Kapitel 6
Nachdem sie sich ausgiebig begrüßt hatten, gingen Lilyan, Elianth, Legolas und Thalion, der inzwischen auch dazu gestoßen war, ins Wohnzimmer um sich etwas zu unterhalten.
Als es langsam dämmerte, gingen Legolas und Thalion in die Küche um eine Kleinigkeit zu Essen zu holen. Polly hatte nach dem überraschenden Auftauchen von Lilyan erst einmal frei bekommen
Lilyan und Elianth ließen sich allerdings nicht in ihrem Redeschwall unterbrechen. Nachdem Elianth Lilyan davon erzählt hatte, wie ein Bote nach Bruchtal kam und berichtete, dass sie verschwunden war und wie sie dann hierher kam, um bei ihrer Suche zu helfen, musste nun auch Lilyan ihre Geschichte erzählen.
Anfangs war sie sich nicht sicher, ob sie wirklich alles erzählen sollte, doch dann erinnerte Lilyan sich daran wie sie sich mit Elianth geschworen hatte, dass sie sich immer alles erzählen würden, und so berichtet sie was sie während ihrer Reise alles erlebt hat.
Und so saßen sie noch bis spät abends am Feuer und lauschten den Geschichten der Anderen.
Doch dann setzte Legolas dem ganzen ein Ende.
„Es ist schon spät. Du solltest nach Hause gehen Elianth."
Zuerst quengelten die Beiden wie zwei Kinder. Sie hatten sich doch noch so viel zu erzählen! Anfangs strotzte Lilyan noch Legolas' strengen Blicken, doch nach einer Weile musste sie sich geschlagen geben und Thalion brachte Elianth schließlich Heim.
Als die Beiden gegangen waren, gingen auch Lilyan und Legolas ins Bett.
Für Lilyan war es ein langer Tag gewesen und so schlief sie auch schon sehr bald ein. Legolas allerdings blieb noch lange wach. Bisher hatte er noch nicht die Gelegenheit gehabt, über Lilyans Geschichte nachzudenken. Für ihn war von Anfang an klar gewesen, dass sich nichts zwischen ihnen ändern würde, doch jetzt wo er wusste, mit was für einer schlimmen Vergangenheit sie zu kämpfen hatte, musste er ich natürlich helfen. Die Frage war nur wie? Lilyan war schon immer stark gewesen, und ließ sich nur sehr ungern helfen. Sie hatte einen unglaublichen Stolz und auch wenn Legolas einer der wenigen war von dem sie ein wenig Hilfe annahm, war er sich nicht sicher, ob sie es in diesem Fall auch zuließ.
Er musste die Sache geschickt angehen. Sie würde das Thema sicher nicht mehr so schnell ansprechen. Er hatte bemerkt wie viel Mühe sie gekostet hatte Thalion und Elianth heute
Abend davon zu erzählen. Aber dies war schon einmal ein Schritt in die richtige Richtung. Elianth war ihre beste Freundin und stand ihr immer zur Seite. Und auch gestern hatte sie das wieder unter Beweis gestellt. Sie hatte Lilyan aufmerksam zugehört. Sie war dieses mal zwar nicht in Tränen ausgebrochen, aber man konnte trotzdem sehen, dass es noch sehr schwer für sie war offen darüber zu reden.
Als Lilyan anfing sich die Schuld zuzuschreiben, griff Elianth sofort ein um sie vom Gegenteil zu überzeugen. Auch Legolas und Thalion pflichteten ihr sofort bei.
Gemeinsam schafften sie es Lilyan davon zu überzeugen, dass sie nichts Falsches getan hatte. Im Gegenteil, wer wusste schon wie der Krieg vielleicht ausgegangen wäre, wenn sich Elben auf die Seite des Bösen gestellt hätten.
Legolas sah auf die schlafende Lilyan hinab. Sie wirkte so friedlich, so unschuldig. Legolas musste über seine eigenen Gedanken grinsen. Unschuldig! Das Grinsen wurde breiter.
Ja, jeder der Lilyan als die jüngste von Elronds Kindern, die entzückende, hübsche kleine Elbe kannte würde keinesfalls an ihrer Unschuld zweifeln.
Doch wer sie genauer kannte, der wusste, dass sie nicht nur die hübsche, kleine Tochter von Lord Elrond war.
Nein, das war sie ganz sicher nicht.
Legolas hatte sie damals in Lothlórien kennen gelernt. Er konnte sich noch genau an ihr erstes Treffen erinnern.
RückblendeEs war ein friedlicher Morgen in Lothlórien. Die Sonne schien; die Vögel zwitscherten. Doch in den Gängen des Palastes rannte eine junge Elbe als ginge es um ihr Leben. Als sie an ihrem Ziel, dem Trainingsplatz, angekommen war, blieb sie atemlos neben einem hochgewachsenen Elben stehen. "Es tut mir leid, Haldir. Ich hab verschlafen", brachte sie keuchend hervor. "Das sehe ich, Lilyan. Du bist eine Stunde zu spät", entgegnete er streng. Lilyan wollte gerade zu einer Entschuldigung ansetzten, doch Haldir ließ sie erst gar nicht zu Wort kommen.
„Das ist Prinz Legolas aus dem Düsterwald." Er deutete auf einen Elb der sich etwas weiter entfernt im Bogenschiessen übte. Lilyan hatte ihn bis jetzt noch gar nicht bemerkt, doch nun galt ihm ihre gesamte Aufmerksamkeit. Er spannte gerade seinen Bogen, doch nicht nur der Bogen war unter Spannung, nein sein ganzer Körper war angespannt. Und auch als er den Pfeil abgeschossen hatte war noch immer jeder Muskel angespannt. Erst als der Pfeil sein Ziel getroffen hatte entspannte er sich wieder.
„Er ist ab heute dein Trainingspartner." Haldir sagte dies ganz nebenbei, als wäre es nichts besonderes, aber für Lilyan war es das sehr wohl. „Er ist mein was?" „Ich dachte ich hätte mich klar und deutlich ausgedrückt. Er ist dein Trainingspartner." „Ich habe verstanden was du gesagt hast! Aber warum denn? Ich brauche keinen Trainingspartner!" „Du meinst wohl du möchtest keinen!" Lilyan grummelte vor sich hin. Ja, im Grunde genommen traf das noch besser zu, aber das würde sie natürlich nicht zugeben. „Nein! Ich meine ich brauche keinen! Oder kannst du mir einen Grund nennen wozu ich einen Trainingspartner bräuchte?"
Lilyan fühlte sich sicher. Darauf hatte Haldir sicher keine Antwort. Doch ganz im Gegenteil. Haldir schien auf diese Frage gewartet zu haben, denn in seinen Augen machte sich ein siegessicheres Glänzen breit.
„Nun, da du, um es noch milde auszudrücken, nicht gerade sehr talentiert im Bogenschiessen bist, wird dir Legolas hier noch etwas beibringen können." Lilyan wollte ihm schon empört dazwischenfahren, aber Haldir gebot ihr mit einer Handbewegung still zu sein und fuhr fort: „Dafür wirst du ihm Unterricht im Schwertkampf geben. Ihr gleicht euch wunderbar aus. Du beherrschst das Schwert wie kein Anderer und auch wenn ich es ungern zugebe, Legolas ist der wohl beste Bogenschütze in der Gegend. Glaub mir ihr werdet noch viel voneinander lernen können." Und noch bevor Lilyan etwas erwidern konnte, rief Haldir Legolas zu ihnen.
Er verbeugte sich leicht vor ihr, was sie mit einem kleinen Knicks erwiderte.
Angesichts der Tatsache, dass sie ihre Trainingskleidung, und kein wunderschönes Kleid trug wie alle andern Elben hier, sah dies nicht gerade sehr damenhaft aus. Doch das störte Lilyan im Moment nicht wirklich. „Mein Name ist Lilyan. Und Ihr seid also Prinz Legolas."
„Es ist mir eine Freude Euch kennen zu lernen."
Legolas wusste von Anfang an, dass sie die Richtige war. Doch er hatte ziemlich lange gebraucht, um sie für sich zu erobern.
Rückblende EndeLegolas hatte schon von Lilyan gehört gehabt, sie war unter den Elben die wohl beste Schwertkämpferin. Doch richtig geglaubt hatte er es damals noch nicht. Es gab nicht viele weibliche Elben die eine Waffe beherrschten, und dann sollte sie auch noch die Beste sein.
Doch schon bald konnte sich Legolas selbst davon überzeugen.
Wenn er an ihr vergangenes Training dachte, konnte er seine Siege gegen Lilyan an einer Hand abzählen.
Wenn er jetzt so darüber nachdachte, verstand er warum Galadriel sie ausgewählt hatte. Natürlich hatte sie die benötigten Heilkräfte. Doch auch wenn so etwas, selbst unter Elben sehr selten war, gab es noch Andere die diese Gabe hatten.
Aber Lilyan beherrschte außerdem noch das Kämpfen. Es gab nicht viele Heiler die sich noch mit etwas anderem beschäftigten außer ihrer Gabe.
Legolas sah auf die schlafende Lilyan neben sich herab. Er machte sich Sorgen. Lothiel war noch immer irgendwo da draußen und eine Gefahr für jeden.
Lilyan musste diese Frau heilen. Doch wie? Sie würde bald ihr Kind zur Welt bringen. Sie konnte jetzt nicht durch Mittelerde ziehen um eine rachsüchtige Elbe zu suchen.
Legolas war zu müde um darüber nachzudenken. Er legte sich näher zu Lilyan, die sich sofort an ihn kuschelte und schon bald war auch Legolas eingeschlafen.
XXX
Die nächsten Tage verliefen sehr ruhig.
Lilyan lebte sich sehr gut in ihrer neuen Umgebung ein und freundete sich mit Polly an. Sie traf sich oft mit ihr und Elianth und die Drei hatten viel Spaß zusammen.
Doch Lilyan war hoch schwanger und die Heilerin, die sie seid einiger Zeit untersuchte, meinte, dass Lilyan die letzten Wochen bis zur Geburt in ihrem Bett verbringen sollte.
Lilyan gefiel das gar nicht. Sie schlief zwar morgens gern etwas länger, doch sie konnte sich etwas besseres vorstellen, als den ganzen Tag im Bett zu liegen. Aber alles jammern half nichts und so lag Lilyan nun bereits seit knapp einer Woche im Bett.
„Legolas, bitte! Ich will hier nicht mehr rumliegen. Mir ist furchtbar langweilig." Legolas hatte gerade erst den Raum betreten da fing Lilyan auch schon an sich zu beschweren. Aber er ignorierte sie inzwischen einfach.
Er setzte sich zu ihr auf das Bett und küsste sie leicht auf die Stirn. „Wie geht es dir, melamin?" Lilyan sah ihn böse an. „Ich sitze ihr den ganzen Tag im Bett und langweile mich! Aber ansonsten geht es mir wunderbar." Legolas seufzte leise. „Ich habe dir doch schon so viele Bücher gegeben. Hast du sie denn alle schon gelesen?" „Nein. Ich möchte keine Bücher lesen. Ich will hier raus. Oh bitte Legolas. Nur ein kleiner Spaziergang durch den Wald." „Wenn du glaubst ich lasse dich noch mal allein im Wald spazieren..."
Doch weiter kam er nicht, denn schon fiel ihm Lilyan ins Wort. „Du kannst ja mitkommen. Bitte Legolas. Bitte, bitte, bitte." Sie zog einen kleinen Schmollmund und wartete auf Legolas' Reaktion.
„Ich sollte zuerst die Heilerin fragen." „Legolas, nur ein Spaziergang im Wald. Das kann doch nicht ungesund sein. Oh bitte." Legolas konnte ihrem Schmollmund und den flehenden Blicken nicht mehr länger stand halten und willigte ein. „Meinetwegen. Aber nicht so lange." Lilyan strahlte und küsste ihn überschwänglich. „Danke! Ich zieh mir nur schnell etwas an, dann können wir gehen."
Gesagt getan. Und nachdem sie sich umgezogen hatte, machten sie sich auf den Weg.
Lilyan hatte viel Spaß und war froh endlich mal wieder etwas anderes zu sehen als das Schlafzimmer.
Doch sie kamen erst nach Sonnenuntergang zurück und sie war so erschöpft, dass sie sich nun nicht mehr darüber beschwerte im Bett liegen bleiben zu müssen.
Ich hoffe es hat euch gefallen. Ich würde mich sehr über ein paar reviews freuen. noch mal vielen vielen dank an 14 all and all 41, meine bisher einzige reviewerin knuddel
lg XcatX
