sich plötzlich so gut mit Zaubertränke auskannte und vielleicht würde er noch einiges von Harrys Wunsch Auror zu werden erfahren. Doch dann wurde ihm bewusst, was er gerade gedacht hatte. Er hatte die nächtliche Erscheinung mit dem Jungen der lebt gleichgesetzt. Es war schon schlimm genug, dass er es als selbstverständlich ansah, dass ihn immer wieder ein Wesen, das aussah wie Harry Potter, besuchte. Nun begann er Realität und Fiktion zu vermischen.

Noch bevor er ihn sah, spürte er den leichten Luftzug. Als Snape aufblickte, stand die Gestalt des Gryffindors vor ihm, die Haare zerzaust und mit einem Lächeln, das ihm allein galt. Der Lehrer für Zaubertränke fühlte wie sein Herzschlag sich erhöhte. Langsam kam der Junge auf ihn zu, bis er direkt vor dem Sofa stand. Dieses Mal deutete der ältere Zauberer ihm sich zu setzen und ohne große Umschweife ließ sich Harry neben ihm in die Polster sinken.

Beide schwiegen bis Harry plötzlich fragte: „Was machen Sie gerade?"

Snape zeigte auf den Stapel an Pergamenten, der sich vor ihm auf dem Tisch türmte. Alle Blätter waren an den Rändern mit roten Markierungen versehen. „Diese Arbeiten durchsehen." Kam die kurze Antwort.

„Ist meine auch dabei?" Diese Frage ließ den Zaubertränkelehrer unmerklich zusammenzucken.

„Deine Arbeit?" Er klang unsicherer als er es beabsichtigt hatte. Eigentlich kannte er doch die Antwort auf diese Frage. Aber gleichzeitig bedeutete es, dass dieses Wesen eine stärkere Verbindung zu dem echten Harry Potter besaß, als es ihm lieb war. Es wusste, dass der Gryffindor heute diesen Test geschrieben hatte.

Die kleinere Gestalt nickte. „Sie haben mir doch 91 Punkte gegeben und mir angeboten für meine Bewerbung zur Ausbildung zum Auror eine Empfehlung zu schreiben. Oder erinnern sie sich nicht mehr?" Das Gesicht des Jungen wurde traurig.

Natürlich erinnerte Snape sich. Wie könnte er das Gespräch, das er mit Harry geführt hatte, so schnell vergessen? Eine Frage, die ihm schon eine ganze Weile durch den Kopf schoss, die er aber bis jetzt nicht zu stellen gewagt hatte, brannte ihm nun so intensiv auf der Zunge, dass er sie dieses mal nicht abschütteln konnte. „Wer oder was bist du?" Er hatte es wirklich laut ausgesprochen.

Allerdings bekam er als Antwort nur ein Lächeln. Außerdem kam der schwarzhaarige Junge noch etwas näher an ihn herangekrochen, so dass Snape die Wärme, die von dem kleineren Körper ausging, spüren konnte. Von der Theorie „Geist" konnte er sich damit entgültig verabschieden. Kein Geist verströmte Wärme. Schon gar nicht angenehme Wärme. Der Lehrer für Zaubertränke starrte auf Harry hinab. Dieser hatte inzwischen seine Aufmerksamkeit wieder den Pergamenten zugewendet. Der dunkle Haarschopf verhinderte die Sicht auf das Gesicht des Jungen.

„Wie viele Punkte haben Hermine und Draco?" Harry schien eher mit sich Selbst zu sprechen. Er beugte sich ein wenig nach vorn, um den Stapel näher zu betrachten. Dabei offenbarte sich Snape ein Blick auf Harrys schlanken Hals und Nacken. Dem älteren Zauberer blieb für einige Augenblicke der Atem stehen. Die Haut, die zwischen Kragen und Haaransatz hervorschimmerte, sah einfach zu verführerisch aus.

Perfekt. Das war das Wort, nach dem er seit einiger Zeit suchte. In ihm wuchs der Wunsch diese perfekte Haut zu berühren. Nur ganz kurz. Wie in Trance hob er die Hand. Zärtlich strich er mit seinen langen, schlanken Fingern an Harrys Hals entlang. Es fühlte sich unglaublich gut an, ein Gefühl, das er schon seit Ewigkeiten nicht mehr gespürt hatte und schon fast vergessen zu haben glaubte.

Ihm wurde bewusst, dass der Gryffindor sich aufgerichtet hatte und ihn nun mit diesen schönen, grünen Augen ansah. Wieder war dieser Impuls da und dieses Mal konnte Snape ihm nicht widerstehen. Langsam näherte er sich dem Gesicht des Jungen. Ganz sanft küsste er Harry auf die Stirn.

Plötzlich spürte er, dass die kleinere Gestalt leicht zurückzuckt. Snape sah in weit aufgerissene Augen und ihm wurde klar, was er gerade getan hatte und was er vielleicht noch tun wollte. Er ist einer deiner Schüler! Er ist Harry Potter! Diese und viele weitere Gedanken schossen ihm durch den Kopf. Er ließ seine Hand sinken, die bis eben noch an Harrys Nacken gelegen hatte. Was war nur mit ihm los?

Snape blickte wieder zu der kleineren Gestalt hinüber, doch das Gesicht, das er sah, hatte einen seltsamen Ausdruck angenommen, den er nicht interpretieren konnte. Dann fiel ihm auf, dass der schwarzhaarige Junge den Abstand zwischen ihnen verringerte, anstatt ihn zu vergrößern. Der Meister für Zaubertränke konnte nicht anders als wie gebannt Harry anzustarren, dessen Gesicht nun so nah war, dass sich ihre Nasenspitzen beinahe berührten.

Ein Lächeln und dann spürte der ältere Zauberer warme Lippen auf seinen eigenen. Zuerst war Snape wie gelähmt vor Erstaunen, doch dann breitete sich dieses angenehme Gefühl von seinem Mund über den ganzen Körper aus. Mit einmal brach die seit Jahren selbst errichtete Mauer zusammen. Er gab sich der Wärme mehr und mehr hin. Seine Arme umschlossen die kleinere Gestalt und drückten sie an sich. Die Form des Gryffindor schmiegte sich perfekt in seine Umarmung.

Viel zu schnell war es vorbei. Der Junge der lebt zog sich aus dem Kuss zurück. Ein Kuss, der so unschuldig und doch zugleich unglaublich berauschend war, so dass Snapes Sehnsucht sich ins Unermessliche steigerte. In ihm wuchs der Wunsch nach mehr. Doch mit einem Mal verblasste die Erscheinung. Von einem Augenblick zum anderen war sie durchsichtig wie ein Geist und blickte ihn mit ängstlichen Augen an. Nicht schon wieder. Würde Harry wieder verschwinden? Gerade in diesem Moment? Zwei schlanke Arme streckten sich nach ihm aus und aus einem Reflex heraus griff er nach ihnen. Snape konnte sie fassen, doch sie fühlten sich kalt an. Er zog den schwarzhaarigen Jungen in eine weitere Umarmung und die Erscheinung wurde wieder deutlicher.

Doch Harry schien schwach und erschöpft zu sein. Mit zitternden Händen klammerte er sich an Snapes schwarzen Umhang fest. In Snapes Kopf überschlugen sich die Gedanken. Was war gerade hier geschehen? Die Gestalt in seinen Armen war weder ein Geist noch ein Mensch. Aber was war es dann? Er hatte noch nie von einer solchen Erscheinung gehört. Vielleicht sollte er doch Dumbledore befragen. Nein, das hier war etwas Persönliches. Er würde erst andere mit hinzuziehen, wenn es keine andere Möglichkeit gab.

Harry war inzwischen eingeschlafen. Snape spürte wie sich die Brust des Jungen mit jedem Atemzug hob und senkte.

Sie hatten sich geküsst! Er und Harry. Wieder sagte er sich, dass es sich ja nicht um den richtigen Harry Potter handelte. „Aber du wünschst dir, dass er es gewesen wäre." Flüsterte die Stimme in seinem Kopf.

Er widersprach nicht.

Draco erwachte aus einem unruhigen Schlaf. So weich die Decken auch waren, sie konnten die unbequeme Lage in einem Sessel nicht wett machen. Der Slytherin streckte seine müden Glieder, um sich dann langsam zu erheben. Mit einem kurzen Blick stellte er fest, dass Harry immer noch tief und fest schlief. Schlaftrunken schlurfte er zu dem Gryffindor hinüber.

„Wach auf, Schlafmütze! Es ist schon verdammt spät und du willst doch McGonagall nicht verärgern?" Keine Reaktion. Sanft aber energisch begann er den Jungen zu schütteln, bis dieser unter Murren aufwachte und Draco finster anblickte. Als er jedoch erkannte wer vor ihm stand, hellte sich sein Gesicht schlagartig wieder auf. „Gut geschlafen?" Dracos Frage wurde mit einem Nicken und einem leichten Rotschimmer auf den Wangen quittiert.

„Wie spät ist es?" Nuschelte Harry und blickte sich suchend nach einer Uhr im Raum um.

„Noch nicht zu spät fürs Frühstück." Der Slytherin griff sich seine Schultasche und warf dann dem verdutzten Gryffindor dessen zu. Dieser konnte sie gerade noch fangen und stolperte einige Schritte nach hinten. „Komm schon!"

Die beiden Jungen eilten die Steintreppen hinunter, immer dem munteren Geplapper entgegen, das aus der Großen Halle drang. „Und hast du dich wieder mit Snape in deinem Traum unterhalten?" Die Frage des blonden Jungen kam so überraschend, dass Harry um ein Haar eine Stufe verpasst hätte. Draco hielt ihn an einem Ärmel fest um zu verhindern, dass der Junge der lebt durch einen Sturz die Treppen hinunter schafft, was Voldemort die ganzen Jahre nicht gelungen war.

„Um ehrlich zu sein" der Gryffindor stockte kurz, „es war etwas mehr als Reden." Eine von Dracos Augenbrauen schoss in die Höhe. „Er hat mich geküsst." Die letzten Worte waren nur ein Flüstern und wenn der Slytherin nicht gewusst hätte, was Harry für den Zaubertränkelehrer empfand, hätte er sich leicht verhören können.

„Und dann?" Hakte der blonde Junge nach.

„Es war ganz seltsam. Für einen Augenblick hatte ich das Gefühl alles um mich herum verschwindet. Völlige Dunkelheit und Kälte, ich habe meine Arme nach ihm ausgestreckt und er hat nach mir gegriffen und mich aus der Schwärze herausgezogen. Danach erinnere ich mich nur noch verschwommen."

Draco war immer ernster geworden. Ihm kam die ganze Sache, alle Beschreibungen von Harry, so bekannt vor. Aber wo hatte er schon einmal davon gehört oder gelesen? Es fiel ihm einfach nicht ein.

Inzwischen waren die beiden Jungen am Eingang der Großen Halle angekommen. Einige Mädchen und Jungen, die ihnen entgegen kamen, fingen an zu flüstern als sie an ihnen vorbei liefen. Gemeinsam betraten sie den Raum. Schüler treten sich nach ihnen um, musterten sie von Kopf bis Fuß, dann stießen sie ihre Nachbarn an und begannen ebenfalls zu flüstern. Es dauerte nicht lange und die beiden Jungen hatten die Aufmerksamkeit aller Anwesenden einschließlich der Lehrerschaft. Sie trennten sich und gingen zu ihren jeweiligen Tischen.

Ron und Hermine winkten Harry zu sich. „Wo bist du gestern Abend gewesen? Wir haben uns Sorgen gemacht."

„Sorry, aber ich hatte mich mit Draco verabredet. Wir haben Butterbier getrunken und dann die Zeit vergessen." Während für seine beiden Freunde damit alles geklärt war, hatten andere Schüler ihre eigenen Theorien darüber, warum Harry und Draco gemeinsam zu spät zum Frühstück auftauchten, mit verwuschelten Haaren und den zerknitterten Klamotten vom Vortag. Dieses Gerücht verbreitete sich wie ein Lauffeuer und kam natürlich auch dem Meister für Zaubertränke zu Ohren, der darauf schlagartig die Große Halle verließ.

Dieser Umstand entging Draco nicht und er beschloss sich eine geistige Notiz zu machen. Das Gerücht, das über ihn und den Jungen der lebt nun kursierte, war ihm ziemlich egal. Ihn ließen die Erzählungen von dem Gryffindor nicht mehr los. Die gesamte Stunde Verwandlung bei McGonagall zermarterte er sich sein Gehirn. Sobald die Stunde vorbei war, verließ er das Klassenzimmer und machte sich auf den Weg zu den Räumen der Slytherins.

Im eigenen Schlafsaal angekommen, schloss er die Tür hinter sich und eilte zu seinem Koffer. Ein kleiner Zauber später stand der Deckel auf und der blonde Slytherin war schon zur Hälfte in den Tiefen des Gepäckstückes verschwunden. Er suchte nach jedem Buch, das er besaß. Schon bildeten sich Stapel von Wälzern um ihn herum. Doch keiner enthielt die Informationen, die er suchte. Vielleicht sollte er es in der Bibliothek versuchen. Dort gab es Bücher zu jedem Thema.

Nach einem Blick in den Spiegel und einer kurzen Bewegung seines Zauberstabes, die sein Haar und seine Kleidung richtete, war er schon auf dem Weg zu den heiligen Hallen von Madam Pince. Als er dort ankam, stellte Draco zu seiner Erleichterung fest, dass er allein war. Viele Schüler hatten etwas Besseres zu tun als an einem Freitag in der Bibliothek herumzuhängen. Selbst der Bücherwurm Hermine nutzte das schöne Wetter um mit Ron am See zu sitzen und zu lernen.

Zu Beginn betrachtete der blonde Junge einige Bücher zu Geistererscheinung. Doch er verwarf diesen Gedanken sehr schnell. Zum einen lebte Harry, zum anderen hatte er noch nie in einem dieser Bücher etwas gelesen. Also, was konnte es noch sein. Jemand war zur selben Zeit an zwei verschiedenen Orten. Astralprojektion? Körpertausch? Doch in allen Büchern, in denen er diese beiden Begriffe nachschlug, wurde ihm erklärt, dass die Person den Vorgang aktiv selbst einleiten musste. Das hieß, dass es nicht möglich war, wenn derjenige schlief.

Während der Slytherin noch das ein oder andere Buch wahllos aus dem Regal nahm, hörte er jemanden den Raum betreten. „Das ist aber eine Überraschung. Dich habe ich schon eine Weile nicht mehr hier gesehen. Möchtest du ein neues Buch bestellen?" Madam Pince wuselte hinter ihrem Schreibtisch hervor. Von seiner derzeitigen Position konnte Draco sehen, wie sie sich ihren Umhang glatt strich und ihre Brille, die sie immer auf der Nasenspitze trug, abnahm. Der Neuankömmling war von einem Bücherregal verdeckt.

„Nein, ich wollte nur etwas nachschlagen." Der Slytherin erkannte sofort die tiefe Stimme seines Hauslehrers.

„Dann kann es nichts mit Zaubertränke zu tun haben." Flötete Madam Pince. "Du selbst besitzt alle guten Bücher auf diesem Gebiet. Aber vielleicht kann ich dir helfen?"

„Ich fürchte nicht." Mit dieser knappen Bemerkung ließ Snape die Bibliothekarin stehen und schritt um das erste Regal herum.

Draco verkroch sich eilends hinter die nächste Wand aus Büchern, behielt den älteren Zauberer aber im Visier. Dieser las verschiedene Titel auf den Buchrücken und kam schließlich zu dem Bereich über Geistererscheinungen, den der blonde Junge bereits vorhin unter die Lupe genommen hatte. Er griff ein Buch heraus und begann darin zu blättern. Das konnte doch kein Zufall sein. Zuerst schien Snape schon ewig nicht mehr in der Bibliothek gewesen zu sein und dann sucht er nach dem gleichen Thema wie Draco.

Mit einem finsteren Blick, der zeigte, dass in dem Buch nichts Brauchbares zu finden gewesen war, schob der Lehrer für Zaubertränke den Band zurück an seinen Platz. Schon bald gab er die Suche an dieser Stelle auf und näherte sich nun dem Regal an dem Draco zuletzt gestanden hatte.

Das veranlasste den Slytherin aus seinem „Versteck" hervorzukommen. Von hinten schlich er sich an seinen Hauslehrer heran und tippte diesem auf die Schulter. Der ältere Zauberer wirbelte herum und hätte um ein Haar das Buch fallen lassen, das er in der Hand hielt. „Astralprojektionen und ihre Nebenwirkungen" las Draco auf dem Umschlag.

„Sie interessieren sich für Astralprojektionen, Professor?" Draco versuchte so unschuldig zu klingen wie es ihm als Slytherin eben möglich war. Irgendwie musste er sein Gegenüber aus der Reserve locken, wenn er weitere Informationen erhalten wollte. Für kurze Zeit hatte Snape das Gefühl, ertappt worden zu sein, ins Gesicht gestanden, aber nun war es wieder die gewohnte emotionslose Maske.

„Ich wüsste nicht, was sie das angeht, Mr Malfoy." Gab Snape bissig zurück, was den jüngeren Zauberer nur veranlasste noch mehr zu grinsen.

„Es ist nur so, dass ich mich für das selbe Thema interessiere." Draco lehnte sich lässig gegen das Bücherregal, wobei er seinen Lehrer nicht aus den Augen ließ. „Erst gestern Abend hat mir Harry etwas Unglaubliches erzählt..." Bei den Worten „gestern Abend" und „Harry" zuckte Snape leicht zusammen. Er erinnerte sich daran, dass auch Snape von dem Gerücht gehört hatte. Er ist eifersüchtig. Das stand für den Slytherin schon länger fest und wurde mit jedem seltsamen Verhalten des älteren Zauberers nur bestätigt.

„Ich habe ihnen schon einmal gesagt, dass es mir gleich ist, was sie und Potter in ihrer Freizeit zusammen tun." Es entstand eine kurze Pause in der Snape das Buch zurück ins Regal stellte. Ohne Draco anzusehen, bemühte er sich die Ruhe in seiner Stimme wiederzugewinnen. „Ich nehme an, sie und Potter haben die ganze Nacht gemeinsam verbracht, anstatt für ihre Prüfungen zu lernen."

Draco war klar, worauf Snape hinauswollte. Und dann kam ihm der Gedanke, den Zaubertränkelehrer etwas zu reizen. „Natürlich waren wir die gesamte Nacht zusammen. Für die Prüfungen können wir immer noch lernen, aber ab und zu braucht man auch ein wenig Spaß." Der blonde Junge spürte den Schwarzen Umhang gegen seine Beine schlagen als Snape hinausstürmte. Er hatte seinen Lehrer noch nie, für Snapes Verhältnisse, aufgebracht gesehen. Vielleicht war er doch etwas zu weit gegangen.

Doch er konnte nicht lange diesem Gedanken nachhängen, denn plötzlich fiel es ihm wieder ein. Das Buch, in dem er von solchen Erscheinungen gelesen hatte, stand bei ihm zu Hause. Er hatte es vor Jahren einmal aus der Bibliothek seines Vaters mitgehen lassen und verwarte es nun in seinem Zimmer. Das bedeutete, dass er sofort seiner Mutter eine Eule schicken musste.

Harrys Herz schlug bis zum Hals als er die Treppen zu den Kerkern hinunter stieg. Seine Hand umklammerte ein Stück Pergament, auf dem „Empfehlungsschreiben" stand.

Nach McGonagalls Unterricht war er mit Hermine und Ron gemeinsam zum Gryffindorturm hinaufgestiegen. In aller Eile hatte er sich umgezogen und einen weiteren Versuch unternommen, seinen wilden Haaren zu Leibe zu rücken. Er hatte allerdings kläglich versagt. Dann hatte Harry aus seiner Schublade das Bewerbungsformular hervorgekramt und sich auf den Weg zu Snape gemacht.

Wenn er nur nicht so nervös wäre. Der Gryffindor spürt seine Hände schwitzig werden. Vor der Tür zu Snapes Büro hielt er kurz inne. Noch einmal tief Einatmen und dann Anklopfen. Keine Antwort? Hatte er zu leise geklopft? Harry klopfte etwas lauter. Der Hauslehrer der Slytherins schien nicht da zu sein. Harrys Herz schlug wieder schneller, denn er hatte sich schon auf das Treffen mit dem älteren Mann gefreut und nun sah er seine Hoffnungen erneut enttäuscht. Vielleicht bereute Snape inzwischen das Angebot, das er Harry gemacht hatte. Was sollte er jetzt tun?

Der Gryffindor beschloss vor der Tür zu warten bis Snape wiederkam. Fahrig drehte er das Pergament in seinen Händen. Hier und da waren schon Abdrücke seiner feuchten Finger zu sehen. Plötzlich fiel ihm sein Traum von letzter Nacht ein. Da war er auch in Snapes Räumen gewesen und sie hatten... Der schwarzhaarige Junge lehnte sich mit dem Rücken an die Wand, seinen Kopf legt er in den Nacken und stierte zur Decke. Es hatte sich so gut, so real angefühlt. Warum musste er eigentlich immer wieder aufwachen?

Schritte, die sich ihm näherten, rissen ihnen aus seinen Gedanken. Ein dunkler Schatten erschien am obersten Treppenabsatz und hielt inne als er Harry sah. Dann kam der Lehrer für Zaubertränke mit wehendem Mantel die Stufen herab. Ein Wink seines Zauberstabes und die Tür schwang auf. Ohne den Gryffindor eines Blickes zu würdigen, betrat er sein Büro. „Kommen sie rein, Potter!" knurrte Snape. Harry riss sich aus seiner Starre los und schlüpfte in den Raum, bevor die Tür wieder zuschwang.

Unsicher stand der Junge der lebt neben der verschlossenen Tür. Nervös blickte er zu der dunklen Gestalt, die um den großen Schreibtisch herumtrat und sich in den Sessel sinken ließ. „Nun setzen sie sich schon hin, Potter!" Snape deutete auf den Sessel ihm gegenüber. So schnell er konnte, glitt Harry in die weichen Polster. Als der Lehrer für Zaubertränke seine Hand ausstreckte, reichte er ihm das Pergament. Mit einer hochgezogenen Braue betrachtete der ältere Zauberer das leicht geknickte Papier. Doch einen Zauber später war davon nichts mehr zu sehen.

Aus einem Tintenglas nahm Snape eine Feder und begann zu schreiben. Harry saß nur da und wusste nicht wohin er schauen sollte. Zuerst schweifte sein Blick über die Regale und ihren Inhalt, diese Gläser, gefüllt mit Flüssigkeiten in allen Farben und den seltsamsten Tieren, Tierteilen, Pflanzen und Dinge, von denen er gar nicht wissen wollte, worum es sich handelte. Doch immer wieder glitten seine Augen zu der dunklen Gestalt, die ihm gegenüber saß, bis er schließlich gar nicht mehr woanders hinsehen konnte. Ihn faszinierten die schlanken Finger, die die Feder genauso elegant führten wie den Zauberstab. Der selbe konzentrierte Blick wie beim Zaubertränkebrauen. Dem Jungen der lebt wurde es immer wärmer. Immer wieder erinnerte er sich an Ausschnitte aus seinen Träumen. Auf diesem Schreibtisch hatte er gesessen. Wie wäre es, wenn er vielleicht jetzt.. ? Harry schüttelte den Kopf. Wie kam er nur auf einen so seltsamen Gedanken.

„Wie kommen sie mit der Vorbereitung für die Prüfungen voran?" Harry schreckte aus seinen Tagträumen auf. Snape blickte immer noch auf das Pergament vor sich. Scheinbar überflog er den Text noch einmal.

„Gu... gut, Sir." Brachte Harry stotternd heraus. „Am Wochenende hat Hermine noch mal ein gemeinsames Lernen angesetzt. Und heute wollte ich noch mit Draco zusammen..."

„Falls sie Mr Malfoy suchen, der ist in der Bibliothek." Snape ließ das Pergament sinken.

„Äh, danke." Plötzlich sah der Meister der Zaubertränke ihn mit so einem seltsamen Blick an, den Harry noch nie bei ihm gesehen hatte. Es war eine Mischung aus Zorn und wenn Harry sich nicht sehr irrte... Schmerz?

Der Gryffindor griff langsam nach dem Zettel, den Snape ihm hinstreckte. Dann überkam ihn ein Impuls und anstatt das Pergament zu fassen, berührte er sanft die Hand des älteren Mannes, die das Blatt fest hielt. Für einen Moment spürte Harry wie Snape schauderte, dann aber in der Position verharrt. Ihre Blicke trafen sich und blieben aneinander hängen. Dem Gryffindor war nie bewusst gewesen, wie schwarz und tief die Augen seines ehemals verhassten Lehrers waren. Doch im Augenblick konnte sich Harry nicht vorstellen, wie er diesen Menschen jemals hatte hassen können. Jetzt wollte er nichts anderes tun, als hier zu sitzen und in diese Augen zu blicken. Kaum merklich fuhr er mit seinen Finger von Snapes Hand zu dessen Unterarm.

„Was tun sie da, Potter?" Die Stimme des Zaubertränkelehrers klang wie erstickt. Harry erwachte aus seinem Traumzustand und sprang aus dem Sessel auf.

„Es tut mir leid!" nuschelte er noch, bevor er zur Tür hinausstürmte und sie gegen die Kerkerwand krachte.

Zurück blieb ein verwirrter Snape mit einem Empfehlungsschreiben in der Hand.

Tbc

Im nächsten Kapitel kommt Draco dem Geheimnis der „nächtlichen Erscheinungen" ein ganzes Stück näher. Ob auch Snape und der richtige Harry sich näher kommen? Seit gespannt!