Disclaimer: Weder die Figuren, noch die darauf basierende Handlung meiner Fanfiction, gehören mir - sondern einzig und alleine nur der Plot. Die Rechte an Harry Potter liegen ganz alleine bei Joanne K. Rowling. Ich verdiene hiermit kein Geld.
A/N: Danke an D.V.G.M.1, Nina, thelittleginnygirl und Tuniwell!
hegdl, eure Tanya :)

Überarbeitete Version. Keine Änderungen, die den Handlungsablauf verändern - jedoch Verbesserungen in Formatierung und Wiedergabe des Textes (Dezember 2oo6).


Kapitel 06

Das Schlammblut und der Slytherin-Prinz

Im Gemeinschaftsraum der Slytherins herrschte große Aufruhr. Jungs und Mädchen standen in Festkleidung bereit und warteten auf ihre Partner, unterhielten sich aufgeregt oder warfen ihren Begleitern verträumt romantische Blicke zu. Draco fand diese Blicke aber einfach nur widerlich. Seiner Meinung nach, passten sie nicht in das Schema der Slytherins, doch zur Weihnachtszeit schienen sogar sie dagegen zu verstoßen.
Weihnachten ist das Fest der Liebe – zumindest in den Augen der meisten Menschen. Er konnte aber gut auf diese Lichterzeit verzichten, denn eigentlich empfand er alles nur als Heuchlerei. Trotzdem war er aber wohl oder übel dazu gezwungen an diesen Festen mitzuwirken. Viel lieber würde er jetzt zu Hause sitzen und auf dem gemütlichen Fensterbrett ein gutes Buch lesen, während die Flammen im Kamin knisterten und die Schneeflocken draußen die Erde mit ihrer weißen Pracht bedeckten. Allerdings waren seine Eltern über die Weihnachtsferien auf Geschäftsreise und es zog tausendmal lieber Hogwarts vor, als das kalte Sibirien. Klar, obwohl er in Hogwarts war, musste er nicht unbedingt auf diesen Ball, jedoch wollte er nicht, dass die anderen dachten, er hätte keine Verabredung bekommen.

Bei dem Gedanken an seine Verabredung warf Draco genervt einen Blick auf seine Uhr und dann wandte er sich abermals suchend im Gemeinschaftraum um. Er hasste es zu warten und noch viel mehr hasste er es, wenn jemand es wagte, ihn warten zu lassen. Jedoch war die Rede von Pansy Parkinson und bei der konnte alles schon mal etwas länger dauern.

„Draco?", erklang auch schon genau in diesem Augenblick Pansys Stimme hinter ihm.
„Endlich", murrte Draco.
Er drehte sich um und warf einen prüfenden Blick über Pansys Erscheinung, die gerade versuchte so anmutig wie möglich, die Treppen zum Mädchenschlafssaal hinunterzuschreiten. Pansy ließ ihr langes pechschwarzes Haar locker über ihre Schultern fallen. Heute schien es etwas mehr Locken zu haben als sonst, anscheinend hatte sie versucht irgendetwas mit ihnen anzustellen – nach Dracos Meinung was dies allerdings total schief gegangen. Jedoch war die Figur, die sie in ihrem edlen roten Kleid machte, definitiv nicht zu verachten. Pansys Haut war so weiß wie der Schnee, deswegen schien die Farbwahl nicht besonders glücklich – dies störte ihn jedoch nicht, so lange sie ihre weiblichen Rundungen nicht versteckte.

Wenn Draco wirklich ehrlich war, dann hatte er sich all die Jahre nur immer wieder auf Pansy eingelassen, weil sie definitiv das hübscheste Mädchen in Slytherin war. Es gab Hübschere in Hogwarts, die jedoch befanden sich nicht in seinem Haus und somit waren diese Mädchen undenkbar. Es wäre eine Schande gewesen, wenn er mit so etwas auf dem Ball, geschweige denn irgendwo anders in der Öffentlichkeit, auftauchen würde.
„Und wie gefalle ich dir?", fragte Pansy und setzte eines ihrer verführerischen Lächeln auf – von denen sie glaubte, dass sie wirkten.

Pansy war in Sachen Komplimenten ein äußerste direktes Mädchen. Dies mochte er an ihr, denn so konnte er sich vieles ersparen. Sie stellte sofort klar, welche Fragen ihr auf der Seele brannten ohne irgendwelche lästigen Umspielungen zu verwenden, wie zum Beispiel: „Ich glaube die Farbe des Kleides steht mit nicht besonders" um ein Kompliment zu erhaschen. Bei so etwas hätte Draco bestätigen müssen, denn er war immer äußerst ehrlich und dann würde Pansy den ganzen Abend eine beleidigte Schnute ziehen und er müsste sich irgendetwas einfallen lassen, um sie wieder zu besänftigen.

„Du siehst toll aus", entgegnete er ihr.

Perfekte Antwort. Pansy lächelte. Sie wirkte zufrieden und er musste nicht groß von ihrem tollen Aussehen schwärmen. Das sie toll aussah – trotz des Kleides – war keine Lüge, denn ihr Körper – der durch den roten Stoff ziemlich gut zur Schau gestellt wurde – gefiel ihm durchaus.
„Gehen wir, Draco?"
Draco nickte ihr stumm zu und die beiden verschwanden zusammen durch das Portraitloch.


Hermione war aus irgendeinem Grund auch immer unheimlich aufgeregt, während sie zwischen den Schülern stand, die alle mit jemandem aus dem anderen Haus verabredet waren. Schon die letzten Jahren, musste sie erkennen, dass dies ziemlich unpraktisch war, denn es war an solchen Abenden immer ziemlich viel los und so tat man sich wirklich schwer, den anderen zu finden. Letztendlich war sie aber ziemlich froh, dass sie sich doch dazu aufgerafft hatte und zu dem Ball ging. Ginny hatte Recht gehabt – und zwar mit allem. Es brachte wirklich nichts oben im Schlafsaal zu sitzen, während man ein Taschentuch nach dem anderen vollheulte und diesen Triumph wollte sie Malfoy wirklich nicht überlassen. Hermione war eine Gryffindor und hatte immer noch ihren Stolz. Ihr Herz schmerzte aber trotzdem. Es tat wirklich unheimlich weh, wenn sie an ihn dachte und irgendwie war es so unverständlich, denn noch nie hatte sie so sehr geglitten und das dies nun ausgerechnet wegen Malfoy sein sollte, schien so... abwegig.

„Hermione?", rief eine Stimme durch die Eingangshalle.
Überrascht wandte sie ihren Kopf um. Ein Rotschopf drängte sich durch die Schülermengen und blieb dann vor ihr stehen. Ron trug eine schwarze Festrobe, die ihm wirklich gut stand. Dieser Alptraum damals in der vierten Klasse, als er die rote Robe anziehen musste, die er als „Kleid" bezeichnet hatte, steckte ihm irgendwie immer noch etwas in den Knochen. Ein Jahr später hatte er seine Mutter überreden können, eine Bessere zu besorgen.
„Wo ist denn Luna?", wollte Hermione wissen, als sie erkannte, dass er alleine war. Genervt verdrehte er die Augen und sah sich um. „Tja, wenn ich das wüsste. Ich hoffe aber – na ja, versteh das jetzt nicht falsch, ich mag sie, wirklich – allerdings wäre mir so ein Geierhut und das passende Kleid dazu, echt zu viel."
„Du meinst Adler", verbesserte sie ihn mit einem Lächeln.
Überrascht hob Ron die Braue. „Wie?", fragte er irritiert.
„Ach egal." Sie winkte ab. „Ich versteh was du meinst, aber ehrlich gesagt... ich kann dir deine Sorge nicht nehmen, denn ich bin fest überzeugt, dass Luna sich irgendetwas Extravagantes ausgedacht hat." Hermione musste lachen. „Aber so schlimm wird es schon nicht werden."
„Hoffen wir mal", seufzte er betrübt und ließ dann seinen Blick über Hermione schweifen, die sich in der Zwischenzeit wieder daran gemacht hatte, nach Ernie Ausschau zu halten.

„Wow...", murmelte Ron. „Das Kleid... ich meine, du siehst wirklich wunderschön aus..."

Hermione wandte sich wieder überrascht ihm zu und merkte, wie er etwas rot wurde. Es fiel ihm wirklich schwer, jemandem Komplimente zu machen. Besonders bei Mädchen, denn besonders da nahm er immer die Farbe seiner Haarpracht an. Letztes Jahr war Hermione zusammen mit Ron auf den Weihnachtsball gegangen, damals hatte sie auch ihren ersten Kuss von ihm bekommen, aber wirklich verliebt war sie nicht gewesen. Ron auch nicht. Es hatte nur eine gewisse Anziehungskraft zwischen ihnen gegeben, es war aber etwas ganz anderes als das, was sie für Draco fühlte.
Am liebsten hätte sich Hermione für den Gedanken an ihn geohrfeigt. Durch dieses kleine Gespräch mit Ron hatte sie sogar fast vergessen, dass sie eigentlich Liebeskummer hatte – jetzt aber waren diese Erinnerungen wieder da... und es wurde noch schlimmer.

„Schau mal wer da kommt", meinte Ron in einem missbilligenden Ton und warf einen missmutigen Blick über Hermiones Schulter.
Überrascht wandte sich Hermione um. Malfoy und Pansy kamen gerade zusammen mit ein paar anderen Pärchen aus Slytherin die Treppe herab.

Hermiones Magen drehte sich um. Für einen Moment aber, schenkte sie den beiden viel zu viel Aufmerksamkeit, denn plötzlich wurde ihr klar, dass Malfoy ihren Blick erwiderte. Sie aber sah so schnell wieder weg, sodass sie nicht genau erkennen konnte, was er eben dachte – was man eigentlich nie wirklich bei ihm wissen konnte.

„Alles in Ordnung mit dir, Hermione?", fragte Ron.
Verwundert sah sie ihren Freund wieder an und zwang sich zu einem Lächeln. „Na klar, wieso denn nicht?"
„Na ja... du wurdest plötzlich so blass..." Für ein paar Sekunden schwieg Ron, ihr kam es vor, als würde er nach den richtigen Worten suchen. „Hör mal...", meinte er dann besorgt, „ich wollte sowieso noch mit dir sprechen. Hermione, was ist heute in der Großen Halle vorgefallen? Du bist richtig... ausgerastet. Hat er dir irgendetwas getan?"
„Wer?", fragte Hermione und versuchte so unwissend wie möglich zu wirken.
Ron jedoch durchschaute ihr Ausweichmanöver und blickte sie scharf an. Auch wenn er manchmal als unsensibler Trampel galt – ganz besonders im Bezug auf Mädchen – wusste er doch, wenn Hermione ihm etwas vorlog, denn in solchen Moment war sie eine wirklich schlechte Lügnerin.

„Ron, wirklich es war nichts. Er hat mir nichts getan, nur eben die Sprüche – wie sonst auch immer, du weißt schon. Mir wurde das alles zu viel, der Tag war ziemlich stressig und dann auch noch die ganzen bescheuerten Ballvorbereitungen, ganz zu schweigen von meinem Styling für heute Abend. Ich dachte einfach, ich würde das alles nicht schaffen und das hat mich so gereizt, dass ich einfach ausgerastet bin."
„Aha... und was war dann in den letzten Tag mit dir los? Harry sagte, du hast ein Problem, bei dem wir dir einfach nicht helfen können."

Harry, du verdammter Schwätzer, verfluchtete Hermione ihren besten Freund innerlich. Sie wusste das er es nur gut meinte. Genauso wie Ron und Ginny. Sie alle meinten es gut mit ihr, doch sahen einfach nicht das diese ständigen Fragen alles nur noch schlimmer machen. Was sollte sie ihnen denn sagen?
Freunde, tut mir wirklich leid, aber der Grund für mein komisches Verhalten ist, dass ich mich einfach danach sehne mit eurem Feind Draco Malfoy in einer Bibliotheksecke rumzumachen und das nicht nur, weil ich einfach seinen Körper brauche, sondern ihn wirklich liebe?

Wollen wir doch mal ehrlich sein, wenn sie das wirklich sagen sollte, dann würden er und Harry wahrscheinlich nie wieder ein Wort mit ihr wechseln und die Freundschaft zwischen ihnen wäre vollkommen zerstört. Ein weiterer Grund, wieso sie es so hasste das es ausgerechnet Draco Malfoy war. Er war ein Slytherin – sie hingegen Gryffindor. Er ein Reinblüter – in seinen Augen ein Schlammblut. Einer der größten Feinde Harry Potters und Ron Weasleys – sie die beste Freundin der beiden.
Wie oft Hermione diese Gegensätze nun schon hin und her wog, war ihr entfallen. Es war ihr auch viel zu mühsam dies zu zählen, immerhin war es ja schon schlimm genug, sich überhaupt Gedanken darüber zu machen, was nun Recht und was nicht.
Ginny hatte diese Tatsache mit Fassung aufgenommen, obwohl Hermione nicht entfallen war, dass sie nicht wirklich begeistert gewesen ist. Aber vielleicht lag das einfach nur daran, dass sie ein Mädchen ist und versuchte sich in Gefühle anderen hineinzuversetzen, statt gleich irgendwelche Widerspruche einzulegen.

Plötzlich legte jemand den Arm um Hermione und drückte sie etwas an sich. Erschrocken hob sie den Kopf und erkannte Ernie neben sich. Er hatte ein liebesvolles Lächeln auf seinen Lippen, doch in seinen Augen konnte Hermione Besorgnis erkennen. Innerlich ahnte sie schon wie es weitergehen wird und sie verfluchte nicht zum ersten Mal ihren Ausraster in der Großen Halle.
„Na? Alles in Ordnung mit dir?"
„Ja, klar", Hermione lächelte verwundert. „Wieso denn nicht?"
Im Gegensatz zu Ron war Ernie jedoch leicht hinters Licht zu führen. Er nickte zufrieden. „Du siehst heute Abend wirklich bezaubernd aus."
„Danke!"
„Luna!", rief auf einmal Ron und er winkte dieser zu. Nach ein paar Sekunden in denen sich Luna versuchte zwischen die Schüler zu drängen, fand sie sich auch schon bei den beiden ein. Sie trug ein kurzes blaues Kleid mit einem etwas weiten Rock. Ihre langes schmutzblondes Haar hatte sie hochgesteckt, während eine Strähne sanft ihr Gesicht streichelte. Hermione konnte erkennen, dass er zufrieden mit Lunas „normalen" Erscheinung schien.

Die etwas im Gegensatz zu Ron, ziemlich kleine Luna, stellte sich auf Zehenspitzen und begrüßte ihren Freund mit einem zärtlichen Kuss.
„Ich dachte schon, ein anderen Typen hätte dich mir weggeschnappt", flüsterte er lächelnd, während sich ihre Gesichter ein paar Zentimeter voneinander entfernten. Hermione musste sich eingestehen, sie war erstaunt über seine liebevolle Art, die sie wirklich noch nie bei ihm erlebt hatte.
Sie kicherte. „In meinem Herzen wohnst nur du" Nachdenklich biss sie sich auf die Lippen. „Allerdings... na ja, ich weiß nicht genau... Harry hat auch was, wenn er nicht Ginnys Freunde wäre-"
Ein erneuter Kuss von Ron ließ Luna jedoch verstummen. „Wenn dich mir jemand wegnimmt, dann befördere ich den in die ewigen Jagdgründe."
„Dann muss ich ihm wohl sagen, dass er die Finger von mir lassen soll. Ich werd' Harry vermissen."

„Was ist mit mir?", fragte Harry Stimme hinter ihnen.
Verwundert drehten sich die vier zu dem Pärchen Harry und Ginny um, welches eben Arm in Arm von zusammen von der Wendeltreppe schritten.
„Nichts", lächelte Luna unschuldig. „Wir haben uns nur gefragt, wann ihr kommen würdet."
Was habt ihr denn da oben so lange getrieben?", wollte Ron misstrauisch wissen.
Ginny tauschte einen kurzen Blick mit Harry und sofort riefen sie wie aus einem Munde. „Nichts!"
„Ihr lügt doch!", rief jedoch Ron empört.
Ron packte Harry am Ärmel seines Jacketts und wollte ihn etwas zur Seite ziehen – um eine Gespräch über Recht und Unrecht zu führen – wenn Hermione nicht gewesen wäre, die sich jetzt einmischte.
„Ron, Ron, Ron", schüttelte sie tadelnd den Kopf. "Lass den armen Harry los und kümmere dich lieber um Luna. Die Große Halle wird geöffnet!"

Tatsächlich öffnete sich in diesem Augenblick das Tor zur Großen Halle. Hermione sah, wie Draco zusammen mit Pansy eintrat und sie konnte auch erkennen, wie er seine Hand auf ihrem Hintern platziert hatte und es ihr mehr als zu gefallen schien. Schnell zwang sie sich wegzusehen und wandte sich ihrer Verabredung zu. „Gehen wir?"
„Klar."


Für Draco war dieses Abend einer der schrecklichsten die er je durchmachen musste. Diese ständige Tanzerei und das weihnachtliche Getue gingen ihm mächtig auf die Nerven. Dieses Jahr gab es aber noch einen anderen Grund, der ihr innerlich fast zur Weißglut zu bringen schien und dieser Grund befand sie ein paar Meter vor ihm, eng umschlungen mit einem elenden Huffelpuff.
Noch nie hatte er Hermione so atemberaubend erlebt. Das weiße lange Kleid stand ihr unheimlich gut und sie bewegte sich darin wie ein Engel, während sich der Satinstoff sanft an ihrer goldbraune Haut schmiegte. Ihre ebenso goldbraunes Haar hatte sie dieses nicht hochgesteckt, sondern nun rechte es ihr lange und glatt bis zum Rücken, während einzelne sanfte Locken ihr über die Schultern fielen.

„Draco...?", fragte Pansy.
Verwundert sah er zu dem Mädchen hinab, die ein etwas verzehrte Miene aufgesetzt hatte, die ihr in diesem Augenblick nicht wirklich gut stand.
„Was?", wollte er ärgerlich wissen. Es missfiel ihm mehr als alles andere, wenn irgendjemand seine Gedankengänge unterbrach.
„Du tust mir weh."
Erst jetzt merkte Draco, wie er den Griff um Pansys Taille immer mehr gefestigt, während seine Augen gebannt Hermione verfolgt hatten.
„Oh...", erwiderte Draco nur und lockerte seine Arme etwas.
Pansy sah Draco für ein paar Sekunden nachdenklich an. Er versuchte standhaft ihren Blick zu erwidern, allerdings viel es ihm ziemlich schwer. In diesem Moment war ihm so, als würde sie versuchen zu deuten, was er eben dachte und eigentlich war sie nicht wirklich ein Mensch, der sich solche Mühe bei anderen gab.

Schließlich wurde es Draco aber doch zu viel. „Was ist?", fragte er kühl.
„Na ja... du bist körperlich anwesend, aber nicht geistig."
„Ach ja?", hob er überrascht die Braue. „Und wo bin ich deiner Meinung nach geistig?"
„Weiß ich nicht genau, aber ich nehme an, dass es so ist." Plötzlich beugte sich Pansy zu ihm empor und flüsterte sanft in sein Ohr. „Wir können gehen, wenn du willst. Der Slytherin-Kerker ist vollkommen leer und wir hätten Zeit für uns... für uns ganz alleine..."

Draco meinte für ein paar Sekunden sich verhört zu haben. Voller Unglauben starrte er Pansy an. Hatte er wirklich gerade gedacht dieses Mädchen würde versuchen seinen Gedanken zu lesen? Ihm vielleicht in die Seele zu blicken? Aber alles was sie hervorbrachte, war, dass sie eben gedacht hatte, er wollte nur einen kleinen Ritt auf ihr veranstalten wollen und fertig.
„Pansy", erwiderte Draco bitter. „Ich habe nicht im entferntesten Lust, mit dir alleine zu sein. Also wirklich, streng doch einmal deinen Verstand an."
Pansys Augen weiteten sich entsetzt. Draco wusste, dass sie jetzt wahrscheinlich ein paar Tage lag beleidigt – im schlimmsten Fall sauer – auf ihn sein würde, doch jetzt war ihm das ziemlich egal. Der einzige Grund warum er sich überhaupt mit ihr abgab, war eigentlich nur der, dass es ihm wirklich etwas gefiel, wie verfallen sie ihm war. Eine wirkliche Chance würde sie aber nie haben.
„Wie du meinst", murmelte Pansy verletzt und blickte zu Boden, während sie schweigend weitertanzten.


Hermione musste schlucken. Über Ernies Schultern hinweg, konnte sich erkennen, wie eng umschlungen Malfoy und Pansy Parkinson miteinander tanzten. Solche bitteren Pillen hatte sie in letzter Zeit öfter schlucken müssen. Heute aber war es am schlimmsten. Jeder hier in der Großen Halle schien sich amüsieren und auf eine gewisse Art und Weise zu mögen – vielleicht sogar zu lieben. Harry und Ginny tanzten nicht weit entfernt von ihr und Ernie, wobei sie sich dauernd irgendwelche Sachen ins Ohr flüsterten oder kicherten. Genauso glücklich, wenn auch ruhiger, waren Ron und Luna. Die beiden genossen einfach ihre Zweisamkeit, indem sie still aneinandergeschmiegt zur langsam Musik tanzten. Von so viel Glück umgeben, war es unheimlich schwer den eigenen Kummer zu vergessen. Ernie gab sich wirklich Mühe, das konnte Hermione erkennen, er allerdings schaffte es einfach nicht sie wirklich abzulenken. Sie versuchte ihm so gut sie konnte etwas Aufmerksamkeit zu schenken, doch er war einfach nicht Malfoy und er würde es auch nie sein.

Es war schrecklich so abhängig von einem Menschen zu sein, doch wenn man liebte – egal wie unglücklich – dann konnte man nichts anders als abhängig sein. Tief in ihr, empfand sie das Gefühl einfach die Freude am Leben verloren zu haben und wenn sie sich die Beleidigungen von Malfoy wieder in Erinnerung rief, dann schien sie zusammen brechen zu wollen.

„Sag mal", murmelte plötzlich Ernie und sah, zu Hermione herab, in ihre Augen. „Du liebst ihn, hab ich Recht? Deswegen geht es dir so schlecht."
„Was?", erwiderte Hermione ungläubig, „Lieben? Wen?"
„Malfoy, natürlich", bemerkte er in einem scharfen vorwurfvollen Tonfall, da sie immer alles abstritt.
Jetzt aber schwieg sie betreten und Ernie sah diese Reaktion als eine Bestätigung. Er lachte freundlos auf und sah sie traurig an. „Also doch... hab ich's doch gewusst."
„Das darfst du nicht falsch verstehen!", warf sie bittend ein.

„Wie denkst du denn, dass ich es verstehe? Ich weiß was Sache ist, du liebst ihn und rennst damit in dein Unglück."
„Das weiß ich selbst, aber glaubst du echt, ich wollte mich in so einen Mistkerl verlieben?"
„So was kann man nicht wollen, das passiert einfach und das weiß ich. Hermione," Für ein paar Sekunden trat Stille ein, dann aber fuhr Ernie fort. „ich mag ich sehr und weiß wie unheimlich klug du bist und nicht einfach so einem Typen auf dem Leim gehen würdest, aber... bitte lass dich nicht ausnutzen. Mach dir keine Hoffnungen. Er ist Malfoy, das weißt du."

Es war hart das aus dem Mund eines anderen zu hören. Klar in Gedanken wusste sie immer, wie vollkommen sinnlos es war. Das es jedoch auch anderen aufgefallen zu sein schien, tat wirklich weh. Hermione blieb wie versteinert stehen und starrte Ernie an. Was sie darauf erwidern sollte, wusste sie einfach nicht und sie hatte auch nicht mal die Kraft um irgendwelche Worte herauszubringen. Stattdessen stand sie einfach nur so da und merkte, wie ihr die Luft zum Atmen ganz langsam genommen wurde. In ihren Augen brannten Tränen. Hermione musste schlucken, um nicht sofort verzweifelt zu schluchzen, wusste aber, dass sie das lange nicht mehr aushalten konnte.
„Ich... ich weiß...", bebte ihre Stimme.
Plötzlich, ohne jede Vorwarnung, stürmte sie aus der Großen Halle. Vorbei an Ernie, vorbei an den anderen Pärchen und vorbei an Malfoy, der immer noch eng umschlungen mit Pansy tanzte. Ein paar verwunderte Paare sahen ihr neugierig nach, wandten sich aber dann wieder ihren Partnern zu.


In diesem Augenblick als Draco Hermiones tot trauriges Gesicht gesehen hatte, war ihm plötzlich ganz anders geworden. Er hatte wie versteinert aufgehört zu tanzen und ihr einfach nur erschrocken nachgesehen, wie sie aus der Großen Halle gestürmt war. Wut kochte in ihm hoch, denn für ihn war sofort klar, dass Macmillan der Schuldige für Hermiones Gefühlsausbruch war und so betreten wie er ihr hinterher starrte, mochte das wahrscheinlich auch der Fall sein. Am liebsten hätte er ihn jetzt ab Kragen gepackt und ihn angeschrien, doch dieser Wunsch schlug er sich auch schon aus dem Kopf, noch ehe er auch nur einen Schritt auf ihn zumachen konnte, denn auf einmal erwiderte er seinen Blick. Er wirkte wütend und kalt, so, als würde er ihm die Schuld dafür geben.
Da konnte sich Draco aber auch geirrt haben, denn er hatte sich so schnell wieder abgewandt und war von der Tanzfläche geschritten, dass er sich nicht ganz sicher war. Welche Schuld sollte er denn daran haben, wenn Hermione plötzlich von einer Sekunde auf die andere abhaute.

„Granger und ihre Heulkrämpfe", gluckste Pansy und blickte amüsiert – der inzwischen nicht mehr sichtbaren – Hermione hinterher. „Wahrscheinlich hat ihr Macmillan einen Korb gegeben, weil sie zu langweilig ist."
In diesem Moment erwachte Draco wieder aus seiner Geistesabwesenheit.
„Wie bitte?", fragte er irritiert.
Pansy hob die Braue und stemmte die Hände in ihre Hüften. „Sag bloß, du hast das eben nicht mitbekommen. Dann hast du ja das Beste verpasst! Granger eben wie von der Tarantel gestochen abgehauen und ich glaube die versteckt sich jetzt in irgendeinem Klo und heult."

Draco sah bekümmert zum Tor der Großen Halle und plötzlich machte er sich von Pansy los und rannte Hermione hinterher.
Heute war sie ihm schon einmal davongelaufen und das würde jetzt auch kein zweites Mal passieren. Er war Schuld daran, nicht Macmillan, dies war ihm nun bewusst und das hieß, dass er – koste es was es wolle – unbedingt mit ihr reden musste.


Es war kalt. Eiskalt. Hermiones Körper brannte wie Feuer und war schon fast nicht mehr zu spüren, während sie hier am See der Hogwarts Ländereien saß und auf das, inzwischen nicht mehr zu Eis gefrorene Wasser, sah. Jetzt bereute sie es, dass sie nicht dran gedacht hatte einen Mantel mitzunehmen, bei ihrer stürmischen Flucht aus dem Schloss. Aber sie konnte nicht mehr zurück, es ging einfach nicht. Viel lieber würde sie hier erfrieren.
Die Tränen rannten ihr stumm über die Wangen, aber Hermione spürte sie inzwischen fast nicht mehr. Merkte jedoch wohl wie sehr sie zitterte. Wie lange sie hier nun schon saß, war ihr Schleierhaft. Wirklich große Mühe darüber nachzudenken, machte sie sich aber nicht. Tief in ihrem Inneren stellte sie sich nur eine einzige Frage: Wie kann ich ihn vergessen?
Hermione war es leid. Eine Liebe mochte schön sein, doch die schlechten Gefühle die damit verbunden waren, waren einfach zu groß. Zumindest für sie.

Was hatte das alles denn noch mit genießen oder lieben zu tun? War es denn immer so schmerzhaft? Wieso ließ Gott überhaupt zu, dass wir diese Gefühle empfinden? Etwa nur weil Eva damals so dumm war und zusammen mit Adam von dem Apfel aß? Es klang albern alles auf den „größten Fehler" der Menschheit und Gott zu schrieben, doch in diesem Augenblick musste einfach jemand die Schuld an allem bekommen. Liebe ist ein Fluch, denn am Ende tat sie immer weh, dies hatte Hermione inzwischen begriffen. Selbst wenn man eines Tages mit der einen großen Liebe zusammen kommen würde und man ein glückliches Leben führte, was geschah, wenn sie dann einfach so starb? Man ist abhängig von dem Menschen und vermisst ihn so sehr, dass man am liebsten selbst mit ihm in den Tod gehen würde. So ist es einfach und es würde sich auch nichts daran ändern. All die schönen Gefühle waren es am Ende nicht wert, wenn so viel schlechtes damit zusammen hing.

Hermione zuckte nicht zusammen, als sie plötzlich etwas Warmes über ihren Schultern spürte, welches ihre Haut unter dieser plötzlichen Wärme erzittern ließ. Anfangs dachte sie: So, jetzt ist es vorbei. Ich bin erfroren und Gott holt mich endlich. Doch die im Schnee stampfenden Schritte, sagten ihr, es war noch längst nicht so weit. Jemand hatte ihr einen Mantel um die Schultern gelegt, der sie wärmen sollte.

„Ernie, bitte geh... ich will alleine sein...", murmelte Hermione betrübt ohne ihren Blick vom Bilde des Sees abzuwenden.
„Ich bin nicht Macmillan", meinte die Stimme und eher sich Hermione versah, ließ sich plötzlich Malfoy neben sie in den Schnee fallen. „Ui... ganz schon kalt hier. Du hältst nicht besonders viel von warmen Orten zum traurig sein, was?"

Gerne hätte sie ihn angeschrien, dafür fehlte ihr aber einfach die Kraft. Schreien würde auch nichts bringen, denn was sollte sie ihm den vorwerfen? War es denn ein Vergehen, wenn er sich so benahm wie er es immer tat? Wie es sein Name von ihm verlangte? Definitiv nicht.

„Was willst du hier?", wollte sie stattdessen wissen.
„Na ja... das weiß ich selbst nicht so recht", erwiderte er, „Ich hab mir wohl..." Für ein paar Sekunden stockte Draco, denn die nächsten Worte fielen ihm unheimlich schwer. „Sorgen um dich gemacht."
Hermione lachte freundlos auf. „Sorgen? Wieso solltest ausgerechnet du dir Sorgen um mich machen?"

Wieder trat Stille ein. Dieses Mal hielt sie aber etwas länger an. Es war das leichte Rauschen des Sees zu hören, während eine kühle Brise sanft über diesen stich und Bäume des Verbotenen Waldes zum Erzittern brachte. Plötzlich, auf einmal, konnte Hermione seine Hand spüren, welche sanft ihre umschloss. In diesem Moment löste sie ihren Blick vom Bild des Sees und sah ihn zum ersten Mal direkt an.

„Ich weiß es nicht... aber... ich glaube...", flüsterte Draco, „ich... liebe dich."

Hermione brauchte ein paar Sekunden bis sie begriff, was er eben gesagt hatte. Ihr Herz machte einen kleinen Sprung, trotzdem aber mahnte sie sich nicht zu viele Gefühle zuzulassen.

Langsam schüttelte sie den Kopf. „Hör auf!", bebte sie leise, „Ich will das nicht... Hör doch bitte auf, du hast mir doch schon genug weggetan..."
Entsetzt weiteten sich Dracos Augen und er sah erschrocken zu, wie Hermione seine Hand abschüttelte und ihr Gesicht abwand. Er konnte aber noch sehen, wie etwas ihren Wangen entlang glitzerte und er wusste auch genau was es war... Tränen.
„Nein... ich will dir nicht wehtun, glaub mir. Das einzige was ich wirklich will, bist du."
Abermals legte Draco seine Hand auf ihre, beugte sich vorsichtig vor und hob ihr Kinn an, damit sie ihn ansah. Wirklich bewusst wie kalt ihre Haut war, war ihm nicht, denn in diesem Augenblick war er von ihren brauen glänzenden Augen viel zu sehr in den Bann gezogen. Jetzt waren ihre Gesichter nur noch ein paar Zentimeter voneinander entfernt.

„Ich liebe dich... Niemals würde ich dir noch mehr wehtun wollen, als ich es sowieso schon getan habe. Ich weiß, dass das alles ein riesiger Fehler von mir war und ich hatte auch keine Ahnung was mich die ganze Zeit geritten hat, aber letzte Woche in Hogsmeade, als ich dich da mit Macmillan gesehen habe... ich konnte einfach nicht anders. Bitte glaub mir."

Sanft berührte er ihre Lippen und stellte fest das sie eiskalt waren. Hermione erzitterte etwas unter der Berührung seines Kusses und es kam ihm wie eine Ewigkeit vor, in der sie sich in einer Art Trance befand. Auf einmal aber spürte er wie sich ihre Lippen ihm entzogen und ihr Körper zur Seite, in den Schnee, fiel. Wie versteinert starrte Draco auf Hermione herab. Sie schien ohnmächtig geworden zu sein. Der helle Mond strahlte auf ihr wunderschönes Gesicht und man konnte fast meinen, sie wäre tot. Bei diesem Gedanken stieg eine Panik in ihm auf. Eine unheilvolle Befürchtung machte sich in ihm breit.

„Hermione?", rief er verzweifelt und legte seine Hand auf ihren Arm.

Ihr Körper war eiskalt. Erschrocken prüfte er ihre Stirn und musste feststellen, dass sie hohes Fieber hatte.

„Hermione, verdammt noch mal, wach auf!"


TBC