Immer wieder freitags… °pfeif°
Nur so zur Info: Ich hab es inzwischen aufgegeben, diese Story in die erotische Richtung zu lenken. Das wird sowieso nichts, zu viel Gefühl. °grmpf° Hoffe, dass es trotzdem interessant bleibt. :)

la dame: Das ist es auf jeden Fall. Aber deswegen bringt es ja auch so viel Spaß. ;)
Tatze81: °duck° Ich weiß, das war eine sehr fiese Auflösung. Aber ich sehe Severus einfach nicht als jemanden, der sich von Verlangen übertölpeln lässt, wenn er es nicht wirklich will. ;) Weitere Eisprünge habe ich bisher zwar nicht drin, aber der weibliche Zyklus hat durchaus auch noch andere interessante Phasen zu bieten. :D
sepsis: Schön, dass das Kapitel die Wartezeit aufgewogen hat!
Poetica: °rofl° Besserung? Bei Severus? Wohl kaum… Zumindest nicht freiwillig. Aber mit der Aufgabe der Privatsphäre hast du schon Recht. Dafür, dass es die Auswirkungen eines schwarzen Trankes ist, können die beiden sich sicherlich glücklich schätzen. Angenehm ist es trotzdem nicht. Aber es erspart so manches Missverständnis. ;)
LMA23: °gg° Ich mag deine Review! Hab herzhaft gelacht über die Bezeichnungen für Hermine und Severus. Das mit dem Lemming hat sich mir allerdings nicht ganz erschlossen. Worauf spielst du an – die Massenvermehrung oder die Wanderungen? °snickers°
Kira: Jap, die einen nennen es Anstand, die anderen Feigheit. °fg° Aber ich gebe mir die beste Mühe, ihn langsam in die Welt der Gefühle einzuführen. ;)
McAbe: Schön, dass du auch hier dabei bist:) Aber ich muss gestehen, hätte Severus mich aufgefordert, zu ihm zu kommen, hätte ich mir das auch nicht zweimal sagen lassen… Und wenn er nur einmal zuhören würde, hätte er definitiv schon vorher gewusst, dass die Gefühlswelt einer Frau eine wirkliche Herausforderung ist. °hehe°
Eule: °roten marker reicht° Hab's auch schon makiert. ;) Was das nicht bereit sein betrifft, spielt Hermine darauf an, dass er noch nicht genug Gefühle für sie entwickelt hat, um verstehen zu können, was daran so reizvoll ist. Auch wenn Severus das sicherlich anders verstanden hat.
Padme: Dass Severus Hermine Tränke gibt, damit es ihm besser geht, wird sie sich nicht ewig gefallen lassen. Gib mir noch ein paar Kapitel… ;)
Kathi: Och, ein bisschen müssen sie schon noch leiden. Was allerdings nur daran liegt, dass Severus so ein sturer Hund ist. Ich hätte ihm die Frau ja schon eher gegönnt, aber er stellt sich ständig quer. Wer nicht hören will, muss fühlen… :D

Heute geht es mal ein bisschen ernster zu. Aber keine Sorge, das gibt sich im nächsten Kapitel wieder. ;) Ich wünsche dennoch viel Spaß!


- Kapitel 6 -


„Das sind ja hervorragende Nachrichten!" Albus Dumbledore strahlte breit und schob mit auffordernden Blicken die Schale mit den Zitronenbonbons an den äußersten Rand seines Schreibtisches. Hermine griff verlegen zu, Severus machte wie immer eine ablehnende Geste.

Er hasste Zitronenbonbons und auch die Tatsache, dass sie den ersten von drei nötigen Tränken zum Sturz des Dunklen Lords erfolgreich hergestellt hatten, würde daran nichts ändern. Den alten Mann auf der anderen Seite des Schreibtisches versetzte diese Nachricht allerdings in so gute Laune, dass Severus fürchtete, er würde darüber einen schulfreien Tag einlegen.

„Freu' dich nicht zu früh, Albus. Es ist erst ein Drittel dessen, was bewältigt werden muss." Der Tränkemeister verschränkte die Hände vor dem Körper. Er konnte sich nicht so recht über diesen Erfolg freuen. Es hatte zu lange gedauert. Die ganze Geschichte mit Hermine hatte sie um Wochen zurückgeworfen und er hatte das dumme Gefühl, dass es noch lange nicht ausgestanden war.

Zwar waren sie in den letzten drei Tagen gut miteinander zurecht gekommen, doch er konnte und wollte sich nicht darauf verlassen, dass dies auch so blieb. Hermine war momentan psychisch stabil. Es würde nur bis zu seinem nächsten Ausbruch dauern, bis sich das wieder änderte.

„Ein Drittel ist besser als nichts", riss Albus ihn aus seinen Gedanken und tat den Einwand mit einem Zwinkern ab. „Aber ich denke, ihr beiden könntet mehr Zeit gebrauchen."

Severus spürte den Ansatz von Panik, der sicherlich nicht seiner eigenen Gefühlswelt entsprang. Er warf Hermine mahnende Blicke zu. „Worauf willst du hinaus?", lenkte er den Direktor anschließend ab und hoffte, dass es ihm gelingen würde.

„Ich will darauf hinaus, dass Professor Diggins gut mit deinen Schülern zurecht kommt. Es sollte kein Problem sein, wenn ihr euch noch ein paar Wochen nehmt. Nichts ist wichtiger als diese Tränke." Damit griff er nach der kleinen Phiole, die Severus zur Einleitung des Gesprächs auf den Schreibtisch gestellt hatte. Er drehte sie mit leuchtenden Augen in den Händen und das Sonnenlicht, das hinter ihm in den Raum fiel, blendete Severus flüchtig.

„Von mir aus", erklärte er sich recht gleichmütig einverstanden. Er schlug sich mit Sicherheit nicht darum, allzu bald wieder die Kröten aus den unteren Jahrgängen zu unterrichten. Und Professor Diggins schien mehr oder weniger kompetent. Es würde für den Unterrichtsstoff in Hogwarts genügen. Außerdem ließ ihm das mehr Zeit, sich mit Hermines und seinem kleinen Problem auseinander zu setzen.

Bei diesem Gedanken fiel ihm auf, dass sie sich erstaunlich still verhielt. Ohne den Blick von Albus zu wenden, horchte er auf das, was er von ihr mitbekam.

Sie war müde, aber dafür brauchte er keinen Einblick in ihre Gefühlswelt. Man konnte es an ihren Augenringen und der blassen Haut erkennen. Doch Severus verstand auch bald, dass das, was er erfahren wollte, nicht in dem lag, was sie empfand, sondern vielmehr in dem, was sie nicht empfand. Euphorie, Erleichterung und Stolz fehlten gänzlich und das war etwas, womit er nach einem Tag wie diesem nicht gerechnet hätte. Es verlangte ihn danach, mehr zu erfahren. Und dass seine Hemmschwelle bezüglich der Dinge, die er sie fragte, inzwischen deutlich niedriger geworden war, half ihm ungemein dabei.

„Wenn du uns dann jetzt entschuldigen würdest", durchbrach Severus schließlich die eingetretene Stille und während Albus nur die Phiole beiseite stellte und nickte, zuckte Hermine regelrecht zusammen.

„Aber natürlich."

Die beiden erhoben sich und nachdem Hermine dem Schulleiter noch einen schönen Tag gewünscht hatte, verließen sie das Büro.

„Danke", sagte Hermine leise, als der Steinerne Wasserspeier wieder seinen Platz eingenommen hatte und erstarrt war. Sie sah ihn dabei nicht an und schlang die Arme fest um ihren Oberkörper.

Severus nickte und sie setzten sich in Bewegung. Noch vor zwei Wochen hätte er nicht gewusst, wofür sie sich bedankt hatte. Heute war es ihm sofort klar und das verwirrte ihn über alle Maßen. Was allerdings noch verwirrender war, war sein Bedürfnis, ihr helfen zu wollen. Es ging ihr nicht gut und er wollte es ungern dabei belassen. Zumal er sich selbst aufgrund dieser unglückseligen Verbindung ebenso mies fühlte, allerdings keinen Grund dafür hatte. Deswegen räusperte er sich, hielt den Blick starr geradeaus gerichtet und sagte: „Falls du irgendwann die Möglichkeit in Betracht ziehen solltest, uns beide von dieser grässlichen Stimmung zu befreien, lass es mich wissen."

Hermine lächelte schwach. „Ist das deine Art, mir ein Gespräch anzubieten?"

„Wonach sieht es denn aus?" Er hob eine Augenbraue.

„Genau danach."

„Dann weiß ich nicht, warum du fragst." Er sah, wie sie die Augen verdrehte und lächelte sehr angedeutet.

Dann allerdings fing sie sich wieder einigermaßen: „Professor Severus Snape bietet mir seine Aufmerksamkeit an. Dass ich das noch erleben darf…"

Er verzog das Gesicht. „Mach keinen Feiertag daraus."

„Natürlich nicht." Ihr Lächeln wurde noch breiter, dann war es auf einmal gänzlich verschwunden. „Ich würde gerne reden, aber jetzt habe ich keine Zeit. Ich muss für ein paar Stunden weg. Können wir uns heute Abend treffen?" Sie zog die Arme noch weiter um ihren Körper.

Severus runzelte nun endgültig besorgt die Stirn, konnte allerdings aus ihren Gefühlen keines klar heraus kristallisieren. Er nickte bedächtig. „Ich werde in meinen Räumen sein."

Nun war es an ihr, das Gesicht zu verziehen. „Können wir auch raus gehen? Ich hab das Schloss seit zwei Wochen nicht mehr verlassen und allmählich komme ich mir wirklich klaustrophobisch vor." Ein Frösteln durchlief ihren Körper.

In Severus hingegen wuchs zunehmend der Drang, von hier zu verschwinden. Weg von Hermine. Er musste sich regelrecht zwingen, sich nicht auf ähnliche Art an sich festzuhalten wie sie. Ihre Gefühle machten ihn verletzlich und er hasste sie in diesem Moment dafür. Dennoch rief er sich zur Ruhe. Weglaufen hatte noch nie einen Sinn gehabt. „In Ordnung. Um acht am See?"

Sie nickte mit einem beinahe dankbaren Lächeln. „Bis heute Abend." Dann wandte sie sich ab und verschwand mit großen Schritten in den Gängen, die zu ihrem Zimmer führten.

Severus sah ihr hinterher und bemerkte erstaunt, dass es offenbar gar keinen seiner Ausbrüche brauchte, um Hermines Seelenleben durcheinander zu bringen.


---


Der Tag verlief so ruhig, dass Severus skeptisch wurde. Hermine wandte gezielt Okklumentik an und in ihm wuchs der Missmut darüber. Sie hatten eine Vereinbarung und dass sie sich über diese einfach so hinwegsetzte, ließ ihn unkonzentriert und verstimmt reagieren.

Dabei hatte er es zuerst gar nicht so deutlich bemerkt. Er hatte sich ins Labor zurückgezogen und bereits die ersten Pläne für den zweiten Trank aufgestellt. Dieser würde sich als ähnlich kompliziert erweisen wie der erste, wenn nicht sogar noch komplizierter. Es ging darum, die Bindungen des Dunklen Lords an seine Horkruxe zu zerstören. Die Magie, die sie dafür aufwenden mussten, war dabei, ein Maß anzunehmen, das selbst Severus so noch nie verwendet hatte.

Darüber hatte er alles um sich herum vergessen. Von seinem knurrenden Magen über den drängenden Durst bis hin zu den fehlenden Gefühlen von Hermine. Nun allerdings, da er beschlossen hatte, dass es sich für die letzte Zeit vor dem vereinbarten Treffen nicht mehr lohnen würde, einen weiteren Arbeitsschritt zu beginnen, merkte er es sehr deutlich.

Das und seine Wut darüber.

Mit fahrigen Gesten wandelte er durch sein Büro und versuchte zu lesen. Bis ihm auffiel, dass er nicht ein einziges Wort davon behielt. Danach begab er sich in seine kleine Küche und wollte etwas kochen, das er später sowieso nicht essen würde. Aber er hatte nicht alle Zutaten vorrätig. Und in der Küche danach zu fragen, würde einen halben Aufstand unter den Hauselfen auslösen, weswegen er diesen Plan gleich verwarf.

So blieb ihm schließlich nichts anderes übrig, als sich gereizt in den Sessel vor dem Kamin zu setzen und zu warten, bis es kurz vor acht war. Angesichts der Tatsache, dass es sich dabei nur um eine halbe Stunde handelte, verging die Zeit wirklich ausgesprochen langsam.

Dementsprechend fuhr er wie nach einem Startschuss hoch, als der Sekundenzeiger die letzten fünf Runden begonnen hatte und machte sich mit großen Schritten auf den Weg. Es waren viele Schüler unterwegs, die sich gerade noch rechtzeitig vor der Ausgangssperre in ihre Gemeinschaftsräume retten wollten und ihn neugierig musterten. Severus konnte es ihnen nicht einmal verdenken, schließlich galt er offiziell immer noch als unterrichtsunfähig. Dass er diesen Eindruck ganz und gar nicht erweckte, würde die Gerüchteküche gewaltig anheizen.

Die angenehme Luft eines warmen Sommerabends empfing ihn, als er das Schlossportal hinter sich ließ. Das Schuljahr war in vier Wochen zu Ende und wenn er Albus' Worten vertrauen konnte, würde er dieses Jahr nicht derjenige sein, der sich mit den Prüfungen plagen musste. Er würde sich lediglich mit Professor Diggins zusammen setzen müssen, damit er wusste, was für Themen und vor allem wie er diese abfragen sollte. Er war schließlich nur Vertretungslehrer und die Schüler sollten gar nicht erst auf die Idee kommen, dass sich etwas änderte, nur weil er nicht selbst derjenige war, der sie im Unterricht triezte.

Als Severus um einen Ausläufer des Schlosses ging, an dem der Weg zum See vorbei führte, konnte er Hermine bereits sehen. Sie war eine schwarze, sehr schmale Silhouette auf dem Kiesweg und während er vor einigen Wochen noch behauptet hätte, es könne wer weiß wer sein, war er sich jetzt sicher, dass nur sie dort stehen konnte. Diese Gewissheit kam von irgendwo aus seinem Inneren und war ihm vollkommen fremd. Und unangenehm noch dazu. Es war, als ob man sich nach der Farbe für einen Kessel entschied. Irrational, vollkommen irrational! Und dennoch wusste er, dass er Recht haben würde.

Zu seiner großen Frustration hatte sie sich anscheinend daran erinnert, dass es diese Absprache zwischen ihnen gab. Ihre Gefühle strömten wieder auf ihn ein und es fühlte sich an wie Sirup, der ihm langsam den Rücken hinunterlief. Darüber verging seine Wut relativ schnell, wie er bald feststellte.

Hermine sah ihn abwartend an und von dieser… dieser… er würde es als Hilflosigkeit bezeichnen, war nichts in ihrer Haltung, ihrem Auftreten zu sehen. Mit hinter dem Rücken verschränkten Armen und zusammengezogenen Augenbrauen blieb Severus einen Meter vor ihr stehen. Er erwiderte ihre Blicke und versuchte herauszufinden, was es war, das ihr den Tag schwer machte.

„Weißt du", setzte sie schließlich abrupt an und er zuckte unmerklich zusammen. „Was mich am meisten an dieser Verbindung stört, ist die Tatsache, dass ich mein Seelenleben vor dir ausbreite, aber nicht weiß, was in deinem Kopf vorgeht." Nun trat Entschlossenheit auf ihr Gesicht, die sich zusammen mit der Unsicherheit in ihren Empfindungen überhaupt nicht vertrug. Allmählich begann er die Sprunghaftigkeit der Frauen zu verstehen. Auch wenn er das eigentlich nie gewollt hatte.

Jedenfalls verzog Severus über dieses Ungleichgewicht das Gesicht. „Was du dort finden würdest, wäre vermutlich wenig aufschlussreich und sehr uninteressant." Er ließ ihr einen Moment, um diese Aussage zu verdauen, fuhr allerdings fort, ehe sie etwas dazu sagen konnte: „Wollen wir ein Stück gehen?"

Sie nickte und wandte sich um. In stiller Einvernehmlichkeit schlugen sie den Weg ein, der vom Schloss weg führte. Und Severus stellte fest, dass er ihr nach diesem Beginn der Unterhaltung kaum mehr vorwerfen konnte, dass sie sich heute vor ihm verschlossen hatte. Zumal er nun wieder einen Einblick hatte, daraus allerdings auch nicht schlau wurde.

„Ich war heute auf einer Beerdigung." Die Worte und die Nüchternheit, mit der Hermine sie aussprach, ließen Severus verwundert den Kopf drehen.

Gleichzeitig schwoll in ihr etwas wie Nervosität und noch mehr Unsicherheit auf. Er spürte einen Drang, umzudrehen und zu gehen, von dem er nicht sicher war, wem von ihnen er entsprungen war. Er war zwar sonst niemand, der einfach die Flucht ergriff, doch angesichts der Tatsache, dass sie ihm nun freiwillig etwas offenbarte, das sie ohne weiteres für sich hätte behalten können, fühlte er sich doch sehr unwohl. Es zeugte einfach von zu viel falschem Vertrauen. Von dem Vertrauen eines Menschen, der liebte. Grundlos und unerklärlich. Und er konnte dieses Vertrauen nicht erwidern. Er an ihrer Stelle hätte so etwas für sich behalten.

„Mein Großvater ist vor zwei Tagen gestorben. Altersschwäche. Ich denke, es ist gut so. Meine Oma starb schon vor etlichen Jahren. Er war einsam."

Ihr Innerstes stand in einem so krassen Gegensatz zu ihren Worten, dass Severus betreten schluckte. „Hermine, du weißt schon, dass…"

„Ja", unterbrach sie ihn und er sah, dass ihre Augen dabei geschlossen waren. „Natürlich. Du weißt, wie es in mir aussieht und ich finde das ehrlich gesagt beängstigend. Ich frage mich die ganze Zeit, ob du das, was ich empfinde, richtig interpretierst. Ob es offensichtlich ist, dass ich nicht um meinen Großvater trauere, weil ich ihn zum einen nur selten gesehen habe und es zum anderen vermutlich besser für ihn war. Sondern dass ich mich hilflos fühle, weil meine Mutter ihren Vater geliebt hat und ich heute nicht wusste, wie ich ihr helfen soll. Dass ich mich schlecht fühle, weil ich gleich nach der Trauerfeier wieder gegangen bin, obwohl ich bei ihr hätte bleiben sollen." Sie wischte sich verstohlen über die Wangen.

„Du kannst zu deiner Familie gehen. Ich werde vorerst ohne dich zurechtkommen."

Sie schüttelte mit einem grunzenden Lachen den Kopf. „Nein, das geht nicht. Wenn ich jetzt zurückgehe, wird sie mich dazu bringen, ganz bei ihnen zu bleiben. Und das kann ich nicht. Ich bin 23 Jahre alt, ich kann nicht bei meinen Eltern leben. Und schon gar nicht in der Muggelwelt. Außerdem…" Sie stockte.

„Außerdem?", hakte er nach.

Daraufhin blieb sie stehen und sah ihn lange an. Das Licht vom Schloss spiegelte sich in ihren Augen und ließ die lockigen Haare glänzen. „Außerdem bist du hier und nicht dort."

Severus senkte den Blick, die Hände nach wie vor hinter dem Rücken. Gerade als er Luft holte, um etwas dazu zu sagen, hob Hermine die Hand und hielt ihn auf.

„Ich weiß, dass dir das nicht gefällt, aber ich kann diese Verbindung nicht einfach akzeptieren und von hier weggehen. Sie verstärkt meine Empfindungen und ich wäre heute beinahe verrückt geworden unter dieser Hilflosigkeit. Ich möchte so etwas niemals wieder empfinden. Also richte ich mein Leben danach aus und hoffe, dass wir irgendwann den Schlüssel für dieses Rätsel finden." Ihre Augen schwammen in Tränen, doch sie schien entschlossen, diesem Drängen ihres Körpers nicht nachzugeben.

Severus sah sie sprachlos an, nickte aber nach ein paar Momenten. Er vermutete, dass die typische Taubheit als Antwort auf einen solchen Tag von ihr Besitz ergriffen hatte, denn ihr Gefühlsleben war nun beinahe besorgniserregend ruhig. Dafür geriet sein eigenes zum ersten Mal seit sehr langer Zeit wieder in Aufruhr. Sein Herzschlag beschleunigte sich und der Blutdruck stieg. Ihm wurde warm und eine leichte Nervosität erfasste ihn.

Früher hatte er Momente wie diese gehasst. Heute stellte er überrascht fest, dass es egal war, solange er Hermine durch seine Anwesenheit half. Und dass sie diesem Treffen zugestimmt hatte, reichte ihm als Anhalt, dass es anscheinend so war.

In diesem Moment drehte sie sich ratlos einmal um sich selbst und wandte sich letztendlich dem See zu. Er beobachtete, wie sie zum Ufer ging, Schuhe und Socken auszog und die Beine der dünnen Stoffhose nach oben krempelte. Dann setzte sie sich hin und steckte mit leisem Plätschern die Füße ins Wasser.

Einige Zeit blieb er auf dem Weg stehen und beobachtete die Lichtreflexionen in ihren Haaren. Dann überwand er die paar Schritte und hockte sich hinter sie. „Der Kraken mag die Beine junger Menschen", informierte er sie mit tiefer Stimme.

Hermine drehte mit einem schiefen Lächeln den Kopf zu ihm. „Dann steck doch deine auch ins Wasser. Möglicherweise hält ihn das von meinen ab." Dabei planschte sie extra laut, denn diese Bewegungen würden sich durch den gesamten See ziehen und seinen garstigen Bewohner darauf aufmerksam machen, dass es sich lohnte, einen Blick über die Wasseroberfläche zu riskieren.

Für einen Moment kam Severus der Gedanke, dass sie es mochte, garstige Geschöpfe herauszufordern. Dann allerdings stellte er sich wieder aufrecht hin und schüttelte ungläubig über sich selbst den Kopf, als er tatsächlich ebenfalls seine Füße entblößte und sich neben sie setzte – mit vor der Brust verschränkten Armen und so gradem Rücken, als hätte er einen Stock in der Hose.

Seine Beine ragten sehr viel tiefer ins Wasser, so dass er beinahe bis auf den Grund kam. Prüfend glitten seine Blicke über die weite Oberfläche. Er war überzeugt davon, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis der Kraken hier auftauchen würde.

Hermine lachte leise auf und schüttelte nun ihrerseits den Kopf. Severus sah sie abschätzend an. „Was ist so lustig?"

Sie räusperte sich mühsam und brachte die abstruse Mischung aus Schmerz und Freude unter Kontrolle, die dabei war, ihn zu piesacken. „Meinen ehemaligen Lehrer mit nackten Beinen am See sitzen zu sehen, das ist lustig. Du hast früher selbst im Hochsommer nicht mal einen Knopf an deinem Hemd aufgemacht. Ich habe zeitweise geglaubt, dass du sogar in dieser Kleidung schläfst! Das hier ist schon bald ein Striptease."

Er hob eine Augenbraue und dachte einen Moment über seine Antwort nach. „Nur damit das klar ist", sagte er dann mit drohendem Unterton, „Wenn hiervon auch nur ein Schüler erfährt, werde ich mich höchstpersönlich an dir rächen und meine Rache wird gnadenlos sein." Sie schürzte die Lippen. „Und…", setzte er an, zögerte jedoch.

„Und?", hakte dieses Mal Hermine nach.

„Und ich pflege nackt zu schlafen."

Diese Aussage sorgte dafür, dass sie sich verschluckte, vermutlich an ihrem eigenen Speichel. Severus feixte sehr zufrieden und klopfte ihr mehrmals auf den Rücken, vornehmlich damit er einer Wiederbelebung aus dem Weg gehen konnte.

Schließlich sah sie ihn mit großen Augen an. „Du bist und bleibst ein ewiges Rätsel, Severus Snape."

Beide schwiegen ein paar Minuten und seine Gedanken kehrten zurück zu dem, was Hermine heute erlebt hatte. Ihre Rationalität, mit der sie ihm von der Beerdigung erzählt hatte, hatte ihn skeptisch gemacht. Irgendetwas stimmte daran nicht. „Sage mir, Hermine", durchbrach er deswegen nach ein paar Minuten mit tief gerunzelter Stirn die Stille. Sie sah ihn abwartend an. „Hast du heute nur eine Träne um deinen Großvater vergossen?"

Sie wandte abrupt den Blick ab, wurde steif und fixierte einen Punkt, der auf der anderen Seite des Sees lag. Schließlich ging ein Rucken durch ihren Kopf, das er als Nein deutete.

„Warum nicht? Er war dein Großvater und so andächtig, wie du mir von deiner Großmutter berichtet hast, kann ich mir nicht vorstellen, dass deine Erinnerungen an ihn wirklich oberflächlicher Natur sind."

Ein leises Schluchzen hallte über den See und sie legte sich eine Hand vor den Mund. Erst als sie sich wieder halbwegs unter Kontrolle hatte, sah sie ihn an. „Ich hatte nicht das Recht dazu, oder? Ich sollte meiner Mutter eine Stütze sein, nicht umgekehrt." Und in diesem Moment verschwand die Taubheit, die sie zuvor erfüllt hatte, und ließ Severus schmerzlich das Gesicht verziehen. Die angestauten Tränen in ihren Augen liefen über die Unterlider und tropften auf ihre geröteten, fleckigen Wangen.

Die Macht, die hinter ihren bisher verdrängten Emotionen lag, nahm ihm beinahe die Luft zum Atmen. „Du hast immer ein Recht, um geliebte Menschen zu weinen", sagte er mit fester Stimme.

„Hast du es jemals getan?", fragte sie hicksend und sehr stockend.

Severus schnaubte freudlos, als sie ihm den Ball so unverblümt zurückspielte. „Nein, das habe ich in der Tat nicht."

„Warum sagst du dann, dass es in Ordnung ist?"

„Weil du nicht so bist wie ich." Sie sah ihn mit großen feuchten Augen an, den Kopf leicht nach unten geneigt und die Augenbrauen über der Nase so steil aufgerichtet, dass ihn das Bedürfnis überkam, sie zu schützen. Das war es auch, was ihn letztendlich dazu brachte, ihr einen Arm um die Schultern zu legen.

Hermine lehnte sich gegen ihn und rutschte schließlich soweit hinunter, dass ihr Kopf in seinem Schoß zum Liegen kam. Überrascht von der plötzlichen Nähe, richtete Severus den Blick weiterhin hinaus auf den See, legte eine Hand auf ihre Schulter und hoffte, dass er es ein weiteres Mal besser machen konnte. Und dass der Kraken blieb, wo auch immer er jetzt war.


TBC...