Kapitel 5

Seitdem ging es besser, wirklich. Natürlich war es immer noch schwer, manchmal zumindest, dass er nicht mit ihr zusammen sein konnte, aber es ging wirklich besser. Moody hatte die Sache auf sich beruhen lassen, wenn er sie überhaupt mitbekommen hatte, wofür James ihm reichlich dankbar war. Der Umgang mit Lily war ein bisschen einfacher geworden. Die Tatsache, dass sie ihn liebte, so wie er sie liebte, machte alles sehr viel einfacher.

Ähnlich wie James gesagt hatte.

Gerade saßen sie zu dritt am Tisch und grübelten über einen guten Plan. „...und wie wäre es, wenn du an Orte gehst, zu denen du weißt, dass er geht und dort auf ihn wartest?", schlug Sirius vor.

„Wir sind keine sechzehn mehr, Sirius.", erwiderte sie. „Ich habe seit Ewigkeiten keinen Kontakt mehr zu ihm, er wird wohl kaum jedes Jahr zu der Bank gehen, auf der wir gesessen und über unsere Probleme Zuhause geredet haben.", schnaubte sie dann.

„Glaubst du nicht?", hakte sein bester Freund nach.

„Nein, glaube ich nicht.", erwiderte sie entschieden, aber kaum hatte sie es ausgesprochen, da runzelte sie die Stirn und sah ganz und gar nicht mehr entschieden aus. „Wieso – glaubst du?", hakte sie nach.

„Nun...", machte er plötzlich mit belegter Stimme. „Ich gehe jedes Jahr zu dem Baum am schwarzen See, an dem Marlene und ich entschieden haben, dass es nicht geht.", daraufhin schwieg Lily verblüfft. Das war ein sehr intimes Detail, von dem James zwar gewusst hatte, aber über das nicht (und unter keinen Umständen jemals!) gesprochen wurde. „Tja, dieses Jahr nicht, aber bisher immer.", fügte er bitter hinzu.

„Du hast mit ihm über deine Probleme Zuhause gesprochen?", fragte James plötzlich nachdenklich. Sirius hob seine Augenbrauen an und schnaubte.

„Vier Jahre später und er wird immer noch eifersüchtig auf Snievellus, weil der mit Evans kann und er nicht.", meinte er abfällig.

„Du sollst dieses Wort nicht sagen.", maulte Lily sofort.

„Ich bin nicht eifersüchtig, ich meine damit, dass er vielleicht Kontakt zu deinen Eltern hat. ...ich meine, wenn ihr so eng befreundet ward, vielleicht haben sie ihn bei der Beerdigung gesehen und den Kontakt wieder aufgenommen?", schlug James vor. Zu seiner Überraschung erhellte sich Sirius' Miene, während Lily augenblicklich Tränen in die Augen traten. „Kamen deine Eltern gut mit ihm aus?", sie räusperte sich tapfer.

Ja, er fand sie wirklich sehr tapfer und er bewunderte sie dafür. Er wusste, wie nah sie ihrer Familie gestanden hatte und dass sie sie schrecklich vermissen musste. Trotzdem holte sie Luft. „Meine Eltern und er haben sich – uh – sehr gut verstanden.", meinte sie, dabei zuckten ihre Mundwinkel nach unten. „Was du sagst liegt im Bereich des Möglichen.", fügte sie dann seufzend hinzu.

„Also, was jetzt?", fragte Sirius. „Ich meine, Lily kann schlecht in ihr Wohnzimmer platzen und sie fragen, ob sie wissen, wo er ist...", fügte er dann hinzu.

„Nein, das geht nicht...", murmelte James nachdenklich. „Aber ich könnte... Mr und Mrs Evans kennen mich sicher noch von früher. Ich könnte sicherlich irgendeinen Vorwand erfinden, um sie nach ihm zu fragen. Die Frage ist, ob wir Moody dazu kriegen würden.", meinte er schließlich unsicher. Lily grübelte mit rotem Gesicht vor sich hin. Dieses Thema schien ihr sehr unangenehm.

„Was würdest du erfinden wollen, ich glaube, Lilys Eltern wissen noch, dass ihr euch nicht leiden konntet.", erinnerte Sirius ihn ungläubig. „Denk nur an die Weihnachtsfeier vor zwei Jahren, auf der ihr euch vor versammelter Mannschaft geprügelt habt..."

„Nun, wenn er nicht von mir hätte verprügelt werden wollen, dann wäre er gegangen, als Lily ihm gesagt hat, dass er dort fehl am Platz und nicht mehr willkommen ist!", maulte James.

„Ich glaube nicht, dass er kommen gesehen hat, dass du ihn verprügeln würdest, wenn er nicht geht.", gab sein bester Freund zurück und schnaubte dabei. „Es wäre logischer gewesen, dass 'ich' mich einmische, zu dem Zeitpunkt waren Lily und ich nämlich wesentlich enger miteinander befreundet als ihr zwei!", er fühlte, wie er ein bisschen rot im Gesicht wurde. „Und Mr und Mrs Evans wussten das, weil sie mich da schon kannten und dich nicht!", fügte er dann hinzu.

„Du hast aber nun einmal nichts gemacht!", erinnerte er ihn. „Ich meine, wenn ihr so gut befreundet ward, wieso hast du dann nichts unternommen, um ihr zu helfen?", fragte er aufgebracht.

„Ich wollte mich nicht vor versammelter Mannschaft mit jemandem prügeln, James, das ist unhöflich!"

„Nun, Mr Evans fand es ziemlich heldenhaft von mir, dass ich eingesprungen bin.", verteidigte er sich mit heißen Wangen.

„Könnt ihr mal aufhören?", maulte Lily jetzt dazwischen. „Das tut doch überhaupt nichts zur Sache...", kopfschüttelnd fuhr sie durch ihre Haare, dann räusperte sie sich. „Ich – uh – ich könnte Briefe schreiben.", beide sahen auf.

„Wie meinst du?"

„Ich meine damit, ich könnte einen Brief an meine Eltern schreiben, dann hast du einen Vorwand, um zu ihnen zu gehen. Wenn du dort bist, dann fragst du nach Severus, weil du einen Brief für ihn hast. Wenn sie sagen, du sollst ihn gerade da lassen, dann wissen wir, dass er Kontakt zu ihnen hat.", schlug sie vor.

„Das ist brillant!", lobte Sirius.

„Und wenn ich den Brief dort lasse und Severus fragt deine Eltern, wer den Brief abgegeben hat, dann sagen die beiden ihm, dass ich bei ihnen gewesen bin. Dann weiß er, dass etwas an der Sache faul ist.", gab er ihr zu bedenken.

„Meine Eltern sind cool, James, du kannst ihnen einfach sagen, wenn sie mit ihm sprechen, sollen sie deinen Namen nicht erwähnen. Sie wissen, dass es blöd zwischen euch ist.", meinte sie. Als er daraufhin die Arme verschränkte, da seufzte sie. „Sie haben oft nach dir gefragt...", fügte sie zögerlich hinzu.

„Was würdest du in den Brief schreiben wollen?", fragte Sirius, vermutlich um James von diesem Einwand abzulenken. Sein toller bester Freund...

„Keine Ahnung. Ich könnte ihnen eine Art Abschiedsbrief schreiben."

„Und wie würde ich in den Besitz eines persönlichen Briefes an deine Eltern kommen?", sie wurde rot und räusperte sich.

„Darüber würden sie sich nicht wundern.", flüsterte sie beschämt. „Uh – sie würden sich eher freuen und... Und fragen, ob ich glücklich war.", er konnte plötzlich nicht mehr anders, als ein bisschen schräg zu grinsen. Das bedeutete, sie hatte mit ihren Eltern über ihn geredet. Über ihn und darüber, dass sie ihn gerne hatte... „Du müsstest natürlich sagen, dass du erst jetzt kommst, weil du nach mir gesucht hast, damit sie das glauben, ich meine...", unsicher zuckte sie mit ihren Schultern.

Es war zu sehen, wie unangenehm ihr dieses Thema jetzt erst war, wo sie zugegeben hatte, dass sie schon viel länger in ihn verliebt gewesen war. „Also schön, ich werde mit diesem Plan zu Moody gehen.", meinte er schließlich nachdenklich. Sirius und er wechselten seinen Blick. Dieses Mal wusste er nicht auf Anhieb, was sein bester Freund ihm mitteilen wollte, aber schließlich drang er ohne Probleme in seinen Geist ein. James brach den Blickkontakt und schloss seinen Geist sofort. Das hatte er gewollt. Vermutlich hatte er verräterische Gedanken und Sirius wusste das.

Er stand auf und schob seinen Stuhl an, um in Moodys Büro zu gehen. Zu seiner Überraschung saß Moody nicht an seinem Schreibtisch, wie sonst immer, sondern er lag auf der Couch, in der Hand ein leeres Glas, auf dem Tisch eine Flasche Whisky. „Sir?", sprach er ihn etwas unsicherer an, als beabsichtigt. Moody sah auf und räusperte sich, dann richtete er sich auf.

„Was, Agent Potter?", fragte er schneidend.

„Wir haben einen Plan ausgearbeitet und wollen Ihre Erlaubnis.", erwiderte er kühl.

„Mh.", machte er, dabei ging er zu seinem Schreibtisch. Er musste eine Menge getrunken haben, denn seine Schritte waren nicht mehr die sichersten.

„Schießen Sie los.", verlangte er dennoch.

„Wir denken, es ist am einfachsten, es über Agent Evans' Eltern zu versuchen.", meinte er schlicht. „Sie kann schlecht zu ihnen gehen, aber ich könnte, unter dem Vorwand, ihnen einen Brief geben zu wollen und einen für Severus zu haben. Wenn sie mir sagen, ich soll ihn dort lassen, dann wissen wir, dass er dorthin kommen wird.", er schnaubte.
„Und was für einen Brief würden Sie ihnen geben wollen, Agent Potter?", fragte er abfällig.

„Lily könnte einen Brief schreiben, sie sitzt gerade unten.", erinnerte er ihn. „Einen Abschiedsbrief. Ich bin mir sicher, dass es ihr danach besser gehen wird.", erklärte er dazu.

„War das deine Idee?"

„Nein, ihre.", gab er zu. „Aber ich finde sie recht clever. Und wie ich sagte, es würde ihr danach besser gehen. Wenn sie sich verabschieden könnte, meine ich.", sein Chef verdrehte seine Augen, aber als James genau hinsah, da konnte er sehen, dass sie dabei feucht wurden. Etwas war passiert, was er ihm verschweigen wollte. Es gab einen Grund, warum er hier am helligten Tage lag und trank.

Etwas ungewollt merkte James, wie seine Augen den Raum nach einen Anhaltspunkt absuchten. Irgendetwas, er wusste gar nicht, wonach er suchte, wurde aber nicht enttäuscht. Auf der Couch lag eine Zeitung.

Und die Schlagzeile brachte ihn beinahe um.

Seine Eltern. Es wurde darüber berichtet, dass man seine Eltern abgeschlachtet in ihrem Haus gefunden hatte. Sein Mund wurde trocken und er fühlte, wie ihm schwindelig wurde. Stöhnend fuhr er durch seine Haare. „Ich werde darüber nachdenken. Eine Tarnung wie 'den Tod' kann man nicht einfach auffliegen lassen.", erwiderte Moody nur, der seinem Blick gefolgt war.

„W – was...", stotterte er nur, dabei verließ er seinen Platz und nahm die Zeitung in die Hand.

„Wegtreten, Agent Potter.", meinte sein Pate herzlos.

„D – die – die ist schon eine Woche alt!", brach es aus ihm heraus. „Und du hast es nicht für nötig gehalten-"

„Nein, gar nicht.", unterbrach er ihn. „Du hast keine Identität mehr, weißt du noch?", stöhnend rieb James über sein Gesicht. „Ich sagte 'Wegtreten'!", knurrte er dann. Wenigstens sagte er nichts dazu, dass James die Zeitung nicht weg legte, sondern zusammen faltete und gegen seine Seite drückte. Er hätte auch mit Moody gekämpft, den alten Mann konnte er sicher locker fertig machen.

Und er war sich gewiss, dass der alte Mann das wusste.

Sirius und Lily saßen beide immer noch unten am Tisch, Sirius trank offenbar einen Schluck Whisky, während Lily nur mit verschränkten Armen und geschlossenen Augen zurück lehnte. Ihre Knöchel lagen übereinander geschlagen auf der Tischkante, so weit war sie zurück gerutscht. „Er denkt darüber nach.", meinte er, dann legte er seufzend die Zeitung auf den Tisch. Sirius merkte es zuerst, griff nach der Zeitung und stöhnte, dann wurden seine Augen feucht und ein Schluchzen brach aus ihm heraus. Erst da öffnete Lily ihre Augen.

„Was zum-", begann sie mit einem verwirrten Blick zu Sirius, dann bemerkte sie die Zeitung und riss sie ihm gierig aus den Händen. Ihre Augen wurden kreisrund. „Nein...", flüsterte sie dann. Er wusste gar nicht mehr, warum er es nicht anders gemacht hatte. Er hätte etwas sagen und Sirius nicht so mit dem Kopf darauf stoßen sollen, denn der vergrub gerade nur noch sein Gesicht in seinen Händen und schluchzte kopfschüttelnd. „Oh nein!", auch ihr stiegen Tränen in die Augen.

James hasste sich plötzlich.

Da stand er und hatte gerade erfahren, dass seine Eltern ermordet worden waren – und hatte keine einzige Träne dafür übrig. Nicht eine. Nichts, er fühlte sich völlig leer und tot. Um nicht zu sagen: Es ließ ihn kalt. Lily und Sirius hatten mehr Emotionen dafür übrig als er, er stand nur dort und betrachtete sie ungerührt, wie sie weinten und trauerten. Sogar Lily weinte um den Tod seiner Eltern, während er nur dort stand und nichts tat. Er hasste und verabscheute sich zutiefst. „Ich gehe duschen.", meinte er endlich.

„Aber-", begann Lily, sodass er seine Hände abwehrend hob.

„Ich will nicht darüber sprechen.", wies er sie und auch jeden ihrer Einwände ab.

Er saß noch dort unter der Dusche, als sich die Tür zwei Stunden später öffnete. „Geh weg, Sirius.", murmelte er. Ihm war eiskalt, er war völlig durchnässt und lehnte erschöpft gegen die gekachelte Wand hinter sich, während das kalte Wasser einfach durch seine Kleidung sickerte.

Keine Träne.

Nichts.

Wer hatte schon einmal von einem so herzlosen, kalten Wesen gehört, dass nicht einmal weinte, wenn seine Eltern starben? Kein Schritt hatte verraten, dass die Person im Zimmer geblieben war, aber als er seine Augen öffnete, da sah er Lily vor sich hocken. „Wir machen uns langsam Sorgen.", meinte sie seufzend. Ihre Augen waren ganz rot, aber sie weinte nicht mehr, während sie sich neben ihn unter das kalte Wasser setzte.

Lily zuckte nicht einmal zusammen, obwohl das Wasser so dermaßen kalt war. „Hast du geweint, als sie dich gefoltert haben?", fragte er tonlos. Überrascht warf sie ihm einen Blick von der Seite zu, dann räusperte sie sich.

„Nein.", erwiderte sie endlich. „Das wäre unprofessionell gewesen.", er schnaubte, aber dann kam ihm in den Sinn, dass sie lieber aus dem sechzehnten Stock sprang, als noch einmal gefangen genommen zu werden.

„Was haben Sie gemacht?", fragte er also, aber darauf antwortete sie eine Weile nicht. „Lily?"

„Weißt du, James, eine Menge Seelenheiler haben versucht, das aus mir heraus zu kriegen und keiner hat es geschafft. Wieso denkst du, ich würde es dir verraten?", maulte sie ein bisschen.

„Weil du mich liebst, deshalb.", erwiderte er einfacher, als das für ihn war. Genau genommen: An der Tatsache, dass Lily ihn liebte und er sie und sie nicht zusammen sein konnten, war überhaupt nichts einfaches mehr. Die Erkenntnis des Tage war, dass das Leben zu kurz war, um immer nur umeinander herum zu schleichen. Er hatte gerade genug davon! Seine Eltern hatten immer gehofft, dass sie es irgendwann schaffen würden, weil sie gewusst hatten, dass er die Hoffnung nie aufgegeben hatte. Jetzt war seine Hoffnung endlich erfüllt, sie war in ihn verliebt und sie wollte ihn.

Er wollte nicht länger warten. „Nun, sie haben mir weh getan.", sagte sie plötzlich. „Und bevor du fragst: ich meine damit genau das, was du denkst.", er stöhnte und schloss seine Augen. „Wieso sitzt du hier unter der kalten Dusche?", fragte sie.

„Keine Ahnung.", log er.

„Willst du nicht darüber reden?", fragte sie, dabei stellte sie das Wasser einfach ab. Während er schwieg zückte sie ihren Zauberstab und trocknete zuerst ihn, dann sich selber. Ihm war augenblicklich warm, aber immer noch nicht wohl.

„Ich hasse die Männer, die dir weh getan haben.", seufzte er. „Ich hätte dich beschützen wollen, ich habe versucht, dich zu befreien.", murmelte er. Lily schnaubte wieder.

„Ich will lieber nicht weiter darüber sprechen James. Wir haben alle schon Sachen erlebt, die wir lieber nicht erlebt hätten.", als sie ihn abwies, da seufzte er tief. „Jamie?"

„Mh?"

„Möchtest...", sie seufzte tief. „Möchtest du deinen Frust los werden?", er runzelte seine Stirn, dabei warf er einen Blick zu ihr.

„Was meinst du damit schon wieder?", fragte er ahnungslos, da räusperte sie sich und zog den Reißverschluss ihrer Jacke auf. Er konnte nicht glauben, was sie da vorschlug. Sie meinte, er sollte mit ihr schlafen, um zu vergessen, dass seine Eltern gestorben waren. Nein, halt, das hatte sie nicht gesagt. Sie hatte ihn gefragt, er seinen Frust los werden wollte. Ihm wurde klar, wie frustriert er war, dass sie das an seiner Nasenspitzen abzulesen schien. Momentan frustrierte ihn alles! Die Tatsache, dass sie schon wieder Ewigkeiten eingesperrt waren, die Sache mit seinen Eltern, das Benehmen von Moody, dass irgendwie alles schief gegangen war, dass sie ausgerechnet Snape jagen sollten, dass er unter der Dusche gesessen hatte und einfach nicht weinen konnte... Stöhnend betrachtete er sie, während sie sich auszog.

„Ich meine damit, dass du aussiehst, als würde es dich gleich zerreißen.", meinte sie zärtlich, als sie nur noch in ihrem Höschen vor ihm stand, dann setzte sie sich auf seinen Schoß, ihr Gesicht direkt zu seinem gedreht. „Du siehst aus, als würde dein Kopf gleich explodieren, vor lauter Gedanken. Und ich will dir helfen, dich zu entspannen.", er stöhnte und nickte.

„Es zerreißt mich bald.", gab er zu, mehr brauchte es nicht, da drückte sie ihre Lippen schon auf seine.

Einen Moment herrschte Funkstille in seinem Kopf. Erlösend, wirklich, er überlegte und grübelte und dachte so viel nach, dass es nichts schöneres gab, als den Stillstand, den er in der ersten Sekunde erfuhr. „Besser?", fragte sie ihn zärtlich, er nickte und schloss seine Augen, um sich ein bisschen zu entspannen. Ihre Küsse waren so toll, so süß, so köstlich. Merlin, er liebte sie.

„Du hast keine Ahnung, wie lange ich darauf gewartet habe, dass du das tun würdest.", flüsterte er entsetzt.

„Was? Zu dir unter die Dusche kommen und dich küssen?", fragte sie.

„Meine Gefühle für dich erwidern.", erwiderte er. „Lily, ich liebe dich schon so lange. Wir hätten es alles haben können, ein hübsches Haus am See, ein Quidditchteam Kinder, abends auf der Hollywood-Schaukel den Sonnenuntergang ansehen...", unerklärlicherweise kamen ihm jetzt die Tränen, aber er griff nur in ihre Haare und drückte seinen Mund ebenfalls auf ihren. „Wir wären es gewesen.", erklärte er ihr stöhnend.

„Jamie-", begann sie, aber in diesem Moment klopfte es an die Tür.

„Moody will uns sehen.", ertönte es von draußen, Sirius klang reichlich betreten und verheult. Lily zog sich von ihm zurück, aber er küsste sie wieder, dann stand er auf. Ihr Gesicht war ganz rot und Tränen standen ihr in den Augen, während sie nur ihren BH anzog, da hörte er Sirius schniefen. „Kommt ihr?"

„Ja, wir kommen.", meinte er nur. Lily ließ ihn einfach stehen, öffnete die Badezimmertür und lief an Sirius vorbei, nur in ihrer Unterwäsche bekleidet. James folgte ihr geknickt. Sie betrachteten Lily beide mehr oder weniger nachdenklich, während die ihren schwarzen Anzug anzog und ihre Waffen verstaute.

Moody saß an seinem Schreibtisch und wirkte wieder völlig normal, als die drei eintraten, alle mehr verstört als sonst irgendetwas, und sich vor ihn stellten. „Ihr Plan ist gut, ich möchte, dass Sie ihn so schnell wie möglich durchführen.", meinte er. „Ich schätze, Regulus Black wird berichtet haben, dass Sie gar nicht tot sind, demnach müssen wir so schnell wie möglich handeln, ehe das publik wird.", er klang völlig emotionslos. Natürlich klang er immer emotionslos, aber nicht in diesem Stil, das war ein neues Level!

„Was wird passieren, wenn es publik wird?", fragte James tonlos. „Mit uns, meine ich.", fügte er dann hinzu, ehe sein Pate auch nur Luft geholt hatte.

„Nun, das Ministerium wird versuchen, es so gut es geht abzustreiten. Wenn das nicht geht, wird man euch abschwören und los werden.", meinte Moody. „Falls du möchtest, Junge, ich kann dir deinen unterschriebenen Vertrag zeigen, da steht das alles drin.", er warf einen unsicheren Blick zu Sirius, der aber nur nickte. Merlin, was hatten sie da unterschrieben?

„Also, wie gehen wir vor?", fragte er nur.

„Es ist ganz einfach.", erklärte Moody. „Agent Evans, Sie gehen herunter und schreiben zwei Briefe. Agent Potter und Agent Blick gehen zu Ihrem Elternhaus und liefern die beiden Briefe ab. In dem für Severus Snape werden Sie eine versteckte Botschaft mit einem Treffpunkt hinterlassen.", James räusperte sich.

„Was-"

„Agent Black bleibt als Rückendeckung, Mr Potter geht alleine in dieses Haus. Und sollten Sie Snape sehen, Agent Potter, dann möchte ich, dass Sie so tun, als wären Sie Agent Evans, die Vielsafttrank genommen hat.", fuhr er fort, als hätte James nichts gesagt.

„Was mache ich in der Zwischenzeit?", der Blick, mit dem Moody Lily bedachte, hätte sie auch umbringen können, wenn er sich mehr Mühe gegeben hätte.

„Nun, Sie sitzen diesen aus. ...bevor sie noch jemanden umbringen.", knurrte er.

Sie wurde knallrot und sah zu Boden, offenbar, um ihre Tränen zu verbergen. „Ja, Sir.", seufzte sie nur tonlos.

„Ich finde, Sie sind reichlich unfair.", verteidigte James sie.

„Ich werde nicht riskieren, dass sie ihre Eltern sieht und ihre Tarnung auffliegen lässt, weil sie nicht mehr an sich halten kann.", maulte er nur.

„Ich bin mir sicher-"

„Sie würde sich dumm anstellen, sie bleibt hier, das ist das Ende dieser Unterhaltung!", fuhr Moody ihn nun an, sodass alle drei einen Schritt zurück traten. Er musterte sein Team einen Moment. „Ich hatte mehr von euch erwartet.", gab er dann zu. „Ihr seid noch kein halbes Jahr hier und macht schon solchen Ärger. Was denkt ihr eigentlich passiert, wenn das Ministerium von euren Fehltritten erfährt?", fragte er sie schnaubend.

„Ich schätze, man wird versuchen, uns umzubringen.", erwiderte James. „Aber das wird nicht funktionieren.", fügte er dann hinzu.

„Wieso denkst du?"

„Weil wir zu stark sind.", erwiderte er eisern. „Haben Sie sonstige Anweisungen?", fragte er dann nur noch bitter. Er versuchte zuerst, in Lilys Geist einzudringen, er konnte das an Moodys Gesicht sehen, aber es war offensichtlich, dass sie ihn abwies, denn ihre Augen wurden ganz glasig und der alte Mann runzelte die Stirn. Zu James' Überraschung wandte er sich danach direkt zu Sirius, anstelle davon, es bei ihm zu versuchen, woraufhin Sirius ein bisschen in sich zusammen sank und Blickkontakt vermied. James griff nach seinem Zauberstab, um seinen besten Freund zu schützen, aber da stöhnte der nur.

„Können Sie das bitte unterlassen?", fragte er gequält.

„Das wollte ich Sie auch fragen, Agent Black!", knurrte er. „Haben Sie denn nichts anderes, worauf Sie sich konzentrieren können?", fragte er dann hinterher.

„Wieso, es macht doch keinen Unterschied!", maulte Sirius zurück. „Egal, wie oft ich an sie denke, sie wird ja eh nicht zurück kommen, richtig?", James fühlte seine eigenen Schultern sinken. Guter Sirius, der sich selber lieber mit Gedanken an Marlene quälte, als ihn und Lily zu verraten. Moody schnaubte abfällig.

„Es geht nicht darum, dass du an 'sie' denkst, sondern darum, 'dass' du an sie denkst, Junge!", knurrte er.

„Ich glaube, ich habe mich nicht deutlich genug ausgedrückt, als ich sagte, dass es nicht wertgeschätzt wird, wie du uns gängelst! Hör endlich auf, dieses Wort zu sagen!", ermahnte James ihn jetzt, um Moody von Sirius abzulenken, der nicht so aussah, als könnte er noch sehr viel länger stand halten. „Wir sind Menschen, keine Maschinen. Wenn du willst, dass wir keine Gefühle haben, dann musst du schon unsere Gedächtnisse löschen!", einen Moment herrschte schreckliche Stille. Was hatte er ihm gerade für einen Vorschlag gemacht? Sein Pate sah aus, als wäre diese Idee sehr verlockend gewesen.

„Das steht nicht in den Verträgen.", sagte Lily plötzlich. „Es – uh – es ist alles ganz genau geregelt und geklärt, der Vertrag ist legal und bindend.", Moody verengte seine Augen, während er sie musterte, so sehr, dass sie offensichtlich nervös wurde, denn sie warf einen Blick zur Seite, dann trat er direkt vor sie und kam ihr dabei so nahe, dass sich ihre Nasenspitzen beinahe berührten. „Uh – Par – Paragraf zwei besagt-"

„Sie würden das wissen, nicht wahr?", knurrte er. Sie wurde rot. „James, hast du gewusst, dass Evans zu einem viel früheren Zeitpunkt in das Projekt eingeweiht wurde und den Vertrag mit geschrieben haben?", sie sah wieder zur Seite, wirkte aber schuldig genug, um ihn wissen zu lassen, dass Moody die Wahrheit sagte. „Um jetzt festzustellen, dass sie ihre Identität doch lieber behalten will.", schnaubte er abfällig.

„Weißt du, warum sie ihre Identität behalten will?", fragte er nun.

„Erkläre es mir.", verlangte sein Pate. „Denn wenn ich euch so ansehe, dann finde ich immer, ihr solltet mir dankbar sein, wenn ich so gnädig wäre, eure Gedächtnisse zu löschen. Alles, was ist tut ist 'töten' und 'lügen'!", maulte er.

„Sie will ihre Identität behalten, weil sie keinen Grund mehr hat, zu kämpfen! Seit sie ein 'Niemand' ist, ohne Freunde, ohne Familie, ohne Leben, gibt es nichts mehr in ihrem Leben, für das es sich zu leben lohnt!", erwiderte James aufgebracht. „Und du 'weißt' das! Du weißt das, sonst hättet ihr unsere Gedächtnisse von Anfang an gelöscht, du weißt, dass niemand auf dieser Welt tun würde, was wir tun, wenn er keinen Ansporn dazu hat!", fügte er dann noch hinzu, da wurde er ertappt rot. Offenbar hatte er mitten ins Schwarze getroffen.

„Und was ist euer Ansporn bis hier her gewesen?", fragte er abfällig.

Es war nur zu offensichtlich. Sirius warf einen Blick zu James, so wie Lily ebenfalls. Und wenn er ehrlich war – er hätte gerne auf beide gleichzeitig gucken können. „Mein Team, Moody.", erklärte er bitter, danach seufzte er geschlagen. „Tatsächlich ist dieses Team meine Identität.", gab er zu. „Es nützt mir nur nichts mehr.", sein Chef nickte.

„Und genau deshalb wurden gerade Sie drei rekrutiert.", erklärte er. „Weil wir genau wussten, dass Sie drei kein Leben außerhalb der drei anwesenden Personen haben. Wir wussten, wenn wir einen weg nehmen, würden die beiden anderen nach ihm suchen, bis sie alles heraus gefunden haben. Sie haben einen Vertrag unterschrieben, in dem alles drin steht, was dazu gehört, unter anderem, dass wir professionelles Verhalten unterhalb der Teammitglieder erwarten.", führte er aus.

„Aber-"

„Stattdessen-", unterbrach er seinen Einwand. „-bumsen Sie nach einem halben Jahr im Badezimmer, führen die einfachsten Aufträge nicht aus und fangen an, mit mir zu verhandeln und zu diskutieren, wenn Sie meinen Befehlen gehorchen sollen.", warf er ihm vor, danach traf sein Blick Lily. „Ich möchte, dass Sie drei jetzt tun, was ich ihnen aufgetragen habe. Agent Evans, Sie gehen in Ihre Räumlichkeiten, schreiben zwei Briefe und verkriechen sich dann in der hintersten Ecke, die Sie finden können.", wies er sie streng an, da wurde sie rot und nickte. James sah ihr bedauernd hinterher, als sie die drei stehen ließ und zum Aufzug ging.

„Ich-"

„Agent Black, Agent Potter, Sie warten, bis sie fertig ist, dann kommen Sie zurück, reisen per Portschlüssel zu Agent Evans' Eltern. Einer lenkt die beiden mit den Briefen ab und findet raus, ob sie noch in Kontakt zu Snape stehen, der andere durchsucht das Zimmer. Habe ich mich deutlich ausgedrückt?", fragte er todernst.

„Ja, Sir.", seufzte Sirius geschlagen. James schwieg verbissen.

„Agent Potter, gefährden Sie dieses Team?", fragte Moody ihn. Er hörte eine Uhr ticken. Tja. Gefährdete er sein Team?

Er hatte mit Lily geschlafen. Sie war fort gegangen, hatte sich im Badezimmer versteckt und er war ihr hinterher gegangen, um es mit ihr zu machen. Er hatte sich wieder zu ihr ins Bett gelegt, als er bereits gewusst hatte, dass er das nicht hätte tun sollen. Er hatte mit ihren Gefühlen gespielt und sie manipuliert – und war ihr dann auch noch erlegen.

„Tut er nicht!", stöhnte Sirius, als James nicht antwortete. „Er gefährdet das Team nicht, er macht uns erst stark.", es kam ein bisschen überstürzter, als es notwendig gewesen wäre, um Moody mitzuteilen, dass er Panik hatte. Ihr Chef verschränkte seine Arme und musterte die beiden, dabei lehnte er sich leicht gegen seinen Schreibtisch.

„Ich würde gerne Agent Potter's Meinung dazu hören.", erklärte er schließlich ganz nonchalant. „Ich frage nun zum zweiten Mal, ob er es ist, der das Team schwächt und zum zweiten Mal antwortet jemand anderes für ihn.", er musterte ihn eindringlich, da seufzte James.

„I – ich...", stotterte er plötzlich ein bisschen dumm. „Ich bemühe mich, mein Team stark zu machen, aber das geht nur, wenn Sie mich lassen, Sir.", erklärte er. Überrascht zog Moody seine Augenbrauen herauf. „Sie wollten, dass ich Agent Evans' Gefühle für mich ausnutze und manipuliere, damit sie besser funktioniert und das hat geklappt, bis Sie ihr gezeigt haben, warum ich das tue. Ich habe sie gerade wieder da, wo ich sie will und werde dafür von Ihnen kritisiert...", er verschränkte nun seine Arme.

„Wenn das wirklich der Grund Ihrer Taten ist, warum verheimlichen Sie ihn mir?", fragte er zurück, dabei war deutlich sichtbar, dass der alte Mann ihm nicht glaubte. Natürlich log James, aber er konnte nicht zulassen, dass Moody das wusste, also schnaubte er.

„Sir, ich bringe Ihnen so viel Vertrauen entgegen, wie Sie mir. Das wurde mir so bei gebracht.", sie sahen sich einen Moment halsstarrig an. „Von Ihnen genau genommen.", maulte er hinterher, um so deutlich wie möglich zu machen, dass er Moody keinen weiteren Einblick geben würde.

„Also schön.", schnaubte sein Chef. „Dann machen Sie Ihr Team stark und tun Sie, was ich Ihnen gerade aufgetragen habe.", wies er ihn an. James nickte nur und ließ seinen Chef stehen, Sirius folgte ihm.

„Das wird er gegen dich verwenden.", murmelte Sirius im Aufzug.

„Ich weiß.", gab er nur zurück.

Mr und Mrs Evans' Haus sah noch genau so aus wie früher, der Vorgarten stand gerade in voller Blüte und die Sonne schien hoch am Himmel. Sirius verschwand unter seinem Umhang, während James das Törchen öffnete und zur Haustür ging. Seine Finger zitterten, als er klingelte. Als die Tür sich öffnete, da schob sich ein schwaches Grinsen auf seine Lippen. Mr Evans öffnete ihm. Er war alt geworden, wenn man das so sagen konnte, James erinnerte sich noch an den coolen Typ, der Lily immer damit geärgert hatte, dass er James mochte und dass sie ihn auch mögen sollte. Jetzt wirkte er nur alt und bekümmert, aber als er James sah, da trat er einen Schritt zurück.

„James!", rief er aus.

„Guten Tag, Mr Evans.", grüßte er höflich. „Darf ich herein kommen?", bat er dann. Mr Evans machte einen Schritt zur Seite, um ihn einzulassen. Auch im Inneren des Hauses hatte sich nicht viel verändert, nur die Fotos an der Wand. Dort hingen Hochzeitsfotos von Petunia und ein paar vom Abschluss von Lily. Er trat an ein besonders hübsches heran, auf dem sie breit grinsend mit Marlene und Hestia stand. „Das scheint schon ewig her zu sein.", murmelte er verloren und ehe er sich davon abhalten konnte, hatte er mit seinen Fingern die Glasscheibe berührt, dort, wo Lilys Hand war, mit der sie den Abschluss hielt.

„Maria wollte sie abnehmen.", gab Mr Evans zu, seine Stimme klang ein wenig heiser. „A – aber... Aber es wäre nicht richtig, so zu tun, als wäre sie nie da gewesen.", er räusperte sich und drehte sich zu ihm um. „Was tun Sie hier, James?", fragte er. „Und warum kommen Sie jetzt?", er räusperte sich noch einmal.

„Ich habe nach Ihrer Tochter gesucht.", log er. „Überall. Ich habe jeden Stein in England gekehrt, in der Hoffnung, sie zu finden.", erklärte er dann. „Aber meine Suche war erfolglos."

„Sie ist fort.", bestätigte Mr Evans bitter. „Und sie wird nicht wieder kommen."

„Sie hat mir – uh – das hier für Sie gegeben.", er kramte nach dem Brief an Mr Evans und überreichte ihn, da runzelte Mr Evans seine Stirn.

„Wieso würde sie Ihnen Briefe geben, mein Junge?", er kam nicht umhin, zu bemerken, dass es ihn gar nicht verärgerte, wenn Mr Evans 'mein Junge' sagte. Von Moody bekam er immer nur das barsch, gängelnde 'Junge' zu hören, aber Mr Evans nannte ihn 'mein Junge' und freute sich offenbar, ihn zu sehen, auch wenn er es nicht ausdrücken konnte.

„Nun...", murmelte er betreten. „Lily und ich... Ich meine – ich habe nie aufgeben, Mr Evans. Ihre Tochter war die Eine für mich.", erklärte er ihm. „Und sie wusste das immer. Und ich glaube, nach all der Zeit hatte ich sie endlich da, wo ich sie wollte, bevor sie auf diese Mission gegangen ist, von der sie nicht mehr zurück kehrte.", obwohl das alles nur eine Lüge war stiegen James Tränen in die Augen. Nun, so sehr gelogen war das nicht. Er hatte sie endlich da gehabt, wo er sie wollte, sie hatten im Bett im Aufenthaltsraum gelegen und es miteinander gemacht und er hatte sie gefragt, ob es das wert gewesen wäre, mit ihm zusammen zu sein.

Mr Evans lächelte plötzlich schief. „Das... Das macht mich glücklich.", meinte er berührt. „Dass es geklappt hat. Sie... Sie hat viel von Ihnen geredet. Letztes Jahr Weihnachten hatten wir ihr aufgetragen, Sie mitzubringen, aber sie hat sich nicht getraut und lieber den ganzen Tag Trübsal geblasen. Es tut gut, zu hören, dass es für sie... Nun, ein 'Happy End' gab.", James lächelte, obwohl ihnen gleichermaßen Tränen in den Augen schwammen.

„Ich schätze, sie wollte nicht, dass ich mich wieder mit irgendwem prügle.", schlug James vor. Mr Evans lachte ein bisschen.

„John, wo bist du?", ertönte es plötzlich aus dem Wohnzimmer.

„Oh, wo bleiben meine Manieren?", fragte er kopfschüttelnd. „Kommen Sie, mein Junge, trinken Sie eine Tasse Tee mit uns!", meinte er einladend und schob ihn ins Wohnzimmer. Maria Evans saß vor dem Kamin und trank eine Tasse Tee, aber als sie ihn sah, da ließ sie die Tasse fallen. James zog wie selbstverständlich seinen Zauberstab und beseitigte die Pfütze Tee, die Scherben fügten sich wieder zusammen.

„Oh – James!", meinte sie, dabei begann sie bereits zu weinen und stand auf, um ihn zu umarmen. James lächelte. Ja, Mrs Evans hatte immer einen Narren an Sirius und ihm gefressen, hauptsächlich natürlich an Sirius, weil der so lächerlich schön war und sie eben eine Frau, die sich seinem Charme nicht entziehen konnte, aber er wusste, dass sie auch von ihm stets unerklärlich eingenommen gewesen war. „James – ich – kommen Sie, mein Lieber, trinken Sie eine Tasse Tee mit uns!", bat sie ihn, dabei ließ sie ihn verlegen wieder los und stürmte mit rotem Kopf in die Küche. Etwas unsicher ließ James sich auf der Couch nieder und wartete, bis Mr Evans in seinem Sessel saß.

„Wollen Sie ihn nicht lesen?", fragte er neugierig, weil der alte Mann den Brief bekümmert betrachtete.

„Ich... Ich weiß nicht, ich habe Angst vor dem, was darin steht.", gab er zu.

„Mr Evans, Ihre Tochter hat Sie sehr geliebt. Sie hat mir diese Briefe anvertraut, falls ihr etwas passiert, damit sie in jedem Fall die Chance hat, sich von Ihnen verabschieden zu können.", meinte er sachte. „Ich denke nicht, dass Sie Angst davor haben müssen, was in diesem Brief steht.", Mrs Evans kam zurück, ihre Augen waren ganz rot und die Hand, mit der sie eine saubere Teetasse trug zitterte sehr.

„Was ist das?", fragte sie schniefend an ihren Mann gerichtet.

„Uh – ein... Ich schätze, das ist ein Abschiedsbrief.", erwiderte der. „Von Lily.", sie nickte nur knapp und setzte sich wieder. „Soll ich ihn – uh – vorlesen?", fragte er dann.

„Ich kann gehen, wenn Sie möchten!", bot James an.

„Nein!", meinte Mrs Evans sofort. „Nein, bleiben Sie ruhig, James!", bat sie im Gegenzug und warf einen Blick zu ihrem Mann. Der öffnete jetzt endlich das Siegel, faltete den Brief auseinander und seufzte tief.

„Liebe Mum, Lieber Dad.", begann er zu lesen. „Wenn ihr das hier lest, dann bedeutet das – dann bedeutet das, dass ich gefallen bin. Natürlich wünschte ich mir, ihr müsstet diese Zeilen nicht lesen, aber ich hoffe, dass wenn ich schon falle, James überlebt, um euch wenigstens diesen Brief zu geben. Eigentlich zweifle ich nicht daran, er ist der Beste, aber das wisst ihr ja... Ihr müsst wissen, wie sehr ich euch geliebt habe. Es tut mir Leid, dass ich nicht mehr bei euch sein kann, ich habe euch vermisst, seit ich nicht mehr in eurer Welt leben konnte. Vergesst mich nicht... Lily.", las er vor. Mrs Evans weinte stumm, da legte James seinen Arm um ihre Schultern.

Eine Weile saßen sie still beieinander. „Es tut mir Leid, dass es nicht geklappt hat.", flüsterte Mrs Evans. „Mit Ihnen und Lily. Ich meine...", sie zuckte mit ihren Schultern.

„Nun, ich... Es hätte geklappt, wenn sie zurück gekommen wäre. Das ist mir ein Trost.", erklärte er ihr schließlich, seine Stimme war ganz heiser.

„Was tun Sie jetzt?", fragte sie ihn.

„Ich räche sie.", meinte er, dann räusperte er sich. „Ich – Sirius und ich, wir... Wir schalten jeden einzelnen von diesen Spinnern aus. Wir sind nicht stolz darauf, Menschen zu töten macht keinen Spaß, aber... Aber ich werde jeden töten, der mir in die Quere kommt, wenn ich ihn aufhalten will. Und dann werde ich sie rächen.", versprach er ihr. Sie nickte nur schweigend, da stand er auf. „Wissen Sie, wo ich Severus Snape finden kann?", überrascht sahen sie ihn an.

„Severus? Wieso den?"

„Sie hat ihm einen weiteren Brief geschrieben.", erwiderte er, dabei holte er den Brief heraus. „Ich schätze, sie versucht, ihn dazu zu bringen, sich ihnen nicht anzuschließen, weil sie Lily umgebracht haben. Ich weiß es nicht, aber ich... Ich will ihm den Brief gerne geben.", meinte er bemüht tonlos.

„Nun, wir haben seit Ewigkeiten keinen Kontakt mehr zu Severus.", erwiderte Mr Evans jetzt. „Seit über vier Jahren... Er war bei der Beerdigung, aber er hat nicht mit uns gesprochen. Er ist sofort wieder gegangen.", fügte er dann hinzu. James fühlte, wie seine Schultern enttäuscht sanken.

„Nun, dann werde ich ihn anders finden müssen.", seufzte er. „Ich muss jetzt weiter.", gab er zu. Mrs Evans stand zuerst auf, dann folgte Mr Evans ihrem Beispiel. Sie umarmten ihn alle beide.

„Melden Sie sich wieder, James.", bat Mrs Evans geknickt. „Sie – Sie dürfen jederzeit vorbei kommen.", er nickte zwar, aber er wusste, dass er sie nie wieder sehen würde. Mr Evans klopfte ihm auf die Schulter.

„Es war gut, Sie zu sehen, mein Junge.", meinte er, da umarmte James ihn gleich noch einmal. „Passen Sie auf sich auf.", er nickte, dann verließ er Lilys Eltern wieder.

Sirius wartete, wo er warten sollte, genau genommen sah James nur seinen Kopf über dem Boden schweben, als er den Umhang anhob, sah er, dass er im Schneidersitz dort saß und grübelte. „Irgendetwas raus gefunden?", fragte er.

„Nichts, sie haben keinen Kontakt mehr zu Severus.", meinte er enttäuscht und setzte sich zu Sirius. „Was jetzt?"

„James, wir müssen fliehen.", erklärte Sirius ihm nüchtern.

„Was? Wir können doch nichts dafür, wir finden eine andere Lösung!", ermahnte er ihn.

„Nein, das ist meine Lösung für Lily und dich. Wir müssen fliehen. Moody wird nicht mehr lange reden, sondern bald handeln und dann sind wir drei dran, okay? Das ist die einzige Lösung, wir müssen uns abseilen, wenn wir das nächste Mal los geschickt werden!", erklärte er todernst. James blinzelte entsetzt.

„Und wo gehen wir deiner Meinung nach hin?", er erntete ein Schulterzucken. „Sirius, wir sind 'tot'! Unsere Freunde denken, wir sind tot, die meisten arbeiten für das Ministerium! Wir haben kein Geld, mein Vermögen finanziert das Projekt, aus dem wir fliehen, wir haben keine Unterkunft-"

„James, sieh doch ein, dass es nur diesen Ausweg gibt! Wir finden eine Lösung für alles andere, aber 'das' ist unsere einzige Chance, okay!", ermahnte er ihn. „Dann könnt ihr zusammen sein. Wir laufen fort und verlassen England. Das ist der einzige Weg.", James schnaubte.

„Das kann einfach nicht dein Ernst sein.", meinte er.

„Folgender Vorschlag: Du fragst Lily das nächste Mal, wenn wir aus unserem Kerker heraus kommen, ob sie mit dir fort laufen will.", gab er zurück. „Und wenn sie ja sagt, dann können wir immer noch abhauen.", schlug er vor. James runzelte seine Stirn und verdrehte seine Augen.

„Wir müssen jetzt zurück und Moody berichten. Wir stehen immer noch am Anfang.", seufzte er, da nickte Sirius nur und holte den Portschlüssel hervor. „Bist du so weit?"