Das sechste Kapitel ist auch schon fertig für euch! Hoffe, es gefällt euch :) xoxo

Marlene hatte ihr Korsett besonders eng geschnürt, sie konnte kaum noch Luft holen, aber dafür war es nun zu spät. In der Küche herrschte betretene Stille, als sie kam, um James' Frühstück zu holen.

James.

James, James, James, James... Sie konnte nicht genug von diesem Namen bekommen. Einen Moment war sie versucht, zu lächeln, dann jedoch sah sie Marianna und Anna, die für gewöhnlich um diese Uhrzeit darum kämpften, wer zu Mrs Potter durfte und wer zu Mr Potter musste. Aber dieses Mal war es totenstill. Mariannas Gesicht war knallrot, ein wenig geschwollen, ihr liefen stumme Tränen über die Wangen. Sie lief ganz steif. Marlene zitterte am ganzen Leib.

„Was ist hier los?", fragte sie.

„Marianna ist in Ungnade gefallen und jetzt muss ich ihretwegen zu Mr Potter Senior.", brachte Marlene hervor. Auch ihr liefen Tränen über die Wangen, aber sie wirkte gleichzeitig zornig.

„Marlene, es reicht.", sagte Louise langsam. „Ich denke, Marianna hat ihre Lektion gelernt."

„Entschuldige Mal!", brach es nun eher aus ihrer Zimmergenossin heraus. Sie wirkte völlig empört und aufgebracht. Und verängstigt. „Nur weil 'sie' Mist gebaut hat, muss 'ich' jetzt zu ihrem Herrn, damit er mit weh tun kann und 'sie' hat ihre Lektion gelernt? Das ist doch ein schlechter Witz!", fauchte sie.

„Du hast ihren Rücken ja nicht gesehen.", flüsterte Anna betreten, dabei strich sie sich ein paar schwarze Haare aus der Stirn.

„Mir ist egal, wie ihr Rücken aussieht, sie hätte Lily ja nicht verraten müssen, die blöde Kuh!", schnarrte sie zurück. Lily hob ihre Augenbrauen an.

„Was? Was hast du verraten, Marianna?", fragte sie erschrocken, aber Marianna sah nur zu Boden und wimmerte leise. Stöhnend fuhr sie über ihr Gesicht. „Du hast uns gesehen und bist zu seinem Vater gerannt.", würgte sie hervor. „Du 'dummes' Ding, wieso hast du das getan?", der Vorwurf in ihrer Stimme war nicht zu überhören.

„Es reicht.", griff Louise wieder ein.

„Sie hat uns in Schwierigkeiten gebracht!", erwiderte Lily vorwurfsvoll.

„Ich sagte 'Es reicht'!", sagte Louise nun wieder streng. „Marianna, geh nun zu Mr Black und bring ihm sein Frühstück!", sie fühlte sich sofort schlecht, als Marianna ihr Gesicht verzog, die Lippen presste sie aufeinander, da waren mehr Tränen – dann drehte sie sich um. Ihr schwarzes Kleid glänzte nass im Licht der Küche und ihre langen, blonden Haare färbten sich bereits rot vor Blut.

„Merlin...", flüsterte sie schockiert.

„Ihr anderen lasst euch das eine Lehre sein, Mr Potter Senior zu erzürnen. Geht nun und bringt den Herren und Mrs Potter ihr Frühstück.", weder Marlene, noch Anna sagte noch etwas, stattdessen nahmen sie alle beide nur die Tabletts mit dem Frühstück auf ihre Arme und verschwanden. „Lily?"

„Ja?", fragte sie betreten.

„Du hast deinen Platz vergessen.", sagte sie streng. „Es 'schickt' sich nicht, einen ganzen Tag fernab von allen und ohne ein Wort mit dem Herrn zu verschwinden. Das wäre eine 'Liebesaffäre' und nicht 'Dienerschaft'.", ermahnte sie sie. Lily wurde knallrot.

„Ja, Louise.", flüsterte sie.

„Ich weiß, dass Mr Potter Junior ein schöner Mann ist und ein gütiger noch dazu. Ich weiß, dass er dir die Sterne vom Himmel pflückt, wenn er dich wirklich mag, aber ihr könnt euch das alle beide nicht erlauben. Wenn Mr Potter Junior dem nachgeben will, was er für dich fühlt, dann steht ihm das frei. Aber dann liegt es an dir, standhaft zu sein. 'Du' wirst bestraft werden, nicht er.", darauf bekam sie schon keine Antwort mehr. Lily knickste nur vor (der ihr sonst so teuren) Louise, dann nahm sie das Tablett und verschwand.

Ihr kamen die Tränen, als sie alleine war. Mr Potter Senior wusste, dass sie diesen Tag miteinander verbracht hatten. Marianna, die blöde Kuh, hatte sie verraten! Sie hatte sie gesehen und verraten und nun waren sie beide in Schwierigkeiten. Selbst wenn sie eine der anderen mit ihrem Herrn gesehen hätte, wäre sie doch nie auf die Idee gekommen, sie zu verraten!

Sie bereute es, dass sie solch ein Außenseiter war, ohne Freunde, die für sie einstehen würden, wenn sie es brauchte. Ihr Atem beschleunigte sich, als sie vor seiner Zimmertür stand, trotzdem klopfte sie. „Ja?", ertönte es von drinnen.

Als sie die Tür öffnete und eintrat, da hellte sich sein Gesicht auf. Er saß (wie üblich) an seinem Tisch vor dem Fenster, in seinen Quidditchhosen und einem alten Trikot und las bereits die Zeitung. Nun, er legte die Zeitung fort, als sie herein kam. „Guten Morgen, Sire.", brachte sie mühselig hervor.

Wie sollte sie standhaft sein? Ihre Gefühle spielten doch völlig verrückt! Dieser Mann dort, der sie regelmäßig bestieg und der sie kommen ließ, der gütig zu ihr war und zärtlich und freundlich und – und der ihr einen Zauberstab geschenkt hatte... Er war ihr Herr. Ihr Gebieter. Vermutlich war da nicht mehr, als eine kleine Schwärmerei, weil er ihre Haare so schön fand.

Aber als sie das Tablett vor ihn stellte, da sprang er auf, griff nach ihren Händen und begann ein wenig übermütig mit ihr zu tanzen. Wenn sie das gestern herrlich amüsiert hatte, so trieb es ihr nun nur noch mehr Tränen in ihre Augen. „Ich habe den schönsten Traum gehabt.", erzählte er, während er mit ihr tanzte. „Wir sind durch ganz Europa gereist und haben gemeinsam die Zauberei-Techniken der verschiedenartigsten Länder studiert – und du warst immer besser als ich.", führte er dann fort.

Darauf antwortete sie nicht. Sie konnte kaum sprechen, ein riesiger Kloß hatte sich in ihrem Hals gebildet, da löste er sich endlich von ihr und sah sie an. „Was ist?", fragte er besorgt, als er sah, wie unregelmäßig ihr Atem ging. Endlich lösten sich nun zwei Tränen aus ihren Augen. „Lily, was ist los?"

Völlig verwirrt entzog sie sich seinem Griff und drehte ihm den Rücken zu. Er schwieg eine Weile, während sie in ihre Hände weinte. Letztendlich seufzte er. „Du siehst dünn aus.", sagte er sofort. „Uh – dünner als sonst. Nicht, dass du sonst nicht dünn aussehen würdest...", seine Wangen wurden ein bisschen rot, wie sie im Spiegel flüchtig sehen konnte, dann lachte er ein bisschen, aber seinem Gesicht nach nur aus Nervosität. „Sorry..."

„Uh – ja. Marlene hat es etwas übertrieben.", flüsterte sie mit aller Selbstbeherrschung, die sie hervor bringen konnte, ohne auf seine Frage ein zu gehen. Sie konnte seine Schritte hinter ihr hören.

„Lily, was hast du?", fragte er. „Was ist passiert?", er legte seine Hände auf ihre Schultern und drehte sie wieder zu sich herum.

„M – Marianna hat uns gesehen.", sagte sie zögerlich. Er seufzte.

„Jaah, weiß ich.", murmelte er. „Vater und ich hatten gestern Abend – uhm... Nun, es war keine richtige Unterhaltung. Es war eher ein ungemütlicher Schlagabtausch im Treppenhaus.", erklärte er dann, dabei zog er sie in seine Arme. „Was beunruhigt dich?", hakte er nach.

„I – ich... Ich habe meinen Platz vergessen, Sire.", würgte sie hervor, hatte aber nicht den Mut, sich von ihm zu lösen. Er versteifte sich augenblicklich ein wenig. „Aber ich schwöre Euch, dass es kein weiteres Mal vorkommen wird.", setzte sie hinterher.

„Sag das nicht.", bat er sie.

„Ich bin Eure Dienerin und Ihr seid mir ein gütiger, gnädiger Herr. Ich werde Eure Gunst nicht ein weiteres Mal mit Undankbarkeit erwidern.", versprach sie weiterhin. Er löste sich jetzt von ihr.

„Du sollst 'James' sagen.", erinnerte er sie.

„Ich wage mich nicht.", flüsterte sie.

„Gestern ging es ganz einfach.", warf er ihr vor. „Gestern hast du meinen Namen gesagt. Gestern hast du mit mir im Gras gelegen und und gelacht. Was ist wirklich passiert?", sie wurde blass, aber noch ehe sie antworten konnte, klopfte es. „Was?", fragte er ungeduldig.

Mr Black trat ein. „Ah, gut, du bist hier.", sagte er, aber er richtete es direkt an Lily. „Ist Marlene krank?", fragte er dann. Sie knickste tief und schüttelte mit gesenktem Blick ihren Kopf.

„N – nein, Sire.", flüsterte sie.

„Nun, warum hat man mir Marianna geschickt?", fragte er weiter. Sie räusperte sich.

„N – nun, es sch – scheint, Sire, a – als w – w – wä – re s – s – sie in Ungn – gnade g – g – gefa – ll – llen.", stammelte sie. Mr Black zog seine Augenbrauen herauf.

„Ja, ich habe gesehen, dass Mr Potter sie wohl bestraft hat.", erklärte er. „Schlimmer als sonst, James, du müsstest sie sehen.", aber ihr Herr ging gar nicht auf seinen besten Freund ein.

„Ist es das, Lily?", fragte er. „Du musst keine Angst vor ihm haben, 'ich' bin dein Herr!", erinnerte er sie nun.

„Was ist denn überhaupt passiert?", fragte Mr Black. „Weißt du, wieso Mr Potter Marianna bestraft hat?", fragte er sie. Darauf konnte Lily nur mit ihren Schultern zucken.

„Das war meine Schuld.", griff James ein. „Ich habe meinem Vater erzählt, dass sie sich mit hinter seinem Rücken angeboten hat, da wurde er wohl zornig auf sie.", darauf starrte Mr Black ihn an.

„'Was'?", fragte er entsetzt. „James, nichts, was sie getan hat, hätte gerechtfertigt, dass du sie mutwillig seiner Bestrafung aussetzt!", ermahnte er ihn.

„Entschuldige Mal, du bist doch genau so schlimm wie er! Marianna hat uns gestern weg reiten sehen und ist sofort zu meinem Vater gerannt, um uns zu verpetzen! Nur ihretwegen stecken wir jetzt in Schwierigkeiten!", maulte er unzufrieden zurück.

„Nein, ihr steckt in Schwierigkeiten, weil du dich in deine Dienerin verliebt hast!", erwiderte er.

„Sie ist aber nicht einfach nur eine Dienerin, Sirius, sie ist ein 'Mensch'! Das würdest du sehen, wenn wir nicht unsere Bestimmung vergessen hätten!", ärgerte er sich umso mehr. „Zum letzten Mal, Lily, du musst keine Angst vor meinem Vater haben. Er hat keinen Einfluss auf dich.", sagte er, dabei schlang er seine Arme wieder um sie.

Jetzt konnte sie sich nicht mehr zurück halten. Vermutlich stand Mr Blacks Meinung nach darauf die Todesstrafe, aber ihr entfuhr ein lautes, hallendes Schluchzen, woraufhin James seine Arme nur noch fester um sie schlang. „Sie ist so eine blöde Kuh!", brachte sie hervor. „Eine Sache, gemein zu mir zu sein, aber sie hat uns in ernsthafte Schwierigkeiten gebracht.", heulte sie. Er vergrub seine Hände in ihren Haaren und drückte sie fest an sich.

Als er bemerkte, dass sie Atemnot bekam (teils von ihrem Schluchzen, teils durch das enge Korsett), da löste er sich von ihr, griff nach dem Brotmesser auf dem Tablett und schlitzte das Kleid auf, dann löste er die Schleife des Korsetts und zog es auseinander. Sie hielt es fest, ehe das Kleid zu Boden fallen konnte und sie vor Mr Black entblößte. „Lily, ich schwöre dir, dass ich dich beschütze.", sagte er nun ganz eindringlich. „Sieh mich an!"

Sie gehorchte. Seine schönen Augen strahlten eine solche Wärme aus, dass sie unbemerkt aufhörte, zu weinen. „D – das geht nicht.", flüsterte sie nur, dann machte sie sich los. Er fuhr über sein Gesicht.

„Aber ich – ich dachte...", Sirius seufzte tief.

„Ich habe dir ja gesagt, dass das nicht auf Gegenseitigkeit beruht, James. Sie musste doch so tun.", sie schwieg, während James sie musterte.

„Nein.", entgegnete er. „Nein, sie hat das nicht gespielt. Die anderen haben etwas gesagt, nicht wahr?", hakte er nach. Da sie nicht lügen konnte, sah sie ihn nun auch nicht mehr an. „Siehst du?", tatsächlich hob Mr Black seine Augenbrauen an, da stöhnte Lily und wandte sich aus dem Griff ihres Herrn.

Sie erfüllte ihre Aufgaben sehr pingelig an diesem Montag, ging zum Fluss und wusch alle Kleider, die sie aus seinem Zimmer gesammelt hatte, als er zur Arbeit gegangen war, ging Louise in der Küche zur Hand, putzte seine Räumlichkeiten bis in die hinterste Ecke und bezog sein Bett neu.

Nachdem sie alle ihre Pflichten erfüllt hatte, durfte sie sich in Marlenes und ihr Zimmer zurück ziehen. Ihre Zimmergenossin lag auf ihrem Bett und starrte zur Decke. „Du hast uns alle in Schwierigkeiten gebracht.", flüsterte sie.

Betreten sah Lily zu Boden. „Das war nicht meine Absicht."

„Und es ist auch nicht deine Schuld. Ich habe dich trotzdem gerne. Aber nur widerwillig.", seufzte sie.

„Hat er dir sehr weh getan?", sie nickte. „Wie?"

„Er ist kein zärtlicher Mann.", erklärte sie schlicht. „Er rammt sich in dich, als wärst du ein Astloch.", einen Moment schwiegen sie beide, dann kicherte sie plötzlich. „Ein Astloch.", wiederholte sie. Sogar Lily stimmte in ihr Kichern mit ein, allerdings nur ein wenig zurückhaltend. „Wir haben euch alle gesehen. Marianna war die einzige, die euch verraten hat.", erklärte sie, nachdem sie sich wieder beruhigt hatte.

„Wieso?", fragte sie bedrückt zurück. „Was habe ich Marianna getan, dass sie mich so wenig ausstehen kann?"

„Marianna ist in Mr Potter Junior verknallt.", maulte Marlene. „Sie hat ihn gesehen und sich Hals über Kopf in ihn verliebt.", daraus konnte Lily ihr keinen Vorwurf machen. Ihr Herr war ein solch schöner Mann... „Und er will sie aber nicht, weil er 'dich' will.", ihre Wangen wurden rot.

„Denkst du?"

„Das muss ich nicht denken, das sehe ich. So wie man dir ansieht, dass du dich auch in ihn verguckt hast, aber das geht einfach nicht. Ihr könnt nicht zusammen sein, Lily. Er ist dein Herr und du bist seine Dienerin. Und Mr Potter Senior wird es auch gesehen haben und bereits eine Frau für seinen Sohn suchen.", legte sie aus.

Dieser Gedanke trieb ihr augenblicklich Tränen in die Augen.

Dass er eine andere Frau anfassen und ihr beiliegen würde, das – das war einfach zu viel für sie. „Du hast keine Ahnung, wie einfach du es mit Mr Black hast.", stöhnte sie. „Du kämst nie auf die Idee, dich in ihn zu verlieben, so wie er dich behandelt.", nun legte sie sich flach auf ihr Bett. „Das ist alles so ein Chaos!"

„Er...", begann Marlene verzagt.

„Was?", hakte sie nach.

„Er war gestern Abend anders.", erwähnte sie. „Er wollte mich nicht anfassen. ...ich schätze, es dauert nicht mehr lange, dann wird er unzufrieden werden und sich eine neue suchen. Dann bekomme ich eines dieser hässlichen, schwarzen Kleider, die mich verspotten sollen, weil mein Herr neben mir noch andere Dienerinnen hat, mit denen er mehr Spaß hat, als mit mir.", erklärte sie bitter.

„Nun, als er heute morgen bei meinem Herr war, da erkundigte er sich nach dir, weil man ihm Marianna geschickt hatte.", meinte sie.

„Erkundigt?", fragte Marlene zweifelnd nach.

„Uh – ja, er fragte, ob du krank seist.", ehe eine der beiden noch etwas sagen konnte, klopfte es an der Tür und sie wurde sofort geöffnet. Anna stand dort, ihr Gesicht war ganz pink.

„Eure Herren sind zum Mittagessen erschienen. Macht euch fertig, um ihnen auf zu warten.", wies sie die beiden an. Sie gehorchten artig, richteten ihre Kleider, schnürten die Korsetts ein wenig enger und kämmten sich noch einmal durch die Haare.

Im Esszimmer saßen tatsächlich nur die drei Herren. Zu ihrer Überraschung wartete Marianna Mr Potter Senior auf, sie war nun ganz blass und ihre Haare waren mittlerweile ganz verkrustet vor Blut. „James, ich habe gehört, dass deine Dienerin im Besitz eines Zauberstabs ist.", eröffnete Mr Potter Senior das Gespräch. Ihr Herr versteifte sich sofort, antwortete aber nicht. „Wurdest du davon in Kenntnis gesetzt?"

„Jawohl."

„Woher hat sie den Zauberstab?", fragte sein Vater streng.

„Ich habe ihr den Zauberstab geschenkt.", Marlene und Marianna wurden gleichermaßen rot, Lilys Gesicht fühlte sich ebenfalls ungewöhnlich heiß an. „Nach dem Zwischenfall mit Sirius wollte ich nicht das Risiko eingehen, dass sich ihre Magie ein zweites Mal unvorhergesehen entlädt, damit ich sie kein zweites Mal dafür bestrafen muss.", erklärte er dann.

„Wie hast du sie bestraft?", fragte sein Vater nun eisern.

„Das geht dich nichts an, Vater.", erwiderte ihr Herr nur. Sein Vater sah mehr als einfach nur unzufrieden aus und warf einen Blick auf Lily.

„Komm näher, Mädchen.", befahl er.

„Du hast-"

„Ich bin der Herr des Hauses und sie hat mir hörig zu sein, da sie unter meinem Dach lebt.", schnarrte er. Sein Sohn verstummte nun, da trat sie vor und knickste. „Wie hat er dich bestraft, Mädchen?", fragte er erbarmungslos.

Sie wurde rot und sah zu Boden. „Er schlug mich.", log sie.

„Und als ihr gestern fort wart, was habt ihr da gemacht?", fragte er.

„Lily, darauf darfst du ihm nicht antworten, ich verbiete es dir.", maulte er dazwischen. „Vater, was ich mit meiner Dienerin treibe geht dich nichts an!"

„Sprich, Dienerin!", befahl sein Vater ihr. Sie wurde rot.

„W – w – w – wi – wir s – si – si – si – nd -d z – z – zu – m-", stotterte sie völlig verunsichert, da runzelte der Mann vor ihr seine Stirn.

„Wieso stotterst du?", fragte er ungeduldig. „Hör auf damit!"

„Du machst ihr Angst, deshalb stottert sie so!", begehrte ihr Herr jetzt auf. „Lily, falle zurück in die Reihe und halt deine Klappe! Wage es dich nicht, dich mir zu widersetzen!", drohte ihr Herr ihr. Sofort stiegen ihr Tränen in die Augen und sie wurde rot, nickte aber, ehe sie wieder knickste und sich neben Marlene stellte.

„Was heißt 'Du machst ihr Angst'?", fragte sein Vater missbilligend. „James, deine Bemühungen um deine Dienerin gehen weit über das angebrachte Maß hinaus.", Mr Black errötete verlegen, danach wollte er nicht mehr von seinem Teller aufsehen.

„Ich bestimme das angebrachte Maß.", erwiderte Mr Potter Junior. James. Sie stöhnte leise. Das war alles so verwirrend.

„Marianna!", sie wimmerte leise, löste sich jedoch aus der Reihe und knickste tief vor ihrem Herrn. „Ich verschenke dich. Du hast keinerlei Wert mehr und langweilst mich.", ihr traten bei diesen harten Worten Tränen in die Augen, aber sie knickste wieder tief. „James, du sollst sie haben.", der schnaubte.

„Ich will sie erst recht nicht.", erwiderte er. „Ich vögele 'niemals' deine verbrauchten Reste."

„Sie ist ein Geschenk. Deine Dienerin soll von nun an ein schwarzes Kleid tragen.", schnappte sein Vater streng.

„Ich. Will. Sie. Nicht.", betonte er wieder. „Und du kannst mich nicht zwingen. Mit der ersten eigenen Dienerin hast du mein Vormund abgegeben, ich bestimme selber, wen ich als Dienerin haben möchte.", seine Stimme wurde nun lauter.

„Ich 'schenke' sie dir! Willst du dich deinem Vater etwa undankbar erweisen?", fragte der ältere Mann aufgebracht. Da straffte James seine Schultern.

„Ich nehme dein Geschenk nicht an.", sagte er hart. „Marianna bleibt 'deine' Dienerin, es sei denn, du willst sie Sirius schenken. Ich will sie nicht und ich will auch keine andere.", erklärte er resolut.

Sein Vater biss seine Zähne zusammen. Sie konnte sehen, wie es in seinem Kopf ratterte. „Ich habe immer noch das letzte Wort bei der Wahl deiner Braut.", sagte er schließlich. James verschränkte seine Arme.

„Nur, wenn ich dich lasse.", erwiderte er, dann stand er auf und drehte sich zu ihr um. „Räume das ab.", wies er sie an. Sie knickste wieder, da verließ er den Raum. Mr Black räusperte sich ebenfalls.

„Ich bin fertig, Marlene, du kannst abräumen.", erklärte er ruhig. Normalerweise stand er einfach auf, ohne sie eines Blickes zu würdigen. Marlene knickste vor ihm, dann räumte sie ab. „Nun, 'Vater', ich bin entschlossen, aus zu ziehen.", darauf nickte Mr Potter. „Ich danke dir und deiner Frau sehr für die Gastfreundschaft und hoffe, mich im Guten von euch trennen zu können.", wieder nickte er.

„Selbstverständlich, Sirius.", erwiderte er. „Du bist uns ans Herz gewachsen, wie ein zweiter Sohn.", darauf nickte Mr Black nur, während Lily sich nur fragte, ob der Mann überhaupt ein Herz hatte.

„Wenn du keine Verwendung mehr für Marianna hast, dann würde ich sie als eine Magd übernehmen.", fuhr er fort.

„Langweilt dich Marlene?", hakte Mr Potter nach.

„Keineswegs, sie stellt mich sehr zufrieden. Marianna wäre mehr eine Haushälterin. Ich habe eine hübsche Wohnung in London gefunden...", erzählte er. „Marlene wird meine einzige Dienerin bleiben.", die letzten Worte hatte Marlene gehört, sie war gerade aus der Küche gekommen. Sie blieb einen Moment stehen, dann jedoch knickste sie wieder tief und fuhr mit ihrer Arbeit fort.

„Nun, wenn du sie willst, dann sollst du Marianna haben.", erklärte Mr Potter, nun hörte man Missbilligung in seiner Stimme. Mr Black stand auf und nickte seinem Ziehvater zu.

„Ich danke dir sehr.", meinte er, ehe er den Raum ebenfalls verließ. Mr Potter betrachtete die drei Mädchen, während sie nun abräumen.

„Ich möchte dich gleich in meinem Arbeitszimmer sprechen.", sagte er barsch zu Lily. Sie wurde rot, aber da hatte er ihr schon den Rücken gekehrt und verschwand. Marlene starrte sie an.

„Geh nicht.", es war Marianna, die das sagte. „Geh nicht in sein Arbeitszimmer. Dein Herr wird sich auf deine Seite stellen!", sagte sie eindringlich.

„Ich werde nicht gehen.", erwiderte sie auch sofort. Marianna hielt ihrem Blick nicht stand. „Ich würde nicht gehen, wenn ich nicht wüsste, was mich erwartet.", sagte sie.

Sie räumte James' Platz nicht mehr ab, sondern drehte sich um und rannte so schnell es in diesem Kleid ging in den Westflügel, um ihn auf zu halten. Sie hatte wirklich gehofft, er würde dort auf sie warten, um sie in den Arm zu nehmen und zu trösten oder wenigstens, um ihr zu sagen, dass alles gut werden würde.

Aber Mr Potter Senior hatte gewusst, dass sie das tun würde. Und er wartete im Westflügel auf sie, hinter der Tür zu dem Schlafzimmer, die er ins Schloss warf und mit dem Zauberstab verriegelte, kaum war sie eingetreten.

„Wo wart ihr gestern, Dienstmädchen?", fragte er harsch. Angst überkam sie. Sie wusste, dass er sie bestrafen würde. Er würde sie nun züchtigen, so wie man es ihr die ganze Zeit voraus gesagt hatte. „Du und mein Sohn, wo seid ihr zwei gewesen?", seine Stimme war schneidend scharf und eisig kalt, er baute sich vor ihr auf.

„I – i – ich d – d – da – da – darf e – es n – n-", stotterte sie.

„Mädchen, wieso stotterst du so!", das war keine ernst gemeinte Frage, er wollte nur zum Ausdruck bringen, wie sehr sie ihn damit nervte. Wieder verstummte sie. „Du warst mit ihm zusammen.", darauf antwortete sie wieder nicht. „Ich werde deine Zunge lösen..."

Sie bemühte sich, es nicht durchscheinen zu lassen, aber sie war völlig verängstigt, als er ihr Kleid und das Korsett öffnete, indem er beides auf einmal mit einem Brieföffner von unten nach oben auf schnitt. Wieso er einen Brieföffner hatte, konnte sie sich nicht erklären, er war immerhin ein Zauberer. Und immerhin war das hier James' Zimmer, der hatte sicherlich keinen Brieföffner. Der Gedanke ging auch nur etwa eine Millisekunde durch ihren Kopf, dann nahm die Angst die Kontrolle wieder in Beschlag. In der nächsten Sekunde stieß er sie auf das Bett. Mr Potter war ein starker Mann, sie schätzte ihn auf etwa Mitte vierzig. Es war ja üblich, dass man mit einundzwanzig eine Dienerin bekam, um sich aus zu toben, danach heiratete man und bekam rasch Kinder, damit man die Ehefrau nicht mehr besteigen musste...

Er sah James unerträglich ähnlich.

Er brauchte keine Peitsche, um sie aus zu peitschen, wie sich nun heraus stellte, er benutzte seinen Zauberstab. Sie kannte den Spruch nicht, es war eine fremdartige Beschwörung, die nicht gerade melodisch klang.

Nun verstand sie, was er bedeutete, von ihm gezüchtigt zu werden. Jeder Hieb schmerzte neu, er wartete sogar zwischen den Schlägen, damit sie der erste Schlag nicht betäuben würde, um den anderen nicht mehr zu spüren. Nach dem fünften Schlag fragte er sie nach der Wahrheit.

Sie schwieg verbissen.

Da sie nicht sprach, quälte er sie mit fünf weiteren, dieses Mal härteren Schlägen, die es ihr unmöglich machen, die Tränen weiterhin zu stauen. Dabei war sie so stolz gewesen, nicht sofort geweint zu haben.

„Rede endlich!", verlangte er nach dem zehnten Schlag.

Wieder antwortete sie nicht. Es setzte fünf weitere Schläge.

„Ich kann dir 'mehr' weh tun, das weißt du, nicht wahr?", sie fühlte Schweiß – oder vielleicht auch eher Blut – über ihren Rücken laufen, das Stoff des Kleides sog sich mit der Flüssigkeit voll. „Ich schrecke nicht davor zurück, dir mehr weh zu tun.", auch darauf antwortete sie nicht. „Und danach wird er dich verstoßen."

„Wird er nicht."

„Doch. Er wird es als ungehorsam empfinden, dass du mit mir geschlafen hast."

„Er wird wissen, dass es nicht freiwillig war.", gab sie nun bissig zurück.

„Und woher wird er das wissen? Denkst du, seine 'Dienerin' steht über seinem Vater? Denkst du nicht eher, dass du dir etwas vormachst?"

Er würde ihr sowieso weh tun, ob sie nun noch mit ihm diskutierte oder nicht. Worauf sie hoffen konnte war allein James. Darauf, dass er wissen würde, dass sie nicht freiwillig mit seinem Vater geschlafen hatte, dass er sich ihr aufgezwungen hatte und dass sie ihm, James, voll und ganz ergeben war. „Nein."

„Wie war das?", hakte er nach.

Sie hörte seine Schritte, dann fühlte sie seine Hand in ihrem Nacken. Ein Reißverschluss wurde geöffnet. Er hob ihren Körper wie einen nassen Sack über die Couchlehne vor dem Kamin, ihr Gesicht drückte er ins Polster. Mr Potter Senior war 'kein' zärtlicher Mann, so wie Marlene es zögerlich umschrieben hatte. Es wäre noch untertrieben gewesen, zu sagen, dass er sich an ihr verging. Er brach sie.

„Sag mir die Wahrheit.", verlangte er wieder, dabei zog er an ihren Haaren. Ihr liefen nun stille Tränen über die Wange, aber sie schwieg. Sie schwieg verbissen und trotzig, sie hätte um nichts auf der Welt einen Mucks von sich gegeben. Jeder Stoß tat weh. Es war eine Qual, er quälte sie wirklich. Sie verstand jetzt, was Marianna und Marlene gemeint hatten! Ähnlich wie Sirius grunzte er, es machte hässliche Geräusche, wenn er stieß. Stöhnend zog er sich aus ihr, drehte sie auf den Rücken und fing wieder von vorne an. Die Wunden auf ihrem Rücken schmerzten so sehr, alles brannte, ihr ganzer Körper!

Er spritzte auf ihren Bauch und in ihr Gesicht, dann ließ er sie so liegen, wie sie war, mit halb gerafften Röcken, das Oberteil von oben bis zur Taille gezogen. Sie blutete nun auf das Polster, der Stoff rieb bei der kleinsten Bewegung, zum Beispiel einem Atemzug, an ihren Wunden. „Du hättest dir das ersparen können.", warf er ihr vor, während er sich wieder an zog. Sein Atem ging ganz schwer und er stöhnte befriedigt. Sie hatte ihm wohl gerade mächtig Freude bereitet, als sie sich gegen sein Verhör gewehrt und ihm einen Grund gegeben hatte, das zu tun. Sie wagte sich nicht, sich zu bewegen, denn er hatte immer noch seinen Zauberstab... „Sag mir jetzt die Wahrheit."

„Ich würde Euch die Wahrheit nicht sagen und wenn Ihr das tausend Mal machen würdet!", schnarrte sie mit ihrer letzten Kraft. Sie würde all ihre Biestigkeit zusammen kratzen und ihn wissen lassen was für eine verabscheuenswerte Kreatur er war.

„Das werde ich tun, wenn du mir nicht die Wahrheit sagst. Wo seid ihr gestern gewesen und was habt ihr gemacht?", fragte er zornig.

„Das geht Euch nichts an.", widersprach sie. Er stöhnte wieder, während er sich einen Whisky einschenkte. „Er wird Euch den Rücken kehren, wenn er erfährt, was Ihr getan habt.", sagte sie dazu.

„Wohl kaum. Du bist eine Dienerin, ich bin sein Vater. Er ist ein 'Niemand' ohne mich!", erwiderte er kalt.

„Das wird nicht überwiegen.", flüsterte sie, aber dabei rannen nun wieder Tränen über ihre Wangen. Sie hoffte das zwar, glaubte aber nicht daran. Urplötzlich war sie sich sicher, dass er sie verstoßen würde, so wie sein Vater es gerade eben gesagt hatte. Sie schluchzte jetzt auf, da schnalzte Mr Potter mit seiner Zunge.

Lily war froh, als sie von einer Ohnmacht überwältigt wurde...

Als sie wieder wach wurde, da wurde es schon dunkel im Zimmer. Sie war immer noch feucht von Mr Potter Seniors Körperflüssigkeiten und ihr Rücken war ganz nass, demnach blutete sie wohl auch noch. Er hatte sie einfach so liegen lassen. Es war kurz vor sechs. Ihr Herr würde bald von der Arbeit zurück kommen und sie so finden. Das machte ihr Beine.

Zwar schmerzte sie jede Bewegung, trotzdem schleppte sie sich mit bleischweren Beinen unter die Dusche. Ein kleines Rinnsal Blut lief an der Innenseite ihrer Oberschenkel herab. Als sie das Kleid achtlos auf den Boden fallen ließ und das Wasser anstellte, stand sie noch, aber als sie danach das nächste Mal eine bewusste Bewegung machte (sie wollte ihre Hände vor ihren Mund schlagen, um das laute Schluchzen zu dämpfen, damit es nicht mehr in dem kleinen Badezimmer hallte), da kauerte sie bereits jämmerlich auf dem nassen Boden der Dusche.

Stöhnend lehnte sie sich ein kleines bisschen zurück. Urplötzlich kehrte ein Gedicht in ihr Gedächtnis zurück, sie hatte es einmal in Frankreich gelesen. Ihr Deutsch war nicht unbedingt gut, aber sie hatte es mit ein bisschen Übung ein Mal übersetzt. 'Du bist mein Wunsch und mein Gedanke'. Er 'war' ihr Wunsch und ihr Gedanke.

Sie hatte sich in ihn verliebt. Es war unfassbar, wie sehr sie ihn doch vor anderthalb Woche verabscheut hatte und nun... Nun nach zehn Tagen, Himmel, sie hatte sich in ihn verknallt. Sie hatten so viel Zeit miteinander verbracht und sie hatte sich einfach in ihn verknallt. Das war – das war doch 'schrecklich', oder? Wie war das nur passiert?

Die Schmerzen waren kaum aus zu halten. 'Du bist mein Wunsch und mein Gedanke', kam es wieder. Er würde sie verstoßen. Er würde – er würde hören, dass sie mit seinem Vater geschlafen hatte und sie verstoßen. Er vögelte nie die Reste seines Vaters, deshalb hatte er Marianna abgelehnt. Und er würde sie ebenfalls ablehnen.

„Lass mich in Ruhe, Vater!", ertönte es von draußen. „Ich habe genug von diesen gesellschaftlichen Zwängen und du wirst sie nicht anrühren!", fügte er hinzu.

„Ich bin dein Vater und du wirst tun, was ich dir sage.", sie stellte die Dusche rasch aus.

„Ich bin erwachsen, ich tue, was auch immer ich will!", maulte ihr Herr.

„Du wirst sie heiraten!", schrie sein Vater jetzt. „Du wirst sie heiraten, hast du verstanden, sonst wird-"

„Ich werde 'niemanden' heiraten, Vater.", brüllte er zurück.

„Sie ist deine Dienerin, du wirst sie verkaufen!"

„Ich 'liebe' sie!", darauf herrschte Stille. Im nächsten Moment knallte eine Tür. Ein riesiger Kloß entstand in ihrem Hals. Er würde sie verstoßen, sobald er erfuhr, dass sie – sie 'schmutzig' war. Sie fuhr stöhnend über ihr Gesicht. Es war vorbei. Sie konnte nicht zurück, sie konnte nicht mehr vorwärts. Sie konnte nur noch darauf warten, dass er sie verstoßen würde.