Die nächsten beiden Wochen verbrachten die Grangers in Harrys Haus. Harry und Hermine waren oft in Paris unterwegs oder in der Bibliothek der Ravenclaws. Oft erzählte Harry Geschichten von seiner Zeit in der Vergangenheit. Er hatte Hermine auch das Buch von Genevieve gegeben. Im Moment saß Harry auf der Dachterrasse und blickte auf das Medallion in seiner Hand.
„Oh Morgana!", flüsterte als er das Bild seiner Exfreundin betrachtete.
Erinnerungen kamen hoch. Am stärksten die Erinnerung an das erste Treffen. Es war ein ein halb Wochen nach seiner Ankunft in Camelot…
Flashback
Wieder eine Übungsstunde mit Lancelot. Langsam hatte Harry das Gefühl, dass er ein bisschen besser wurde. Er sank gerade zu Boden, erschöpft wie immer und blickte kurz darauf in das Gesicht seines Lehrmeisters Emrys.
„Harry? Begleitest du mich kurz? Meine neue Schülerin trifft in den nächsten Minuten ein und ich würde sie gern mit dir zusammen begrüßen."
„In Ordnung."
Harry erhob sich und mit einem kurzen Zauber hatte er sich erfrischt.
„Wie heißt sie?", fragte Harry, als sie über den Hof zum Tor schritten.
„Morgana Le Fey. Sie ist vielversprechend und ich denke, du könntest ihr ein paar der moderneren Zauber beibringen. Ich kann dich sowieso nicht mehr unterrichten und es wird dir gut tun, selbst zu unterrichten."
„Ich unterrichte doch Genevieve."
„Aber du unterrichtest keine Zauberei. Wenn du zurück kehrst bist du der letzte Erzmagier. Du wirst dir wohl einen Schüler nehmen müssen, damit wir nicht aussterben."
„Emrys, nach dir gibt es keinen Erzmagier mehr. Alle denken, sie wären nur ein Mythos. Ihr seid bereits ausgestorben."
„Nicht ihr – WIR! Harry du bist selbst ein Erzmagier."
Sie waren gerade am Tor angekommen. Das öffnete sich in diesem Moment und ein Mädchen ritt in den Hof. Sie ritt auf einer schwarzen Stute und sprang elegant ab, als sie vor Harry und Emrys stand. Ihre braunen Haare waren geflochten und die haselnussbraunen Augen glitzerten fröhlich.
„Merlin", sagte sie und knickste kurz vor dem Zauberer.
Harry starrte sie erstaunt an. Sie sah aus wie Hermine! Dieselben Locken, die gleichen Augen…
„Morgana! Ich hoffe, deine Reise war gut. Das hier ist Harry Potter mein letzter Schüler. Er wird auch ein bisschen was von deinem Unterricht übernehmen. Er kommt aus der Zukunft."
„Es freut mich, dich kennen zu lernen."
„Mich ebenso", entgegnete Harry und neigte kurz seinen Kopf.
Emrys und Morgana gingen daraufhin ins Schloss, Harry blieb am Tor stehen und blickte ihnen nach. Er nahm die Zügel der Stute in die Hand und führte sie zu den Ställen.
Flashback Ende
Er fand es immer noch verwirrend, dass Hermine und Morgana sich so ähnlich waren. Er musste bei den ersten Begegnungen mit Morgana immer daran denken, sie nie Hermine zu nennen, ebenso wie er nun bei Hermine aufpassen musste. Aber was empfand er für Hermine? Liebte er sie genauso wie er Morgana geliebt hatte oder war sie nur der Ersatz für die verlorene Liebe? Er wusste es nicht, genau deshalb ignorierte er das Herzklopfen. Er musste sich erst darüber klar werden und Hermine als Ersatz – niemals! Sie war seine beste Freundin und er wollte sie auf keinen Fall verlieren! Lieber blieb er allein, bis das alles hier vorbei war. Bis das alles hier vorbei war… das erinnerte ihn an eines seiner Treffen mit Morgana, als sie gerade ein Paar geworden waren und noch niemand es wusste, bzw. wissen durfte.
Flashback
Es war schon dunkel im Schloss, als eine Gestalt im weiten schwarzen Umhang nach draußen trat, die Kapuze tief in das Gesicht gezogen. Sie war klein, zierlich und dem Gang nach, eine Frau. Sie trat auf eine weitere Gestalt im Umhang zu. Sie war groß, muskulös und fasste die Frau um die Taille, zog sie zu sich und küsste sie. Nach dem endlos scheinenden Kuss nahm er ihre Hand und führte sie über den Hof in den Stall. Zwei der schwarzen Pferde wurden losgebunden und sogleich saßen die beiden Verhüllten auf den Tieren und ritten aus Camelot davon. Sie hielten erst, als sie weit von der Stadt entfernt waren und niemand sie mehr sehen konnte. Nachdem die Pferde an einem Baum angebunden waren ließen beide die Umhänge von den Schultern gleiten.
„Oh Harry! Warum müssen wir uns nur verstecken!"
„Du weißt, dass keiner es gern sehen würde, wenn wir ein Paar sind, am allerwenigsten Emrys. Morgana, ich komme nicht aus dieser Zeit! Ich muss zurück! In zwei Monaten ist meine Zeit hier vorbei und ich werde dann auch nicht mehr wiederkommen. Außerdem denkt Emrys es würde uns ablenken, wenn wir ein Paar wären."
„Das ist doch egal! Lass es uns genießen bis alles hier vorbei ist. Ich liebe dich, Harry und dass du nicht aus dieser Zeit kommst wird das auch nicht ändern. Lass es uns den anderen sagen. Zumindest Genevieve hat ein Recht darauf. Sie ist unsere beste Freundin."
„In Ordnung. In zwei Tagen ist ein Ball. Geh mit mir hin und wir machen es allen öffentlich! Wir zeigen ihnen, dass wir uns nicht verstecken."
„Gerne. Ich freu mich schon. Ich habe mir so einige Arten überlegt gehabt, wie ich mir einen Tanz von dir stehlen kann."
„Das wird nun nicht mehr nötig sein. Gut das Genevieve mir unbedingt das Tanzen beibringen musste."
„Dafür muss ich ihr danken, wenn wir es allen erzählt haben."
„Dank vor allem ihren Füßen. Sie mussten ganz schön was mitmachen, bei mir."
Morgana lachte und lehnte sich an Harry. Schweigend saßen sie noch einige Stunden da, bis sie zurück kehrten in das Schloss, das beide ihr zuhause nannten.
Flashback Ende
Sie waren wirklich gemeinsam zum Ball gegangen, hatten viel getanzt und sich eine Strafpredigt von Emrys angehört, der ihnen dann am Ende jedoch viel Glück gewünscht hatte. Genevieve fiel beiden um den Hals als sie sah, dass Harry und Morgana Händchen hielten. Artus klopfte Harry einfach nur auf die Schulter und lächelte. Es war ein wunderbarer Abend gewesen.
Es klopfte an einem der Holzpfosten mit denen der Pavillon befestigt war und Hermine stand vor Harry.
„Was machst du hier oben?", fragte die junge Hexe
„Ich denke nach."
„Über was?"
„Über die Zeit in der Vergangenheit."
„Morgana, oder?"
„Ja. Es fällt schwer, sie zu vergessen."
„Du sollst sie nicht vergessen, sondern sie immer in deinem Herzen behalten. Denk an die schöne Zeit zurück und sei glücklich."
„Danke Hermine."
„Wofür?"
„Du hast mich an das Versprechen erinnert, das ich Morgana gegeben habe: Mein Leben weiter zu leben."
„Brich das Versprechen nicht, hörst du? Egal was passiert."
„Ich versuche es."
„Jetzt komm mit runter. Meine Eltern wollen, dass wir mal richtig ausgehen. Sie meint, wir wären alt genug."
„Wenn sie wirklich meinen. Dann sollten wir uns wohl umziehen, oder?"
„Wo sollen wir denn hingehen?"
„Ich hab da schon so eine Idee."
„Was muss ich anziehen?"
„Etwas in dem du tanzen kannst."
„Tanzen? Du?"
„Genevieve hat es mir beigebracht."
„Bis gleich."
Hermine verschwand von der Dachterrasse und Harry blickte noch ein letztes Mal auf das Bild im Medallion.
„Ich werde mein Versprechen halten, Morgana. Und heute fang ich damit an."
Eine halbe Stunde später stand Harry in seiner Eingangshalle und wartete auf Hermine. Seine Beine steckten in einer seiner schwarzen Lederhosen, darüber trug er ein dunkelgrünes Hemd und hielt seine Jeansjacke in der Hand. Außerdem trug er seine schwarzen Stiefel. Als Hermine die Treppe runterkam, stockte ihm der Atem. Sie trug eine Leggins in schwarz und darüber ein pinkes Kleid, das ihr bis zu den Oberschenkeln reichte. Ihre Füße steckten in hohen Schuhen, ebenfalls in pink. In ihrer Hand hielt sie eine schwarze Lederjacke, die Haare hatte sie zu einem hohen Pferdeschwanz gebunden.
„Wow! Du – wow siehst toll aus, Hermine!"
„Du aber auch, Harry!"
Hermine war ebenso die Luft weggeblieben als sie Harry gesehen hatte. Er sah einfach traumhaft aus!
„So und wo gehen wir jetzt hin?"
„Wir gehen nicht, wir fliegen. Mit Sirius' Motorrad."
„Kannst du damit umgehen?"
„Klar! Komm!"
Zusammen verließen sie das Haus und traten zu der schwarzen Maschine die vor der Tür geparkt war.
Harry startete das Motorrad und die Maschine brüllte grollend auf. Kurz darauf hoben sie ab und flogen über den Nachthimmel.
In einer Seitenstraße landeten sie und Harry fuhr richtig. Vor einem Club bremste er, schaltete den Motor aus und stieg zusammen mit Hermine ab.
„Wir sind da", sagte er und zeigte auf die Leuchtreklame des Clubs.
„Magic?"
„Ja. Er heißt nicht nur so, er ist auch ‚Magic' denn es ist einer der Zaubererclubs hier in Europa. Es gibt wenige, in England gar keinen, aber der in Paris ist der beste."
„Woher weißt du das?"
„Sie gehören mir."
„Sie – wow!"
Harry lächelte und führte Hermine zur Tür.
„Hey Jay! Du beehrst uns mal wieder!"
„Meine beste Freundin soll mal gezeigt bekommen, wie man in Paris so feiern kann, Pierre", sagte Harry zu dem Türsteher.
„Na dann kommt mal rein! Jacqueline ist auch wieder da."
„Dann sollten wir sie wohl mal besuchen."
„Du warst schon öfter hier?", fragte jetzt Hermine, als sie in den Club traten.
„Als ich wieder hier war. Die ersten Tage hab ich abends immer hier verbracht. Okay, auch in den anderen, aber der hier ist immer noch der beste. Als ich das erste Mal kam und sagte, ich wäre der Boss sahen mich alle erst mal groß an. Aber mittlerweile kenn ich sie alle ganz gut. Die sind eine eingeschworene Familie."
Harry lotste Hermine durch den Club zur Bar durch und sah sich dort um.
„Jacqueline!", rief er, als er ein blondes Mädchen, vielleicht ein, zwei Jahre älter als Hermine entdeckt hatte.
„Jay! Du bist wieder hier!"
„Na klar. Wie läufst so?"
„Gut, gut. Du siehst ja, der Laden ist voll, aber dein Tisch ist wie immer frei."
„Ihr sollt mir doch keinen Tisch freihalten!"
„Du bist der Boss. Du hast halt ein Recht auf einen Tisch im VIP – Bereich und außerdem bist du Harry Potter. Du bist der VIP schlechthin."
„Na dann bring uns mal was zu trinken an ‚meinen' Tisch. Ach so, das hier ist übrigens Hermine, meine beste Freundin aus Hogwarts."
„Freut mich, dich kennen zu lernen, Hermine. Was willst du trinken?"
„Mach ihr dasselbe wie mir, Jacqueline. Sie hat keine Ahnung, was man heut zu tage so trinkt."
„Wie du, meinst du?"
Harry lächelte nur.
„Es freut mich auch, dich kennen zu lernen, Jacqueline."
Mit Harry zusammen lief sie wieder durch den vollen Club und trat dann auf einen Bereich zu, der von einem Band abgesperrt war.
„Ah, der Boss ist da. Leute Achtung!", rief ein Mann hinter der Absperrung.
„Fang nicht so an, Carlos, sonst lass ich wirklich mal den Boss raushängen, du solltest hier nämlich eigentlich nicht rauchen."
„Okay Boss, ich hör auf. Wer ist denn die hübsche Lady an deiner Seite?"
„Hermine Granger, meine beste Freundin. Und du lässt die Finger weg, sonst gibt's Ärger."
„Versteh schon, Jay. Na dann komm mal rein."
Carlos machte den Weg frei und die beiden Hogwartsschüler traten ein. Kurz darauf kam auch schon Jacqueline und brachte zwei Gläser mit giftgrüner Flüssigkeit.
„Will von euch noch jemand was trinken?", fragte sie in die Runde und nahm die Bestellungen auf, danach verschwand sie wieder hinter die Bar.
„Wie kommst du eigentlich zu dem Namen Jay?", fragte Hermine.
„Sie wollten einen modernen Namen für mich, bei dem nicht jeder erkennt, dass Harry Potter dahinter steckt und Jay als Abkürzung von James passte da am besten."
„Ja, Jay ist wirklich besser."
„Du kannst mich gerne auch so nennen. Dann fühl ich mich wohler."
„Gerne, Jay."
Beide lächelten und prosteten sich dann zu. Es wurde noch ein lustiger Abend und Hermine war oft auf der Tanzfläche zu finden, ob jetzt mit Harry oder einem der anderen Jungs aus dem ‚Magic'. Spät nachts brachen sie dann wieder auf und machten sich auf den Weg zum Ravenclaw-Haus. Dieser Abend war anders gewesen, als alle mit Morgana. Was aber nicht nur an der Musik lag, sondern an Hermines ganzer Art. Hermine war selbstbewusst, sagte ihre Meinung und Morgana war immer zurückhaltend gewesen, ganz einer jungen Frau im Mittelalter entsprechend. Doch Hermine war eine junge moderne Hexe. Immer mehr Unterschiede fielen ihm zwischen Hermine und Morgana auf, auch wenn sie sich durchaus ähnlich waren.
Erinnerungen an Morgana würden ihn sicherlich immer wieder heimsuchen, doch er wusste jetzt, dass er Hermine liebte, aber auf eine andere Weise als Morgana und niemals wollte er die Zeit mit Morgana missen, aber sie würde nicht seine Beziehung zu Hermine beeinflussen.
