Titel: Schmerzliche Erinnerungen
Autor: Sailanis
Disclaimer: Keiner dieser Charaktere gehört mir, leider, sondern J.R.R. Tolkien. Nur die unbekannten (aber die will ich eigentlich nicht...) und die Handlung. Und der songtext stammt von Marques Rose without a thorn.
Rating: PG-13
Warnung:
1.Das ist ein AU-Fic, denn. Aragorn ist unsterblich, Arwen musste ihre Unsterblichkeit also nicht aufgeben. Sie ist trotzdem tot , vor ungefähr 15, 16 Jahren gestorben.
2.Diese Geschichte enthält Slash! Es wird eine Paarung zwischen zwei Männern geben.
Und gaaanz vielen lieben dank für eure Reviews! Was wäre ich armer, kleiner Schreiberling ohne eure Unterstützung *sigh*
Und Namen für Legis Bruder hätte ich auch: Bei mir heißen sie immer Celebgond und Calenorn, ansonsten würde ich vielleicht noch Muindor oder Gwador vorschlagen.
Schmerzen der Erinnerungen
Teil 3/ Sorgen um einen Freund
**************************************
I don't want to know the day
of someone feeling sorry for me
save your tears 'cause they won't help me now
**************************************
Aragorn konnte es nicht glauben. Wie oft hatten sie hier unten schon gesucht und nichts gefunden? Jetzt stürmte er auf eine Gruppe Orks zu, die sich wohl schon seit Jahren hier unten versteckt hielten. Während er kämpfte ließ er seinen Blick durch die Hallen schweifen. Je mehr er sah, desto mehr schwand auch seine Hoffnung darauf, Legolas wieder zu sehen. Die Menschen, die hier gefangen gehalten wurden, sahen schlimm aus, doch der Hass, den die Orks auf sie hatten, war bei weitem nichts im Vergleich zu dem, was sie Elben gegenüber fühlten.
Gimli sah, wie Aragorn gerade einem weiteren Ork die Kehle durchschnitt. Er fühlte sich erleichtert, auf eine sonderbare Weise. Sie hatten Legolas noch nicht gefunden, aber wenigstens waren sie jetzt nahe dran. Wenn er denn hier unten gefangen gehalten wurde. Und wenn er noch lebte. Einer der Menschen aus Harad kam auf ihn zugestürmt, doch Gimlis Axt war schneller als dessen Schwert, und so lag er schon bald, um einen Kopf gekürzt, auf dem Boden. Gimli war zufrieden. Selbst wenn sie Legolas nicht finden würden, wenigstens hatte er seinen Spaß gehabt. Doch jeden seiner Erfolge hätte er eingetauscht, wenn er nur endlich wieder seinen Elbenfreund sehen könnte.
König Thranduil mischte sich kaum in das Geschehen ein. Sollten doch die anderen kämpfen, er selbst suchte lieber nach seinem Sohn. Er hatte ihn vermisst, all die letzten Jahre, nicht einmal wissend, ob er noch lebte. Als er sich die Menschen, die hier unten gefangen gehalten wurden, anschaute, wusste er nicht recht, ob er seinen Sohn wirklich hier unten finden wollte. Orks hassten die Elben mehr als jedes andere Geschöpf, und sie konnten grausame Dinge mit einem von ihnen machen. Thranduil wusste es, denn schließlich hatte er schon seine Frau an diese Kreaturen verloren.
Die Zahl der Orks und Haradrim verringerte sich langsam, wie Aragorn feststellte. Gerade wollte er sich zu Gimli drehen, schauen, ob bei ihm alle in Ordnung war, als er in einer Ecke des vor ihm liegenden Tunnels eine zusammengekrümmte Gestalt entdeckt. Sicher hätte er sich nicht weiter darum gekümmert, wenn er nicht das leuchtende, blonde Haar gesehen hätte. ‚Legolas kann es nicht sein, denn sein Haar ist länger, doch sicher hat kein Ork und auch kein Haradrim solche Haare.' Aragorn trat näher heran, doch auf das, was er sah, war er nicht vorbereitet.
Gimli und Thranduil, nach einer gegenseitigen Hilfsaktion nebeneinander stehend, beobachteten, wie sich Aragorn einer Figur näherte, die nahe an dem Eingang zu einem dunklen Tunnel lag. Sie konnten den Schock in Aragorns Augen sehen, selbst aus dieser Entfernung. Aragorn kniete sich nieder, streckte seine Hand zu der leblosen Gestalt aus. Plötzlich kam ein Ork auf ihn zugerannt. Er merkte es nicht, denn zu sehr war er mit der Gestalt beschäftigt, doch schnell schoss Thranduil einen Pfeil von seinem Bogen und tötete den Ork. Nun liefen auch er und Gimli zu dem Eingang der Höhle, denn sie wollten sehen, was Aragorn so beschäftigte.
Aragorn kniete nieder. Tränen stiegen in seine Augen als er das Gesicht der Person sah, die leblos vor ihm lag. Sanft strich er mit seiner Hand über das feine Gesicht, dessen Lieblichkeit nur von einer großen, langen Narbe gestört wurde. Er war sich nicht sicher, ob Legolas noch am Leben war, und so legte er seine Hand an den Hals des Elben. Da war er, sein Puls, und Aragorn erkannte voller Erleichterung das leichte Heben und Senken von Legolas Brustkorb. Er war also doch noch am Leben, auch wenn er nicht so aussah.
Er wollte nach der Hand seines verletzten Freundes greifen, doch er erstarrte. An Legolas Handgelenken konnte er tiefe Einschnitte erkennen. Ihm war klar, dass Legolas verbluten würde, wenn er nicht sofort etwas tat. Er riss ein paar Fetzen Stoff von seinem Mantel und nutzte sie als Verband. Mittlerweile standen auch Thranduil und Gimli hinter ihm. Der Elbenkönig kniete sich auf die andere Seite von Legolas, nahm dessen Hand und strich mit seiner anderen über dessen Gesicht und Haar. Er erkannte seinen Sohn kaum wieder.
Aragorn nahm den schlaffen Körper von Legolas in seine Arme und trug ihn hinaus, zu den Pferden. Er war überrascht, wie leicht sich der Elb heben ließ, denn Legolas, nach Jahren ohne konstante Mahlzeiten, war nicht viel schwerer als ein Kind. Vorsichtig, mit der Hilfe von Thranduil und Gimli, setzte er den Elb auf sein Pferd. Er selbst nahm hinter ihm Platz, so dass er Legolas festhalten konnte während ihres Rittes nach Minas Tirith.
„Reit schnell, Aragorn, und gib auf Legolas acht." Die Besorgnis war Gimli nicht nur anzusehen, man konnte sie auch hören. „Passt gut auf, Aragorn, König von Gondor, denn ich will meinen Sohn lebend sehen, wenn ich nach Minas Tirith komme. Ich würde ihn selbst hinbringen, doch ihr und euer Pferd seid die schnelleren Reiter." Thranduil, der die ganze zeit über Legolas Hand gehalten hatte, ließ sie los und konnte nur noch hoffen, dass Aragorn Minas Tirith rechtzeitig erreichen würde. Unsicher schaute er seinem Sohn und Aragorn nach.
Er ritt schnell, so schnell er konnte. Navel war ein überaus durchtrainiertes Pferd, doch Aragorn war sich nicht sicher, ob er es schaffen würde. Sein rechter Arm war fest um die Taille von Legolas geschlungen, er hielt den Elb so nahe wie möglich an seinen eigenen Körper. Der liebliche Duft von Legolas blondem Haar und seiner blassen Haut stieg ihm in die Nase. Aragorn hatte Probleme, sich auf den Ritt anstatt auf den Elb zu konzentrieren. Er konnte den Elben vor sich spüren, wie er vollkommen bewegungslos in seinem Arm lag.„Hätten wir uns doch damals nicht getrennt" sagte er zu sich selbst, voller Reue. „Dann wären wir jetzt alle tot." hörte er eine schwache Stimme zu ihm sagen. War Legolas etwa aufgewacht?
„Legolas?" Aragorn versuchte, seinen Freund so zu drehen, dass er ihm in die Augen schauen konnte. Doch dieser Versuch war unnötig, denn Legolas antwortete ihm. „Ja, ich bin wach, aber ich wünschte, ich wäre es nicht." Aragorn war besorgt, und so fragte er, ob er etwas für den verletzten Elb machen könnte. Auf die Antwort war er aber nicht vorbereitet. „Du könntest mich sterben lassen, alter Freund."
Beinahe hätte er Havel angehalten. Doch Aragorn wusste, gerade jetzt konnte er nicht stoppen. Wie konnte Legolas auf die Idee kommen, dass er ihn sterben lassen würde? Gerade wollte er etwas zu ihm sagen, als er sah, wie Legolas an den Verbänden um seine Handgelenke herumkratzte. Schnell griff Aragorn nach dem rechten Arm von Legolas und drehte ihn nach hinten. Der Elb schrie auf, denn Aragorns Griff war schmerzhaft. Nicht weil der Mensch so kräftig war, aber Legolas Arm war schon mehr als einmal ausgekugelt gewesen, und noch immer trug er sehr viele Blessuren an ihm.
Aragorn war überrascht über den plötzlichen Aufschrei, aber lieber sah er seinen Freund in Schmerzen als tot. Wie schlimm mussten die letzten Jahre gewesen sein, wenn er sich jetzt wünschte, er wäre nicht mehr länger am leben? Aragorn war voller Mitleid für Legolas, aber auch voller Wut für die Leute, die ihm das angetan hatten. Navel die Sporen gebend versuchte er, noch schneller nach Minas Tirith zu kommen.
Vier Stunden dauerte Aragorns Ritt, bis er schließlich in der weißen Stadt ankam. Sofort brachte er Legolas in die Häuser der Heilung, wo seine Wunden behandelt wurden. Er selbst ließ sich einige Pflanzen bringen und kümmerte sich zusammen mit Bergil, der Kräutermeister, um den verletzten Elb. Er bemerkte Bergils Blick, als dieser sich um die Wunden an Legolas Arm kümmerte. Doch er sagte nichts. Stattdessen begann sein König zu sprechen. „Er hat viel durchgemacht, Bergil. Verurteile ihn deswegen nicht, wenn ich dich darum bitten darf." Bergil schaute zu Aragorn. Lächelnd legte er seine Hand auf dessen Arm. „Keine Sorge, mein König, niemals würde ich so etwas tun. Ich weiß was es bedeutet, Schmerzen und Leid zu erdulden."
Auch Aragorn lächelte bei diesen Worten und lenkte seine Aufmerksamkeit wieder auf Legolas. Bis er, Bergil und die beiden Helferinnen Daisy und Leia fertig waren vergingen einige Stunden. Mittlerweile waren auch Gimli, Thranduil und die meisten anderen Soldaten vom Aschengebirge zurückgekehrt. Schließlich waren auch sie irgendwann einmal müde, setzten sich auf die Stühle und Sessel im Krankenzimmer von Legolas und schliefen ein. Was der nächste Morgen bringen würde wussten sie nicht, doch sie waren froh, dass sie ihn mit Legolas erleben durften.
Die nächsten Tage verliefen langsam und qualvoll. Legolas war noch immer nicht aufgewacht, sehr zur Überraschung seiner Freunde und der anderen Anwesenden, und keiner war sich ganz sicher, dass er sein Bewusstsein je wieder erlangen würde. Aragorn musste an die Frau Elronds denken, Celebrian, die nach ihrer Misshandlung durch die Orks in den Westen gegangen war. Würde sich Legolas genauso entscheiden? Würde er eine Wahl haben? Auch Thranduil trug diesen Gedanken in sich. Er wollte seinen jüngsten Sohn nicht verlieren, nicht auf diese Weise. Mit Besorgnis mussten sie feststellen, dass Legolas Heilfähigkeiten kaum noch für ihn arbeiteten.
Doch ihnen allen war auch etwas anderes klar, auch wenn es schmerzlich für sie war: Der Elb wollte sterben. Aragorn war um seinen Freund besorgt genug, dass er in dem Raum sämtliche scharfe Gegenstände entfernen ließ. „Nur zur Sicherheit" hatte er zu den Schwestern gesagt. Leia und Daisy kannten den Grund für diese Aktion, doch sprachen sie ihn nicht aus. Was hätten sie auch sagen sollen? Sie konnten mit dieser Situation kaum umgehen, genauso wenig wie Thranduil, Gimli oder Aragorn. Was sollten sie tun für einen Freund, einen Sohn, der versucht hatte, sich das Leben zu nehmen? Sie konnten es ja selbst kaum glauben.
In den folgenden Tagen sprachen sie oft darüber, auch wenn es sie viel Überwindung gekostet hatte. Für die übrigen Bewohner der Stadt schien es ein Tabuthema zu sein, denn nie hörten sie jemanden in ihrer Nähe über Legolas sprechen. Zumindest nicht über diese Sache. Einigkeit herrschte unter den dreien darüber, dass sie für Legolas jederzeit da sein würden, ihm halfen und ihm zuhörten, ihm versichern, dass er jederzeit Freunde hatte, mit denen er reden könne. Ihn davon abhalten, es noch ein weiteres Mal zu versuchen. Und doch war ihnen klar, dass Legolas ihre Hilfe vielleicht gar nicht wollte. Eigentlich konnten sie nicht mehr tun als warten.
Ja, ich hoffe, es hat euch gefallen. Der nächste Teil wird sicher schneller kommen. Und reviews wären auch nicht schlecht, die lassen mich schneller schreiben *andeutungenmach*
Autor: Sailanis
Disclaimer: Keiner dieser Charaktere gehört mir, leider, sondern J.R.R. Tolkien. Nur die unbekannten (aber die will ich eigentlich nicht...) und die Handlung. Und der songtext stammt von Marques Rose without a thorn.
Rating: PG-13
Warnung:
1.Das ist ein AU-Fic, denn. Aragorn ist unsterblich, Arwen musste ihre Unsterblichkeit also nicht aufgeben. Sie ist trotzdem tot , vor ungefähr 15, 16 Jahren gestorben.
2.Diese Geschichte enthält Slash! Es wird eine Paarung zwischen zwei Männern geben.
Und gaaanz vielen lieben dank für eure Reviews! Was wäre ich armer, kleiner Schreiberling ohne eure Unterstützung *sigh*
Und Namen für Legis Bruder hätte ich auch: Bei mir heißen sie immer Celebgond und Calenorn, ansonsten würde ich vielleicht noch Muindor oder Gwador vorschlagen.
Schmerzen der Erinnerungen
Teil 3/ Sorgen um einen Freund
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of someone feeling sorry for me
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Aragorn konnte es nicht glauben. Wie oft hatten sie hier unten schon gesucht und nichts gefunden? Jetzt stürmte er auf eine Gruppe Orks zu, die sich wohl schon seit Jahren hier unten versteckt hielten. Während er kämpfte ließ er seinen Blick durch die Hallen schweifen. Je mehr er sah, desto mehr schwand auch seine Hoffnung darauf, Legolas wieder zu sehen. Die Menschen, die hier gefangen gehalten wurden, sahen schlimm aus, doch der Hass, den die Orks auf sie hatten, war bei weitem nichts im Vergleich zu dem, was sie Elben gegenüber fühlten.
Gimli sah, wie Aragorn gerade einem weiteren Ork die Kehle durchschnitt. Er fühlte sich erleichtert, auf eine sonderbare Weise. Sie hatten Legolas noch nicht gefunden, aber wenigstens waren sie jetzt nahe dran. Wenn er denn hier unten gefangen gehalten wurde. Und wenn er noch lebte. Einer der Menschen aus Harad kam auf ihn zugestürmt, doch Gimlis Axt war schneller als dessen Schwert, und so lag er schon bald, um einen Kopf gekürzt, auf dem Boden. Gimli war zufrieden. Selbst wenn sie Legolas nicht finden würden, wenigstens hatte er seinen Spaß gehabt. Doch jeden seiner Erfolge hätte er eingetauscht, wenn er nur endlich wieder seinen Elbenfreund sehen könnte.
König Thranduil mischte sich kaum in das Geschehen ein. Sollten doch die anderen kämpfen, er selbst suchte lieber nach seinem Sohn. Er hatte ihn vermisst, all die letzten Jahre, nicht einmal wissend, ob er noch lebte. Als er sich die Menschen, die hier unten gefangen gehalten wurden, anschaute, wusste er nicht recht, ob er seinen Sohn wirklich hier unten finden wollte. Orks hassten die Elben mehr als jedes andere Geschöpf, und sie konnten grausame Dinge mit einem von ihnen machen. Thranduil wusste es, denn schließlich hatte er schon seine Frau an diese Kreaturen verloren.
Die Zahl der Orks und Haradrim verringerte sich langsam, wie Aragorn feststellte. Gerade wollte er sich zu Gimli drehen, schauen, ob bei ihm alle in Ordnung war, als er in einer Ecke des vor ihm liegenden Tunnels eine zusammengekrümmte Gestalt entdeckt. Sicher hätte er sich nicht weiter darum gekümmert, wenn er nicht das leuchtende, blonde Haar gesehen hätte. ‚Legolas kann es nicht sein, denn sein Haar ist länger, doch sicher hat kein Ork und auch kein Haradrim solche Haare.' Aragorn trat näher heran, doch auf das, was er sah, war er nicht vorbereitet.
Gimli und Thranduil, nach einer gegenseitigen Hilfsaktion nebeneinander stehend, beobachteten, wie sich Aragorn einer Figur näherte, die nahe an dem Eingang zu einem dunklen Tunnel lag. Sie konnten den Schock in Aragorns Augen sehen, selbst aus dieser Entfernung. Aragorn kniete sich nieder, streckte seine Hand zu der leblosen Gestalt aus. Plötzlich kam ein Ork auf ihn zugerannt. Er merkte es nicht, denn zu sehr war er mit der Gestalt beschäftigt, doch schnell schoss Thranduil einen Pfeil von seinem Bogen und tötete den Ork. Nun liefen auch er und Gimli zu dem Eingang der Höhle, denn sie wollten sehen, was Aragorn so beschäftigte.
Aragorn kniete nieder. Tränen stiegen in seine Augen als er das Gesicht der Person sah, die leblos vor ihm lag. Sanft strich er mit seiner Hand über das feine Gesicht, dessen Lieblichkeit nur von einer großen, langen Narbe gestört wurde. Er war sich nicht sicher, ob Legolas noch am Leben war, und so legte er seine Hand an den Hals des Elben. Da war er, sein Puls, und Aragorn erkannte voller Erleichterung das leichte Heben und Senken von Legolas Brustkorb. Er war also doch noch am Leben, auch wenn er nicht so aussah.
Er wollte nach der Hand seines verletzten Freundes greifen, doch er erstarrte. An Legolas Handgelenken konnte er tiefe Einschnitte erkennen. Ihm war klar, dass Legolas verbluten würde, wenn er nicht sofort etwas tat. Er riss ein paar Fetzen Stoff von seinem Mantel und nutzte sie als Verband. Mittlerweile standen auch Thranduil und Gimli hinter ihm. Der Elbenkönig kniete sich auf die andere Seite von Legolas, nahm dessen Hand und strich mit seiner anderen über dessen Gesicht und Haar. Er erkannte seinen Sohn kaum wieder.
Aragorn nahm den schlaffen Körper von Legolas in seine Arme und trug ihn hinaus, zu den Pferden. Er war überrascht, wie leicht sich der Elb heben ließ, denn Legolas, nach Jahren ohne konstante Mahlzeiten, war nicht viel schwerer als ein Kind. Vorsichtig, mit der Hilfe von Thranduil und Gimli, setzte er den Elb auf sein Pferd. Er selbst nahm hinter ihm Platz, so dass er Legolas festhalten konnte während ihres Rittes nach Minas Tirith.
„Reit schnell, Aragorn, und gib auf Legolas acht." Die Besorgnis war Gimli nicht nur anzusehen, man konnte sie auch hören. „Passt gut auf, Aragorn, König von Gondor, denn ich will meinen Sohn lebend sehen, wenn ich nach Minas Tirith komme. Ich würde ihn selbst hinbringen, doch ihr und euer Pferd seid die schnelleren Reiter." Thranduil, der die ganze zeit über Legolas Hand gehalten hatte, ließ sie los und konnte nur noch hoffen, dass Aragorn Minas Tirith rechtzeitig erreichen würde. Unsicher schaute er seinem Sohn und Aragorn nach.
Er ritt schnell, so schnell er konnte. Navel war ein überaus durchtrainiertes Pferd, doch Aragorn war sich nicht sicher, ob er es schaffen würde. Sein rechter Arm war fest um die Taille von Legolas geschlungen, er hielt den Elb so nahe wie möglich an seinen eigenen Körper. Der liebliche Duft von Legolas blondem Haar und seiner blassen Haut stieg ihm in die Nase. Aragorn hatte Probleme, sich auf den Ritt anstatt auf den Elb zu konzentrieren. Er konnte den Elben vor sich spüren, wie er vollkommen bewegungslos in seinem Arm lag.„Hätten wir uns doch damals nicht getrennt" sagte er zu sich selbst, voller Reue. „Dann wären wir jetzt alle tot." hörte er eine schwache Stimme zu ihm sagen. War Legolas etwa aufgewacht?
„Legolas?" Aragorn versuchte, seinen Freund so zu drehen, dass er ihm in die Augen schauen konnte. Doch dieser Versuch war unnötig, denn Legolas antwortete ihm. „Ja, ich bin wach, aber ich wünschte, ich wäre es nicht." Aragorn war besorgt, und so fragte er, ob er etwas für den verletzten Elb machen könnte. Auf die Antwort war er aber nicht vorbereitet. „Du könntest mich sterben lassen, alter Freund."
Beinahe hätte er Havel angehalten. Doch Aragorn wusste, gerade jetzt konnte er nicht stoppen. Wie konnte Legolas auf die Idee kommen, dass er ihn sterben lassen würde? Gerade wollte er etwas zu ihm sagen, als er sah, wie Legolas an den Verbänden um seine Handgelenke herumkratzte. Schnell griff Aragorn nach dem rechten Arm von Legolas und drehte ihn nach hinten. Der Elb schrie auf, denn Aragorns Griff war schmerzhaft. Nicht weil der Mensch so kräftig war, aber Legolas Arm war schon mehr als einmal ausgekugelt gewesen, und noch immer trug er sehr viele Blessuren an ihm.
Aragorn war überrascht über den plötzlichen Aufschrei, aber lieber sah er seinen Freund in Schmerzen als tot. Wie schlimm mussten die letzten Jahre gewesen sein, wenn er sich jetzt wünschte, er wäre nicht mehr länger am leben? Aragorn war voller Mitleid für Legolas, aber auch voller Wut für die Leute, die ihm das angetan hatten. Navel die Sporen gebend versuchte er, noch schneller nach Minas Tirith zu kommen.
Vier Stunden dauerte Aragorns Ritt, bis er schließlich in der weißen Stadt ankam. Sofort brachte er Legolas in die Häuser der Heilung, wo seine Wunden behandelt wurden. Er selbst ließ sich einige Pflanzen bringen und kümmerte sich zusammen mit Bergil, der Kräutermeister, um den verletzten Elb. Er bemerkte Bergils Blick, als dieser sich um die Wunden an Legolas Arm kümmerte. Doch er sagte nichts. Stattdessen begann sein König zu sprechen. „Er hat viel durchgemacht, Bergil. Verurteile ihn deswegen nicht, wenn ich dich darum bitten darf." Bergil schaute zu Aragorn. Lächelnd legte er seine Hand auf dessen Arm. „Keine Sorge, mein König, niemals würde ich so etwas tun. Ich weiß was es bedeutet, Schmerzen und Leid zu erdulden."
Auch Aragorn lächelte bei diesen Worten und lenkte seine Aufmerksamkeit wieder auf Legolas. Bis er, Bergil und die beiden Helferinnen Daisy und Leia fertig waren vergingen einige Stunden. Mittlerweile waren auch Gimli, Thranduil und die meisten anderen Soldaten vom Aschengebirge zurückgekehrt. Schließlich waren auch sie irgendwann einmal müde, setzten sich auf die Stühle und Sessel im Krankenzimmer von Legolas und schliefen ein. Was der nächste Morgen bringen würde wussten sie nicht, doch sie waren froh, dass sie ihn mit Legolas erleben durften.
Die nächsten Tage verliefen langsam und qualvoll. Legolas war noch immer nicht aufgewacht, sehr zur Überraschung seiner Freunde und der anderen Anwesenden, und keiner war sich ganz sicher, dass er sein Bewusstsein je wieder erlangen würde. Aragorn musste an die Frau Elronds denken, Celebrian, die nach ihrer Misshandlung durch die Orks in den Westen gegangen war. Würde sich Legolas genauso entscheiden? Würde er eine Wahl haben? Auch Thranduil trug diesen Gedanken in sich. Er wollte seinen jüngsten Sohn nicht verlieren, nicht auf diese Weise. Mit Besorgnis mussten sie feststellen, dass Legolas Heilfähigkeiten kaum noch für ihn arbeiteten.
Doch ihnen allen war auch etwas anderes klar, auch wenn es schmerzlich für sie war: Der Elb wollte sterben. Aragorn war um seinen Freund besorgt genug, dass er in dem Raum sämtliche scharfe Gegenstände entfernen ließ. „Nur zur Sicherheit" hatte er zu den Schwestern gesagt. Leia und Daisy kannten den Grund für diese Aktion, doch sprachen sie ihn nicht aus. Was hätten sie auch sagen sollen? Sie konnten mit dieser Situation kaum umgehen, genauso wenig wie Thranduil, Gimli oder Aragorn. Was sollten sie tun für einen Freund, einen Sohn, der versucht hatte, sich das Leben zu nehmen? Sie konnten es ja selbst kaum glauben.
In den folgenden Tagen sprachen sie oft darüber, auch wenn es sie viel Überwindung gekostet hatte. Für die übrigen Bewohner der Stadt schien es ein Tabuthema zu sein, denn nie hörten sie jemanden in ihrer Nähe über Legolas sprechen. Zumindest nicht über diese Sache. Einigkeit herrschte unter den dreien darüber, dass sie für Legolas jederzeit da sein würden, ihm halfen und ihm zuhörten, ihm versichern, dass er jederzeit Freunde hatte, mit denen er reden könne. Ihn davon abhalten, es noch ein weiteres Mal zu versuchen. Und doch war ihnen klar, dass Legolas ihre Hilfe vielleicht gar nicht wollte. Eigentlich konnten sie nicht mehr tun als warten.
Ja, ich hoffe, es hat euch gefallen. Der nächste Teil wird sicher schneller kommen. Und reviews wären auch nicht schlecht, die lassen mich schneller schreiben *andeutungenmach*
