Der Gleiter schwebte wieder zurück in die grüne Üppigkeit von Mittelferne.

„Wenn es Euch nichts ausmacht, so werde ich Euren Schüler zu seinem neuen Quartier bringen und Euch gleich weiter zu Eurem Raumschiff, so dass Ihr unverzüglich aufbrechen könnt, um die Aurodiumbarren zu holen."

„Sie wissen also bereits, dass ich für eine Weile fortmuss?" fragte Tenebrous.

„Der Magister hat mir diesbezüglich eine Botschaft zukommen lassen", antwortete Gann.

„Ich würde mir gerne noch unsere vorübergehende Behausung ansehen", sagte der Bith in einem fordernden Tonfall.

„Das ist kein Problem."

Nachdem sie ein etwa vier Meter hohes Holzhaus erreicht hatten, stiegen die Sithlords, Tanika und Gann aus dem Gleiter.

„Wenn Ihr mich entschuldigen würdet?", sagte Tanika mit ihrer melodischen Stimme und lief auch schon leichtfüßig davon.

Plagueis fiel auf, dass sie es diesmal vermied, ihn anzuschauen und stattdessen nur Tenebrous anlächelte. Hätte er nicht zwei Stunden zuvor ihr anderes Lächeln gesehen, hätte er meinen können, dass Tanika sich freundlich von seinem Meister verabschiedet hätte - nur von seinem Meister. Er zwang sich, ihr nicht hinterherzusehen und schaute stattdessen den Bith an.

„Ich zeige Euch jetzt das Zimmer", sagte Gann und lief voran. Sie betraten das Haus und liefen eine Treppe hinauf. Der silberhaarige Ferroaner öffnete die Tür und die beiden Sith traten ein. Der Raum war ca. drei Standardmeter hoch und in ihm standen ein Tisch für vier Personen, vier Stühle, zwei große Schränke an der Wand und mehrere Blumentöpfe, in welchen rote und gelbe Blumen eingepflanzt waren.

„Euer Volk legt viel Wert auf Natürlichkeit", merkte Plagueis an und strich mit der Hand über die Oberfläche des Schrankes, welche eine olivgrüne Farbe aufwies und dem Muun wärmer erschien, als bei Holzoberflächen bei einer Zimmertemperatur von neunzehn Grad üblich.

„Alles auf diesem Planeten lebt. Vor allem, die Gegenstände, mit denen wir uns umgeben", erklärte Gann und strich einer der gelben Blumen über den Stempel im Inneren der Blüte. Sofort reckte sich die Blüte zu dem Mann empor und umschmeichelte den bläulichen Finger, der sie berührt hatte."

„Frisst sie Fleisch?", fragte Tenebrous.

„Stechende Insekten zumeist", erklärte Gann.

Plagueis ließ ein Lächeln aufblitzen. Während ihrer gemeinsamen Reisen stürzten sich blutsaugende Insekten meist auf ihn, während sie den Bith für gewöhnlich in Ruhe ließen. ‚Du hast eben zu süßes Blut', hatte Tenebrous ihm dieses Phänomen erklärt. Zumindest hier in diesem Raum würden ihn die insektoiden Quälgeister in Ruhe lassen. Falls sie die Blüten bevorzugten.

„Würden Sie uns bitte kurz alleinlassen?", bedang sich Tenebrous aus.

„Ihr könnt dann nach draußen kommen. Ich warte im Gleiter", bot Gann an.

Tenebrous schenkte ihm ein schales Halblächeln. Gann verließ den Raum. Tenebrous zog sich einen Stuhl zurecht und ließ sich darauf nieder. Plagueis wollte es ihm gleich tun, aber sein Stuhl war am Boden festgewachsen. Als Plagueis sich bückte, um nachzusehen, was los war, stellte er fest, dass der Stuhl, der ähnlich warm war wie der Schrank, an einem seiner vier Beine mit dem Boden verwachsen war. Er rüttelte etwas an dem Stuhl, aber er gab nicht nach. Stattdessen hörte er von der so verwachsenen Stelle ein knisterndes Geräusch.

„Eine Abhörwanze?", fragte der Bith argwöhnisch.

Plagueis schüttelte den Kopf. Er wartete einen Moment, dann hörte das leise Knistern auf. Der junge Muun folgte einem Impuls und hob den Stuhl an. Jetzt war das ohne Probleme möglich.

„Er lebt. Genau wie der Fußboden. Genau wie der Schrank. Der Stuhl hat … scheinbar lediglich etwas gegessen", erklärte Plagueis. „Das ist … ein lebendiges Gleichgewicht ohne allzu große Opfer."

Tenebrous brach in ein kurzes trockenes Lachen aus.

„Bis auf die mückenfressenden Pflanzen. Womöglich lebt mein Raumschiff später auch", sagte er spöttisch.

„Hat der Magister nicht gesagt, dass das Schiff nach unseren Maßgaben angefertigt wird, damit wir uns später gut mit ihm verstehen werden?", erinnerte ihn Plagueis.

Tenebrous' Lachen gefror auf der Stelle. „Wir werden sehen", sagte er düster. „Du wirst dich in der Zwischenzeit hier umsehen und alle wichtigen Details in dich aufsaugen, die es braucht, die Eigenheiten dieses Planeten zu verstehen. Vor allem, was dieses ominöse Sekot betrifft. Wickel Tanika etwas ein, wo sie so angetan von dir zu sein scheint, aber lass dich nicht von ihr einwickeln, verstehst du?"

Plagueis nickte eifrig.

„Wir müssen aufpassen, wo sie die Aurodiumbarren hinbringen. Das ist viel Geld für ein Schiff und wenn es die Sache nicht wert ist, werden wir uns das Aurodium wieder zurückholen!", mahnte Tenebrous.

„Ich hatte mich bereits gewundert, dass Ihr drei Milliarden Credits für ein Raumschiff ausgeben wollt, was Ihr noch nicht einmal in Augenschein genommen habt", erwiderte Plagueis.

„Der Einreisebeamte klang derart überzeugend, dass ich gefühlt habe, dass diese Schiffe etwas ganz besonderes sind – genau wie der Planet. Die Technik dieser Schiffe könnte unter Umständen die bisherige Raumfahrttechnik revolutionieren! Und ich werde die Speerspitze dieser Technikrevolution sein, ohne dass diese Hinterwäldler etwas davon mitbekommen werden, es sei denn, es ist bereits zu spät!"

„Genauso wenig, wie sie mitbekommen haben, dass Ihr die Raumhafenbeamtin manipulieren wolltet, Meister", erkühnte sich Plagueis zu erwidern.

„Was sollen sie schon machen?", höhnte der Bith. „Sie wissen nicht, wer wir sind. Sie haben keine Armee oder auch nur irgendetwas in der Art! Sie verstecken sich vor dem Rest der Galaxis! Ich sage dir: Sie haben etwas zu verbergen. Etwas, das viel zu wertvoll ist, als dass man es irgendwelchen abenteuerlichen Piraten oder gar brutalen Eroberern überlassen sollte. Und wir werden diesen Schatz heben und uns dienstbar machen!"

„Ich werde tun, was immer Ihr verlangt, Meister", erwiderte Plagueis, dessen hochentwickeltes Muun-Hirn bereits mehrere Möglichkeiten durchspielte, um an das vorgegebene Ziel zu gelangen.

„Warum habt Ihr eigentlich den Magister nicht vorhin im Schloss gefragt, wie es zu dieser Verschiebung des Planeten gekommen ist?"

„Plagueis", sagte Tenebrous herablassend. „Er sollte uns zuerst vertrauen. Es hätte allzu befremdlich auf ihn gewirkt, wären wir gleich mit unserem wichtigsten Anliegen mit der Tür ins Haus gefallen. Du wirst dich um die Geheimnisse dieses Planeten und seiner Mobilität kümmern. Und wenn ich wieder zurückgekehrt bin, dann werde ich mich mit dem Raumschiff befassen. Und wenn wir es geschickt anstellen, dann werden wir hier auf Zonama Sekot zwei dantooinische Sichelgottesanbeterinnen mit einer Klappe schlagen."

„Dann hoffe ich, dass diese Leute genügend von dem wissen, was wir zu erfahren gedenken, falls dieses Sekot sie nicht ohne ihr Wissen anleitet."

„Fängst du schon wieder damit an", erwiderte Tenebrous spöttisch. „Nun, du hast eine gute Ausbildung genossen, mein junger Schüler. Ich werde jetzt Gann nicht länger warten lassen. In zwei Standardtagen werde ich zurückkehren. Möge die Macht mit dir sein, Plagueis!"

„Und auch mit Euch, Meister!"

Der Bith verließ das Haus und kurz darauf Mittelferne. Mittlerweile war es Nacht geworden. Eine knappe Stunde später klopfte es an der Tür und ein Ferroaner kam, um ein Abendessen vorbeizubringen. Es waren viele frische Früchte und ein paar Teigtaschen dabei. Einen Fisch hatten die Gastgeber dazugelegt. Plagueis rührte diesen nicht an, verspeiste jedoch hungrig den Rest. Dazu trank er das Wasser aus der bereitgestellten Glaskaraffe, die sich auf unerklärliche Weise sofort wieder zu füllen schien, kaum, dass er sein Glas gefüllt hatte. ‚So etwas würde ich mir bei manchen Tropfen edlen Weins auch wünschen', dachte der Sith. Nach dem Essen legte er sich in das frisch bezogene Bett und schlief sofort ein.

Am nächsten Tag klopfte es erneut an der Tür. Plagueis öffnete, nachdem er Tanikas Präsenz davor gespürt hatte.

„Ihr mögt gewiss nicht die ganze Zeit im Haus bleiben und wenn Ihr nichts dagegen habt, zeige ich Euch etwas von Mittelferne."

„Gerne."

Plagueis ging mit Tanika vor das Haus, wo bereits ein Gleiter wartete, an dessen Steuer ein junger weißhaariger Mensch von mittlerer Größe saß, der genauso warme blaue Augen hatte wie Magister Leor Hal.

„Lewyn, mein Bruder", stellte Tanika ihn vor.

„Eure Mutter ist Ferroanerin?", fragte Hego.

„Erraten!", sagte Lewyn.

„Wer von euch beiden wird denn mal später Magister werden, oder ist dieser Titel bei euch nicht erblich?", eruierte Plagueis.

„Oh", meinte Tanika verlegen. „Ich besitze keine Machtkräfte, mein Bruder schon. Also hat Vater ihn zu seinem Nachfolger auserkoren."

„Eine Dynastie von Machtbenutzern regiert einen Planeten. Das ist ein Zustand, wie ihn die jetzigen Jedi schon längst vergessen haben", meinte Plagueis.

„Die Jedi haben vieles vergessen", meinte Lewyn. „Deshalb ist es wohl auch gut, dass wir nicht im Tempel aufgewachsen sind wie Vater."

„Es war ziemlich schwierig für meinen Meister und mich, diesen Planeten zu finden. Mir scheint fast, als wäre er bis vor kurzem noch nicht an dieser Stelle gewesen", wagte sich der Sith zu einem neuen Thema vor, das seinen Meister und auch ihn selbst umtrieb.

„Wir können dazu gar nichts sagen", erwiderte Tanika. „Vater hat durch die Macht einen Ruf erhalten, sich hier niederzulassen und die Völker der Menschen und Ferroaner hier zu versammeln und zu vereinen. Das war vor einem Jahr. Aber er hat nie etwas davon erzählt, ob dieser Planet früher mal woanders war."

„Vielleicht weiß Mutter etwas darüber. Wir können sie ja später beim Frühstück fragen", schlug Lewyn vor.

„Das ist sehr freundlich", erwiderte Plagueis.

Nach einer Weile kamen sie im Haus der Familie Hal an. Eine ältere Ferroanerin stand an der Tür, gekleidet in ein braunes Kleid, die silbernen Haare, die bereits von schwarzen Strähnen durchzogen wurden, zu einem Knoten am Hinterkopf aufgesteckt.

„Da seid ihr ja, Kinder. Und ich nehme an, ihr habt den Schüler unseres Kundenpaares mitgebracht."

Tanika kicherte bei diesen Worten. Ihre Mutter sah sie daraufhin in einer Mischung von Neugier und Tadel an.

„Kundenpaar!", erklärte Tanika, immer noch glucksend vor Lachen.

Die Mutter hob eine Braue.

„Ähm … Meister und Schüler natürlich … ach … das klingt einfach komisch … Kundenpaar", wand sich Tanika.

„Bitte kommt doch herein!", sagte die Mutter freundlich. „Meine Tochter hat mir ja schon so viel von Euch erzählt."

„Ich hoffe doch, nur gutes", erwiderte Plagueis mit einem Augenzwinkern.

Die kleine Schar ging ins Haus und wurde in das Esszimmer geführt, wo bereits für vier Leute gedeckt war. Es gab drei Sorten Brot, vielerlei Käsesorten und apfelgroße rote und gelbe Früchte, die Plagueis nicht kannte.

„Das sind Quaarts, die werden hier sehr gerne gegessen", erklärte die Mutter.

Plagueis nahm sich eine rote Quaart und musste zugeben, dass sie köstlich schmeckte. „Genau die richtige Mischung aus süß und säuerlich!", lobte er die Frucht.

„Darf ich fragen, was es mit den Möbeln auf sich hat, die es hier gibt?", wollte Plagueis wissen. „Ich hatte gestern den Eindruck, dass mein Stuhl in unserem Gästezimmer vom Boden gegessen hat."

„Sehr gut beobachtet!", lobte die Mutter. „Dieses organische Material nennen wir Lamina. Es kann erzeugt, in mannigfaltige Formen gegossen werden und kehrt nach einer gewissen Zeit wieder ins Potenzium zurück."

„Das ist einzigartig!", sagte Plagueis in aufrichtiger Bewunderung. „So einzigartig wie dieser Planet."

„Wir sind in der Tat sehr glücklich hier", pflichtete ihm die Mutter bei.

„Das muss an Sekot liegen, von der oder dem mir Gann gestern erzählt hat", wagte sich Plagueis etwas vor.

„Sekot ist in der Tat ein mächtigerer Beschützer, als man sich vorstellen kann. Mir war vor unserem Eintreffen hier auch nicht bewusst, dass es so etwas wie lebendige Planeten überhaupt geben kann", meinte Lewyn.

„Wir haben diesen Planeten lediglich anhand von Berechnungen finden können", sagte Plagueis. „Es kommt uns so vor, als sei er vorher woanders gewesen, wenn man die Verschiebung der Nachbarplaneten in Betracht zieht."

„Oh, da wisst Ihr mehr als ich und meine Kinder", entgegnete die Mutter in aufrichtiger Überraschung. „Leor hat mir nur gesagt, dass Sekot ihn hierher gerufen hat. Und dass er noch Leute mitbringen soll. Da müsstet Ihr schon Sekot selbst fragen."

„Das geht? Dieser Planet hat ein intelligentes Bewusstsein?", war es nun an Plagueis, sich zu wundern.

Die Mutter nickte bedächtig. „Sekot zeigt sich, wem es will. Und auch nur dann, wenn eine absolute Notwendigkeit dafür besteht. Bislang hat es sich nur Leor gezeigt."

Plagueis dachte über diese Worte nach. Wenn es dieses ominöse Sekot wirklich gab und wenn es sich bislang nur dem Ex-Jedi Leor Hal gezeigt hatte, dann hieß das, wenn man die gesamte Lebensart auf dem Planeten mit in Betracht zog, dass Sekot die Helle Seite der Macht bevorzugte. Aber das würde auch bedeuten, dass Sekot rein theoretisch überall sein konnte. In diesem Raum. Oder im Gästezimmer, wenn Tenebrous auch dort war. Der junge Sith fragte sich, wie viel dieses Sekot wohl über sie beide wissen mochte. Er überlegte, ob er etwas über die Raumschiffe in Erfahrung bringen sollte, um Vorarbeit für seinen Meister zu leisten. Aber Tenebrous hatte ihn eindeutig angewiesen, dass dies seine Domäne sei.

„Haben die Jedi sich niemals gefragt, wohin ihr verlorenes Schaf verschwunden ist?", fragte Plagueis.

„Leors Meister hat gesagt, er weint ihm keine Träne nach. Das hat Leor sehr verletzt", erzählte die Mutter. „Nein, der Orden der Jedi macht uns hier keine Probleme. Nicht dass sie bislang wüssten, wo sie suchen sollten, falls sie wollen würden. Wir leben sehr abgeschieden hier und das ist auch gut so."

„Weil er ein Ex-Jedi ist?", sondierte Plagueis.

„Nein, weil es viele Leute gibt, die uns nur zu gerne unsere Geheimnisse entreißen würden, um sie zu missbrauchen. Deshalb wird allen Kunden im Nachhinein ein Vergessenstrunk gereicht, so dass sie sich an die Einzelheiten des Raumschiffbaus nicht mehr erinnern können."

„So einen Trank hätte mein Meister sicherlich auch gerne", erzählte nun Plagueis. „Vor zehn Jahren hat jemand einen seiner Raumschiff-Entwürfe gestohlen und in Eigenregie verwendet. Es gibt eben immer Leute, die keine Geheimnisse respektieren."

„Was ist aus diesem Dieb geworden?", fragte Tanika Plagueis.

„Er starb während eines Banketts an einem fehlerhaft zubereiteten Blähaal."

„Ausgleichende Gerechtigkeit", warf Lewyn ein.

„Ja, das war es", meinte Plagueis und schaute kurz versonnen aus dem Fenster.

Nach dem Essen blieb Lewyn noch im Haus, während Tanika Hego Damask in der Siedlung herumführte. Sie erklärte ihm die Nutztiere und Pflanzen und der junge Sith war ein interessierter Zuhörer.

Nach der Besichtigung wollte Tanika wieder zurück nach Hause, um den Muun wieder mit dem Gleiter zu seinem Zimmer zu bringen, aber er ließ das nicht zu.

„Ich werde mir ein Taxi nehmen, um dir keine Umstände zu machen."

„Aber … Ihr macht mir keine Umstände … und hier gibt es keine Taxis. Wir halten einfach einen Gleiter an und er bringt Euch zurück zur Unterkunft, wenn die Richtung stimmt."

Plagueis schaute einen Augenblick verwundert, stimmte dann aber zu. Am nächsten Morgen holten ihn Lewyn und Tanika erneut zum Frühstück ab.

„Nun? Habt Ihr Euch schon etwas eingelebt?", fragte die Mutter.

„Wie könnte man das nicht auf solch einem wunderschönen Planeten?", erwiderte Plagueis liebenswürdig.

„Hat Euch meine Tochter nur die Siedlung gezeigt?"

„Was heißt nur?", empörte sich Tanika milde. „Wir hatten viel zu erzählen. Heute fahren wir in die Tampasi!"

„Was sind die Tampasi?", wollte Hego Damask wissen.

„Die Tampasi sind die Wälder in Mittelferne", erklärte die Mutter. „In ihnen wachsen die riesigen Bäume, denen Ihr bestimmt schon begegnet seid. Sie heißen Bora und ragen in die Wolkendecke von Zonama Sekot. Sie sind es, die während der Wirbelstürme des Mittsommers die Saatkugeln produzieren, welche für den Bau unserer Raumschiffe verwendet werden."

„Dann sind das keine Bäume im eigentlichen Sinne?", mutmaßte Plagueis.

„Genauso wenig wie die Tampasi ein normaler Wald ist", bestätigte die Mutter. „Es ist eher ein Oberbegriff für Vegetation als solche."

Nach dem Essen führte Tanika den Muun in einen Wald und zeigte ihm einige Bäume, unter anderem die riesigen Boras. Da flog ein Tier über die Lichtung hinweg, auf welcher die Beiden gerade standen. Es sah aus wie ein onderonsches Drexl, nur, dass seine Flügel viel größer und breiter waren. Das ganze Tier mochte zehnmal zwanzig Standardmeter messen und war glitzernd dunkelgrün.

„Genau wie Eure Robe", sagte Tanika und ergriff spontan Hegos Handgelenk, welches von einem Ärmel bedeckt war, der dasselbe Grün aufwies wie das Schiff, welches jetzt über sie hinwegflog.

Hego entzog sich dieser Berührung nicht. „Was ist das für ein Tier? Es ist riesig!"

Tanika lachte und ließ sein Handgelenk los. „Das ist kein Tier. Das ist ein sekotanisches Raumschiff."

Er schaute das Schiff an. Es hob und senkte majestätisch seine beiden grünen Schwingen, die ihn an die Ärmel der grünen Tracht des Bankenclans erinnerten. Dieses Schiff sah perfekt aus. Es glitt durch die Luft, ohne viel Lärm zu machen und glitzerte dabei geheimnisvoll.

„Es lebt also wirklich!", murmelte Plagueis andächtig.

„Hat man Euch das noch nicht gesagt?"

Plagueis erkannte, dass er einen Fehler gemacht hatte.

„Mein Meister hat mir nur wenig über eure Schiffe erzählt. Er weiß viel mehr darüber. Schließlich will er eines kaufen."

In diesem Moment wurde Plagueis bewusst, dass er ebenfalls so ein Raumschiff wollte. Aber natürlich würde Tenebrous nur für eines bezahlen.

„Euer Meister ist Chefingenieur oder so was in der Art, nicht wahr?"

„Ja, Dr. Nome ist ein sehr bekannter Ingenieur."

„Wollt Ihr später auch Ingenieur werden?"

„Nein, ich arbeite bereits für den Bankenclan."

„Und für Euren Meister."

„Ja, hin und wieder. Aber hauptsächlich betraut er mich mit Verwaltungsdingen oder treibt meine Jedi-Ausbildung voran."

„Wie alt wart Ihr denn, als Ihr sein Schüler wurdet?", fragte Tanika neugierig.

„Fünf."

Tanika zog eine Schnute. „Typisch Jedi! Mein Vater war drei, als er ein Jedi wurde. Ich hab mal gehört, die Jedi nehmen Kinder nur bis sechs. Da habt Ihr es ja gerade noch so geschafft."

„Das werde ich erst wissen, wenn mir mein Meister sagt, dass ich alle Prüfungen bestanden habe."

„Wozu braucht Ihr denn überhaupt eine Jedi-Ausbildung, wenn Ihr gar nicht im Tempel seid?"

„Wir schützen unsere Familien und deren Vermögen."

„Hmmm … genau wie Vater auch", meinte Tanika. „Ihr habt eine Frau und Kinder?"

„Noch nicht."

„Weil Euer Meister es nicht will?", fragte sie mit einem kecken Lächeln.

„Nein, so ist er nicht. Ich will erst meine Ausbildung abschließen."

„Er wirkte verärgert, als er mich vorgestern im Gleiter sah."

„Er vermeidet unliebsame Überraschungen. Wahrscheinlich wollte er einfach mit mir allein sein."

„Nun, dieses Glück hab nun ich", sagte sie und stellte sich vor ihn hin.

Hego schenkte ihr ein nachsichtiges Lächeln, sagte aber nichts. Sie tänzelte daraufhin ein paar Schritte um ihn herum, um an seine Seite zu kommen. Sein Blick folgte ihr.

„Aus den Saatkugeln kann man noch ganz andere Sachen machen", plauderte sie etwas angestrengt. „Einmal habe ich mit meiner Mutter und drei Saatkugeln unser Haus gestaltet. Ich bin ihr mit den Schnitzwerkzeugen und Spateln zur Hand gegangen. Das hat richtig Spaß gemacht. Seitdem mache ich manchmal Tische und Stühle … kleinere Sachen halt."

„Wieso verkauft dein Vater diese Raumschiffe eigentlich, wenn er doch lieber seinen Isolationsfrieden für Zonama Sekot haben will?"

„Wir müssen die Schiffe mit modernen Hyperraumantrieben ausstatten, mit Konsolen, die galaxisweit kompatibel sind. Das kostet einiges, denn mein Vater kauft nur das Beste! Und die Einnahmen aus dem Raumschiffbau reichen uns völlig aus, um all das zu kaufen, was man aus lebendigem Material nicht herstellen kann oder, weil es die Rohstoffe hier nicht gibt. Auf diese Weise können wir uns in den anderen Arbeitsfeldern auf reine Selbstversorgung beschränken und produzieren deshalb relativ stressfrei und glücklich!", sagte sie und ihre goldenen Augen strahlten ihn an.

„Dann wünsche ich euch, dass es immer so bleiben möge", erwiderte er bedächtig.

„Als Ihr ankamt, da wirktet Ihr etwas angespannt und nervös. Jetzt seid Ihr schon viel gelöster geworden", meinte Tanika, während beide durch den Wald in Richtung Siedlung zurückschlenderten.

„Ich nehme das mal als Kompliment", erwiderte Plagueis mit einem schelmischen Lächeln.

„Wie sollte es denn sonst gemeint sein?", fragte Tanika verwundert, bis ihr aufging, wie vergiftet ihr Kompliment zu dessen Anfang in den kleinen Ohren ihres Gegenüber geklungen haben mochte.

„Nun, die Absicht ist, was zählt", erwiderte er mit warmer Stimme.

„Wir sind ja gleich zu Hause. Lewyn bringt Euch dann zum Gästequartier zurück. Er …", weiter kam Tanika nicht, denn in diesem Augenblick raste ein Gleiter heran.

„Kaum denkt man daran …", begann Tanika ihren Satz, um abrupt innezuhalten.

Denn dieser Gleiter war größer und geräumiger als der Hausgleiter der Hals. Es handelte sich um einen Typ Gleiter, wie er auf Zonama Sekot nicht üblich war.

Am Steuer des Gleiters gewahrten sie Dr. Rugess Nome, dessen schwarze Augen sie kalt und argwöhnisch musterten. Etwa drei Meter vor ihnen brachte der Bith das Gefährt zum Stehen.

„Ich werde Lewyn dann mal sagen, dass er nicht mehr zu warten braucht", meinte sie eilfertig. „Euch dann noch viel Glück bei der Wahl!"

„Danke", erwiderte Plagueis und schaute ihr noch kurz hinterher, wie sie leichtfüßig und anmutig davonlief.

„Was meint sie mit der Wahl?", fragte Tenebrous seinen Schüler statt einer Begrüßung.

Plagueis zuckte mit den Schultern.

„Ich nehme mal an, das wird uns Gann erklären, wenn er uns morgen früh für den Raumschiffbau abholen kommt", gab Plagueis zur Antwort.


Note der Autorin: Auch in diesem Kapitel gibt es wieder Zitate aus dem Roman „Planet der Verräter" von Greg Bear sowie aus „Darth Plagueis" von James Luceno.