6. Begegnung

Knall!
Mist, fluchte er.
Apparieren war noch nie Dracos Stärke. Und wo war er hier nur gelandet?
Langsam drehte er sich um und sah sich den Raum an. Nicht besonders groß und
nicht besonders schön. Die Möbel wirkten ausladend und trotzdem war die
Atmosphäre irgendwie beruhigend. Ein Schreibtisch, ein Bett vor dem die
Vorhänge vorgezogen waren und ein großer Schrank standen in dem kleinen
Zimmer. Auf dem Boden stand ein Koffer mit viel Kleidung darin. Sonst war
nichts im Zimmer untergebracht. Der Besitzer schien sich nicht die Mühe
gemacht zu haben auszupacken. Es sah auch eher aus als würde Draco sich in
einem Hotelzimmer befinden. Gerade wollte er wieder verschwinden als er ein
leises Geräusch vom Bett hörte.

Verdammt! Warum passierte das immer ihm! Konnte er denn nie etwas richtig
machen! Jetzt würden sie ihn nach Askaban bringen! Außer... Er fröstelte bei
dem Gedanken und trotzdem zog er seinen Zauberstab. Gerade wollte er einen
Fluch sprechen, als ihn eine Frauenstimme zurück stolpern lies.
"Wer ist da?"
Er kannte diese Stimme.
Oh Gott! Dracos Gesicht wurde in sekundenschnelle weiß wie Schnee.
Hatte er während des Apparierens wirklich an...
Eine Hand zog die Vorhänge beiseite.
Draco war wie erstarrt. Nein, er war ja so ein Idiot!
Ein verschlafenes Gesicht erschien hinter den Vorhängen. Große rehbraune
Augen weiteten sich entsetzt, der wunderschöne Mund vor Schreck
zusammengekniffen. Ihre roten lockigen Haare hingen ihr wirr ins Gesicht.
Draco brachte kein Wort heraus. Wie oft hatte er sich gewünscht ihr so nahe
zu sein.
Als sie mit Sankt Potter und seinen Anhängseln durch die Schule lief, wenn
sie Quidditch spielte und wenn sie wieder einmal den Hüter ablenkte und mit
einer erneuten Glanzleistung einen Treffer erzielte...
Wenn sie sich mit ihren Freunden unterhielt wollt er ihr zuhören.
Wenn sie lachte wollte er mit ihr lachen.
Wenn sie traurig ist wollte er sie trösten.
Er sah in ihre Augen, die immer noch weit aufgerissen waren und realisierte,
dass sie schrie.
Er erwachte aus seiner Erstarrung und hörte wie die Tür aufgerissen wurde.
Er spürte noch, wie er an die Wand geworfen wurde. Dann wurde es schwarz...
"Dad!"
"Ginny, alles ist in Ordnung!"
"Ja." Tränen waren in Ginnys Augen zu erkennen.
Sie starrte auf den bewusstlosen Draco Malfoy der in der Ecke ihres Zimmers
lag. Blut floss aus einer Wunde auf seiner Stirn. Ein Todesser war in ihrem
Zimmer.
Sie dachte an den Fuchsbau.
An ihre Mutter.
An all den Schmerz.
Sie brach in Tränen aus.
"Ginny alles wird gut. Er kann dir nichts tun und niemand sonst ist hier."
Immer noch konnte sie sich nicht beruhigen. Ihr Vater kam zu ihr und nahm
sie in den Arm.
"Dad, alles in Ordnung?" Fred und George standen im Türrahmen. "Wir hörten
Ginny schreien!"
Ihre Augen verformten sich zu Schlitzen, als sie Draco Malfoy sahen.
George stürmte sofort auf ihn zu, doch Fred blieb stehen und starrte immer
noch entsetzt den jungen Todesser an. Ginny konnte erkennen wie George sich
über ihn beugte, mit Tränen in den Augen.
"Du Mistkerl!", schrie er. "Du Arschloch, du Dreckfressendes Stück Schleim!"
Er holte mit seiner Hand aus.
"Nein, bitte!" Ginny war aufgesprungen, sie wusste selbst nicht was sie tat.
Unter Tränen schluchzte sie: "Lasst euch doch nicht auf die Gleiche Ebene
herunter wie dieser...dieser..." Sie schniefte "Er kann vielleicht hilflose
Menschen angreifen und foltern aber wir doch nicht. Er ist bewusstlos
George. Es wäre falsch."
"Sie hat Recht", meldete sich Fred. "Selbst wenn er wach wäre. Rache holt
unsere Mutter und all die anderen nicht zurück. Bevor wir ihn töten sollten
wir ihn besser dem Orden übergeben. Er ist ein Todesser. Er wird uns
wichtige Verstecke preisgeben können!"
George sah seinen Zwilling an, der ihn ernst anblickte. George sah noch mal
in das Gesicht des Todessers und erhob sich dann. Mit dem Ärmel wischte er
sich über sein Gesicht. "Ihr hab Recht. George, Fred bleibt hier bei Ginny
und Malfoy. Ich gehe zurück in mein Zimmer und kontaktiere den Orden des
Phönix."
Damit verlies Arthur Weasley den Raum. Fred lehnte sich an die Wand und
seufzte leise auf. Und George lies sich zu Ginny aufs Bett. Etwa 5 Minuten
später stand ihr Vater wieder in der Tür mit einem verschlafenen Ron, seine
Koffer hatte er bei sich.
"Los Ginny pack deine Koffer! Ihr beiden auch!"
Er ging auf Malfoy zu und prüfte nach ob dieser immer noch bewusstlos war.
Dann sprach er einen Schwebezauber auf ihn und legte einen Tarnzauber
darüber, so dass Malfoy unsichtbar war.
"Wir sind nicht länger sicher im Tropfenden Kessel!"
Wenig später stiegen die Weasleys voll bepackt und mit einem unsichtbaren
Todesser hinter sich herschwebend auf den Weg nach unten in den Schankraum
des Tropfenden Kessels.
Tom winkte sie zu sich. "Arthur bist du ganz sicher, dass der Junge während
der Reise euch keine Schwierigkeiten macht?"
"Keine Sorge Tom, ich habe an alles gedacht!" Er bedeutete seinen Kindern
hinter den Tresen zu gehen, wo sich eine Tür befand. In dem Raum dahinter
befanden sich lediglich ein Bett, ein Schrank, und ein Schreibtisch.
Dieselbe Einrichtung wie in den anderen Zimmern. Doch im Gegensatz zu den
anderen hingen hier überall Bilder und Kleidung war wild über den Boden
verstreut. Auch gab es hier einen Kamin.
"Tschuldigung konnte nicht mehr aufräumen!" Tom wurde rot und reichte den
Weasleys eine Schüssel mit Flohpulver.
Da meldete sich Ginny.
"Ja Gin!"
"Aber wo hin, ich meine der Fuchsbau ist zerstört und Grimmaultplace ist
nicht mehr sicher!"
"Tja, Ginny, versuchen wir es mal im neuen Versteck des Ordens! Also Kinder
hintereinander aufstellen und..."
"Aber Dad!", rief nun Fred dazwischen. "Wir wissen nicht wohin!"
"Oh ja, natürlich!" Er zog Ginny zu sich und schubste sie in die bereits
grünen Flammen. Arthur tippte mit seinem Zauberstab gegen Ginnys Kopf und
plötzlich erschien ein Bild von einer großen Villa in ihren Gedanken, mit
einem wunderschönen Garten, der allerdings etwas verdorrt aussah. Und schon
begann sich alles um sie herum zu drehen.

Plötzlich flog sie aus einem Kamin. Sie befand sich in einer Art Flur. Ginny
sah sich um, hier sah es gemütlich aus, fast als würde eine Familie hier
wohnen. Sie ging gerade auf ein Bild an der Wand zu als Fred und George
hinter ihr aus dem Kamin traten. Sie klopften sich gerade den Staub von den
Schultern, als Ron erschien und mit ihm ihre Koffer und nach ihm ihr Vater.
"Dad", sagte Ginny und drehte sich wieder dem Bild zu auf dem sich eine
hübsche rothaarige Frau und ein schwarzhaariger Mann befanden. "Wo sind wir
hier?" Sie sah, wie der schwarzhaarige Mann mit einem kleinen
Baby spielte, das sehr verstrubbelte Haare hatte.
"Tja, Kinder! Willkommen in Godrics Hollow!"