Muffige und abgestandene Luft empfing ihn, als er in dem dunklen Flur stand. Es fühlte sich an, als ob er der erste wäre, der das Haus seit Jahren betrat. Vermutlich empfing die Familie Snape nicht allzu oft Besuch. Als das Licht den Raum erhellte, wurde Lucius das ganze Ausmaß der Sache klar: Der Flur löste sich bereits in seine Bestandteile auf und auch sonst sah es hier nicht sonderlich danach aus, dass auf irgendetwas geachtet wurde. Er ließ seinen Blick über die Wände, die Decke und den Boden gleiten und war geschockt von de Zuständen hier.
Auf dem Boden um ihn herum sammelte sich nun etwas Wasser, dass von seinen Sachen herab tropfte. Lucius tat dies leid, am liebsten hätte er seine Sachen abgelegt, aber er wollte sie nirgends hinlegen und hatte auch keine Wechselsachen.
Severus drängte sich an ihm vorbei. Der blonde Zauberer erwachte aus seiner Trance und sah ihm hinterher. Er sah immer noch fertig aus, vermutlich würde sich daran so schnell nichts ändern. Und während er weiterging vernahm Lucius seine Worte. Er hoffte doch, dass Severus wusste, dass der Arm eigentlich heute für nichts mehr zu gebrauchen war. Er würde so ziemlich gar nichts allein machen können.
Lucius folgte ihm also und blieb im Wohnzimmer erneut stehen. er vermutete, dass er im Wohnzimmer war. Ein Raum dieser Größe würde im Manor allenfalls als Abstellkammer durchgehen. Allerdings musste er hier sein Denken umstellen. Und auch wenn Severus hier offenbar wirklich im Dreck lebte, so konnte er ihm dies nicht sagen. Zumindest nicht in dieser Nacht. Eine Gelegenheit dafür würde sich schon noch ergeben. Irgendwann.
In dem Wohnzimmer beschloss er dann doch noch, seine Kleidung abzulegen. So fiel der Todesser-Umhang, der zwar schlicht war aber immer noch aus edlem Stoff bestand, einfach zu Boden. Wozu hatte man schließlich Personal, welches dann alles reinigen konnte? Seine Schuhe zog er auch noch schnell aus. Die Socken folgten. Er spürte, dass der Boden kalt war, aber das störte ihn nicht weiter. Er trug nun noch eine schwarze Hose sowie ein weißes Leinenhemd. Trocken war keiner der Kleidungsstücke, aber bei weitem nicht so durchnässt, wie der Rest der Kleidung.
Er beschloss, sich nützlich zu machen. Am liebsten hätte er ein paar seiner Elfen hierher bestellt um sauber zu machen, aber er unterdrückte den Reflex. Stattdessen schritt er zu dem kleinen Kamin. Einige Holzscheite lagen darin, als ob sie darauf warteten, von ihm entzündet zu werden.
Lucius zog seinen Zauberstab - er hatte den Gehstock daheim gelassen, irgendwie fühlte er sich noch nicht danach, ihn mitzunehmen und herumzutragen - und richtete ihn auf den Kamin.
"Incendio", sprach er und vollführte eine Bewegung mit seinem Stab. Kurz darauf prasselte ein Feuer im Kamin munter vor sich hin.
Severus ließ auf sich warten, stellte Lucius fest. Er beschloss, nach seinem Freund zu sehen und ging in die Küche.
Dort sah er Severus stehen. Mühevoll klammerte er sich an die Spüle und versuchte offenbar, wieder seine Haltung aufzunehmen. Irgendwas in Lucius reagierte auf dieses Bild. War es Mitgefühl? Oder Angst?
Was auch immer es war, er sollte Severus helfen. Langsam ging er auf ihn zu, und als er nah genug war legte er seine Hände beruhigend auf die Schultern des Mannes vor ihm.
"Du bist tapfer, aber es bringt dich nicht weiter, wenn du versuchst, den Schmerz zu verstecken", sagte er fest und fügte dann noch hinzu: "glaub mir, ich weiß, dass es nichts bringt."
Sanft zog er ihn von der Spüle weg und wollte ihn in Richtung Wohnzimmer dirigieren.
"Leg dich hin, ich koche den Tee", sagte er.
