Kapitel 5 - Freunde mit Vorteilen

Ich fühle mich jetzt mal gezwungen, hier ein zu greifen und meine Version zum Besten zu geben, bevor sie wieder anfängt zu zetern. Mittlerweile werden wohl alle begriffen haben, dass ich mich Hals über Kopf vor Jahren in das begriffsstutzige Aschenputtel verliebt hatte.

Ich hatte keine Hintergedanken, als ich gesagt hatte, dass ich rein platonisch daran interessiert war, ihr Freund zu sein - ich wollte ihr Freund sein! Sie war so lange ein Teil meines Lebens gewesen und ich wollte, dass wir uns endlich besser verstanden, ich wollte, dass es ihr gut ging. Ich wollte einfach nur ihr blöder, dusseliger Freund sein! Es war vollkommen okay, wenn wir nicht knutschten und nichts miteinander schliefen und wenn sie mich nicht liebte.

Aber wir hatten geknutscht.

Und - oh Merlin - wir hatten miteinander geschlafen.

Der Morgen dämmerte, als ich meine Augen aufschlug. Sie hatte mir den Rücken zu gedreht und ihn etwas näher gegen mich gepresst, davon war ich wach geworden. Sofort breitete sich ein irres Grinsen über meinem Gesicht aus, mir wurde Schwindelig vor Zuneigung und Aufregung. Wie war das nur passiert? Vorsichtig löste ich mich von meinem kleinen Aschenputtel und legte die Decke, die ich gestern Abend über uns gezogen hatte, etwas enger um sich, bevor ich mich rasch an zog.

Es war viertel nach fünf. Leichte Nebelschwaden zogen sich über den Rasen, als ich auf das Haus zu stürmte, aber der Tag würde schön werden. Normalerweise ging ich um diese Uhrzeit joggen und es sah immer so aus. Ich machte mir gar nicht erst die Mühe, das Zittern meiner Finger zu verstecken, mein Herz klopfte wie wild, alles drehte sich.

Himmel, Lily Evans hatte mit mir geschlafen.

Ich hatte im letzten halben Jahr mit - uh - drei verschiedenen Mädchen geschlafen, ohne Lily, aber so etwas war mir noch nie passiert. Eliza hatte vorher schon Sex gehabt, sie hatte ganz genau gewusst, was sie wollte. Vanessa und ich hatten nur ein bisschen expirimentiert und Caroline - tja, Caroline hätte wohl alles getan, damit ich bei ihr blieb. Aber Lily... Wow, sie war einfach perfekt. Wie sie mich angesehen hatte, bevor ich es getan hatte, ihre sanften Küsse, die mir schon seit zwei Wochen nachts den Schlaf raubten, die Art, wie sie durch meine Haare streichelte.

Mein Herzschlag setzte eine Sekunde aus, als mir in den Sinn kam, wie es sich angefühlt hatte, als ich erkannte, dass ich ihr erster Mann gewesen war. Ich schnaubte vor lachen und beschleunigte meine Schritte sogar noch. Wie immer sass Sirius in seinen Quidditch-Hosen und einem Shirt an der Theke in der Küche und grinste, als er mich sah, sein Grinsen verging ihm aber sofort.

"Hey - Krone, du hast dich noch nicht umgezogen?", fragte er überrascht und musterte meinen schlampig gekleideten Anzug. "Du hast doch nicht etwa in den Sachen geschlafen oder? Oh - Caroline hat.-"

"Du redest zu viel.", sagte ich nur und mein blödes Grinsen war wieder da. Sirius zog seine Augenbrauen herauf. Ich hatte es auch gehört, meine Stimme zitterte wie verrückt, ich brachte kaum einen geraden Ton heraus. Ich war so ein Volltrottel wenn es um Lily Evans ging.

"Mann, Mann, Mann, was ist mir dir los?"; fragte er.

"Oh - Puzzle, kann ich eine Kanne Kaffee und zwei Tassen haben?", fragte ich rasch. Puzzle, mein Lieblingshauself nickte rasch und ich drehte mich zu Sirius um. "Ich gehe heute nicht joggen."; erklärte ich nur völlig verklärt.

"Was ist mit dir los?", hakte er wieder nach und zog seine Augenbrauen zusammen. "Wo warst du letzte Nacht?"

"Ich war mit Lily im Baumhaus.", stolperte es sofort aus meinem Mund. Ich hatte schon gefürchtet, er würde niemals fragen. Er zog seine Augenbrauen jetzt fragend hoch. "Merlin. Ich - uh - Merlin.", stöhnte ich breit grinsend und fuhr über mein Gesicht.

"James?", hakte Sirius wieder nach.

"Ich habe mit ihr geschlafen."; flüsterte ich fassungslos. "Sirius, du ahnst nicht, wie perfekt es war! Du hast keine Ahnung. Sie ist - und ich war einfach...", stotterte ich. Er starrte mich nur an. "So etwas ist mir noch nie passiert.", eröffnete ich ihm sofort meinen tiefsten Gedanken.

"Du musst es ihr sagen, du Hornochse!", maulte er jetzt. "So etwas endet immer böse! Kannst du dir jetzt endlich eingestehen, dass du in das Evans-Mädchen verliebt bist?", fragte er ungehalten.

"Ich liebe sie.", brach es nur aus mir heraus und er zuckte zurück. "Ich liebe sie, Sirius, es gibt kein Zurück mehr.", er stöhnte und fuhr über sein Gesicht.

"Sag ihr das."; verlangte er. In diesem Moment tauchte Puzzle auf, mit einem Tablett mit zwei Tassen, einer Thermoskanne Kaffee und einem Teller Waffeln. Ich strahlte meinen Lieblingshauself (den ICH damals hatte benennen dürfen) begeistert an.

"Danke, Puzzle.", er verbeugte sich tausend Mal, obwohl ich schon fünfhundertmal mindestens gesagt hatte, dass er das lassen soll. Sirius schüttelte seinen Kopf über mich, als ich wieder vor lauter lachen schnaubte. "Ich muss gehen, bevor sie aufwacht und denkt, ich hätte sie wie ein benutztes Taschentuch liegen lassen.", sagte ich rasch und zückte meinen Zauberstab, um das Tablett zu verzaubern.

"James - hey, James, warte!", sagte Sirius rasch und ich drehte mich wieder zu ihm herum. "Versaue es nicht, bitte. Sag ihr einfach, was du fühlst, alles wird gut, Mann, aber sei einfach endlich ehrlich zu ihr!", sagte er drängend. Ich verdrehte meine Augen.

"Sie wird es schon längst wissen."; sagte ich nur mit völlig ausser Kontrolle geratenen, zitternden Finger und fuhr durch meine Haare. Sirius zog seine Augenbrauen herauf, sagte aber netterweise nichts dazu, dass mir Tränen in die Augen stiegen. "Ich hatte keine Ahnung, was Liebe bedeutet.", flüsterte ich dann. Er nickte vage und ich liess ihn sitzen.

Zum Glück schlief Lily noch, als ich vollkommen liebestrunken zurück ins Baumhaus stolperte. Leise stellte ich das Tablett vor ihr ab und entkleidete mich ganz rasch wieder, ehe ich (dieses Mal nur fast nackt) wieder neben ihren wunderschönen, vollkommenen, perfekten, anbetungswürdigen - uh... Ich legte mich wieder neben sie und schlang meine Arme von hinten um ihren nackten Körper.

Sie roch einfach zum anbeissen. Mir kamen tausend Gedanken über Dinge, die ich mit ihr anstellen wollte, was ich mit ihr machen wollte, was ich ihr sagen konnte, wenn sie nur etwas ähnliches empfand wie ich. Nicht, dass irgendjemand hätte empfinden können, was ich empfand. Mein Herz konnte kaum noch in meinem Brustkorb enthalten sein, so sehr schwoll es vor Glück an. Ihr entwischte ein leichtes, leises Seufzen, sie klang eindeutig zufrieden und glücklich, da drängte ich mich etwas näher an sie heran und begann, ihren Hals zu küssen. Sie schmeckte auch fantastisch.

"Lily?", flötete ich leise in ihr Ohr. "Willst du Kaffee?", sie lächelte ein bisschen.

"Mhh.", machte sie gedehnt. "Kaffee." Ich grinste etwas breiter. Sie war so süss, wenn sie verschlafen war, das hatte ich ja schon vorher fest gestellt. Sie war sowieso immer süss. Ich löste mich leicht von ihr und schenkte ihr Kaffee ein. Sie schlug ihre Augen auf und musterte mich verschlafen. Ich reichte ihr die Tasse und fiel neben sie zurück, da kuschelte sie sich sofort wieder in meine Arme. "Wie spät ist es?"; fragte sie, nachdem sie gierig zwei Schlucke genommen hatte.

"Uh - wir haben viertel vor sechs. Die Sonne wird bald aufgehen.", flüsterte ich zärtlich in ihr Ohr. Sie kicherte.

"James, das kitzelt.", murmelte sie und lehnte ihren Kopf gegen meine Schulter.

"Ist alles okay?"; fragte ich sie nun.

"Sicher.", meinte sie nur. "Wir haben doch gestern darüber gesprochen, James.", ich merkte, wie mein verklärtes Gesicht etwas zusammen fiel. "Wir sind Freunde. Es funktionierte nicht ohne Sex - also haben wir Sex hinzu gefügt."; ich musste mich räuspern. Was sie da gerade gesagt hatte, war wie ein Schlag in die Magengrube gewesen. Nein, schlimmer, ich hätte mich sofort von ihr in die Magengrube schlagen lassen, wenn sie dafür zurück genommen hätte, was sie gerade von sich gegeben hatte.

"Uh-"

"Oder? Das - das müsste doch jetzt besser funktionieren. Ich meine, wir haben uns jetzt zwei Wochen abgerackert, Freunde zu sein und - na ja, jetzt müsste es einfacher sein, oder?", mir entwich ein Stöhnen, aber ich nahm die Kaffeetasse an, die sie mir anbot. Ich hätte alles angenommen, was sie mir reichte, aber ich war enttäuscht, dass sie kein Gift zur Hand hatte.

Na ja, ihre Worte waren genug Gift gewesen. Meine Hände zitterten jetzt nicht mehr, ich fühlte mich ganz benommen und taub. "Wahrscheinlich."; flüsterte ich tonlos.

"Also.", ihre Stimme überschlug sich fast, aber das merkte ich kaum. Sie drückte ihr Kinn kurz gegen meine Schulter und sah mich mit ihren wunderschönen Augen fragend an. Ich räusperte mich wieder und lächelte etwas schwach.

"Du hast ja Recht, ich meinte auch nur, ob das gut für dich war, gestern.", log ich nun schweren Herzens. Ich wusste schon kaum noch, wie es vor gut zwei Minuten noch vor Freude gesprungen und fast zersplittert war. Sie wurde ein bisschen rot.

"Nun, ich habe nicht unbedingt den Vergleichswert. Ich habe noch nie mit jemandem geschlafen."; erwiderte sie.

"Ich weiss.", gab ich zurück.

"Woher?", fragte sie überrascht. Anscheinend hatte sie all unsere Unterhaltungen über Sex vergessen. Ich hätte sagen sollen, dass wir darüber gesprochen hatten, aber - uh - mir ging es in diesem Moment wirklich nicht gut genug um grossartig zu denken.

"Du hast geblutet.", rutschte es mir stattdessen heraus und sie starrte mich einen Moment entsetzt an, dann wurde sie knallrot und löste sich peinlich verlegen und bestürzt von mir. Ich stöhnte wieder und schlug mir in Gedanken vor die Stirn, als ich bemerkte, was ich da dummes gesagt hatte. "Oh - ich... Lily, das ist nicht so schlimm!", versuchte ich sofort, es zu retten.

"Oh Gott.", flüsterte sie nur und versuchte, unter der Decke nach ihrem Höschen zu fischen. Ich stöhnte und griff nach ihrem Handgelenk. "Ich-"

"Nein, Lily, das ist nicht so schlimm, das ist normal.", sagte ich und küsste sie rasch. "Es ist egal, denk nicht dran. Es tut mir Leid, dass ich das gesagt habe, ich bin so blöd manchmal!", maulte ich hinterher und schüttelte meinen Kopf über mich selber. Sie war immer noch reichlich lila im Gesicht. "Hey - es tut mir Leid, das war wirklich blöd von mir."; entschuldigte ich mich wieder und küsste sie dann erneut.

Etwas unsicher, liess sie zu, dass ich mich wieder zurück lehnte und sie in meine Arme zog. Ehe sie etwas sagen konnte (worauf ich sicherlich wieder etwas vollkommen blödes geantwortet hätte weil ich total durch den Wind war) drückte ich meine Lippen wieder auf ihre. Sie reagierte nicht sofort, liess es aber zu. Der Kuss schmeckte nach Kaffee und ich fand, das war gut so. Bitter.

Wir schliefen wieder miteinander. Sie war so perfekt und so wunderschön, dass ich mich kaum gegen sie wehren konnte, aber mir stiegen Tränen in die Augen, als sie plötzlich stöhnte und eng wurde. Mein ganzer Körper zitterte, aber sie war so ausser sich, dass sie das wahrscheinlich gar nicht bemerkte. Ich vergrub mein Gesicht rasch im Kissen und versuchte, wieder Herr meiner selbst zu werden, bis sie sich von mir löste und neuen Kaffee einschenkte.

"Alles okay?"; fragte sie ganz lieb und reichte mir die Tasse. Ich nickte nur, aber als sie mir direkt ins Gesicht sah, konnte ich kaum anders und musste plötzlich lächeln.

"Jaah."; machte ich gedehnt, da strahlte sie mich an und küsste mich. "Was machst du heute?", fragte ich sie beiläufig. Sie zuckte mit ihren Schultern.

"Ich werde die Ställe ausmisten, euer Majestät.", ärgerte sie mich ein bisschen.

"Wollen wir heute Abend ausreiten?"; fragte ich sie langsam. Sie küsste meine Schulter leicht, antwortete aber nicht. Eine Weile schwiegen wir, dann seufzte ich tief. "Willst du nicht, kleines Aschenputtel?", fragte ich sie zärtlich. Sie nahm einen Schluck Kaffee und gab mir die Tasse wieder, dann strahlte sie, drückte mit einen Kuss auf die Lippen und nickte.

"Doch, lass uns das machen.", stimmte sie zu. "Gegen sechs bei den Ställen?", fragte sie, während sie sich an zog. Ich betrachtete ihren schönen Körper nachdenklich. Es war ein bisschen lustig, dass sie sich schämte, nachdem ich zwei Mal mit ihr geschlafen hatte, dass ich sie nackt vor mir stand. "Was?", fragte sie und wurde etwas röter um ihre Nase. Ich grinste ein bisschen, mein gebrochenes Herz ignorierend.

"Ich schaue dich nur an. Das sollte ich dürfen, eben hast du noch stöhnend unter mir gelegen."; meinte ich und versuchte es einfach klingen zu lassen. Merlin, das Evans-Mädchen hatte mir gerade weh getan. Sie legte ihren Kopf ein bisschen schief, während sie das Kleid hoch zog.

"Du bist manchmal blöd.", grinste sie ein bisschen. "Bringst du mich?", fragte sie dann. Ich stöhnte und richtete mich auf. Sie sah weg, obwohl ich nicht einmal nackt war, da seufzte ich tief und zog mich etwas schneller an.

"Nein, ich denke, ich gehe sofort nach Hause."; sagte ich etwas enttäuscht. Sie zog ihre Augenbrauen herauf, sagte aber nichts, weil sie gerade eine Waffel eingerollt und sich in den Mund gestopft hatte. "Ist das okay?", hakte ich nach, ein bisschen hoffnungsvoll, Aber sie sah gleichgültig aus und nickte.

"Sicher.", sagte sie kauend. "Mh, die sind lecker.", murmelte sie dann abgelenkt.

Wir kletterten gemeinsam die Strickleiter herunter und liefen schweigend den Weg, den wir gemeinsam gehen konnten, dann klopfte sie plötzlich gegen meine Schulter. "Also, bis später.", meinte sie locker. Ich griff an ihr Handgelenk und zog sie zu mir, um ihr einen Abschiedskuss zu geben. Irgendwie ritt es mich. Ich konnte kaum glauben, was ich da tat. Ich hätte sie nicht küssen sollen, weil sie mir gerade mein Herz gebrochen hatte, aber sie hatte mich gerade zum Abschied auf die Schulter geklopft und das war inakzeptabel, nach allem, was gerade passiert war!

Natürlich hatte sie Recht, wir hatten gestern doch darüber gesprochen und sie hatte einen ganz einfachen Schluss gezogen. Stöhnend machte ich mich von ihr los. Sie sah mich mit einem vollkommen ungläubigen Blick an, aber ich zuckte nur mit meinen Schultern.

"Jawohl, bis später, kleines Aschenputtel.", sagte ich und liess sie einfach stehen. Das passierte wohl, wenn man einer Blume seine tiefsten und geheimsten Wünsche anvertraute. Ich Idiot. Meine Laune hätte sicherlich besser sein können, als ich auf der Terrasse ankam, wo leider meine Eltern und Sirius sassen und gemütlich frühstückten.

"Oh, Sohn, wo bist du nur verschollen gewesen?", fragte Dad sofort. Ich liess mich stöhnend auf meinen Platz fallen.

"Ist doch egal.", sagte ich. Mum wollte mir Kaffee einschenken, aber ich schüttelte nur meinen Kopf. "Nein, ich will nichts."

"Hast du mit Lily geredet?"; fragte Sirius mich von der Seite.

"Ich habe mit Lily geredet."; schnarrte ich.

"Lief wohl nicht so gut, wie er gehofft hatte.", bemerkte Dad trocken und ich warf ihm einen mörderischen Blick zu, sodass er rot wurde und verstummte. Das dauerte bei meinem Dad meistens eine Weile, aber jetzt hatte er sofort begriffen, dass es an der Zeit war, zu schweigen.

"Was ist passiert?"; fragte Sirius jetzt.

"Ist doch egal.", erwiderte ich jetzt noch wütender.

"Anscheinend nicht, sonst würdest du nicht so reagieren.", maulte er zurück. Ich verschränkte meine Arme.

"Sirius, lass das Thema einfach fallen!", warnte ich ihn.

"Du hast es nicht gesagt, richtig? Du hast es ihr nicht gesagt, obwohl ich deutlich gesagt habe, dass es inakzeptabel ist, wenn du es ihr weiterhin verschweigst!", er war deutlich verärgert, aber dafür hatte ich keinen Nerv.

"Halt deine vorlaute Klappe.", verlangte ich. Er verdrehte seine Augen.

"Du musst es ihr sagen, habe ich gesagt und das war kein Scherz! Ich habe gesagt, alles wird gut werden, wenn du es ihr nur sagst. Du hast es ihr also nicht gesagt, was ist passiert?", Mum und Dad wechselten einen recht besorgten Blick.

"Du sollst deine Klappe halten!", fauchte ich jetzt. "Lass das Thema fallen!"

"Wenn du dich weigerst, es ihr zu sagen, dann werde ich es ihr sagen, James, du kannst so ein Idiot sein!", sagte Sirius völlig ausser sich vor Wut. Leider hatte er für seinen kleinen Aufstand eindeutig den falschen Moment gewählt, denn mein Geduldsfaden, der heute sehr, sehr, sehr kurz gespannt worden war, ging nun lichterloh in Flammen auf. Ich schlug mit meiner Faust auf den Tisch, sodass Dads Tasse um fiel, Sirius' Gabel klirrte und fiel zu Boden, meine Eltern und Sirius starrten mich erschrocken an.

"Halt deine Klappe, Sirius, das geht dich nichts an!", brüllte ich meinen besten Freund an, der sofort blass-rot gefleckt wurde. "Du wirst ihr gar nichts sagen, hast du verstanden, nur ein Mal in deinem Leben, halt dich aus meinem Kram raus!", ich sprang wieder auf und mein Stuhl kippte um. "Lasst mich einfach in Ruhe!", fügte ich hinzu und stürmte die Treppe hinauf.

Sirius hat mir später erzählt, dass meine Eltern ihn gebeten hatten, mit mir zu sprechen, aber nachdem sowohl Lily als auch ich ihm das Thema verboten hatten, erklärte er ihnen nur, dass er jetzt lieber ein bisschen Spass haben wollte, während wir uns miteinander ärgerten, anstelle davon, sich weiter von uns anschreien zu lassen.

Und wir hatten es verdient, wir waren nicht nett zu Sirius gewesen.

Nachdem wir ausgeritten waren, lagen wir nun schwer atmend im Stroh, das unter dem Dach im Stall gelagert wurde. Ihr schöner Körper presste noch immer gegen meinen, sie war ganz heiss und ein bisschen verschwitzt. Meine Hand streichelte über ihren Oberschenkel, sie lag mit ihrem Gesicht zur Decke, ihre Brust hob und sank sich rasch, aber langsam regelmässiger. Da waren leichte Tränen, die über ihre Wangen liefen, oder vielleicht war es Schweiss. Ich küsste einen der Tropfen weg, nur um zu schmecken, dass es eine ihrer kostbaren Tränen war. "Ist alles in Ordnung?"; fragte ich sie besorgt.

"Ja."; machte sie, die Genusssucht vibrierte noch immer in ihrer Stimme.

"Dann sind das Tränen der Verzückung?", hakte ich nach und mir entwischte ein breites und ein bisschen selbstgefälliges Grinsen. Sie kicherte ein bisschen und öffnete ihre Augen endlich, um mir auch sofort Stroh aus den Haaren zu ziehen. Ich grinste zurück, zog etwas Stroh aus ihren Haaren und strich mit einem einzelnen Halm über ihren Hals. Sie bedachte mich mit einem zärtlichen Blick und streichelte mit ihren Fingerspitzen über meine unrasierte Wange.

"Wahrscheinlich.", flüsterte sie nachdenklich. Ich vergass so schnell, dass wir nur Freunde waren. Freunde mit Vorteilen. Nicht, dass ich es als meinen Vorteil bezeichnet hätte, nicht mit Lily zusammen sein zu müssen, um mit ihr zu schlafen. "Das war noch besser als heute morgen."; flüsterte sie. "Was machst du nur mit mir?", ich hatte sie kaum gehört, so leise war ihre Stimme und sie biss auf ihre Unterlippe, als sie erkannte, dass ich es gehört hatte.

"Nun ja - ich denke, ich weiss langsam, was dir gefällt.", meinte ich.

"Du bist eitel.", grinste sie.

"Du warst gewarnt.", sie strich eine weitere kostbare Träne weg, ehe ich sie kosten konnte und richtete sich auf, um mich zu küssen. Unten schnaubte ein Pferd und ich löste mich von ihr. "Hast du deinen Hogwartsbrief bekommen?", hakte ich nach. Ein breites, weiches Lächeln huschte über ihr Gesicht.

"Ja."

"Und?"; drängte ich sie weiter.

"Und Albus Dumbledore war verrückt genug, mich zur Schulsprecherin zu machen.", strahlte sie nun. Ich streckte mich ein bisschen und verschränkte meine Arme hinter meinem Kopf, sodass sie sich nun über mich beugte, um mich an zu sehen.

"Daran ist gar nichts verrückt.", erklärte ich zuversichtlich. "Du wurdest geboren, um die Schule an zu führen.", neckte ich sie. Sie küsste mich lieb auf die Wange. "Verrückt war nur, dass er mich zum Schulsprecher gemacht hat.", da starrte sie mich schockiert an. Ein Grinsen schlich sich auf meine Lippen.

"Das ist nicht dein Ernst."

"Doch.", erklärte ich. Tatsächlich hatte das meine Laune ein bisschen gebessert, nach dem versauten Frühstück und dem schrecklichen Gespräch mit Lily. "Doch, doch, das goldene Abzeichen fiel aus meinem Brief heraus, ich habe eine Eule an ihn geschickt, ob er sich vertan hat und er schrieb mir zurück, dass er sich nie vertut.", erklärte ich grinsend. Sie kicherte und schob ihren nackten Körper nun etwas näher zu mir, damit ich sie weiter streicheln würde.

Ich wollte eigentlich nicht, tat es aber trotzdem. Ich hatte so lange um alles betteln müssen, dass ich ihre Zuneigung zu sehr genoss, um sie ab zu weisen. Sie bekam Gänsehaut und ich grinste frech.

"Dann bist du - oh Mann, dann bist du mein Schulsprecher.", flüsterte sie fasziniert. "Ich dachte, Remus-"

"Dachte ich auch.", meinte ich nur. "Bist du böse?"

"Böse? Worauf? Ich habe mir das selber zu zu schreiben, ich habe es ja erst beim Essen mit deinen Eltern vorhergesagt.", ich gluckste ein bisschen und drückte einen Kuss auf ihre Nasenspitze. Sie lächelte den Bruchteil einer Sekunde, aber als ich sie wieder ansah, um das Lächeln zu analysieren, da seufzte sie und löste sich von mir. Ich setzte mich auf und wollte gerade etwas sagen, als wir unten eine Stimme hörten.

"James?", es war Sirius, der unten stand. "James, bist du hier? Komm schon, sei nicht länger böse auf mich...", bat er. Ich hörte, wie er die Stufen herauf kam und seufzte tief. Lily warf mir einen unsicheren Blick zu und streifte währenddessen ihre Hosen über, ohne auch nur an Unterwäsche zu denken. Ich stöhnte und tat dasselbe. Wieso musste Sirius jetzt auftauchen? Wie immer war er vollkommen nutzlos! Das kleine Aschenputtel hatte gerade ihr Top über ihre schönen Brüste geworfen, als er das Strohlager betrat. Ich war noch dabei, meine Hose zu schliessen. Er zog seine Augenbrauen herauf und musterte uns.

"Hey Sirius."; grüsste Lily verlegen. Er bückte sich und hob ihr Höschen auf, um es ihr zu reichen. Ich verdrehte meine Augen, weil er sie so offensichtlich in Verlegenheit brachte. "Uh - danke?", machte sie zweifelnd.

"Ich wusste, ich würde dich hier finden. Deine Eltern sagen, wenn du nichts essen willst, dann werden sie dich zwingen.", erklärte er mir. Ich stöhnte.

"Ich weiss, das haben sie mir schon heute Mittag gesagt, darum verstecke ich mich vor ihnen.", sagte ich augenverdrehend, ihm einen deutlichen Blick schickend, damit er verschwand. Aber, wie so oft, hatte mein blöder, bester Freund seinen eigenen Plan. Er lehnte sich locker gegen die Türe.

"Alles okay bei euch?", fragte er.

"Ja, alles super.", sagte Lily und steckte ihr Höschen in ihre Hosentasche, leicht rötlich um ihre Nase herum. "Ich bin Schulsprecherin.", erzählte sie dann.

"Dann hat der Hornochse dir erzählt, dass er sich nicht dumm genug angestellt hat, um für die Position des Schulsprechers nicht in Frage zu kommen?", hakte er nach und sie nickte.

"Du findest immer einen Weg, damit ich der Idiot bin, richtig?", schnappte ich jetzt.

"Nein, du findest immer einen Weg, damit du der Idiot bist.", erwiderte er garstig. Wir hatten heute keinen guten Tag, Sirius und ich. Nachdem wir uns am Frühstückstisch über Lily gestritten hatten, war mir am Mittagstisch heraus gerutscht, dass ich Schulsprecher war und Sirius war furchtbar wütend geworden, weil wir unser Rumtreiber-Dasein dann jetzt vergessen konnten und ich hatte ihm gesagt, dass er sich benehmen musste, um mich nicht in Verlegenheit zu bringen. Nun, das waren unsere Anfangsargumente gewesen, geendet waren wir bei Du wirst nie und nimmer ein guter Schulsprecher und Nicht, wenn du mich immer in Schwierigkeiten bringst. Da hatte Mum dann letztendlich eingegriffen und uns auf unser Zimmer geschickt.

Statt ihr zu gehorchen war ich zu den Ställen gegangen und hatte sie mit Lily gemeinsam ausgemistet. "Hey, ihr zwei, jetzt hört aber auf!", flüsterte Lily verlegen.

"Deine Mum sagt, es gibt in einer halben Stunde essen und du hast Anwesenheitspflicht.", sagte er mürrisch.

"Ich bin zu gar nichts verpflichtet, ich bin volljährig.", schnarrte ich nur.

"So lange du bei Mamie und Papie wohnst, wirst du dich an ihre Regeln halten müssen, ich weiss das zufällig aus Erfahrung, darum bin ich abgehauen, als ich sechzehn war.", maulte er zurück. Ich schnaubte.

"Mach, dass du Land gewinnst, du dumme Töle!", schnarrte ich.

"James, ich kann nichts dafür, dass du dich dumm angestellt hast.", gab er wütend zurück. Ich verdrehte jetzt meine Augen und warf einen kurzen Blick zu Lily, die überraschte ihre Augenbrauen herauf zog und rot wurde, als ich sie dabei ertappte, wie sie mich an sah. Sie drehte sich weg.

"Deiner nicht besonders bescheidenen Meinung zur Folge, habe ich mich nicht dumm genug angestellt.", er warf jetzt einen Blick hinter sich und seufzte.

"Mann, jetzt hört doch auf zu streiten.", maulte Lily. "Wirklich, ihr stellt euch blöd an.", ich seufzte und verdrehte meine Augen, dann stand ich schliesslich auf. Sie folgte meinem Beispiel, aber als ich an Sirius vorbei ging, hielt er seine Hand aus und griff an Lilys Arm.

"Hier geblieben.", knurrte er. Ich warf ihm einen warnenden Blick zu, aber er beachtete mich gar nicht sondern drängte Lily zurück in den Bereich, in dem sie eben noch gesessen hatte, wo er mit ihr flüsterte. Ich liess die beiden. Auch wenn Sirius und ich heute einen schlechten Tag hatten, ich musste ihm vertrauen, dass er schweigen würde, wenn er versprochen hatte, zu schweigen. Wenn ich ihm nicht mehr trauen konnte, dann war mein Leben vorbei.

Stöhnend drehte ich mich auf den Bauch und vergrub mein Gesicht im Kissen. "James?", machte Sirius besorgt. Da ich nicht antwortete, seufzte er tief. "James, ich weiss, dass du wach bist. Ich habe dich gehört.", ich schniefte, ehe ich meinen Kopf erhob.

"Ich bin so ein Volltrottel."; flüsterte ich, dann fuhr ich über mein nasses Gesicht. Er seufzte erneut.

"Wieso hast du es ihr nicht gesagt?"; hakte er jetzt nach.

"Ich wollte es ihr sagen, aber dann hat sie angefangen von Freunden mit Vorteilen zu reden.", stöhnte ich und setzte mich endlich ganz auf. "Du weisst doch, wie schwierig solche Sachen für mich sind, ich bin nicht gut in solchen Sachen.", mir entfuhr ein blödes, mädchenhaftes Schluchzen, aber Sirius seufzte nur ein drittes Mal, dieses Mal mitleidiger als je zuvor.

"Ja, ich weiss.", flüsterte er. "Aber als wir uns in der Küche gesehen haben, da ging es dir ganz einfach von den Lippen. ...du warst gar nicht mehr du.", in der Dunkelheit traf mich eine Packung Taschentücher am Kopf, ehe ich sie fangen konnte. Verlegen griff ich nach einem und fuhr über mein Gesicht.

"Ich bin nicht ich selbst."; stöhnte ich. "Es tut mir Leid, Sirius, ich verhalte mich diesen Sommer total bescheuert.", er schnaubte.

"Nicht mehr als sonst.", sagte er trocken.

"Doch, mehr als sonst.", beharrte ich.

"James, ich sehe doch, was dich beschäftigt, es ist okay für mich, diesen Sommer mal hinten an zu stehen, du warst auch immer für mich da.", meinte er nachdenklich. "Du hast immer hinter mir gestanden...", ich fuhr über mein Gesicht und dann durch meine Haare. "Und du kannst es ihr nicht jetzt noch sagen?", hakte er nach, weil ich nicht antwortete.

"Ich weiss einfach nicht wie."; flüsterte ich. "Ständig überlege ich, ob ich es ihr nicht sagen soll, aber immer, wenn ich kurz davon bin, dann sagt sie irgendetwas, was mich vollkommen - oh Mann...", stöhnte ich.

"Schon gut, schon gut..."; machte er.

"Wir sind einfach nur Freunde, die miteinander schlafen, weil sie sonst nicht Freunde sein können.", gab ich völlig enttäuscht von mir. "Himmel, wenn wir uns doch nur gar nicht erst angefreundet hätten, dann hätte ich sie nicht geküsst, dann wäre ich jetzt nicht so süchtig nach ihr.", ich wusste bis dato gar nicht, wie nervig es sein konnte, wenn Sirius ständig so mitleidig seufzte, aber als er es jetzt wieder tat, da schnaubte ich. "Lass das, Sirius.", maulte ich ihn an. Er räusperte sich verlegen.

"Wie wäre es, wenn du einfach nicht mehr mit ihr schläfst?", hakte er nach.

"Jetzt hör aber auf. Wie erkläre ich ihr das denn, ohne ihr vor den Kopf zu stossen?", fragte ich ungeduldig zurück. Er antwortete nicht. "Ausserdem will ich doch mit ihr schlafen. Ich will sie anfassen und sie lieben und mit ihr schlafen und...", mein Satz verhallte, weil mir die Worte fehlten und weder Sirius noch ich wagten danach, etwas zu sagen. Schliesslich räusperte er sich.

"Also, was wirst du tun?"; hakte er jetzt nach.

"Tja."; murmelte ich. "Gar nichts. Wir sind... Wir sind Freunde, Lily und ich. Kollegen nächstes Schuljahr. Du weisst schon...", stöhnte ich. "Schulsprecher. Es ist ja nicht so, als wüsste Albus, dass ich in sie verliebt bin. Sogar Minerva weiss es, meine Eltern haben es ihr ja auf die Nase gebunden...", er schnaubte.

"Ja, das war lustig.", murmelte er.

"Das war nicht lustig.", warnte ich ihn.

"Du wirst also nichts tun? Einfach gute Miene zum bösen Spiel machen?"

"Das ist kein böses Spiel. Ich habe mir das alles selber eingehandelt, weil ich meine tiefsten und geheimsten Wünsche einer Blume anvertraut habe.", schnaubte ich fassungslos. "Sie hat gesagt, ihr Dad macht das immer, seine Wünsche und Sorgen ihrer Gryffindor-Blume mitteilen.", erklärte ich hinterher.

"Das ist die rot-goldene im Rosengarten, richtig?", fragte er.

"Ja.", machte ich. "Sie hat sie mir nach dem Abendessen letztlich gezeigt. Und ich Vollidiot bin einfach nur...", kopfschüttelnd liess ich mich wieder auf mein Bett fallen.

"Ich habe dich noch nie so gesehen."; murmelte Sirius mitleidig. "Soll - uh - soll ich mit ihr reden?"; bot er mir nun an. Das regte aber nur etwas in meinem Kopf.

"Worüber hast du letztlich im Stall mit ihr gesprochen?", fragte ich zurück.

"Sie hat mir klipp und klar den Mund verboten."; maulte er. "Kein Wunder, dass eure Freundschaft ohne Sex nicht funktioniert, wenn ihr so viele Geheimnisse voreinander habt. Wir sind immer ehrlich zueinander, darum haben so eine gute und solide Freundschaft."

"Wir hätten unsere Freundschaft nicht mit Sex retten können, Sirius. Wenn wir keine Freunde sein könnten, dann wären wir keine Freunde, weil wir nicht befreundet sein wollten.", erklärte ich ihm enttäuscht. "Das ist sowieso alles nur meine Schuld, weil ich sie nicht verlieren wollte.", gestand ich dann.

"Darauf lief das hinaus?"

"Das ist meine letzte Chance, Sirius! Es gibt kein: Na ja, nächstes Schuljahr!, mehr! Wenn ich sie dieses Schuljahr nicht in mein Leben integrieren kann, dann wird sie im Juni nächstes Jahr aus meinem Leben verschwinden und ich werde sie niemals wieder sehen!", sagte ich.

"Aber-"

"Und ich dachte, ich habe es jetzt drei Jahre damit versucht, dass sie sich in mich verliebt, vielleicht können wir einfach nur Freunde sein und sie lernt mich besser kennen und bleibt ein Teil meines Lebens, egal, was ich wirklich will. Ich wollte mich doch nur mit ihr anfreunden, um sie nicht Ende des Schuljahres endgültig zu verlieren!", gab ich zu. Sirius seufzte.

"Es macht aber keinen Sinn, wenn du dich selber quälst."; meinte er.

"Jetzt ist es eh zu spät.", sagte ich zurück. "Jetzt sind wir Freunde mit Vorteilen und Schulsprecher. Ich habe selber über mich gebracht, was mir passiert.", flüsterte ich. Als ich mich gerade wieder auf den Bauch drehen wollte, flatterte ein wunderschöner, silbriger Adler durch das offene Fenster. Ich raffte mich auf. "Lily?", fragte ich ungläubig.

Tatsächlich stand sie unter meinem Fenster und legte ihren Kopf schief. "Hey.", meinte sie.

"Hey..."; machte ich. "Was machst du hier?"

"Mir ist langweilig und ich kann nicht schlafen.", erklärte sie einfach. Ich streichelte ihren Adler und sah wieder vor Augen, wie sie ihre ZAG-Ergebnisse bewunderte. "Unterhalte mich."; ich lehnte mich etwas heraus.

"Komm rein, Evans.", forderte ich sie auf. Sie lächelte und verschwand aus meinem Blickfeld.

"Wenn man grad vom Teufel spricht, nicht wahr?", meinte Sirius nur mitleidig. Als ich zu ihm sah, lag er auf seinem Bett und starrte gegen die Decke.

"Du wirst mir nie sagen, worüber ihr geredet habt, richtig? Es betrifft mich, aber es geht mich eurer Meinung nach nichts an?", hakte ich nach.

"Ihrer Meinung nach. Ich würde es dir sofort sagen, aber sie hat mir den Mund verboten.", maulte er. Im nächsten Moment wurde die Tür geöffnet. Lily kam herein, schloss die Tür wieder und strahlte uns an.

"Hey Jungs!", grüsste sie uns.

"Hey, Lily.", kam es etwas schwächlich und unisono von uns zurück, weil sie uns unterbrochen hatte. Sie zog ihre Augenbrauen herauf und liess sich neben mich auf mein Bett fallen. Ich zog meinen Zauberstab und flüsterte Expecto Patronum, da erschien Schnuffel sofort. Er wedelte verrückt mit seinem Schwanz und sprang neben Sirius. Lily lächelte und lehnte sofort ihren Kopf gegen meine Schulter. "Was machen wir?", fragte sie.

"Keine Ahnung, wir wollten eigentlich schlafen."; meinte ich langsam, da zog sie ein enttäuschtes Gesicht. Das silberne Licht, dass durch Schnuffel auf sie fiel sah ganz entzückend an ihr aus und ich lächelte ein bisschen, ehe ich ihre Schläfe küsste. "Du siehst selber auch eher müde aus.", fügte ich etwas netter hinzu. Sie seufzte.

"Mein Kopf ist aber noch wach."

"Was hält dich wach?"; fragte ich sie und begann, durch ihre Haare zu streicheln. Sie seufzte erneut. "Hattest du wieder Streit mit deinem Vater?", hakte ich nach. Da lächelte sie.

"Du siehst geradewegs durch mich hindurch, nicht wahr?", fragte sie, aber darauf antwortete ich nicht. Sie seufzte tief. "Er hat einen Blick auf mich geworfen und es sofort gewusst."; Sirius zog seine Augenbrauen herauf. "So wie du, Sirius! Ich meine - woran würde man so etwas erkennen?", fragte sie. Sie klang ein bisschen aufgebracht. Ich streichelte über ihre Wange.

"Man sieht es einfach. An der Art, wie du dich bewegst. Oder daran, wie deine Augen leuchten.", flüsterte ich zärtlich und lehnte meinen Kopf gegen die Wand hinter mir. Sie lächelte ein bisschen. "Man sagt, dass Frauen nach dem ersten Mal besonders schön sind...", sie gluckste jetzt.

"Ach Quatsch. Ich bin ja nicht blind, ich habe einen Spiegel, ich sehe vollkommen normal aus.", erwiderte sie, aber sie klang eindeutig geschmeichelt.

"Tust du nicht.", flüsterte ich nur. Sie wurde jetzt ein kleines bisschen rot und rieb ihre Wange ein wenig über meine Schulter. Ich küsste ihre Stirn. Ihr Lächeln liess mein Herz schmelzen, so schön war es. Sirius seufzte tief und hörte auf, Schnuffel zu kraulen, stattdessen legte er seine flache Hand direkt auf die Stirn meines Patronus.

Da liess ich die Erinnerung, mit der ich Schnuffel produzierte, frei.

Er wurde rot, als er in meine Erinnerung an den Akt purer Liebe eintauchte. Ich hatte noch nie einen intimeren Moment mit irgendjemanden erlebt, noch nie. Und ich bemerkte sofort, dass er es zu schätzen wusste, dass ich ihn so weit in meinen Kopf eindringen liess. Lily stöhnte und löste sich von mir. "Kann ich bei euch schlafen?"; fragte sie langsam.

"Du weisst doch, dass du in meinen Armen immer willkommen bist.", flüsterte ich in ihr Ohr und sie strahlte mich an. Wir legten uns bequemer hin und sie wurde auch tatsächlich sofort von mir in meine Arme gezogen. Mein Gesicht vergrub ich in ihren Haaren, ihr Geruch stieg mir in die Nase. Vor meinem geistigen Auge erlebten Sirius und ich gerade den Höhepunkt unserer ersten Nacht. Sie würde mich hassen, wenn sie wüsste, dass ich Sirius daran teilhaben liess. Für mich war das eine Notwendigkeit. Wie sollte er mich verstehen, wenn ich mich ihm nicht erklärte? Und wenn er mich nicht verstand - wer hätte mich sonst verstehen sollen?

"Ich kann einen neuen Patronus produzieren.", flüsterte sie plötzlich.

"So? Was für einen?", fragte ich zurück. Sie gähnte.

"Einen Hirsch.", flüsterte sie. "Wenn ich an dich denke und daran, dass wir Freunde sind und daran, dass du mich gerne hast, dann entsteht ein Hirsch.", darauf seufzte Sirius zwar tief, sagte aber nichts. Er erlebte nur gerade im Rückblick, wie ich meine Arme um Lily schlang, fest um sie schlang, eine Träne von ihrer Wange küsste. "Wie spät ist es?"; fragte sie schliesslich, jetzt klang sie sehr schläfrig. Ich griff hinter mich auf meinen Nachttisch und zog Grandpas alte Taschenuhr zu mir, um sie etwas umständlich vor ihren Augen zu öffnen.

"Viertel vor drei.", antwortete ich und sie griff nun ebenfalls nach der Taschenuhr. "Gefällt sie dir? Sie gehörte meinem Ur-ur-ur-ur-Grossvater James Clark Richard Edward Potter.", darauf verzog sie ihr Gesicht.

"Warum hat er die gleichen Namen wie dein Vater?", fragte sie verwirrt.

"Uh - nun ja... Eigentlich gibt es seit Generationen nur diese vier Namen. Mein Name ist James Clark Richard Edward Potter. Und mein Sohn sollte dann eigentlich irgendwann Edward James Clark Richard heissen. Und dessen Sohn dann Richard Edward James Clark Potter. Und dessen Sohn-"

"Ich habe das Prinzip verstanden.", unterbrach sie mich. "Himmel, das ist ja schrecklich.", ich grinste.

"Ja, ich weiss. Ich würde meinem Sohn das auch niemals antun.", erklärte ich. "Ich finde Harry gut.", sie schnaubte, da verzog ich mein Gesicht beleidigt. "Findest du Harry nicht gut?"

"Es geht.", meinte sie. "Ich wollte mein Kind früher immer James nennen, bis ich dich kennen gelernt habe und wusste, wozu das führen kann.", ich lachte leicht über ihren Scherz, zog sie dann aber noch näher zu mir und drückte mit einen Kuss auf ihre Lippen, nur dafür drehte sie ihren Kopf ein bisschen, dann besah sie wieder die Taschenuhr.

Meine Erinnerung verschwand aus der Präsenz, denn Sirius hatte den silbrigen Hund losgelassen und sich stöhnend hin gelegt. Schnuffel verschwand schliesslich, als ich die Taschenuhr aus Lilys zitternden Händen nahm und sie zusammen mit meinem Zauberstab auf den Tisch legte.

Da schlief Lily schon. Ich warf einen kurzen Blick zu Sirius und musste überrascht feststellen, dass ein paar Tränen über seine Wangen liefen. Ich hätte manchmal alles gegeben, um seine Gedanken zu erraten, wenn ich es einmal nicht konnte.

"Gute Nacht, Sirius.", sagte ich noch.

"Gute Nacht, Krone."; flüsterte er mit belegter Stimme zurück.

Mein Herz klopfte wie verrückt, als ich auf wachte und merkte, dass sie noch da war. Ich hielt meine Augen geschlossen, zog sie aber viel, viel, viel näher zurück in meine Arme. Sie hatte sich im Schlaf gedreht und ihr Gesicht drückte jetzt gegen meine Schulter. Sie stöhnte ein bisschen und kuschelte sich an mich, bis wirklich kein Platz mehr zwischen uns war. So stellte ich mir das Paradies vor. Ein schläfriger Sonntagmorgen mit Lily, zusammen im Bett liegen und langsam wach werden. Ich öffnete ein Auge rasch und warf einen Blick zu Sirius' Bett, aber er war nicht da. Wir waren alleine.

Zögerlich öffnete ich jetzt auch das andere Auge und strich eine Haarsträhne aus ihrem Gesicht. "Hast du gut geschlafen, Aschenputtel?", fragte ich zärtlich.

"Ja.", flüsterte sie leise zurück. "Und du? Hast du etwas schönes geträumt?"

"Ja.", machte ich leise. Ich hatte von ihr geträumt, aber das wollte ich ihr nicht auf die Nase binden. Von ihr und einer weissen Hochzeit. Sie lächelte zufrieden und ich drückte ihr einen Kuss auf die Stirn. Aber sie löste sich nur von mir und streckte sich.

"Ich muss nach Hause.", sagte sie erschrocken. "Dad wird-"

"Worüber habt ihr gestritten?", hakte ich nach. Sie erstarrte mitten in ihrer Bewegung und wurde rot.

"Das kann ich dir nicht sagen."; flüsterte sie. "Du wirst wütend werden. Es - uh - ist nichts schlimmes gewesen.", erklärte sie mir und wurde dabei sogar noch röter, weil sie mich an log. Ich seufzte.

"Macht es überhaupt Sinn, mit dir darüber zu diskutieren?", sie schüttelte rasch ihren Kopf. Ich stöhnte und richtete mich auf, als sie sich aus meinem festen Griff schälte und aufstand. "Lily?"

"Ja?", fragte sie ahnungslos, aber eindeutig verlegen. Ich würde ihr jetzt einfach die Wahrheit sagen. Das war doch Unsinn! Was erwartete sie? Dass ich mit einer Göttin wie ihr einfach schlief und dabei nichts weiter als freundschaftliche Gefühle empfand? Machte sie Witze?

"Ich-", aber die Tür wurde aufgerissen, als ich gerade sprechen wollte. Lily drehte sich herum und war völlig erleichtert, dass wir gerade unterbrochen worden waren. Ich machte nur eine mentale Notiz, dass ich Sirius für sein schlechtes Timing bestrafen würde.

"Hey, Krone, wo bleibst du? Wir sind zum joggen verabredet!", maulte er. Ich verdrehte meine Augen.

"Oh - dann gehe ich am besten nach Hause und sehe euch später.", ich räusperte mich.

"Komm doch mit, Aschenputtel.", grinste Sirius. "Wir werden ganz langsam laufen.", sie verdrehte ihre Augen.

"Hey!", protestierte sie. Ich begann, mich um zu ziehen. "Ihr müsstet keine Rücksicht auf mich nehmen, ich bin sehr wohl dazu in der Lage-", meckerte sie, während ich in meine Quidditch-Hosen schlüpfte und ihr ein paar weitere reichte. "Was will ich damit?", unterbrach sie ihren Satz.

"Du kommst mit uns laufen.", murmelte ich.

Ich war ein bisschen aufgebracht und empfand es als eine gute Gelegenheit dafür, sie zu bestrafen, weil sie mein Herz gebrochen hatte. Bestrafen - ohne, dass sie wütend werden oder zu Schaden kommen würde. Sirius zog seine Augenbrauen herauf, als ich mir ein Shirt über den Kopf zog. "Komm, komm, wir haben nicht den ganzen Tag Zeit."; meinte ich. Sie zog ihre Augenbrauen herauf.

"Du machst Witze?", hakte sie nach.

"Nein.", erwiderte ich nur und streckte mich. Sie seufzte. "Wir warten unten.", erklärte ich und schubste Sirius aus dem Zimmer. Als ich die Tür geschlossen hatte, starrte er mich an.

"Wieso tust du das?"; fragte er.

"Du Idiot!", schnarrte ich nur. "Klopfst du nicht, wenn du weisst, dass dein bester Freund mit einem Mädchen im gleichen Zimmer ist?"; er wurde rot. "Ich wollte ihr gerade die Wahrheit sagen.", da seufzte er.

"Wann habe ich das letzte Mal an dieser Zimmertür klopfen müssen, James?", fragte er mich ernst, ich verdrehte meine Augen und lief sofort an ihm vorbei. "Hey - hey, James, jetzt warte doch mal! Es tut mir Leid!"

"Das hast du schon letzte Woche gesagt, als du in Caroline und mich rein gelaufen bist.", ärgerte ich mich.

"Du bist ein bisschen unfair, wie sollte ich auch wissen, dass du urplötzlich deine Meinung geändert hast?", fragte er aufgebracht.

"Ich hätte sie genau so gut flach legen können."; knurrte ich. Er stöhnte.

"Du könntest sie immer flach legen.", maulte er. "Aber es geht nicht immer nur um Sex, James. Wenn du ihr doch nur endlich die Wahrheit sagen würdest!", ärgerte er sich.

"Ich wollte ihr gerade die Wahrheit sagen, aber mein vertrottelter, bester Freund ist einfach in uns hinein gelaufen, ehe ich die Chance dazu hatte.", ich fuhr über mein Gesicht, während ich die Treppe herunter lief. Er folgte mir.

"James?", fragte er vorsichtig.

"Das ist nicht deine Schuld."; flüsterte ich. "Und ich bin unfair zu dir, es tut mir Leid.", darauf antwortete er nicht mehr. "Der einzige, der hier total vertrottelt ist, das bin ich.", er klopfte auf meine Schulter.

"Alles wird gut."; murmelte er, aber er klang nicht überzeugt, ausserdem hatte er diese Worte schon einmal zu mir gesagt und seitdem war alles nur noch schlimmer geworden.

Nicht einmal eine halbe Stunde später waren wir schon recht weit gelaufen. Das hiess, Sirius und ich liefen normalerweise ungefähr die dreifache Strecke, aber als ich einen Blick auf Lily warf, schoss ein Grinsen über mein Gesicht. "Lauf du doch weiter, ich denke, wir haben sie jetzt genug gequält.", meinte ich. Er warf einenfalls einen Blick auf sie, aber sein Gesicht wurde nur mitleidig.

"Armes Aschenputtel.", meinte er. "Sei nicht gemein zu ihr.", darauf brachte ich nur ein Schnauben hervor. Weil ich ja ständig gemein zu ihr war. Ich drehte um und joggte auf sie zu.

Lily war ganz rot und verschwitzt, aber sie stöhnte erleichtert, als sie merkte, dass sie aufhören konnte zu laufen und sank zu Boden. Besorgt musterte ich sie, weil sie stark hustete, da zog ich sie auf ihre Beine zurück "Geh noch ein paar Schritte mit mir, damit dein Körper nicht rebelliert.", forderte ich sie auf und gab ein langsames Tempo vor. Sie stöhnte wieder.

"Und das machst du freiwillig?"; fragte sie schwer atmend.

"Tja.", meinte ich. "Ich bin Sportler, das ist so eine Art Spleen von mir.", darauf konnte sie nur noch ihren Kopf schütteln.

"Wie lange geht ihr normalerweise laufen?"; fragte sie stossweise.

"Nun - uh - das ist nicht ganz ein Drittel unseres Weges.", grinste ich. "Wir sind am ersten Tag hier los gelaufen und wollten - uh - du weisst schon, die Gegend ein bisschen erkunden. Als wir langsam ausser Atem gerieten, sind wir wieder zurück gelaufen, das waren ungefähr drei Stunden."; erklärte ich ihr scheinheilig. Sie stöhnte. "Aber komm, wir sind beide im Quidditch-Team, gehen jeden Morgen vor Sonnenaufgang bei Wind und Wetter laufen, streunen durch das Schloss, wann wir nur können und mussten schon ungefähr tausend Mal vor Filch fliehen, es ist doch klar, dass wir eine gute Kondition haben.", ich verzichtete darauf, ihr von unseren durchtrainierten Animagi-Formen zu erzählen, weil wir einen Werwolf in Schach zu halten hatten. Da seufzte sie.

"Du sagst mit anderen Worten: Lily, du bist ein Bücherwurm und hast deshalb eine schlechte Kondition.", da lachte ich ein bisschen und küsste sie auf ihre verschwitzte Stirn. Sie wurde etwas rot und sah weg.

"Warum streitest du mit deinem Dad?"; hakte ich nach. Sie wurde wieder rot. "Ich meine - vertraust du mich nicht?"

"Doch schon.", flüsterte sie verlegen. "Es ist nur sehr peinlich für mich und ich habe uns schon in genug peinliche Situationen gebracht.", gab sie zu. Ich seufzte tief und stoppte.

"Lily, ich-", ihr Blick brachte mich zum Schweigen. Ich konnte einfach nicht. Was, wenn sie nicht dasselbe empfand? Was, wenn sie wütend wurde? Was, wenn sie dachte, dass ich mich absichtlich mit ihr angefreundet hatte, um sie rum zu kriegen?

Daran hatte ich so weit noch nicht gedacht und der Gedanke, dass sie so etwas denken konnte, erschien mir einfach zu schrecklich und unerträglich.¨"Ja?"; fragte sie.

"Möchtest du, dass ich mal mit deinem Vater rede? Ihm ein - uhm - besseres Bild von mir liefere, damit er aufhört, sich solche Sorgen zu machen?", fragte ich sie. Sie wurde aber nur umso röter.

"Ich halte das für keine gute Idee.", meinte sie. "Er ist gerade - tja - besonders schlecht auf dich zu sprechen.", ich nickte verstehend. Wenn ich eine Tochter gehabt hätte, wäre ich wahrscheinlich auch wütend gewesen, wenn sie nach Hause gekommen wäre und plötzlich - uhm - eine Frau. Ich konnte in Lily nicht mehr das Mädchen sehen, das ich woher in ihr gesehen hatte. Es fiel mir schwer, sie als Mädchen zu bezeichnen.

Sie war jetzt eine Frau.

Für mich zumindest. Und ich war dazu verdammt, sie für immer und ewig heimlich zu lieben. Sie sah mich unsicher an, schwieg aber weiterhin, während wir zusammen zurück zum Haus liefen. "Was passiert, wenn der andere jemanden findet?", fragte ich irgendwann. Der Gedanke daran, dass Lily jemand anderen finden würde - dass ich nicht mehr mit ihr schlafen würde - dass sie mit jemand anderem schlafen würde - trieb mir fast Tränen in die Augen, auch wenn ich es nicht zugeben wollte. Sie antwortete lange nicht.

"Uh - tja, ich denke, dann... Dann müssen wir wohl oder übel damit aufhören.", flüsterte sie betreten. Ich nickte langsam. "Und dann... Tja, dann werden wir unsere Freundschaft auf Eis legen müssen, bis der andere auch jemanden gefunden hat.", nicht, dass es danach aussah, als würde ich jemals eine andere Frau kennen lernen, die mich genug begeisterte, um Lily zu vergessen. Aber vielleicht eben doch.

Wir bogen um die Ecke, wo ich plötzlich halt machte und sie in meine Arme zog, um sie zu küssen. Sie reagierte kaum, aber ihre Hände legten sich auf meine Oberarme. "Das - uh - das sollte etwas bestimmtes bedeuten."; flüsterte ich, als sie sich von mir löste und mich überrascht an sah.

"So?", fragte sie schmunzelnd. "Was denn?"

"Ich hasse den Gedanken, deine Freundschaft zu verlieren."; flüsterte ich verlegen und küsste sie wieder. "Du bedeutest mir sehr viel.", sie strahlte mich an und drückte mit einen Kuss auf den Mund. Im Gegensatz zu ihr reagierte ich nur zu gerne darauf. Sie stöhnte überrascht, als ich sie gegen eine Strassenlaterne brachte und in einen verrückten Kuss verwickelte. Wow. Sie küsste so schön...

Aber wozu hätte sie auch so schöne Lippen gebraucht, wenn sie nicht auch schön geküsst hätte. Sanft und zärtlich und gierig zugleich. An ihr war einfach alles schön. Schön und perfekt und anbetungswürdig. Einfach, weil sie Lily war. Einfach, weil ich Lily liebte. Ich tat es wirklich. Ich tat es ehrlich. Ich liebte Lily Evans. Etwas, was mir bewusst wurde, als ich sie dort gegen die Strassenlaterne küsste. Wenn sie nicht mit mir glücklich sein konnte, wenn sie nicht in mich verliebt war, sondern nur meine Freundin sin wollte, wenn sie jemand anderes finden würde - dann wollte ich ihr nicht im Weg stehen. So lange sie damit glücklich war, würde ich damit leben. So lange sie es so wollte, so lange sie mich nicht wollte, so lange würde ich damit leben und damit zufrieden sein.

"James?", wurden wir unterbrochen. Ich löste mich von ihr und drehte mich herum, um zu sehen, wer mich angesprochen hatte. Leider stand hinter mir Caroline, die Lily einen schockierend mörderischen Blick schickte. Die wurde sofort knallrot und schrumpfte etwas in sich zusammen.

"Hey, Caroline."; grüsste ich sie verlegen. Sie verschränkte ihre Arme.

"Dann hast du also doch genug von mir.", ihre Stimme klang sehr aufgebracht und wütend. Das hiess nichts gutes, diesen Tonfall kannte ich schon von Vanessa. "Weisst du, das hättest du mir früher und netter bebringen können, als auf meinem Arbeitsweg mit anderen Mädchen zu knutschen."; zischte sie. Daran hatte ich gar nicht mehr gedacht. Tatsächlich lief sie diese Route jeden Morgen um diese Zeit.

"Das war keine Absicht."; meinte ich nur. Dieses unangenehme Gespräch hatte ich schon kommen sehen. Carolines Verhalten hatte sich in den letzten Tagen verändert. Sie hatte mir kleine Zettel geschrieben. Sie kam abends klingeln, wenn sie wusste, dass wir assen und wusste, dass wir sie dann einladen würden. Sie versuchte ständig, mir an die Wäsche zu gehen, wenn wir alleine waren.

"Ich wusste, es wäre ihretwegen.", flüsterte sie nur. Lily wurde noch röter.

"Wir sind nur Freunde.", flüsterte sie verlegen zurück.

"Natürlich.", sagte Caroline kalt. "Das sehe ich. Das habe ich gesehen.", schnarrte sie.

"Was meinst du denn damit?"; fragte ich nun und stellte mich ein bisschen vor Lily, damit Caroline ihr nichts tun würde.

"Ich meine damit den Empfang letztlich. Du hast mich benutzt um sie eifersüchtig zu machen und sie ist sofort darauf angesprungen.", schlechtes Gewissen überkam mich, als ihr Tränen in die Augen stiegen. "Und dann hast du mich sitzen gelassen und dich seitdem nicht mehr bei mir gemeldet. Sirius hat mir ja gesagt, dass du in sie verliebt bist, aber ich wollte nicht auf ihn hören.", ich schloss meine Augen peinlich berührt.

"Ich-"

"Und ich habe ihr ja auch angesehen, dass sie in dich verliebt ist, aber - aber ich dachte... Du hast gesagt, du magst mich!", ich seufzte. "Das war nur gelogen, nicht wahr?"

"Es tut mir Leid, Caroline.", sagte ich ehrlich. In meinem Hinterkopf hörte ich nur, was sie gerade gesagt hatte nachhallen. Mochte Lily mich doch? Frauen konnten das meistens besser beurteilen als Männer. Sie schüttelte ihren Kopf und fuhr über ihr Gesicht.

"Vergiss es einfach.", schnaubte sie. "Ich hätte wissen können, dass sie dir nicht widerstehen würde. Du hast ja im Prinzip alles getan, um sie von dir zu überzeugen. Sirius hat mir alles erzählt.", ich würde meinen besten Freund umbringen. Tot, tot, tot, tot.

"Ich-"

"Mach wenigstens etwas draus."; sagte sie nur und drehte sich herum. Ich betrachtete sie, als sie erhobenen Hauptes davon stolzierte und um die Ecke verschwand, dann drehte ich mich zu Lily herum. Sie war ungefähr Gryffindor-rot im Gesicht und wollte mich partout nicht ansehen.

"Stimmt das?", fragte ich.

"Ich könnte dich dasselbe fragen.", flüsterte sie benommen zurück. Ich starrte sie fassungslos an, dann schlang ich meine Arme um sie.

"Ich liebe dich."; flüsterte ich, ehe meine Lippen beinahe gewaltsam auf ihren landeten. Ihr entwich ein überraschtes Quiecken, dann waren ihre Arme fest um meinen Nacken geschlungen.