Kapitel 6 – For Crying Out Loud
AN: Diejenigen von euch, die das „Bat out of Hell"-Album kennen, könnten bemerkt haben, dass ich mir Freiheiten bei der Reihenfolge erlaubt habe. Aus irgendeinem Grund habe ich die letzten beiden Titel falsch herum in meinem Kopf gehabt, als ich den Plot ausgearbeitet habe. Und es bleibt so, aus Gründen, die deutlich werden. Entschuldigung an die entzürnten Meatloaf-Fans!
Unter anderen Umständen, sinnierte Snape, hätte er die Dinnerparty dieses Abends wirklich genossen. Das Essen war außergewöhnlich gewesen, der Wein exquisit und die Gesellschaft angenehm. Er hatte bei Tisch zwischen einer älteren alleinstehenden Frau auf der einen Seite, die aussah, als hätte sie seit mehreren Tagen nichts gegessen und wollte nun die verlorene Zeit wettmachen, und ihn so von der Notwendigkeit befreite, höfliche Konversation zu betreiben, und Verity auf der anderen Seite. Sie hatte ihn mit erheiternden geflüsterten Kommentaren über den Rest der Gäste unterhalten, so dass er am Ende des Mahls wusste, wer eine Affäre hatte, wessen Geschäft in Schwierigkeiten war und welche der versammelten Größen eine kriminelle Vergangenheit hatte.
Zu einer anderen Gelegenheit wäre er vermutlich von der Aufmerksamkeit einer solch attraktiven Frau wie Verity geschmeichelt gewesen und könnte sogar nun darüber spekulieren, ob diese Aufmerksamkeiten sich auf mehr körperliche Art fortsetzen können ließen. Aber an diesem Abend ging sein Interesse in eine andere Richtung. Um präzise zu sein: Auf der gegenüberliegenden Seite des Tisches und etwas weiter rechts, wo Hermione ihre nicht unbeträchtlichen Reize zwischen einem älteren Colonel und seinem Neffen aufteilte. Der Neffe war in seinen frühen Zwanziger und brachte eindeutig die Zähne in Hermiones Gegenwart nicht auseinander – Snape hatte einiges an nervösem Lachen von ihm gesehen aber kaum Konversation. Sein Onkel war nicht so reserviert und, den Fetzen nach zu urteilen, die Snapes Ohren erreichten, schien den Großteil des Abends damit verbracht zu haben, Hermione mit ziemlich risikoreichen (und möglicherweise vollkommen erfundenen) Geschichten seiner militärischen Abenteuer zu erfreuen.
Hermione sah wieder jedermann aus, als würde sie sich wirklich gut amüsieren, obwohl das leichte Augenrollen, das sie Snape gezeigt hatte, als er ihrem Blick zuvor begegnet war, etwas anderes vermuten ließ. Sie war wirklich eine gute Schauspielerin. Dieser Gedanke brachte ihn natürlich dazu, sich zu fragen, wie echt ihre Handlungen an diesem Wochenende ihm gegenüber tatsächlich waren. Er verscheuchte solche Grübeleien brutal. Jetzt war wirklich nicht die Zeit dafür.
Sie sah allerdings wundervoll aus. Ihr grünes Seidenkleid lag an all den richtigen Stellen eng an, hing an dünnen Trägern und war am Rücken beinahe unanständig tief ausgeschnitten. Ihre Augen waren so geschminkt, dass sie dunkel und verführerisch aussahen, und winzige Diamantstecker glitzerten an ihren Ohren. Auf einem rein ästhetischen Level war sie etwas besonderes. Wenn man außerdem ihre Intelligenz, ihren unabhängigen Geist und Sinn für Humor bedachte, war sie perfekt. Oh, Scheiße, dachte er. Ich denke, dass sie perfekt ist? Sie lässt mich nicht nur handeln wie ein hormongesteuerter Jüngling – jetzt denke ich schon wie einer.
Hermione war erleichtert, als Helen sich erhob und vorschlug, dass sie alle in den Salon umziehen sollten, um dort Portwein und Kaffee zu bekommen. Colonel Algernon Davenport war in seiner Art unterhaltsam, aber diese Art sollte besser in kleineren Dosen statt bei einem Fünf-Gänge-Menü genossen werden. Sie hatte immer versucht, seinen mausartigen Neffen ins Gespräch einzubeziehen, aber Nigel (hieß er Nigel? Neil vielleicht?) hatte nur schüchtern gelächelt und einsilbig geantwortet, als hätte er nie zuvor mit einer Frau gesprochen. Obwohl ihn das nicht davon abgehalten hatte, ihr bei jeder Gelegenheit bewundernd in den Ausschnitt zu starren.
Sie entschuldigte sich mit einem gemurmelten „Es war ein Vergnügen, aber ich muss jetzt wirklich meinem Mann etwas Aufmerksamkeit widmen" würdevoll bei den zwei Männern und glitt durch die plaudernden Gäste, bis sie Snapes Seite erreichte. Er sprach mit Verity, hob seine Mundwinkel aber grüßend und legte seinen Arm um ihre Taille, während er beendete, was er sagen wollte.
„Nun", sagte Verity mit einem Lächeln, „Ich sehe, dass ich hier zuviel des Guten bin. Ich habe versucht, ihn für dich zu unterhalten, Jane, aber ich schwöre, er hat nicht einmal halb zugehört. Er hat nur Augen für eine Frau, und die bin leider nicht ich."
Snape öffnete den Mund, um zu protestieren, aber Hermione unterbrach ihn:
„Nein, es bringt nichts, es abzustreiten. Ich weiß, dass du die alte Mrs Fortescue den ganzen Abend beobachtet hast."
Snape zuckte mit den Schultern.
„Ich kann mir nicht helfen. Ich finde einen Schnurrbart bei einer Frau immer unwiderstehlich."
Die drei lachten, dann verabschiedete sich Verity, um Giles zu retten, der erneut von Stacey Price in Beschlag genommen worden war. Snape und Hermione folgten den anderen Gästen in die Eingangshalle und zum Salon.
„Ich denke, ich bekomme Kopfschmerzen", sagte Hermione leise. „Ich werde mich in einem Moment bei Helen entschuldigen und mich dann für eine halbe Stunde oder so verkrümeln."
Snape nickte und küsste sie kurz auf die Wange, sein Gesichtsausdruck unlesbar.
„Ich werde warten, Weib."
Helen betrat den Salon und fand Helen, die die Kaffeekannen kontrollierte. Sie lächelte, als Hermione sich näherte.
„Jane, meine Liebe, hast du Spaß heute Abend?"
Hermione verzog das Gesicht ein wenig.
„Es war absolut wundervoll, aber ich habe ein wenig Kopfschmerzen. Ich werde jetzt gehen, ein paar Schmerztabletten nehmen und mich für eine halbe Stunde hinlegen, wenn du nichts dagegen hast."
Auf Helens Gesicht erschien ein Ausdruck von Sympathie.
„Oh nein! Ich würde dir welche von meinen Tabletten anbieten, aber Yuri war sehr bestimmt darin, dass sie genau für mich zusammengesetzt sind, also weiß ich nicht, ob sie wirken würden."
„Keine Sorge, ich habe etwas sehr effektives – Steven ist genau so nützlich." Hermione schenkte ihr ein schwaches Lächeln. „Ich bin sicher, dass es mir in einer Weile wieder gut gehen wird, also werden wir uns wahrscheinlich später sehen."
Helen sah noch besorgt aus.
„Soll ich Ceri hochschicken, falls du etwas brauchst?"
Hermione schüttelte entschieden den Kopf.
„Nein, ehrlich, ich werde wirklich zurechtkommen. Danke trotzdem."
„Nun, wenn du sicher bist. Ruh dich gut aus."
„Danke, Helen."
Hermione verließ schnell den Raum. Sie fing Snapes Blick ein, als sie ging, und gab ihm ein kurzes Nicken als Antwort auf seine fragende Augenbraue. Sie ging zügig die Treppen hoch und zu ihrem Schlafzimmer, dann ging sie hindurch zum angrenzenden Badezimmer und schloss die Tür hinter sich.
Sie nahm tiefe, beruhigende Atemzüge und holte ihren Zauberstab aus dem versteckten Halter am Oberschenkel. Sie tippte sich damit auf den Kopf und fühlte den kalten Schauer, als der Desillusionierungszauber zu wirken begann. Sie wusste, dass sie nicht vollkommen unsichtbar war, aber es wäre genug, um allen außer den wirklich äußerst neugierigen Blicken zu entgehen. Ihre Schuhe ausziehend und weglegend, tapste sie auf nun stillen sohlen zurück ins Schlafzimmer und dann in den Flur. Sie sah kontrollierend in beide Richtungen, bevor sie die Schlafzimmertür leise hinter sich schloss.
Sie hielt oben an der Treppe an, darauf wartend, dass die letzten Gäste den Weg in den Salon schlenderten. Als sie sicher war, dass die Luft rein war, ging sie zügig die Treppe hinab und rannte leichtfüßig durch die Eingangshalle. Sie hielt erst an, als sie die Tür zum Arbeitszimmer erreichte. Mit einem letzten Kontrollblick um sich, öffnete sie die Tür und schlüpfte hinein, während sie gleichzeitig die Tür wieder hinter sich schloss. Sie lehnte sich kurz daran an und kam wieder zu Atem.
Sie ging dann weiter zur Tür auf der anderen Seite des Raums. Sie bewegte ihren Zauberstab mit einem Diagnosezauber, aber er enthüllte nur die charakteristischen Zeichen eines Muggelabwehrzaubers. Sie drückte die Türklinge herab, nur um zu erkennen, dass die Tür abgeschlossen war. Mit ihrem Zauberstab auf das Schlüsselloch deutend, murmelte sie „Alohomora!" und fühlte, wie die Klinke ihrem Griff nachgab. Sie schüttelte ihren Kopf. Snape hatte Recht. Markov zeigte wirklich eine atemberaubende Sicherheit, dass die Zauberwelt ihn nicht fände.
Den Eingang durchschreitend fand sie sich in einem langen Korridor wieder. Er war schwach vom Mondlicht erhellt, das durch die Fenster zu ihrer linken drang. Drei Türen gingen von der rechten Seite des Korridors ab und es gab eine weitere am Ende.
Sie versuchte es an der ersten Tür rechts. Sie öffnete sich einfach und im schwachen Licht konnte sie Audioequipment und einige Bildschirme erkennen. Rote und grüne LEDs blinkten fröhlich; ihr lustiges Flackern täuschte über den zweifellos schändlichen Zweck des Überwachungszentrums hinweg. Hermione konnte nicht erkennen, ob es auch Aufnahmegeräte gab – wenn ja, könnte sich das als reiche Quelle von Beweisen herausstellen. Während sie die Tür schloss, machte sie sich eine mentale Notiz, diesen Punkt morgen zu klären, und ging zur nächsten weiter.
Der zweite Raum war als Büro gestaltet, komplett mit Computer. Hermione murmelte „Finite", um den Desillusionierungszauber aufzuheben, dann trat sie ein und ließ die Tür hinter sich zufallen. Sie ließ ihren Zauberstab kurz aufleuchten, setzte sich an den Schreibtisch und schaltete den Computer ein. Mit verlöschtem Zauberstablicht wartete sie darauf, dass der Computer hochfuhr, und nutzte das Licht des Bildschirms, um die Schubladen zu kontrollieren. Sie war enttäuscht, aber nicht sehr überrascht, dass sie nichts Interessanteres als Druckerpapier, Stifte und Büroklammern fand. Der Computer piepte leise, als er vollständig hochgefahren war. Passwort benötigt. Mist. Jetzt zeigt er also etwas Vorsicht.
Sie versuchte einige Passwörter, mehr in der Hoffnung als in der Erwartung des Erfolgs. „Helen" funktionierte nicht, oder „Penbryn". Mit einem sarkastischen Lächeln versuchte sie es mit „Voldemort", danach „DunklesMal". Kein Glück. Sie zuckte innerlich mit den Schultern. Einer aus ihrer Einheit hatte ein magisches Händchen für Computer, sozusagen. Er würde ihn in schnellster Zeit knacken. Sie fuhr den Computer herunter und kehrte in den dämmrigen Korridor zurück, nur um sich beinahe zu Tode zu erschrecken, als sie in der Nähe eine Stimme hörte.
„Nigel, mein Jung', ich bin vollkommen nüchtern und in der Lage, nach Hause zu fahren", dröhnte Colonel Davenports unverkennbare und eindeutig nicht nüchterne Stimme.
Mit einem erleichterten Seufzen erkannte Hermione, dass die Stimme von draußen durch das Fenster drang. Die Davenports mussten direkt neben diesem Gebäudeflügel geparkt haben. Es war allerdings eine passende Erinnerung daran, ihre Geräusche und ihr Licht auf ein Minimum zu beschränken.
Mit noch immer schneller als normal klopfendem Herzen ging sie zur letzten Tür auf der rechten Seite. Die geöffnete Tür gab den Blick auf ein Schlafzimmer frei. Das war eine Überraschung. Andererseits, wenn man darüber nachdachte, hatte es Sinn, dass Markov hier unten bleiben müsste, besonders, wenn er etwas braute, das viele Stunden Aufmerksamkeit forderte. Der Raum schien ohne Dinge zu sein, die nicht notwendig waren, und hatte nur ein Einzelbett, einen Nachtisch und ein leeres Regal. Er erinnerte sie eher an ein privates Krankenhauszimmer. Es gab eine weitere Tür am linken Ende des Raumes, von der eine schnelle Erkundung zeigte, dass sie zu einer Dusche und Toilette führte.
Wieder zurück im Korridor hielt Hermione inne, bevor sie die letzte Tür öffnete. Noch einmal gab die Klinke problemlos unter ihrer Hand nach, aber die Tür selbst war schwer. Schwer genug, dass es sogar ihr ganzes Körpergewicht brauchte, um sie aufzudrücken. Interessant, dachte sie. Verstärkt oder mit Bleieinlage? Letzteres könnte dazu dienen, die ganze elektronische Ausrüstung vor jeglicher Magie zu schützen, die hinter der Tür gewirkt wurde. Sie fühlte ein erwartungsvolles Flattern im Bauch, als sie um die Tür herumspähte.
Merlin und all seinen kleinen Wichteln sei Dank! Das Mondlicht, das durch die Fenster in den großen Raum flutete, wurde von den Glasbehältern, Kesseln und Flaschen reflektiert, die sich über vier Labortische verteilten. Hermione schloss die Tür vorsichtig hinter sich, damit sie nicht laut zufiel. Sie durchsuchte den Raum methodisch, von links nach rechts, überprüfte Schränke und die Beschriftungen der Flaschen und schuf sich eine mentale Inventur der Ausrüstung und Ingredienzen. Auf jeden Fall waren alle Komponenten des Skorpionsstich-Tranks vorhanden, und daneben noch viel mehr. Der Himmel allein wusste, was er sonst noch hier braute, obwohl Severus wahrscheinlich einige gute Vermutungen anstellen könnte. Wenn sie schon von ihm sprach … Sie sah im Licht ihres Zauberstabs auf ihre Uhr. Ihr selbstgesetztes Zeitlimit war beinahe verstrichen.
Als sie in der rechten hinteren Ecke des Labors ankam, stieß sie auf einen Aktenschrank. Sie öffnete ihn und stieß beinahe ein triumphierendes „Jawoll!" aus. Sie gab sich mit einem glücklichen Lächeln zufrieden, während sie durch die abgehefteten Papiere blätterte. Sie konnte ihm Mondlicht oder dem gedämpften Licht ihres Zauberstabs nicht viel erkennen, aber sie konnte genug sehen um festzustellen, dass es Bestellformulare und Rechnungen mit Kunden- und Lieferantendaten waren. Das wäre hoffentlich genug für sie, um die Tränke, die bereits in der Muggelwelt im Umlauf waren, aufzuspüren und zu zerstören.
Eine zweite Schublade war mit handschriftlichen Notizen gefüllt, die wie Kyrillisch aussahen. Er war also Russe. Das beantwortete eine Frage, führte jedoch zu mehreren anderen, wovon die dringendste war: Was zum Teufel steht da? Ein Übersetzungszauber würde funktionieren und war eigentlich einfach auszuführen, aber sie wagte nicht, noch mehr Zeit hier zu verbringen. Sie wäre nicht überrascht, wenn Helen Ceri mit einem warmen Kakao oder so etwas hochgeschickt hätte, wenn sie zu lange weggeblieben wäre.
Widerwillig legte sie die Notizen zurück in die Schublade und schloss sie. Sie würde gleich als erstes am Morgen zurückkommen, entschied sie, bevor Markov ankäme. Es wäre ohnehin einfacher, bei Tageslicht zu arbeiten. Sie warf einen kurzen Blick im Labor umher, um sich zu versichern, dass alles so war, wie sie es vorgefunden hatte, dann beeilte sie sich, um zur Party zurückzukehren.
Fünf Minuten später war sie wieder im Salon und tat ihr Möglichstes, um auszusehen, als erhole sie sich von einem Kopfschmerzanfall und nicht, als müsse sie wieder zu Atem kommen. Die meisten der ungefähr dreißig Dinnergäste waren noch da, und der Alkohol und die Gespräche flossen frei. Snape musste nach ihr Ausschau gehalten haben, denn er war beinahe sofort an ihrer Seite.
„Wie fühlst du dich", fragte er besorgt, während er eine Hand ausstreckte um ihr sanft über den Kopf zu streicheln.
„Viel besser, danke", antwortete sie und versuchte, einen Weg zu finden, mit ihm allein sprechen zu können.
Snape sah sie prüfend an.
„Du siehst noch ein wenig blass aus. Ich denke, etwas frische Luft täte dir gut."
„Das ist eine ausgezeichnete Idee."
Sie nahm Snapes Hand und er führte sie zu den geöffneten Terrassentüren am Ende des Salons. Als sie an einem unbesetzten Stuhl vorbeikamen, nahm er ein Kissen davon mit. Hermione sah ihn fragend an.
„Warte es ab", murmelte er.
Ein Pärchen, an deren Namen sich Hermione um ihr Leben nicht erinnern konnte, stand gerade außerhalb des Hauses, doch ansonsten war die Terrasse leer. Snape führte sie geradeaus zu der hüfthohen Balustrade aus Stein. Mit einer flüssigen Bewegung ließ er das Kissen darauf fallen, nahm Hermione in seine Arme und hob sie herum, bis sie auf dem Kissen saß, mit ihrem Rücken zum Haus, das Gesicht zum mondbeschienenen Garten fünfzehn Fuß unter ihr.
Sie drehte ihren Kopf und lächelte ihn bewundernd an.
„Sehr geschickt. Hattest du das geplant?"
„Ganz und gar nicht. Ich bin nur gut in spontanen romantischen Gesten. Jetzt dreh dich um und ich massiere dir die Schultern." Er senkte seine Stimme. „Und wir können reden."
Gehorsam setzte sich Hermione so hin, dass ihr Rücken wieder zu Snape zeigte. Sie fühlte seine warmen Hände auf ihrer bloßen Haut. Er begann, sanft ihren Nacken zu massieren, seine langen Finger lockerten die Verspannungen, von denen sie nicht einmal realisiert hatte, dass sie da waren.
„Also?", fragte er. Seine Stimme vibrierte leise in ihrem Ohr.
„Mmmh. Das fühlt sich gut an."
„Ich meinte, also, was hast du herausgefunden?" Seine Stimme war voll Belustigung.
„Oh, das."
„Ja, das."
Hermione weigerte sich, peinlich berührt zu sein. Der verdammte Mann musste wissen, welche Ablenkung er verursachte. Sie schleppte ihre Gedanken zurück zu dem dringenden Thema und weg von der Haut unter seinen Händen.
Leise und prägnant gab sie ihre Entdeckungen in Markovs Räumen an Snape weiter.
„Also denke ich, morgen früh werde ich noch einmal Kopfschmerzen vortäuschen und zurückgehen, um einige dieser Papiere zu übersetzen, während der Rest von euch beim Frühstück ist", schloss sie.
Sie fühlte, dass sich Snapes Hände an ihren Schultern etwas verspannten, aber er sagte nur:
„Wenn du sicher bist, dass das nötig und ratsam ist."
„Bin ich."
„Nun gut, dann."
Sie blieben eine Weile still, während Snapes Finger noch immer träge über ihre Haut strichen. Sie lehnte sich in seine Hände und baumelte leicht mit den Beinen, als sie sich vollkommen entspannte.
Plötzlich bewegte sich etwas an ihrem Fuß.
„Verdammt. Mein Schuh ist ins Gebüsch gefallen!"
„Das ist ein nettes Versmaß, das du da benutzt." Snape lehnte sich neben ihr über die Balustrade. „Obwohl ich glaube, dass es eigentlich ein Steingarten ist."
Hermione legte überlegend den Kopf auf die Seite.
„Ja, ich denke, du hast wohl recht. Dann ab mit dir."
Snape drehte sich um und sah sie mit gehobenen Augenbrauen an.
„Wohin sollte ich jetzt gehen?"
„Da runter. Um meinen Schuh zurück zu holen. Es ist deine Schuld, dass er hinuntergefallen ist. Du hast mich zu sehr entspannt."
Snapes Augen funkelten vor Belustigung.
„Ich entschuldige mich. Ich werde es nicht wieder tun."
„Oh doch, du wirst. Aber zuerst holst du meinen Schuh zurück. Bitte?" Sie lächelte mit süß und gekünstelt und klimperte mit den Augenlidern.
Snape schnaubte, doch er schlenderte mit in den Taschen vergrabenen Händen zu den Stufen, die in den Garten führten. Als er direkt unter Hermione stand, sah er zu ihr hoch.
„Wo genau ist dein absurdes Teil der Fußbekleidung?"
Hermione spähte hinunter und zeigte mit der Hand.
„Ungefähr da, denke ich."
Snape betrat unsicher den Steingarten und Hermione konnte unterdrücktes Schimpfen hören, als er versuchte, seine Balance auf den Steinen zu halten, ohne irgendwelche Pflanzen zu zertreten.
„Oh! Ich kann ihn sehen!", rief sie. „Er ist hinter der Pyracantha."
Snape sah mit einem leicht genervten Ausdruck auf seinem Gesicht wieder zu ihr hoch.
„Das hilft mir nicht."
„Die große Pflanze mit den weißen Blüten", erklärte Hermione.
Snape bückte sich unter die besagte Pflanze, dann begann er, laut zu fluchen.
„Autsch. Verdammter, beschissener Mist!"
„Und den spitzen Dornen", fuhr Hermione hilfreich fort.
Snape richtete sich auf und schwang ihren silbernen Stiletto, als wollte er sie damit verhexen. Ein Lächeln, das ein klein wenig fies war, erschien auf seinem Gesicht, als er zu ihr hochsah.
„Ich kann dir direkt unter den Rock gucken, weißt du das?"
Hermione überkreuzte eilig ihre Beine und, mit so viel Würde, wie sie aufbringen konnte, schwang sich herum, so dass sie zum Haus gewandt saß.
Snape lächelte leicht, als er zu Hermione zurückkehrte. Jetzt sind wir quitt, dachte er. Er war jedoch nicht wirklich in der Lage gewesen, unter ihren Rock zu sehen – es gab nicht genug Licht. Und natürlich war er zu sehr Gentleman, um hingesehen zu haben.
Hermione wartete auf ihn, züchtig mit überkreuzten Knöcheln auf der Balustrade sitzend. Snape kniete sich auf einem Knie vor ihr hin.
„Darf ich, Aschenputtel?", fragte er und hielt ihr den Schuh entgegen.
Hermione betrachtete ihn belustigt.
„Natürlich, mein Prince", antwortete sie.
Snape hielt ihren Blick, als er ihren bloßen Fuß sanft ergriff und absichtlich mit der Fingerspitze ihre Sohle entlangfuhr. Er war recht enttäuscht, als sie nicht zuckte.
„Nicht kitzelig?"
„Dort nicht, nein", antwortete sie mit schelmischem Lächeln auf den Lippen. „Allerdings bin ich es an vielen anderen Stellen."
„Also das ist ja mal eine Einladung", sagte er langsam, während er ihren Schuh vorsichtig an ihrem Fuß anbrachte. „Ich denke, ich sollte einige Observationen im Geist der Wissenschaft anstellen."
Hermione sah auf ihn hinab.
„Unter Laborbedingungen, natürlich", antwortete sie schelmisch. Dann sah er ihre Mundwinkel zucken. Er begann mittlerweile, diesen Gesichtsausdruck zu erkennen.
„Na dann komm", sagte er, während er auf die Füße kam und den Staub von seinen Hosen klopfte. „Welch schrecklich unangemessener Gedanke ist dir nun gekommen? Du kannst ihn genauso gut äußern."
Sie ließ ihr Lächeln erstrahlen.
„Ok, aber du könntest es bereuen. Hast du jemals jemanden auf einem Labortisch gevögelt?"
Er lachte daraufhin und setzte sich neben sie auf die Balustrade.
„Es tut mir leid, dich zu enttäuschen, aber nein, habe ich nicht. Warum, hast du?"
Hermione schüttelte ihren Kopf.
„Nein. Ich habe nur oft einen Labortisch angesehen und gedacht, dass, wenn die Größe des betreffenden Mannes und des Tisches zusammenpassen, es eine wirklich gute Stellung wäre."
„Ich kann ehrlich sagen, dass ich mir nie Gedanken über das erotische Potenzial meines Labors gemacht habe. Obwohl, jetzt, wo du diesen Gedankengang angestoßen hast …" Er schwieg. Mist. Sie hatte wirklich diesen Gedankengang angestoßen, und nicht nur im Abstrakten. Sein Labor in Hogwarts wäre natürlich nicht zu gebrauchen, aber sie hatte diesen hübschen Keller in ihrem Häuschen, und wenn er sich richtig erinnerte, war der Tisch dort in etwa hüfthoch und … Er bemerkte, dass sie ihn spekulativ ansah.
„Ich weiß nicht, ob du es bemerkt hast", sagte sie, „aber der Tisch in meinem Labor im Cottage wäre ungefähr auf deiner Hüfthöhe."
„Wirklich?", antwortete er, als hätte ihm dieser Gedanke nicht ferner liegen können. „Und, rein hypothetisch natürlich, wäre das die Art Höhe, an die du gedacht hattest?"
„Hypothetisch, ja, ich denke, das korrekte Verhältnis von Hüfthöhe zu Tischhöhe würde etwa eins zu eins entsprechen."
Es gab einen plötzlichen Anstieg der Konversation aus der Richtung der Terrassentür, als ein kleines Grüppchen auf die Terrasse hinaus trat. Die Gruppe blieb nahe beim Haus und einige von ihnen zündeten Zigaretten an. Giles Pemberton war unter ihnen und Snape nickte ihm grüßend zu.
Noch immer scheinbar die Neuankömmlinge beobachtend, sagte er leise:
„Also, in dieser hypothetischen Situation, die du erwähnt hast, was genau wären die Postionen der Teilnehmer?"
„Nun", begann Hermione leise, „um ein zufälliges Bespiel zu nehmen: Ich würde auf dem Labortisch sitzen, während du vor mir stündest, so dass ich meine Beine um dich schlingen könnte."
„Deshalb die Wichtigkeit der relativen Höhe des Tisches", fuhr Snape fort und war recht stolz darauf, wie sicher seine Stimme blieb.
„Exakt. Natürlich, als wissenschaftliche Untersuchung müsste das Experiment mehrere Male wiederholt werden, um ein verlässliches Ergebnis zu garantieren."
Merlins Männlichkeit, sie ist gut bei dem hier. Er erlaubte einem kleinen Lächeln, seine Mundwinkel zu heben, als er – noch immer nicht zu ihr sehend – hinzufügte:
„Und dürfte ich außerdem vorschlagen, dass einige andere vergleichbare Arbeitsflächen ebenfalls getestet werden, um als Kontrollgruppe zu fungieren?"
Er konnte ihr antwortendes Lächeln in ihrer Stimme hören, als sie nahezu schnurrte:
„Also das ist eine ausgezeichnete Idee. Hmm… Ich denke, die Arbeitsplatte in der Küche und der Esstisch könnten zu diesem Zweck genügen. Ich stelle die Hypothese auf, dass erstere ein wenig zu hoch und letzterer ein bisschen niedrig sein könnte, aber das könnte recht einfach herausgefunden werden."
„Was ist mit dem Tisch in deinem Garten, unter der Eiche?"
„Draußen? Sehr abenteuerlustig. Hättest du keine Sorge, dass unser … Experiment beobachtet werden könnte?"
Snape drehte sich leicht, um Hermione anzusehen. Sie saßen nahe beieinander, doch sie berührten sich immer noch nicht. Er wusste, dass sie das Verlangen in seinen Augen sehen musste, als er ehrlich antwortete:
„So wie ich mich im Moment fühle, würde ich dich gleich jetzt auf dieser Mauer nehmen, ohne irgendeinen Skrupel wegen eines Publikums zu haben."
Sie betrachtete ihn unverhohlen mit Zuneigung in ihren Augen.
„Und ich würde dich vermutlich lassen, wenn du es versuchtest." Sie schwieg und legte ihre Hand auf seine, die auf den behauenen Steinen zwischen ihnen lag. „Aber es wäre keine schrecklich gute Idee."
Snape fühlte die Wärme ihrer Hand auf seiner, als brannte sie.
„Ein bisschen zu indiskret?", fragte er mit einer Leichtigkeit, die er nicht fühlte.
„Nein, das ist es nicht." Sie grinste, als sie ihn schelmisch von unten durch ihre Augenlider ansah. „Ich habe größere Bedenken wegen des Abhangs hinter uns. Wir würden uns beide den Hals brechen."
Er fühlte ein antwortendes Grinsen an seinen Mundwinkeln zupfen, als sich die Spannung in Humor auflöste.
„Es wäre allerdings eine verdammt gute Art, abzutreten."
Sie lachte daraufhin leise, und er stieß sein eigenes kehliges Lachen aus, als er seine Hand drehte, um seine Finger mit ihren zu verschränken.
„Du weißt schon, dass ich diese Nacht nicht eine Minute Schlaf finden werde, Frau."
Sie lächelte ihn süß an und riss ihre Augen unschuldig weit auf.
„Oh, ich schon. Und ich habe vor, die wundervollsten Träume zu haben."
Schlussendlich war es Hermione, die unregelmäßig döste, während Snape neben ihr den Schlaf der Gerechten schließ. Sie ging Szenarien für den nächsten Tag wieder und wieder in ihrem Kopf durch. Wenn sie endlich Markov trafen, hätten sie den Überraschungseffekt auf ihrer Seite und er wäre in der Unterzahl, zumindest magisch. Idealerweise wäre ihr erstes Treffen so eingerichtet, dass so wenig Muggel wie möglich dabei waren. Mit etwas Glück würde Markov Snape nicht erkennen und sie wären in der Lage, ihn bei passender Gelegenheit zu isolieren und zu verhaften, aber es war ziemlich wahrscheinlich, dass die zwei Männer einander kannten, in welchem Fall es darum gehen würde, zuerst zuzuschlagen und das Chaos hinterher zu beseitigen. Ihr Team war nur einen Anruf oder einen Patronuszauber entfernt und die örtliche Muggelpolizei war über die Situation unterrichtet worden (oder zumindest von einer äußerst bearbeiteten Version) und waren in Rufbereitschaft.
Sie hoffte sehr, dass die Beweise, die sie im Labor fänden, auch Archie Price beträfen. Die Muggelpolizei tendierte dazu, verärgert zu sein, wenn sie keinen Verdächtigen zum Spielen behalten durften, nachdem sie bei einer Untersuchung der Unit geholfen hatten, und es wäre auf jeden Fall befriedigend, ihnen den schmierigen Mr Price in Handschellen zu übergeben. Sie lächelte in Erinnerung an Archie, wie er früher am Tag tropfnass im Fluss gestanden hatte. Severus war vollkommen großartig gewesen.
Es half alles nichts. Sie musste letztenendes zugeben, dass sie – im mindesten Falle – sehr für ihn schwärmte. Und im äußersten Fall? Nun, sie würde jetzt nicht darüber nachdenken. Sie hatte morgen eine wichtige Aufgabe zu erledigen. Heute sogar – es war nach Mitternacht, bevor wir ins Bett gekommen sind.
Sie stützte sich auf dem Ellbogen auf und betrachtete Snapes Gesicht im gedämpften Licht, dessen kantige Ebenen von den Strahlen des Mondes in scharfes Relief gebracht wurden. Er lag auf seinem Rücken, einen Arm über seinem Kopf liegend und den anderen zu ihr ausgestreckt. Sie legte sich wieder hin und kuschelte sich hinein, bis sie auf ihrer Seite neben ihm lag, mit dem Kopf auf seiner Schulter und einer Hand auf seiner Brust liegend. Nach einer Sekunde Bedenkzeit beugte sie ihr Knie und schob ihr Bein hoch, bis es auf seinem Oberschenkel lag. Ups, ein bisschen zu hoch. Das ist nicht sein Bein, das ich da spüre. Wovon träumt er bloß? Sie spürte in ihrem Bauch plötzlich ein delikates Aufwirbeln der Lust. Ich frage mich, wie er reagieren würde, wenn ich einfach auf ihn klettern würde? Eine Schande, das nutzlos vergehen zu lassen. Ihr Körper schüttelte sich vor unterdrücktem Kichern über diesen Gedanken, dann zuckte sie zusammen, als Snape leise sagte:
„Du scheinst es zur Gewohnheit zu machen, mich aufzuwecken, indem du über mich lachst. Würdest du bitte erzählen, was so lustig ist?"
Hermione lächelte vor sich hin, während sie ihr Bein sanft gegen seine Erektion drückte.
„Nur, wenn du mir erzählst, wovon du geträumt hast."
Snape legte seinen Arm um sie und schob seine Finger unter den Saum ihres ärmellosen Tops, um sanfte Kreise auf ihrer Haut zu zeichnen.
„Ich habe nicht die Absicht, es dir zu erzählen, aber ich könnte mich überzeugen lassen, es dir zu zeigen."
Hermione streckte sich wie eine Katze und drückte sich in seine Hand, als sie ihr Bein streckte und an seinem Oberschenkel hinuntergleiten ließ.
„So verführerisch das Angebot auch ist, ich habe noch immer Kopfschmerzen, tut mir leid." Und da ist ein verdammtes Mikrofon neben dem Bett. „Vielleicht heute Abend."
„Ich werde dich daran erinnern."
Snape rollte sich auf seine Seite, um sie anzusehen, und schlang beide Arme locker um sie.
Oh ja, bitte erinnere mich daran.
„Ich könnte aber vielleicht trotzdem einen Gutenachtkuss hinbekommen", sagte Hermione und lächelte, während sie seinen Blick hielt und sah, wie die dunklen Augen im Mondlicht funkelten.
Er näherte sich ihr ein wenig und küsste sie sehr sanft auf die Lippen, dann zog er sich zurück und beobachtete sie beinahe unsicher. Hermione merkte, dass er darauf wartete, dass sie den nächsten Schritt machte.
Und das tat sie. Sie legte ihre Hand in seinen Nacken und zog ihn wieder näher, um ihn fest zu küssen. Seine Lippen öffneten sich unter ihren und sie ließ ihre Zunge gegen seine gleiten, schmeckte Schlaf und Zahnpasta und Whisky, und plötzlich küsste er sie heftig zurück, übernahm die Initiative, als er sie beide drehte und sie auf den Rücken drückte und halb mit seinem Körper bedeckte. Er fuhr mit seiner Hand in einem festen Streicheln ihre Seite entlang. Sie stöhnte in seinen Mund, als ihre Zungen einander leckten und schmeckten, vergrub eine Hand in seinem Haar und schob die andere unter sein T-Shirt, um die warme Haut seines Rückens zu streicheln.
Gütiger Merlin, ich will diesen Mann jetzt. Scheiß auf irgendwelche Lauscher. Nur dieses eine Mal werde ich meine Libido über mein Hirn bestimmen lassen. Scheiße, er hört auf. Sag bloß nicht, dass sein Hirn den Streit gewonnen hat. Er ist ein Mann. Sein Hirn sollte nicht mitreden dürfen.
Mit übermenschlicher Stärke zog Snape sich etwas von Hermione zurück, küsste sie noch einmal – züchtig – auf die Lippen, bevor er seine Stirn sanft an ihre lehnte. Er schloss seine Augen. Sie atmeten beide schwer.
Tja, das war verdammt knapp, dachte er. Hatte beinahe das beschissene Mikrofon vergessen. Vier Sekunden länger und ich hätte ihr die Kleider vom Leib gerissen und … Denk an etwas anderes. Schnell.
Er hob den Kopf und öffnete seine Augen. Hermione sah ihn mit einem schiefen Lächeln an, das es irgendwie schaffte, eine Mischung aus Lust, Enttäuschung und Verständnis zu beinhalten.
„Ich habe das starke Gefühl, dass diese Kopfschmerzen in ein paar Stunden weg sind", sagte sie im Plauderton.
„Ich hoffe es doch. Es muss frustrierend für dich sein."
Ich weiß, dass es für dich auch hart ist." Sie grinste verschmitzt, ihr inneres Gleichgewicht und Humor anscheinend wiederhergestellt.
Dann küsste er sie noch einmal – kurz dieses Mal, bevor sie sich mitreißen ließen.
„Na komm, Weib. Lass uns versuchen, wenigstens ein paar Stunden Schlaf zu bekommen."
Er positionierte sie beide auf ihrer Seite, zog ihren Rücken eng gegen seine Brust. Sie verschränkte die Finger einer Hand mit seinen, die an ihrem Bauch lagen.
„Schlaf gut, mein Liebster", murmelte sie.
„Ich werde es versuchen", antwortete er, sich vollkommen bewusst, dass er tatsächlich nicht für einen Augenblick schlafen würde, bevor er sich selbst eine geistige kalte Dusche verpasst hatte und den Nebel der Lust aus seinem Hirn vertrieben hätte. Mit einem Seufzen begann er still, die Großmeister des Zaubergamots seit 1023 aufzusagen: Edrelbert der Unverlässliche, Cymric Wolfstan, Godric ap Hywel ap Rhys ap Myrddin…
Schließlich nickte er irgendwo in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts ein und wachte einige Stunden später auf. Er fühlte sich eindeutig nicht ausgeruht. Seine unersättliche Libido wetteiferte mit der nagenden Nervosität in seiner Magengrube um Aufmerksamkeit. Er fand es unglaublich schwierig, Hermione zu erlauben, davonzuziehen und Markovs Labor allein zu durchsuchen. Im Allermindesten wollte er sie begleiten. Und ein kleiner, aber signifikanter Teil von ihm wollte ihr verzweifelt sagen, dass sie nach Hause gehen und ihn Markov festsetzen lassen sollte.
Vom Kopf her wusste er, dass Hermione ihm mindestens ebenbürtig war, wenn es um magische Fähigkeiten ging, und sie dass sie diese Tatsache recht fröhlich bestätigen würde, indem sie ihm etwas übermäßig Schmerzhaftes zufügte, falls er auch nur versuchte, Kavaliersbenehmen zu zeigen, das als Zweifel an ihrer Kompetenz angesehen werden könnte. Und er hatte solche Zweifel nicht. Nicht wirklich. Es war nur, dass sie so jung (nicht so jung, protestierte ein noch immer lustgeschwängerter Teil seines Gehirns) und relativ unerfahren war. Und trotz all meiner Proteste, dass ich ein ruhiges Leben haben möchte, bin ich noch immer ein Kontrollfreak mit einem schwer zu unterdrückenden Drang, Menschen zu beschützen. Besonders diejenigen, die ich liebe. Liebe? Merlins rechte Pobacke, wo kam das jetzt her?
Hermione bemerkte, dass Snape still und abgelenkt war, als sie sich am Morgen anzogen. Hat wahrscheinlich nicht viel Schlaf abbekommen, nachdem ich ihn angefallen habe, dachte sie ein wenig schuldig. Sie hatten eine Unterhaltung vorgetäuscht, in der es darum ging, dass sie das Frühstück ausfallen ließe, weil ihre Kopfschmerzen noch nicht ganz verschwunden waren, und Snape war beinahe fertig, um nach unten zu gehen.
Sie ging ins Badezimmer, um ihr Haar zu kämmen, und war etwas überrascht, als Snape ihr folgte und die Tür schloss. Er stand dicht hinter ihr, als sie in den Spiegel sah, und seine Augen trafen ihre in der Reflektion.
„Ich nehme an, dass wir hier drin davor sicher sind, abgehört zu werden", sagte er ruhig.
Hermione nickte.
„Solange wir mit leiser Stimme sprechen. Bist du ok?"
Snape lächelte reumütig.
„Ich bin einfach nur erleichtert, wenn wir Markov sicher in Gewahrsam haben werden. Willst du, dass ich dich desillusioniere? Das ist einer der Zauber, die man immer leichter bei anderen durchführen kann statt bei einem selbst."
Hermione lächelte ihn dankbar im Spiegel an.
„Das wäre perfekt. Danke."
Sie beobachtete interessiert ihre Reflektion, als er seinen Zauberstab hoch und ihr dann damit fest auf den Kopf tippte. Sie konnte den Zauber sehen, wie er in einer kalten Welle ihren Körper nach unten lief. Der Effekt war gruselig. Sie war beinahe unsichtbar, aber wenn sie sich stark konzentrierte, konnte sie sich besser sehen und ihr geisterhaftes Aussehen wurde beinahe greifbar.
Sie drehte sich um, um Snape anzusehen.
„Ich weiß nicht, ob du es erkennen kannst, aber ich lächele dich an. Ich komme vielleicht zum Frühstück, nachdem ich im Labor fertig bin, aber wenn nicht, treffen wir uns wieder hier oben."
Er nickte einmal.
„Nun gut. Viel Spaß. Wenn du dich entscheidest, zum Frühstück zu kommen, bitte erinnere dich daran, den Zauber aufzuheben, sonst wirst du alle zu Tode erschrecken. Und ja, ich kann dich gut genug sehen um zu wissen, dass du mir jetzt die Zunge herausstreckst. Kindisches Gör."
„Brummiger alter Blödmann", gab Hermione zurück. „Geh und hol dir deinen Kaffee – ich bin sicher, dass du wieder dein normales, charmantes Selbst bist, sobald du etwas Koffein intus hast."
„Ich denke, ich werde bei Tee bleiben, vielen Dank. Du hast meine Nerven in den letzten vierundzwanzig Stunden genug belastet, so dass noch mehr Stimulation das letzte ist, was ich brauche."
Hermione mochte die Art ziemlich, wie seine melodische Stimme das Wort „Stimulation" liebkoste. Sie reckte sich, um ihn sanft auf die Wange zu küssen, dann wartete sie darauf, dass er das Bad und das Schlafzimmer verließ, bevor sie ihm geräuschlos und beinahe unsichtbar folgte.
Fünf Minuten später fand sie sich in dem nun von der Sonne erhellten Labor wieder, durch die zweite Schublade des Aktenschranks blätternd. Sie zog den ersten Ordner heraus und nahm ihn zum nächsten Tisch mit. Sie breitete die Seiten der Reihe nach vor sich aus. Mit einem Schwung ihres Zauberstabs und einer gemurmelten Beschwörung bewirkte sie den Übersetzungszauber. Sofort stiegen von jeder Seite goldene Buchstaben auf und schwebten in der Luft über dem originalen Text. Eine Variation des Zaubers würde die Übersetzung aufs Papier bringen, aber das konnte warten. Für den Augenblick wollte sie nur ihre Neugier befriedigen.
Skorpionsstich-Trank, las sie. Zur Unterjochung von Feinden und –
Sie spürte plötzlich, dass sich Wärme in ihrem Körper ausbreitete. In dem Bruchteil der Sekunde, den sie benötigte, um zu erkennen, dass ihr Desillusionierungszauber aufgehoben worden war, begann sie sich zu drehen und einen Schildzauber zu werfen. „Prot-!"
Doch es war zu spät. Ihr Zauberstab flog aus ihrer Hand, als sie entwaffnet wurde, und noch bevor sie sich umgedreht hatte, um ihren Angreifer anzusehen, hörte sie das Wort „Incarcerus!" und aus dem Nichts erschienen Seile, die ihre Gliedmaßen fest an ihren Körper fesselten. Sie fühlte ihre Beine nachgeben, als sie etwas von hinten traf, und realisierte, dass es ein Stuhl war, als die Seile sich weiter ausdehnten, um sie daran zu fesseln.
„So, Ms Eastwood", sagte eine Stimme mit starkem Akzent. „Wer sind Sie wirklich, und warum haben Sie Severus Snape in mein Heim gebracht?"
Hermione sah grimmig zu, wie Yuri Markov sich vor ihr positionierte. Warum war ich so verdammt blöd, mit dem Rücken zur Tür zu arbeiten? Jetzt, da sie sein Gesicht sehen konnte, erkannte sie er sofort wieder – der Zauber, den er benutzt hatte, um sie davon abzuhalten, sich daran zu erinnern, wie er aussah, hob sich anscheinend in seiner Gegenwart auf. Unter anderen Umständen hätte sie Finesse gewürdigt.
Seine Augen waren von einem sehr blassen, eisigem Blau. Sein Gesicht hatte slavische Züge mit hohen Wangenknochen und einer langen, schmalen Nase. Sein schwarzes Haar war kurzgeschnitten und stand in starkem Kontrast zu seiner kreideweißen Haut. Seine dünnen Lippen hatten sich zu einem höhnischen Lächeln verzogen, als er auf sie herabsah.
„Ich warte auf eine Antwort, Ms Eastwood. Oder wie auch immer Ihr Name wirklich lautet."
Er tippte mit ihrem Zauberstab gegen den Tisch.
„Das hier scheint die Vermutung nahezulegen, dass Sie eine Hexe sind. Allein dieser Umstand beweist, dass Sie nicht die sind, für die Sie sich ausgeben."
Hermione begegnete seinem Blick herausfordernd.
„Ich habe keine Ahnung, worüber Sie da sprechen, Mr Markov."
Markov knurrte.
„Lügnerin. Nun, lassen Sie uns damit anfangen, dass ich Ihnen erzähle, was ich bereits weiß. Ich habe Mr Price gebeten, mir einen Vorbericht über Sie und Ihren angeblichen Ehemann zu geben, und ich hatte gestern Abend ein sehr interessantes Telefongespräch mit ihm. Sie werden ohne Zweifel erfreut sein zu erfahren, dass er Sie mag, obwohl er Sie wohl eher auf dem Verhandlungstisch ficken würde statt sich mit Ihnen daran zu setzen. Er sprach in nicht ganz so hohen Tönen von Dr. Singer. Ich habe seinen Beschwerden wenig Aufmerksamkeit geschenkt, bis er eine sehr interessante Geschichte davon wiedergab, was Ihr Ehemann mit Turpin gemacht hat. In seinen Worten: Es war einfach wie Magie.
Nun, für ihn war das nur eine Redewendung, aber wie Sie sich vorstellen können, dachte ich, dass es weitere Nachforschungen verdient hätte. Ich beschloss, ein wenig früher hierher zurückzukehren, um die Erträge der Kamera und Mikrofone zu sichten. Meine Entscheidung erwies sich als gerechtfertigt, denn als ich wieder gehen wollte, wurde der stille Alarm für diesen Flügel des Hauses ausgelöst. Schöne Sache, so ein Muggeleinbruchsalarm."
Mist, dachte Hermione. Den habe ich übersehen. Er ist nicht ganz so selbstgefällig, wie wir dachten.
Markov fuhr mit seiner Rede fort, während er nun vor ihr auf- und abschritt.
„Also kam ich heute in den frühen Morgenstunden zurück, ohne jemanden über meine Anwesenheit zu informieren. Zu allererst habe ich die Sicherheitskamera überprüft, aber Sie haben geschickt sichergestellt, dass Ihr Gatte sein Gesicht davon abgewandt hielt. Wie dem auch sei, ich habe Professor Snapes Gesicht zuvor nur einmal gesehen und hätte ihn vielleicht gar nicht sofort erkannt. Aber dann habe ich einige der Audioaufnahmen von Ihrem Schlafzimmer angehört. Ich schätze, Sie wussten, dass es verwanzt war? Ich hoffe doch, dass Sie normalerweise interessantere Gespräche führen. Obwohl die Ereignisse um zwei Uhr nachts doch aufregender waren. Sagen Sie mir, haben Sie herausgefunden, wovon Severus geträumt hatte?"
Hermione schauderte bei dem Gedanken daran, dass Markov sie belauscht hatte, und war von Herzen froh, dass ihnen die Dinge nicht noch mehr aus der Hand geglitten waren. Sie fuhr damit fort, Markov schweigend anzustarren, als er weitersprach:
„Aber ich schweife ab. Sie haben das Gesicht Ihres Mannes verborgen gehalten, aber Sie haben nicht daran gedacht, seine Stimme zu verbergen. Sie haben eine Sache über die Todesser vergessen. Sie bestanden darauf, diese lächerlichen Masken zu tragen. Also war beinahe immer, wenn ich mich mit dem Dunklen Lord getroffen habe, um ihn über die Ereignisse in meinem Land zu informieren, das Gesicht seines meistvertrauten Stellvertreters verborgen. Jedoch nicht seine äußerst markante Stimme, die ich sehr gut kennenlerne. Stellen Sie sich meine Überraschung vor, als ich sie in meinem Haus hörte.
Also, zum letzten Mal: Wer sind Sie und warum haben Sie Severus Snape hergebracht?"
Hermiones Gedanken rasten, während sie versuchte, sich einen Ausweg zu überlegen. Ihre stablose Magie war gut, aber es war unwahrscheinlich, dass sie gegen einen bewaffneten Dunklen Zauberer wirksam wäre. In ihrer Tasche befand sich ihre Pistole, unter anderen, aber sie war auf den Boden gefallen, als sie gefangen genommen worden war. Sie war im Moment außerhalb ihrer Reichweite. Das musste sie ändern. Sie versuchte, Zeit zu gewinnen. Vielleicht könnte sie genug Zweifel bei Markov säen, dass er zumindest die Seile entfernte.
„Ich weiß nicht, wovon Sie reden. Steven ist nur ein Muggel, der gut mit Pferden kann. Wir sind seit drei Jahren verheiratet. Ich kann nichts dafür, dass er wie Snape klingt. Hören Sie, augenscheinlich bin ich eine Hexe, aber ich bin trotzdem hier, weil ich Geschäfte mit Ihnen machen möchte. Sie bevorzugen anscheinend heutzutage, mit Muggeln zu arbeiten, also schien das der beste Weg zu sein, sich Ihnen zu nähern. Ich hatte die vollste Absicht, Ihnen an diesem Wochenende die Wahrheit zu sagen."
Markov sah sie unverwandt an. Er schien darüber nachzudenken, was sie gesagt hatte. Dann schüttelte er seinen Kopf.
„Sie lügen immer noch. Aber egal. Ich werde die Wahrheit aus Ihnen herausbekommen. Letztenendes."
Er schnippte mit seinem Zauberstab und eine Flasche flog in seine Hand. Mit einem Angstschauer erkannte Hermione den zinnoberroten Farbton des Skorpionsstich-Tranks.
Markov tippte sich mit dem Finger gegen die Lippen, überlegend.
„Ich denke, ich eine halbe Stunde sollte zum Anfang genügen. Dann werden wir sehen, ob Sie sich entschieden haben, etwas entgegenkommender zu sein."
Er kam auf Hermione zu und stellte sich direkt neben sie. Instinktiv versuchte sie, wegzurücken, doch er ergriff fest ihren Arm. Er entkorkte die Flasche und ließ einen Tropfen der Flüssigkeit auf ihr Handgelenk fallen.
Hermione war über ihren Abstand zu dem Ereignis überrascht, als sie zusah, wie die rote Farbe sich leicht über ihre Haut ausbreitete. Sie wusste, wie der Zaubertrank wirkte. In einigen Sekunden würde ein brennender Schmerz beginnen, sich in ihrem Körper auszubreiten. Es würde in Wellen geschehen, jede etwas höher als die vorherige, bevor sie leicht abebbte. Das war einer der Gründe für die Effizienz des Tranks. Anstatt eine verlängerte Bewusstlosigkeit hervorzurufen, brachte es den Körper dazu, immer wieder aufzuwachen, wenn der Schmerz anscheinend nachließ, und verweigerte so die Erleichterung der gnädigen Ohnmacht. Eigentlich clever.
Sie fühlte die erste weiße Hitze von ihrem Handgelenk herausschießen. Sie sah trotzig zu Markov auf, der sie mit offensichtlichem Vergnügen beobachtete.
„Nun", sagte er, „ich denke, wir werden die Seile entfernen. Das wird Ihnen die Freiheit geben, sich vor Schmerzen zu winden. Ich denke nicht, dass wir gebrochene Knochen wollen. Noch nicht."
Bastard. Hermione spürte, wie die Seile sich lockerten, konnte jedoch nichts anderes tun als auf den Boden zu rutschen, als die Wirkung des Tranks sich entfaltete. Sie merkte, dass Markov wieder sprach.
„Aber ich denke, ich werde Sie mit einem Schweigezauber belegen. Ich muss einen Anruf tätigen, und die Schreie könnten ein wenig ablenkend sein."
Sie schwach, dass der Zauber wirkte, doch sie war mehr besorgt über die Welle des Schmerzes, die jetzt bis zu ihren Zehenspitzen reichte. Gerade als sie dachte, sie könnte es nicht mehr aushalten, fiel das Schmerzlevel etwas. Gut, wenn ich jetzt nur an meine Tasche kommen könnte… Aber kaum war ihr der Gedanke kommen, begann die Qual erneut. Dieses Mal stieg die Schmerzenswelle höher und höher. Sie wusste, dass sie das Bewusstsein verlieren würde. Als sie spürte, dass die Welt um sie herum schwarz wurde, schrie sie lautlos ein Wort in das Gewölbe ihres Geistes. Severus!
Auf der Terrasse konnte man Severus sehen, der plötzlich seine Teetasse fallen ließ. Sie zerschellte in hundert Teile und verspritze ihren flüssigen Inhalt auf die Steine, als wäre er eine unvorsichtig fallengelassene Bernsteinkette.
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