Nun, ursprünglich sollte nun nur noch ein Kapitel kommen. Allerdings habe ich beschlossen, das letzte Kapitel in zwei aufzuteilen. Grund: ich schreibe schon seit Monaten daran und komme nicht wirklich voran, will aber die paar, die das hier lesen, wenigstens nicht noch länger warten lassen. Auch wenn mir bewusst ist, dass das Ende von Kapitel 5 etwas plötzlich kommt und durchaus als Cliffhanger durchgeht. Verzeiht!
„Wow...", flüsterte Nami beeindruckt. Mit großen Augen schaute sie über die Stadt und das Meer. Hinter ihr rauschten wie große Wasserfälle die Fontänen der gewaltigen Brunnenkonstruktion, welche Water Seven krönte. Trotz allem war es nicht laut – die Fontänen waren trotz ihrer Größe immer noch weit genug vom Rand des Wasserbeckens entfernt, an welchem sie und Pauly standen.
Zu ihren Füßen lag die Wasserstadt. Die vielen Lichter der Häuser sahen von hier wie hunderte kleine Glühwürmchen aus. Drumherum erstreckte sich schwarz das Meer, in welchem sich die Scheibe des Vollmondes spiegelte. Und wenn Nami sich umdrehte und den Blick hob, dann konnte sie sehen, wie sich das Glitzern der Sterne mit dem Glitzern der Wasserfontänen vermischte.
„Ekki kam hier immer her", sagte Pauly und vergrub die Hände in den Jackentaschen. Nami biss sich kurz auf die Unterlippe. Ihr Blick wanderte von dem atemraubenden Ausblick zu dem Schiffszimmermann, der neben ihr stand und auf's Meer hinaus schaute. „Irgendwann hat er mir die Stelle hier mal gezeigt. Ich meinte, dass es sicher verboten sei, hier rauf zu kommen aber ihm war das egal. Er sagte nur, dass die Aussicht es definitiv wert wäre, Ärger zu bekommen. Wir haben uns von da an öfter mal nach der Arbeit auf ein Bier hier getroffen." Er schluckte schwer und auf sein Gesicht trat eine Mischung aus Wut, Enttäuschung und Trauer. „Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass er..." Seine Worte wurden unterbrochen, als Nami ihre Hand sacht auf seinen Arm legte. „Pauly... vergiss ihn und die CP9. Zorro hat ihm deine Worte ausgerichtet und weißt du, was er mir erzählt hat? Etwas in Ekki zerbrach dann sichtlich. Ich... denke, ihm wurde mit einem Mal bewusst, was er verloren hatte. Wen er verloren hatte." Ihr Blick wurde mit einem Mal hart. „Er hat deine Freundschaft nicht verdient. Und er hat es auch nicht verdient, dass du ihm nachtrauerst.", sagte sie mit fester Stimme. Pauly sah sie an und lächelte schwach. „Weißt du was?", sagte sie aufgeräumt und begann plötzlich, sich ihr Top über den Kopf zu ziehen und den Gürtel ihres Rocks zu öffnen. Paulys Lächeln wich einem irritiert-panischem Blick, aber Nami trug einen Bikini unter ihre Kleidung. Er wollte die Augen von ihr abwenden, aber es gelang ihm nur schlecht. Unbeirrt fuhr Nami fort. „Das hier ist jetzt nicht mehr der Ort, an dem du mit Ekki Bier getrunken hast, das ist von jetzt an der Ort, an dem du mit mir baden warst." Und mit diesen Worten sprang sie vom Rand in das Wasserbecken, in welches sich die größten Fontänen Water Sevens ergossen.
Viele Gedanken schossen Pauly in diesem Augenblick durch den Kopf. Aber am Ende dominierte nur einer: seine Bewunderung für Nami. Ihr Mut. Ihre Spontanität. Ihre Ehrlichkeit. Und die Leichtigkeit, mit der sie ihm aus der Tristesse half, die ihn seit dem Verrat seiner alten „Freunde" befallen hatte. Namis Kopf tauchte mit einem breiten Lächeln an der Wasseroberfläche auf. Ihre Wangen waren leicht gerötet, sehr warm konnte das Wasser nicht sein. „Jetzt zier dich nicht, das soll doch der Ort werden, an dem du mit mir baden warst und nicht der Ort, an dem ich alleine im Wasser rum hing!", rief sie ihm herausfordernd zu.
In der Tat zögerte Pauly kurz, aber dann gab er sich einen Ruck. Er zog seine Jacke aus (es gab keinen Grund, nasse Zigarren zu riskieren!), welche schwer auf den Boden fiel. Eigentlich war Nami eine nervige Persönlichkeit. Sie war gierig, geizig, herrisch und verdammt schamlos. Und doch bewunderte Pauly sie. Nami würde ihre Freunde nicht verraten – das würde sie niemals. Sie hatte nicht einen Augenblick gezögert, ihr Leben für Robin zu riskieren. Und er hatte das unbestimmte Gefühl, sie würde das selbe auch für ihn tun. Pauly zog sein Shirt über den Kopf und warf die Brille und die Stiefel auch auf den Kleiderhaufen. Er bewunderte Nami, mehr noch, und es machte ihm auf eine seltsame Weise Angst. Aber jetzt, hier und heute Nacht, wollte er seine Bedenken über Bord werfen.
Als Pauly ihr endlich ins Wasser folgte, kam Nami nicht umhin, kurz seinen Körperbau zu bewundern. Verdammt, dieser Kerl war wirklich gut gebaut... was hatte Robin gesagt? Was immer sie beschäftigte, sich musste sich darum kümmern. Es war nicht der Alkohol, der sie und Pauly in der Nacht zusammen geführt hatte. Nami war sich dessen jetzt bewusst. Der Alkohol hatte zwar Barrieren eingerissen, die sie beide als Mauern des Selbstschutzes um sich aufgebaut hatten, weil weder er noch sie jemanden zu nah an sich heran lassen wollten. Nami, weil sie wusste, dass sie ihr Leben ihren Freunden und der rauen See versprochen hatte. Und Pauly, weil er sein Vertrauen in Freundschaft verloren hatte. Aber es war nicht der Alkohol, der sie zusammengeführt hatte. Etwas anderes war dafür verantwortlich, ein Gefühl, welches Nami bekannt war, welches sie aber nicht erwartet hatte zu finden. Nicht hier in Water Seven.
Frech blickte sie Pauly an. „Was fällt dir ein, dich so wenig bekleidet in der Nähe anständiger, junger Damen zu zeigen, du schamloser Kerl?", rief sie ihm zu, wobei sie seinen Tonfall nachäffte. Pauly starrte sie überrumpelt an, woraufhin Nami kicherte. Ganz egal, was er für sie war – sie würde niemals müde darin werden, ihn in irgendeiner Art und Weise aufzuziehen. „Ey!", protestierte Pauly daraufhin nur. „D-das ist nicht witzig...!" Namis Kichern verwandelte sich in ein fröhliches Auflachen. „Oh doch das ist es...", summte sie und ließ sich auf dem Rücken liegend auf dem Wasser treiben, um den Blick in den Sternenhimmel zu richten. „Warum stört es dich eigentlich so sehr, wenn Frauen kurze Röcke tragen, hm?" Pauly schwamm ihr nach und tat es ihr dann gleich, um ebenfalls die Sterne sehen zu können. „Ist das nicht offensichtlich? Ihr lenkt damit alle Männer von der Arbeit ab und glaub mir, ich habe schon gesehen, wie sich ein Schiffshandwerker den Hammer auf den Daumen geschlagen hat, nur weil er auf Kalifas entblößte Beine gestarrt hat!" Nami rollte mit den Augen. Dann war er also wirklich prüde. „Und außerdem...", fuhr er weniger trotzig fort, „... wurde ich so erzogen, Frauen respektvoll gegenüber zu sein und sie nicht... als Dinge anzusehen, die hübsch sind und die man anstarren kann. Aber es ist schwer, anständig zu denken, wenn jemand wie du seinen Körper so... freizügig zeigt." Nami unterbrach ihr Rückenschwimmen und schaute Pauly überrascht an. Es war relativ dunkel, aber sie konnte trotzdem schwören, dass er hochrot angelaufen war.
