So, nach diesem Kapitel geht' dann endlich los! :)


Neun gegen Neun

Alatariel verbrachte die meiste Zeit des Tages mit der Erkundung Bruchtals, was sie sicher noch Wochen hätte tun können. Es gab so viele herrliche Fleckchen, verborgene Winkel, in denen das Licht grünlich schimmernd durch das Laub der Bäume fiel oder der Boden wirkte, als sei er aus Gold. Beinahe überall hörte man das Rauschen der großen und kleinen Wasserfälle, doch nirgends klang es gleich oder unmelodisch.

Estel zeigte ihr viel und ebenso viel erzählte er ihr über diesen Ort und auch über seine Bewohner. Sie musterte ihn oft aus den Augenwinkeln heraus und zwei Tage nach der Abreise der Zwillinge fiel ihr auf, was sie so an ihm verwirrt hatte – seine Augen. Bei den Elben, das hatte sie zum einen gehört und zum anderen nun auch gesehen, konnte man nur an den Augen das wirkliche Alter erahnen und Estels Augen schienen viel zu viel gesehen zu haben um zu ihm zugehören.

Verbrachte sie ihre Zeit nicht alleine oder mit Estel, so sprach und lachte sie mit Merry und Pippin, die ihr, trotz ihrer äußeren Erscheinung noch ein wenig wie Kinder vorkamen, was sie aber nur umso liebenswerter machte.

Der Mann mit den alten Augen und dem jungen Gesicht stellte ihr auch Elronds Tochter, Arwen, vor. Männer, die ihr begegneten, waren verzückt von ihrer Schönheit und den Halblingen erging es nicht anders. Alatariel war beeindruckt, doch nach nur einem Augenblick verspürte sie einen Anflug von Neid. Weshalb war diese Elbin so wunderschön und sie nicht? Es erschien ihr ungerecht. Allerdings stieg Arwen wieder in ihrem Ansehen, nachdem sie ein wenig mit dem Abendstern gesprochen hatte. Sie war wirklich nett, sehr ruhig und um einiges überlegter als ihre Brüder.

Sie saß gerade bei Arwen unter ihrem Baldachin. Ein Anblick der Gegensätze. Die eine blond die andere schwarzhaarig, eine in Wams und Hosen, die andere in feine Seide gehüllt, eine mit Locken, eine mit glatten Haaren. Sie unterhielten sich über das Erwachen des vierten Halblings und Ringträgers Frodo, als eine helle Glocke ertönte und den Rat ankündigte.

„Verzeiht, doch ich muss gehen." Alatariel erhob sich und die Aufregung war ihr anzusehen.

„Sicher doch. Immerhin ist es eine bedeutende Versammlung, die mein Vater da einberuft." Die Elbin lächelte sanft.

„Ihr werdet nicht daran teilnehmen?" erstaunt blieb Alatariel, die gerade hatte gehen wollen, stehen.

Arwen schüttelte sacht den Kopf. „Nein. Ich bin keine Kriegerin und wüsste auch nicht, was ich dort verloren habe."

Mit einem Nicken verabschiedete sich die Blonde und eilte auf die Terrasse. Elrond empfing sie und wies ihr einen Sitzplatz zu.

„Die anderen werden sicher bald eintreffen."

Sie nickte freundlich und besah sich die anderen Anwesenden. Estel saß etwas abseits alleine und schien in Gedanken versunken. Zwei Zwerge saßen ihr schräg gegenüber und wenn sie sich recht erinnerte, dann hieß der Ältere Glóin und der Jüngere, sein Sohn, Gimli. Die Zwerge sahen genauso aus, wie sie sich Zwerge vorgestellt hatte. Klein, grimmig drein blickend und bärtig. Sie schienen sehr stolz auf ihr Bärte, da diese sehr gepflegt wirkten und der Ältere kleine Silberperlen eingeflochten hatte.

Es kamen immer mehr, hauptsächlich Elben, von denen eine Gruppe in grün-braune Reisekleidung gehüllt war, einige Zwerge und ein hochgewachsener Mann mit kinnlangen Haaren und einem Bart. Er warf ihr einen kurzen Blick zu und murmelte etwas wie: „Was will eine Frau in der Kleidung eines Kriegers?" und ließ sie auf seinen Platz, zwei Stühle links von ihr, sinken. Zu letzt kam Gandalf der Graue, den sie ein paar Mal in Edoras gesehen hatte, in Begleitung zweier Halblinge, einem älteren, der Bilbo hieß und laut Estel den Ring gefunden hatte, einer mit dunklen Haaren und großen blauen Augen. Das muss Frodo Ringträger sein. Ihn hatte sie, im Gegensatz zu den anderen Halblingen Merry, Pippin und Samweis, nur aus der Ferne und nur kurz gesehen.

Elrond eröffnete die Versammlung und stellte alle der Reihe nach vor, wobei sich ihre Vermutung, die Zwergen-Namen betreffend, als richtig erwies. Viele der elbischen Namen konnte sie sich nicht merken. Sie war die letzte in der Reihe, der Mann war Boromir aus Gondor.

„Alatariel aus Rohan." Meinte Elrond und nickte ihr zu. „Ihr müsst Boromir überholt haben."

Sie lächelte freundlich und warf dem Sohn des Truchsess einen Blick zu. „Die Pferde Rohans sind seit je her schneller als die Gondors."

Boromir schnaubte verächtlich. „Was will Rohan wo Gondor schon ist?"

Alatariel fuhr hoch und der Mann tat ihr es gleich. Mit Genugtuung bemerkte sie seine Verwunderung darüber, dass sie beinahe so groß war wie er selbst. „Schon lange ist Rohan keine Provinz Gondors mehr! Wir waren es einst, die euch retteten." Zischte sie ihm entgegen.

„Ein zweites Mal werden wir eure Hilfe nicht brauchen!" fauchte er zurück.

„Das wird sich zeigen!" ihre Augen funkelten bedrohlich und ihre Kiefer mahlten.

„Setzt euch!" gebot Elrond und tadelte beide mit seinen Blicken. „Es ist nicht die Zeit für einen Streit zwischen zwei Brüdern, wenn beide in Gefahr sind!"

Alatariel warf einen letzten wütenden Blick auf Boromir und ließ sich so würdevoll es ihr möglich war auf ihren Platz sinken, wobei sie Elrond einen entschuldigenden Blick zu warf. Langsam und auch einwenig widerwillig ließ sich auch der Mann auf seinen Stuhl fallen.

Es wurde vieles besprochen und berichtet, auch aus dem Süden und aus den östlichen Gebirgen. Sie versuchte sich so gut wie möglich zu zuhören und sich zu konzentrieren, aber es fiel ihr schwer, da es so viel war und so verzweigt. Glóin sprach von Khazad-dûm, dass sie dort zu tief geschürft hatten und dennoch ein Zwerg namens Balin diese Mine wieder besiedelt hatte, auch wenn seit Jahrzehnten keine Nachricht mehr von dort gekommen war. Doch das wichtigste, war dass Mordor von den Hobbits und dem Ring wusste.

Anschließend berichtete Elrond von Sauron und den Ringen der Macht. Nach seiner Ansprache waren einige dafür den Ring zu verbergen, einige weniger dafür, ihn zu vernichten und Boromir dafür, ihn gegen seinen eigentlichen Herren zu verwenden. Er sprach von einer Prophezeiung, die er gehört hatte.

Das zerbrochene Schwert sollt ihr suchen,

nach Imladris ward es gebracht,

dort soll euch Ratschlag werden,

stärker als Morgul-Macht.

Ein Zeichen soll euch künden,

das Ende steht bevor,

denn Isildurs Fluch wird erwachen,

und der Halbling tritt hervor."

Die Sage um das zerbrochene Schwert Elendils war ihr bekannt, auch das Bruchtal Imladris, die letzte Zuflucht, genannt wurde und das Morgul ein elbisches Wort für Magie war. Doch das war auch schon alles, was sie aus diesem Gedicht ziehen konnte und Boromir ging es genau so.

„Und hier in Elronds Haus soll dir noch einiges klar werden." sprach Estel, der nun zum ersten Mal sprach und sich erhob. Er zog sein Schwert und legte es auf den Tisch – die Klinge war zerbrochen.

Boromir sah ihn erstaunt an. „Wer bist du?" fragte er verblüfft.

Ein blonder Elb, der in Grün- und Brauntöne gekleidet war erhob sich nun auch. „Er ist Aragorn, Arathorns Sohn. Er ist der Nachfahre Elendils Sohn Isildur, dem Herrn von Minas Ithil, Oberhaupt der Dúnedain des Nordens und somit rechtmäßiger Thronerbe Gondors."

Estel warf dem Elben einen, für Alatariel, undeutbaren Blick zu.

„Ich bin nicht hier um den Erben Elendils nach Gondor zu bringen," begann Boromir langsam und wählte jedes Wort mit bedacht. „dennoch ist das Schwert Elendils eine willkommene Unterstützung." Aber trotz seiner Worte standen ihm die Zweifel ins Gesicht geschrieben.

Der alte Hobbit Bilbo erhob sich und gab nun auch einen Vers zum Besten:

Nicht jeder Verirrte verliert sich,

Nicht alles was Gold ist glänzt;

Die tiefe Wurzel erfriert nicht,

Was alt ist wird nicht zum Gespenst.

Aus Schatten ein Licht entspringe!

Aus asche soll Feuer loh'n!

Heil wird zerbrochene Klinge,

Der Kronlose steigt auf den Thron.

Wenn du so weit für des Rätsels Lösung gereist bist, dann beherzige es auch!" damit ließ sich der gebrechliche Halbling grollend sinken.

Estel lächelte und wandte sich wieder an Boromir. „Deine Zweifel verstehe ich. Doch meine Heimat, wenn ich eine habe, ist der Norden, nicht der Süden."

Dies wurde nicht weiter angesprochen und gespannt lauschte Alatariel nun der Geschichte von Ringfund durch Bilbo. Als auch dieser geendet hatte, begann eine heftige Diskussion, über den Ring. Sie schien kein Ende zu nehmen und selbst die sonst so gefassten Elben beteiligten sich, besonders im Streit gegen die Zwerge. Alatariel stand neben Estel und sie versuchten, Boromir zu überzeugen, dass keiner außer Sauron den Ring verwenden konnte. Erst als Gandalf die Stimme erhob und etwas sprach, das Alatariel in den Ohren schmerzte. Anscheinend ging es dem blonden Elb nicht anders, denn er verzog das hübsche Gesicht.

„Ein Ring sie zu knechten, sie alle zu finden,

ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden." Gandalf sah in die Runde. „Der Ring muss vernichtet werden und das muss im Schicksalsberg geschehen. Die Frage die bleibt ist: wer bringt ihn dort hin?"

Alles war dabei sich wieder in eine endlose Diskussion zu verstricken, wer denn diese Aufgabe übernehmen sollte.

„Die Elben? Gewiss nicht!" riefen die Zwerge.

„Wer denn sonst? Die Zwerge?" riefen die Elben.

Doch ein schwacher Ruf zog aller Aufmerksamkeit auf sich.

„Ich nehme ihn!" Frodo stand da und blickte mit seinen großen Augen in die Runde. Keiner erhob Einwände. Sie können ihn doch nicht alleine gehen lassen!

„Wenn ich dich durch mein Leben oder meinen Tod schützen kann, dann werde ich es tun. Du hast mein Schwert!" Estel kniete sich vor den Hobbit.

„Und meinen Bogen!" der blonde Elb trat hinter Estel.

„Und meine Axt!" rief Gimli, der wohl nicht wollte, dass ein Elb, jedoch kein Zwerg daran Anteil haben sollte.

Alatariel schritt auf den kleinen Mann zu. Sie wollte ihn zum einen nicht im Stich lassen aber sie wollte auch dabei sein, es ging um ihr aller Schicksal, da sollte ihrer Meinung nach, auch ein jedes Volk vertreten sein. „Auch mein Schwert steht dir zur Verfügung!" sie neigte das Haupt und gesellte sich zu den Männern.

„Unser aller Schicksal liegt in deinen Händen kleiner Mann." Boromir trat nun auch vor. „Gondor wird dir helfen!"

Alatariel bemerkte den zufriedenen Gesichtsausdruck bei Gandalf und bei Elrond.

„Oi!" ertönte es aus einem Gebüsch nahe der Terrasse. „Ohne mich geht Herr Frodo nirgendwo hin!" rief Sam, der daraus hervor gestolpert kam.

„Wohl wahr," meinte Elrond amüsiert. „selbst wenn er zu einer geheimen Versammlung eingeladen ist und du nicht!" als jedoch zwei weitere ungeladene Gäste herein stürzten wirkte selbst Elrond überrascht.

„Wir kommen auch mit!" rief Merry und Pippin rannte ihm hinterher.

Alatariel lächelte. Sie mochte diese beiden Kerle, aber zu ihrer Freude, dass sie noch länger die Gesellschaft der beiden genißen konnte, gesellte sich die Sorge um die zwei, eher um alle vier, Halblinge.

„Dann werden also neun Gefährten den Ringträger begleiten." Stellte Elrond fest.

„Einer für jeden Ringgeist." Murmelte Alatariel was dazu führte, dass Estel und der Elb neben ihr schmunzelten.

„Neun gegen Neun." Murmelte der Elb mit einer melodischen Stimme.

„Dann bleibt noch Frodo gegen den Ring." Flüsterte Estel ebenso leise, so dass nur die drei es hörten.

„Ihr werdet bald aufbrechen!" ermahnte Elrond sie. „Ruht euch aus und richtet euch. Morgen wird euer Aufbruch sein." Damit löste er die Versammlung auf.

Alatariel lief zu den Stallungen um Merenwen zu besuchen. „Hast du mich vermisst?" fragte sie die Stute, welche ihre Nüstern gegen Alatariels Handflächen drückte und schnaubte.

„Anscheinend hat sie es." Eine sanfte Stimme ließ sie herum wirbeln. Der Blonde Elb stand im Stallgang hinter ihr und musterte ihr Pferd.

„Ich kenne die Namen aller Gefährten, die mich begleiten werden, nur an euren kann ich mich leider nicht erinnern. Es waren zu viele Namen, verzeiht." Sie lächelte entschuldigend.

„Ich bin Legolas aus dem Waldlandreich." Er verneigte sich, wie man es tat, wenn man sich vorstellte.


Als ich das Kapitel geschrieben hab, hab ich gedacht, 'Wow, das ist aber viel!' Leider wars dann doch nicht so vielk und es ist eigentlich nur Gerede, aber wie schon erwähnt, danach geht's endlich los ;)