„Gut, ich hab dir vorhin einen Kaffee mitgebracht." Sam blieb nichts anderes übrig, als auf Morgen zu warten. Vielleicht hatten sich seine Gefühle bis dahin auch wieder so weit beruhigt, dass er wieder einen klaren Gedanken fassen konnte.

Dean sah den braunen Becher und griff danach. „Bleibst du noch ein bisschen bei mir?" wollte er dann wissen. Sam nickte und nahm auch seinen Becher. Sie rutschten etwas auseinander, ohne jedoch den Körperkontakt ganz zu unterbrechen und unterhielten sich noch etwas. Die meiste Zeit saßen sie aber einfach nur da uns sahen sich an.

Erst als eine Schwester reinkam und Sam bat zu gehen, lösten sie sich schweren Herzens voneinander. Dean hätte den Jüngeren gerne noch mal geküsst, traute sich aber nicht. Da es Sam gleich ging, verabschiedeten sie sich und Sam ging nach draußen.

So wie die Tür hinter ihm ins Schloss gefallen war, lehnte er sich an die Wand hinter sich und schloss die Augen. Verwirrt traf seinen Zustand im Moment nicht einmal annähernd. Nach ein paar Minuten hatte er sich soweit beruhigt, dass er seinen Dad anrufen konnte um abgeholt zu werden.

Da John und Mary noch in einem Cafe um die Ecke des Krankenhauses waren, konnte Sam gleich zum Auto und musste nur ein paar Minuten warten. Die Heimfahrt verlief schweigend, da alle mit ihren eigenen Gedanken beschäftigt waren.

Bevor Sam sich zu Hause in sein Zimmer verzog, ging er noch mal zu seinen Eltern. „Dad, muss ich morgen zur Schule?" John sah ihn ernst an und meinte: „Ja klar, du gehst zur Schule, ich zur Arbeit und Mary holt Dean ab."

„Ach Dad, kann ich nicht den einen Tag schwänzen und mit ins Krankenhaus fahren um Dean abzuholen?"
„Nein Sam und sieh mich nicht so an. Du gehst zur Schule und siehst deinen Bruder am Abend. Er braucht eh seine Ruhe."

Sam musste sich geschlagen geben, er rief Gabriel an, ob der ihn in der Früh abholen könnte, da der Impala ja noch bei der Schule stand. Dann machte er sich bettfertig und schlief trotz allem recht schnell ein.

Auch Dean schlief in dieser Nacht überraschend gut und konnte die Morgenvisite gar nicht erwarten. Als alles in Ordnung war und er die Entlassungspapiere hatte, ging er zu seiner Mum, die schon auf ihn wartete.

Leicht enttäuscht stellte er fest, dass sie alleine war. Mary, die ihren Sohn sehr gut kannte, musste leicht schmunzeln. „Er ist in der Schule, wo er um diese Zeit auch hingehört", beantwortete sie ihm gleich die Frage, die er nie laut ausgesprochen hätte.

Verlegen senkte er den Kopf und umarmte die blonde Frau. „Na komm, fahren wir nach Hause, da legst du dich wieder hin. Die nächsten zwei Tage hast du noch Bettruhe und du bist für den Rest der Woche krank geschrieben", erklärte sie ihm.

„Ich weiß, der Doc hat es mir gesagt. Könntest du aber noch bei einer Apotheke stehen bleiben, er hat mir das Rezept mitgegeben. Sind Schmerzmittel für meinen Kopf."

„Aber sicher, gib her. Na komm jetzt, ich bin so froh, dass nicht mehr passiert ist." Damit dirigierte sie ihn zum Auto und fuhr los.

Sowie sie zu Hause waren, wurde Dean in sein Zimmer geschickt und ins Bett verfrachtet. Mary brachte ihm was zu trinken und zu essen, gab ihm seine Tabletten und ging wieder. Durch die Ruhe und die Schmerzmittel schlief Dean fast den ganzen Tag durch.

Erfreut stellte er nach dem Aufwachen fest, dass die Bohrarbeiten in seinem Kopf weniger geworden sind. Er fühlte ich zwar noch nicht ganz fit, aber das nachlassen der Kopfschmerzen steigerte seine Laune schon etwas.

Mary war ein paar Mal in seinem Zimmer um nach ihm zu sehen, wollte ihn aber nicht wecken. Als sie jetzt Geräusche aus dem Zimmer hörte, ging sie sofort nachsehen und fand einen wachen Dean vor, der gerade aufstehen wollte. „Was denkst du, was du da machst?" wollte sie gleich wissen.

„Mum, ich muss ins Bad, wirklich ganz dringend", sagte er im vorbeigehen und schlug ihr die Türe vor der Nase zu. Sie setzte sich auf das zerwühlte Bett und wartete auf ihren Sohn. Als Dean wieder kam, lächelte er sie an und hob entschuldigend die Schultern.

„Schon gut, leg dich wieder hin. Brauchst du was?"
„Was zu trinken wäre nicht schlecht, bitte."
„Ich bring dir noch was."
„Danke Mum, du bist die Beste!"

Er kuschelte sich zurück in die Kissen und war gleich darauf wieder eingeschlafen. Erst durch das zuschlagen der Haustür wurde er wieder wach und sofort war sein Bruder in seinen Gedanken. Sein Herz fing an schneller zu klopfen und er setzte sich aufrecht hin.

Da sein Mund völlig ausgetrocknet war, trank er gierig aus der Flasche Wasser, die auf seinem Nachttisch stand. Jetzt war zwar sein Durst gestillt, aber die Nervosität steigerte sich mit jeder Minute, die er darauf wartete, dass seine Türe endlich aufging und sein Sammy zu ihm kann.

Sam stand derweil unten in der Küche und konnte sich nur mit Mühe zurückhalten nicht sofort zu Dean ins Zimmer zu laufen. Den ganzen Tag in der Schule gab es nur ein Thema: seinen Bruder. Natürlich konnte er da nicht wirklich an etwas anderes denken, als an das bevorstehende Gespräch zwischen ihnen, musste aber ganz brüderlich seinen Schulkameraden erklären, was mit ihm los war.

Als er der Meinung war, lange genug gewartet zu haben ging er langsam zu Deans Zimmertüre und öffnete sie langsam. Als er in das Zimmer schaute, sah er ihn im Bett sitzen und sein Herz schlug automatisch schneller.

„Hey, da bist du ja endlich. Hab schon ungeduldig auf dich gewartet. Ein ganzer Tag ohne dich ist echt lang." Sam schmunzelte und ging ganz ins Zimmer. Als die Tür hinter ihm geschlossen war, antwortete er: „Erstens hab ich gehört, dass du den ganzen Tag verschlafen hast und zweitens kann nicht jeder den ganzen Tag auf der faulen Haut liegen."

Dean lächelte und sah in Sams Augen. „Sammy, komm bitte her, ich glaub ich muss dir da was erklären." Der Jüngere konnte und wollte den Blickkontakt nicht unterbrechen und ging langsam in Richtung Bett.

Nachdem er sich an Deans Seite gesetzt hatte, spürte er sofort, wie dieser ihre Hände miteinander verschränkte. Sam lächelte, als Dean nervös mit ihren Finger zu spielen anfing.

„Sam, ich muss dir was sagen, ich hab dich gestern im Krankenhaus ziemlich überrumpelt, aber wie du da herumgelaufen bist und mir erklärt hast welche Sorgen du dich um mich gemacht hast, da konnte ich nicht mehr anders. Ich…ich glaub, ich hab mich schon damals im Cafe, naja, als du hinter Dad hervorgekommen bist und mich angesehen hast…das war wie ein Schlag für mich. Ab da warst du sofort der wichtigste Mensch für mich…ich konnte mir nur noch nicht vorstellen wie weit das mal gehen wird aber…"

Er wusste auf einmal nicht mehr weiter und hatte Angst davor endlich auszusprechen was er fühlte. Während seines Gestotters hatte er Sam kein einziges Mal angesehen, sonder nur auf ihre Hände gestarrt. So konnte er auch nicht sehen, wie Sams Lächeln immer breiter wurde.

„Dean?" fragte er leise.
Der Ältere schaute auf und als er den weichen Gesichtsausdruck von seinem Bruder sah war er sich sicher. „Sammy, ich hab mich in dich verliebt. Das klingt so unglaublich kitschig, ist aber so. Wenn du nicht bei mir bist, vermiss ich dich. Wenn du mich berührst, läuft sofort eine Armee Ameisen über meine Haut und wenn du lachst, ist es das schönste Geräusch für mich, ich…"

Weiter kam er nicht, da Sam ihn stürmisch küsste. Beide seufzten erleichtert an den Lippen des anderen. Als der Kuss inniger wurde, ließ Dean seine Hände nach oben wandern, legte sie dem Jüngeren in den Nacken und zog ihn damit näher zu sich heran. Ohne den Kuss zu unterbrechen, wälzten sie sich so lange hin und her, bis sie halb aufeinander im Bett lagen.