Katjas POV
Wir sind endlich am 'Dunharrow angekommen. Die Armee wird hier rasten und ich bin froh darüber. Mein Hintern ist eingeschlafen und ich will endlich wieder festen Boden unter den Füßen haben!
Joey und Charly sind mit ihren Liebsten irgendwo hinter mir, aber ich halte mich nah bei Aragorn.
Während wir reiten, stehen einige der Soldaten, die wir passieren, auf um Theodéns Frage nach der Anzahl ihrer Männer zu beantworten.
"Ich bringe 500 Männer von der Westfold, mein Herr."
"Wo sind die Reiter von Schneeborn?"
"Es sind keine gekommen, mein Herr."
Und das, wo doch jeder Soldat zählt. Es sind so schon viel zu wenige, wenn ich so um mich sehe. Damit wollen sie gegen die Armee aus Mordor stürmen?
Aragorn sieht das offensichtlich ähnlich.
"6000 werden nicht genug sein, um die Linien Mordors zu durchbrechen"
"Es werden mehr kommen."
"Jede Stunde beschleunigt Gondors Niederlage. Wir haben Zeit bis Sonnenaufgang. Dann müssen wir reiten!"
Theodén nickt Aragorn in stillem Einverständnis zu. Er weiß, was auf dem Spiel steht. Und er weiß auch, dass ein paar Soldaten mehr keinen großen Unterschied machen. Soldaten, die vielleicht gar nicht kommen...
Joeys POV
Ich laufe neben Legolas her, Gimli auf meiner anderen Seite, und versuche so gut wie möglich den aufgeregten Pferden auszuweichen. Ihre Reiter haben sichtlich Mühe, sie zu beruhigen.
Ich merke, dass Legolas sich aufmerksam umsieht und sehe ihn fragend an.
"Die Pferde sind rastlos... Die Männer schweigsam."
"Es ist der Schatten des Berges, der sie beunruhigt", antwortet Èomer, der in unserer Nähe steht.
"Dieser Weg dort, wo führt der hin?", fragt Gimli und nimmt mir dabei die Frage aus dem Mund.
"Das ist die Straße zum Tor unter dem Berg", antwortet Legolas ihm.
"Niemand, der sich dorthin begibt, kehrt je zurück. Dieser Berg ist voller Bosheit."
Ein kalter Schauer läuft mir über den Rücken. Ist das nicht der Berg mit den untoten Kriegern? Und ist das nicht genau der Weg, den Aragorn nehmen wird?
Voerst jedenfalls steht er nur vor der Felsspalte und starrt hinein, als würde er einen Geist sehen.
Gimli, der den Essensgeruch in der Luft bemerkt hat, geht auf ihn zu. "Aragorn." Keine Reaktion. Erst als er ihm die Hand auf die Schulter legt, dreht er sich um. "Aragorn, lass uns was zu Essen suchen."
Charlys POV
Aren und ich sitzen im Dunkeln in der Nähe eines Feuers und beobachten die Geschehnisse um uns herum. Éowyn ist vor kurzem mit Merry irgendwohin verschwunden.
"Schlaf, wenn du willst. Ich wecke dich, wenn etwas passiert."
Ich sehe Aren an, den ich, obwohl er direkt neben mir sitzt, nur als Schemen ausmachen kann.
Und obwohl ich viel zu aufgeregt zum Schlafen bin, lehne ich meinen Kopf an seine Schulter und schließe die Augen. Die Geräusche um mich herum sind mir inzwischen vertraut, dennoch merke ich, dass die Männer in unserer Nähe ungewöhnlich nervös sind.
Auch Aren neben mir ist angespannt. Er sitzt kerzengerade und hat den Kpof leicht schief gelegt, als würde er auf etwas lauschen.
So nahe bei ihm spüre ich förmlich, wie Wachsamkeit und Entschlossenheit durch ihn pulsieren.
Ich lege ihm beruhigend eine Hand auf den Arm.
"Etwas nähert sich. Ich spüre es überall um mich herum."
"Eine Gefahr?"
"Nein. Das ist ja das seltsame."
Schweigend bleiben wir in der Nacht sitzen, und ich hänge meinen Gedanken darüber nach, was noch kommen wird.
Katjas POV
Nachdem ich ein paar Stunden in Legolas, Joeys und Gimlis Gegenwart verbracht habe, schlendere ich ein wenig umher.
Schlafen kann ich eh nicht und zu tun gibt's auch nichts. Ein paar Soldaten grüßen mich auf meinem Weg und ich grüße zurück. Wir Mädels sind inzwischen bekannt wie bunte Hunde, und aus nicht wenigen Blicken ist oft Bewunderung für uns zu lesen.
Für was, weiß ich eigentlich nicht, denn wir haben ja noch nichts Großartiges getan. Aber vielleicht liegt es einfach nur daran, dass wir Frauen sind. Oder daran, dass wir Dinge oft voraussehen können.
Wo wir gerade beim Thema sind. Galadriels ‚Gabe' könnte sich auch mal wieder bemerkbar machen. Vielleicht würde uns das ja helfen...
Ich bleibe abrupt stehen, als ich Éowyn und Aragorn vor mir höre. Leise schleiche ich etwas mehr ins Dunkel, damit die beiden mich nicht sehen können.
"Es ist nur ein Schatten und Gedanke, den Ihr liebt. Ich kann Euch nicht geben, wonach Ihr sucht."
Yes! Das war doch mal 'ne klare Abfuhr, wenn ich je eine gehört habe. Ich muss grinsen.
Éowyn tritt zurück und Aragorn nimmt Bregos Zügel und geht auf die Felsspalte hinter ihm zu. Doch plötzlich stellt sich ihm Gimli in den Weg.
"Was glaubst du, wohin du gehst?"
"Nicht diesmal. Diesmal musst du hierbleiben, Gimli."
Doch Gimli rührt sich nicht vom Fleck, und plötzlich stehen auch Legolas und Joey neben ihm.
"Hast du nichts über die Sturheit von Zwergen gelernt?", fragt Legolas verschmitzt.
"Wir gehen mit dir Junge."
Was? Wo wollen die denn hin? Ich mache auf dem Absatz kehrt und mich auf die Suche nach Charly, die ich vorhin irgendwo mit Aren gesehen habe.
So eine Frechheit, sich einfach aus dem Staub machen zu wollen!
Charlys POV
"Charly!"
Katja steht plötzlich vor mir und ich erschrecke mich. Anscheinend bin ich doch eingeschlafen.
"Ara- Aragorn und Legolas–"
"Beruhig dich erstmal und hol Luft!"
Katja macht ein paar tiefe Atemzüge und setzt dann noch mal an.
"Aragorn hat vor, in den Berg zu gehen. Legolas und Gimli sind bei ihm. Und Joey."
"Was?!" Ich springe auf. "Hast du davon gewusst?", frage ich Aren, der sich ebenfalls erhoben hat.
"Nein, aber wir sollten uns beeilen, bevor sie weg sind."
Und das tun wir. Doch anscheinend sind wir zu spät. Am Eingang ist niemand mehr.
"Verdammt! Zu spät!"
"Das glaube ich nicht." Aren schaut sich aufmerksam um. "Dort sind sie..."
Und tatsächlich. Wütend stapfe ich auf Joey zu, die mir am nächsten steht.
"Was glaubt ihr eigentlich, was ihr da tut? Einfach so verschwinden zu wollen! Ohne uns Bescheid zu sagen!"
"Jetzt wisst ihr's ja."
Ich könnte sie manchmal...
"Es spielt eh keine Rolle. Ihr bleibt hier", sagt Aragorn bestimmt.
Wie ich diesen Spruch hasse! Aber gleichzeitig bin ich irgendwie froh, denn ich habe nicht so große Lust, mich mit Toten anzulegen. Und die blasse Katja neben mir scheint auch so zu denken...
"Ich gehe mit! Egal wie gefährlich es wird. Ich werde nicht hierbleiben!"
Joey scheint da irgendwie Mut aus einer Ecke zu holen, die sie bisher selbst nicht kannte. Jedenfalls schient sie sich vor ihrer eigenen Courage zu erschrecken.
Nichtsdestoweniger schaut sie Legolas fest in die Augen, bis dieser leicht nickt.
"Aber ihr bleibt hier. Wir können nicht auf euch alle drei aufpassen."
"Gut, OK."
Aragorn hat noch nie so überrascht geguckt und ich muss fast grinsen.
Wir verabschieden uns von der Gruppe und wenden uns dem Lager zu. Als wir dort aber hören, dass wir sie auch nicht begleiten dürfen, platzt mit fast der Kragen.
Doch Katja legt mir eine Hand auf den Arm.
"Lass uns mit Éowyn reden."
"Ich denke, du hasst sie."
"Ja, aber sie wird mitreiten..."
Oh, ja!
Joeys POV
Ich muss einen am Sender haben! Ich kann nicht mehr ganz dicht sein!
Ich sehe mich in der dunklen Felsspalte um, soweit das bei den gegebenen Lichtverhältnissen (totale Dunkelheit) möglich ist.
Die Pferde haben wir schon vor einiger Zeit zurück gelassen und wenn ich ehrlich bin, würde ich auch gerne wieder umkehren.
Legolas hat seine linke Hand auf meine Hüfte gelegt und dirigiert mich Schritt für Schritt durch den Fels.
Mensch, bin ich dankbar, dass er mit seinen Augen in dem bisschen Licht, das von Aragorns Fackel ausgeht, sehen kann. Die ersten paar Meter bin ich hinter ihm hergelaufen und hab zielsicher jede Kurve verpasst und bin geradeaus in die Wand gelatscht!
Doch als mir jetzt Fledermäuse entgegen kommen, ist es zu viel für mich. Ich drehe mich um und fange an zu rennen, komme aber nicht weit, da ich nach Armeslänge gegen Legolas pralle.
Ich hänge mich zitternd an seinen Hals und stottere vor mich hin. "Sind sie weg? Ich dreh durch, das ist so dunkel und so–"
"Shhht. Keine Angst, ich bin ja bei dir."
Legolas schließt mich in die Arme und fährt mir mit den Fingern durch die Haare. Dabei murmelt er mir weiter beruhigende Worte ins Ohr. Doch beruhigt bin ich noch lange nicht.
"Aber... aber wenn..." Legolas kennt mich jedoch mittlerweile gut genug, und verschließt mir meinen Mund mit einem Kuss. Jetzt fällt mir auch plötzlich wieder ein, warum ich unbedingt mitkommen wollte.
Ich entspanne mich und lasse mich in seiner Umarmung fallen, bis...
"Ahem, darf ich bitten? Wir sind nicht zum Vergnügen hier", höre ich eine grollende Stimme von rechts unten.
Ich lasse mich langsam von den Zehenspitzen wieder auf den ganzen Fuß sinken.
"Danke für den Tipp", zische ich in Gimlis Richtung, sauer, gestört worden zu sein und mich wieder der Realität stellen zu müssen.
Mit Legolas Hilfe eilen wir hinter Aragorn her um die nächste Kurve und mir bleibt die Luft weg.
Wir stehen in einer großen Grotte oder Ähnlichem, in der man die Überreste einer Stadt erkennen kann. Während sich die anderen verwundert und staunend umschauen, stehe ich stocksteif dar und warte auf die Geister.
Und merk dir Joey, darum solltest du nie (!) das Ende eines Buches zuerst lesen.
Na, wer sagt's denn, da kommt was. So schnell ich kann, sprinte ich zu Legolas.
"Aragorn, tu was, du bist hier der König, na los!", dränge ich ihn, als ich sicher hinter Legolas Platz gefunden habe, und er fängt an, mit dem Obergeist – der unter uns gesagt noch hässlicher ist als die anderen – zu verhandeln.
Na blendend, wir haben es geschafft. Na ja, Aragorn hat es geschafft. Die Geister haben gesagt, dass sie uns helfen und wir sollen ihnen den Weg zeigen.
Wir sind jetzt seit zwei Tagen aus dem Felsen raus und ich hab keinen Geist mehr gesehen, aber nachts spüre ich, dass sie da sind.
So wie jetzt. Gimli hat Wache und Legolas sitzt an einen Baum gelehnt und beobachtet Aragorn, der in einem nahen Bach seine Haare – für meinen Geschmack etwas zu notdürftig – wäscht.
Ich gehe zu Legolas, kuschle mich auf seinen Schoß und schaue ebenfalls zu Aragorn.
"Was ist mit ihm?", frage ich leise.
"Aragorn entdeckt sein wahres Ich."
"Also ist diese ganze halsbrecherische, tödliche, gefahrenreiche Sache hier nur ein ganz normaler mittelalterlicher Selbstfindungstrip. Na toll!", murmle ich vor mich hin.
"Was soll es sein?"
"Ach nichts, Legolas", sage ich und kuschle mich schläfrig an ihn.
Charlys POV
"Éowyn! Éowyn!"
Katja und ich laufen durchs Lager und suchen nach der Rohirrim.
Endlich finden wir sie. Sie steht in einer Ecke und zieht sich schnell den Helm über als wir näher kommen, doch wir haben sie erkannt.
"Du brauchst dich nicht zu verstecken. Wir wissen, dass du's bist."
"Werdet ihr mich verraten?"
"Nein. Unter einer Bedingung." Ich sehe, dass Katja mich angrinst, denn sie scheint zu ahnen, worauf ich hinaus will. "Wir wollen mitkommen."
In Èowyns Augen blitzt es auf. "Ich kann euch Kleidung und Waffen besorgen. Und... ja, Pferde."
"Perfekt! Wie lange wirst du brauchen?"
"Es sollte schnell gehen. Die Krieger bereiten sich auf den Aufbruch vor."
"Gut. Katja und ich holen unsere Sachen und wir treffen uns in 10 Minuten wieder hier."
20 Minuten später tragen wir Mäntel und Helme aus Rohan sowie Schwerter an unserer Seite. Katja hat noch eine Hose und ein Hemd bekommen, damit sie in ihrer eigenen Kleidung nicht so auffällt. Ich hab mich mit meinem Elbenanzug farblich eh nicht so sehr von den Kriegern unterschieden und der Umhang verdeckt gut die elbischen Stickereien.
Wo wir gerade von Elben sprechen. Wo ist eigentlich mein Held?
"Katja, hast du Aren irgendwo gesehen?"
"Ja, er war bei den Kriegern da drüben, als ich meine Sachen geholt habe."
Ich drehe mich um, und tatsächlich, da steht er.
Lässig schlendere ich herüber. Aren bemerkt mich als erster und ich weiß,dass er mich sofort erkennt, doch außer diesem Ausdruck in den Augen verrät ihn nichts.
"Arengórë, kann ich kurz unter vier Augen mit Euch sprechen?" sage ich und versuche meine Stimme so gut wie möglich zu verstellen.
"Natürlich. Entschuldigt mich." Er nickt den umherstehenden Kriegern kurz zu und entfernt sich dann mit mir.
"Hey, wie es aussieht, hast du eine neue Mode für dich entdeckt."
Ich grinse ihn an. "Sieht wohl so aus. Und wie gefällt's dir?" Ich mache eine schwungvolle Drehung, ganz so, als würde ich mein neustes Abendkleid vorführen.
Ein Arm stoppt mich.
"Es erfüllt seinen Zweck."
Aren ist ernst geworden, doch ich sehe immer noch etwas Humor auf seinem Gesicht. Er ist manchmal so ganz und gar nicht, wie ich mir Elben immer vorgestellt habe. Und nicht wie ich viele kennengelernt habe. Todernst und leidenschaftslos.
"Hm, ja."
"Bist du dir sicher, dass du das tun willst? Es gefährlicher als alles, was ihr bisher erlebt habt. Gefährlicher als alles, was du dir vorstellen kannst."
Ich nicke entschlossen.
Wir sehen uns ein paar Sekunden lang an.
"Willst du mich nicht aufhalten?"
"Könnte ich denn?"
"Nein."
"Dann kann ich dir nur viel Glück wünschen. Und dir ein Versprechen abnehmen. Pass auf dich auf! Ich werde dich diesmal nicht beschützen können. Und ich will dich nicht verlieren, Charlotte."
Dass er meinen vollen Namen benutzt zeigt mir, wie ernst er es meint. Ich schaue mich schnell um und ziehe Aren dann zu mir um ihn kurz aber intensiv auf den Mund zu küssen.
"Ich wünschte, wir könnten diese Nacht zusammen verbringen, aber wir dürfen deine Tarnung nicht auffliegen lassen."
"Ich weiß."
Und diesmal küsse ich ihn länger.
Dann drehe ich mich schnell um und gehe, bevor ich mich nicht mehr losreißen kann.
Katjas POV
Wir verbringen den Rest der Nacht ziemlich unruhig, müssen immer aufpassen, dass uns niemand entdeckt. Besonders ich mit meinen roten Haaren. Wenigstens ist noch niemandem aufgefallen, dass wir verschwunden sind.
Als der Morgen anbricht, gibt Théoden das Signal zum Sammeln. Ich sehe, wie er an Merry – ebenfalls in voller Rohan-Kluft und einem Schwert – vorbeireitet.
"Kleine Hobbits gehören nicht in den Krieg, Herr Meriadoc."
"All meine Freunde sind in den Kampf gezogen. Ich würde mich schämen, zurückgelassen zu werden!"
"Es ist ein Dreitagesritt nach Minas Tirith und keiner meiner Reiter kann Euch als Last tragen."
"Ich will kämpfen!"
"Das war mein letztes Wort."
Und damit gibt Théoden seinem Pferd die Sporen, das Zeichen für den Aufbruch. Ich deute mit dem Kopf auf Merry, der den Reitern nachblickt.
Und Éowyn scheint zu verstehen. Denn als wir ebenfalls aufbrechen, greift sie im Galopp nach dem Hobbit und setzt ihn vor sich in den Sattel.
Ich muss sagen, so sehr ich sie für die Sache mit Aragorn hasse, um so mehr beneide ich sie um ihre Reitkünste. Eine echt tolle Frau!
