Patrouillieren. Wirklich das mit Abstand langweiligste, was man in Hogwarts tun kann. Außer man muss nicht für alle gut sichtbar durch die Gänge laufen, gerader Rücken, Bauch rein, Brust raus, Zauberstab aktionsbereit im linken Ärmel. Seit Dolores mir die Nummer mit der Kinderspionin abgekauft hat, verhalte ich mich so, wie sie sich wohl eine Sicherheitsbeauftragte vorstellen würde.
Kann mir Musterlehrerin D.J. lebhaft vorstellen. "Das Ministerium sagt, tut das und das damit so und so … ausschließlich vom Ministerium gestattete Flüche...chrm chrm..."
Kichere vor mich hin und registriere nicht genau, wo ich hin laufe. Plötzlich durchfährt mich ein eiskalter Schauer. "Peeves! Was treibst du hier?" Jetzt bin ich doch tatsächlich durch diesen vermaledeiten Geist gerannt. Uärgh was für ein Gefühl!
Er packt mich am Umhang und wickelt mich schneller darin ein, als ich Quidditch sagen kann. "Eindringling im Schloss! Eindringling im Schloss!" Er schreit aus vollem Hals.
"Peeves! Nein, hör schon auf, lass das!" Er dreht sich immer weiter mit mir herum, langsam wird mir schwindlig. Verdammt, so eingewickelt komme ich nicht an meinen Stab. Er geht mich weiter drehend mit mir nach unten, die Treppen hinunter. Nur mit sehr viel Glück schaffe ich es, die Stufen zu treffen. Als ich anhand der zunehmenden Kälte erkenne, wo er mich hinbugsiert, ergreift mich leichte Panik. "Nein, Peeves, was soll das, Schluss jetzt endlich!" Er kichert, lässt mich los und mit dem verbleibenden Schwung knalle ich an die Wand.
"Na warte, das wirst du büßen! Ich... verdammt!" Mist, schaffe es einfach nicht aus dem Umhang heraus. Dieser Bastard muss ihn irgendwo verknotet haben. Ab heute werde ich keinen Umhang mehr tragen, hasse das Ding sowieso. Drehe mich um mich selbst, wie ein Hund der seinen Schwanz jagt, was mich noch ein wenig schwindliger macht.
Ah, da ist der Knoten, genau in der Mitte meines Rückens. Werde ans Ministerium eulen, dass sich gewöhnliche Umhänge auch problemlos als Muggelzwangsjacke Zweckentfremden lassen. Ich hake den Knoten unter einer Türklinke fest und werfe mich nach vorne. Brillante Idee, Tonks. Ich wusste nicht, dass der Stoff stabiler ist als Messing. Laut scheppernd fällt die Türklinke auf den Marmorboden und ich knalle noch einmal an die Wand. Oh, diese ist aber angenehm weich. Durch den Rückstoß plumpse ich sehr undamenhaft auf meinen Hintern und kann aufgrund meiner Haare im Gesicht nichts mehr sehen.
"Ziemlich beeindruckende Vorführung", meint Snape mit deutlichem Spott in der kalten Stimme. War ja klar. Bin ja schließlich im Kerker. Lass meine Haare bleistiftlang werden und begutachte meine Umgebung. Die schwarze Kellerassel steht mit missbilligendem Blick vor mir und ich erkenne ein langes, pinkfarbenes Haar an seiner Knopfleiste, etwas über dem Hosenbund. Oh, Treffer... versenkt...Er geht vor mir in die Hocke. "Wissen Sie, Nymphadora", beginnt er, sich natürlich darüber bewusst, wie sehr ich meinen Vornamen hasse, "Dolores nimmt Ihnen Ihr kleines Theater bestimmt nicht besser ab, wenn Sie selbst die größte Gefahr für die Schule darstellen. Eine Sicherheitsberaterin sollte sich zumindest aus ihrem eigenen Umhang befreien können." Dieser miese Schweinehund grinst mich tatsächlich schadenfroh an. "Bevor Ihre Haare wieder dieses scheußliche Rot annehmen, lassen Sie mich Ihnen helfen."
Grrrrrrr.
Er packt mich wieder einmal an den Schultern und stellt mich auf die Füße. Kann er nicht einfach diesen blöden Knoten öffnen? Schwungvoll werde ich umgedreht und stehe jetzt immer noch gefesselt mit dem Rücken zu ihm. Der Traum einer jeden Frau, gefesselt in einem Kerkerflur zu stehen, dem charmantesten Menschen den man sich vorstellen kann, hilflos ausgeliefert. Er öffnet meinen Umhang ohne Magie und dreht mich wieder herum. Er überragt mich um gut einen Kopf, was mich unglücklicherweise dazu zwingt, meinen Kopf etwas in den Nacken zu legen, um ihm in die Augen sehen zu können.
"Wir werden wohl demnächst gezwungen sein, ähnlich...eng...zusammen zu arbeiten", erklärt er mit einer nun hypnotischen Nuance.
Bitte was? "Wovon zum Teufel reden Sie?" Jetzt werden meine Haare doch rot, sein Lächeln ist äußerst überheblich.
"Ihre Freundin hat damit begonnen, sich unbeliebt zu machen."
ooooo
"Minerva, ich muss doch sehr bitten, schließlich sind gerade Sie es doch, die sich solch große Sorgen um ihre Schützlinge macht. Dieser Beschluss muss Ihnen doch entgegen kommen", höre ich Dolores´ Kleinmädchenstimme aus Dumbledores Büro.
"Das kann doch nicht Ihr ernst sein! Sie können doch nicht die Lehrer in dem Schloss gefangen halten!" McGonagall Stimme klingt ungewöhnlich schrill.
"Von Gefangennahme kann ja keine Rede sein. Schließlich... ah, Nymphadora, gut dass du da bist."
Die Gesichter der Hauslehrer und Dumbledores wenden sich mir zu.
"Nymphadora hat sich als sehr vertrauenswürdig erwiesen, sie wird die Ausgänge öffnen können. Und ihr Vorgesetzter natürlich." Sie reicht mir ein Amulett mit eingravierten Runen. Und dem Wappen des Ministeriums. Ähnliche Amulette bekommen Auroren, wenn sie Gefangene in Askaban besuchen müssen. Passt also.
"Das heißt, immer, wenn einer der Lehrer hinaus möchte, muss erst Nymphadora gerufen werden? Und wenn sie gerade anderweitig beschäftigt ist?", fragt Professor Sprout.
Meine Augen weiten sich. Was hat sie sich denn jetzt einfallen lassen?
"Sie wird nicht anderweitig beschäftigt sein, es ist schließlich ihre Aufgabe, sich um die Sicherheit zu kümmern. Außerdem was haben Sie schon für Gründe, andauernd das Schloss zu verlassen?", säuselt Dolores.
"Was für Gründe? Mein Unterricht findet immer noch draußen statt! Oder haben Sie jetzt die Gewächshäuser in die große Halle gezaubert?"
"Sie werden, genau nach meinem Vorbild, Ihren Unterricht auf die Theorie beschränken, und nur, wenn es unbedingt nötig ist, die Schüler mit nach draußen nehmen. Und Nymphadora wird Sie dann eben rein und raus lassen. Sie beherrschen wohl alle den Zauber der Silbernachrichten."
Die Tür öffnet sich und Snape schließt sich unserer netten Versammlung an.
"Ah, Professor Snape. Sie betrifft das auch. Sie werden Ihre häufigen Unternehmungen einschränken müssen, falls Sie das Gelände verlassen müssen, um Vorräte oder ähnliches zu sammeln, wird Nymphadora Sie begleiten."
"Moment, wieso das? Ich kann ihn doch einfach raus lassen, wie die anderen auch", sage ich mit ungläubigem Blick. Ich werde auf das Vergnügen, Snape irgendwohin zu begleiten dankend verzichten.
"Nun, sagen wir einfach, Professor Snape hat meine Aufmerksamkeit erregt, als er in letzter Zeit wiederholt über die Ländereiern spaziert ist, zu unmöglichen Tag- und Nachtzeiten."
Snapes Blick ist mörderisch.
"Und deswegen soll ich jetzt seine Babysitterin spielen?"
Snapes mörderischer Blick wandert zu mir. Eine Eule klopft an Dumbledores Fenster. Mir fällt auf, dass der Schulleiter sich bisher noch nicht zu dem Thema geäußert hat. Er öffnet mit einem Wink seiner Hand das Fenster und die Eule landet auf Dolores´ ausgestrecktem Arm. Sie sieht sehr offiziell aus, genau, wie das Pergament, das sie trägt. Dolores öffnet es und die Stimme von Percy Weasley verkündet:
"Cornelius Fudge, seinerseits Minister der Zauberei, erlässt hiermit den Ausbildungserlass Nummer 23. Dolores Jane Umbridge wird mit sofortiger Wirkung das Amt der Großinquisitorin ausüben. Ihre Aufgaben schließen Verfügungen im Rahmen der Sicherheit und Beendigung des zunehmendem Absinkens des Niveaus in Hogwarts, Schule für Hexerei und Zauberei, ein. Der Erlass gilt ab sofort, die Eltern der Schüler können die Neuigkeit aus dem morgen erscheinenden Artikel im Tagesprophet entnehmen."
Das Pergament löst sich in Rauch auf und für kurze Zeit verschwimmen die entsetzten Gesichter der Lehrer. Dumbledore verneigt sich lächelnd und Dolores macht einen leichten Knicks.
"Ich frage mich, Mme Großinquisitorin", erklingt Snapes höhnische Stimme neben dem Eingang,"Was genau die Sicherheit der Schule derart bedroht, dass die Eingänge überwacht werden und Lehrer sich nicht frei bewegen können."
Hat er recht, schließlich vertritt das Ministerium die Meinung, dass Du-weißt-schon-wer eben nicht wieder da ist.
"Nun, Professor Snape, es hat schon einmal einer der Lehrer den gefährlichen Massenmörder Sirius Black in die Schule gelassen, nicht wahr?"
Oh, komm schon, was besseres fällt dir nicht ein?
"Soweit ich weiß, waren Sie auch in seinem Jahrgang, nicht wahr? Wie dieser Halbmensch Lupin. Oder nicht?"
Snapes Augen leuchten fast auf, so wütend ist er plötzlich. Als er seine Antwort an Dolores richtet, spricht er sehr ruhig. Jeder der ihn nicht kennt, wäre angenehm eingelullt von dieser unglaublich sanften allerdings läuft ein kalter Schauer über den Rücken. Dolores kann einem fast Leid tun.
"Das was Sie andeuten, Dolores, ist lächerlich. Niemals würde ich die Sicherheit meiner Schüler gefährden. Nichts auf dieser Welt könnte mich dazu bewegen, mit Black zusammen zu arbeiten. Absolut Nichts." Sein Gesicht passt so gar nicht zu seiner ruhigen Stimme. Purer Hass spiegelt sich darin. Dass er und Sirius nicht die besten Freunde sind, konnte ich schon an den liebevollen Blicken, die sie sich im Blackhaus zuwarfen, erkennen. Dolores nickt zufrieden und verabschiedet sich. Die anderen Lehre verlassen Dumbledores Büro nacheinander.
"Severus, Nymphadora, ein Moment noch bitte", hält uns Dumbledore auf, als wir nach den anderen auch sein Büro verlassen wollen. "Nymphadora, Sie sollten mit Severus ein Zeichen vereinbaren, damit Sie ihn unauffällig hinaus lassen können, wenn er gerufen wird. Ich muss nichts darüber wissen, das machen Sie unter sich aus." Er wendet sich nun dem schönen Phönix zu und spricht leise mit ihm. Fawkes geht in Flammen auf und verschwindet. "Der Orden weiß jetzt Bescheid. Ach ja, Severus. Rabastan hat seine Zelle in Askaban unbeschadet erreicht. Die Durchsuchung nach versteckter Magie hat er anstandslos überstanden. Es wurde nichts entdeckt."
Snape nickt nur und geht nun auch hinaus.
"Erfahre ich jemals, um was es geht?", frage ich vorsichtig.
"Ich fürchte, Sie werden es früh genug erfahren, Nymphadora."
Wieso spricht dieser weise Mann immer in Rätseln??
ooooo
"Professor Snape? Snape?! Professor?!Warten Sie doch mal kurz, müssen Sie immer so rennen, wie ein aufgescheuchter..."
Das Wort Gockel bleibt mir Merlin sei Dank im Hals stecken, Snapes Zorn scheint ihn jetzt schon fast zum explodieren zu bringen. Er ist stehen geblieben und sieht mich schon wieder angewidert an. "Ich werde es Sie wissen lassen, wenn ich Sie brauche."
Muss ihm ja schwer stinken, jemand zu brauchen."Ja, aber wie?", frage ich ihm wieder hinterher rennend. Er bleibt wieder stehen und ich remple ihn leicht an. Er schiebt mich mit ausgestrecktem Arm weit von sich. Mann, ich bin ja nicht ansteckend...
"Sie werden es merken."
Und rauscht davon. Ich bleibe verdattert im Flur stehen.
ooooo
Gleich gibt es Mittagessen. Ich gehe langsam in Richtung Foyer und beobachte einen Silberwolf, der durch die Mauer bricht und auf mich zu schwebt.
"Tonks, ich bin es, Remus, kannst du mich rein lassen?", fragt er leise mit Lupins Stimme.
Ich renne zum Haupteingang und aktiviere das Amulett mit meinem Zauberstab. Eine Nummernreihe erscheint darauf und ich muss meine Dienstnummer mit dem Zauberstab eingeben. Meine Hand vibriert etwas, als das Amulett meinen Zauberstab identifiziert und das Portal öffnet sich endlich. Remus lächelt mich freundlich an und zieht mich schnell in eine dunkle Nische. Er sieht fürchterlich aus. Sein Haar ist zerzaust und schon ganz schön grau, er ist etwas mager und sein Umhang scheint nur noch aus Flicken zu bestehen.
"Ich muss zu Severus, du weißt schon. Der Trank", erklärt er etwas verlegen. Ich nicke und spreche einen Ignorierzauber über uns. Unbemerkt von den Schülern, die jetzt in die große Halle drängen, laufen wir in den Kerker . Fühle mich langsam ziemlich heimisch, wo ich soviel Zeit da verbringe. Wir warten vor Snapes Klassenzimmer. Natürlich hat er seine Klasse noch nicht in die Mittagspause entlassen obwohl es bereits geläutet hat. Endlich öffnet sich die Tür und die Klasse verlässt fluchtartig den Raum. Unter ihnen auch ein ausgesprochen wütender Harry.
"Ich meine, na gut, ich hab nicht die Spitzennote erwartet, nicht, wenn er nach ZAG-Standard benotet, aber ein `Bestanden` ist vorerst ganz ermutigend, meint ihr nicht?" Hermine wie sie leibt und lebt. Snape benotet also jetzt schon nach ZAG-Standard. Ich muss ein Kichern unterdrücken. War ja nicht anders zu erwarten. Bei uns hat er das damals erst später gemacht, aber immer noch zu früh für uns armen Schüler. Wenn er jedes Jahr früher damit anfängt, werden demnächst schon Erstklässler mit einigen `Trolls´ den Unterricht verlassen.
Als die letzten Schüler zur Tür hinaus gegangen sind, schlüpfen wir schnell hindurch, bevor sie krachend ins Schloss fällt. Der Klassenraum ist leer. Mensch, sieht genau so beklommen aus, wie ich ihn in Erinnerung habe. Nur seine Sammlung hat sich verändert, ist noch ekliger als zu meiner Zeit.
"Wo ist er?", fragt Remus und zieht prüfend die Luft ein.
Ich muss lachen. "Wonach riecht er für Dich?"
Er legt die Stirn in Falten. "Nach Rauch, Zedernholz und Kernseife." Sein Blick wird seltsam weich „Du riechst sehr viel besser."
Ich brauch keinen Spiegel. Ich kann deutlich spüren, dass sowohl mein Gesicht als auch meine Haare die Farbe wechseln.
"Ich dachte, die Farbe für sexuelle Frustration wäre violett."
Remus und ich zucken zusammen. Wie kann er uns trotz Ignorierzauber sehen?
"Ich brauche euch nicht zu sehen, Ihr verbreitet genug... Schwingungen."
Verdammte Legilimentik! Er tritt aus dem Schatten heraus. Ein Teil der Wand, die mit Einmachgläsern gefüllt ist, scheint eine verborgene Tür zu sein, die jetzt halb geöffnet ist und offensichtlich zu Snapes Privaträumen führt, denn er kam seinen Gehrock locker über seinem Arm tragend, dort heraus. Er trägt nur sein weißes, hochgeschlossenes Hemd, dessen oberste Knöpfe er gerade schließt. Derart freizügig gekleidet habe ich ihn noch nie gesehen, ich denke auch sonst niemand. Sind das Narben an seinem Hals?
Er wirft seinen Gehrock über den Schreibtischstuhl und lehnt sich gegen die Tischkante. Beim Schließen der Manschettenknöpfe gelingt es mir, einen flüchtigen Blick, auf das nun nur hellgrau schimmernde Dunkle Mal zu erhaschen. Er hebt die Hand und löst den Ignorierzauber. Wieder ungesagt und ohne Zauberstab. Remus sieht ihn erstaunt an.
"Seit wann kannst du zauberstablose Magie?" Sein Blick wird misstrauisch.
Mir fällt erst jetzt auf, dass immer wenn ich Snape in letzter Zeit zaubern gesehen hab, er das meist ohne Zauberstab tat.
"Was kann ich für Euch tun? Ich müsste den Trank, der dir eventuell helfen könnte erst noch brauen, ihr müsstet also noch ein paar Tage enthaltsam leben." Er schenkt Remus ein ziemlich fieses Grinsen.
"Oh, ich bin sicher, du hast den ´Trank der ewigen Freude´ auf Vorrat, Severus, aber deswegen bin ich nicht hier."
Snapes Grinsen erstirbt. Er verschwindet in seinem Labor und Remus sieht mich stolz lächelnd an.
"Wieso packt ihr ihn nicht aus und lasst mich nachmessen", kichere ich und jetzt wird Remus rot. Steht ihm eindeutig besser als dieses kränkliche blass. Snape kommt mit einem dampfenden Becher und einer großen verschlossenen Flasche zurück zu uns und drückt Remus den Becher derart heftig in die Hand, dass ein paar Tropfen auf den Boden fallen. Der Trank brennt sich ins Parkett. Remus prostet mir zu und kippt das widerliche Zeug runter. Die Flasche, deren Inhalt an Erbrochenes erinnert, steckt er in eine Umhängetasche, die er unter seinem Umhang verbirgt.
"Vergiss nicht, ihn auf exakt 17,4 Grad minus herunterzukühlen, bevor du ihn zu dir nimmst. Die Schäden wären immens."
Remus lächelt ihn wieder an. "Wie schön, dass du dir Sorgen um mich machst. Ich muss sagen..." Plötzlich hält er inne und zieht wieder prüfend die Luft ein. "Was riecht hier so nach Katzen?"
Snape reagiert schneller, als ich realisieren kann und bugsiert uns beide in seinen Vorratsraum. Schon ertönt ein zaghaftes Klopfen und nach Snapes unwirschem "Herein!" erkenne ich die süße Stimme von Dolores. Ich spüre, dass Remus sich versteift, schließlich stehen wir fast Nase an Nase in dem engen Vorratsraum. Jetzt auf die klapprige Leiter zu steigen und so etwas Abstand zwischen uns zu bringen, wäre wohl nicht anzuraten.
"Was kann ich jetzt schon wieder für Sie tun, Mme Großinquisitorin?", höre ich Snape mit gereizter Stimme fragen.
"Oh, Professor, waren Sie nicht schon bei Dolores?", säuselt sie scheinbar verführerisch. Ich kann Snapes Ekel fast riechen. Remus bemüht sich krampfhaft, seinen Lachanfall zurückzuhalten. "Wissen Sie, Sie müssen das Schloss nicht verlassen, wenn Ihnen nach Gesellschaft ist."
Oh Merlin, das muss ich sehen! Sie denkt, er geht ins Bordell, wenn er das Schloss verlässt? Ich gehe in die Knie und spähe durchs Schlüsselloch. Snape steht mit der Seite zu mir, ich kann sein Gesicht nicht sehen, dafür aber Dolores´ um so besser. In ihren Augen steht etwas, dass wohl Erregung sein muss. Mir entfährt ein leises Hicksen, bei Versuch nicht hysterisch los zu lachen. Snape hört es und er legt seinen rechten Zeigefinger an die Lippen, als würde er nachdenken. Ist aber wohl eher ein Signal für mich, die Klappe zu halten. Ich greife neben mich und ziehe Remus zu mir hinunter. Unsere Gesichter sind sich so sehr nah, als auch er einen Blick auf die Seifenoper vor uns riskiert.
"Ich weiß nicht, wovon Sie sprechen."
"Ach komm schon Severus, ich weiß genau, warum du nachts übers Gelände schleichst. Bestimmt ist es für einen so..." Sie geht einen Schritt auf ihn zu, " ...mysteriösen..." Noch ein Schritt. "...dunklen..." Noch ein Schritt. "...gefährlichen..." Sie legt ihre Hände auf Snapes Brust. "...unanständig attraktiven Mann nicht leicht, Kontakte zu knüpfen. Ich wette, die meisten Frauen fürchten sich vor dir." Sie legt seufzend ihre Wange an Snapes Brust, der wegen des Schreibtisches hinter ihm nicht zurückweichen kann. Und alles andere als erfreut aussieht. Remus und ich strahlen um die Wette.
"Das Passwort zu meinen Gemächern ist `Schmusekätzchen`. Du bist herzlich dazu eingeladen, mich zu besuchen, wann immer dir danach ist."
Snape fasst sie an den Schultern und schiebt sie ein Stück von sich. "Ich fürchte, das würde zu viel Aufmerksamkeit erregen, Dolores", sagt er und die besondere Betonung zaubert ein Glitzern in ihre Augen.
Snape legt plötzlich seinen linken Arm hinter den Rücken und verkrampft sich merklich. Durch den Ärmel des weißen Hemdes, sehen wir, wie das Mal zum Leben erwacht. Es beginnt vom Kopf der Schlange aus zu Glühen. Als ob es mit Benzin gemalt wäre, wandert das Glühen den Körper der Schlange aufwärts, am Totenkopf hoch und leuchtet dann dunkelrot. Da Snape nicht darauf reagiert, pulsiert es heftig und Snape hat alle Mühe, das Zittern seines linken Armes vor Dolores zu verstecken. Sie schwallt irgendwas von wegen heimliche Treffen, doch ich folge ihr nicht richtig, meine Aufmerksamkeit ist vollends gefesselt von dem Dunklen Mal.
Ich habe es noch nie live und in Farbe brennen gesehen, die Bilder die es davon gibt, kommen an das Original nicht einmal ansatzweise heran. Es übt eine seltsame Faszination auf mich aus und mir wird klar, welch großes magisches Potential hinter dem Erfinder des Zaubers stecken muss. Man denke allein schon an Snapes Aufspürzauber für Rabastan.
Okay Tonks, hör auf von Voldemorts Magie zu schwärmen.
"Wir müssen ihm helfen, sie loszuwerden, nicht mehr lange und man kann das verbrannte Fleisch riechen", flüstert Remus neben mir.
Dolores deutet Snapes unterdrücktes Keuchen natürlich falsch und versucht sich seit einiger Zeit schon an ihn zu pressen, was er mit einem Arm nur unzureichend verhindern kann.
Ich hab plötzlich eine Idee. Ich richte mich auf und schließe meine Augen. Remus beobachtet fasziniert wie ich meine Haare kupferrot und ellenbogenlang werden lasse. Eine kleine Stupsnase, ein sinnlicher Schmollmund folgt. Lasse meinen Busen unanständig groß anschwellen und meine Hüften etwas runder werden.
Remus´ Mund steht offen. Ich ziehe meine Weste aus, darunter trage ich nur noch ein mehr oder weniger durchsichtiges weißes Trägertop, verkürze meinen Rock magisch, so dass er meinen nun ziemlich runden Hintern nur noch knapp bedeckt und meine Bikerstiefel werden zu Lackstiefeln.
Ich deute Remus an, auf die Leiter zu steigen und öffne die Tür zum Klassenzimmer. Dolores weicht sofort von Snape zurück und sieht mich ungläubig an.
"Sevie, du kannst mich nicht erst an diese gammlige Leiter fesseln und mich dann solange allein lassen, hörst du? Das ist nicht nett von dir!"
Ich ziehe eine Schnute und stelle mich vor ihn. Nichts in seinem Gesicht verrät seine Emotionen. Ich sehe gespielt eifersüchtig zu Dolores und lege Snape meine Arme um den Hals. "Ein Dreier kostet aber mehr, wenn du willst, dass ich mich um deine Freundin kümmere." Ich reibe mich ein wenig an seinem Bein und er legt tatsächlich seinen Arm um meine Taille.
"Geld spielt keine Rolle...Candy, aber lasst uns nach nebenan gehen, dort ist es gemütlicher." Er sieht Dolores auffordernd an, die es plötzlich ziemlich eilig hat, das Klassenzimmer und Snape zu verlassen. Kaum ist sie verschwunden stößt mich Snape weit von sich und umklammert seinen Arm. Er rauscht in seine Wohnung und Remus tritt laut lachend aus dem Vorratsraum.
"Bei Merlin, ich dachte wirklich, sie fällt gleich über dich her, so ein mysteriöser, ungezogener Kerl aber auch!"
Wir lachen beide herzhaft, ich nehme wieder meine normale Gestalt an und verwandle meine Kleidung zurück in ihren ursprünglichen Zustand. Irgendwas riecht hier verbrannt. Snape packt mich am Arm und zieht mich in seine Wohnung, durchs Wohnzimmer hindurch, direkt ins Schlafzimmer. Ich sehe entsetzt auf das riesige Himmelbett, natürlich in Slytherinfarben bezogen. Was wird das denn?
"Ähm, das sollte ein Scherz sein..."
Schon wieder dieser mörderische Blick... Snape murmelt etwas und das Bett erhebt sich in die Luft. Ein Tropfen Blut aus seinem Zeigefinger und ein paar Zauberstabschwünge später erscheint ein vorher unsichtbarer Gang unter dem schwebenden Bett. Er steigt die Stufen hinunter und brüllt mich an ihm zu folgen. Renne wieder einmal hastig hinter ihm her und bemühe mich, nicht auf dem glitschigen Boden auszurutschen.
"Aufmachen"! zischt er mich an und nun rieche ich deutlich seine verbrannte Haut. Ich öffne mit dem Amulett die Schutzbanne und die kleine, efeubewachsene Tür springt auf. Er tritt hinaus und ich folge ihm und erstarre. Wir befinden uns direkt im verbotenen Wald. Er zieht seine Todesserkluft über das weiße Hemd und zaubert seine silberne Maske auf sein schmerzverzerrtes Gesicht. Dann schiebt er seinen Ärmel hoch und drückt seinen Zauberstab auf die matschige Wunde, die einmal sein Dunkles Mal gewesen ist. Es verfärbt sich unmittelbar schwarz und er disappariert lautlos. Auch das habe ich heute zum ersten Mal hautnah gesehen. Ich wusste gar nicht, dass Todesser lautlos apparieren können, hat aber bestimmt Vorteile, wenn man sich von hinten anschleichen muss....
Ich schließe die Tür und beschwöre die Banne. Nach schier endloser Wanderei komme ich wieder in Snapes Schlafzimmer an, der Gang verschwindet kaum dass ich ihn verlassen hab. Das Bett senkt sich und ich schlendere in sein Wohnzimmer. Auch hier schreit es förmlich nach Slytherin. Dunkles Eichenparkett, schwere dunkelgrüne Samtvorhänge vor den niedrigen Kerkerfenstern, dunkelbraunes Ledersofa und ein gemütlich aussehender Sessel direkt am Kamin. Darin sitzt ein breit grinsender Werwolf.
"Hätte nie gedacht, dass ich mal in Snapes heiliges Reich eindringen werde. Wundert mich, dass er nicht..."Remus stockt plötzlich. Er sieht mit weit aufgerissenen Augen aus den Fenstern. "Raus hier!" Er springt auf und schiebt mich vor sich her durch die verborgene Tür ins Klassenzimmer zurück. Im Augenwinkel erkenne ich, dass aus den Blumentöpfen auf der Fensterbank auf magische Weise Alraune gezogen werden, deren Geschrei Merlin sei Dank von der schweren Eichentür gedämpft wird. "Alles in Ordnung?", fragt Remus mich leicht zitternd.
"Ja, und mit dir?" Irgendwie sieht er blass aus.
"Nein." Er sinkt in Zeitlupe zu Boden. Sein ausgeprägtes Werwolfgehör ist wohl etwas empfindlicher als meines. Ich spreche wieder den Ignorierzauber und lass ihn vor mir her schweben. Werde ihn wohl erst einmal mit in mein Zimmer im Hufflepuffturm nehmen. Dort kann er sich in Ruhe ausschlafen.
